Ausgabe 
29.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 175

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kessischen Landwirt die Gießener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Dienstag 39. Juli 19C

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

«ezugspret monatlich 75Ps., vieKM» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps, auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal": Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Are heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten.

Anter denHisenöahnern".

Tor wissenschaftliche Trieb zeitigt sonderbare Blüten. Er treibt einen Mann zur Erforschung des Nordpols von der Seite, der Gattin hinweg zum jahrelangen Aufenthalt in Nacht und Eis. Er stachelt Aerzte an, lebensgefährliche Experimente mit sich selber vorzunehmen, Cholerabazillen zu verschlucken oder Tuberkelbazillen sich einzuverleiben. Er überredet Studenten, unter die Fabrikarbeiter zu ziehen, und deren Lebensbedingungen zu beobachten, und hat neuer­dings einen jungen Sozia (Politiker dazu vermocht, für längere Zeit als Arbeiter in den Bahndienst zu treten und im Osten wie im Westen der preußischen Mo­narchie die soziale Lage der Eisenbahner zu studieren. Ob das wissenschaftliche Ergebnis derartiger Forschungen zu der ausgewendeten Mühe im richtigen Verhältnis steht, mag unerörtert bleiben; die ganze Richtung ist so übel nicht und immer noch wertvoller, als das planlose Heraus­geben von allen möglichen Texten und Urkunden.

Also ein wissenschaftlich geschulter junger Mann, Wal­demar Zimmermann heißt er, hat seine Erfahrungen unter den Eisenbahnern umständlich beschrieben und in dem neuesten Band der Schriften des Vereins für Sozial­politik veröffentlicht. Ausführlich behandelt er die Arbeits-, Wohnungs- und Lohnverhältnifse des Lokomotiv-, Zugs-, Weichensteller- und Rangierpersonals, die Lage der Eisen­bahnarbeiter, die hygienischen und die Pensionsverhältnisse. Von den mittleren Beamten ist nicht die Rede. Zimmer­mann kommt zu dem Resultat, daß ein Widerspruch darin besteht, wenn wir eine staatliche Fabrikinsvektion haben, aber keine gleichwertige Einrich<tung, um die Schjmerzen der unteren Eisenbahner fest- und abzustellen.Für die weitherzige Auffassung", schreibt er,daß der Arbeiter und Beamte über seine Lebensfragen, die Arbeits- und Lohn- bedinguungen, unbeschadet der Disziplin und ohne Beein­trächtigung der Betriebsleistungen, mitzureden berufen sei, ist noch wenig Raum in den Kreisen der Eisenbahnverwal- tung. Tie Arbeiterausschüsse haben sich als un­tauglich zur Erfüllung der an sie geknüpften sozialen Er­wartungen erwiesen. Es fehlt dem preußischen Staats'bahn- betrieb das Organ zur direkten, unbeeinflußten Ver­ständigung zwischen Behörden und Angestellten. Trotz un­ermüdlicher Empfehlung wissenschaftlicherseits hat man sich nicht entschließen können, das Beispiel der Engländer nachf- zuaymen, bei denen das Handelsamt die vertraulich ein­gereichten Beschwerden der Angestellten prüft, Unter­suchungen anstellt und die Eisenbahngesellsch<aften zur Ab­stellung der Schäden zwingt."

Ein besonderer Reiz des Werkes besteht in dem Vor- lvort, das ihm der frühere preußische Handelsminister Frhr. o. Berlepsch mitgegeben hat. Darin wird mit trockenem Ton erzählt, wie seinerzeit Minister v. Thielen es ab­lehnte, dem Ersuchen des Vereins für Sozialpolitik nach­zukommen, bei einer Enquete über die Lage der Eisen­bahner den behördlichen Apparat freundlichst in Bewegung zu setzen. Man kann das dem gewesenen Minister v. Thielen nicht allzusehr übel nehmen, wenn er sich weigerte, die Hand zu einer Untersuchung zu bieten, deren Ergebnisse auf jeden Fall gegen ihn selber verwertet worden wären. Laß aber ein gewesener Ministerkollege und ein National- bkonomie-Professor ein solches Verlangen überhaupt an den Minister stellten, das ist das Interessante. Der betreffende Professor ist Schmoll er, neuerdings bekannt wegen des Falls Woth" und desLiebesmahls" für den allmächtigen Ministerialdirektor A l t h o s f. Also ein ehemaliger Minifter- kollege und der Freund eines Ministerialdirektors Hand in Hand vor dem Eisenlbahnminister mit einem Gesuchte, das dieser ablehnt, weil es die Disziplin, seiner Beamten gefährde. Das ist doch sicher pikant!

