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29.12.1902 Erstes Blatt
 
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Württembergische Staatsanzeiger" folgende angenehme Weih>

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nachtsbotschaft verkündet: Die polizeiliche Einweisung des Freiherrn v. Münch in eine württembergische Irrenanstalt ist nunmehr durch Erlaß der kgl. Kreisreglerung m Reutlingen aufgehoben worden, nachdem die frühere Anordnung semer Begleitung durch einen Wärter bei seinem Aufenthalt m Württemberg schon seit einigen Monaten m Wegfall ge­kommen war und sein Verhalten in neuerer Zeit keinen Grund mehr zu der Befürchtung einer gemeingefährlichen Bethätigung einer Persönlichkeit gegeben hat.

Magdeburg, 27.Dez. Der zweite preußische Lehrer­tag hat nach sehr eingehenden Debatten einen Antrag auf Gleichstellung der Lehrer an den Landschulen mit denen an den Stadtschulen abgelehnt. Sodann wurden die Ausschuß- anträge mit einigen Modisikationen angenommen. Die wesent­lichsten Aenderungen gehen dahin, das Grundgehalt auf nicht weniger als 1350 Mk. festzusetzen, sowie den Einheitssatz der Alterszulagen auf nicht weniger als 150 Mk. zu be­messen.

PMische Tagesschau.

Herr v. Kardorff und der Bund der Landwirte.

Der vielgenannte frei konservative Abgeordnete v. Kar- Lor s f hat infolge der Vorgänge im Reichstag in einer Zuschrift vom 24. d. M. sein eil Austritt aus dem Bund der Landlvirte erklärt. .Herr v. Kardorff begründet diesen

Die Börfengesetz-Novelle.

In dem Hin und Her, das neuerdings in der Presse hinsichtlich der Frage, ob die Embrmgung der Börsengesetz- Novelle noch in dieser Tagung zu erwarten sei, bemerkbar war, hat jetzt auch die .Köln. Ztg." das Wort zu erneu längeren, anscheinend öfftziösen Auslassung ergriffen, in der heißt, es bestehe z. Z. nicht die Abücht, die Novelle noch dem letzigen Reichstage vorzulegen. Es rverden allerhand Gründe für die Berechtigung dieses Standpunktes angeführt, die Kürze der Zeit, die das Parlament noch zur Verfügung habe, die Parteiverhältnifse in ihm, die Zweckmäßigkeit einer gleichzeitiger» Regelung der Frage der Stempelsteuer u. dergl. Alles das sind leere Einwendungen gegen die Notwendigkeit, die längst für unabweisbar erkannten Verbesserungen des Börsengesetzes nicht aufzuschleberr, über die »nan im Wesent­lichen, abgesehen von den unbelehrbaren Agrarierrr, durchaus einig war. Wenn nun gerade nut Rücksicht auf diese die Regierung das jetzt unterläßt, ivas fre selbst früher für- schleunig erforderlich erklärt hat, so ist das eine Schwäche, die man vielfach nicht begreifen wird. Wer weiß denn in der Regierung, wie der nächste Reichstag aussehen wird? Er kann viel schlimmer sein als der gegenwärtige,

Gras Lambsdorff in Bulgarien.

