Ausgabe 
29.7.1902 Zweites Blatt
 
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füntmenben Städte durch Sudventtouteruug dem Unter» nehmen entgegen kommen werden.

Frankfurt a. M., 27. Juki. Im fünften Stock des Hauses Kaiserstraße 68 wohnte bei einer Familie der 28 Jahre alte Kaufmann Karl Birnbaum aus Ludwigs­hafen. Zur Zeit be sind en sich die Vermieter in der Som­merfrische, sodaß B. allein in der Wohnung war. Am Vormittag war B. noch im Geschäft; nachdem er mittags hetmgekehrt war, brachte er sich aus einem Revolver einen Schuß in die rechte Schläfe 6ei Die Kugel drang ihm in das Gehirn und verursachte, daß der Unglückliche in einen Zustand der Raserei versieb Es gelang dem her­beigerufenen Arzt und der Mannschaft der Rettungsgesell­schaft nur mit Mühe, den Manu soweit zu beruhigen, daß die starke Blutung gestillt werden konnte. Mit' dem Rettungswagen wurde der Lebensmüde nach dem städtischen Krankenhause gefahren, wo er nach einiger Zeit starb. Aus einem hinterlassenen Brief geht hervor, daß mit der That irgend ein Freund im Zusammenhang steht, doch laßt das Schreiben vollständige AusMrung vermissen. Der junge Mann hatte hier eine gute Stellung inne. In der Nähe des neuen Schauspielhauses wurde gestern abend /gegen 10 Uhr eine junge Dänin, die sich hier in einem Pmlsionat an der Kaiserstraße aushäll, von einem Unbe­kannten überfallen, und durch einen Messerstich in dien Hals verwundet Passanten nahmen sich des ^Mädchens -cm und führten es zur Rettungswache, wo die LLunde, die zum Glück nicht gefährlich ist, verbunden wurde. Der Thäter, der als ein Mann mit blaugestreiftem Kittel bezeichnet wird, ist entkommen.

Bad Langenschw albach, 28. Juli. Obwohl auch in diesem Jahre der Besuch unseres Bades aus England mud Amerika zu wünschen übrig ließ, können wir in der Frequenz mannigfache Anzeichen für die Fortentwickelung unseres Stahlbades konstatieren. Die Kronprinzessin von Griechenland, welche hier mit den Prinzen Georg Alexan­der und Paul, sowie der Prinzessin Helene in der Villa Deutscher Kaiser" abgestiegen ist, verkehrt hier viel mit der Großherzogin Viktoria Melitta, die nebst ihrer Tochter, der Prinzessin Elisabeth von Hessen, imHotel Alleesaal" wohnt Eine auffallende Erscheinung der letzten Saison daß wir in unserem früher einDamenbad" genannten Schmalbach stets mehr Herren unter den Kur­gästen zahlen, was auf den Promenaden, besonders aber bet den Reunions sehr erwünscht ist Wir haben zwar kein Kurtheater mehr, dafür finden aber im Kurhause zahl­reiche Veranstaltungen, wie Kammermusik-, Gcsangs- quartett- und Vortragsabende statt. Für August ist ein großes Tournier für Lawn-Tennis, das hier viel gespielt wird, projektiert

Lud>wigshaken, 27. Juli Die Untersuchung in der Angelegenheit des von Iggelheim aus so schwungvoll betriebenen Schwiubels mit Arbeiterfahrkarten zieht noch immer weitere Kreise und zeitigt, besonders rn Iggelheim selbst, noch von Tag zu Tag neue Verhaf­tungen. 16 Arbeiter sind bisher verhaftet Es handelt sich durchaus nicht nur um junge Leute, die vielleicht über die Tragweite ihrer Handlungen sich nicht vollkommen im Klaren befunden hätten, sondern es haben allere, ge­setzte Männer der Versuchung nicht widerstehen können, sich die den anderen so bekömmliche Fahrgelegenhell zu verschaffen. Am Samstag mlltag Uhr wurden auf telegraphische Anordnung des Untersuchungsrichters in Frankenthal 14 wegen des Fahrkartenschwindels .'Verhaftete, nachdem die Voruntersuchung abgeschftffsen worden ist, aus freien Fuß gesetzt.

Vermischtes.