Aus Stadt und Aand.

Gießen, 29. Juli 1902.

** Ansprache des neuen Superintendenten Waldemar Petersen. Am vergangenen Sonntag wurde eine Ansprache des Superintendenten Petersen, die an die evangel. Gemeinden der Superintcndentur Gießen gerichtet ist, von den Kanzeln verlesen. U. a. ist in der Ansprache gesagt:

Es muß auf jeden Einzelnen wie auf das Zusammenwirken illler gerechnet werden, damit Gott unter uns eine Stätte der An­betung im Geist und in der Wahrheit habe und unsere evangelische Kirche an ihrem Teil eine Behausung Gottes im Geiste werde, em Tempel, wo die Gnadengegenwart Gottes in Christo empfunden unb erlebt wird und der Friede Gottes, der höher ist denn alle Ver­nunft. waltet. Unevangetisch ist, die Aufgabe und Arbeit, die die christliche Gemeinde in der Welt zu leisten hat, auf die Träger Iirchlicher Aemter abzuwälzen; evangelisch ist es, daß jedes Glied ber Gemeinde seinen Teil an der Aufgabe der Versöhnung und Heiligung als sein Recht und seine Pflicht beanspruche. Laßt uns Üese von den Vätern ererbte Wahrheit zu erwerben suchen, um sie u besitzen als ein persönliches und gemeindliches Gut in den Herzen, ien Häusern, den Gemeinden!

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtver­ordnetenversammlung auf Donnerstag, den 31. Juli 1902, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Daugesuch von ^nst Blödner für die Plockstraße; hier :Dispens. 3. Bau- «esuch des Jul. Bach für die Ecke Plock- unb Johannes- giraße; hier: Anbringung einer Laterne. 4. Fluchtlinien- jlan für Ecke Marktplatz und Schulsttaße. 5. Unterhaltung Les Bürgermeistereigebäudes. 6. «Versetzen der Brnrhütte ivom neuen Friedhöfe aus den Bauplatz der höheren und er- wetterten Mädchenschule. 7. Jnstandsetzuna und Unterhal­tung der BegräbnisMtte des Hermmrn Röder hier. 8. Ver­

pachtung von Marktlauben; hier: Vertrag mit dem Besitzer des Frankfurterhofes. 9. Verkauf von Gelände am Großen Sttftnweg. 10. Entwässerung des Provinzialsiechenhauses. 11. Arbeitsvergebung; hier: für die Entwässerung des Pro­vinzialsiechenhauses. 12. Dekretur von Rechnungen. 13. Orts­statut für das Gewerbegericht Gießen. 14. Beteiligung der Stadt bei der Hessischen Landeshypothekenbank. 15. Ueber- tragung der Geschäfte eines Kreisgeometers an den Stadt­geometer. 16. Die Ausführung des Gesetzes vom 2. August 1899 über die Dienstverhältnisse, Ruhegehalte und Hinter­bliebenenverhältnisse der Staatsbeamten; hier: der Gen­darmen. 17. Gesuch des Louis Euler dahier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb Grünbergersttaße 15. 18. Desgl. des Martin Langsdorf dahier für die Crednersttaße. 19. Desgl. des Georg Will;. Hainer in Butzbach für Brandplatz 16 und Grünbergersttaße 116 (Kantinen des 1. Bataillons). 20. Gesuch des Heinrich Belloff II.; hier: um Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein im Hause Alicesttaße 20. 21. Gesuch der Kda Kratz Witwe um Erlaubnis zuni Betriebe einer Schankwirtschaft Brandgasse 8.

