* Neue« deutsches Papiergeld. Die Reichsdruckerei, die mit der Herstellung der Reichskassenscheine und Reichsbanknoten betraut ist, mußte schon seit längerer Zeit daran denken, eine neue Ausgabe dieser Wertpapiere vorzubereiten, denn die jetzt im Verkehr befindlichen werden bald jene« Alter erreicht haben, daS nicht überschritten werden darf, well sonst den Fälschern zu viel Zeit bliebe, um sich in der Nachahmung zu vervollkommnen. Die Vorarbeiten zu dem neuen Papiergelde werden berellS tüchtig gefördert. DaS Papier wird wieder mit eingebetteten Fasern versehen sein, jedoch auch ein künstlerisches Wasserzeichen tragen. Das in Zukunst für die Reichsbanknoten zu verwendende Papier soll mit der Hand geschöpft werden, weil das Wasserzeichen auf der Maschine nie die gewünschte Schönheit erlangen würde. Die Schöpfformen dafür werden in der Reichsdruckerei hergestellt und in der dortigen Versuchspapiermacherei auf ihre Verwendbarkeit geprüft. Diese Prüfnng findet, wie die .Papierzeitung* schreibt, unter so strenger Aufsicht statt, daß auch nicht ein Bogen in unberufene Hände gelangen kann. Für die ReichSkasienscheine soll jedoch des einfacheren Wasier- zeichenS wegen wieder Maschinenpapier verwendet werden. Die big jetzt in der Reichsdruckerei mit dem neuen Wasierzeichen gemachten Versuche lasien erwarten, daß daS Deutsche Reich in Zukunft die schönsten Banknoten haben wird. Hoffentlich werden sie auch die größe Sicherheit gegen Fälschung bieten.
** Gehaltsaufbesserung für Gendarmen. Dom 1. Oktober ab tritt bekanntlich für sämtliche Gendarmen eine Aenderung in den Gehaltsverhältnissen ein und außerdem finden auch sonstige Veränderungen und Vermehrungen im Korps statt. Die Oberwachtmeister erhalten alsdann ein Anjangsgehalt von 2200 Mk., steigend biL zu 2600 Mk. Wachtmeister und Gendarmen erhalten ein AnsangSgehalt von 1400 Mk., steigend bis zu 1800 Mk. Mle drei Jahre tritt bei den Obertoachtmeistern eine Gehaltserhöhung von 150 Mk. bis zum Höchstgehalt und bei den Wachtmeistern und Gendarmen von 100 Mark ein. Außerdem erhält jeder Wachtmeister jährlich 200 Mk. mehr als sein Gehalt als Gendarm betragen würde. Jeder berittene Oberwachtmeister, Wachtmeister und Getwarm erhält außerdem jährlich eine Bekleidungszulage von 120 Mk. und jeder unberittene von 96 Mk. Außerdem erhalten die nicht kasernierten Mannschaften der Gendarmerie in den größeren und teueren Orten je nach der Teuerung eine Stationszulage von 150 resp. 100 Mk. per Jahr.
♦* Herbstzeitlose. Mit dem Nahen des Herbstes erscheint auch wieder auf feuchten Wiesen die Herbstzeitlose, eine für Menschen und Tiere äußerst gefährliche Giftpflanze, vor der nachdrücklich gewarnt sein möge. Jeder Teil der Pflanze, die sich durch ihre schönen rosafarbenen, zartglanzenden Blüten auszeichnet, enthält Colcyiein, ein ungemein starkes Gift, das besonders aus die Verdauungsorgane und die Nieren wirkt und Lähmung des Zentralnervensystems, ferner aber auch Durchfall, Erbrechen, Magen- und Darmentzündungen, wenn auch nicht immer gerade sofort mit tödlichem Ausgange hervorruft. Dieselben Krankheitserscheinungen werden aber auch bei Kühen hervorgerufen, die von den Blättern und Blüten der Pflanze gefressen haben. Aus dem Heu müssen die Blätter der Pflanzen am besten ausgelesen werden, um Erkrankungen des Viehes zu verhüten. Doch läßt sich auch manches zur allmählichen Verminderung der Giftpflanze thun. Ihre tief in der Erde steckenden Zwiebeln verfaulen nämlich, wenn man bei nassem Wetter mehrere Jahre hindurch die Stengel ausreißt; auch lünstliche regelmäßige Bewässerung und reichliche Düngung der Wiesen sind gute Mittel, die Herbstzeitlose gänzlich zum Verschwinden zu bringen. In besonders großer Menge trifft man bekanntlich die Pflanze auf der großen Wiese zwischen der Stadt und dem Philosophenwalde, wo sie das Auge des Naturfreundes durch ihre allerliebste, krokusartige Blüte erfreut, indem sie in das einförmige Grün der Wiesen eine angenehme Abwechselung bringt, zumal die Pracht der Sommerblumen dahin ist; doch hüte man sich ja, die Pflanze aus Unachtsamkeit in den Mund zu stecken, was Kinder besonders leicht thun.
