'Roosevelt" mit dem Ches der Marinestation der Nordsee, Mvriral Thomsen, und S. M. S. „Württemberg". Heute abend fand großer Zapfenstreich statt.
— Auf der Fahrt des Kaisers nach Rußland wird einem Befehl des Monarchen zufolge die Kaiseryacht ,^ohenzollern" von dem Kreuzer „Prinz Heinrich" begleitet sein. Der Kreuzer, der am 4. August abgangsfährg sein soll, hat für diese Reise eine besondere Ausrüstung für elektrische Illumination an Bord genommen.
— lleber das Ergebnis der amtlichen Ermittelungen, ine von den österreichischen Polizeibehörden nach dem Ver- sasser und Aufgabeort der Prager Steckbriefpost- karte angestellt worden sind, liegen folgende Mitteilungen vor: Zunächst wurde festgestelll, daß einer ganzen Reche von Stadt- und Polizeiverwaltungen sowohl in Oesterreich, wie auch in Deutschland Postkarten gleichlautenden Inhalts zugegangen sind. Der Verdacht der Th ater schäft hat -sich bei der österreichischen Untersuchungsbehörde gegen einen jungen Studenten polnischer Abkunft, der eine Zeit lang auch auf deutschen Universitäten Medizin studierte, gelenkt. Ob es zu seiner Verhaftung kommen wird, ist in Anbetracht des wenig stichhaltigen Belastungsmaterials noch fraglich.
— Das Palais des verstorbenen Prinzen Georg von Preußen in der Wilhelmstraße soll abgerissen und an seine Stelle ein solches für den Prinzen Adalbert, den drittältesten Sohn des Kaiserpaares, erbaut werden.
— Im Reichstage sind zwei Hermen von Bismarck und Moltke in carrarischem Marmor zur Aufstellung gekommen.
S ch l e s w i g, 29. Juli. Bei der heutigen Landtags- orsatzwahl im Wahlbezirke 6 Schleswig wurden 120 Stimmen abgegeben, sämtlich für den Amtsvorsteher Paulsen in Erfde (f r e i k o n s e r v a t i v), der somit gewählt ist. Ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt.
Wiesbaden, 29. Juli. Tas Endresultat in der Reichstags stich wähl ergiebt sür Dahlen (Zentr.^ 10112, Krahwinkel (nl.) 3772, für Brand (Bd. d. Landw.) 3115 und für Vetters-Gießen 662 Stimmen. Dahlen ist somit gewählt.______________________________________________
Aus Stadt und Zand.
Gießen, den 30. Juli 1902.
• * Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. In der „Franks. Ztg." macht die Großh. Bürgermeisterei Gießen begannt, daß „wegen beabsichtigter Teilung des hiesigen Stadtbauamts in Hoch- und Tiefbauamt die Stelle eines Vorstehers des städtischen Hochbauamts neu zu besetzen ist. Mit der Stelle ist ein Gehalt von 4800 Mk., steigend jährlich bis zum Höchstbetrage von 6000 Mk., sowie Anspruch auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenfürsorge nach den Satzungen, betreffend die Dienstverhältnisse der Gcmcinde- beamten der Stadt Gießen, verbunden. Nebenbeschäftigung ist nicht gestattet. — Die Bekanntgabe ähnlicher städtischer Vakanzen geschah bisher auch durch das Amtsblatt für den Kreis Gießen. Jetzt scheint man eine andere Praxis einzuschlagen zu Gunsten der auswärtigen auf Kosten der heimischen Presse. Wir erblicken darin eine ebenso ungerechtfertigte als unverständliche Unterschätzung des Großh. Kreisamtsblattes, dessen ansehnliche Verbreitung man in der Geschäftswelt weit und breit besser zu würdigen versteht.
* * Professor Dr. Strahl, Direktor des anatomischen Instituts der Universität, hat, wie wir hören, einen Ruf an die Universität Tübingen erhalten.
* * An unserer Landes Universität promovierte stud. phil. et hist. Kurt Glaser aus Gießen mit der Censur summa cum laude.
* * Auszeichnung. Ter Gxoßherziog hat am 13. Juni dem Bürgermeister a. T. und Oberleuttrant a. D. C. von Lassaulx in Bonn das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Tie zweite diesjährige Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie hat vorgestern vormittag in Tarmstadt in den Amtsräumen des Großh. Oberkonsistoriums ihren Anfang genommen. Es beteiligten sich daran sieben Examinanden, von denen einer aus Starkenburg und sechs aus Oberhessen sind.