Der russische Minister des Auswärtigen, Graf Lambs­dorff, welcher am Samstag eine mehrstündige Konferenz mit dem Fürsten Ferdinand und dein Ministerpräsidenten Danew hatte, soll, nne verlautet, sowohl dem Fürsten, wie auch dem Ministerpräsidenten nicht sehr angenehme Worte gesagt haben. Diese Erklärung hat selbstverständlich m Re- glerungskreiseu arg enttäuscht und es verlautet, daß die leitenden Staatsmänner Bulgariens und die Führer der Macedonier entschlossen sind, dem Grafen Lambsdorff kurz und bündig zu erklären, daß nur fest garantierte und durch- geführte Reformen eine Gewähr für Aufrechterhaltung der Ruhe in Macedonieri bieten. Bloße Ratschläge oder gar Drohungen seitens Rußlands würden die revolutionäre innere Organisation ganz lalt lassen, an ihren Beschlüssen nichts ändern und der Auffland auch ohne Beihüfe Rußlands im Frühjahre zun» Ausbruch gelangen. Auch die gestrige kurze Anttvort des Grafen Lambsdorff auf die anläßlich des Fackelzuges von dem Lehrer Neumoi) an den Grafen gerich- lele Ansprache hat unter den MaceDomern eine unbeschreib­liche Enttäuschung hervorgerufen. Die Anhänger Sarafows hatten sich an der Demonstration nicht beteiligt und fällen em verdammendes Urteil über die Ovanon.

trag Kardorff zu stimmen, und zwar sei dieser Druck nicht nur aus den Parteien selbst heraus bewirkt worden, sondern auch aus den Kreisen deL Hofes und der Regierung. (Das Hingt ebenso mysteriös, wie unglaubwürdig. D. Red.)

Entschluß damit, daß ihm, nachdem die Leitung des Bundes der Reichspartei offenen Krieg erklärt habe, nichts anderes übrig bleibe, als den Kampf aufzunehmen, obschon dieser seiner Auffassung nach im allgemeinen, landwirtschaftlichen und politischen Interesse hätte vermieden werden können und solleii. Gleichzeitig gingen derPost" Ausführungen des Herrn v. Kardorff zu, in denen es heißt: Gegenüber der Kriegserklärung, die der Vorsitzende des Bundes der Landwirte gegenüber der Reichspartei erlassen hat, konnten seine Parteigenossen selbstverständlick) dem Bunde nicht mehr angehören. Die Neichspartei habe stets den Wahlspruch gehabt: Erst das Vaterland, dann die Partei! Diesen Wahl- jpruck) habe sie auch in den letzten parlamentarischen Kümpfen nicht verleugnet. Angesichts der Angriffe stellt Herr v. Kar-

Aus Stadt ulid Saud.

Gießen, den 29. Dezember 1902.

* Von der Landesuniversität. Sicherem Ver- nehmen nach hat Herr Prof. Dr. Albrecht Dieterich einen Ruf nach Heidelberg als Nachfolger des Herrn Prof. Dr. Crusius erhalten.

Personalien. Ernannt wurden am 24. Dezember der Reglerungsaffessor Dr. Otto Langrock in Darmstadt zum stellvertretenden Direktor der Hessisch-Thüringischen Staats- lotteric mit dem AmtstitelDirektor", und der bisherige Direktor der Zweigniederlassung Duisburg der Nieder- rheinischen Kreditanstalt, Kommanditgesellschaft ^auf Aktien Peters und Comp., Konrad Gramms, zum Oberinspektor der Hessisch-Thüringischen Staatslotterie.

Städtisches Bauamt. Durch Beschluß der Stadt» verordneten ist das Stadtbauamt geteilt worden, so daß für Hoch- und für Tiefbau eine getrennte Baubehörde besieht. Nach dem neuen Adreßbuch bilden das städtische Hochbau­amt (Neuen Bäue 43) Architekt Gerbel sowie die Bautcch- niker Altvater, Grode und Nold und der Schreiber Weinandt. Dem städtischen Liefbauamt (Gartenstraße 2, Zimmer 6) gehören an Ingenieur Braubach als Vorsteher, die Bautechniker Kähler, Roß und P a i r a n, die Bau- schreib er Mickel und Gengnagel, der Straßenmeister Bommersheim und die Straßenwärter Becker, Krei­ling und Weller. Hiernach ist auch die Sttaßenreinigung und die Müllabfuhr dem Tiefbauamt unterstellt, bei welche«

Deutsches Keich.

