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Schwere Zuchthausstrafen für Rundfunkverbrecher.

Berlin, 1.März. (DNB.) Die deutschen Son- dergerichte mutzten sich wieder mit Dolksschäd- lingen befassen, die noch nicht begreifen wollen, daß das Abhören ausländischer Rundfunk­sender im jetzigen Lebenskampf unseres Volkes nicht einKavaliersoergeben", sondern ein Verbre­chen ist, das harte Strafe verdient, weil es die Widerstandskraft des deutschen Volkes gefährdet. So bestrafte das Sondergericht in Hamburg den 57 Jahre alten Ferdinand Reimers und den 50 Jahre alten Ernst Reimers mit fünf Jahren Zuchthaus und den 50 Jahre alten Ernst B e h n mit einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus, weil sie wochenlang die Nachrichten des englischen Senders abgehört und sich ständig darüber unterhalten hatten. Das Sondergericht Frankfurt a. M. ver­urteilte den 37jährigen Paul Krieger aus Frank­furt a. M. zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren, weil er im vorigen Herbst wiederholt absichtlich ausländische Sender eingestellt und ihre Nachrichten in deutscher Sprache abgehört hatte, obwohl er von seiner Schwägerin gewarnt worden war. Krieger war früher bereits wegen staatsfeindlicher Betäti­gung mit Zuchthaus bestraft worden. Das Sonder­gericht in Klagenfurt verurteilte den 59 Jahre alten Gregor B i z ä i l und den 44 Jahre alten

Alexander K l u p p e r zu 3V- Icchren bzw. 18 Mo- naten Zuchthaus. Bizail hatte Klupper in dessen Wohnung angestiftet, den Straßburger Sender em- zustellen und mit Klupper zusammen abgehort. Bi- za!l hat die gehörten Nachrichten später mit Ge­nugtuung weitererzählt. Das Sondergericht i n Danzig verurteilte wegen mehrfachen gemein­schaftlichen Abhörens ausländischer Sender Otto I a c o b s o n und Willi Jacobson zu je IV- Jahren Zuchthaus, Johann Jacobson, der seinen Rundfunk­apparat zur Verfügung gestellt, sowie Frau Marta Jacobson, die die abgehorten Nachrichten weiter­verbreitet hatte, zu je 2V- Jahren Zuchtbaus. Das Sondergericht in Weimar verurteilte den Artur Nenn stiel aus Wangenheim, der Nachrichten des Luxemburger und Straßburger Senders in deut­scher Sprache abgehört und an Arbeitskameraden weiterverbreitet hatte, zu einer Zuchthausstrafe von 2Va Jahren. Das Sondergericht i n K i e l schließlich bestrafte den 30 Jahre alten Karl K u n t e r wegen Aohörens ausländischer Sender und Vergehens gegen das Heimtückengesetz zu 2V, Jahren Zucht­haus, weil er ausländische Sender abgehört und darüber hinaus hetzerische Redensarten geführt hatte.

Volke gegebene neue soziale und völkische Ordnung ist, ins Herz zu treffen und damit den organischen Prozeß der Volkwerdung der Deutschen rückwärts zu revidieren, den Adolf Hitler soeben beendet hat, indem er das Werk Friedrichs des Großen und Bismarcks vollendete.

