Ausgabe 
29.10.1902 Erstes Blatt
 
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Mittwoch ÄS. Oktober 1903

ISS. Jahrgang

Erstes Blatt.

ist, ja wo er, wie il E. hier leid/er gangbar ist, ass der' dec Staatshilfc, soll man ihn nicht uilgegaiigen bei Seite

Nr. 354

titelet tLgllch außei Sonntags.

Dem Gußenei Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Kamillen* Hättet viermal in der Woche deigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der B r ü h l'scheu Ünwerl^Buch- u.Eteiu- b ruderet (Ptetsch (irben) Redaktton, ExpedtNoa und Druckerei:

Gchalstrabe 7.

Übtefle für Depeschenr Anzeiger Gießen.

KernsprechanschlußNr 51.

liegen lassen. Man schadet dann niemand mehr als sich selbst. Daß weite landwirtschaftliche Kreise mit der Vieh- prümienwirtschaft, die den Staatssäckel stark belastet, des­halb nicht zufrieden sind, weil sie nur einzelnen, und fast ausschließlich den Großzüchtern zugute kommt, wollen wir hier nur nebenbei erwähnen. Ihre Einschränkung oder gar Abschaffung würde von vielen nicht beklagt.

Heute finden im ganzen Lande die Wahlmän­nerwahlen statt. Wir wollen hoffen, daß sie in einer Weise ausfallen, die uns die Zuversicht giebt, daß der neue Landtag die ihpi obliegenden Aufgaben zu glücklicher Lösung bringen wird zum Besten unseres gesamten hessi­schen Volkes.

ecinfliprrtii monatlich 7bPft viertel jährlich £ulL 220; durch Abhole- il Zweigstelle,, monatlich 6o Ps.; durch dtePosl Alk. 2. viertel- jährt, auslcht. Beslellg. Annahme von Anzeige« siir die 'lagcfinummex bt8 vormittag- 10 Uhr, ZeilenprriS: lokal 13^U auSwärt- 20 Psg.

Verantwortlich, für den ooltt. il allgem. Teil: P. Witiko: füi .Stadt und ßanb' und .(Aerichtssaal^ Lari Plato, sür den An­zeigenteil: Han- Beck.

lasse nicht gewähnt werden. Wir bedauern das aufs tiefste. Eine Zentralstelle für die lleberwachung der Wohnungen ist wohl geschaffen, aber es fehlen die Lvkalinspek- ttonen. Erst wenn diese in strengster Weise durchgesührt werden und der Zentralstelle dadurch Mckterial in die Hand gegeben wird, kann eine durchgreifende Aenderung eüttreten, damit nach und nach die durch schlechte Lust und Mangel an Licht zur Züchtung aller möglichen Bazillen begünstigten Löcher, genannt Menschenwohnungen, ver­schwinden. Eine edle Aufgabe wartet hier der Negierung

und der Kammer.

In weiterer sozialer Fürsorge muß der Kammer die Fabrikinspektion auf dem Herzen liegen. Mr gehen darinnen ja immer weiter voran, aber Stillstand wäre hier mehr als Rückschritt. Als zu erstrebendes Ziel muß ins Auge gefaßt werden, daß jede Arbeiterin ihre Klagen, Beschwerden und Wünsche einer Assistenttn vorzutragen in die Lage gesetzt wird. Je mehr das Jn- Htut der Fabrikinspektion der männlichen und der weiblichen sich festsetzt, destomehr verschwindet die Scheu der Arbeiter und das Mißtrauen der Arbeitbeber. Hier prechen wir zugleich einen Wunsch aus. Bis vor kurzem erschienen die amtlichen Berichte der Fabrikinspektoren als Beilagen zurTarmst. Ztg." Seit ein oder zwei Jahren dagegen werden sie in Berlin in der Reichsdruckerei gedruckt, angeblich zu dem Zwecke äußerer Ueberein- rimmung aller derartigen Berichte. Den Vorteil, den diese Einrichtung haben soll, können wir nicht einsehen, aber der Nachteil steht fest, daß die Berichte der Fa­brikinspektoren kaum noch imLandebekannit werden, was der sozial gerichtete Teil der Bevölkerung aufs höchste beklagt. Diese Klage erkennen wir als be­rechtigt an und wünschen sehr, daß man zu einer anderen Praxis baldigst sich entschlösse.