r. Friedberg, 29. Sept. Eine Diebsbande, die sich billiges Obst, Weißkraut, Wirsing rc. zu verschaffen suchte, wurde von einem Nachtwächter in flagranti abgefaßt. Bei den Haussuchungen wurden bedeutende Vorräte gefunden.
Darmstadt, 28. Sept. Zu der Tragödie Huber- Commichau ist interesiant zu erfahren, daß Frau Berg- sträßer, welche übrigens im letzten Sommer öfter in Berlin gesehen wurde, alsbald nach Bekanntwerden der beiden Todesfälle den Schauplatz ihres hiesigen Wirkens, wie sie cm- giebt auf immer, verlassen hat, vorerst nach dem Süden ab»
gereist ist. Nach einigen Blättermeldungen soll sie vor chrer Abreise einen Selbstmordversuch gemacht haben
Mainz, 29. Sept. In der Samstagnacht gegen 12 Uhr wurden der 19jährige Kaufmann Anton Fuchs und der Agent Jakob Göckel von zwei arideren jungen Leuten, die ihnen aus einer Wirtschaft gefolgt waren, angerempelt und sofort auf sie mitMessern eingestochen. Fuchs erhielt Stiche in den Rücken und in die Schulter und wurde von der Polizei nach dem Rochushospital verbracht, Göckel war einem der Messerhelden vis zur Dominikanerkirche irachgelaufen, dort brach er zusammen, von wo ex zum Rochushospital verbracht wurde. Er hat Stiche in die rechte Brustseite und in die Schulter erhalten. Die Lunge soll schwer verletzt sein. Er befindet sich in Lebensgefahr. Einer der beiden Thäter, der Taglöhner Friedrich Lange, Rentengasse wohnhaft, wurde noch in der Nacht, als er schon im Bette lag, verhaftet, der zweite Raufbold, der Taglöhner Wilhelm Feth in Weisenau, wurde dort von der Gendarmerie in der Wohnung seiner Eltern verhaftet. — Am Samstagabend befand sich ein verheirateter Mann mit einem jungen Mädchen in einer Wirtschaft der Alicestraße. Da erschien plötzlich die Frau des Ungetreuen in Begleitung ihrer Schwester, stellte ihn wegen seiner Untreue zur Rede und schüttete ein Fläschchen Vitriol über das Mädchen. Zum Glück ergoß sich die Flüssigkeit nur über die Kleider, die dadurch schwer beschädigt wurden. Nun entstand eine heftige Keilerei, die durch das Eingreifen der Polizei beendet werden mußte.
Mainz, 29. Sept. Auf dem hiesigen Schlacht- und Viehhof droht wieder ein Boykott der Viehhändler. Veranlassung ist das Verhalten des Veterinärarztes Dr. ftnefl, der die Fleischbeschaubcstimmungen in sehr strenger Weise handhaben soll.
Worms, 29. Sept. Ter hiesige Lehreroerein wird im nächsten Jahre (1903) Votragskurse in deutscher Sprache und Volkswirtschaftslehre einrichten. Für das erste Fach hat bereits Universitätsprof. Geh. Hofrat Dr. Behaghel in Gießen seine Zusage gegeben, für Nationalökonomie wird noch eine geeignete Kraft gewonnen werden. Die Vorträge werden voraussichtlich im Juni und September stattfinden.
