Ausgabe 
30.9.1902 Zweites Blatt
 
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Dienstag 30* September IDOS

153, Jahrgang

Zweites Blatt.

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Die heutige Kummer musaßt 10 Seiten.

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Ueb erficht über die Kendarmcrie-Stattooeu tm Kreise Hießen vom 1. Oktobvr 1902.

Gietzen:

Personalbestand:

Berittener Oberwachtmeistec Schwarz, beritt. Gendarmen Geißler, Jcmsohn, Eichenauer, Vogel, Scharmann. Unbe­rittener Oberwachtmeister Ploch, Fußgendarmen Reeg, Keil­bach, Katterfeld, Blatz.

G emeinden:

Albach, Allendorf a. d. Lahn, Alten-Buseck, Annerod, Garbenteich, Gießen: Baumgarten, Forstgarten, Schiffenberg, Hardtbrauerei an der Hardt, Hardthof, Braunsteinbergwerk und Dampfziegelei, Großen-Linden, Heuchelheim, Hausen, Klein- Linden, Lang-GönS, Leihgestern, Lollar, Rödgen, Rutters­hausen, Steinberg, Steinbach, Staufenberg, Trohe, Watzen­born, Wieseck.

100000 60000 25000

15000 2110000-20003 4 5000-20000 104 000- 10000 1001500 - 50000 1501100-15000 OOOi 50-30000 16M15-MW

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Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 30. Sept. 1902.

Gedenktage. Am 1. Oktober 1386 wurde bit Universität Heidelberg gegründet. Nach Prag und Wien ist sie die älteste Deutschlands. Die berühmte Biblio­thek enthält 200 OOO Bände und 8500 Handschriften. Tilly sandte die Universitätsbibliothek 1622 nach Rom. Die alt­deutschen Handschriften kamen wieder zurück, ebenso 38 Hand­schriften, welche die Franzosen geraubt hatten bei ihrem PlÜnderungSzuge am Rhein.

GrünSergr

Personalbestand:

Unberittener Wachtmeister I ö ck e l. Gendarm Sambach.

Gemeinden:

Beltershain, Grünberg, Göbelnrod, Ettingshausen, Lauter, Lumda, Münster, Ober-Bessingen, Queckborn, Reinhardshain, Röthges, Stangenrod, Stockhausen, Weickhartshain.

Hungen:

Personalbestand:

Unberittener Wachtmeister Kupka. Gendarm Kauker.

Gemeinden:

Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langs­dorf, Langd, Nonnenroth, Obbornhofen, Rodheim, Raberts­hausen, Steinheim, TraiS-Horloff, Utphe, Viüingen.

Sich:

Personalbestand:

Unberittener Wachtmeister Riebel. Gendarm Rhein.

Gemeinden:

ArnSburg, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Grüningen, Holzheim, Lich, Muschenheim, Nieder - Bessingen, Ober- Hörgern.

L.U. Von der Universität. Mit dem heutigen Tag endet Herrn Prof. Dr. Hansen's Rektorat; es geht mit dem 1. Oktober auf Herrn Dr. Krüger, Professor der Theo­logie, über.

-Von der Universität. Bei den Jubiläums» Zierlichkeiten der alten und berühmten Universitäts­bibliothek zu Oxford wird im Namen der hiesigen Uni- versität Prof. Albrecht Dieterich eine Adresse über­reichen. Die Feier^sindet am 8. Oktober in Oxford statt.

Personalien. Dem Pfarrer Ferdinand Ludwig Pabst zu Sprendlingen ist die evangelische Pfarrstelle zu Grafenhausen, Dekanat Darmstadt, dem Pfarrer Heinrich Klingenschmidt zu Romrod die evangelische Pfarrstelle zu Alsheim, Dekanat Oppenheim übertragen worden. Der evangelische Dekan des Dekanats Eberstadt, Kirchenrat D. Friedrich Heß zu Crumstadt, ist auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen und ersprießlichen Dienstführung von diesem Amte enthoben worden.

Stadttheater. Als erste Klassiker-Vorstellung ge­langt am Mittwoch SchillersMaria Stuart" zur Auf­führung. In dieser Vorstellung wird zum ersten Mal der Bühnenneubau in seiner ganzen Ausdehnung benutzt.