Zum Tode des Frl. Dr. Elsa Neumann in sBerliu. In unserer Nr. 173, 2. Blatt, hatten wir mit- geteilt, daß sich ein ähnlicher Unfall wie der, welcher den Tod der unglücklichen Berliner Dame herbeigeführt hat, jüngst in derGeisenheimer Fabrik" bei Bitterfeld zugetragen habe. Heute schreibt uns nun ein Leser des Gieß. Anz. in Bitterfeld, daß es stattGeisenheimer"Griesheimer" Fabrik heißen müsse. Der vermeintliche Irrtum der Red. des Gieß. Anz. stellt sich als Folge undeutlicher Schrift ,heraus. Auch wll wissen, daß die Chem. Fabrik Griesheim Elektron in Bitterfeld zwei Werke (Werk 1 und Werk II) besitzt. Letzteres Werk fertigt Wasserstoff. Die Trauer­feier für Frl. Dr. Neumann hatte am Sonntag in Berlin zahlreiche Leidtragende um den Sarg vereinigt. Gedenkreden hielten Rabbiner Dr. Clemperer und Frau Dr. Ziegler- Wegscheider, die Freundin der Heimgegangenen. Die Ein- äscherung der Leiche erfolgt in Hamburg.

Kunst und Wissenschaft

Rom, 26. Juli. Während der Fahrt von Kronstadt nach Kiel wurden aus dem italienischen KreuzerCarlo Alberto" unter der Leitung M a r e o n i s wichtige Versuche mit drahtloser Telegraphie gemacht. Bei den Signalisierungen wurde eine Entfernung von 2000 Klm., wovon 1000 über See und 1000 über Land gingen, erreicht

Bom Säugerbundcsfest in Graz. Nach dem Festzug fand in der Sängerhalle ein sollener Kommers statt. Die erste Rede hiett der Vorstand des Bayerischen Sängerbundes. Er sagte u. a.:Nie vergessen wir, daß Ihr vor 32 Jahren mit uns ge­jubelt, mit uns die Wacht gehalten fyabt, daß Steiermark seine Söhne cmch zur Feier des 80. Geburtstags des größten deutschen Mannes entsendete. Steiermark habe den besten Beweis dafür er­bracht, daß man gut österreichisch und gut deutsch sein könne." Der Redner schloß mit einem Hoch auf die deutsche Treue. Es folgte das LiedDeutschland über Alles", woraus namens des Fest­ausschusses Justizrat Beck allen Festteilnehmern Tank ausdrückte, wobei er darauf hinwies, daß die deutschen Sänger es seien, die den deutschen Gedanken pflegen. Hierauf sprach der Obmann des stidmärkischen Sängerbundes, Binder; durch Gründung dieses Bundes, sagte er, sei das deutsche Lied vom hohen Norden bis zur Adria getragen worden und er schloß mit den Worten:Deutsche Art bleibt immerdar bis zum letzten Atemzuge." Gesangsvorträge beschlossen das Fest"

Unwersüäts-Uachrichteil.

Würzburg, 25. Juli. Der neue Rektor unserer Alma mater, Prof. Meurer, ist kein Freund des Zentrums. Schon vor etwa zehn Jahren wurde den hier smdierenden katholischen Theo­logen der Besuch von Meurers Vorlesungen er lieft das für Theologen doch unumgänglich notwendige katholische Kirchenrecht verboten, »weil der Professor in immer heftigeren Ausfällen aus die katholische Kllche seine liberale Gesinnungs-Tüchtigkeit zu empfehlen bestrebt war." Jetzt macht derBayer. Kuner" den Staatsanwalt auf eine Stelle in einem Werke Meurers aufmerk- farn, die angeblich eine Beleidigung der katholischen Religion ent­hält weil Meurer von einem Gegensatz zwischen Staat und katho­lischer Kllche spricht und in beiderseitigem Interesse eine Trennung von Staat und Kirche empfiehlt.

Vor kurzem lehnte die Lesehalle der Kieler Uni­versität die von studentischer Seite beantragte Auslegung der Münch euer WochenschriftS i mpl i ers s i mus" ab. In der

sozialdemokr.Schlesw.-Holst. Volksrtg.* erschien ein Bericht über die Vorgänge, der beleidigende Angriffe auf die Professoren Dr. Schubert und Dr. Pappenheim die Urheber des Verbots enthielt. Tie genauen Darlegungen bekundeten, daß di? Angriffe von einem Eingeweihten stammten. Gegen den mutmaßlichen Ver­fasser wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, das mit der V e r- Weisung des Studenten von der Universität und mit der Bestrafung mit 6 Tagen Karzer endete.

Gerichtssaal.