Die deutsche Nation hatte einst nach den Worten Heinrich von Treitschkes in überschwellendem Taten­drang die Kaiserkrone der Christenheit mit der ihren verbunden, ihr Leben ausgeschmückt mit allen Reizen ritterlicher Kunst und Bildung, Ungeheures Sund geopfert, um die Führerschaft des andes zu behaupten. Aber in den Kämpfen zwischen den Kaisern und den territorialen Mäch­ten war die kaiserliche Zentralgewalt zu einem Schemen herabgesunken, während im Osten deutsche Bauern, Bürger und Ritter die größte kolonisato­rische Tat der Geschichte seit den Römertagen ge­leistet hatten. Nachdem die Reformation noch ein­mal alle fruchtbaren Geister aus stumpfer Lethargie geweckt und die ungeheuren Energien der Nation entfaltet hatte, hat der Dreißigjährige Krieg alle Blüten eines neuen politischen Frühlings des deut­schen Volkes grausam zerschlagen. Dr. Goebbels hat in Münster daraus hingewiesen, wie damals deutsche Volkskraft durcy falsche Führung und Un­einigkeit sinnlos vertan wurde. Das Kaisertum der Habsburger, das feinen deutschen Charakter ver­loren hatte, wurde zu einer Macht, deren Schwer­gewicht senseits der deutschen Grenzen lag und deren deutsche Politik von ihren weltweiten Inter­essen bestimmt wurde, fremde Völker machten deut- sches Land zum Schlachtfeld Europas, zwei Drittel des deutschen Volkes wurden Opfer der Verheerun­gen des Dreißigjährigen Krieges, an dessen Ende die Mündungen von fünf deutschen Strömen in fremde Hände üb ergingen, Deutschland selbst terri­torial in unzählige weltliche und geistliche Fürsten­tümer und freie Städte atomisiert war und aus­ländische Großmächte alsGaranten" des West­fälischen Friedens sich gleichsam die Schußherrschaft über das ohnmächtig am Boden liegende, zerspli-t- terte und entrechtete Deutschland anmaßen konnten.

Das war der Tiefpunkt deutscher Erniedrigung, der heute wieder in aufrüttelnder Flammenschrist vor unser aller Augen steht, denn es ist genau der Punkt, wo unsere plutokratischen Feinde in ihrem brutalen Dernichtungswillen und in ihrer grenzen­losen Vermessenheit uns am Ende dieses neuen von ihnen entfachten Krieges wieder haben möchten. Mit einem Schlage soll getilgt werden, wozu einst Friedrich der Große den Grund schuf, als sein Genie, seine Kühnheit, seine Standhaftigkeit und fein eiserner Fleiß auf dem Boden der deutschen Kolonisation des Ostens den Kern zu einer neuen politischen Macht in Deutschland legte. Ausgerottet soll werden, wozu einst Bismarck die Fundamente legte, als er die preußische Staatsidee zur Reichs­idee erweiterte und im Rahmen der Möglichkeiten feiner Zeit das neue Reich als kleindeutsche Zwi­schenlösung gründete. Und zertrümmert soll werden, was Adolf Hitler dann vollendet hat, als er als revolutionäre Tat und doch als sinnvollen Abschluß eines geschichtlich folgerichtigen Prozesses mit genia­lem Blick für die bewegenden Energien der Zeit, mit der gewaltigen Kraft des Glaubens an die Unsterblichkeit seines Volkes und im tiefen Bewußt­sein seiner Sendung im sozialen Dolksstaat des Großdeutschen Reiches 80 Millionen Menschen glei­cher Art. gleicher Sitte und gleicher Rasse zusam- menlchloß. Aus der klaren Erkenntnis dieser letz­ten Kriegsziele der westlichen Plutokratien, die keine noch so moraltriefenden Phrasen der feindlichen Propagandakünstler verschleiern können, erwächst dem deutschen Volk die innere Kraft, jedes Opfer zu bringen, was uns dem Siege über unsere Ver­derber näberzubringen vermag.

Wir wißen, daß wir in einem Kampf auf Leben und Tod stehen. Wir wißen, daß mir in diesem Kampf, dessen ganzer Ernst und ganze Schwere uns noch bevorsteht, siegen müssen, und daher werden wir siegen. Wir kämpfen um unser vitalstes Lebensrecbt, das man uns unter den lächerlichsten Vorwänden verweigert. Wir wißen, daß man unsere Vernichtung als unabhängiges Staatsgebilde, unfern Untergang als freies, über fein Geschick selbst bestimmendes Volk beschloßen hat.