Berlin, 28. Dez. DemB. T." zufolge äußerte ein Grandseigneur", welcher in Hofkreisen viel verkehrt und gleichzeitig intime Fühlung mit den Kreisen der Diplomatie und der Parlamentarier unterhält, m diesen Tagen im privaten Gespräch, daß das bestehende Reichstagswahlrecht einer ernsten und schweren Gefahr ausgesetzt sei. Er be­richtete weiter, welcher beispiellose Druck auf die Angehörigen der Mehrheitsparteien ausgeübt worden sei, um für den An-

daß die Jnbustrtezölle stärker erhöbt worden seien als bte landwirtschaftlichen. Die Mehrheit der von der Kommission beschlossenen Zollerhöhungen entfalle auf die agrarischen Zollsätze, die Mehrhell der beschlosseneu Zvllermäßigungen aut bte industriellen.

Amerika und der neue deutsche Zolltarif.

Innerhalb der Reichsregierung ist man, so schreibt die ^Deutsche Volksw. Korresp.", jetzt gewillt, den neuen beut- chen Zolltarif nicht vor dem Zustandekommen neuer Tarif­verträge mit Oefterreich--Ungarn, Italien, der Schweiz, Ruß­land rc. in Kraft treten zu lassen. Auf diese Weise würde der Tarif gleichseitig mit den neuen Handelsverträgen in Wirksamkeit treten, und den Vertragsstaaten gegenüber kamen alsdann nur die im Wege der Vertragsverhandlungen eftgesetzten Zollsätze zur Geltung. Wenn Die)er Zeitpunkt eintritt, oder eigentlich schon früher, wird die Frage zu eiitscheiden sein, ob auch Staaten wie Argentinien und besoiiders 9u)rDamerita künftighin als mei|ibegün|ngt an allen vertragsmäßigen Herabsetzungen des deutschen Zvll- tarises lellnehmen sollen. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, daß Die Unterschiede zwischen den Sätzen unseres Generallarifes und denjenigen des Vertragstarifes in Zu­kunft wahrscheinlich viel großer sein roeruen, als bisher, und daß demgemäß auch die Vorteile, welche der Mitgenug der deutschen Vertragszölle für Amerika mit sich bringt, sich vergrößern müssen.

Von Interesse durfte ein zahlenmäßiger Nachweis der Vorteile sem, welche den Vereinigten Staaten schon aus dem Mitgenuß des jetzigen Deutschen Vertragstarifes ent­springen. Im Jayre 1901 hatte unsere Wat.eneinsuhr aus den Vereinigten Staaten einen Wert von 986 Mill Mark. Etwa 43 Prozent dieser Einfuhr waren tarifmäßig zollfrei, und mehr 'als 30 Prozent haben infolge der Meistbegünsti­gung Zollermäßigungen genosfen, deren Gesamtbetrag sich aus ca. Mill Mk. beläuft. Zu den zollbegünstigten Artikeln unserer Eüisuhr aus den Vereinigten Staaten gehören außer Weizen, Roggen, Gerste, Hafeu und Mais insbesondere noch Muhlenfovntate, ^olz, Fletsch, Leder und Lederwaren. Alan wiro angesichts Der vorstehenden Zahlen nicht bestreiten können, bag Amerita viel größere Vorteile aus, unseren derzetttgen Tarifverträgen mit Rußland, Oesterreich-Ungarn rc. hat, als diese letzteren Staaten selbst. Dabei hoben Rußland und die übrigen ^arcsverttagsftaalen die Begünstigungen, welche Der deutsche Vertragstari, ihnen gewährt, durch Gegenbewilligungen erkaufen müssen, wäh­rend sie Amerika toskenlos in Den Schoß gefallen sind. Wenn man dazu alle Schädigungen unv ichuanen in Be­tracht zieht, denen unser ^aiwel seit Jahren durch Die Zoli- iwliiit Der Vereinigten Staaten ausgesetzt ist, so ivirD man taum Darüber im Zweifel sein tonnen, wie Die oben aus­gestellte Frage zu beantworten sein wird.

