Ausgabe 
30.10.1902 Zweites Blatt
 
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fiänbtgen, wolllen einen der Ihrigen opfern. Wer mm toor es zn spät. Infolge des Zankes verließen nun erst die Bauern und dann die Lehrer das Wahllokal, sodaß die Sozialdemokraten allein drin blieben. Diese hielten an der erwähnten Liste fest, durch ihre Stimmen kamen also der Bürgermeister und der Lehrer in den Landtag. Nun wird ein heftiger Truck auf den Bürgermeister ausaeübt; er habe keine Wahl von Sozialdemokraten annehmen sollen, er müsse sein Mandat jetzt wieder niederlegen. Ader er lehnt das ab und beruft sich dabei auf seine Pflicht als Haupt einer Fabrikstadt, deren Arbeiterbevölkerung ihn ge­wählt habe.

Rudolstadt, 29. DEL Bei der Landtagswahl siegle der Sozialdemokrat mit 471 gegen den Freisinnigen mit 426 Stimmen. Dadurch ist die Zahl der s o z ia l - demokratischen Abgeordneten in dem Landtag auf acht (bisher 1) gestiegen, das sind die Hälfte aller M anbat e.

Ausland.

London, 29. Okt. Die Burengenerale Botha, De­ine t und Delarey fuhren heute nachmittag nach dem Wnckingham-Palast und schrieben sich in die Besucherlisten ein.

Ter Generalgouverneur von Australien hat seine Demission eingereicht, da er die chm bewillig- ten Repräsentationsgelder im Betrage von 20000 Pfund als unzureichend bezeichnet.

Paris, 29. Okt. Mehreren Blättern zufolge Bat der Marineminister Pellelan angeordnet, daß die Bestellungen von Dampfer st ahlplatten und sonstigenBestandteilen für drei im Bau befindliche Panzerschiffe sofort suspendiert werden sollen. TasJournal des Debats" meldet, der Marineminister habe dem Vertreter einer Fabrik in Montluoon erklärt, daß es sich nur um einen vorüber­gehenden Aufschub handle.

Paris, 29. Ott. In der heute stattgehabten Sitzung des Gemeinderats interpellierte der Nationalist Caron den Polizeipräfekten Lipine über dessen Be­ziehungen zur Familie Humbert. Lepine er­widerte, er sei in fünfzehn Jahren dreimal in das Haus der Familie Humbert gekommen. Er habe keinerlei Miß­trauen gegen diese Familie gehabt und gestehe, daß er der­selben wiederholt Theaterbillets geschenkt habe. Er bekenne ferner, daß die Frau Humbert seiner Tochter ein Ho chzeitsge schenk gemacht habe. Er habe hierin keine Falle erblicken können. Tas Geschenk habe er natürlich nach der Flucht der Humbert sofort dem Konkursverwalter zur Verfügung gestellt. Er erkläre auf Ehrenwort, daß er seine Pflicht als Be­amter in der Affaire Humbert niemals ver­letzt habe. Ter Gemeinderat nahm sodann eine von einem Nationalisten eingebrachte Resolution an, in welcher erklärt wird, daß die Polizei, welche gegenwärtig ein rein politischer Dienstzweig geworden sei, unter dieLeitung des Gemeinderats gestellt werden möge.

Nizza, 29. Okt. Ter Gesundheitszustand des Expräsi­denten Krüger hat sich wesentlich gebessert; das süd­liche Klima bekommt Krüger ausgezeichnet, nichtsdesto­weniger besteht er daraus, nach Südafrika zurückzu­kehren, sobald er vollständig wiederhergestellt ist.

Wien, 29. Ott. (Abgeordnetenhaus.) Inder fortgesetzten Verhandlung über die Tringlichkeitsanträge bett. den ostgalizischen Feldarbeiter st reik erklärt Abg. Glombinski (Pole) unter Widerspruch der Ruth en en, daß die Ruthenen bei allen Gegnern der Polen, nament­lich auch in der preußischen Regierung und in der hakatistischen Presse mächtige Verbündete hätten und bespricht den Streik als Werk desNational-Ruthenlschen Komitees, welches seit Jahren bemüht gewesen ist, das irische Streik- und Boykottsystem nach Galizien zu ver­pflanzen.