Daß, wie die anderen Berufsstände, auch die Land­wirtschaft sich organisieren könne, ist ein Verlangen, das sie an die Regierung billig stellen kann und das der Unterstützung der Kammer wert ist. In die landwirt­schaftlichen Organisationen könnten dann die Viehversicher- ungen und bergt Tinge hineingelegt werden, was wir für besser, billiger und leichter durchführbar halten, als staatlicher Betrieb. Wo der Weg der Selbsthilfe gangbar

Uolitische Tagesschau.

Der prrutzische Laudwirtschaftsminister v. Podbielski sollte bekanntlich auf seiner letzten Informationsreise durch Ostpreußen sich über den Mittellandkanal einem Be­kannten gegenüber vertraulich in sehr abfälliger Weise ge­äußert haben. Der Minister hatte es bisher verschmäht, den hierüber verbreiteten Gerüchten entgegenzutreten; auf eine Anfrage des Kommerzienrats Körting hat er jedoch nunmehr, wie dieser in der zu Hannover abgehaltenen Generalversammlung des Kanalvereins für Niedersachsen mitteitte, folgende Aufklärung gegeben:

Er (der Minister) sei eines Morgens sehr früh, nachdem er mehrere Stunden Eisenbahn fahrt hinter sich gehabt habe, fröstelnd und hungrig auf der Bahnstation etnes kleinen masurischen Ortes angekommen und habe sich dringend nach einer Erfrischung und nach Erholung gesehnt. Er sei aber an der Station von einer größeren Deputation empfangen worden, und eine sehr ausführliche Anrede, in der es sich unter einer Menge anderer Angelegenheiten namentlich um den masurischen Kanal gehandelt habe, sei an ihn gerichtet worden. In seiner Erwiderung habe er den Herren gesagt, daß er ihnen nur dringend anheimgeben könne, auch ihrerseits an dem Zustandekommen des Mittel­landkanals zu arbeiten, denn mit dem Zustandekommen dieses großen Kanals hätten sie die sichere Aussicht, daß bann auch der masurische Kanal bewilligt werden würde. Beim Hinaustreten aus dem Bahnhofe habe er dem einen Herrn vielleicht speziell in Bezug auf seinen hungrigen Magen die betreffende Aeußerung l,^Jch werde mir doch nicht mit dem Lau sekanal vor den Bauch stoßen lassen") hingeworfen, deren Sinn aber vollständig verdreht sei, worüber er im allerhöchsten Grade indigniert sei, denn es hätte gar kein Zweifel Darüber sein können, daß sich seine Aeußerung amf den masurischen Kanal bezogen habe.

Kommerzienrat Körting betonte des wetteren, daß Minister v. Podbielski ein warmer Freund des Mittelland­kanals sei, eine Thatsache, die auch von Baurat Wallbrecht bestätigt wurde.

Sv lauten die Zettungsmeldungen darüber.Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt" kann man zu diesen Er­klärungen des Herrn v. Podbielski ausrufen. Warum hat Herr v. Podbielski das alles nicht gleich gesagt? Die ein­fache Erklärung, die jetzt stark post festum erfolgt, der Minister feiein warmer Freund des Mtttellandkanals", hätte als­bald der Glossierung des Ausspruchs em Ende gemacht. TieNationalztg." teilt mit, bay ih: ine ähnliche Er- klärun g gegeben tourte, als das B, ach langem »Zögern

Einführung b er direkten Wahl die vor­nehmste Aufgabe des Landtags. Ihr gegenüber müssen parteipolitische und andere Interessen zurückstehen. Tie Regierung hats aufrichtig gemeint und eine acceptable Vorlage gemacht, die wen war, aufrichtig und mit Wohl­wollen behandelt zu werden. Wenn es zum zweiten Male nicht gelingt, eine Einigung zu erzielen, dürfte die Ge­legenheit so schnell sich nicht wieder finden und die Kam­mer selbst eine neue große Blamage vor der gesamten Oefsentlichkeit im Reiche sich zuziehen.