* Das Amts blatt Großherzoglichen Mi­nisteriums der Justiz Nr. 21 vom 16. Juli d. I. enthält ein Ausschreiben an die Großh. Amtsgerichte, be­treffend die Ueberwachung der Vormünder und Pfleger, sowie die Anzeigen wegen Verlegung des Aufenthalts­orts eines Mündels. Nr. 22 desselben Amtsblattes vom 17. Juli d. I. enthält ein Ausschreiben an die Großh. Amts­gerichte der Provinz Rheinhessen, betreffend die Erhaltung der Grundbuchkarten.

**DasGroßherzoglicheRegierungsbblatt Nr. 45, ausgegeben am 25. Juli d. I., enthält: Bekannt­machung, den Bau und Betrieb einer elektrischen Nebenbahn von Mainz nach Wiesbaden und von Mainz nach Schierstein betreffend.

** Nr. 46 des Regierungsblattes, ausgegeben am 26. Juli d. I., enthalt: Gesetz, die Ruhegehalts-Ver­hältnisse und die Versorgung der Hinterblie­benen der Beamten der Main-Neckar-Bahn betreffend. Vom 12. Juli 1902.

t Burkhardsfelden, 28. Juli. Bei einer Messer­stecherei, die sich zwei angetrunkene Arbeiter als ein be­sonderes Vergnügen am Sonntag hier leisteten, erhiett der eine einen Messerstich in den Arm und mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Butzbach, 27. Juli. Wie dieButzb. Ztg." aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird während des Manövers das Manövermagazin auf dem hiesigen Viehmarkt- platze errichtet.

Bad-Nauheim, 27. Juli. Unterhaltungen vom 28. Juli bis 2. August 1902. Frühkonzert der Kur­kapelle täglich von 78 Uhr vormittags am Kurbrunnen. Mittwoch, 30. Juli, nachmittags von 4i/2 bis 61/2 und abends von 8 bis 10 auf der Terrasse Konzert der Kur­kapelle. Abends 8 Uhr im Saale Konzert der Strauß- Kapelle (Wien) unter persönlicher Leitung von Johann Strauß. Donnerstag, 31. Juli, nachmittags von 4i/2 bis 6i/2 und abends von 810 aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 810 Uhr im Saale Tanz. Frei­tag, 1. August, nachmittags von 4i/261/2 und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Beethoven- und Wagner-Konzert. Abends 8 Uhr Theater­vorstellung:Hier geneset man." Samstag, 2. August, nachmittags von 41/261/2 und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theater­vorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle:Das süße Mädel." Vorläuftge Anzeige: Sonntag, 3. August Konzert der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) No. 116 aus Gießen.

S. S ch 0 t t e n, 27. Juli. Heute wurde hier in der Turnhalle die Zweite Gesellenprüfung abgehalten; sechs Prüflingen wurden die Gesellenbriefe überreicht. Hauptlehrer Höhn, Nidda, wohnte im Auftrage der Zen­tralstelle der Prüfung bei. Bürgermeister Kromm, der Vorsitzende des Gewerbevereins, berührte in seiner An­sprache auch den Raummangel für unsere Zeichenschulen, der durch den stärker gewordenen Zuspruch hervorgerufen worden ist. Es ist ein Entwurf zu einem Gewerbe­schulgebäude angcfertigt, welches unsern Schulhof würdig abschließen soll. Der untere Teil dieses Gebäudes soll Turnhalle für die Schulen werden. Der erste Stock soll zwei Zeichensäle bieten, während der dritte Stock als Pedellenwohnung eingerichtet werden soll. Unser altdeutsches Rathaus ist nun äußerlich fertiggestellt, und die vielen Fremden, die gegenwärtig unsere Stadt besuchen, bewundern den in echt historischem Stile ge­haltenen Bau. Mit der inneren Ausstattung ist bereits begonnen, so daß das Haus im September seiner Bestim­mung übergeben werden kann.