a. Wetzlar, 26. Sept. Mit dem 4. November eröffnet die hiesige landwirtschaftliche Winter schule ihren diesjährigen Kursus. Neben dem Direktor Courtin unterrichten vier Hilfslehrer an der Anstalt. Leider wurde im vorigen Winter die Schule von nur zehn jungen Leuten besucht, von denen drei im zweiten Kursus sich befanden. Der Kreis hat ein prachtvolles Gebäude für die Winterschule Herrichten lasien, welche neben einer stattlichen Lehrmittelsammlung auch die Direktorwohnung enthält und von Seiten des Kreises wird alljährlich ein Kostenaufwand von 2500 Mark für die Schule ausgeworfen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die diesjährige Gymnasial-Reife- prüsung für Externe bestanden am 27. d. M. am Herbst- Gymnasium zu Mainz von drei Kandidaten zwei. Beide waren vorbereitet von Gymnasiallehrer i. V. Dr. Roese und Oberlehrern der Gießener höheren Lehranstalten. — Die Alsfelder „Oberhees. Ztg." bringt in Nr. 105 einen „Berliner Brief", der sich u. a. über die Ankündigungen auf den Anschlagssüulen ausläßt. Es heißt da: „Sehr häufig sind die Gaunern kitzelnden Anpreisungen gewisser Restaurants, die ihre Spezialitäten ankündigen." Mit dlcsen Gaunern sind in jedem Fülle die Zechpreller gemeint. — Der eiserne Zweimaster des Schiffers Grottstoll fttbr neflern im Binger Loch derart auf den sogen. „Kvrdill- Ielfen" auf, daß das Schiff sofort sank. Das Wrack liegt inmitten des Fahrwassers, wodurch der Verkehr empfindlich gestört ist. —Auch bei Freiweinheim ist ein ähnlicher Schisssunsall paffiert. Das eiserne Schiff „Eugen" fuhr dort auf und sank ebenfalls. — Fräulein Lenchen Kopp aus Offenbach, Tochter der verwitweten Frau Postsekretär Kopp, wurde als Kindergärtnerin für die Kinder des Prinzen Heinrich von Preußen nach Kiel berufen. — Er hänyt hat sich am 26. d. M. in Darmst adt der etwa 35jährige N. B e i l st e i n aus Groß-Bieberau an der Neuwiese im Oberwald in der 9läf)e des Glasberges. B. war Agent verschiedener Versicherungsgesellschaften.
Schwurgericht.
P. Gießen, 29. Sept.
(Schluß der Verhandlung gegen die Witwe Mölig von Lauterbach wegen Körperverletzung mit tödlichem (Äsolg.) Tie an die Geschworenen gerichtete Schuldsrage lautete
auf Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. Oberstaatsanwalt Theobald wies daraus hin, daß ein tieftrauriges
Bild durch die Verhandlung enthüllt worden, ein Bild, welches beweise, wie notwendig die Bestrebungen gegen die Bekämpfung des Alkoholismus seien. Ter Gatte oer Angeklagten sei ein Opfer des Alkoholgenusses geworden, und die,er Umstand habe Schuld an dem unglücklichen Familienleben gehabt, und unmittelbar habe der Unfriede in der Ehe die Veranlassung der schweren That gebildet, für welche die Angeklagte »u bestrafen sei. Ter Ankläger erklärt, es bestehe nicht der gerinaste Zweifel darüber, daß die Ehefrau nicht die Absicht gehabt hat, ihren Mann zu töten, sondern daß eS chr wohl nur darum zu thun war, demselben einen Denkzettel zu geben. Ja, er wolle zugesteben, daß dieselbe auch wohl gar nicht den Erfolg vor Augen hatte, den sie schließlich durch den Wurf mit dem Werkholz erreicht bat Dieses Moment sei auch nicht erforderlich, um den Thatbestand der unter Anklage stehenden Straflhat für gegeben zu erachten. Der Oberstaatsanwalt plaidiert schließlich für Die Bejahung der Schuldfrage, tritt aber auch dafür ein, daß Die Geschworenen die an sie gerichtete Frage nach mildernden Umständen bejahten.
Rechtsanwalt Weidig schließt sich den Ausführungen des Oberstaatsanwalts an.
Nach der Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden ziehen sich die Geschworenen zu einer halbstündigen Beratung zurück, worauf deren Obmann, Fabrikant Eugen Kaufmann- Gießen, den Wahrspruch verkündet, der auf schuldig der Körperverletzung mit tödlichem Erfolg lautet, der Angeklagten aber mildernde Umstände zubilligt.
Oberstaatsanwalt Theobald beantragt darauf eine Strafe von ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung der verbüßten Untersuchungshaft auf die zu erkennende Strafe. Rechtsanwalt Weidig plaidiert für eine weit geringere Strafe als die vom Ankläger normierte. Tas Urteil lautet auf 6 Monate Gefängnis unter Abrechnung von 2 Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Tie Angeklagte erkannte das Urteil an. —'
P. Gießen, 30. Sept
Ter Vorsitzende, Landgerichtsrat Holzapfel, eröffnete heute die Sitzung um 9 Uhr. Als Beisitzer fungieren Land- gerichtsrat Schmidt und Amtsrichter Neuenhagen. Ver- handelt wird gegen den vorbestraften 44 Jahre alten Maurermeister Johann Jost Scharmann von Ober- Ohmen wegen eines angeblich am 21. Januar d. I. vor der Strafkammer Gießen geleisteten Meineides. Tie Anklage vertritt Staatsanwalt Hoos, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Rosenberg. Von der Anklage sind neun, von der Verteidigung zehn Zeugen geladen.
