gebührenden Platz unter unseren Bühnenautoren einnimmt. Spielleituna: 5>ans Albert Schewe. Bühnenbild: Karl Löffler. 3. Dienstag-Miete.
Ortszeit für den 2. Oktober.
Sonnenaufgang: 7.28 Uhr; Sonnenuntergang: 19 Uhr; Mondaufgang: 8.34 Uhr; Monduntergang: 19.22 Uhr.
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Die Sprechstunden der DAF., Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, werden ab sofort Montags und Freitags von 17 Uhr a u f 19 Uhr verlängert. Anmeldungen zu Lehrgemeinschaften können insbesondere von den Arbeitskameraden abgegeben werden, die erst nach 17 Uhr kommen können. Dauer der Sprechstundenverlängerung bis 11. Oktober 1940 einschließlich. 4183V
Christian Reiber.
Am morgigen Mittwoch, 2. Oktober, vollendet der jetzt in Bad Homburg v. d. H. wohnende frühere Gießener Möbelfabrikant Christian Reiber sein 84. Lebensjahr. Der Jubilar ist durch sein berufliches und ehrenamtliches Wirken in unserer Stadt und darüber hinaus bekannt geworden und genießt im Kreise der Gießener Bevölkerung große Wertschätzung. Er hat einen großen Abschnitt der Entwicklung unserer Stadt seit 1856, seinem Geburtsjahr, miterlebt und vor etwa einem Jahrzehnt im damaligen Gießener Stadtrat, wie auch vorher schon im Vereinsleben, mitgestalteü helfen.
Nach seiner Schulzeit und der kaufmännischen Lehre in der Schirmerschen Tabakfabrik genügte er als Einjährig-Freiwilliger seiner Militärpflicht in unserem Gießener Jnf.-Rgt. 116. Dann war er auswärts tätig, bis er im Jahre 1877 als kaufmännischer Leiter in das väterliche Möbelgeschäft eintrat, dessen Räume sich im Seltersweg 35 befanden. Da dieses Grundstück für den Betrieb bald unzureichend war, verlegte er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern den Betrieb in das Grundstück Seltersweg 38, Ecke Löwengasse, wo er durch Umbau einen Laden mit acht großen Schaufenstern schuf und außerdem zwei geräumige Lagerhäuser für Möbelausstellungen errichten ließ. Zur Erleichterung des Geschäftsverkehrs wurde — als erste Einrichtung dieser Art in Gießen — eine Fernsprechanlage zwischen den beiden Grundstücken angelegt, die später bis zur Bahnhofstraße 63/65 fortgesetzt wurde, wo die Gebrüder Reiber eine Möbelfabrik mit Dampfbetrieb und vielen Holzbearbeitungsmaschinen als Erweiterung des am Seltersweg betriebenen Derkaufsgeschäfts hatten errichten laßen. Hier entstand auch die erste elektrische Beleuchtungsanlage in Gießen, anfangs nur für die eigene Fabrik, später als Blockstation zur Lieferung von Licht- und Kraftstrom nach den umliegenden Grundstücken. Die Möbelfabrik mit ihrer umfangreichen Holzbearbeitung nahm bald einen starken Aufschwung. Als Auswirkung seiner beruflichen Tätigkeit wurde Christian Reiber in den Vorstand der Südwestdeutschen Holzberufsgenossen- schaft Sektion III Mainz berufen, außerdem zum Delegierten für die . Genossenschaftsversammlungen in Stuttgart, Straßburg und Mainz, sowie zum Vertrauensmann für Oberhessen bei Betriebsunfallschäden ernannt Nach dem Tode seines älteren Bruders und veranlaßt durch schwere Erkrankungen in seiner eigenen Familie zog sich Christian Reiber nach dreißigjähriger Tätigkeit vom Geschäft zurück. Das Fabrikgrundstück in der Bahnhofstraße wurde verkauft und das am Seltersweg wieder vereinigte Verkaufs- und Fabrikationsgeschäft zum Weiterbetrieb verpachtet.
Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit war der Jubilar auch im Dereinswesen unserer Stadt erfolgreich tätig. Der Gießener Rudergesellschaft gehört er seit dem Gründungsjahr 1877 nun schon 63 Jahre an, längere Jahre war er deren 1. Vorsitzender, und im Jahre 1927 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste um die GRG. zu ihrem Ehrenvorsitzenden ernannt. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gründete er, gemeinsam mit dem Kaufmann Louis Treff, den Verein Cre- ditreform, und auch hier war er längere Jahre Vorsitzender. In den Jahren 1923/24, als die Inflation den alten Rentnern schwersten Schaden zufügte und viele von ihnen ihren Besitz fast völlig verloren hatten, war Christian Reiber bei oer Gründung der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Rentnerbundes maßgebend beteiligt, später rief er zur noch energi- fcheren Vertretung der Interessen der Jnflations- geschädigten auch die Ortsgruppe Gießen des Deut
schen Sparerbundes ins Leben. Mit aller Tatkraft fttzte er sich damals für die berechtigten Forderungen der Opfer der Inflation ein und fand dabei die volle Zustimmung weiter Beoölkerungskreise in Stadt und Land unserer engeren Heimat. Vom Herbst 1922 bis zum Frühjahr 1924 war er bei der Bürgermeisterei tätig, wo er die Unterstützungssätze für die damals in größter Not befindlichen Kleinrentner zu berechnen und auszuzahlen hatte. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Sparerbundes in Gießen wurde Christian Reiber in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Im Herbst 1929 wurde er in den Gießener Stadtrat gewählt, dem er bis zu dessen Auflösung im März 1933 angehörte. Auch hier leistete er rege Mitarbeit an den Aufgaben der Stadt im Dienste der Allgemeinheit. Vor einigen Jahren verlegte der Jubilar aus Gesundheitsrücksichten seinen Wohnsitz nach Bad Homburg v. d. H.
Als besonders interessant sei noch vermerkt, daß im Geburtsjahr Christian Reibers, 1856, die damalige Gasanstalt, die Grundlage unseres heutigen Gaswerks, errichtet wurde und er in feinen Knabenjahren den ersten Straßendurchbruch vom Seltersweg nach der projektierten „Neuen Anlage", der fpäteren Südanlage, heute Hindenburgwall, mit- erlebte. Seit über 60 Jahren gehört der Jubilar zu den treuen Beziehern des „Gießener Anzeigers". Möge dem alten Herrn nach seinem langen und arbeitsreichen Leben noch ein weiterer schöner Lebensabend beschieden fein.
Ausgabe der neuen Reichskleiderkarte.
Vom kommenden Donnerstag, 3. Oktober ab, wird in Gießen die neue Reichskleiderkarte ausgegeben. Gleichzeitig damit kommen auch die neuen Seifenkarten zur Ausgabe. Bei der Abholung der neuen Karten müssen die Lebensmittel-Personalausweise vorgezeigt werden.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 1. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10 Kartoffeln, % kg 4 Rpf., 5 kg 40, Wirsing, % Kg 7 bis 8, Weißkraut 5, Rotkraut 8, gelbe Rüben 7, rote Rüben 8, Spinat 18, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 20, Unterkohlrabi 7, Grünkohl 18 bis 20, Tomaten 16 bis 18, Zwiebeln 12, Schwarzwurzeln 30, Kürbis 7, Feldsalat C/io) 10, Aepfel, Vi kg 15 bis 25, Birnen 15 bis 30, Zwetschen 11 bis 15, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 40, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bund 10 Rpf.
*
** Mädelgruppe 1/116 Gießen-Süd. Alle Pflicht- und Hausjahrmädel der Gruppe treten am heutigen Dienstag, 1. Oktober, um 18 Uhr zu einem Appell in der Schillerschule an.
** D i e nst j u b i l ä um. Am heutigen Tage ist der Reisende Robert Warner 50 Jahre bei her Firma W. & G. Schuchard in Gießen tätig. Aus diesem Anlaß fand heute ein Betriebsappell zu Ehren des Jubilars statt. Der Führer verlieh Herrn Wörner für 50jährige treue Arbeit das Treudlenst- Ehrenzeichen, welches ihm durch den Betriebsftihrer überreicht wurde.