Aus diesem Wißen um den zügellosen Vernichtungs- Willen unserer Feinde ergibt sich die Notwendigkeit unseres Sieges und aus der Erkenntnis dieser Not­wendigkeit unser Wille zum Sieg, der alle Energien zum letzten und äußersten Einsatz in uns frei macht. Jede Halbheit, jede Unentschlossenheit wäre ein Preisgeben der Zukunft unseres Volkes. Grade weil wir niemals auch nur im entferntesten daran gedacht haben und auch heute nicht daran denken, nach irgendeiner Art von Weltherrschaft zu streben, wie die plutokratische Propaganda uns unterstellt, um mit solchen Hirngespinsten die öffent­liche Meinung zu vernebeln und von der eigenen Beherrschung großer -Teile des Erdballs und von der Versklavung Hunderter von Millionen fremder Völker abzulenken, grade weil wir uns eines fo guten Gewissens erfreuen, niemals das Leben oder auch nur die nationalen Interessen des englischen und französischen Volkes bedroht zu haben, steht ver Sinn dieses Kampfes uns deutlich vor Augen und wächst in uns die Entschloßenhekt, ihn zum Siege zu führen, zu einem Siege, der dem deutschen Volk die sichere Gewähr für eine freie Entfaltung seiner Le­benskräfte in dem ihm kraft seines natürlichen Rechtes zustehenden Lebensraum bietet und jede Gefahr weiterer Eimnischungsversuche der periphe­rischen Mächte Europas für alle Zeiten bannt.

Der Wille zur Selbstbehauptung als großes, einiges, freies und unabhängiges Volk und die Ueberzeugung von der Gerechtigkeit unserer guten Sache sind unsere Schildträger in diesem Kampf gegen die perfiden Lügen und gemeinen Verleum­dungen, mit denen die feindliche Haßpropaganda uns begeifert. Reichspreßechef Dr. Dietrich hat auf der Wiesbadener Kriegstagung der deutschen Presse von dem unüberwindlichen Wall der Seelen gesprochen, den die deutschen Zeitungen im Herzen des deutschen Volkes errichten, nicht nur um es immun zu machen gegen das feindliche Gift der Zersetzung und der Luge, das einst im Weltkrieg sich als die wirkungsvollste Waffe zur Vernichtung oes kaiserlichen Deutschlands erwiesen hat, sondern auch um nach den Worten Dr. Dietrichs den deut­schen Menschen mit jener Kraft der Begeisterung und jenem Willen zum Siege zu erfüllen, der Serge versetzt und Welten bewegt. Kein flackerndes Stroy­feuer einer falschen Überheblichkeit, die den Feind unterschätzt und sich in hohlem Kraftmeiertum genug [ein läßt, wollen mir in unseren Herzen entzünden, sondern die stetig glühende Flamme ruhigen Selbst­vertrauens und mutiger Gefaßtheit, eine Flamme, die auch in Wind und Sturm immer wieder neue

Kraft schöpft aus dem unversiegbaren Lebensquell deutscher Seelenstärke und uns daher auch zum Siege leuchten wird. So gehen wir in das zweite Halbjahr dieses Kampfes, nicht nur in der festen Zuversicht unterer wirtschaftlichen Widerstandskraft, nicht mir in Dem stolzen Bewußtsein, daß die beste Wehrmacht der Welt die deutschen Waffen zum Siege tragen wird, nicht nur in dem gläubigen Ver­trauen zum Führer, sondern auch in Der klaren Er­kenntnis, daß der Träger dieses Kampfes das deut­sche Volk als Ganzes ist, eine Summe von Einzel­nen, von denen jeder, sich feiner besonderen Auf­gabe und feiner besonderen Pflicht bewußt, sein Bestes und Letztes geben muß, fei es auch immer, wohin ihn der Wille des Führers in dieser großen Front der deutschen Kampf- und Schicksalsgemein- schaft gestellt hat. Nur als solch eine unzertrennliche Gemeinschaft werden wir in diesem Kampfe den Sieg erringen, der uns und unseren Kindern eine Zukunft sichern soll, für die es sich zu kämpfen, zu opfern und wenn es not tut auch zu sterben lohnt. Dr. Fr. W. Lange.

Folgen der Evakuierung Londons.

