Dienstag 29. April 1003
152. Jahrgang
Erstes Blatt
Nr. 99
Urschet«« täglich anher Sonnlags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesstschen Landwirt bte «ichener Familien blätter viermal in der Woche betgelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Univers.-Buch- u.Slein- druckeret (Pietsch (irben) Redaktion, Erpedltion und Druckerei:
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GietzenerAnzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
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Beranl wörtlich: für den polit. u. allgem. Teil: P Witiko: für „Stadt und Vanb* und „Gcrlcht0saal".R.Dit9 mann ; sür den Anzeigenteil: Ha uv Beck.
KeKanntmachnng.
Die am 1.April 1902 fällig gewesenen Pflegegeldcr und Unterstützungen der Waisen von Gießen können nunmehr von den empfangsberechtigten Pflegern pp. bei unterzeichneter Kasse an den Zahltagen in Empfang genommen werden.
Gießen, den 29. April 1902.
Großherzogliche Bezirkskasse I.
Hansult.
Polizerverordnung,
betreffend Verhütung von Waldbrändcn.
Mit Rücksicht auf die große Zahl von Waldbrändcn, welche infolge der zurzeit bestehenden außerordentlichen Trocken- hsit entstanden sind, bestitntnen wir auf Grund des Art. 79 der Kreis- und Provinzialordnung das folgende:
1. Bis auf weiteres ist das Rauchen von Zigarren, Zigaretten und ungedeckelten Tabakspfeifen in Waldungen und auf Haiden außerhalb der chaussierten OrtSverbindungS- wege verboten.
2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mk. bestraft.
Gießen, den 21. April 1902.
Großherzogliches Äreiöamt Gießen.
v. Bechtold.
Politische Tagesschau.
Die Reichstags-Ersatzwahl in Saarbrücken endete mit einem glänzenden Siege der Nation allib c - taten und bedeutet einen Mißerfolg für das Zentrum. Der Vorsprung, den der nationalliberalc Gegner vor dem Zcntrumskandidaten gewonnen hat, ist bedeutend größer als un Jahre 1898. Damals erhielt der nationalliberale Justizrat Boltz bei der Hauptwahl 11 094, der Zentrumskandidat (5: ul er 10 806 Stimmen; dieser blieb also hinter jenem nur um 288 Stimmen zurück. Diesmal hat Boltz 17 967, der Zentrumskandidat Dr. Muth 14 393 Stimmen erhalten, der Vorsprung des Siegers beträgt also 3564 Stimmen. Selbst wenn wir berücksichtigen, daß sich im Jahre 1898 zwei nationalliberalc Kandidaten entgegenstanden und die auf den nationalliberalen Gegner von Boltz gefallenen 2198 Stimmen diesem noch zurcchnen, hat damals der Vorsprung nur 2486, also 1078 Stimmen weniger betragen als jetzt. Bei der Stichwahl im Jahre 1898 erhielt der nationalliberale Kandidat 16 249, der Zentnmskandidat 13 562 Stimmen, der Unterschied von 2687 Stimmen war also auch hierbei geringer als heute. Der Zuwachs, den der Zentrumskandidat gegen 1898 erhalten hat, beträgt 3587 Stimmen und gegenüber der Stichwahl immer noch 831. Aber der Zuwachs, den Justizrat Boltz gewonnen hat, ist noch größer. Gegen die Hauptwahl von 1898 beträgt er 6863 und selbst wenn wir ihm die Stimmen seines nationalliberalen Mitbewerbers von damals zurechnen, noch 4665 und gegen die Stichtvahl 1708. Zu bedenken ist dabei, daß der Wahlkreis überwiegend katholisch ist. Auch die Sozialdemokraten haben in Saarbrücken wiederum schlecht ab geschnitten. Sie brachten es nur auf 826 Stimmen gegen 710 im Jahre 1898, trotzdem sie eine nicht geringe Agitationsthätigkeit vor der Wahl entfalteten.
Der Antisemitismus und die akademischen Kreise.
Die „Akademischen Blätter", das Organ des Vereins deutscher Studenten, brachten kürzlich einen Artikel, in dem es heißt:
„Da können wir denn mit freudiger Genugthuung feststellen, daß die Gedanken, die die Gründer, unserer Vereine zuerst vertraten, auf der ganzen Linie in der Studentenschaft gesiegt haben. Die gesellschaftliche Iso lierung der jüdischen Studenten ist heute in der Haupt sache vollzogen. Die gesamten angesehenen Eoulcur-Vcr- bände, Korps, Burschenschaften, Landsmannschaften und sarbentragcnde Turncrschaften, foivie die Hauptmasse der schwarzen Verbände, die akademischen Turnvereine, Gc sangvereine und wissenschaftlichen Vereine schließen heute die Juden von ihrer Mitgliedschaft and. . . . Soll unsere Arbeit auf akademischem Bodeu zugleich eine That sür das Volk sein, so dürfen wir uns nicht damit begnügen, die für unser gesellschaftliches Leben so angenehme That- sache der Exklusion des Judeutums festzustellen, wir müssen mit Entschiedcuheit auch darauf hinwirken, daß die Ströme jüdischer Denkart, die unausgesetzt vont akademischen Booen zur deutschen Volksseele yinabströmen, mehr wie bisher unterbunden werden!"
