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30/10/1902 Erstes Blatt
 
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Die übrige Bevölkerung (1^5 ruH. ----- 837 949) strnnmt zum größten Teil (829 699) ouS nicht deutschen Staaten; 257 Personen find in deutschen Schutzgebieten und 131 auf See geboren; für 7982 Personen fehlt eine entsprechende Angabe.

Von besonderem Interesse ist die Frage, wieviel reichs­gebürtige Personen in den einzelnen Landesteilen einhei­misch (d. h. dort geboren und anwesend), wie viel dort zu­gezogen (d. h. in anderen Reichsgebietsteilen geboren) und wieviel Einheimische von dort verzogen (d. h. in anderen Landesteilen als zugezogen ermittelt) find. Für Ostpreußen wurden in dieser Beziehung 1909 201 Einheimische, 71920 Zugezogene und 523 836 Weggezogene festgestellt. Demnach hat Ostpreußen 451916 Menschen durch Binnenwanderung an andere Gebietsteile des Reichs abgegeben. Neben Ost­preußen haben im Bevölterungsaustausch der Reichsgebürtigen noch folgende Gebiete verloren (Zahlen in Tausend): West­preußen (186), Pommern (219), Posen (322), Oppeln (148), Breslau und Liegnitz (293), Provinz Sachsen (266), Ober-, Mittel- und Unterfranken (93), Württemberg (120), Mecklen­burg-Schwerin (84).

Gewonnen haben durch die Binnenwanderung (in Tausend): Berlin (800), Brandenburg (177), Westfalen (260), Rheinland (292), Königreich Sachsen (254), Bremen (62), Lothringen (86).

Besonders beträchtlich ist der Zuwachs, den die 33 Groß­städte im Bevölkerungsoerkehr mit den Landesteilen und unter einander erfahren haben. Er beträgt in Tausend bei: Berlin 800, Hamburg 257, München 248, Leipzig 172, BreSlau 162, Dresden 144, Eharlottenburg 133, Frankfurt a. M. 130, Eöln 120, Nürnberg 118, Hannover 96, Stettin 90, Düssel­dorf 83, Stuttgart 77, Magdeburg 71, Chemnitz 71, Straß­burg 67, Mannheim 65, Königsberg 66, Halle a. S. 56 und Dortmund 53.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Oktober 1902.

-h- Burkhards, 28. Ott. Heute weilte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie ein Maurermeister aus Gießen als Sachverständiger hier, um die Unfallstelle zu besichtigen. Da das Gerüst vorschriftsmäßig errichtet war, so trifft den Maurermeister W. aus Ober-Lais keine Schuld.

tz Altenhain, 29. Okt. Unser altes baufälliges SchulhauS soll durch em neneS ersetzt werden. Da unsere Gemeinde nur wenig Wald besitzt, muß das Baukapital, zu dem ein ansehnlicher Staatszuschuß kommt, durch erhöhte Gemeindeumlagen aufgebracht werden.

-o- Zell-Romrod, 29. Okt. Unser Bahnhofs­gebäude erhalt eben einen Anbau, in dem ein Fürsten- salon errichtet wird. Der Rohbau ist bald zu Ende geführt. Vielleicht wird der Fürstensalon die Veranlassung, daß unser Großherzog nun öfter als bisher sein Jagdschloß Rom­rod aufsucht, in dessen Garten kommendes Frühjahr große Veränderungen vorgenommen werden. Der Platz ist schon bestimmt und auch von dem Großherzog genehmigt, wo das Denkmal für Ludwig IV. errichtet wird. Die Aus­führung ist dem Geh. Oberbaurat Hofmann-Darmstadt über­tragen, der auch den Entwurf eines neuen Postgebäudes in mittelalterlichem Burgstil angefertigt hat, das neben das Schloß zu stehen kommt.

)( Aus dem Hüttenberg, 28. Okt. Auch für die Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim soll anfangs November behufs besserer Ausbildung der Wiesenwärter und Landwirte ein viertägiger Kursus im Wiesenbau adgehalten werden. Die Unterweisung geschieht durch den Kreisbaumeister Kämpfer und erstrectt sich auf die Unterhaltung der Be- und Entwässerungsanlagen und der zweckmäßigen und rechtzeitigen Ausübung der Be- und Entwässerung der Wiesen. Ter Unterricht wird unentgeltlich erteilt, und die Teilnehmer erhalten für Zeitversäumnis sogar eine Entschädigung von zwei Mark täglich. Anmeld­ungen sind an die Gemeindevorsteher dieser Gemeinden zu richten.