Ausland.

London, 28. Dez. Las Reutersche Sure au meldet aus Curacao vom 27. ds.: Es verlautet in gut unterrichteten Kreisen Caracas, daß ein gegen den Präsidenten Castro gerichteter Staatsstreuh vom Vicepräsidenten der Republik vorbereitet werde.

M a b r i b, 28. Dez. DieFamilieHumbert wurde gestern abend 8H4 Uhr mittelst Schnellzugs nach Paris be- örbert. Tie Ankunft der Humberts an der Grenze zu Hendaye findet heute mittag 121/2 Uhr statt. Hier werden die Verhafteten an Die französische Polizei ausgeliefert Tie Ankunft in Paris wird sahrplanmäßig morgen früh 4 Uhr 42 Mim erfolgen, falls keine unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten. Bevor er das Gefängnis verließ, prach Romain Taurignac dem Personal seinen Tank ans ur die liebenswürdige Behandlung der Familie.Ich werde, so sagte er,Spanien niemals vergessen."

W i e n, 28. Dez, Heute nach-mittag fand hier eine zwei- einhalbstündige Mini st er k 0 n fe r en z stall, an Der Die Ministerpräsidenten v. Körber und v. Szell, sowie der öster­reichische und der ungarische Finanzminister teilnahmen. Tie Beratung wird morgen fortgesetzt.

Tas9teue Wiener Tageblatt" widmet dem heute hier ein getroffen en deutschen Botschafter Grafen Wedel einen sehr sympathischen Begrüßungsartikel, in welchem Der Hoffnung -Ausdruck gegeben wird, daß es demselben gelingen möge, durch, das Zustande bringen eines neuen die österreichischen Interessen berückfichttgenDen Hon- Dels-Verfrages das bisher bestandene langjährige intime Verhältnis zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland fester und dauerhafter zu gestalten.

Sofia, 28. Tez. Tie Session der Sobranje, die verfassungsmäßig gestern Hütte geschlossen werden müssen, wurde mittelst fürstlichen Reskriptes vis zum 28. März verlängert.

K 0 n st a n t i n 0 p e l, 27. Tez. Sämtliche Mannschaften und Offiziere Der Gendarmerie von Macedonien be­kamen, mie türkische Blätter melden, die Gehälter. Auf Befehl Jlilmi Paschas wurden zahlreiche Scanne in Mace- Donien wegen Unregelmäßigkeiten sofort in strafrechtliche Untersuchung genommen.

Tokio, 28. Tez. Tie Parlamente wurden auf» gelost, da die Opposition das Kompromiß bezüglich der Grundsteuer ablehnte, obwohl das Kabinett eine Herab­setzung derselben vorscUug und anbot, den laufenden Fehl­betrag aus anderen Hllfsquellen zu decken. Tie s)ku* mahlen sind auf Februar 1903 anberaumt.

Mächten und Venezuela in hohem Grade erwünscht. . Ta direkte Verhandlungen zwischen den verbünbeten ' Mächten und Venezuela schwierig sein dürsten, besteht die Absicht, den amerikanischen Gesandten in Caracas Mr. Bowen nach Washington kommen zu lallen, um dort Vene­zuela zu vertreten und 1ms Protokoll zu unterzeichnen; Ans diese Weise hoffe man, Zell zu sparen. Präsident Roosevelt würde es vorziehen, daß die amerikanische Re­gierung nicht iu amtlicher Form an den Verhandlungen beteiligt sei, würde jedoch nichts dagegen einzuwenden haben, daß Bowen in Washington Venezuela bertritt Diese An­regung fei nach Berlin und London gefabelt worden.