Hierzu bemerkt die „Allgemeine deutsche Uuiversitäts^ Zeituug": „Es scheint kauni glaubbar, daß zu Beginn des neuen Jahrhunderts noch Tausende und aber Tausende akademisch gebildeter Leute an einer solchen Judenhetze ihr Gefallen finden und nicht nur einzelne, sondern ganze Korporationen und Verbände die Pflege des Antisemitismus sich zur erhabensten Aufgabe stellen."
Die Pflichten der Treue und des Gehorsams gegenüber Kaiser uud Reich.
Ter welfisch gesinnte LaudgcrtchtSpräsident Dr. Dedekind in Braunschweig be ft reitet, wie wir am Samstag mitgeteilt haben, gegenüber der Justizkommission des braunschweigischen Landtages, daß in Braunschweig die Unterthanenpflichten der Treue und ocs Gehorsams gegen Kaiser und Reich bestehen, weil der Kaiser nurinPreußenSouverän sei, nicht aber im übrigen Reiche. Allerdings ist der Kaiser nicht Souverän im Reiche, sondern er ist, mit Georg Meyer zu sprechen, ein bevorrechtigtes Mitglied, dem ein ideeller Anteil an der Reichsgewalt zu steht und daS die ihm übertragenen Befugnisse nicht im eigenen Namen, sondern imNamen des Reiches oder per verbündeten Regierungen ausübt. Aber derselbe Staatsrechtslehrer, der solchermaßen die Stellung des Kaisers im Reiche umschreibt, sagt in seinem „Lehrbuch des deutschen Staatsrechts" von den Pflichten der Unter* thanen: „In bundesstaatlichen Verhältnissen besteht die Gehorsamspflicht sowohl gegenüber dem Bunde als gegenüber den Einzelstaaten, in Deutschland also sowohl gegenüber dem Reiche als gegenüber den Säubern. Auch die Kommunal-Verbändc haben Anspruch auf Gehorsam, soweit ihnen die Ausübung obrigkeitlicher Funktionen übertragen ist." — Daß gegenüber dem Reiche die Gehorsamspflicht aller Reichsangehörigen selbstverständlich ist, leuchtet ohne weiteres ein, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Gehorsam sich äußert: als Gehorsam gegen die Gesetze, gegen die Verfügungen der Gerichte, gegen die Verfügungen der Verwaltungsorgane. Will Herr Dedekind etwa bestreiten, daß diese Gehorsamspflicht in Bezug auf Reichsgesetze, Reichsgerichte und Reichsämter besteht'?! Als Verletzung der Treupflicht gegenüber dem Herrscher erscheint einer Reihe der angesehensten Staatsrechtslehrer, Laband, H. Sck)ulze, Garets, Seydel, Haencl, Zorn, v. Stengel u. «„.namentlich die Begehung von Hochverrat und Landesverrat. Vom Standpunk dieser Staatsrechtslehrer aus bedeutet die Theorie des Herrn Dedekind die Freigabe des Hochverrats in Bezug au
)cn Kaiser und die Freigabe des Landesverrats in Bezug uf das Reich Man braucht aus der Theorie des Herrn Dedekind nur die praktischen Folgerungen zu ziehen, wenn man sich ihre vollkommene Haltlosigkeit klar machen will.
Die Kap Katro Bahn.