Frankfurt, 29. Okt. Prinz Friedrich Karl von Hessen und Famllie siedeln am Donnerstag von Schloß

Friedrichshof zum Winteraufenthalt nach Frankfurt über. Die Landgräfin von Hessen wird in den nächsten Ta­gen von Schloß Adolfseck hier eintreffen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau feierte der Präsident beS Landgerichts, Koppen, fein 50jährrges Amtsjubiläum. Er wurde 1852 für den kurhessischen Justizdienst verpflichtet, 1879 LandgenchtSdwektor zu Wiesbaden, 1885 Präsident des Landgerichts Limburg a. b. Lahn und 1888 Land- gerichtspräsibent in Hanau. Der Jubilar ist 72 Jahre alt unb erfreut sich noch ber vollen Schaffenskraft.

Vermischtes.

* Berlin, 29. Okt. Tie Höhe ber von den Brüdern BesaS der Firma Ph. Israel veruntreuten Summe dürfte ca. 100 000 Mark erreichen, wogegen ein Gut­haben des Julius Besas von 60 000 Mk. noch im Geschäft steht.

London, 29. Okt. Der Gouverneur von Saint Vincent telegraphirt über die Lage auf der Insel: Alle Kulturen erlitten weitgehende Schädigungen. Die Ernteaussichten sind viel schlechter als zu Anfang des Monats. Das Gebiet, das sich verhältnismäßiger Sicherheit vor der Schädigung durch die vulkanischen Vorgänge erfreut, erfuhr eine beträchtliche Einengung. Der Erlist der Lage nahm sehr zu.

Budapest, 29. Okt. In Jlok explodirte in dem Geschäft des Kaufmanns Grubic ein Petroleumständer; zwei Commis verbrannten und zahlreiche im Laden anwesenden Kunden erlitten bedenkliche Brandwunden.

Der Kaiser 30 Jahre Waidmann! Ter Kaiser hat mit dem Ende vergangenen Monats insgesamt 30 Jahre der Jagd gehuldigt. Während dieser Zeit erlegte der Monarch nicht weniger als 47 443 Stück Wild resp. jagd­bares Getier. An erster Stelle stehen natürlich die Fa­sanen, von denen der Kaiser 18891 Stück erlegte. Diesen Rekord halten so ziemlich die Hasen mit 17 881 Stück. Es folgen sodann 2507 grobe Sauen, 1627 Kaninchen, 1596 Damhirsche, 1302 Rothirsche, 826 Reihe und Kormorane, 798 Rehböcke, 703 Rebhühner, 316 geringe Sauen, 121 Gemsen, 96 Damtiere, 95 Grouse, 84 Auerhähne, 66 Rot­tiere, 56 Enten, 26 Füchse, 24 Birkhühner, 7 Elche 4 Wiesen­tiere, je 3 Renntiere, Bären, Dachse und Schnepfen, je 1 Baummarder, Wal, Hecht und 473 Stück verschiedene Tiere. Tas diesjährige Jagdergebnis ist ein ganz vorzügliches und endete am 30. September mit dem Abschuß eines un­geraden Zwanzigenders in der Romintener Heide.

* Unterschlagungen bei der Arader Ge­werbe- und Volksbank. In Arad entnahm der Ge­neraldirektor der dortigen Gewerbe- und Vvlksbank, Adolf Böhm einer der angesehensten Bürger der Stadt, aus der Kasse des Instituts 300 000 Kronen und verspielte das Geld an der Börse. Die Defraudation wurde von seinem Buchhalter entdeckt, welcher sofort Meldung erstattete. In Arad herrscht große Bestürzung. Tie Einleger stürmen die Schalter der Bank, doch wird jeder sofort befriedigt. Tie Direktion ist mit Budapester Geldleuten in Verbindung getreten. Tas Grundkapital der Arader Bank beträgt eine Million Kronen, ein Reservefonds von 700000 Kronen ist vorhanden, und von dem veruntreuten Gelde hat die Direktion, welche Böhm blind vertraute, bisher schon 200 000 Kronen gedeckt, sodaß eine unmittelbare Gefahr für das Institut nicht besteht. Tie Untersuchung hat er­geben, daß mehrere Beamte der Bank Kenntnis von der Defraudation hatten. Doch ist nicht festgestellt, ob sie irgendwie hilfreiche Hand dazu geboten haben. Gerichtliche Anzeige seitens der Bank ist bisher nicht erfolgt