Budapest, 29. Ott. Tie kroatische Landesregierung ordnete an, daß die durch die jüngsten Exzesse gegen die Serben verursachte Schadensumme sofort durch einen 3V2prozentigen Zuschlag zur Gemeindesteuer ein* zutreiben und durch das Steueramt unmittelbar den Be­schädigten auszuzahlen sei.

Ta die Vorlage betreffend die Einziehung de r Ersatzreserven keine Aussicht hat, von dem Parla­ment angenommen zu werden, wird, wie verlautet, die Vorlage gänzlich zurückgezogen werden.

Belgrad, 29. Okt. Ter König begnadigte alle wegen der Kundgebungen gegen den Senat im vergangenen Frühjahr zur Sielegierung verurteilten Hoch sch ül er.

Konstantinopel, 29. Okt. Tie Türken geben voraussichtlich im Konflikt wegen der Grenzregulie­rung im Hinterlande von Jemen-Aden nur bashalb na ch, weil seitens Englands energischere Maßregeln, wie z. B. eine Schiffsdemonstration, angedroht wurden.

In dem eigenhändigen Schreiben des Sultans, welches die türkische Mission dem Zaren nach Livadia überbringt, ist auch die Einladung zu einem Besuch in fi? o n ft a n t in vpel enthalten.

Tret Eisenbahnwagen mit verwundeten tür­kis ch e n Soldaten tarnen gestern aus den Gebieten, in denen Kämpfe mitden rnacedon ischenBanden »ui)en haben, hier an. Tie Pforte teilte dem hie- tschaster mit, daß in Rnstschnk (Bulgarien» Personen, die den rnacedonischen Banden nahe stehen, Die dortige muselmanische Bevölkerung mit dem Tode bedrohten. Tie Behörde crfiarte, nicht ein schreiten zu können. Drei Musel­manen seien getötet worden.

New York, 29. Okt. Eine eigentümliche religiöse Bewegung ist unter den Tuchobergen in Canadien (Nordwest-Territorium) ausgebrochen. Gestern trafen 2000 Personen, die ihre Farmen verlassen hatten, in Yorktown ein, sie erklärten, Jesus zu suchen. Sie gewährten einen traurigen Anblick, da sie durchaus unzureichend be­kleidet und in der bitteren itälte fast verhungert waren. Manche Frauen hatten tote Kinder auf dem Slime, Kranke wurden auf Tragbahren mitgesührt.

Iie Evangelische ^Landessynode. n.

Tarmstadt, 29. Ott.

Tie heutige Sitzung wurde um 9V< Uhr mit Gebet er­öffnet. Ter Vorsitzende, Herr Prof. D. Stamm-Gießen, schlug vor, zunächst die Wahl eines Ersatzmitgliedes für den dritten Ausschuß vorzunehmen. Tie Versammlung wählte mittels Stimmzettel Herrn Pfarrer Buhl zu Nie­der-Eschbach mit 39 Stimmen dazu. Tarauf folgte die Wahl eines Mttgliedes des SynodalM.sschusses, als welches Herr Rechtsanwalt Dr. Lucius-Mainz g-wählt wird. Zum Mitglied beS Tistztplinaraericktshess wird \>crr Real- Schuldirektor Lr. Gerard-Micheldach trrnaiuu, in den

Lukher-Ansschnst werden auf Antrag des Synodalen Wahl- Schlitz, zwei Gießener Herren, Prof. T. Stamm und Pft. Schlosser gewählt. Nun folgt die Wahl des gestern be- chlossenen Sonderausschusses für das Kirchenbuch. Es wer­den folgende sieben Herren gewählt: Prvf. T. Stamm- Gießen, Tekan Stamm-Stockstadt, Pfarrer Fink-Zwingen­berg, Pfarrer Weber-Lich, Landgerichtsrat Dornseift-Gie- zen, Pfarrer Eck-Offenbach und Prof. Eger-Friedberg.