Amsterdam, 1. März. (Europapreß.) Einen Protestmarsch von 600 Regierunasbeamten nach London kündigt derDaily Expreß" an. Die Be­amten, die in London beheimatet, aber seit Kriegs­beginn nach Glouoestershire evakuiert sind, for­dern ihre Rückversetzung nach LonDon, Da sie mit ihrem Gehalt den doppelten Haushalt nicht aufrechterhalten können. Das Blatt fügt hinzu, die Evakuierung habe schwere Nachteile für das Gefchäftsleben in London nach sich ge­zogen. Der Umsatz der Läden in London sei um 30 v. H. gefallen, um doppelt soviel wie in den Provinzen.Diele Londoner Ladenbesitzer sehen dem Bankrott entgegen, sie schließen ihre Läden, weil ihre Kunden aus der Stadt getrieben worden sind. So bringt die Evakuierung Ruin für beide: für die, die gehen, und für die, die bleiben!"

Guatemala fordert Rückgabe des Gebietes von Belice.

Guatemala, 2. März. (DNB. - Funkspruch.) Bei Eröffnung der Nationalversammlung ging Staatspräsident General Jorge U b t c o auch auf den Streit mit England wegen des Gebietes von Belice (Britisch-Honduras) ein. Er betonte, daß Guatemala dieses Gebiet zurückfordere,

weil England die in dem Vertrage von 1859 ein­gegangenen Verpflichtungen nicht erfüllte. Das Schiedsgericht müsse auch die Frage einer Ent­schädigung, die England für die lange Vor­enthaltung des Gebietes von Belice an Guatemala zu zahlen hätte, regeln.

Sie faschistische Miliz in das italienische Heer eingegliedert.

Rom, 1. März. (Europapreß.) Am Freitag wur­den dem italienischen Heer 132 Bataillone der fa- schistischen Miliz einverleibt. In der römischen Presse wird betont, daß die regulären Truppen und die Schwarzhemdenlegionen ihre Waffenbrüderschaft be­reits auf den Schlachtfeldern des Imperiums und Spaniens mit ihrem Blut besiegelt hätten, und daß sie in Zukunft alsfurchtbarer Block des Willens und der Waffen" den Schutz des italienischen Welt­reiches und der faschistischen Revolution unter einer einheitlichen Leitung wahrzunehmen haben würden.

Neuverteilung der Bundes- Departements in der Schweiz.

B e r n, 2. März. (Europapreß.) Der schweizerische Bundesrat hat die Neuverteilung der Departements beschloßen. Das Politische Departement fällt an Bun­despräsident Pilet-Golaz, das Post- und Eisen­bahn-Departement an den neugewöhlten Bundesrat C e l i o, die übrigen Departements bleiben wie bis»

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Familien-Caf£ in Gießen

her besetzt, und zwar das Volkswirtschafts-Departe­ment mit Bundesrat O b r e ch t, das Militär-Depar­tement mit Bundesrat Minger, das Departement des Innern mit Bundesrat Etter, das Justiz- und Polizei-Departement mit Bundesrat Baumann und das Finanz-Departement mit Bundesrat Wet­ter.

Wasserweg Schwarzes Meer-Ostsee.

Moskau, 1. März. (DNB.) Wie3smeftlja* aus Barnowitfchi berichtet, haben im Bezirk Slo- nym (West-Weißrußland) die vorbereitenden Ar­beiten zur Errichtung eines großen Schiff­fahrtskanals begonnen, der den Dnjepr mit dem Njemen verbinden soll. Der 500 Kilometer lange Kanal wird die kürzeste Wasser­straße zwischen dem Schwarzen Meer und der Ost- fee schaffen und ähnlich wie der Dnjepr-Bug- Kanal für den Güterverkehr zwischen Deutschland und der Sowjetunion eine hervorragende Rolle spielen. Er soll bereits 1941 dem Verkehr über­geben werden.

Kleine politische Nachrichten.

Am Freitag jährte sich zum fünften Male der Tag, an dem das Saarland wieder dem Reich eingegliedert wurde. Aus diesem Anlaß sprach Reichskommissar Gauleiter Bürckel im Kasseler Staatstheater zu den dort versammelten Saar- pfälzern, die mit die schwersten Lasten in die­sem Ringen um die Entscheidung zu tragen hätten und überbrachte ihnen Gruß und Anerkennung des Führers für ihre tapfere Haltung.