** Lehrer-Familienkonferenz. Dieser Tage fand auf „Textors Hardt" die diesjährige Familienkonferenz der Lehrer von Gießen und Umgegend statt. Dieselbe war außerordentlich stark besucht, sowohl von hier als auch von auswärts; der große Saal war dicht besetzt, und viele Teilnehmer mußten sich mit einem Platz im Freien begnügen. Nachdem der Vorsitzende des Gießener Lehrervereins die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Lehrer St orch-Butzbach einen Vortrag „Heimat und Vaterland", wobei er eine Anzahl seiner warm empfundenen, unter gleichem Titel bei E. Roth hier erschienenen Gedichte vortrug. (Die Gedichte sind in Nr. 109 der „Gieß. Familienblätter" besprochen. D. Red.) Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen ansprechenden Vortrag. — Während des nicht ofsiziellen Teiles wechselten musikalische und humoristisch-deklamatorische Darbietungen, und als die auswärtigen Teilnehmer zum Bahnhof eilten, um wieder zur Heimat zurückzukehren, war wohl jedermann von dem Verlauf der Veranstaltung in hohem Grade befriedigt. Von den musikalischen Vorträgen seien besonders die Lieder hervorgehoben, die ein anwesender Konzert- sänger, Lehrer Ruth-Cassel, zu Gehör brachte und die wahre Beifallsstürme verursachten.
— Neue Erweiterung der hessisch-thüringischen Staatslotterie? Auswärtigen Blättern zufolge soll in die Klassenlotterie-Gemeinschaft, die am 1. Oktober unter dem Namen „Hessisch-Thüringische Staatslotterie" ins Leben treten wird, noch ein weiterer süddeutscher Staat (Württemberg wird genannt) eintreten.
!? Ein interessanter Rechts st reit, dessen Thatbestand eines gewissen Humors nicht entbehrt, wird demnächst das Gießener Gericht beschäftigen. Drei Geschäftsleute unserer Stadt, welche sämtlich in der Nähe des Marktplatzes wohnen resp. ihre Läden haben, kommen schon seit Jahren zusammen, wenn sie tagsüber eine Mußestunde hatten — diese findet sich ja stets bei der schlechten Geschäftszeit, wenn man sie braucht, — um Karten zu spielen. Tas fpiellustige Trio versammelte sich einmal bei dem Einen, das anderemal bei dem Andern von den Dreien, um einen Skat oder ein Franzefüßchen zu machen, ja diese Gesellschaft hatte sich sogar — ohne bei der Polizei angemeldet zu sein — den schönen Namen „Tas Törtche" veigelegt. Tas Törtche würde ruhig im Frieden weiter bestanden haben, wenn nicht einer des dreiblätterigen Kleeblattes, seines
Zeichens ein Uhrmacher, als etwas aufgeregter Herr, aus irgend einem uns nicht bekannt gewordenen Grunde plötzlich als Kartenspieler gestreikt hätte, er kam zwar noch in das hintere Ladenstübchen seines Nachbars, sah auch dem Kartenspiel mit großem Interesse zu, redete auch drein, wenn einer seiner früheren beiden Mitspieler einen Bock choß, war aber zum Mitspielen nicht zu bewegen und erklärte stets mit großer Emphase, daß er im Jahre 1902 mit keinem Törtchemann Karte spielen werde, ja er ven- sprach der Frau seines Nachbars, die diesen Beteuerungen keinen Glauben beimaß, wenn ich mit einem von den beiden in diesem Jahre Karten spiele, so können sie in meinen Laden gehen und sich die schönste goldene Uhr mit Kette aussuchen und brauchten sie mir nicht zu bezahlen. Ter streikende Törtchemann wiederholle diese Erklärung mehrfach im Laufe der Zeit in Gegenwart verschiedener Zeugen. So waren Monate vergangen, der Uhrmacher war vor drei Wochen zur Stärkung seiner Nerven ins Thüringerland gereist, da flüsterte es erst leise in der Nähe des Marktes, dann etwas lauter, daß der bewußte Törtchemann, mit dem in Acht und Bann gethanen Kameraden, eines Sonntagsnachmittags draußen in einer verschwiegenen Gartenhütte Franzefuß gespielt habe. Tie Ehefrau des dritten Genossen vom Törtche hatte kaum davon gehört, da war sie auch schon im Laden des in der Sommerfrische weilenden Uhrmachers und suchte sich bei dessen Gehilfen die beste goldene Uhr und Kette aus, die dieser der Nachbarin zeigen konnte, und nahm dieselbe mit heim. Als der Uhrmacher wenige Tage darauf heim kam, war er nicht sehr erbaut von dem Handel, den sein Vertreter abgeschlossen. Nach erfolglosem Verhandeln wegen Herausgabe oder Bezahlung von Uhr und Kelle ist die Angelegenheit einem Anwalt übergeben und damit eine gütliche Erledigung des Falles erst recht ausgeschlossen. Tie Bewohner im Mittelpunkt der Stadt, soweit sie Geschäftsleute sind, denn unter Diesen ist der sonderbare Uhrenhandel bekannt geworden, sehen mit großem Interesse dem Ausgang der Sache zu.