Ter Präsident verliest nun ein Schreiben des Herrn Kirchenrat D. Köstlin, in welchem unmaßgebliche Vorschläge ür die Beratungen des eben gewählten Ausschusses ge­macht werden. Es entspinnt sich darauf eine kurze Debatte darüber, ob nach Verl sung dieses Schreibens ein Anlaß zu neuer TiskussionsÖffnung gegeben sei. Man sieht jedoch schließlich von einer solchen ab.

Zur Tagesordiiung ubergeheno, referiert Herr Tirekwr D. Weifsenbach -Fricoberg über den Bericht des Großh. Oberkonsistvriums über die Verhältnisse und Zustände der evangelischen Landeskirche in der Synodalperiode 1895 bis 1899. Im allgemeinen sei der Zustand in der evangelischen Landeskirche ein durchaus erfreulicher. Die Entwickelung sei fortdauernd in aufsteigender Linie be­griffen und nicht zum Geringsten, zeige sich dies in dem weiteren Ausbau des landeskirchlichen Bestandes durch Bil­dung neuer selbständiger Kirchengemeinden und Gründung neuer Pfarrstellen. Selbständige Kirchengemeinden entstan­den in Laubenheim, Budenheim, Viernheim, Ober-Olm, während in Bensheim eine zweite und in Heppenheim a. d. Bergstraße eine neue Pfarre errichtet wurde. Als ein Fortschritt für das äußere kirchliche Leben sei auch zu be­grüßen, daß in einer Reihe von Gemeinden das lästige Simultanverhältnis abgelöst wurde. Ter Ausschuß freut ich ferner über die entschiedene Haltung des Oberkonsistv­riums hinsichtlich der Frage der Beerdigung von Katholiken mit evangelischen Hinterbliebenen und gegenüber der miß­bräuchlichen Wiedertaufe bereits getaufter evangelischer Kinder seitens mancher katholischer Geistlichen. Dagegen empfindet er es als einen wunden Punkt, daß im Gebiet der gemischten Ehen, sowie bezüglich der Taufe der Kinder aus solchen sich die Statistik für Rheinhessen (namentlich Mainz und Worms) sich so auffallend ungünstig darstellt und geradezu beschämend für das evangelisch-kirchliche Be­wußtsein genannt werden muß. Es sollte mit allen Mitteln auf Hebung des evangelisch-kirchlichen Ehrgefühls und der protestantischen Charakterfestigkeit hingewirkt, auch der Kirchenbehörde anheimgegeben werden, ob nicht selbst einmal das außerordentliche Mittel eines Hirtenbriefes diesen Gegenstand für die genannte Provinz in Anwendung gebracht werden könnte, um die teilweise schlummernden evang. Kräfte und Gefühle neu zu beleben. Ter Synodal­ausschuß begrüßt mit freudiger Genugthuung und Tank die durchgreifende Neuordnung und Erhöhung der Gehalts- verhältnisse der evang. Geistlichen und Kirchenbeamten. Tie Mttteilungen auf dem Gebiet des inneren kirchlichen Lebens begrüßt der Ausschuß mit Befriedigung und be­sondere Anerkennung zollt er den Tekanatssynoden über ihre eifrige und im Ganzen recht erfolgreiche Tbättgkeit. Gerade die Heranziehung einer aus der Gemeinoe selbst hervorgewachsenen Gemeinde-Armen- und Krankenpflege, der Inneren Mission" in Form der Erziehungsvereine und ständiger Dekanats für dieselbe gebe eine Bürgschaft dafür, daß das Laien-Element feine Pflicht, sich kräftig am Leben der Kirche zu beteiligen, von Jahr zu Jahr werde besser verstehen und tiefer erfassen lernen. Tagegen kann sich der Ausschuß und die Kirchenbehörde nicht der Besorgnis verschließen, daß in manchen Volkskreisen sich, gewissefreie Regungen" bemerkbar machen, welche die Grenzlinie, die eine solche Bewegung enbgUtig von der Kirche trennen könnte, schließlich überschreiten möchte. Namentlich seien in Oberhessen z. B. die Sendboten derChrischona" dem geordneten Pfarramt gut verwalteter Gemeinden entgegen­getreten. Ter Ausschuß kann sich auch der Besosrgnis nicht entziehen, daß angesichts der zunehmenben Eiitchristlichung der Massen durch die bösen Geister eines atheistischen So­zialismus und im Hinblick auf die immer weiter um sich greifende Genußsucht auch die Landeskirche noch schwere Kämpfe und Anfechtungen zu gewärtigen hoben werde. Recht bedauerlich sei es auch noch mit der Sonntagsruhe in vielen Teilen des Landes bestellt. Wenn man bebenfe, daß 50 Prozent aller Selbstmorde und Morde an Sams­tagen und Sonntagen Vorkommen und 60 Prozent aller Verbrechen, namentlich Sittlichkeitsverbrechen, ja sogar 80 Prozent aller Schlägereien und Messerstechereien, so seien das dock furchtbar erschreckende Zahlen und sehr ernste Zeichen der Zett. Wir gatten allen Grund, zu diesen Fragen ohne Anwandlung von Optimismus Stellung zu nehmen und die Schäden, die Gott sei Tank noch nicht direkt das Mark unseres Volks ergriffen haben, durch treue Seelsorge und durchgreifende Jugenderziehung zu beseitigen.

