Ausgabe 
29.8.1902 Zweites Blatt
 
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unb sie clB eüre Art MerkvErbigkeit oder Rarität bezeichnet hüt.Er hat alle Plarrtagerurnla-gen und dergleichen im großen Stil für aussichtslos erklärt und d'esbaw sich auch wohl gehütet, neue nicht unbedingt notwenoige Aufwen- dungen für diesen Fleck Erde mit seinen 20000 Einwohnern zu verlangen." Diese Auffassung stimmt, wie Pfeil scheibt, mit der aller ernst zu nehmenden Kenner der Samoa-Inseln überein. Auf Grund früherer Erfahrungen erklärt er die Einrichtung neuer Samoa-Linien für zwecklos. Alle Versuche mit Kakao und dergl seien in Samoa an der Höhe der ProduktionsVosten gescheitert. Früher sind wenigstens noch Bananen aus Samoa nach Ausdmlien ansgeführt worden. Selbst die Bananen kommen jetzt nicht mehr in Betracht, da Australien seinen Bedarf daran bequemer und billiger in den Fidschi-Inseln deckt. Unter diesen Umständen", so schreibt Pfeil,denkt kein deutscher Rheder an Herstellung einer neuen Samoa-Linie, es sei denn, daß das Reich ihre gesamten Kosten über­nähme. Daß aber Deutschland ein solches zweckloses Ovfer bringen sollte, ist doch kaum anHunehmen da hat esi doch ^äherliegende Gebiete für seine Wohlthätigkeit."

Ker Katholikentag in Mannheim.

V.

Mannheim, 28. August

Heute vormittag begann in der Festhalte unter dem Vorsitze des 2. Vizepräsidenten Dr. Siben-Deidesheim die dritte und letzte geschlossene Generalver­sammlung. Es wurden in derselben u a. Beschlüsse gefaßt über die katholischen weiblichen Angestell­ten, die Fürsorge und Erziehung jugendlicher Personen, die Endlichen Krankenbesucherinnen, ländliche Wohlfahrts­pflege, Frauenschutz in den deutschen Kolonien, Schutz werblicher Dienstboten, den Mädchenhandel, Schutz der Katholiken im Ausland, den seelsorgerischen Rotstand in Italien, die Pastorisation der Italiener in Deutschland, das Handwerk unter Bezugnahme auf die Novelle zur Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897, die Haus­industrie, die gewerbliche Kinderarbeit und die Arbeits­losigkeit. Hierbei entspann sich eine längere Debatte. Der Vorsitzende des Ausschusses teilte mit, daß der Aus­schuß mit großer Mehrheit folgenden Antrag zum Beschluß erheben habe:

Die Generalversammlung lenkt die Aufmerksamkeit der katholischen Sozialpvlitiker auf die infolge des Nieder­ganges der Industrie neuerdings wiederum eingetretene Arbeitslosigkeit, die zu einer bedauernswerten Begleit­erscheinung der industriellen Entwickelung geworden ist. Als Mittel und Wege zur Verhütung der Arbeitslosigkeit wie zur Milderung ihrer harten Folgen sind vor allem zu empfehlen der Ausbau des Arbcitsvermittelungswesens, die Verkürzung der Arbeitszeit an Stelle von Arbeiter­entlassungen; ferner Bereitstellung von Mitteln zur Aus­führung von Notstandsarbeiten durch staatliche und kom­munale Verwaltungsbehörden. Des weiteren sind, um den unverschuldet arbeitslosen Arbeiter vor den Folgen der Arbeitslosigkeit thunlichst zu schützen, Institutionen zu schaffen unter Heranziehung von Arbeitern und Arbeit­gebern, Staat und Gemeinden, welche dem Arbeiter die Möglichkeit bieten, sich durch Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit zu schsttzen.

Don dem Abg. Dr. H e i m (Bayern) wurde noch folgender Zusatzantrag gestellt:

^Gleichzeitig bringt die Versammlung zum Ausdruck, ' daß sie in einer kräftigen AbHilfe der trau-

rtaen Lage der Landwirtschaft «ns der besten I peusierrochts den gleichen Bedingungen unterworfen werden wie irr« ArbeitL- die übrigen Aerzte, 2. die Tierärzte bet der -Ltspenfarwn von Arz-

Höchste Tentperatur

Niedrigste r

vom

28.

28.

Mittel erblickt, um die Abwanderung ländlicher Arbeits­kraft nach den Städten und Industriezentren und der daraus folgenden Arbeitskonkurrenz zu vermindern."