*

Der 3206 Bruttoregistertonnen große lettische DampferK a to a l d i s * ist an der Küste von Porkshire gesunken. Zwei Rettungsboote -des italienischen DampfersMirella" (5340 BRT.) find an der britischen Küste gelandet. Der fran­zösische DampferPLM 25" (5391 BRT.) ist in der Nordsee nach einer Explosion gesun­ken. Vier Mann der Besatzung wurden getötet.

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IL.

Roman von Frank F. Braun

Copyright by Deutscher Verlag, Berlin

29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Der Mann prallte zurück. Er deckte feine Hand über die von solcher überraschenden Lichtfülle schmerzhaft getroffenen Augen. Gleichzeitig wich er rückwärts.

Kybcmder riß den schußbereiten Revolver heraus. ,Hände hoch!" befahl er.Machen Sie keine Be­wegung oder ich schieße! Kriminalpolizei. Sie sind verhaftet!"

Der Mann hörte nur den Anfang der Befehle. Er kümmerte sich nicht um die Drohung. Mit einem Sprung war er beim Fenster, enterte auf das Brett und sprang in den Hof. Die Perlenkette nahm er mit.

Kybcmder stand mit dem Revolver in der Hand. Der Einbrecher hatte ihm lange Zeit ein gutes Ziel geboten. Der Kommissar hätte ihn mit Leichtigkeit und absoluter Sicherheit abschießen können. Aber es widerstrebte ihm, dem flüchtenden Mann eine Kugel in den Rücken zu jagen.

Er lief dem Einbrecher nach. Mit einem Sprung war er aus dem Fenster und wollte über den Hof und in den Torweg.

Da sah er schon das Getümmel. Der Flüchtende war auf einen Gegner gestoßen. Ein junger, breit­schultriger Mann hielt ihn auf; aber der Fremde war geschickt. Er stieß dem neuen Gegner blitzschnell die Faust in die Magengegend. Der Mann sank ächzend um, und der Einbrecher wäre entkommen, denn Kybander war noch sechs, acht Schritte ent­fernt, da tauchte ein dritter Gegner auf.

Aus dem Schatten des Torwegs huschte katzenartig eine Frau, ein Mädchen heran und umschlang den Einbrecher mit beiden Armen.

Wenn Sie sich wehren, schieße ich!", drohte sie und drückte ihm die Waffe in den Rücken, ohne ihre Umarmung ein bißchen zu lösen.

Er spürte den harten Revolverlauf, die runde Mündung zwischen seinen Rippen. Entsetzt riß er die Augen auf und starrte in zwei blaue funkelnde und fo schöne Augen.

Es war der Augenblick, da Kybander heran war und ihn packte, zurückriß und festhielt. Die Flucht war zu Ende.

Sie gingen in Ludwig Carlottis Laden zurück. Diesmal durch die Tür, die der Kommlßar auf­

schloß. Der Perser war gefügig, er machte feinen Fluchtversuch mehr. Er legte auch die Perlenkette wieder auf den Tisch.

Wie tarnen Sie dazu, hier einzubrechen und die Perlenkette zu stehlen?" fragte Kybander.

Ich bin eingebrochen, weil man mir mein Eigen­tum vorenthielt. Ich habe nicht gestohlen. Diese Perlen gehören mir. Sie befanden sich in dem Buddhakasten dort. Mein Bruder verkaufte in meiner Abwesenheit das Kästchen mit dem Buddha für fünfzig Mark an den Händler Zibilla. Zibilla gab bie Figur im Kasten weiter an Ludwig Carlotti. Ich wollte den Kauf rückgängig machen, aber nie­mand ging daraus ein. Sie ahnten etwas. Sie woll­ten die Perlen für sich behalten. Ich mußte zur Not­wehr greifen." Er sah den Kommissar an.Ver­stehen Sie?"

Notwehr", sagte Kybander,können Sie das nun nicht nennen. Aber wenn Sie die Wahrheit gesagt haben, sieht der Fall für Sie nicht allzu schlimm aus. Wo befanden sich diese Perlenr Sie sagen in dem Buddhakasten? Den habe ich mir angesehen; der Kasten enthält keinerlei Behälter."