Herr Oberkonsisdorialpräs. D Bu ch n e r dankt dem Vor­redner für fein Referat unb ergänzte dasselbe noch in einigen Punkten.

Herr Prälat T. Walz ist ebenfalls erfreut über das günstige Fortschreiten unseres kirchlichen Lebens in den letzten zehn Jahren. Zu beflogen sei aber der Mangel an kirchlichem Ehrgefühl bei vielen Männern und Frauen, besonders bei der Eheschließung unb der späteren Kinder- erziehung. Tieselben machten dadurch nicht nur der Kirche keine Ehre, sondern fügten derselben auch erhebliche Ver­luste zu, wie dies besonders jenseits des Rheins der Fall sei. Er wolle aber zur Ehre der Provinz Rheinhessen konstatieren, daß in den Landgemeinden dieser Mangel an kirchlichem Ehrgefühl nicht zu finden sei. Ter Schaden liege besonders in den Städten und den Vororten, wo sich eine fluktuierende Bevölkerung angesammelt hat, die los von ihrer Heimat und allen Beziehungen, die sonst den Menschen halten, dahinlebt, ober die infolge politischer Agitation nicht nur der Kirche, sondern auch der Religion überhaupt entfremdet wurden. Es sollte nach unb nach dahin gestrebt werden, daß die Kirchengesetze überall aus­geführt werden; man sollte die Kirch en vor stände zur ernsten Anwendung derselben ermahnen. Em Hirtenbrief, wie der Referent meinte, wäre aber doch nicht an die richtige Adresse gerichtet. Der Herr Redner wendet sich auch noch gegen einige unerfreuliche oberhessissche Er- scheinungen und verspricht im Namen der Behörde, daß sie die Augen offenhalten und die besagten Erscheinungen als eine ernste Sache betrachten werde, daß sie aber auch zu unterscheiden wissen werde, was wir als evang. Christen, auf Grund des evang. Priestertums und der evang. Freiheit zu thun haben.

Nach einer kurzen Frühstückspause betont Herr Pfarrer Eck als Vertteter des Dekanats Offenbach, daß man hin­sichtlich der Neubildung von Gemeinden, Lftenbach nicht im Bericht erwähnt habe, das doch auch noch in Hessen liege. Herr Lberkonsisivrialpräsident T. Buchner erwidert, daß es sich hier nicht um die Errichtung neuer Stellen handelte.