** Ein Zusammenstoß. Am heutigen Mittwoch früh ereignete sich in der Bahnhofstraße an der Ecke Mühlstraße ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Lastauto. Da»1 bei erlitt der Kraftwagen einigen Sachschaden, vor allem an der Steuerung. Zum Glück kamen Personen nicht zu Schaden. Der Unfall hatte für den Straßenbahndienst eine kurze Verkehrsstörung zur Folge.
** Städtische Bücherei. Im September sind 1777 Bände ausgeliehen worden. Von diesen Bänden kamen auf: Literaturgeschichte 3, Zeitschriften 14, Gedichte und Dramen 8, Erzählende Literatur 1056, Jugendschristen 333, Länder- und Völkerkunde 91, Kulturgeschichte 7, Geschichte und Biographien 138, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft und Technologe 53, Heer- und Seewesen 24, Hausund Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 7, Religion und Philosophie 9, Staatswissenschaft 23 Bände.
Schweinemarkt in Alsfeld.
* Alsfeld, 30. September. Auf dem heutigen S ch w e i n e m a r k t waren 215 Ferkel und Läuferschweine zum Verkauf aufgetrieben. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 15 bis 20 RM., 8 bis 10 Wochen alte 18 bis 25 RM., Läuferschweine 28 bis 30 RM. pro Stück. Das Geschäft verlief schleppend, es verblieb geringer Ueberstand.
Pkte. 12:2 10:4 7:5 8:6 3:9 0:14
Steinbach Heuchelheim Hungen Klein-Linden Großen-Linden Grüningen
Gew.
6
5
3
4
1 0
Spiele
7
7
6
7
6
7
Verl.
1
2
2
3
4
7
Unentsch. 0 0 1 0 1 0
Führungstor geschossen, doch blieben weitere Erfolge versagt. Zwei Spieler mußten auf Geheiß des Schiedsrichters das Spielfeld verlassen, dünn wurde das Spiel offener. Nach der Pause hatten die Gäste mehr vom Spiel, sie berannten das Tor, aber hier stand eine Hintermannschaft, die keinen Erfolg zuließ. Erst vier Minuten vor Schluß gelang es dem Mittelstürmer der Gäste, einen Alleingang erfolgreich abzufchließen, somit wenigstens einen Punkt rettend.
Steinbach — Grüningen 6:1 (3:1).
Eigentlich hatte man dem Tabellenführer etwas mehr zugetraut, zumal die Gäste nur mit zehn Mann anzutreten gezwungen waren. Die Gäste überraschten in der ersten Spielhälfte und konnten das Spiel offen halten. Die Stürmer Steinbachs spielten sehr zerfahren, doch konnten sie drei Tore bis zum Wechsel anbringen, während der Gast durch einen Weitschuß zum Ehrentor kam. Nach der Pause waren die Gäste erschöpft und mußten stark verteidigen, wobei sich hte Hintermannschaft besonders auszeichnete. Durch drei weitere Tore stellten die Platzherren den Sieg sicher.
Tabellenstand der II. Klasse nach dem 29.9.
Alan kauft keine Katze im Sack. Nein, man will sie erst sehen! Manchmal hat man trotzdem gekauft, was gerade da war. Jetzt ist der Nachschub von Erdal durch die Erdal-Nachfüllpackung in hohem Maße gesichert. Jetzt sieht man wieder darauf, daß man das altbewährte Erdal erhält. Die Erdal-Nachfüllpackung ist übrigens kein „Ersatz" im üblen Sinn des Wortes, sondern vollwertige Ware wie in der Erdal- Blechdose. Lediglich um die Erdal-Blechdose mehrmals verwenden zu können, ist die Verpackuna anders. Das ist keine Katze im Sack, sondern Leist u n g ! 4357V
Kurze Sportnotizen.
Die „letzten Acht" im Fußball-Tscham« merpokalwettbewerb sind 1. FC. Nürnberg, Spvgg. Fürth, Rapid Wien, Wiener SC., Schwarzweiß Essen, Fortuna Düsseldorf, Dresdner SC. und VfB. Königsberg. Sie bestreiten am 20. Oktober die vier Spiele der 4. Schlußrunde.
konnten. Das niedrige Punktergebnis von 25:26 zeigt schon, daß von beiden Seiten mit erheblicher Vorsicht gespielt wurde, um keine Gewinnchance auszulassen. Doch das gerade erwies sich für Gießen als eine falsche Taktik, da der Angriff dadurch völlig außer Schlag kam und Gießen im Augenblick, als die Möglichkeit bestand, die Führung zu übernehmen, den Gegner durch kraftvollen Schlag nicht genügend unter Druck fetzen konnte. Für den Turnverein 1846 spielten Becher, Dr. Nohl, Dr. Pfeffer, Riexinger, Trapp.