Tas schiedsgerichtliche Urteil wird nun aller Wahrschem- lichkell nach dem Haager Schiedsgerichtshos übertragen werden, womll bte ganze Angelegenheit eine höchst bebauer- liche Verzögerung erleidet. Man muß zugestehen, baß Herr Roosevelt von vornherein, sobald ber Vorschlag, ihm den Sttell Deutschlands und Englands mit Venezuela zur Ent­scheidung zu überfragen, ernstere Form annahm, die Ueber- fragung des Falles an den Haager Gerichtshof als die beste Art ber Ertebigung bezeichnet hat; andererseits hielt er sich aber doch die Möglichkeit offen, nicht vor der Ver­antwortung zurückzuschrecken, wenn die Mächte sie ihm auf- ertegen wollten. Die Mächte waren dazu entschlossen, Herr Roosevelt muß aber in den Weihnachtstagen ein Haar in der Suppe gefunden haben, was ihn nun doch bestimmte, vor der Verantwortung zurückzuschrecken. Nicht nur den beiden Großmächten, sondern auch den Yankees wird es unangenehm sein, daß Herr Roosevelt das Heft aus ber Hand gegeben hat; ihre Presse hat ja immer wieder ge­drängt und gedrängt, England und Deutschland auf Grund ber Monroelehre bas Scknebsgericht ber Verein. Staaten aufzuzwingen, und im Kabinett zu Washington war, wenn sie nicht vorherrschte, doch eine ähnliche Stimmung vor- hanben; brachten boch die'Daily News" aus dem Munde eines Kabinetttnllglieds schon am 18. Dezember folgende Aeußerungen:Wir haben alles mögliche gethan, um illig- land und Deutschland zur Annahme oes Schiedsgerichts zu vermögen, wir können gegenwärtig nicht mehr thun. Wir haben Großbritannien und Deutschland Har gemacht, daß es uns höchste Befriedigung gewahren würde, zu er­fahren, baß sie bas Schiedsgericht anzunehmen gemißt seien. Unsere Regierung meint, daß die Annahme eines Schiedsgerichts England die Möglichkeit gewähren würde, einen leichten Rückzug aus einer Lage voller Verlegenheiten zu gewinnen. Wir glauben nicht, daß es seine Forderungen un Zwangswege einzutreiben vermag; Zwangsschrille würden eülfoch^ die Schuld vermehren, denn falls England zur KriegSblockade schreitet, werden dem Lande alle Ein­nahmen abgeschnitten. Venezuela würde es dann unmög­lich werden, Geld zur Beftiedigung seiner ausländischen Gläubiger aufzutreiben. Heute ist es zahlungsunfähig, giebt man ihm aber Zell, so kann es möglicherweise zu einer Vereinbarung mit seinen Gläubigern kommen.

In einer Besprechung ber Ueberroeifung ber Venezuela- Angelegenheit an bas Haager Schiebsgericht sagt ber Standard":Rian wird in England die Nachricht ohne große Begeisterung aufnehmen, Da man von vornherein überzeugt ist, daß der Vorgang nur einen aufschiebenden Charakter trägt, möglicherweise auf lange Zell." Das Blatt fragt, welche Bürgschaft dafür bestehe, daß die Behörden in Caracas ber Entscheidung des Haager Schtebsgerichts mehr Aufmertsamkeit schenken werden, als den Gründen, die ber gesunde Menschenverstand giebt, und giebt ber Hoff­nung Ausdruck, baß Die Drei Mächte nicht so kurzsichtig sein werden, die Blockade sofort auszuheben. DieTimes" schreibt:Wll bedauern rückhaltlos, daß Präsident Roose- vell es nicht für angängig hielt, das Schiedsrichteramt zu übernehinen. Wir wer Den jedoch gern bereit sein, uns Der Entscheidung des Schiedsgerichtshofes zu unterwerfen. Mr vertrauen Darauf, daß Die Mächte Die Blockade nicht eher aufheben, bis sie fiaj uberzeugi haben, daß Venezuela bereit ist, mit demselben Entgegenkommen zu handeln, welches die Mächte ihm gegenüber zu zeigen sich entschlossen haben.