Herr Pfarrer Wahl-Schlitz erhebt verschiedene Dn- wendüngen unb wirft vor allem die Frage der Stelle»- besetzung auf. Tie jetzige Methode habe eine weitgehende Mißstimmung im Lande heroorgerusen. Tas vorschrifts­mäßige Ausschreiben scheine taft bis zur Bedeutungslosig­keit herabgedrückt. Man habe die Empfindung, daß über die Stellen schon verfügt sei, wenn die Ausschreibung er­folge. Tie Behörde müßte ja eine gewisse Bewegung», freiheit haben, aber es sei doch zu erwägen, ob sich nicht eine andere Form finden lasse. Redner bespricht dann noch die Unkirchlich^eit in vielen Gegenden Hessens und den Mißbrauch des Alkohols namentlich an Sonntagen.

Herr Oberkonsistorialprösident D. Buchner entgegnet, die Stellenbesetzung sei der heikelste Punkt in der gon^ai kirchlichen Verwaltung. Ter Regierung seien auch die Hände gebunden durch das gesetzlich festgelegte DunschrechL der Kirchenvorstände. Tas Konsistorium habe jedenfalls den guten Willen und den Wunsch, möglichst unparteiisch^ und gerecht zu verfahren.

Herr Prälat T. Walz erkennt einen Teil' der Bv» schwerden des Synodalen Pfarrer Walz über die Stellen^ besetzung als berechttgt an und verspricht, in dieser Frage thun zu wollen, was in seinen Kräften stehe. Aber alle zufrieden zu stellen, werde kaum möglich sein Es müsse in der That etwas ,^3orsehung" dabei gespielt werden. Tie geistliche Thätigkeit lasse sich noch viel erweitern; der Pfarrer solle sich auch an der Vereinsthatigkeit betei­ligen und dafür sorgen, daß eine edle Art der Volks- erholung an die Stelle einer jetzt vielfach unedlen trete.

Herr Pfarrer I o st-Bechtheim konstatiert ebenfalls, daß hinsichtlich der Stellenbesetzung viel (Erbitterung herrsche und bespricht bann einige Vorkommnisse in seiner Gemeinde» worauf Herr Prälat D. Walz kurz erwidert. Herr Rechts­anwalt Dr. Lucius-Mainz bringt ebenfalls einige Be­denken gegen die Stellenbesetzung vor, Herr Pfarren Walter-Worms bespricht die gemischten Ehen, die meist gar nicht kirchlich eingefegnet würden. Tas sei also kein Verlust für die evangelische Kirche und kein Gewinn hin die andere Seite. Auch hoffe er, daß sich in WormS die Zustände mit der Zeit bessern würden, der Evang. Bundi daselbst trage viel dazu bei, die kirchliche Ehrenhaftigkeit der evangelischen Männer zu stärken Herr Pfarrer Weber- Lich bespricht noch die Frage der kirchlichen Gemeinschaften, Es sei notwendig, daß man das gesunde Gemeinschaftsbe­dürfnis befriedige uni) die Gemeinschaftssache als etwas Be­rechtigtes anerkenne. Der Schwerpuntt der ganzen kttch­lichen Thätigkeit beruhe auf der Persönlichkeit der Geist­lichen. Man dürfe das Bestreben frommer Leute, die mit Ernst Christen sein wollten, nicht von der Hand weisen Wenn die Geistlichen darin auch von der Behörde Unter­stützung erführen, würde bie Krisis im Lande über wund« werden und die Klagen auch in Oberhessen verstummen.

Herr Pfarrer Wahl-Langen macht noch einige Be­merkungen zur Stellenbesetzungsfrage unb betont, sie sei ein wunder Punkt, dessen Heilung mit aller Entschiedenheit in Angriff genommen werden müsse.