0 Gieß en, 28. Okt (Schöffengericht.) Tie Falle, in denen Anzeigen wegen Tierquälerei ergehen, scheinen sich zu mehren; es ist dies offenbar der ge­steigerten Aufmerksamkeit zu verdanken, welche die Schutz­mannschaft und das Publikum der Behandlung unserer Haustiere entgegenbringen. Heute stand der Tienstmann Jacob F. aus Gießen wegen roher Behandlung seines Pferdes vor Gericht Er hatte das Pferd, welches aller­

dings etwas störrig war, durch übermäßige Peitschenhiebs die Licherstraße hin auf getrieben. Hierfür erhiell er zehn Mark Geldstrafe, ev. zwei Tage Haft Konrad L von Krofdorf soll einem seiner Mitbürger eine Pferdedecke bestohlen haben. Er behauptet, er habe seinen Vater, der in die Klinik geschafft werden mußte, damit zudecken und dann die Decke jurücfbringen wollen. Ta ihm die Absicht diese zu behalten, auch nicht nachgewiesen werden konnte, wurde er von Strafe und Kosten freigesprochen. Ter Wirt Wilhelm F. aus Gießen war angeklagt des Wider­standes gegen einen Beamten in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes. Er hatte einem Schutzmanne, ber Feier­abend bot, einen Stoß gegen die Brust versetzt unb z, einem Schlage ins Gesicht ausgeholt. Tas Urteil lautete auf 50 Mark Geldstrafe. Der Fabrikarbeiter Ludwig Pf. aus Odenhausen äußerte einem Portier im Bahnhofs­gebäude gegenüber, indem er zwei Italiener, die dort ver­botener Weise übernachten wollten, in Schutz nahm, die Beamten würden vom Voll ernährt und müßten sich dem­entsprechend verhalten. In der Begeisterung für die gute Sache schleuderte er dem Portier noch etliche Schimpfwörter an den Kopf. Heute verteidigt er sich mit großem Pathos und drolliger Gelehrsamkeit Das Gericht verurteilte ihn trotzdem" wegen Beleidigung zu 60 M a r k Ge ld st r a s e. Außerdem wurde der vorgesetzten Behörde die Publika- tionsbefugnis zugesprochen.Wie gewonnen, so zer­ronnen" ist eilt Betrag von 105 Mark, der einem gewissen Hermann D. als Lotrerietreffer zufiel. Abends that S. sich mit dem gesamten Geld in der Tasche beim Schoppen gütlich. Und wenn man Geld hat, und guter Laune ist, fehlen auch die guten Freunde nicht AIS solch guter Freund zeigte sich an jenem Abend auch ber Taglöhner Karl Sch. aus Gießen, den ber glückliche Gewinner übrigens vorher gar nicht gekannt hat. Nachdem beide lange mit­einander gezecht hatten, schlief S. selig ein. Als er auf­wachte, war fein neuer Freund verschwunden und mit ihm sein schwerer Geldbeutel. Der Indizienbeweis war so be­lastend für den Angeklagten Sch., daß das Gericht zur Ueberzeugung von dessen Schuld kam, und ihn wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis verurteilte. Der Karusselbesitzer Sch. und dessen zwei Söhne hatten sich wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeuge und wegen Bedrohung zu verantworten, begangen an dem Schausteller W. und dessen Familie. Das Gericht ver­urteilte unter Annahme mildernder Umstände den Vater zu einer Geldstrafe von insgesamt 200 Mark, die Söhne zu 25 bezwc 5 Mark.

Göttingen, 25. Okt Eine Skandalaffaire, in welche die Söhne mehrerer angesehener Familien ver­wickelt waren, fand heute ihren Abschluß vor der hiesigen Strafkammer. Wegen Vergehens aus 9 175 St.-G.-B. hätten sich nämlich der 45 jährige Privatniann, frühere Studiosus, Emst Trobitius und der Kandidat der Medizin Arnold Benfey, Sohn eines hiesigen Bankiers, zu verantworten. Sowohl der erstere, der bislang verhaftet war, als auch Benfey, der gegen Kaution auf freiem Fuß belassen wurde, sind in der hiesigen Irrenanstalt auf ihren Geisteszustand untersucht worden. Tas Urteil lautete gegen Trobitius auf ein Jahr sechs Monaten Ge- sängnis, gegen Benfey auf Freisprechung.

Old enbur g, 29. Okt. Der wegen Tötung des Ober­amtsrichters Becker zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilte Bankier von Baden-Bruns wurde heute vom Schwur« aericht noch wegen Depot-Unterschlagung zu zwei Jahren Gefängnis, und unter Umwandlung der Strafe in Zuchthaus, zu insgesamt dreizehn Jahren Zuchthaus verurteilt Sein Vater, der Prokurist bet Bank war, wurde wegen Bechllfe zu einem Jahr Ge­fängnis berurteüt unter Annahme mildernder Umstände.