m. Grebenau, 27. Juli. Gestern abend gegen 8 Uhr zog ein heftiges Gewitter über unsere Gegend, das soweit bekannt, zweimal Schaden angerichtet hat. In Eifa schlug der Blitz in einen in einer Hoftarte stehen­den Baum und zersplitterte chn, und hier traf em kalter Strahl die Oberförsterei, in fast allen Zimmern Zerstör­ungen anrichtend, nur mit Ausnahme des Wohnzimmers, wo die Familie gerade versammelt war. Der vor der Hausthüre stehende Schreiber wurde von der Macht des Sck)lages mehrere Schrttte weit in den Hausgang hinein­geschleudert, wo er einige Augenblicke bewußtlos lag. Doch hat er keinerlei Schaden genommen.

m. Grebenau, 27. Juli. Die Heid e lb e er hän d- ler bezahlen in unserer Gegend für die Maß (2 Ltter) 20 bis 24 Pfg. Das ist noch einmal so viel, als vor drei Jahren bezahlt wurde. Infolge dessen geht auch buchstäblich alles, was Lust zum Beerenbrechen hat, hier und in den um­liegenden Dörfern in den Wald, um. den guten Verdienst mitNrnehmen.

?? Bermuthshain, 27. Juli. Der Schwiegersohn des hiesigen Schuhmachermeisters Weitzel befand sich auf einer Vergnügungsfahrt in Lauterbach. Die Witterung, wurde gegen mittag sehr schön, sodaß auch Heu nach Hause gebracht werden konnte. Bei der Abwesenhett des jungen Mannes mußte auf der Wiese der Vater des Schuhmachers^ ein Greis von 79 Jahren, der den Freiheitskrieg im Jahrx 1848 mitmachte, das Heu auf den Wagen laden. Bei einen steilen Abfahrt eines Berg-Abhcmges stürzte er vom Wagen und war sofort tot. Der Leichnam wurde mit Hilfe anderer Personen auf den Heuwagen gebracht und nach! Hause gefahren.

m. Alsfeld, 28. Juli. Der Alsfelder Zweig ver­ein der Gustav Adolf-Stiftung hielt sein dies­jähriges Iah res fest gestern, den 27. Juli, in dem. Dorfe Eifa bei Alsfeld ab. Der Kirchenvorstand hatte sich alle Mühe gegeben, die erwarteten Gäste gebührend zu empfangen. An dem Ausgang des Dorfes wurden Ehren­pforten errichtet, und mit buntem Papier geschmückte Tan­nenbäumchen waren als Spalier durch die Dorfsttaßen hiw aufgestellt, fast jedes Haus trug reichen Schmuck von Krän­zen und Tannengrün. Der Festgottesdienst begann um 2 Uhr. Da die Dorftirche die zahlreich erschienenen Fest­gäste nicht fassen konnte, wurde der Gottesdienst auf: dem um die Kirche gelegenen freien Platz abgehalten,, wo eine Kanzel errichtet und Sitzgelegenheit für die Zn-« Hörer geschaffen war. Die tief durchdachte, begeisterte Festpredigt hielt Pfarrer Zinn von Herbstein. Auf Grund von Lucas Kap. 12, Vers 49:Ich bin gekommen, daßs- ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennte schon", redete er über den Gustav Adolf-Verein, der kommt, ein Feuer anzuzünden in der evangelischen Christenheit, und zwar ein verzehrendes Feuer lebendigen Glaubens, ein wärmendes Feuer brüderlicher Liebe und ein leuchtendes Feuer rettender Hilfe. Der Prediger, ein Diaspora-Pfarrer, gab ein tief ergreifendes Bild von der kirchlichen N 0 t d e r Evangelischen, die in katholischen Gegenden wohnen und Zeigte an Beispielen, wie der Gustav Adolf-Verein ihnen )eine rettende Hilfe zu teil werden läßt. Nachdem hierauf Pfarrer Klin g en s chmid t-Romrod im Auftrag des leider verhindert gewesenen Präsidenten des Zweigvereins, Dekan Wünschoffer die Versammlung in einer längeren Ansprache begrüßt hatte, verlas derselbe den Rechenschafts­bericht, der uns ein Bild von der weitverzweigten Arbeit des Vereins gab. Ein Gesang beschloß die kirchliche Feier, zu der sich nicht nur 400500 Evangelische aus nah und fern, sondern zu aller Freude auch ein römischer Priester eingefunden hatten. Gegen 4 Uhr fand eine Nach­versammlung in dem Ecksteinschen Saale statt, der eben­falls dicht mit Zuhörern besetzt war. Hier hieß der Orts­geistliche, Pfarrer V 0 l p, im Namen des Kirchenvorstandes zunächst die Gäste wlllkommen, dann redete Pfarrer St0tz- Grebenau über Gustav Adolf, Pfarrer Sic. theol. Herr­mann - Alsfeld über die Diaspora um Mainz herum und endlich Pfarrer chn e r- Udenhausen über die evange­lische Bewegung in Frankreich und Oesterreich, und legte der Versammlung besonders' die 9tot unserer hessischen Patenkinder" der Gemeinde Judenburg und seiner Filialen Murau und Zeltwag ans Herz. Eine für den Betsaalbau in Zeltwag veranstaltete Kollekte ergab die Summe von 17 Mark. Die Festkollekte beim Gottesdienst betrug 64,11 Mark, welche der Gemeinde Herbstein überwiesen wurde. Gegen 7 Uhr schloß das schöne Fest. Möge es alle Teil­nehmer mit neuer Liebe zu dem alten Freunde, dem Gustav Wolf-Verein und seiner Liebesarbeit erfüllt haben.