Vom Schauplatze der Wllren wird aus Caracas ge­meldet: Deutsche Großkausleute erklären, sie würden die Einsetzung eines Ccksiedsgerichts bedauern, falls es zu einer amerikanischen, stall zu einer internationalen Finanz-Kon­trolle fuhren sollte. Tie Venezolaner betrachten die Ein­setzung eines Schiedsrichters als einen Triumph ihrer Sache. Präsident Castro hat die Hauptstadt verlaffen, anscheinend aus Furcht, die Aufständischen könnten sich durch einen Handstreich gegen Caracas seiner Person bemächtigen. Er plant eine Diktatur und teilt, sobald die Blockade ihm Den Zus tu ß au Geldmitteln abschneidet, das Vermögen der deutschen, englischen und italienischen Unterthanen konsts- zieren, von Denen zu laufen das Regieruiigsorgan die Vene­zolaner warnt. Castros Macht Dauert so lange, wie er Die Truppen besolDen kann, D. t jedenfalls noch Räonate. Tie Mehlpreise steigen, Doch ist Ataisbrot in genügender Menge vorhanden.

Aus Newhvrt wird nock, gemeldet: Präsident Castro nimmt Das Haager Tribunal als Schiedsgerichtshof unter Der Bedingung an, Daß Die Blockade sofort aufgehoben und Die venezolanische Flotte zurückgegeben wird. In Der ganzen amerikanischen Presse herrscht große Genugthunng darüber. Daß die venezolanischen Streitigkellen ohne Roosevelts Mit­wirkung erledigt werden sollen.

Dorff fest, es sei unrid)tig, daß bei gutem Willen Der agrar- DenBert. Polit. Vtachr." zufolge enthält Der freundlichen Reichstagsmitglieder eine Majorität für höhere preußische Staatshaushalt für 1903 die erste Rate landwirtschaftliche Zölle zu erlangen gewesen wäre. Tie auf 900 000 Mk. veranschlagten einmaligen Ausgaben ÄF«>lS.Ä f ..........

Cs sei ferner unridjtig, daß die Gärtnerei schutzlos bei ^romberg, zu welchem Du -tadt DaS Ouanöc IjiigicDt. ÜDUiurrenz deA Auslaubes prcisgegeben teorben sich und! Fenwu werden im CrDmanum Mittel für Die Unteuhattung

einer Akademie bereitgestellt, die in Verbindung mit den in Posen bereits ins Leben gerufenen wissenschaftlichen Instituten errichtet und ein Mittelpunkt des geistigen Ledens Des Deutsch. tumS in der Provinz Posen werden soll.

Dem Regierungspräsidenten Dr. v. Heydebrand und der Lasa ist, wie aus Breslau gemeldet wird, der erbetene Abschied unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem PrädikatExzellenz^ er­eilt worden.

Während der Feiertage hat hier der 7. Patteitag der polnischen Sozialdemokratie stattgefunden, der aus Posen, Oberschlesien, den Hansestädten, Rheinland und Westfalen beschickt war. Den Hauptberatungsgegenstand bil­dete Die Verständigung mit der deutschen Sozialdemokratie. Nach Den seinerzeit mit der Reichstagsfraktion uerembaden Bestimmungen bleibt die Organisation Der polnischen Sozial­demokratie bestehen, fügt sich aber im übrigen in Den Rahmen ber deutschen Sozialdemokratie vollständig em. Die Ans­tellung Der Reichstags-Kandidaten erfolgt durch die orgam- ieuten Genossen Der einzelnen Wahlkreise unter Berücksich­tigung Der gemeinschaftlichen sprachlichen Verhältnisse, und die Gazeta Robotnicza" wird als Patteiorgan für alle polnisch prechenden Sozialdemokraten anerkannt.

Dem vielgenannten Freiherrn v. Münch hat bet