Cecil Rhodes ist tot, aber sein Plan einer Eisenbahnverbindung zwischen dem Kap und Kairo lebt weiter. Bisher galt als feststehende Tyalsacye, daß die Bahn läng- des OstuferS des Taugauyikasccs ihren Weg durch deutsclj-eS Gebiet zum Viktoria Nyanza nehmen werde. Jetzt meldet das „Bür. Reuter", dieser Plan fei aufgegeben worden und die Bahn solle, statt durch deutsches, durch k o n g o st a a t l i ch e s Gebiet geführt werdeu. Die Meldung des „Bür. Reuter" lautet: Am 14. April war in Brüssel ein Abkommen unterzeichnet, wodurch bestimmt loird, daß der Plan der Eifenbahnverbinduilg zwischen Kapstadt uud Kairo so zur Ausführung gelangen soll, daß die Bahnlinie durch den Kougoslaat geht und nicht durch deutsches Gebiet. Der Kongoflaat habe erlaubt, daß die Bahn von der Nordgrenze von Rhodesia zu dem See Kasali, in dem Was »erlauf des Lualaba, durchgefül)rt werde. König Leopold lverde den Präsidenten und zwei Direktoren für biejeu Teil der Bahn zu ernennen haben, während von englischer Seite der Vizepräsident und zwei andere Direktoren zu ernennen siud. Diese Ernennung soll bereits slattgefunden haben. Das Abkommen schreibt vor, daß 40 Prozent des ganzen Ei s e n b a h n b e d ar s- in England zu laufen i st. Der Erfolg dieses Planes wird der sein, daß die transkontinentale Eisenbahnlinie, die nach den bisherigen Bestimmungen nördlich vom Zam- besi zu dem Tanganyika und den großen Seen führen sollte, verlegt wird. Diese Linie wird jetzt wahrscheinlich nördlich der Viktoriasälle nach der Kongogrenze gerichtet werden, von tvo sie 360 englische Meilen lucit nach Norden durch Katanga nach dem südlichsten schiffbaren Punkt des Lualaba gerichtet werden wird, von wo ein Wasserweg nach Stanleyville am oberen Kongo offen steht. Von dort ist eine Eisenbahn nach Mahagt am Wertfee in Aussicht genommen, die weitere Wasserbildung auf dem Nil bieten würde. Was die Verbindung der neuen Linie mit dem RhodeS'schen System aubetrifft, so soll Mr. Williams, der Leiter des Unternehnlens, von Rhodes schriftliche Vollmacht besitzen, die Maschoualandlinic mit dem durch den Kongofreistaat gehenden Teil der Kap-K'airobahu zu verbinden und aus diese Weise eine direkte Verkehrsverbindung zwischen Kairo und der Kapstadt über den Lualaba, den oberen Kongo, den Albertsee und den Nil herzustelleu.
Bestätigt sich diese Nachricht des Reuter'schen Bureaus, dann bedeutet das für uns eine weitere Absperrung unserer ostasrikanischeu Kolonien vom Weltverkehr. Dieser Aus> gang ist nach all' den Verhandlungen, die s. Z. mit Rhodes in der Angelegenheit geführt toiirbcn, und die, wie es damals hieg, zu einem durchaus befriedigenden Ergebnis geführt hätten, vorläufig nicht verständlich. So entsteht für uns von neuem die Mahnung, endlich ernstlich an die Lösung der Frage der Zentralbahn heranzutreten.
Aus Kindt und Kund.
Gießen, den 29. April 1902.
** Auszeichnung. Herzog Friedrich von Anhalt Hal dem Bürgermeister W ö r n e r in Bud-Nauheim die Ritter-Insignien 2. Klasse des Herzoglich Anhaltinischen Hausordens Albrecht des Bären verliehen.
** I n das G r o ß h. R e a l g y m n a f i u in n n d die R e a l s ch u l e H u G i e ß e n sind zu Beginn des neuen Schuld jahres 131 Schuler neu ausgenommen worden gegen 121 im
Fünfte Berliner Sczesstons-Ausstellung.
Ter Präsident der Sezession, Prof.Max Liebermann, weihte die neue Ausstellung, die, wie wir bereits mitteilten, am Samstag eröffnet wurde, durch eine Ansprache, die namentlich feine, treffende Bemerlungen über die Wandlung des Kunstgeschmacks enthalt, und aus der man gewissermaßen eine Antwort auf die kürzlich von allerhöchster Stelle gemachten Aeußerungen über die Kunst heraushört, ein. Liebermann sagte: „Je mehreineAusstellungs- leüuna bestrebt ist, die Kunstwerke nicht sowohl nach hergebrachter akademischer Schablone als vielmehr nach der m ihnen zum Ausdruck gebrachten Individualität auszuwahlen, desto mehr ronb sie auf ihren Geschmack angewiesen sein. Hub über den Geschmack ist bekanntlich nicht nur nicht zu diskutieren, sonderii er unterliegt auch immerwährenden Schwankungen. Rembrandt, der jetzt selbst den "Ruhm des .göttlichen" Rasael überstrahlt, war im 18 Jahrhundert wegen der gemeinen -typen in feinen Bildern nicht salonfähig, und Frans H a 1 s' Toelenstücke lagen als minderwertig ausgerollt in einem Bodenraum des Haarlemer Rathauses. Und nun erst heutzutage: Manet und Böcklin wurden em Menschenalter hindurch verhöhnt und ausgelacht, bis sie jetzt über alles gepriesen und — nachgeahmt werden. Jedes neu aufstrebende Genie ändert den Geschmack: Ter Künstler zwingt uns s e,n Schönheitsideal auf, und, ob wir wollen ober nicht — und meistenteils wolle.» wir nicht, weil das 9leue eilt Umlernen notig macht - wir müssen ihm gehorchen. Nicht der mächtigste Fürst, der Künstler zeichnet der Kun,t bic Wege vor, d.e sie zu oer- folgen hat. Freilich erscheint daS Neue ost unverständlich, und die Ui,Verständlichkeit eines Werkes ist noch lange nicht der Beweis für seine Güte. Aber selbst auf die Gefahr hin, uns geirrt zu haben, wagen wir, es zu zeigen. Tenn nur aus emer eigenen und insofern neuen Naturanschauung kann eme Jhcuaiflance ber Kunst hervorgehen. Es wäre ber Ruin der Kunst, aus der Anschauung Der vorhandenen Kunstwerke Neues schaffen zu wollen.