§ Butzbach, 28. Juli. Ein iitteressanter Preßprozeß, der S, wie ein Redakteur das schuldlose Opfer einer böswilligen tifikation werden kann, gelangte neuerdings zum definttoen Abschlüsse. Das hiesige Blättchen brachte am 6. März einen Fest­bericht über eine zu Hochweisel vom dortigen GesangvereinCon­cordia" fur^ vorher veranstaltete Abendunterhaltung. Das Manuskript war der Redaktion mit der Unterschrift:Der Vor­stand" zugesandt worden, und im guten Glauben, es sei thatsäch- lich vom Vorstand des festgebenden Gesangvereins ausgegangen, fand sein Inhalt unbeanstandete Aufnahme. Der Bericht entsprach aber nicht allein im Entferntesten dem wirklichen Verlauf der Abendunterhaltung, sondern enthielt auch, was allerdings nur für deii Eingeweihten verständlich war, versteckte Angriffe, Ver- höhiiungeri und Beleidigungen gegen den Gastwirt Jakob Dilges nt Hochweisel. Dieser strengte alsbald gegen den verantwortlichen Redakteur eine Privatklage wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse an. Bei der Gerichtsverhandlung waren beide Parteien durch Rechtsanwälte verbeistandet. Durch die Zeugenaussagen wurde, wie auch schon vorher durch Schristvergleichungen kon­statiert war, daß die Korrespondenz keineswegs von dem Vereins­vorstande, vielmehr von dem Bauhandweller Heinrich N. Wagner aus Hochweisel ausgegangen war, der sein Elaborat unter der Flagge des Vereinsvorstandes in die Zeitung lanziert hatte. Es wurde überdies festgestellt, daß Wagner bei Abfaffung der Notiz nach Diktat eines Händlers aus Hochweisel gearbeitet hatte. Angesichts dieser Thatsachen richtete sich der weitere Ver­lauf der Gellchtsverhandlung weniger gegen den vertrauensseligen Redakteur, als gegen den verkappten Einsender, der als Ent­lastungszeuge geladen war und die Urheberschaft der Korrespon­denz unumwunden einräumte. Die Verhandlung fand schließlich ihre Erledigung durch einen Vergleich, wo nach der Straf­antrag gegen den Redakteur zurückgezogen wurd e, Wagner'sämtliche Kosten des Verfahrens übernahm und eine öffent­liche Ehrenerklärung in der Zeitung zu erlaffen sich verpflichtete, während seinDiktator" sich als selbstschuldnerischer Bürge ver­bindlich machte. In der jüngsten Nummer der Zeitung vom letzten Samstag nahm Wagner thatsächlich dieBeleidigungen und Schilderungen reumütig zurück." Der Vereinsoo r stand nahm von einer straf rechtlich en Der fo lgung des p. Wagner leider Ab st and.

? ? Bermuthshain, 27. Juli. Heute wurde in Lauterbach die Reklamation gegen die zweite Bürgermeisterwahl in Bermuthshain vor dem Kreis ausschuß verhandelt. Es waren mehrere Zeugen geladen, welche vereidigt wurden. Die Rekla­mation wurde verworfen; gleichzeitig ist Berufung gegen den Beschluß des Kreisausschusses bei dem Provinzialausschuß in Gießen eingelegt worden, sodaß die Sache bezüglich der Zeugenaussagen nochmals an die Oeffentkichkeit kommt. Aian ist allgemein auf das Resuttat sehr gespannt.

