in Leipzig z-mn ScuatZpräsibentcu beim Reichsgericht, und des preußischen Oberlundesgerichtsrats v. Eichstruth in Frankfurt a. M. zum Reichsgerichtsrat wiro amtlich publiziert.
— Ter Geh. Justizrat Mecke, Rechtsanwalt am Reichsgericht und Vorsitzender des deutschen Anwaltsvereins, ist yeute in Leipzig nach längerem Siechtum im Alter von 67 Jahren gestorben.
— Aus der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages ist noch nachzutragen, daß der Staatssekretär v. Tirpitz in seiner Erklärung zu dem im ^Vorwärts" veröffentlichten Geheimerlaß hervorgehoben hat, eine erhebliche Verstärkung der Auslands- flotte sei unbedingt erforderlich; eine solche Forderung habe er auch schon bei der Beratung des letzten .Flottengesetzes angekündigt. Abg. Müller-Fulda bestritt aufs entschiedenste, daß eine weitere Neuforderung für die Marine für die Geltungsfrist des Flotten- Msetzes vom Staatssekretär angekündigt worden sei; im Gegenteil seien derartige „Befürchtungen" vom Regrer- ungstische aus als gegenstandslos bezeichnet worden. Die Kommission beschäftigte sich alsdann mit der Fortsetzung der Beratung der Frage, ob für Kiautschon eine Reiter- truppe zu schaffen sei. Ein Bedürfnis hierfür wurde von der Mehrheit anerkannt. Schließlich einigte man sich auf einen Antrag Müller-Fulda, der eine Reitertruppe als besondere Formation ab lehnt, dagegen für das dritte Seebataillon eine P e r s o n al ve r me h r u n g an ^Offizieren und Mannschaften, etwa in halber Stärke der verlangten Reitertruppe, vorsieht. In Gemäßheit dieses Beschlusses wurden an den übrigen Positionen die erforderlichen Streichungen vorgenommen und die weiteren Forderungen für Kiautschou bewilligt.
— Das p r eu ß. Ab g e ordn eten Haus bewilligte den Etat der Gestütsverwaltung und setzte die Beratung des Landwirtschafts-Etats fort. Gegenüber Ausführungen des Abg. Goldschmidt (fr. Vp.) bemerkt Landwirtschaftsminister v. Podbielski, der Vorredner meinte, es gehe mit der Landwirtschaft langsam vorwärts^ Nein, eine Umfrage im Hause werde dem Abg. Goldschmidt schon bestätigen, daß es nicht nur langsam rückwärts gehe, sondern seit dem letzten Jahre sogar in etwas schleunigerem Tempo. Abg. Ehlers (fr. Vg.) wünscht dem Minister, daß er sich die Popularität erhalte, die er zur Zeit besitze, und die sich bis in die Reihen der Linken erstrecke. Abg. v. Eynern (natl.) konstatiert mit Befriedigung, daß wohl im ganzen Hause über die Notwendigkeit der Lebensmittelzölle keine Meinungsverschiedenheit herrsche, über die Höhe derselben werde hoffentlich auch eine Einigung erzielt werden.
Ausland.
London, 29- Jan. (Unterhaus.) Abg. Gordon bringt einen Antrag ein, in dem die Notwendigkeit betont wird, gesetzliche Maßnahmen zur Einschränkung der Einwanderung mittelloser Fremder zu treffen. Balfour erklärt, die Regierung sei zwar der Aiein- ung, daß die schrankenlose Fremdeneinwanderung schlimme Dinge im Gefolge habe und daß diese unter gewissen Umständen Gefahren mit sich bringe, aber die Regierung müsse auch auf die Schwierigkeiten achten, die mit dieser Frage verbunden seien, jedenfalls aber könne ohne Untersuchung keine gesetzgeberische Maßnahme getroffen werden. Die Regierung sei bereit, eine solche Untersuchung zu veranstalten. Hierauf wurde der Antrag zurückgezogen und die Adresse angenommen.