Am 29. Juli 1901 erstattete der Angeklagte bei bet Gendarmerie die Anzeige gegen den Maurer Karl Becker zu Nieder-Ohmen, er sei von diesem an jenem Tage auf der Straße bei Wettsaasen, wo er dem B. begegnet sein will, ohne die mindste Veranlassung mit einem Stock ins Gesicht geschlagen worden, so daß er eine blutende Verletzung davon getragen hat. B, verantwortlich vernommen, gab die That zu, behauptete aber, den Schlag erst geführt zu haben, als Scharmann in drohender Haltung auf ihn zugetreten fei, daß dieser ihn habe an die Kehle packen wollen. Er habe lediglich einem drohenden Angriff begegnen wollen. Die Angelegenheit kam schließlich vor dem Schöffengericht Grünberg zur Verhandlung. «schar) mann blieb bei seiner Anzeige und bestritt unter Eid Beckers Angaben. Trotzdem der heutige Angeklagte der einzige Belastungszeuge war, wurde der damals angeklagte Becker vom Schöffengericht zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Durch die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung [am die Sache an die Strafkammer, welche deswegen am 21. Januar d. I. verbandelte. In dieser Verhandlung suchte der Verteidiger des damals Angettagten und vom Schöffengericht bereits verurteitten Karl Becker, "Rechts- anwalt Mlarenar den Nachweis zu führen, daß der damals ebenfalls als einziger Belastungszeuge vernommene, heutige Angeklagte Scharmann, ein zu Exzessen und Ge- waltthätigteiten geneigter Mann sei und daher die Angaben des durch feine beschworene Aussage belasteten Becker wahrscheinlich wären. Zu diseem Zwecke legte der Verteidiger dem damaligen Zeugen die Frage vor, ob es richtig sei, daß er mit einem gewissen Ruppert II. von Ermenrod Streit gehabt, und deniselben gedroht habe, ihn „kalt zu machen". Dies stellte der damals als Zeuge vernommene Angeklagte Scharmann in Abrede. — Eine weitere Frage des Rechtsanwalts ftlarenaar, ob Scharmann nicht einmal mit Johann Momberger von Ober-Ohmen Streit gehabt, diesen hierbei an die Kehle gepackt und gedroht habe, ihn mit einer Bierflasche auf den Kopf zu schlagen, verneinte der Befragte wiederholt, selbst als er wegen einer eventuellen Zeugnisverweigerung ausdrücklich belehrt worden war. Der Angeklagte erklärte damals vor der Strafkammer ausdrücklich, er kenne einen Johann Momberger von Ober-Ohmen überhaupt nicht.
Ausstellung der Zeichnungen und Schülerarbeiten der gewerblichen Lehranstalten des Krohherzogturns.
(Originalbericht des „Gieß. Anz.")
Darmstadt, 26. Sept.
Die Musiksäle im Parterre, die Gesellschaftsräume des oberen Stocks im Saalbau, der sonst hauptsächlich musikalischen und geselligen Zwecken dient, haben für eine Woche ein Ansehen gewonnen, welches an das für Lehrmittel und Lehrfächer bestimmte Ressort großer Industrie- und Ge- werbeausstellungen erinnert.
Eine Truppenschau über die Leistungen der gewerblichen und kunstgewerblichen Schulen des Großherzogtums bietet sich hier da. Durch Einziehen von Seitenwänden hat man Die nötigen Abteilungen für die verschiedenen Städte geschaffen.