Sie Ergebnisse
um die Kriegserinnerungsplakette.
Heuchelheim — Kleln-Linden 3:1 (0:0).
Wie vorausgesehen, leisteten die Turner aus Klein-Linden den Platzherren erbitterten Widerstand. In der ersten Spielhälfte lieferten die Gäste ein jederzeit offenes und sehr schnelles Spiel, Tore fielen jedoch nicht. Nach dem Wechsel drängten die Gäste stark und wurden auch durch. ein Tor belohnt. Dies war der Auftakt für die Platzherren, nunmehr stark aus sich herauszugehen. Bald war der Ausgleich geschafft, ein weiteres Tor und ein durch Elfmeter erzieltes Tor ergaben den Schlußstand.
Großen-Linden — Hungen 1:1 (1:0).
Das Ergebnis bedeutet eine Ueberraschung, denn wohl niemand hätte den Platzherren einen so starken Widerstand zugetraut. Die Platzherren hatten den Wind als Bundesgenossen gewählt und hatten dadurch in der ersten Spielhälfte leichte Vorteile. Schon nach acht Minuten hatten sie das
Vergtteffen des ASM. auf dem Hoherodskopf.
Das Hoherodskopf-Bergfeft, das beliebte Bergtreffen der Oberheffen, konnte in diesem Jahre nicht durchgeführt werden. Um die traditionelle Verbundenheit der Turner, Sportler und Wanderer mit dem „Berg der Hessen" aber auch im Kriegsjahr 1940 zu bekunden, hatte NSRL.-Gau- und Bezirksführer Dtterbein (Friedberg) die heimische Leibesübung zu einem Kriegstteffen auf dem oberheffifchen Heimatberge am Sonntag aufgerufen.
Schon - am Samstagnachmittag weilte die Be- zirkssührung des NSRL.-Bezirkes Friedberg mit den Mitgliedern des Hoherodskopfbergfeft-Ausfchus- fes in der Vogelsbergstadt Schotten. Am Grabe des im letzten Jahre verstorbenen Schottener Kronenwirts, der ein verdienter Förderer der Turn- fache und ein eifriger Mitarbeiter im Bergfest- Ausfchuß war, gedachte man in Dankbarkeit des treuen Kameraden. Am Abend war man im Klub- haus" auf dem Hoherodskopf zu einer wichtigen Besprechung vereint, die der Gestaltung der zukünftigen Hoherodskopf-Bergfeste galt. Vom VHC. wohnte Dr. med. Bruchhäus er (Ulrichstein) der Sitzung bei.
■ Am Sonntggvormittag sanden sich die „Hohe- rodskopf-Getreuen" aus den Kreisen der Turner und Wanderer auf der Heimathöhe zu der Feierstunde ein, in deren Verlauf NSRL.-Bezirks- jührer Otterbein der Kameraden gedachte, die den feldgrauen Rock tragen, um anschließend über das große Zeitgeschehen zu sprechen und mit dem Gelöbnis treuen und pflichtbewußten Einsatzes den Führer zu grüßen, der im Jahre vor der Machtübernahme in einer großen Kundgebung auf dem Hoherodskopf feine getreuen Hessen zum letzten entscheidenden Kampf für den Sieg der national» sozialistischen Idee aufgerufen hatte.
Am Nachmittag begab sich ein Teil der Besucher auf die Herchenhainer Höhe, wo am Ehrenmal des VHC. Bezirksdietwart, Ortsgruppenleiter S ch w i ck e r t (Nieder-Mörlen) einen Eichenkranz niederlegte und in Dankbarkeit der toten Kameraden des Weltkriegs und des jetzigen Krieges gedachte.
Tv. 1846 Gießen in Bad Homburg.