Beide Anträge wurden von der Generalversammlung angenommen. Weiter wurden Beschlüsse gefaßt über die Mäßigkeitsfrage und die katholischen Arbeitersekre- tariate. Zum Schluß fand folgender Antrag Trimborn-

Gröbcr-Fchrenbach Annahme:

Die Generalversammlung erblickt in dem Bestehen und Wirken der kathol. Orden und Kongrega­tionen eine glänzendeBethätigungderchrist- lichen Welt- und Lebensauffassung eine kraftvolle Schutzwehr gegenüber der verheerenden mate­riellen Strömung unserer Zeit, eine durch das Beispiel der Entsagung und Aufopferung hochbefähigte und oft bewährte Macht der Versöhnung in den sozialen Wirren und Kämpfen. Sie bellagt deshalb auf das Lebhafteste, daß in einer Zeit, in welcher religions- und kirchenfeind­liche Bestrebungen aller Art ungehemmt sich gellend machen können, die der Seelsorge, Krankenpflege und Heidenbekehrung gewidmeten kathol Orden und Kongre­gationen sich nicht mit aller Freiheit entfalten, dürfen." Zum Schlüsse der Sitzung wurde Gras Troste-Vische- ring-Münster wiederum zum Kommissar der Generalver­sammlung ernannt und als Ort der nächstjährigen Tagung Köln gewählt.

In der letzten öffentlichen Generalver­sammlung sprach Universitätsprofessor Tr. Esser- Bonn über5Re ligion und politischen Katholizis­mus". Er betonte, daß die Katholiken nicht die Religion mit der Politik identifizieren, wie sie es verschmähen, die Kirche mit einer politischen Partei, mit der Familie, dem Staate oder dem Erwerbsleben zu identifizieren. Geist­licher Rat und Landtagsabg. Wacker sprach überKatho­lizismus und Autorität". Die Kirche erstrebe, weder eine staatliche Herrschaft, noch die geistliche Polizeimacht. Wir verlangen aber volle Entfaltung unserer Kirche und auch unseres Ordenswesens. Im Schlußwort sprach der Präsident Chefredakteur Tr. Cardauns -Köln den Bür­gern der Stadt Mannheim und den Bischöfen Tank aus, worauf Erzbischof Dr. N ö r b e r mit dem bischöflichen Segen die Versammlung schloß. Später sand ein Diner statt, an welches sich eine Fahrt auf dem Rhein anschloß

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Kunst und lUlstenschaft.

Koblenz, 28. Äug. In der zwecken Sitzuna der Hauptver sammlung des Apothekerpereins hielt Prof. P a r t h e i l aus Bonn einen Vortrag über den im Jahre 1806 in Koblenz ge­borenen Professor pharmacne Friedrich Mohr. Als Ort der im Jahre 1903 abzuhaltenden Hauptversammlung wurde 2! ü n ch e n gewählt. Zu Punkt 7Aenderung der Arzneitaxen" gelangte der Antrag des Kreises Oberhessen zur An­nahme : Der Vorstand möge bei sämtlichen deutschen Bundesregier­ungen, welche eigene Arzneitaxen besitzen, vorstellig werden, daß nach der in Aussicht stehenden Aushebung der Steuerfreiheit für den zu Heilzwecken dienenden Branntwein eine entsprechende Tax­erhöhung aller sprrckuosen Präparate nach Anlage 13 der Verord­nung vom L Otto der 1900 vergenommen werde. Zur Erleichterung des Haltens von Lehrlingen wird ein Antrag des Vorstandes angenommen, daß es auch den Besitzern gestattet merden soll, Eleven zu ballen, die keinen Gehilfen halten und zwar soll dieses geschehen dürfen, ohne daß die Erlaubnis bei dem Regierungspräsidenten nachzujuchen ist. Bezüglich des ärzckichen und tierärztlichen Dis­pensier-Rechtes wird der Antrag des Vorstandes ange­nommen, welcher lautet: Der Vorstand wird beauftragt dahin zu wicken, daß 1. die homöopatischen Aerzte bezüglich des Selbst-Dis-

die übrigen Aerzte, 2. die Tierärzte bei der Dispensation von Arz­neimitteln alle die Tinge zu erfüllen haben, denen die Apotheker nachzukommen haben. Zum Schluß gelangt der Antrag der fünf Kreise delSRegierungsbezirks Düsseldorf zur Annahme, der Vorstand möge an geeigneter Stelle Schritte thun, daß von den Kranken- pflegeschrv esterii und -Brüdern, welche das Examen als Lecker einer A n st a lr.s a p o l h e k e machen wollen, eine bestimmte Vorbildung

August 22,00 0.

gefordert wird.