Halle a. d. S., 27. Juli. Dor dem Kriegsgericht der 8. Division wurde gegen den Reserveleutnant Oberarzt Dr. Paul Weber und den Reserveleutnant Gerichts­assessor Walter von Ceratzki, genannt Krieß, verhandelt. Die beiden etwa 34= bis 35jährigen Angeklagten nahmen nickst auf dem Anklagebänkchen, sondern auf zwei vor dem einge^äunten Anklageraum bereitgestellten Rohrstüblen Platz, v. Ceratzki wurde beschuldigt, am 16. Januar d. I. in Mügeln den Dr. Weber durch den Gerichtsreferendar Zimmermann zum Zweikampf mit rötlichen Waffen (Revolver) herausgefordert zu haben, und dem Dr. Weber wurde zur Lest gelegt, daß er diese Herausforderung angenommen hat. Femer wurde Weber noch beschuldigt, Anfang Januar eine Herausforderung zum Zweikampf mit Pistolen von dem Leutnant der Reserve Stabsarzt Dr. Klinger in Mügeln angenommen zu haben. Das Duell, das in beiden Fällen keine bösen Folgen ge­habt, war aus Bagatellen entstanden. Zum 15. Januar hatte der Kegelklub ein Festessen anberaumt. Auch Dr. Weber und der Gerichtsassessor, die seit längerer Zeit auf gespanntem Fuße lebten, nahmen daran teil. Weber war am betreffenden Abend zuerst er­schienen und von Ceratzki nicht begrüßt worden, während der letztere dem Gutsbesitzer Wolf und dem Pastor Paasche, die bei Dr. Weber standen, die Hände gereicht hatte. Weber ärgerte sich darüber und ließ nach dem Festessen Ceratzki fragen, ob er ihn sprechen könne. Ceratzki ließ erwidern, daß Dr. W. ja wiffe, wo er, C., wohne; er sei auch auf dem Amtsgericht zu sprechen. W. erwiderte daraus:Das ist eine Flegelei." Die Heraus­forderung des Stabsarztes Dr. Klinger wurde seitens des Dr. Weber auf Konkurrenzneid zurückgeführt. Klinger ist ebenfalls prak­tischer Arzt in Mügeln und soll sich über die Zunahme der Praxis Webers geärgert haben. Beide Forderungen sind später durch Ehrenerklärungen gütlich beigelegt worden. Das Urteil lautete gegen den Gerichtsassessor auf eine Woche und gegen Dr. Weber auf 14 Tage Festungshaft.

Lausänue, 27. Juli. Die Jury hat den Marquis de Lagoy, der im März ein Revolverattentat auf seinen Schwiegervater le Moe de la Salle verübte, für nichtschuldig erklärt. Daraufhin wurde der Marquis, der 4 Monate in Hast war, freigesproch en.

Eiscnbahn-Zeiiung.

Der schnellste Zug der Welt wird künftig zwischen Ne w- 9)ort und Chicago in einer Geschwindigkeit von 54,44 Meilen (über 87 Kilometer) in der Stunde verkehren. Die schnellsten Züge roaren 1.Empire-Expreß" zwischen New-Park und Buffalo mit 53,33 Meilen in der Stunde; 2. derFlying Scotsman" zwischen London und Edinbilrg mit 50,7 Meilen und sein Glasgower Rivale, derColedonian Expreß", mit 50,18 Meilen, und endlich 3. der Süd-Expreß" zwischen Paris und Bordeaux mit 50 Meilen durch­schnittlicher Fahrtgeschwindigkeit. Jetzt sind die nötigen Versuchs­fahrten gemacht worden, um die passendsten Anschlüsse von Buffalo nach Chicago zu gewinnen und die ganze Riesendistanz von 980 Meilen tn etwa 18 Stunden zu dilrchmesfen, während gegenwärtig noch die schnellsten Züge hierfür 24 Stunden benötigen. Aller­dings war schon früher einmal vorübergehend während der Welt­ausstellung in Chicago ein sogenannterExposition Flyer" in Be­trieb, der 49 SDleilen die Stunde leistete und deshalb mit zwanzig Stunden Fahrzeit auskam. Aber als dauernde Verkehrseinrichtung wird der neue Zug denWeltrekord" brechen. Von der fabel­haften Geschwindigkeit, die bei der neuen Verbindung erzielt wird, kann man sich am besten ein Bild machen, wenn man sich vor­stellt, daß ein Zug mit gleicher Geschwindigkeit die 1359 Kilometer lange Strecke Bremen HannoverG ieße nFrankfurt a. M. BaselChiassoGen ua in wenig mehr als 157, Stunden durch­messen würde, während eine so kleine Strecke wie von Bremen nach Zürich sich schon in etwas über 10 Stunden abmachen ließe.

Kandwirlschast.

Deutscher landwirtschaftlicher Geuoffeuschaftstag 1902.