Zum Abschluß der diesjährigen Spielzeit beteiligte sich der Gießener Turnverein 1846 an einem Faustoallturnier in Bad Hornburg, das Mannschaften aus dem Süden des Bereichs Hessen und aus Frankfurt bestritten. Die acht angetretenen Mannschaften erledigten in zwei Gruppen zunächst die Vorrunde. Die gesetzten Mannschaften landeten jeweils die erwarteten Siege. So sicherte sich „Licht- Luft Frankfurt" in feiner Gruppe ziemlich unangefochten den Gruppensieg, wobei es einen ernsthaften und knapp erftrittenen Sieg lediglich gegen Homburg zu erringen galt. Auf der anderen Seite kam Gießen zu haushohen Siegen gegen „Jahn- gemeinfchaft" Oberursel mit 57:23, gegen Motorenfabrik Oberursel mit 67:16 und gegen Homburg II mit 41:18. Nach diesen Ergebnissen konnte auch die Zwischenrunde kaum Ueberraschungen bringen. „Licht-Lust Frankfurt" schaltete, wie erwartet, Homburg II sehr sicher mit 38:12 aus. Im zweiten Spiel traf Gießen auf Homburg I, eine sehr schlagkräftige und sichere Mannschaft, die jedoch das Pech hatte, die Gießener einmal in bester Form zu sehen. Mit 12:27 bei Halbzeit war das Spiel bereits praktisch entschieden, wenn auch nach dem Wechsel sich die Gastgeber noch recht gut hielten. Trotz des zahlenmäßig hohen Sieges unseres Bereichsmeisters war das Spiel doch nie einseitig und wurde, da es von beiden Seiten im Anschlag, wie im Rückschlag mit höchster Wucht geführt wurde, zum Höhepunkt der Turniers. Ergebnis 30:51 für Gießen.
Das Endspiel führte wieder einmal nach langer Zeit Gießen und „Licht-Luft Frankfurt" gegeneinander. Leider ereichte der Turnverein gerade in diesem Spiel lange nicht die Form des vorhergehenden, überließ dem Gegner schon zu Beginn eine 7:2-Führung, die, wie der Spielverlauf dann zeigte, entscheidend war. Die zweite Spielhälfte war ausgefüllt von dem Kampf um den Gewinnpunkt, den zuguterletzt die Frankfurter für sich buchen
Wäoglndtaii
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
36 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
j „Wollen Sie einmal näher hier an den Tisch treten", fordert darauf der Beamte Bergholz auf. „Hier sind eine Anzahl Photos aus dem Verbrecheralbum. Bitte sehen Sie sich die mal genau an, ab Sie auf einem den Mann erkennen."
Bergholz beugt sich herab, deutet nach kurzem Dergleichen auf eine der Aufnahmen. „Da ... der ist es!"
Der Kriminalrat steht auf, nimmt das Lichtbild in die Hand, sieht Hans Bergholz an und sagt: „Es ist Klaus Tjaden!"
Eine Minute steht ihm Bergholz regungslos gegenüber. „Alfa doch!" sagt er dann halblaut und setzt nach kurzem Verstummen noch etwas hinzu, das den anwesenden Kriminalbeamten unangebracht und komisch Vorkommen mag: „Armer Kerl!" lagt er. —
Eine halbe Stunde später ist Hans Bergholz frei.
Seine schnelle Haftentlassung erfolgt nicht allein aus dem Grunde, daß er in einem ihm vorgelegten Lichtbild den Mann wiedererkannt hatte, der am Tage vorher bei Dietmuth Röhl eingedrungen war, und die von ihm gegebene Darstellung des Geschehens damit glaubhafter wurde; auch die von ihm ausgeführte Rettung einer Lebensmüden, die inzwischen bekanntgeworden ist, zeigt der Kriminal- behörde sein Bild in einem günstigeren Licht. Den Ausschlag jedoch gibt noch eine andere Tatsache: Der rätselhafte Fremde, an dessen Dasein die Kriminalpolizei zuerst nicht glaubte, war noch von jemandem in dem Hause in der Meinikestraße gesehen worden. Der Hauswart hatte ihn von der zum Hofe führenden Tür aus gesehen. Seine Beschreibung des Mannes stimmt mit der von Bergholz ziemlich genau überein.