W. Nidda, 29. Juli. Heute früh wurde die verw. Frau Margarethe Bausch, Pfründnerin des Hospitals, in der Nidda als Leiche vorgefunden. Sie hat in einem Anfall von Geistesstörung, wovon sich schon Spuren in letzter Zeit zeigten, ihrem Leben ein Ende gemacht. Sie war 64 Jahre alt.
Mainz, 29. Juli. Wie wir mitteUten, hat der vor einigen Jahren verstorbene Vorsitzende des Mainzer Gewerbevereins Joh. Jakob Dieterich diesem 150000 Mk. vermacht, die nach dem Tode seiner Ehefrau auszahlbar sind. Tie verstorbene Witwe des hochherzigen Schenkers hat diesem Betrage n och 100000 M k. hinzugefügt und so die Schenkung auf eine viertel Million erhöht. Die wertvolle Gemäldesammlung des Ehepaares fällt der städtischen Galerie anheim.
Frankfurt a. M., 30. Juli. Gestern nachmittag entstand im Mönchswald zwischen Raun heim und Kelsterbach ein Waldbrand, und zwar durch F u n ik e n der Maschine des Köln-Frankfurter Schnellzugs. Der Brand brach zu gleicher Zeit an drei Stellen aus. Man mußte sich darauf beschränken, dem Brand durch Abgüaben und Ausschlagen Halt zu gebieten. Um 10 Uhr sing es von neuem zu brennen an, jedoch konnte der Brand feine große Ausdehnung mehr gewinnen. Der Wald gehörtzum Großherzogtum Hessen. Im ganzen sind etwa siebzig Morgen Wald vernichtet. Der Schaden wird auf 150000 Mark geschätzt.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Aus Frankfurt schreibt man: Der Tonkünstler und Komponist Siegmund v. Hausegger, ein geborener Grazer, der Sohn des 1899 in Graz verstorbenen Musik-Aesthetikers v. Hausegger, ist ausersehen, als Nachfolger Gustav Kogels die Leitung der Frankfurter Museums- tönzerte zu übernehmen. (Hausegger, der 30 Jahre alt ist, war bisher neben Weingartner Leiter der von München ausgehenden Kaim-Konzerte. Er ist als Komponist bekannt und geschätzt. Seine „Barbarossa"-Symphonie gelangte auch in den hiesigen Akademie-Konzerten mit großem Erfolg zur Aufführung.) — Die Unterschlagungen des Kassierers der F r a n k s u r t e r Verwaltungsstelle des Deutschen Tabakarbeiterverbandes Kvaiker belaufen sich aus 1575 Mk. — Ter kürzlich von Oberhörgern verschwundeneSchweinehändler Türinger wurde auf einem Hasenacker erschossen aufgesunden. Tie Waffe lug neben der schon stark in Verwesung übergegangenen Leiche. Düringer, der' aus Eberstadt, Kr. Gießen, stammte, hatte sich, wie vor einigen Wochen mitgeteilt, Wechselfälschungen in größerem Umsange zu schulden kommen lassen.
Vermischtes.