Landesgewerbeverein. Am 5. Oktober findet in Darmstadt die Hauptversammlung des LandeS- gewerbeoereins statt. Es ist folgende Tagesordnung zu er­ledigen: 1. Begrüßung der Anwesenden. 2. Geschäftliche Mitteilungen. Tätigkeitsbericht der Zentralstelle. 3. Be­stimmung des Ortes für die nächste Hauuptoersammlung in der Provinz Rheinhessen. 4. Die Berufsbildung der Hand­werker. Vortrag des Seminarlehrers Buxbäum-Bensheim. 5. Die Handwerker-Genossenschaften in Hessen. Bericht­erstatter: Genossenschaftsdirektor Paech-Darmstadt. 6. Mit­teilungen über den Stand des gewerblichen Unterrichtswesens in Hessen. Berichterstatter: Gewerbeschul-Jnspektor Meyer- Darmstadt. 7. Die Umwandlung der Sterbekasse für Mit­glieder des Landesgewerbevereins. Berichterstatter: Hand­werkskammer-Sekretär Engelbach-Darmstadt. 8. Antrag des Bezirksverbandes Offenbach, Einführung einer staatlicheu Mobiliaroersicherung im Großherzogtum mit Beitrittszwang. 9. Verschiedenes.

Der § 21 des Schlachtvieh- und Fleisch» schau-Gesetzes tritt am 1. Oktober in Kraft. Von da an dürfen bei der gewerbsmäßigen Zubereitung des Fleisches künstliche Erhaltungsmittel, sofern sie zu den vom Bundesrat als gesundheitsschädlich bezeichneten Chemikalien gehören, nicht mehr angewendet werden. Die bei manchen Wurstsorten (Frankfurter Würstchen) beliebte Erhaltung mit Borsäure, sowie die Behandlung des sogenannten Schabe­fleisches mit Meatpräseroe ist verboten, ebenso darf die Wurst nicht mehr künstlich gefärbt werden.

Londorf:

Personalbestand:

Unberittener Wachtmeister HauS. Gendarm Scholl.

Gem einden:

Allendorf a. d. Lda., Allertshausen, Climbach, Daubringen, Geilshausen, Keffelbach, Londorf, Mainzlar, Odenhausen, Rüddingshausen, Treis a. d. Ldcu, WeiterShain.

Reiskirchen:

Personalbestand:

Unberittener Wachtmeister Oestreich, Gendarm Reibeling.

Gemeinden:

BerSrod, Beuern, Bollnbach, Burkhardsfelden, Großen- Buseck, Harbach, Hattenrod, Lindenstrutb, Oppenrod, Reis­kirchen, Saasen, Winnerod.

Reichstags-Präsident Graf Ballestrem

ist, wie uns ein Depeschenbureau aus Berlin meldet, am Montag dort eingetvosfen und gedenkt einige Zeit dort zu bleiben. Seine Anwesenheit soll mit der Festsetzung der ersten Sitzung nach der Vertagung des Reichs­tages und der Bestimmung' der Tagesordnung Zusammen­hängen.

Wahrscheinlich wirb Graf Ballestrem noch vor der Ab­fahrt der Mitglieder der Z o l l ko m m i s s io n nach Düssel­dorf mit dem Dorsitzenden der Kommission und den hervor- ravenden Vertretern der Fraktionen konferieren. Mög­licherweise wohnt er auch den Ko mm i ssiv nsver Handlung en über die Getreide zölle bei. Im Gegensatz zu Mel­dungen, denen zufolge der Zusammentritt deS Reichs­tagsplenums am 14. Oktober in Frage stehen soll, wird versichert, daß Graf Ballestrem durchaus daran sest- hält, die erste Plenarsitzung zu dem erwähnten Termin an­zuberaumen, und zwar thunlichst mit der Tagesordnung: Zweite Lesung des Zolltarifentwurfes. Hierüber wird allerdings erst eine Verftärrdigung mit der Regierung herbeigeführt werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß letztere vor Inangriffnahme des Zolltarifs eine Beschluß­fassung des Reichstages über die ostafrikanische Eisenbahn­vorlage wünscht, die bekanntlich wiederholt hinausgeschoben worden ist.

Uolitische Tagessaiau.

Eine andere Version der Ansprache deS Kaisers au die russische Offiziersdeputatton.