Leipzig, 27. Okt Faule Eier hat der Viktualien­händler Meyer in Wiesethbruch seinen Kunden verkauft Tas LG. Nürnberg hat Meyer zu 10 M 0 n a t e n & e f ä n g* nis und 5 Jahren Ehrverlust verurteill, außerdem noch die Publikation gemäß der Vorschrift des Nahrungs­mittelgesetzes angeordnet Gegen das Urteil hatte ber Staatsanwalt Revision eingelegt. Er war der Ansicht, daß der Angeklagte bei dem Vorliegen von Idealkonkurren^ nach § 264,2 St.-G.-B. (Rückfallsbetrug) bestraft werden mußte, weil Dies das schwerere Reat fei Daraus folge aber, daß eine Publikation des Urteils nicht möglich fei Tas Reichsgericht schloß sich dieser Auffassung an, yob das Urteil, soweit es auf Publikation laittet, auf unb

Verfassers zu vertreten hat, als ber Ausbunb aller Tugenb unb als ber Edelste unb Beste unter ben ©taubgeborenen erscheint Das ist brutal unb schäbigt bie Tendenz selber, bie ber Autor vertritt, gerabe bei benen, bie er bei maßvollerer Darstellung vielleicht hätte überzeugen können, nämlich bei ben mit ben thatsächlichen Verhältnissen Unvertrauten, deren künstlerischer Geschmack unb Feingefühl jeboch abgestoßen wirb von so plumpem Farbenauftrag. Die breite Masse aber mißversteht natürlich bie wenn auch noch so einseitige, bennoch im Grunbe sittliche Absicht beS Verfassers gänzlich unb höhnt nicht nur jubelnb über baS ganze Agrariertum mitsamt seinem ganzen großen Anhänge, sondern sieht auch die offenbare Unsittlichkeit durch Vertreter beS Staates und ber Kirche geschützt. Das ist das Gefährliche deö Stückes, und das ist, was Engels Komödie, die gewiß einen guten und gesunden Grundgedanken hat, im ethischen Werte sehr herabsetzt DaS Mittelchen, das der gute Götz empfiehlt zur Ausgleichung der Gegensätze, ist das,Mitleid*. Björnson schließt sein ,m übrigen so gewaltiges Drama ,Ueber unsere Kraft" mit den Worten:Einer muß den Anfang machen mit dem Ver­geben." Sehr wohl, Mitleid und Vergebung sind zwei sehr schöne Tugenden, nur leider läßt sich von ihnen sehr viel leichter reden, als daß sie sich üben lassen, und wer sie in den mo­dernen wirtschaftlichen Kämpfen auf sein Panier schreibt, wird mit ihnen ebensowenig zu einem Siege gelangen, wie etwa Jemand, der einen gründlich ramponierten Magen durch Mitleids- oder liebevollen Zuspruch ober burch kirchliche Ab­büßung ber Sünben kurieren wollte.

Man hat gestern bei uns in Gießen ben ersten Akt mit Schweigen hmgenommen; ber zweite und brüte Akt mit ihrer tendenziösen Komik entfeffelten lärmenden, augenschein- llch bemonfttaliv gemeinten Beifall, ber schwache letzte Akt verklang ziemlich geräuschlos. Die Aufführung war im Ganzen vortrefflich, sie verlief sehr glatt und sehr hübsch, wenngleich auch das Ensemble ber primitiven Zeichnung ber Figuren roemg Eigenes und psychologisch Begründendes bei­fügte. Bester wäre eS wohl gewesen, statt Stackes stärker zu machen, eS hier und da nut Takt abzuschwächen. Schon ber Stimmaufwand, den ben ganzen w über dieser und