Berlin, 29. Juli. Zu dem Tode des Frl. Dr. Phil. Elsa Neumann wird jetzt berichtet, daß die junge Dame anscheinend doch aus eigenem Willen ihr Ende gefunden hat. Trotz ihrer großen Erfolge und ihrer beneidenswerten materiellen Lage trug sie ost ein resigniert-melancholisches Wesen zur Schau. Auch der Leichenfund spricht für einen Selbstmord, sie halle eine Cyanlali- und Salpetersäurelösung gemischt und getrunken. Schwere Verbrennungen der Speiseröhre und des Mundes waren die Folge. Eine Verwechslung mit einer unschädlichen Flüssigkeit, etwa mit Wasser, ist ausgeschlossen. Es befand sich gar kein Wasserglas in der Mhe. — Einen eigentümlichen Vorfall, der dringend der amtlichen Aufklärung bedarf, hat der „Vorwärts" mitgeteilt: Der Brennmaterialienhändler Gustav Ackermann habe sich am 12. Juli, nach der Stadtvoigtei zur Verbüßung einer dreitägigen Haftstrafe begeben. Als er am 15. nicht mehr zu seiner Familie zurückgekehrt war, habe sich seine Frau auf der Stadtvoigtei erkundigen lassen, aber ungenügende Antwort erhalten. Am 18. habe sich die Frau selbst nach der Stadtvoigtei begeben und dort vom Inspektor die verblüffende Antwort erhalten: „Der Kerl" sei verrückt geworden und bereits am Dienstag nach der Irr en an st alt au Herzberge transportiert. Die Frau begab sich jetzt nach' dem Polizeipräsidium. Als sie am Sonntag nach Herzberge fuhr, sei ihr der Bescheid geworden, ihr Mann sei bereits tot und begraben; am 15. sei er als irrsinnig eingeliefert worden, am Mittwoch habe er einen Tobsuchtsanfall gehabt und sei am selben Tage an Herzschwäche verstorben. Als die Frau fragte, weshalb man ihr denn von alledem keine Mitteilung gemacht habe, wurde ihr geantwortet, man habe überhaupt nicht gewußt, daß der Verstorbene verheiratet gewesen sei. Am nächsten Tage erhielt die Frau die Sachen ihres Mannes ausgeliesert; sie vermißte dabei die Uhr und 16 Mark bares Geld. Jetzt suhr die Frau wieder nach Herzberge, um Uhr und Geid sowie einen Totenschein zu fordern. Ihr wurde jedoch alles verweigert mit dem Bemerken, er|t müßten die entstaudenen Kosten bezahlt werden. — Auf dem Polizeipräsidium, wo die „Nat.-Ztg."
über die Angelegenheit Erkundigungen einholle, wurde diesem Blatt mitgeteilt, daß Frau Ackermann nur eine Eingabe um Freigabe der Leiche ihres Ehemannes gemacht habe. Im Rathause weiß man von der Angelegenheit überhaupt nichts, während die Stadtvoigtei jede Auskunft verweigert. So viel die genannte Zeitung jedoch erfahren konnte, ist Ackermann thatsächlich am 12. d. M. zur Verbüßung seiner Strafe bei der Stadtvoigtei erschienen, wo er in Haft behalten wurde. Am nächsten Tage begann er zu toben. Dies dauerte zwei Tage und zwei Nächte. Er wurde, wie dies mit allen Alkoholikern geschieht, mit zwei anderen Häftlingen in eine Zelle gebracht. Damit er sich nicht ein Leid nnthun könne. Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, wurde Ackermann Der Polizeibehörde übergeben. Den Schutzleuten, die ihn aus der Stadtvoigtei abhollen, folgte er vollkommen ruhig und ohne Widerstand. Seine Ueberführung nach Herzberge erfolgte auf Grund eines ärztlichen Ältestes.
* Berlin, 29. Juli. Der Magistrntshilf 8- arbeiter Ullrich, der wegen Unterschlagung städtischer Sparkassengelder vor einigen Wochen flüchtete, stellte sich gestern der Staatsanwaltschaft. Er gab vor, das Geld verbraucht zu haben, hauptsächlich im Segelspoll.
* Saarbrücken, 29. Juli. Auf der Grube „(£amp* Hausen" fand heute nachmittag eine Explosion schlagender Wetter statt, durch die 12 Bergleute verunglückten. Ein Bergmann wurde getötet, 10 wurden schwer verletzt ins Lazarett gebracht. Ein Leichtverletzter konnte sich ohne Hilfe nach Hause begeben. Die Direktoren Hilger und Schanz begaben sich in die Grube, um den Un- falloll zu befahren.
* Budapest, 29. Juli. Rudolf Salz berger, Chef der hiesigen gleichnamigen Getreidegroßhandlung, erschoß sich heute Mittag. Der Beweggrund soll in Börsendifferenzen zu suchen fein, welche sich aus großen Hausse- Engagements ergeben hätten. Der hiesige Platz ist mit etwa 120000 Kronen beteiligt.
* Temesvar, 29. Juli. Die Gendarmerie verhaftete in der Ortschaft Folyn den reichen Bauer Friedrich sowie mehrere Komplicen wegen Anfertigung und Ausgabe von falschen 20 Kronennoten.
* New -Port, 29. Juli. Gestern kurz nach Mittag wurde in einigen Teilen Nebraskas, Iowas und Süd-Dakotas ein Erdstoß verspürt, der keinen Schaden anrichtete. Im Lompoothal in Kalifornien wurden seit Samstag drei Erdstöße wahrgenommen. Die Erde ist rissig. Unter den Einwohnern herrscht große Erregung.