— Nach einer Meldung aus Peking versammelten sich die Militär-Kommandanten Englands, Rußlands, Frankreichs, Japans, Italiens und Oesterreichs am 25. Januar in Tientsin zu einer Konferenz, in der über die Frage der Herabsetzung der Truppenstärke im kommenden Frühjahr beraten werden sollte. Der deutsche Kommandant war nicht erschienen, hatte vielmehr brieflich mitgeteilt, daß nach seiner Ansicht diese Frage eine rein politische sei, zu deren Lösung die Mllitär-Kom- mandanten nicht befugt seien- Er habe in dieser Angelegenheit auch keinerlei Instruktionen von seiner Regierung erhalten.
Paris, 29. Jan. Die Deputiertenkammer nimmt die Vorlage betreffend die zeitweilige zollfreie 'Zulassung von Getreide in der vom Senat genehmigten Fassung an-
— Wie verlautet, beschäftigte sich der letzte Ministerrat außer mit den Wahlen auch mit der Reise des Präsidenten Loubet nach Rußland. Vor der Abreise des Präsidenten wird eine Flotten-Demonstration stattsinden, an der sich wahrscheinlich ein russisches und ein italienisches Geschwader beteiligen werden. Die Unterhandlungen zwischen dem russischen Hofe und dem Elysee haben begonnen, werden jedoch voraus- sichllich erst gegen Ende Mai zum Abschluß gelangen. Das endglltige Programm für die Reise des Präsidenten wird erst etwa zwei Wochen vor der Abreise des Präsidenten bekannt gegeben werden. Das französische Geschwader wird in Kronstadt vor Anker gehen und Loubet wird sich als Gast des Kaisers nach Petersburg begeben.
Wien, 29. Jan. Wie in parlamentarischen Kreisen versichert wird, ist infolge Entgegenkommens der Regierung alle Aussicht vorhanden, daß die Differenzen in der Angelegenheit der mährischen Univ er s itäts- Fragebeigelegt werden. Der Unterrichtsministcr wird im Budget-Ausschuß beim Kapitel Hochschulen eine Erklärung abgeben, die geeignet sein wird, beide Parteien zufrieden zu stellen. Er wird die Geneigtheit der Regierung aussprechen, eine tschechische Universität in Mähren zu errichten, sobald die notwendigen Voraussetzungen vorhanden seien, jedoch nur unter Zustimmung der Vertreter beider Nationalitäten.
Budapest, 29. Jan. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam cs während der Budgetrede des sächsischen Abg. Lindner zu großen Spektakelszenen. Lindner betonte bei der Begründung des Programms der außerhalb der Parteien stehenden Sachsen, daß das Nationalitätengesetz von 1861 nur das Minimum an Recht und Freiheit für die Nationalitäten enthalte. Das Nationalitätenaesetz von 1868 gestatte den Nationalitäten den freien Gebrauch ihrer Sprache. Abg. Pichler ruft auf diese Aeußerung hin den Sachsen beleidigende Ausdrücke zu, wofür er zur Ordnung gerufen wird Pichler schreit zu den Sachsen: Gehen Sie nach Deutschland oder seien Sie ungarische Patrioten! Lindner: Wir sind alle Söhne dieses Vaterlandes. Wir verherrlichen nicht das Vorgehen der preußischen Regierung gegen die Polen!
Südafrikanische Irredensklänge.
Man darf wohl sagen, daß die ganze zivilisierte Welt erwartungsvoll dem Klange der „Friedensglocken" entgegenlauscht, die der holländische Ministerpräsident Dr. Kuyper hat antlingen lassen. Es besteht kein Zweifel, daß die holländische Note an England die Beilegung des Krieges zum Gegenstände hat. Da die Veröffentlichung dieser Note und zugleich die der Antwort Englands in den nächsten Tagen erfolgen dürste, wird ja an die Stelle der Vermutung bald die Gewißheit treten. Dagegen hat es den Anschein, als werde man bezüglich der Frage, auf wessen Anregung oder in wessen Auftrag der holländische Staatsmann die Vermittelungsmission übernahm, länger auf Mutmaßungen angewiesen sein. — Die Initiative ist der holländischen Regierung zuzuschreiben, hätte aber ebensogut schon früher ergriffen werden können. Es läßt sich deshalb der Gedanke nicht abweisen, daß ein Größerer hier hinter der holländischen Regierung steht, und die Annahme hat vielleicht einige Berechtigung, oaß dieser Größere kein anderer ist, als der Inspirator der Haager Friedenskonferenz, als Nikolaus II. Menn eine ablehnende Antwort Englands sich an die Adresse des Zaren richtete, konnte das weitgreifende und unliebsame Konsequenzen haben. Das würde also das „Einspringen" Hollands erklärlich und nicht minder dankenswert machen. Die englische Presse gefällt sich heute zwar in einem hochfahrenden Ton, doch das war schon manchmal so, wenn sie sich kurz daraus veranlaßt sand, „klein beizugeben". Daß übrigens Lord Balfour, und nicht Chamberlain, in dieser Sache das Wort führt, darf vielleicht auch in günstigem Sinne gedeutet werden.