Nein", sagte Ali Aftab,es ist ein Geheimnis da­bei. Der nickende Buddha beißt er. Aber er nickt nur, wenn man ihn an einer bestimmten Stelle berührt. Hier oben am Kops, sehen Sie." Er trat an den Tisch und berührte die Buddhafigur.Herr Carlotti kam durch einen Zufall, denke ich, hinter den Mecha­nismus."

Das muh allerdings der Fall gewesen sein", stimmte Kybander zu.

Kann ich die Perlenkette behalten?" fragte Ali Aftab zögernd.

Der Perser senkte den Kopf. Er legte mit einem traurigen Gesicht, bas Abschied nahm, Die Perlen auf den Tßch.Bitte", sagte er, trat an Kybander heran und hielt ihm beide Hände hin.

Sie meinen, ich soll Sie fesseln? Ach nein. Ich verhafte Sie nicht einmal. Ich verpflichte Sie nur, bis zur Klärung der Angelegenheit Berlin nicht zu verlassen. Haben Sie verstanden? Bei einem Flucht­versuch geraten Sie automatisch in Haft."

Ach fliehe nicht. Ich muß meine Perlen zuruck- betommen."

Sie wissen, daß Ludwig Carlotti auf sonderbare Art getötet wurde?" Kybander sah den Perser prüfend an. Keine Regung im Gesicht des anderen entging ihm.

5a , sagte Ali Aftab,er wurde mit seinem eigenen Revolver erschossen. Ich las das. Aber das ist vielleicht gar nicht so sonderbar, Herr Kommißar, wenn Sie an meinen Fall denken. Wahrscheinlich hat er Feinde' aus ähnlichen Gründen gehabt, Leute, die sich übervorteilt ober sogar betrogen fühlten, unb die ihn töteten."

Sie sind auffallend rasch bei der Hand, Herr

Aftab, den Mord unbekannten Geschäftsfreunden Carlottis in bie Schuhe zu schieben."

Gewiß", sagte Ali Aftab harmloser benn je, denn sonst haben Sie mich in Verdacht."

Kybander sagte hart:Spielen Sie doch nicht mit mir Versteck, Ali Aftab, Sie wissen doch ganz genau, daß Ludwig Carlotti nicht erschoßen wurde."

Der Perser starrte ihn an. Solches Erstaunen konnte niemand schauspielern.Aber er ist doch tot", sagte er ratlos.

Kybander kniff bie Stirn in viele Falten.Lubwig Carlotti ist tot, sagte er.Aber er würbe nicht erschossen, sondern vergiftet."

Nach diesen Worten war es eine ganze Weile still im Raum. Dann sagte Friedel Herder impulsiv: Oh, Otto-Erich, wie gut! Nun bist du gar nicht mehr im Verdacht mit deinem dummen Revolver."

Kybander warf ihr einen Blick zu, halb gutmütig nickend, halb verärgert.Wir müssen es beenden", sagte er unb faßte sich.Sie können gehen, Herr Aftab, aber benfen Sie baran, Sie werben über­wacht unb gefaßt in bem Augenblick, wo Sie Berlin zu verlassen suchen. Außerbem gehen Sie bann ber Perlen verlustig." Er hoffte, bas letzte Argument werde besonbers wirken.

Der Perser ging hinaus. Kybanber brachte bas Fenster in Orbnung. Er legte bie Holzläben vor. Die Scheibe ba ganz oben war zwar entzwei, aber heute nacht würbe nicht noch einmal jemanb ein­steigen. Immerhin nahm er bie Perlenkette an sich unb wollte sie einstecken. Er hielt sie auf ber Hanb unb stutzte. Er hatte bie Perlen vor bem Einbruch genau untersucht. Es waren vierunbzwanzig mittel­große rötliche, sehr schöne Perlen gewesen.Einen Augenblick, bitte", bat er unb zählte bie Perlen. Vierunbzwanzig", murmelte er unb schüttelte ben Kopf. Aber dann sah er das Schloß an und fein Gesicht hellte sich auf.Natürlich hat er an bie Zahl gebacht, es war ja anzunehmen, baß ich bie Perlen gezählt hatte."

Wie bitte, Herr Kommissar?" fragte ber Schau­spieler.