Die gründliche Arbeit der Kriminalbehörde bei den Nachforschungen hat noch ein weiteres Ergeb
nis gezeitigt: Die Aussagen der Springer, die gestern Bergholz so sehr belastet hatten, sowie das Verhalten dieser zuerst durchaus glaubwürdigen Zeugin erscheint bereits am nächsten Tage fragwürdig — denn der Hauswart, der in der seitlichen Nische zum Hofausgang stand, hatte beobachtet, wie sie von dem die Treppe des Vorderhauses herabeilenden Mann im Hausflur angerannt wurde; wie sie zur Seite wich und sich nach ihm umdrehte, als er zum Haustor hinauslief. Gestern hatte sie auf Befragen angegeben, niemandem im Flur und auf der Treppe begegnet zu fein. Dabei bleibt sie auch, bis ihr die Kriminalbeamten die Aussagen des Hauswarts vorhalten. Da besinnt sie sich auf die Begegnung. In ihrem furchtbaren Schreck und Schmerz, als sie beim Betteten der Wohnung Frau Röhl tot in ihrem Blute liegen fand, in der nachfolgenden Aufregung habe sie den belanglosen Vorgang völlig vergessen, erklärt sie. —
Die Nachricht von dem ttagischen, gewaltsamen Ende der weit bekannten und viel gefeierten Künstlerin findet ein starkes Echo in der Oeffentlichkeit. Schon am ersten Tage ist ein fortwährendes Kommen und Gehen in dem von der Kriminalpolizei überwachten Hause. Die drei nebeneinanderliegenden Vorderzimmer sind verschlossen, und in der Diele sitzt ständig, ein Beamter vom Überwachungsdienst. Aber man kann nicht alle Besucher an der Tür weg- schicken. Da erscheinen die Kollegen der Hingernor- beten und viele andere hervorragende Vertreter aus Künstlerkreisen, Leute von der Presse und viele Freunde und Bekannte der schönen, berühmten Frau.
Kläre Springer empfängt die Besucher schwarzgekleidet, bleich, sichtlich von tiefem Schmerz bewegt. Sie ist ja die Leidtragende. Daß sie die langjährige Vertraute und treueste Freundin der Getöteten war, wissen viele, und denen, die es nicht wissen, sagt sie es.
So stellt der Tag hohe Anforderungen an sie, denen sie sich aber durchaus gewachsen fühlt — bis zu der Stunde gegen Abend, als sie neuen Befragungen seitens der Kriminalpolizei ausgesetzt ist. Da hat sie Mühe, ihre sichere Haltung zu bewahren.
Die Photographie eines Mannes wird ihr gezeigt, und man fragt sie, ob sie diesen Mann kenne.
Ganz zu verbergen vermag sie ihr Erschrecken nicht. Doch ihre Klugheit gibt ihr blitzschnell ein,
daß ein Ableugnen jetzt ein verhängnisvoller Fehler wäre. Darum sagt sie: „Ja, das ist Tjaden."
„Sie waren bereits mit Frau Tjaden zusammen — die sich mit ihrem Künstlernamen Röhl nannte — als diese Ehe geschlossen wurde?" fragt einer der Herren, die in ihrem Zimmer Platz genommen haben.
„3a."
„Und Sie waren vor fünf Jahren eine Haupt« zeugin in der Anklage gegen Tjaden, der damals wegen der an dem Reeder Ecksttöm begangenen Gewalttat verurteilt wurde?"
Auch diese Frage bejaht Fräulein Springer.
,/Sind Sie dem Mann einmal wiederbegegnet?" „Nein!" entgegnet sie sehr bestimmt.
Die beiden Kriminalisten tauschen einen Blick, und der eine sagt, sie wieder ansehend: „Sie sind ihm doch begegnet, Fräulein Springer! Gestern abend kurz vor sieben Uhr, als Sie das Haus betraten, kam er die Treppe herab gerannt, stieß Sie an und lief zum Haus hinaus, wobei Sie sich nach ihm umdrehten."
Kläre Springer spielt die Ueberraschte, die Fassungslose. Sie schnellt empor, hebt wie beschwörend die Hände. „Aber nein! ... Dieser Mann war doch nicht Tjaden! ... Da liegt ein Irrtum vor."