jener sich kosten ließ, überschritt das nötige Maß, trotz ber pommerschen Oertlichkeit seiner ganzen Robustheü stellte Herr Ramse yer, ber sehr erfolgreiche Spielleiter beS AbenbS, den Hauptmann dar, sehr laut, sehr derb, sehr herrisch und komischer Nllpferdgalanterie. Hätte er ihm etwas naiv Selbstgefällig gegeben, dann wäre bie ganze Figur sympathischer geworben. Den Götz gab Herr Ger lach vor­trefflich. Wo er Schärfe verbinblichen Manieren zu ver­binden hat unb von einer Art anmutiger Frechheit fein soll, ba war er am besten. Frische, sympathische Männlichkeit, Laune unb Sicherheit, heitere Überlegenheit unb zur rechten Zeit auch ein ernster, warmer HerzenSton alles bas zeigte Herr G. im rechten Verhältnis. Frau Schmibt gab mit Ruhe unb Würde bie bestgebachte Figur bes Stückes, bie aus BjörnsonS .Fallissement* bekannte still bulbenbe, alles heroischem Gleichmut überschauenbe Frau bes Haupt­manns. Em Tröpflem warmer Wehmut mehr wäre gar köstlich gewesen. In ber Episobe beS lüsternen Hausfräu- leinS zeigte Fräul. Egarb Maß unb LiebenSwürbigkeü, und Frl. Feige war, trotz stimmlicher Indisposition als tapfere Jungfrau flott und frisch, em getreues Abbild ber Adelheib Runeck m FreytagS »Journalisten*, wie ber Götz eine blasse Moment-Photographie von FreytagS klassischen Bolz ist. in ben kleineren Rollen würbe verhältnismäßig recht Tüch. tiges geleistet, insonberheü von ben Herren Steinert, Becker, Battige und Wallmüller. Alle dienten der Sache mit Eifer unb bie Jnszemrung zeigte vom Anfang biS zu Enbe Leben. Seiner ganzen Mache nach ist bas Stück bazu angethan, viel Anziehung zu üben. P. W.

DaS Kaiserpaar beim Sarah Bernhardt- Gastspiel. Ter Kaiser, die Kaiserin und der Kronprinz von Dänemark wohnten, wie bereits kurz gemeldet, am TienStag in der Seüenloge des ersten Ranges ber Vor­stellung von Sardous ,La Tosca" durch Md. Sarah Bernhardt und chre Truppe im Königl. Schauspielhause zu Berlin bei. Der Kaiser hatte den blauen Attila seines Leib-Garde-Husaren-Regiments angelegt Tie Kaiserin trug eine rosa Tollette; Eorsaae, tief ausgeschnitten und haldlangen Aermeln versehen, uni Rock ivarer uut Gold-

flüterfüll arrangiert, die Schleppe war aus Miroir-SanmN gefertigt Tas Haupt der hohen Frau schmückte ein präch­tiges Diadem als Smaragden und Brillanten, aus denen auch das Collier bestand. Außerdem zierte den Hals eine kostbare Perlenkette. Auf der linken Brust war der Stern des Schwarzen Adlerordens mit Brillanten, an der linken Schulter der Luisenorden, die Centenar- und die China-Ale- baüle befestigt. An beiden Armen trug die Kaiserin mehrere Armbänder. außerordentlichem Interesse folgte der Kaiser der Aufführung und applaudierte zum Schluß des letzten Aktes auf das lebhafteste. Sechs- bis siebenmal konnte beim letzten Aktschluß der Vorhang aufgezogen werden. In der großen Zwischenpause nahmen die Herr­schaften den Thee. Unmittelbar nach beendigter Vorstellung verließ das Kaiserpaar mtt seinem Gaste das Schau­spielhaus.

Im ,Luisen-THeater" zu Berlin wurden, ttrii derB. B. C." schreibt, am Dienstag abend mtt der Aus­führung der W. Mannstädt'schen GesangsposseDer Stabstrompeter" (bte dieser Tage auch zweimal im Gießener Stadttheater gegeben wurde), Erinnerungen an verschwundenen Glanz und an das Berlin vor zwanzig Jahren wach.Der Stabs trompet eck' gehörte in jener Zeit zu einer ber erfolggekrönten Darbietungen deSAdolf Ernst-Thaters", in daS er allabendlich das Publikum in Scharen lockte. Es scheint, als ob der alte Herr, der sich doch immer noch ein gut Teil Jugendfrische bewahrt hat die alte Anziehungskraft beroeijen wollte. Tie Aufnahme wenigstens, die man ihm bereitete, war warm unb viel> verheißend.

Frankfurter Stav 11heater. Tie Teilnehmer an der Eröffnungsvorstellung im neuen Schau­spielhause am 1. November werden gebeten, in Gcsell- jchaftstoilette zu erscheinen. Tie Ausgabe der Billets für diese Vorstellung erfolgt SamStag vormittags von yz10 bis 1 Uhr an der Kasse bes neuen Schauspielhauses. Tie Billetbestellungen zu der Eröffnung zählen nach Däusern- den, die Theaterverwaltung vermag somit, nachdem die unbedingt notwendigen Einladungen von der Behörde er­gangen sind, nur einen kleinen Teil ber Bestellungen zu berücksichtigen. Für die Wiederholungen am Sonntag unb Montag gelten bie großen Preise.