P.-A. Worms, 28. Juli. Tie Vorfeier zum 26. Mittelrheinischen Turnfest fand am Sonntag in schönster Weise statt. Ein Bankett in der festlich ge­schmückten Festhalle leitete mittags die Vorfeier ein. An dem Essen nahmen hauptsächlich die Mitglieder der ver­schiedenen Ausschüsse teil. Nachmittags bewegten sich 275 Volksschüler, 70 Gymnasiasten, 123 Mitglieder der Turn­gemeinde Worms, 44 der Turngesellschaft Worms und 22 vom Turnverein Worms-Neuhausen, unter Boranttitt einer Militärkapelle, in stattlichem Zuge nach dem Festplatze. Daselbst erfolgte der Aufmarsch zu den für das Turnfest vorgeschriebenen Stabübungen, die vorzüglich aus­geführt wurden. Zum Schluß wurden von der Wormser' Turngemeinde Keulenübungen durch 98 Mann aus­geführt. Auf dem Festplatze herrschte reges Leben und Treiben. Alle Wirtschaftszelte und Vergnügungsetablisse­ments erfreuten sich eines guten Besuches. Abends fanden in der Festhalle Vorführungen lebender Bilder und Pyrp- miden, ein Tamen-Reigen, sowie ein Römischer Waffentanz statt. Die Darbietungen wurden begeistert ausgenommen. Dieselben finden am nächsten Samstag Wend, gelegentlich des Festkommerses, eine Wiederholung. Die Vorfeier verlief in allen Teilen bei prächtiger Witterung in bester Weise.

Wetzlar, 26. Juli. Gelegentlich gestern vorgenom­mener Ausschackftungsarbeiten in einem Schuppen des Klostergartens" wurde eine vorzüglich erhaltene, mehrere Zentner schwere Platte aufgefunden, die auf granitenem Grunde eine umfangreiche lateinische Inschrift mit der Jahreszahl 732 enthält.

! Marburg, 27. Juli. In Sindersfeld geriet gestern ein Großvater mit seinem Cnkelchen unter einen K'leewagen. Das Kind blieb sofort tot, der alte Mann wurde schwer verletzt.

Kassel, 27. Juli. Nachdem schon'vor längerer Zeit aus der Mitte der Schriftsteller-VereinigungFrei fyeber" die Frage der Gründung eines Städtebund-Thea-^ t er S erörtert worden war, ist man neuerdings zu deck Ueberzeugung gekommen, daß die Verwirklichung . des Planes zu ermbglidjen fei. Es handelt sich jetzt lediglich darum, wie Weir die städtischen Behörden der in Frage