„Es ist inzwischen festgestellt, daß er es war", sagt der eine der Beamten in eigentümlich gedämpftem Ton, in dem es wie eine leise Drohung ober Warnung klingt. Er schweigt eine Minute und fährt dann ebenso leise fort: „Sie behaupteten erst, Fräu- lein Springer, dem Mann nicht begegnet zu fein. Dann als festgestellt war, daß Sie ihn doch gesehen haben müfsen, erinnerten Sie sich und erklärten, Sie hätten die Begegnung in Ihrer Aufregung vergessen. Eben erkannten Sie Tjaden nach dem Lichtbild. Der Hauswart, der den Mann nur flüchtig gesehen hat, erkannte ihn in diesem Bilde eben» falls. Besinnen Sie sich, Fräulein Springer! Bleiben Sie bei Ihrer Behauptung, der Ihnen im Hausflur Begegnete sei nicht Tjaden gewesen?"
,^Jawohl, dabei bleibe ich!" stößt sie heftig hervor. Dann läßt sie sich in den Sessel sinken und hebt mit leidender Miene die Hände an die Schläfen. „Ich habe heute Außergewöhnliches leisten müssen", sagt sie mit völliger veränderter Stimme in klagendem Ton. „Durch das entsetzliche Ende meiner geliebten Herrin und Freundin ist so Schwe
res über mich gekommen. Aber jetzt — dieses Verhör, meine Herren — es geht über meine Nervenkraft!"
Die Beamten tauschen wieder einen Blick. Wäh- ' rend der eine unmerklich nickt und sein Buch zuklappt, worin er sich Anmerkungen gemacht hat, sagt der andere, der zuletzt gesprochen hat: „Wir verstehen das vollkommen, Fräulein Springer, und bedauern, Ihnen diese Störung nicht ersparen zu können. Wir wollen auch nicht Ihre Erklärung bezweifeln, denn", — er schweigt einen Augenblick und setzt dann langsam und mit Nachdruck hinzu: „hätten Sie den an Ihnen vorbei zum Hause hinausflüchtenden Tjaden erkannt, märe Ihr ganzes Verhalten nicht zu begreifen! Als sie gleich daraus Frau Röhl erschossen vorfanden, hätten Sie nicht im Zweifel darüber fein können, wer die Tat verübt hat. Sie kannten den gewalttätigen Menschen. Und Sie hätten die Aussage des Doktor Bergholz, er sei von einem bei Frau Röhl eindringenden Mann niedergeschlagen worden, als er sie vor ihm schützen wollte, nicht als Lüge hinstellen, nicht ihn selbst als den Mörder bezeichnen und mit allen Ihren Aussagen so schwer verdächtigen können."
Die Springer sitzt ein wenig in sich zusammengesunken, hält die Hände immer noch an den Schläfen und die Augen geschlossen. Sie ist wachsbleich, und ihre Lippen sind verzerrt. „Das erhalte ich alles aufrecht! ... Alles!" stößt sie zwischen den Zähnen hervor.
Die beiden Kriminalbeamten lassen sie darauf allein — hinterlassen ihr die Erkenntnis, daß sie sich selbst in eine bedenkliche Lage gebracht hat.
Auch der nächste Tag nimmt,sie wieder außerordentlich in Anspruch mit vielerlei Maßnahmen, die sich durch den plötzlichen Tod Dietmuthe Röhls als nötig erweisen; mit den Vorbereitungen zu den Trauerfeierlichkeiten und der Bestattucka. Aber das alles bewahrt sie nicht vor dem 21nbrin gen neuer unangenehmer Erörterungen und Befragungen. Da wird nun auch noch der Besuch der Maria Ellrich hineingezogen. Sie ist heimlich wütend darüber, aber das nützt ihr nichts. Daß die einfältige Person sich ins Wasser stürzen mußte und der Zufall ausgerechnet den Doktor Bergholz an das Seeufer führte und ihm Gelegenheit gab, jetzt mit einer Rettertat für sich Reklame zu machen, paßt durchaus nicht in ihre Absichten und Berechnungen.
(Fortsetzung folgt.)