DaS amtliche Blatt deS russischen KriegSministeriumS berichtet jetzt über den Empfang der russischen Offiziers­abordnung in Posen. Nach diesem Berichte soll Kaiser Wilhelm die Offiziere in deutscher Sprache folgendermaßen angeredet haben:

Schon lange wollte ich die Genugthuung haben, Sie bei mir zu sehen, und ich bin sehr froh über die Verwirklichung dieser Ab­sicht. Bei meiner letzten Zusammenkunft mit Ihrem Herrscher in Reval sprach ich Sr. Majestät meine Bitte aus und drang (soll wohl heißen: drängte) insbesondere auf Ihren Empfang hier­in Posen. Beide Reiche sind durch Jahrhunderte der Freundschaft verbünde,!, und als symbolische Bestätigung dessen, daß wir zwei Glieder einer und derselben Kette bilden, tauschte ich bei der letzten Zusammenkunft die Achselbänder mit dem Kaiser- Nikolai und legte sie jetzt zum ersten Male an. Sie, meine Herren, als Militärs, verstehen vollkommen, daß man in einer G renz- fest ung nur Freunde ausnehmen darf, von denen man n i ch t g l a u b e n kann, daß ein Z u s a mm en st o ß m i t i h n e n möglich ist. Ich gab deshalb den Befehl zur Auflassung der Besestigungen von Posen in der Annahme, daß ste nicht nötig fern können und daß die f e st e Freundschaft beider Reiche nie gestört werden kann."

Genau so wird der Kaiser wohl nicht gesprochen haben. Die russischen Offiziere werden die Ansprache kaum steno- graphisch ausgenommen haben. Aber selbst wenn das Ge­dächtnis der 'Herren sehr gut sein sollte, so ist doch immer zu berücksichtigen, daß durch die Uebersetzung ins Russische und die Rückübersetzung ins Deutsche die ursprünglichen Aus­drücke einigermaßen verwischt werden und eine andere Ab­tönung erfahren können.

Nr. »2»

täglich oufrex Sonntags.

6*xn Dreß«,er Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die -iehener Kamillen« dUttler viermal in der Woche deigelegt.

Rotationsdruck u. Ver-

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eus Samuel, ist der zweite jüdische Lordmayor seit 1879. Samuel ist einer der ersten hiesigen Vertreter des Handels mit Japan.

Bern, 29. Sept- Bet der Eröffnung der Herbstsession der Bundesversammlung drückten die Präsidenten der beiden Räte ihro Genugthuung über die Beilegung des Konfliktes mit Italien, sowie ihre Dank­barkeit für die Vermittelung Deutschlands aus und bezeichneten den Empfang des Königs von Italien in Göschenen als B-träftigung der wiederbergestelllen guten Beziehungen. Schließlich sprachen sie den Wunsch nach Erhaltung des neu gefestigten freundschaftlichen Verhält­nisses aus, dessen Wiederherstellung durch die von beiden Setten beobachtete Ruhe erleichtert wurde. Der Nationalrat genehmigte das Abkommen mit Deutschland betr. Abänderung des Vertrages ber den Patent-, Marken- und M u st e r s ch u tz.

Wien, 29. Sept. Tie Fürstin Hohenberg, Gemahlin des Thronfolgers Erzherzog Fürst Fer­dinand, wurde von einem Prinzen entbunden.

Newyork, 29. Sept. Hier herrscht Besorgnis über den Zustand des Präsidenten Roosevelt. Die Blätter weisen auf die Thatsache hin, daß der Knochen angegriffen ist und daß ein Einschnitt nötig wurde, was den in den letzten Tagen verbreiteten optimistischen Berichten über den Zustand des Präsidenten widerspreche. Die Genesung ver- zöglert sich, weil der Präsident ein sehr unruhiger Pattent ist und in seiner Jugend skrophulös war. Die sechs Aerzte, welche wegen der Wunde zür Konsultation herangezogen worden waren, erklären alle, es liege keine Gefahr vor, daß der Präsident das Bein verliere.

Nach einem Telegramm aus Kingston (Jamaica) be> richtete das deutsche KriegsschiffPanther", die Truppen des Generals Nord hätten die haitianischen Aufständischen geschlagen und Limbe besetzt. General Iumeau, ein An­hänger Firmins, soll getötet sein.

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GietzenerAmeigeM

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen L-MZ

V i zetgenteu: Hans Beck.

Zur Fleischteuerung.