Mit der Wo hnun g s f ü r so r g e für Minderbemit­telte haben wir den ersten Schritt gethau. Auf diesem Gebiete sind die Augen im Reiche aus uns in Hessen gerichtet. Zeigen wir uns dessen wert! Schäden sozialer, gesundheitlicher, sittlicher und physischer Art erzeugt das Wohnungselend in Stadt und Land. Tem Arbeiter nimmt der Mietzins ost 2530 Prozent seines Einkommens weg. Werden die Kommunen zur Beseitigung des Wohnungs­elends ihre Pflichten erfüllen? Wenn kein Druck aus-geübt wird, sind die Bestimmungen für manche Gemeinden ver­geblich getroffen. Hier hat die Thätigkeit der Kammer einzusetzen, und für strikte Durchführung dieses sozialen Gesetzes selbst durch neue gesetzliche Bestimmungen zu sorgen. Tie hie und da arbeitenden Bauvereine werden ja dafür sorgen, daß eine Ruhe so schnell nicht eintritt, aber leider ist diesen die nötige Berücksichtigung nicht $u teil geworden, da ihnen Anleihen bei der Lairde-kredtt-

3>k Ausgaben des Lammenden Landtages, n

st Gießen, 29. Oktober.

Ten verflossenen Landtag hatten in größerem Um­fange Schulfragen beschäftigt, aufgeworfen durch Anttäge aus dem sl^ialdemokratischen Lager. Seiner Zeit hatten wir zu ihnen ausführlich Stellung genommen. Hier gilts, nur einen Punkt noch einmal hervorzuheben, die Uever­nähme der persönlichen Schullasten durch den Staat. Wir haben schon einmal ausgeführt, wie die Gemeinden durch den jetzigen Zustand, d. i. durch das Auf­kommen des Lehrergrundgehalts von 900 Mark ganz un­gleich und völlig unsozial belastet find, da es eine un­leugbare Thatsache ist, daß die ärmeren Gemeinden mit einem größeren Kinderreichtum gesegnet sind, als die reicheren, der Bildungsstand des Volkes aber mehr dem Staat als der einzelnen Gemeinde zugute kommt Bei den Schwierigkeiten, die zur Zeit der normalen Balauzie- rung des Etats im Wege stehen, ist wenigstens zunächst eine Verwirklichung dieses von vielen geteilten Strebens noch nicht gut durchführbar, aber das Verlangen darnach muß stets wach gehalten werden, damit der Anschluß nicht versäumt wird. Tie Entlastung der Gemeinden von den persönlichen Schullasten erachten wir als eine sozial gerechte Forderung, deren Erfüllung sobald als möglich ins Werk gesetzt werden muß. Daß die durch die Fortbildungsschule hervorgerufenen Ausgaben, die die Gemeinden immer noch zu tragen haben, in dem neuen Staatsbudget erscheinen, hatten wir für zweifellos.

Tas Gesetz, die Gemeindeumlagen bett., hat be­kanntlich nur vorübergehenden Bestand. Ein neuer Ent­wurf ist in Aussicht gestellt Daß ein solcher bald ans Licht trete, und die Kommunen in ruhige und sich gleich bleibende Verhältnisse in der Erhebung ihrer Umlagen kommen, ist ein notwendiges Erfordernis. Tie Grundlage für die Gemeindeeinnahmen muß der Eigentümer an Grund und Gewerbe darstellen. Taß auch das Kapital herangezogen werde, ist Har, doch nur von einem ge­wissen Vermögen an, und dann in steigender Progression. Wir können hier nur wiederholen, was wtt schon in der Nr. 27 vom 1. Febr. vorigen JahreS gelegentlich der Beratung des jetzigen Gesetzes gesagt haben:

Wir haben kleine Rentner 'ind Pensionäre, dj-e bei bescheidenen Ansprüchen 'von ihrer schwachen Pension und noch geringeren Rente die wenigen Jahre ihres Atters ohne Sorge zubringen können. Wir würden es als unbillig empfinden, diese verhältnismäßig gerade so heranzuziehen, wie den Kapitalisten. Durch die Be­steuerung seines Einkommens ist seine Leistung an die Gemeinde g roß genug. Cs wäre daher zu empfehlen, alle die von b er Verpflichtung zur Kapitalrentensteuer zu entbinden, die, bis zu einem gewissen Bettage, kein weiteres Einkommen als ihre Pension und Rente ober Rente allein aufzuweisen haben."