Herr Oberkonsistorialpräs. D Buchner bemerkt, es sei ungeheuer schwer, über diese Frage genaue Entschei- düngen zu treffen. Er verspreche aber, daß er die hier gehörten guten Ratschläge gründlich prüfen und bann zu­sehen werde, was daraus verwendet werden könne, um ben berechtigten Bedenken abzuhelfen.

Nach einigen Bemerkungen des Herrn Rechtsanwall Dr. Lucius-Mainz über den mangelnden evang. Sinn irr ben größeren Städten schließt die Debatte. Die Sitzung; wird darauf abgebrochen. Fortsetzung morgen früh 9 llhr.

1 ............. ."'."j

Aus Stadt und Kauö.

Gießen, 30. Oktober 1902.

Gedenktage. Am 31. Oktober 1811 starb btt Pädagoge Gotthilf Salzmann. Als Sohn eines Pfarrer- wurde er zu Sömmerda i. Thür. 1744 geboren, studierte Theologie in Jena, wurde Pastor in Erfutt und trat als Pädagoge zuerst mit seinem .Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer zwar nicht vernünftigen, aber doch modischen Er- ziehung der Kinder* hervor. Auf dem Landgute Schnepfen­thal bei Woltershausen i. Thür, begründete er die bis heute berühmte Erziehungsanstalt, in der der Geist eines großen Familienkreises heute noch maltet Volks- unß Jugendschiiften gab Salzmann heraus, die roeite Verbreitung fanden, wie bet Bote auS Thüringen".

Hofnachrichten. Wie dieN. H. 93/ zuverlässig erfahren, beabsichtigt der Großherzog in diesem Wuüer eine dreimonatige Reise nach Indien, woselbst er einige Tage der Gast deS VizekömgS sein wirb, um dann voraussichtlich derEinladung mehrerer indischen Fürsten zur Jagd Folge zu leisten.

L. U. Universität Der ordentliche Profeffor bet Physik, Dr. Paul Drude, hat den an ihn ergangenen Ruf nach Leipzig abgelehnt

Personalien. Der von dem Prinzen zu SolmS- Braunfels auf die evangelische Pfarrstelle zu Wölfersheim, Dekanat Hungen, präsentierten Pfarrer Friedrich Clotz zu Schwickattshausen ist für diese Stelle bestätigt, und dem Pfarrer Wilhelm Fischer am Landeszuchthaus Marienschloß ist die evangelische Pfarrstelle zu Nierstein, Dekanat Oppen­heim, übertragen worden.

" Die alten Witze. In vergangener Nacht wurden mehrere Studenten beim AuSlöschen von Straßenlaternen be­troffen, und es gelang, einen Studenten bei der Beschädigung einer Laterne abzufaffen. Anzeigen sind erhoben. Wenn die Studenten ihrer Ulfftimmung Ausdruck geben wollen, dann sollten sie sich wenigstens nicht so alter Witze be­dienen, die sie selbst nur lächerlich machen können.

Alwine Wiecke, die bekannte Berliner Künstlerin, ist soeben von der Direktion unseres Stadttheaters für ein einmaliges Gastspiel in diesem Winter gewonnen worden.

Stadttheater. Die auf dem gestrigen Theater­zettel für Freitag angekündigte Aufführung von .Kabale und Siebe* findet erft kommende Woche, Dienstag den 4. November, statt. Am Freitag wird als erste Klassiker-Aufführung zu kleinen Preisen Schillers »Maria Stuart* gegeben. Tie Eintrittspreise betragen wie bei den volkstümlichen Vorstellungen für Loge Mk. 1.20, Saal 50 Pfg., Gallerie 30 Pfg.

e. Bad- Nauh eim, 29. CfL Heute vormittag rourbb die neue Stadtschule feierlichst emgewciht. Vor 350 Jahren hat in dem .Flecken* Nauheim em lateinischer Dichter, Pfarrer und Schulmeister namens Lotichius die erste SorfkbiHe gezrundet. Bis vor 40 Jahren genügten hi« die