Vom 7.-9. August tritt in K i e l, wie wir bereits kurz mel­deten, der Allgemeine Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, der heute mit 8363 Genossenschaften und 700 000 Mitgliedern die umfassendste genossenschaftliche Organisation der Welt darstellt, zum 18. Deutschen 'landwirtschaftlichen Genosienschafts- tag zusammen. Ten Jahresbericht wird der Anwalt Geh. Re­gierungsrat Haas- Tarmstadt erftatten. Unter sonstigen allge­meinen Angelegenheiten des Genossenschaftswesens sei erwähnt ein Vortrag des Verbandsdirektors Landesokonomierats v. Mendel- Steinfets-Halle a. S. über die Gesichtspunkte für den weiteren Ausbau des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, des In­genieurs Tr. Baldamus-Magoeburg über genossenschaftliche Ver­wertung der Elektrizität im Landwirtschaftsbetrieb, des Verbands- gefchäftsführers Kerp-Bonn über G^chästsverbmdungen zwischen

landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften und städtischen Kon­sumvereinen, des Generalsekretärs Tr. N eu m a nn - Tarmstadt über Abhaltung von Jnformationskursen für Vorstandsmitglieder ,-i'd Rendanten, des Verbandsdirektors Oekonomierat Hünerasky- P?sen über die Zweckmäßigkeit der Rechtsform einer Gesellschaft i.v: beschränkter Hastunq für landwirtschaftliche Assoziationen, des Rechtsanwalts v. Br e n t a n o - Offenbach a. M. über die Haft­pflicht der Verbandsreviforen, beg Regierungsassessors Gennes - Tarmstadt über die rechtliche Stellung der Reotsionsverbände. Die Angelegenheiten der Bezugs- und Absatzgenossenschasten finden durch Vorträge über den Verkehr der Ein- und Verkaufsvereme mit Nichtgenoffen (Major a. D. Endell-Posen) über Förderung des ge­nossenschaftlichen Eierverkaufs durch die Verbände (Verbandsge­schäftsführer Riehm-Karlsruhe) Berücksichtigung, und ebenso er­fahren die Molkereigenossenschaften durch die Referate des 23er- bandsdirektors Oekonomierat Plehn-Berttn über genossenschaftliche Organisation des Butterhandels, des Molkereiinstruktors Oeser- Münster über Erhitzen der Milch, des Gutsbesitzers Meinert- Hammerhof über genossenschaftliche Milchversorgung der Städte die ihnen gebührende Beachtung. Endlich sei ein Vortrag über För­derung der Seßhastmachung der Landarbeiter durch Genossenschaf­ten (Pastor Redlin-Rakow) und Pflege der Volksgesundhett durch die Genossenschaften (Dr. Beerwald-Berlin) erwähnt.

S anbei und Verkehr. Volkswirtschaft.

Darmstädter Bauk. Gegen die zum Umtausch eingereichte« Aktien der Breslauer Diskontobank können jetzt die entsprechenden Aktien der Darmstädter Bank entgegeugenommen werden.

Der Zusammenbruch der Trebertrocknungs-Gesellschaft wurde in Kassel, wie der Jahresbericht der dortigen Handels­kammer bemerkt, als schwerer und lähmender Druck empfunden, zmnal da niemand auf die Enthüllungen, die der Verlauf des Konkursverfahrens im Einzelnen gebracht hat, vorbereitet war. Infolge des Zusammenbruchs dieser Gesellschaft sowie der Leip­ziger Bank hat vor allen Dingen das Bankgeschäft in Kassel schwere Zeiten durchmachen müssen. Dennoch habe die Erschütterung nicht auf weitere Kreise hinübergegriffen, und das dem hiesigen Handels­und Gewerbestande auswärts vielfach entgegengebrachte Mißtraue« sich als völlig ungerechtfertigt erwiesen. Bei Besprechung der Handelsvertragspolitik kommt der Bericht nach längeren Aus­führungen zu dem Ergebnis, daß es für unsere Industrie ganz be­sonders aus die zukünftige Gestaltung der Zolle i« denjenigen Staaten ankommt, welche die wichttgsten Ab­nehmer für unsere Fertigwaren sind. Zwar hängt nicht die Er­nährung des gesamten Menschenzuwachses lediglich von der Ziffer der Warenausfuhr ab, denn jeder Einwohner mehr bedeutet eine bestimmte Summe von Bedüsinissen, in deren Befriedigung andere wieder ihren Erwerb finden. Das Ausland ist also keineswegs der einzige Arbeitgeber, der unsere zukünftige Mehrbeoolkerung allein zu ernähren hätte.

Elettrizitäts-Akt.-Ges. vorm. Lahmeyer «. Co. in Frank­furt a. M. Die Verwaltung teilte mit, daß der Antrag, die Sta­tuten dahin zu ergänzen, daß Obligattonen bis zur Höhe des Aktten^ kapitals ausgegeben werden dürfen, lediglich die Aufnahme einer Beschränkung in das Statut bezwecke. Die demnächstige Emission einer neuen Anleihe sei aber nicht b^absichttgt.