* Zum Untergang des „Primus". Der Kaiser richtete an den Hamburger Bürgermeister Mönckeberg aus Brunsbüttelkoog folgendes Telegramm: „Vom Norden zurück- gekehll, spreche ich Ihnen von hier aus angesichts der Elbe mein herzlichstes Beileid für das schwere Unglück aus, das Hamburg jüngst durch den Untergang des „Primus" betroffen hat. Das beklagenswelle Schicksal der zahlleichen Verunglückten hat mich tief erschüttert. Möge die traurige Katastrophe erneuten Anlaß geben, daß alles gethan werde, um einem ähnlichen Unglück auf der Elbe für die Zukunft vorzubeugen. Wilhelm 1 R." — Am 29. d. Mts. wurden abermals 19 Leichen bestattet. Die weitere Bergungsarbeit am „Pri mus" ruht einstweilen, da der Staatsanwall, um die Untersuchung nicht zu erschweren, dem Taucher Beckedorf dies untersagte.
"Verhaftung eines Stadtverordneten. Dll angesehene Stadtverordnete und Vorstand der Ortskrankenkasse in Hainichen (Kgr. Sachsen) Lindner ist wegen bedeutender Unterschlagungen auf Antrag der Staatsanwaltschaft verhaftet worden.
* Ertrunken. In dem Ostseebade Zoppo t sind zwei junge Damen beim Baden ellrunken. Anscheinend hat die jüngere den Grund verloren und die ältere Schwester, welche ihr zu Hilfe eilte, nach sich gezogen.
* Selbstmord. Der Chicagoer Großkaufmann und vielfache Millionär Rothschild, gebürtig aus Nordstetten, hat Selbstmord begangen.
* Cholera. In Konstantinopel ordnete der Sanitätsrat eine fünftägige Quarantäne für Herkünfte aus Odessa und mit Rücksicht auf das Auftreten der Cholera in Guadar eine zehntägige Quarantäne für Herkünfte aus Persien an. In Kairo sind am 28. Juli 37 neue Erkrankungen und 27 Todesfälle an Cholera festgestellt worden. In Mucha sind 19 neue Erkrankungen und 25 Todesfälle, in Gizeh 1 neuer Cholerafall festgestellt.
* Ein Gaunerstreich. An einer deutschen Hochschule wirkt, so lesen wir in der „Jrks. ZtA", seit kurtzem, sehr wider den Willen der Universität und deshalb völlig isoliert, ein junger Professor. Seine politische Stellung und manches andere trägt daran die Schuld, daß es ihm nicht gelungen ist, in irgend welchen gesellschaftlichen Verkehr mit den Kollegen zu treten. Kürzlich klopft nun ein verbummelter Student an seine Thüre mit der Bitte, ihm eine Unterstützung zu gewähren und ihn gefälligst weiter zu empfehlen. Rasch besonnen setzt sich der jugendliche Ordinarius hin und empfiehlt den Bittsteller Dem Wohlwollen einiger seiner Kollegen aufs wärmste. Was dem tgerrtn Professor selten gelungen, erreicht nun sein Schützling. Dieser tritt im Universitätsviertel siegreich feine Wanderung von Haus zu Haus an, natürlich im Gehrock, elegant und würdig, wird liebenswürdig empfangen, richtet da und dort die „herzlichsten Grüße" von dem Herpn Professor N. N. aus und erhält sofort von jedem der verblüfften! Professoren die erbetene Unterstützung. Nur einer meinte, Das sei „naiv" von dem Herrn Professor N. N, aber nichtsdestoweniger spendete er wacker mit, ohne zu ahnen, daß der Gauner — und ein solcher war der Petent — doch nur auf das Feingefühl der Professoren seinen kühnen Plan gebaut hatte; denn selbstverständlich war er nicfyt allen „lieben Kollegen" empfohlen worden. Tie Ernte muß übrigens sehr ergiebig gewesen sein; denn einer, der ihm Vorschuß und eine Abschreibearbeit gegeben Ijatte, soll schon am nächsten Morgen sein völlig unabgeschriebenes Manuskript wieder vorgefunden haben, freilich ohne den Vorr- schuß." (Nicht ohne ein — hier und da vielleicht etwas wehmütiges — Schnmuzeln wird man in Straßburg diese Geschichte lesen!)
* Auf der Jagd nach den Humberts. Aus Paris wird berichtet: Wer weiß, wie viel Mann auf der Jagd nach den Humbells sind, die verschwunden bleiben, als wenn die Erde sic verschlungen hätte? Der „Figaro" weiß cs. Genau 45 Mann, versichert er, ohne die besonderen Agenten, welche die Sicherheitsbehörde dann und wcum