Ein neuer Gegner Profcffor Kochs. Bekanntlich hat Koch im Vorialwe aus dem Londoner Tuberkulose-Kongreß die Aussehen erregende Mittbeilung gemacht, daß menschliche Tuberku­lose nut der Perlsucht der Haustiere nicht ideickisch ist, so daß er ohne Weiteres den Genuß roher, auch von perlsüchtigen Tieren stammender Milch gestatten ivürde. Diese Ansicht Kochs begegnete sogleich all gemeinem Widerspruch, zumal seine Behauptung, daß eS ihm nicht aehmgen sei, menschliche Tuberkulose auss,Rindvieh und andere größere Haustiere zil übertragen, nicht genügend beweis­kräftig war. Bei Beurteilung derartiger Experimente darf näm­lich, wie dl.« Göttinger Pathologe L r l h richtig hervorhebt, nicht außer Acht gelassen iverden, daß auch bei Tieren wie beim Men­schen Immunität und Disposition ungleich verteilt sind. Es müßten a)aher, um zu einem unbefangenen Urteil zu gäangen, Versuche in größerer Zahl unter möglichst verschiedenen Bedingungen und an möglichst verschiedenen Orlen angeslelll werden. In der Thal habeu sich viele Pathologen mit solchen Experimentell be- schästigt und- Klebs, de Jong, Arloing, v. Behring und Orch haben positive Resultate bei ihren Ueberimpfungcn erhalten. Ter letzte Alltor teilt (leine Ergebnisse in derBerliner klinischen Wochenschrilck mit. Es ist ihm gelungen, vom Menschen stammende Tuberkelbazillen auf Kälber, Schweine und Zie­gen zu ü b> e r i m p s e n und Tuberkulose der Tiere zu erzeugen. Tie Uebertraigbarkelt der Tuberkulose vom Tier auf den Menschen konnte selbstverständlich nicht m den Kreis der Experimente gezogen werden, doch spricht das nicht seltene Auftreten primärer Darm- und Dlejeitterialdrüsentuberkulose bei Kindern die Sprache des Ex- perinients. Lttth kommt zu dem Schlüsse, daß dasperlsüchtige Tier nicht ohme Gefahr für die Menschen sein kann, vielmehr muß allen Herküiiflien von perlsüchtigen Tieren, ivelche Bazillen enthalten oder enthalten können, mit dem höchsten Mißtrauen begegnet werden. Dieses Mißtrauen müßte auch hestehen bleiben, selbst wenn es sich doch noch Herausstellen sollte, daß Perljucht und menschliche Tuberkulose nicht ganz identisch sind." Koch hat noch im Jahre 18811 geschrieben:Sollte sich also auch wirklich iwch im Lause weitere, Untersuchungen wieder eine Differenz zwischen den tuberkulösen utnü Perlsuchtbazillen Herausstellen, welche uns nötigen würde, dieselbe, nur als nahe Verivandte, aber doch als verschie­dene Arten an,gusehen, dann hätten wir gleichwohl alle Ursache, die Perlsuchtbazillen im höchsten Grade verdächtig zu hacken," Otth komnil zuun Schluffe, daß, wenn auch weitere Untersiichungen ergeben sollten, daß die Gefahr der Uebertragung vom Rind auf den Menschen bei weitem zurücksteht hinter der vom Menschen auf den Menschen, Man doch einer jeden Gefahr, ob groß ober klein, welche der menschlichen Gesundheck droht, mck allen Mitteln be­gegnen müsse.

27. August bis

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August

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Gascokes.

Preise seit 10. April 1902:

Für den Gentner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes.............. 1,10 Mk.

Nuß-Cokes, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizimg und für weite und enge Ofens chäch te passend zeckleinert:

Größe Str. 1, etwas größer als durchschnitt­liche Korngröße des Anchracck, g ang- bar st eSorte ......... 1,25 Mk.

Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracck......1,30 Mk.

3n Wagenladungen von mindestens 36 Centuern: Stückcokes.......1,05 Mk.

Rußeokcs Rr. 1 .... . 1,20 , Nußcokcö Nr. 2.....1,25 w

Bei Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcokes.......1, Mk.

Nußcokes Nr. 1 .... . 1,15 , Nu»cokco Str. 2.....1,20

Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Ceittner.

Für Anfuhr au das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet.

NB. Sofern das Verbringen der Cokes bis zu 6 Centnern aus die bett. Lagerplätze (Seiler, Stall re.) mit feinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung.

Im Gaswerk findet nur ein Berkaus von über 5 Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der

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von 1 bis 5 Ccntucr

eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 unb 34, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Cb. Klinket, Bahnhofstraße 10, Cmil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Macktstraße 10, Georg Schäfer, Licherslraßc 2, August Struck, Bismarckslraße 6, Georg Uuverzagt, Kaplanögasse 5.

Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gaseokes (amt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern.

Tie Preise unserer Gascokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Vetroirückvergütung von 4 Pfg. für den Centner.

Gießen, den 16. April 1902. 3086

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

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