Zuerst gewahren wir die Arbeiten, welche die unter Staatsaufsicht stehende Technische Lehranstalt der Stadt Offenbart) a. M. in Zeichnungen, Entwürfen, Modellen das Maschinenbauwesen betreffend ausgelegt hat. Die Bauschule sodann, welche ihre Schüler zur Uebemahme von Zeichner- oder Bauführerstellen befähigt, übermittelt uns in der Saalbauausstellung gleichsam einen Auszug ihres Lehrplans. Von den einfachsten geometrischen Kon- struttionen, von der Einübung der Parallelperspellive an geometrischen Körpermodellen, schreiten wir sort zu den Zeichnungen nart) schwierigen Vorlagen mit Verwendung von Farben zu K.ns.r^k i.n n von Selb st- und Schlags ..ttcn» grenzen an geometrischen zwrpern, um dann Hall zu madjen vor Entwürfen, welche sowohl als 2ufUv< outen dar stellen und denen sich auch solche Zeirtinung<m angln b. rn welch/ -ie Kenntnis der historischen Stile, von der Antike
bis zur Renaissance darlegen sollen. Da wir gerade in der Architektur uns immer wieder von neuem, mag es sich um den Bau einer Kirche, eines Rathauses oder Theaters handeln, auf den Formenschatz der Vergangenheit angewiesen sehen, ist dieser Teil des Architekturzeichnen ein sehr wichtiger.
Tie Bauschule zu Offenbach umfaßt vie^ Klassen. Die Entwürfe, nicht nur die der vorgeschrittenen Schüler machen — wir führen nur eine Facodendetaillierung und eine Treppenkonstruktion an — einen sehr sauberen und Dorrcften Eindruck.
Wir versäumten auch nicht, den aufgelegten Aufsak- heften unsere Aufmerksamkeit zu schenken, denn gerade in diesen wird dort) der Beweis dafür erbracht, daß der Mensch im inneren Herzen empfindet, was er erschafft mit seiner Hand. Die Themen behandeln u. a. die Tragsähig- feit, die Belastungsmöglichkeit von Bauten, also das, was Gegenstattd der Festigkeitslehre ist.
Sehr interessant ist auch die Abteilung, welche durch den Ortsgewerbeverein Offenbach und die Lehr wer k st a 11 für feine Lederwaren eingenommen wird. Hier findet man gleichsam die Anfänge des Portemonnaies und der Brieftasche.
Die Gewerbeschulen von Gießen, Nidda, Alzey, Wonns, Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Michelstadt sind mit trefflichen Arbeiten vertreten. Der Unterrichtsplan dieser Lehranstalten bewegt sich im „Freihandzeichnen", Fachzeichnen, geometrischem Zeichnen, Baukonstruktionslehre, Modellieren, grapischer Stank rc.
Tie Sonntagszeichenschule in Alsfeld, welche in eine Unter uno Oberklasse zerfällt, hat auch sehr hübsche Resultate aufzuweisen in einfachen und schwierigen Konstruktionen.
Sehr reich und mannigfaltig nach Form wie Inhalt
stellt sich das dar, was aus den Kunstgewerbe- und Gewerbeschulen von Worms, Darmstadt und Bensheim hervorgegangen ist. Hier treffen wir das verschiedenste Material und die verschiedensten Techniken: Aetzen und Radieren, Treiben und Ciselieren, Ornamentieren rc. rc. Tie Wett der Farbe thut sich unseren Blicken vornehmlich im Treppenhause auf. Zu welcher Bedeutung Plakat- und Dekorationsmalerei es in unseren Tagen gebracht haben, davon kann man sich gerade in diesem Raum überzeugen. Holz- und Marnwnnalerei nehmen innerhalb der erwähntet: Städte, die auch eine „Tamen-Abteilung" aufweisen — in ihr kommt Stillleben
Fruchtstück und Blumenmalerei zu ihrem Recht — einen ehrenvollen Platz ein.
Die Großherzo gliche Fachschule für Elfenbein- schnitzerei, Drechslereien, Holzschnitzereien, Metallgravier- ungen usw. in Erb ach t O. hat über Hessen hinaus einen wohlverdienten Rus.
Vor einigen Jahren stand sie auf der Provinzial- ausstellung in Groß-Umstadt mit ihren Leistungen im Vordergruiid. Auch jetzt erbringt sie wiederum von neuem den Beweis ihrer Güte. Den Beschluß der interessanten, instruktiven Ausstellung macht das Zimmer, welches man den Erzeugnissen der Großh. Webscl)ule jju Lauterbart) eingeräumt hat Tas, was wir hier ans der Leinerv- unb Baurnwollbranche ausgelegt sahen, empfiehlt sich durch Solidarität und geschmackvolle tubifter.
Ter Eröffnung der Ausstellung kam der Charakter des Sonntags zu gute. Schon in den ersten Vormittagsstunden hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden.
Mit sichtlichem Interesse durchschritt Staatsminister Rothe die einzelnen Abteilungen uilo ließ sich nähere Besichtigung angelegen sein. M.