In der am 29. L M. in München abgehaltenen Jahres­versammlung desLandwirtschaftliche n Vereins Gay er ns" wurde auch die Frage der Flei schver- orauna lebhaft erörtert. Im Laufe der Debatte betonjte >er Minister des Innern, bezüglich der Grenzsperre ei nur das Reich kompetent. Die Staatsregierung wirke auf eine Erleichterung des direkten Geschäftsverkehrs zwischen Metzgern und Viehproduzenten hin. Sobald das gesamte Material der kürzlich von der Regierung angeord­neten Erhebungen über die Fleischversoraung vorliege, beab­sichtige die bayerische Negierung die Beratung sämtlicher einschlägiger Fragen durch eine Kommission unter Zu- tteyung von Vertretern aller Jnteressenkreise. Auf Grund dieser Beratung werde die bayerische Regierung weiter er­wägen, welche Maßnahmen zur Herabsetzung der hohen Fleischpreise nötig seien. Die Regierung be­halte stets die Interessen der Landwirtschaft im Auge.

In Chemnitz war am Montag der Austrieb auf dem Schlachthofe derart stark, daß die Fleisch preise für sämtliche Viehgattungen erheblich zurückgingen.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Sept. Der Kaiser gedenkt um den 5. November herum die Reise nach England an­zutreten. Beim Geburtstag des Königs Eduard, der auf oen 9. November fällt, will er jedenfalls zugegen sein. Der Kaiser nahm gestern nachmittag in Rominten die Vor­träge des stellvertretenden Chefs des Marinekabinetts und des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes entgegen. Ge­neral Frhr. v. d. Goltz und Oberpräsident Frhr. v. Richt­hofen wohnten gestern vormittag dem Gottesdienst in der dortigen Hübertuskapelle im Gefolge des Kaisers und der Kaiserin bei und leisteten nachmittags einer Einladung des Kaisers zum Diner im Jagdschloß Rominten Folge.

Wie aus Kiel gemeldet wird, wird der Kaiser sich im Februar aus seiner JachtHohenzollern" ein­schissen und dem König von Italien einen Gegen­besuch abstatten.

Der Vorschlag der deutschen Regierung auf Ein­berufung einer internationalen Konferenz für drahtlose Telegraphie ist von allen an der Rege­lung dieser Frage interessierten Staaten angenommen worden. Das Programm für. die Konferenz wird zur Zeit im Reichspostamt ausgearbeitet. Die Konferenz wird vor­aussichtlich bald berufen, wahrscheinlich nach Berlin.

Nach einer Meldung aus Kattowitz ist der Verlag des Buches Über den südafrikanischen Krieg von dem Burengeneral Christian Dewet nach längeren Verhandlungen zum Preise von 200000 Mk. in den Besitz des dortigen Verlagsbuchhändlers Karl Siwinna über­gegangen.

Der Neubau in Charlottenburg für die vom Reiche beabsichtigte ständige Ausstellung für Arbeiter- Wohlfahrt ist nahezu vollendet. Nach der Fertigstellung der inneren Einrichtung soll die Ausstellung im nächsten April eröffnet werden.

Danzig, 29. Sept. Ter Oberpräsident der Provinz Westpreußen, Staatsminister v. Goßler, ist heute nacht g e st o r b e n. Gustav v. Goßler wurde 1838 zu Naumburg a. S. als ältester Sohn des 1885 verstorbenen Kanzlers des Königreichs Preußen und Oberlandesgerichtspräsidenten o. Goßler geboren. 1879 wurde er Unterstaatssekretär im Kultusministerium. Inzwischen war er auch Reichstagsabge- ordneter und Präsident des Reichstages. 1881 wurde er an Stelle Puttkamers zum Kultusminister ernannt. Ent­lassen wurde er am 12. März 1891. Er wurde Oberpräsi­dent der Provinz Westpreußen.

Stuttgart, 29. Sept. Der sächsische Staatsminister v. Metz sch ist heute vormittag in Begleitung des Geh. Legationsrates Frhrn. v. Salza eingetrofsen. Nach einer Besprechung mit mehreren Ministern wurde heute nachmittag vom Ministerpräsidenten Dr. v. Breitling zu Ehren des Gastes ein Essen veranstaltet.

Heer und Flotte.

Der ErbgroßHerzog von Baden soll beab- sichttgen, das Kommando über das 8. Armeekorps in Koblenz ni ed erzul e g en und nach Karlsruhe überzu­siedeln. Als Nachfolger ist der Kommandeur der 21. Division in Frankfurt a. M., Generalleutnant und Ge­neraladjutant v. Deines, ausersehen. Der Wechsel soll sich in aller Kürze vollziehen.

Ausland.

London, 29. Sept. Der heute gewählte neue LordrnayoL der City von London, Sir Mar-