Die Berliner „Post" erklärt anscheinend offiziös, man müsse sich vor Augen halten, daß es sich nicht um einen Vermittelungsversuch dieser oder einer anderen Regierung handeln könne, auch nicht um Ueber- mittelung von Friedensvorschlägen seitens des Präsidenten Krüger oder seiner Umgebung; vielmehr dürfte der holländische Ministerpräsident wahrscheinlich in der Lage gewesen sein, Mitteilungen bezüglich der Friedens-Bereitschaft der noch im Felde stehenden Burenführer der englischen Regierung zu überreichen, die diese zur Zeit in Erwägung zieht. Daß die Vorschläge von englischer Seite bereits zurückgewiesen worden seien, sei jedenfalls unrichtig. — In Berliner amtlichen Kreisen beobachtet man nach dem „Lok.-Anz^" die größte Zurückhaltung, zumal man von dem Inhalt der vom Minister Kuyper der englischen Regierung gemachten Eröffnung keine Kenntnis besitzt. Soweit die deutsche Regierung in Frage kommt, ist nichts unternommen worden, was die Meldungrechtfertig en könnte, daß sich die Mächte dem Schritte des holländischen Premierministers an geschlossen und ihn vorher gebilligt hätten. Was für Deutschland gilt, dürfte auch <vuf dste anderen Viächte zutveffen. Im ganzen neigt man der Annahme zu, daß diesmal die Meldungen über die Anbahnung von Friedensverhandlungen doch begründeter sind, als die früheren. Allerdings hinge alles von der Frage ab, in wessen Auftrage der holländische Minister gehandelt hat.
Reuter zufolge weiß die im Haag anwesende Bu- ren-Deputation durchaus nichts von dem Jnhalle der Note.
Aus London wird gemeldet: Im Hinblick auf die Mitteilung der niederländischen Regierung (Vgl. die Meldung aus dem Haag im Parlamentsbeiblatte.) erregte es im Foyer des Unterhauses beträchtliches Interesse, daß Lord Salisbury und der Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten Marquis os Lansdowne im Bereiche des Hauses erschienen und im Ausschußzimmer Unterredungen mit Kollegen aus dem Ministerium hatten.
Der französische Minister des Auswärtigen, Del- casse, hatte eine längere Unterredung mit dem Kabinettchef Maldeck-Rousseau über die Rede Balfours. Das Resultat dieser Besprechung ist noch nicht bekannt- — Dem „Matin" wird aus London berichtet: Man ist völlig einig in der Auffassung, daß die Erklärung der englischen Regierung die Folge des Besuches von Dr- Kuyper in London sei sowie der Unterhandlungen, die dieser mit hervorragenden englischen Personen hatte. Die öffentliche Meinung in Paris sieht dem Schritte der holländischen Regierung mit Opitimismus und Güte entgegen, dagegen erklärt eine Persönlichkeit, die in der Lage ist, über die Haltung der englischen Regierung gut informiert zu sein: Die Mitteilung Balfours sei erstens sehr unbestimmt, zweitens fehle es an der nötigen Autorität, drittens seien die Vorschläge nur aus dem Grunde berücksichtigt worden, weil sie von einer befreundeten Regierung aus gehen und viertens könne dadurch in keiner Weise die Haltung der englischen Regierung den Buren gegenüber geändert werden. Die holländische Regierung mußte diese Vorschläge machen, um der öffentlichen Meinung in Holland Genugthuung zu geben. Die betreffende Persönlichkeit ist überzeugt, daß der Schritt Hollands nichts an dem augenblicklichen Zustande zu ändern vermöge.