Nach dem kürzlich erschieueneu Jahresbericht der Han­delskammer zu Limburg würde die Gesamtkanalifation der Lahn der Bergwerks- und Hüttenindustrie über manche Schwierigkeiten hinaushelfen, da bei einer regelmäßigen Benutzung des Wasserweges zur Herbeischaffung von Erzen und Materialien und zum Absatz der dargestellten bleiischen Produkte eine sehr ins Gewicht fallende 23erbilligung der Frachten und Schmelzkosten er­zielt werden dürste. Sollte jedoch die Gesamtkanalisation der Lahn tn dem geplanten großen Umfange vorerst nicht zu erreichen fein, dann wurde er die Blei- und Silberindustrie des Bezirkes auch schon freudigst begrüßen, wenn wenigstens dafür gesorgt würde, daß die gegenwärttg vorhandenen alten nassauischen Schleusenan­lagen von Lahnstein aufwärts successive derartig vervollständigt uni) ergänzt mürben, baß boch bie Möglichkeit ber Benutzung bes Wasserweges ber Lahn auch bei Kleinwasserstänben vorhanben wäre.

Unter der FirmaPctroleumprodukte Akt.-Gef." mit bem Sitze in Hamburg hat sich ein Unternehmen mit brei Mill. Mark gebilbet, bas bie Jnstallationsfirma Gehltg, Wachenheimer u. Co. übernommen hat unb em Geschäft mit Petroleum, SDiineralöl usw. betreiben wird. Die Firma ist unabhängig von den sogenann­ten Monopolgesellschaften. Die Lagereinrichtungen in Hamburg und Holland werden in geeigneter Weise durch Anlagen im Jnlande vergrößert.

Mannheim-Bremer Petroleum-Gesellschaft. Tie Ge­sellschaft, die schon an verschiedenen badischen Stationen Petroleum­tanks angelegt hat, beabsichtigt, derartige Einrichtungen an ver­schiedenen Plätzen des Kreises Konstanz zu treffen. In Meßkirch ist mit der Anlage bereits begonnen worden und demnächst sollen Petershausen-Konstanz und Engen in Angriff genommen werden. Die Frage, ob ein weiterer Tank nach Radolfzell oder Singen kommt, ist noch nicht entschieden.

Das österreichische Petroleumkartell. Aus Wien wird berichtet: Die jüngste mehrstündige Konferenz zwischen den Rohöl­fabrikanten und den Vertretern der Raffinerien hat insofern einen Erfolg gehabt, als die Rohölfabrikanten sich bereit erklärten, den Forderungen der Raffineure hinsichtlich der Preise zu entsprechen. Auch in Betreff der Uebernahms-Modalitäten wurde eine Ver­ständigung erzielt. Ein endgilttges Arrangement ist jedoch wider Erwarten noch nicht zu Stande gekommen.

Mouatliche ilrbkrßcht -er Todesfillc in Süße».

Mouat Juni 1902.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär) Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene:

im vorn

Lebensjahr: 2.15. Jahr

L

Tuberkulose d. Lungen 5 (1)

Tuberkulose anderer

Organe 4 (3)

Lungenentzündung 2 (1)

Lungenkatmnchen 2 (1)

Schlagfluß 3

Herzleiden 2 (1)

Darmkatarrh 2

Atrophie 2 (1)

Lebensschwäche 1

Krebs 4 (3)

Altersschwäche 2

anderen Krankheiten 9 (3)

Verunglückung 6 (5)

5(1)

4(3) 2(1)

2(1) 3

"4(3)

2

4(2) 6(5)

I 1 1 tc w 1 1 | 1 1 |

1 hI 1 1 1 1 1 1 II 1 1

Summa: 44 (19) 34 (17) 9 (2) 1

A n m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Juli

Barometer auf 0° reduziert

6

z

Z- E o

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

c

-C

*6 fi zz

Z

Windstärke

Wetter

28.

2

752,0

19,0

8,6

52

W

4

Sonnenschein

28.

926

753,8

14,4

10,0

83

SW.

2

Regen

29.

7

753,3

12,4

9,5

89

8

1

Bern. Himmel

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Juli 11

,5f C.

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V

27.

28.

13,1" C.

Verehrtester, wollen Sie, daß Ihnen die Zähne nicht ausgeheu, dann lassen Äe geMigft Odol nicht ausgehen.