Ach, nichts", sagte Kybander, er steckte bie Kette nun boch nicht ein, sondern warf sie auf den Tisch. Ich habe nur soeben festgesteüt, daß an unserem Perser Ali Aftab ein Zauberkünstler verloren­gegangen ist. Aber das ist nicht wichtig. Im Gegen­teil, er soll ruhig glauben, baß er mich getäuscht hat." Er tat eine Hanbbewegung, bie zur Tür bat. Hinter ben beiben schloß er zu.

Kybanber ging noch eine Weile zu Fuß. Sein Gesicht war ernster benn je.

Er nahm sich in Gebanken die Liste der Verdäch­tigen vor und ging sie durch. Der Kreis ber Per­sonen um Lubwig Carlotti würbe kleiner und enger. Otto-Erich Hegg schied au$ unb seiner festen Uetzer»

zeugung nach auch ber Perser Ali Aftab. Das Taschenspielerstück ba vorhin mit ber Perlenkette ftanb auf einem anberen Blatte.

Er überlegte weiter. Da war bas Mäbchen, die Tochter Jwanka ... Sonderbares Zusammentreffen, aber lassen wir uns dadurch nicht beirren. Jwanka Gospik, wenn sie je wirklich in Verdacht ftanb, konnte man streichen, besonders nach dem, was ber Detektiv Zacharias unb Henke über ihre Stellung zu Lubwig Carlotti in Erfahrung gebracht hatten, unb was ihm Carlottis Schreibtisch verraten hatte.

Seine Hanb strich burch bie Luft. Er tat einen Querstrich, als streiche er wirklich einen Namen burch. Blieben noch brei Personen. Alle drei mit bem gleichen Namen Carlottl. Ein schauerlicher Ge­baute, einer von ihnen ben Morb zuzutrauen. Hen­riette Carlotti, bie Mutter; Julia Carlotti, bie Frau, unb schließlich Gerhart Carlottl, ber Bruber bes Ermorbeten. Eine bavon burch Indizien kaum be­lastet: Julia Carlottl. Die Mutter bagegen aufs schwerste belastet, man konnte fast sagen: In be- grünbetem Verbacht. Der Bruber bann gewisser­maßen im Zwielicht stehenb. Grünbe bafür, baß er den Mord begangen hatte, gab es. Er liebte Julia. Auch bie Möglichkeit ber Tat hatte er gehabt. Er konnte bas Gift besessen haben. Er als einziger. Denn wie hätten bie Frauen zu bem Schlangengift kommen können, bas irgendwo aus Indien ooer Afrika stammte ... Unb welchen Grunb konnte Frau Henriette gehabt haben, ihren Sohn zu vergiften ...

Er schritt zum Nollenborfplatz. Vielleicht fuhr noch eine Untergrundbahn in seine Gegend.

Ein Gedanke plagte ihn. Die Frauen hatten beide sehr leicht zu dem Gift gelangen können, gesetzt den Fall, daß Gerhart Carlotti es von feinen Reisen mit- gebracht hatte. Sie lebten sozusagen In häuslicher Gemeinschaft mit ihm. Es mußte ein leichtes fein, sowohl für die Mutter als auch für bie Schwägerin, ihm bei paffenber Gelegenheit bas Gift ober einen Teil bes Giftes zu entroenben. Gerhart Carlotti brauchte bas nicht einmal gemerkt zu haben.

Als Gerhart Carlotti ins flimmer trat, fuhr Julia am Schreibtisch schreckhaft zusammen; aber bann flog ein Leuchten über ihr tränenfeuchtes Gesicht.Wie gut, baß du kommst!"

Du sollst doch nicht meinen", sagte Gerhart.Da er dich nicht betrog, hat Ludwig dich geliebt. Er würde nicht wollen, daß du hier um ihn trauerst, er war nie neidisch ... Ich glaube, es würde in feinem Sinne fein, wenn ich dich hier herausnehme unb in eine anbere Umgebung bringe." Er überrumpelte sie einfach.Wann kannst bu bereit fein? Wir fahren nach Bayern ober ins Salzkammergut. Es wirb sich irgenbmo ein Plätzchen finden, wohin ber Name Carlotti noch nicht gebrungen ist."

(MW istzy