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Aus Wellington (Neuseeland) sind am 29. Januar 500 Offiziere und Mannschaften mit Pferden nach Südafrika abgegangen, weitere 500 Mann folgen am 8. Februar- Außerdem bereitet man sich dort vor, noch eine, ober wenn es nötig sein sollte, auch zwei Abteilungen von je 1000 Mann nach Südafrika zu schicken- — Das sieht nicht besonders „friedlich" aus!
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, den 30. Januar 1902.
** Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem früheren Bürgermeister Weber II. zu Brandau im Kreise Dieburg die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Aichrneister Thöt zu Schlitz im Kreise Lauterbach anläßlich seines Ausscheidens aus dem Dienste das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philipps-Ordens verliehen. — Der Großherzog hat dem Geheimen Baurat L P. Winckler zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom deutschen Kaiser verliehenen Kronen- Ordens 3. Klasse erteilt.
* Militärisches. Hauptmann Fink, der seit 5 Jahren Platzmajor von Darmstadt war,ist nach Saarbrücken (St.Johann) versetzt worden. An seiner Stelle wurde v. Chaulin, Hauptmann und Komp.-Ehef im 4. Großh. Jnf.-Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, unter Belassung seiner bisherigen Uniform zum Platzmajor in Darmstadt ernannt. Prinz Leopold zu Isenburg und Büdingen-Birstein, Oberleutn. a. D.,
zuletzt in der Reserve des Jnf.-Regts. Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig (Ostfries.) Rr. 78, früher a la suite der Armee, wurde unter Erteilung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfäl.) Nr. 4, mit seinem Patent bei den Offtzieren a la suite der Armee wiederangestellt.
• * Das Regierungsblatt Nr. 4 enthält folgende Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibnngen auf den Inhaber betreffend. Der Stadt Darmstadt ist in Gemäßheit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Artckels 67 des Hessischen Einführungsgesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 die Genehmigung zur Ausgabe der nachbezeichneten dreieinhalb-prozentigen Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt worden:
Lit.L.©er. I.Nr.l—1080; 1080St.A2000Mk.=2160000DL, Lit.L.Ser. II. , 1—2400; 2400 , A1000 , =2400000 „
Lit.L.@er.III. „ 1—2400; 2400 „ A 500 „ =1200000 ,
LitLScr.1V. „ 1—1200; 1200 „ A 200 „ = 240000 „
zusammen 7080 Stück im Gesamtnennwert von 6000000Mk.
* * Hessische LandeUotterie. Bei der heute stattgehabten Ziehung der 6. Klasse der Hess. Landeslotterie fiel ein Haupt- Gewinn von 100 000 Mk. auf Nr. 17221 (nach Oppenheim), ein Gewinn von 15 000 Mk. auf Nr. 3801 (nach Mainz), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 32666 (nach Offenbach) und 43146 (nach Mainz), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 27572 (nach Büdingen), Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 4076 4892 24197 32059 32160 39121, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 802 2587 8092 11206 19555 21790 26053 31839 34319 44119, Gewinne von 1000 Mk. auf Nr. 885 3119 5691 8659 11736 12220 14062 14150 15180 16517 16779 24942 25903 28225 30850 32508 33810 35816 37413 38156 42827 43462 44027 44507 Gewinne zu 500 Mk. auf Nr. 96 507 516 1820 3538 5877 5997 6589 7391 9209 9853 9916 10096 11144 12467 14010 14603 16794 18677 18.738 18867 20742 22074 23146 25033 26094 27526 27530 29040 29080 30552 31217 31377 31449 32876 33768 34768 35047 35823 35934 35999 39108 39183 40514 42500 43060 43757. (Ohne Gewähr.) — Da die Hauptgewinne von 100 000 Mk. resp. 40 000 Mk. bereits gezogen sind, wird nach § 8 der Bestimmungen des Spielplans die Prämie von 300 000 Mk. in gleichen Teilen den am nächsten Ziehungstage zuletzt gezogenen 6 Gewinnen A 400 Mk., die Prämie von 200 000 Mk. in gleichen Teilen den 5 zuletzt mit 500 Mk. gezogenen Gewinnen als Prämie zufallen.
* • Freuude des Zitherspiels machen wir auf das am Donnerstag den 6. Februar, im Cafo Ebel stattfindende Konzert aufmerksam, das Herr Zitherlehrer Gernhardt, der Dirigent des Zithervereins „Alpenröschen" unter Mitwirkung anderer Herren, die das Konzert durch Gesang- und Klaviervorträge unterstützen, giebt. Während des Konzerts kann Bier getrunken werden.