Tas Scheitern des Gesetzentwurfes, bie Landstände betr., hat das ganze Land mit wenigen Ausnahmen aufs pein­lichste berührt Reform beö Wahlgesetzes! Dieses Wort spricht man bei uns in Hessen nicht leicht ohne gewisse Weymut aus. Tirekte Wahl, diese schönste Frucht des Parlamentarismus, wurde den Abgeordneten darge­reicht, von ihnen aber zurückgewiesen. Es ist einmal eine große Schwäche unseres politischen Lebens, die vergißt, Großes von großen Gesichtspunkten aus zu betrachten. Nur zu viele beurteilen alles entweder von einem fanatischen parteipolitischen oder einem engherzigen Jnteressenstand- punkte aus, und so ist man bald in der engen Gasse, statt mit mädutigen Schwingen über kleinliches Gezänke sich zu erheben und mit weitschauendem Blicke das Wohl des Ganzen zu fördern. An dieser bekannten Schwäche haben wir im Lande wie im Reich schon manchen ideellen und materiellen Schaden genommen, an ihr ist auch unsere direkte Landtagswahl zu Fall gekommen, obwohl man im Prinzip längst einig war. Schon im Jahre 1899 wurde bekanntlich die direkte Wahl mit 32 gegen 8 Stimmen angenommen. Was sich 35 Jahre lang im deutschen Reichs­tag aufb beste bMährt hat, kann man für den Landtag, wo doch Fragen von geringerer Bedeutung zur.Verhandlung stehen, naht unreif nennen. Neben derHerstellung des normalen Gleichgewichts im Etat ist die

Suren und Engländer.

Tie Burenführer Kritzinger, Joubert und Fuchs hielten am 27. b- M. eine Vorlesung im Zirkus in Cam­bridge, der bekannten englischen Universitätsstadt. Eine meist aus jungen Leuten bestehende Menge jobtte, als bie Buren vor dem Zirkus abftiegen, einige suchten ben Eingang zu stürmen und gelangten auch hinein; außerdem wurden schwere Steine auf bas Dach von Zinkblech geworfen. Als bie Buren den Zirkus verlassen wollten, war die Menge so feindselig, daß sie eine halbe Stunde warten mußten. Fouche und Joubert gelangten schließlich unter Gejohle der Menge in ihren Wagen. Polizisten mit Knütteln bängten sich an ben Wagen und wehrten die Menge ab. Es war ein guter Teil Studenten darunter. Kritzinger süeg über eine Mauer und entkam dadurch sicher aus dem Zirkus.

Tie Burengenerale haben nach demDaily Expreß" bei ihrer letzten Abwesenheit in London Eh amber lain ben formellen Vorschlag gemacht, bie Erörterung in den südafrikanischen Fragen wieder aufzunehmen, haben aber eine abschlägige Antwort erhalten.

Aus Berlin, 27. Oktober, wird uns geschrieben:

Von den Vorschlägen der mitunter offiziösenBett. Poltt. Nachr.", nötigenfalls unter Zuhilfenahme einer Nachtsitzung die Geschäftsordnung des Reichstags zu ändern, nimmt das Organ des Grafen Bülow, dieNordd. Allg. Ztg.", einstweilen keine vtotiz. Thcttsächlich sind ja solche Anregungen von Mitgliedern des Zentrums ausge­gangen. Tie konservattveKreuzztg." hält nichts von dem empfohlenen Mittel; sie schreibt heute abend, man solle sich durch Schwarzmalereien nicht nervös machen lassen, sondern dafür sorgen, daß die Mitglieder der Mehr­heit allerwegen anwesend sind. Das ist höchst einfach ge­raten, schwer ausgeführt. Mtt demallerwegen anwesend Sein" hapert es ebenso auf der Rechten wie im Zentrum. Würden bem Reichstag Tagegelder, oder besser noch An- Wesenheitsgelder, fetzt endlich von der Regierung zuge­standen, bann freilich bekäme bie Sachlage alsbald ein an­deres Aussehen. Es verlautet, bie Regierung fei nicht abgeneigt, im Interesse ber Förberung und Verabschiedung bes Zolltarifentwurfs Diäten zu gewähren aber nicht als eine bauernde Einrichtung, sondern nur bis zum Schluß der Session. Ob sich mit dieser Einschränkung der Reichstag einverstanden ertlärt, das ist bie Frage. Zwar tjat die Reichstagsmehrheit bei der Gelegenheit derEntschädig­ung" an die Zollkommissi-on das Prinzip der Diäten als dauernde Einrichtung seelenruhig fallen lassen. Und waS einmal geschah, kann sich wiederholen, denn nur der erste Schritt ist schwierig. Soll etwas geschehen, dann ist es hoch an der Zeit. Immer mehr lichtet sich die Schar der Tariffteunde. Beretts ist eine Einigung zwischen den frei­sinnigen Parteien und der Sozialdemokratie dahin erziett worden, nach der Abstimmung über die Viehzölle, also vor­aussichtlich morgen oder am Mittwoch, den Antrag auf Aussetzung der Tarifberatung zu stellen. Will also bie Regierung Eingreifen, so muß sie, mit dem bekannten! kühnen Bälde, bieGelegenheit an ber Stirnlocke ergreifen". Tie Mehrheitsparteien sind das verrät alles ratlos und erwarten bie Initiative von ber Regierung.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger **

Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

die Aeußerung endlich wiedergegeben hatte. Aber die Richtig- stellung war nicht von Herrn v. PÄibielski ausgegangen, deutet dieNationalztg." an. Warum diese Zurückhaltung? Es stand doch auch dasweiße Papier" derNordd. Allg. Ztg." zur Verfügung, bie Harmlosigkeit ber Bemerkung darzuthun.

Wenn Diäten winken. . . .

3tu Mission Chamberlains.

Menn ein Mann, wie Mr. Chamberlattr, den gewiß nicht leichten Entschluß faßt, sich gewissermaßen in die Höhle des Bären" zu begeben, eine Reise nach Südafrika zu machen, wo der Name Chamberlain als der verhaßteste unter der Sonne gilt, bann müssen in ber Thal die Zu­stände in den neuen britischen Kolonieen ganz unhaltbare und nur noch durch die Anwesenheit des Geschäfts­gewandtesten im Kabinett der Besserung entgegenzuführen sein. Cs zeugt von persönlichem Mut Chamberlains, daß er sich dieser Aufgabe unterzieht, zugleich von Selbstver­trauen, an dem es ihm freilich nie gefehlt hat. Wer es läßt sich noch etwas anderes annehmen, und das ist, daß der Kolonialminifter weitgehende und sehr entgegen­kommende Vollmachten der Regierung mitzubringen in ber Sage ist. England wird tiefer in ben Beutel greifen müssen zur Beseitigung ber Verheerungen bes Krieges und weiterhin durch Zuaeständnisse auf politischem Gebiet bie Unzufriedenen zu beschwichtigen haben. Beiden Forder- ungen gegenüber verhielt sich Chamberlain bisher ab­lehnend. Möglicherweise schwebte ihm schon feit längerem ber Plan vor, die neuen Bewilligungen selbst zu über­bringen und sich daraus in ein umso helleres Licht des zu Unrecht Verbannten zu setzen. Chamberlain geht sicherlich nicht nach Südafrika auf die Gefahr eines Miß­erfolges hin, der seine Laufbahn unfehlbar zum Abschluß bringen würde.

Professor Vetter

aus Bern, der infolge seiner Rede bei der Jubiläumsfeier des germanischen Museums in Nürnberg viel genannt wurde, weilt augenblicklich in Berlin und benutzte diese Gelegenheit, seine Anschauungen über die Beziehungen zwischen dem deutschen und schweizerischen Volks- und Geistesleben vor einem weiteren Zu- börerfreife in einer Versammlung dor^ulegen, die vom all­deutschen Verbände verani'talttt und sehr aut be-