* Aus dem Theaterbureau. Als 6. Volksvorstellung wird am Freitag Hermann Herschs beliebtes historisches Lustspiel „Die Anna-Liese" aufgeführt. Die nächste Sonn- t a g s - Vorstellung (2. Febr. er.) findet in der Turnhalle statt. Es wird alsdann die Gesangspoffe „Der tolle Wenzel" wiederholt. In derselben wirkt Frau Selma Woisch-Hesse noch einmal mit.
* * Stadttheater. Herr Direktor Kruse schreibt un5 heute:
Bezüglich der gestrigen, etwas eigentümlichen ZeiMngsnotiz des Herrn A. Helm in St. Gallen erlaube ich mir, Ihnen ergebenst zu bemerken, daß die Direktion Kruse u. Helm sich gar nicht um das Theater in Kreuznach beworben hat, sondern nur Herr Helm. Ich selbst beginne im Mai d. I. meine dritte Saison als Leiter des Kurtheaters m Bad Neuenahr.
* * Schwer verunglückt ist gestern nachmittag ein Dienstknecht von hier. Als er mit einem schwer beladenen Wagen in eine Hofraithe einfuhr, wurde er von der Deichsel erfaßt und gegen die Wand gedrückt. Er trug derartige Verletzungen davon, daß er mit einem Wagen in die Klinck gefahren werden mußte.
* * Zu viel des Guten. Die Ehefrau eines hiesigen Arbeiters, die bereits früher wegen Trunkenheit verhaftet werden mußte, hatte gestern abend wieder einmal des Guten zu viel gethan. Völlig betrunken wankte sie in der Wallthorstraße umher und verursachte einen großen Auflauf von Menschen. Sie wurde verhaftet.
* * In die hiesige Klinik wurde ein Knabe aus Södel gebracht, der sich durch Spielerei mit einer Pistole schwer an der Hand verletzt hat. Beim Wohnungswechsel seiner Eltern fand er nämlich unter altem Gerümpel eine Pistole. Da die nötige Munition dabei lag, eignete sich der etwa 12 jährige Junge die Waffe an, und begab sich alsbald in Begleitung mehrerer Kameraden damit ins Freie, um sie sofort auf ihre Güte zu prüfen. Als der Hahn nach einigen gelungenen Schüssen versagte, schlug er die Pistole so lange auf einen Stein, bis es wieder knallte. Die Kugel ging ihm durch die Hand, die dermaßen zerfetzt wurde, daß er sich, wäre nicht ärztliche Hilfe rasch zur Stelle gewesen, sicher verblutet hätte. Nach Anlegung eines Verbandes wurde er nach Gießen verbracht. Doch konnte infolge seiner völligen Entkräftung zunächst keine Operation an der Hand vorgenommen werden. Nachdem sich der Verunglückte erholt hatte, wurde ihm ein Stück Fleisch aus dem Bein geschnitten und an die Hand gesetzt, die freilich völlig verkrüppelt ist. Die bei dem Unfall zugegen gewesenen Kinder kamen mit dem Schrecken davon.
*• Konkurs. Um weiteren Anfragen benachbarterZeitungs- expeditionen zu begegnen, teilen wir mit. daß die hier seither gedruckten „Gießener Neuesten Nachrichten" sich in Konkurs befinden, wie aus der im ersten Blatte unserer Nr. 18 vom 22. d. M. vom hiesigen Großh. Amtsgericht veröffentlichten Bekanntmachung hervorgeht.
"V Lich' 29. Jan. Nächsten Sonntag nachmittag 4 Uhr hält der Sekretär der Handwerkerkammer in Darmstadt, Engelbach, im Gewerbeverein bei Gastwirt Stein hier einen Vortrag über: „Die Bedeutung der Handwerkerkammer für den Handwerker.
o. Lichcuroth, 28. Jan. Hier endigte die Geburtstagsfeier des Kaisers mit einer Rauferei, bei der auch das Messer eine bedeutende Rolle spielte.
k. 9liebcttocifeL 29. Jan. Diese Woche wurden hier an einem Tage 3 Häuser freihändig verkauft. Es wurden von den Verkäufern hohe Preise erzielt. Die Käufer sind drei Handwerker.