Was die Ausstellung selbst betrifst, so steht mt Vordergründe des Interesses der vielbesprochene Beethoven von Max Klinger, bas heißt, bas kleine, in halber Große beS Monumentalwerks ans- geführte Gypsmodell. Taß nichl nur bas Verhältnis ber 'teile zu
einander, sondern auch die absoluten Maße entscheidend die Wirkung mitbeftimmen, haben wohl alle vor diesem Beethoven empsunden. Die an ingrimmige Verzweiflung grenzende Erregung, in ber Klinger ben unsterblichen Kimber des MenschbeitSleides bargestellt hat, — ein Affekt, der den Gesichtstiipus durch die büftere Spannung ber Büge, die zusammengepreßten Lippen unb daS hart vorgeschobene Kmn ganz merkwürdig inbtötbualtfierl — nimmt in dieser Verkleinerung etwas Koboldartiges an, die ein wenig eingesunkene Brust des sitzend dargesiellten Geisteshelden wirkt kranthaster als es in der monumentalen Ausführung der Fall fein mag. Des weiteren hat Klinger eme polychromierte Slarmorbüfte ber Schriftstellerin Aseniesf, ein Bild „Horner" unb eine Gypsbüste von Liszt ausgestellt, bte in ihrer Farblosigkeit von außerordentlicher Kraft der Empfindung ist. Tie ihr etwa gegenüber ausgestellte Tolstoibüste von Naoum Aronson bringt es in ber Empfindung nicht ganj_ so hoch, bars aber in ber Kraft bes Charakteristischen als em Seitenstück gelten.
Max Liebermann hat mit seinem biblischen Gemälde Simson unb Delila" sein Wort vom Schönheitsideal, baS sich und aufzwmgt, in ber kühnsten Art tüuftnrt. In ben beiben nackten Gestalten bes Bildes, dem erschöpft hmgesunkeneii schlafenden, gedauerten Kraftmenschen und dem mageren Philisterwelb an seiner Seite, das sieh jäh ausrichtet, ben aller Reize cnttleibeten Megärenkopf m bie Hohe reckt und bie geraubten Locken in ber emporge- hobenen Rechten wie eine Trophäe schwingt, die sie mit gierigem Blicke betrachtet, ist eine Art tragischer Vertierung bargestellt. Vorerst flüchteten wohl die meisten Beschauer gern au ben anberen Werken Liebermanns, zumal zu bem Bilde „Im Meere", bas mit seinem Festhalten eines transitorischen Moments — em Knecht chwingt sich auf em Pferb, bas in bie Fluten hmemwatet — ber nefe tzten Aesthenk gewiß auch em Schnippchen schlägt, aber durch bie überzeugende Krast der Bewegung, durch die wundersame Frische der Seelust, die aus dein Gemälde entgegenhaucht, durch die treffende Kühnheit des Farbenstrichs, sich wohl dem Besten anreiht, was wir von Liebermaiin besitzen.
Erst rätselhaft unb verblüffend, bann bewegend, ja herzergreifend, spricht Auguste Robin in (einem Marmorwerke „Tie l Versuchung des heiligen Antonius" zu und. Ten meisten Wider
spruch wird der unziveiselhast hochbegabte Norweger Eduard Munch Hervorrufen, von bem man nicht sagen kann, daß er seit seiner ersten Kollektivausstellung vor etwa zehn fahren — ein anderer geworden. Erstklassige Werke wird mau sonst nicht viele sinden. Ein Weck Arnold Bocklins (Ritt des Todes), drei prächtige Bilder von Wilhelm Leibi (Wilderer — Hände mit Stutzen und ein um vollendet gebliebenes Bildnis einer Bäuerin), sowie Bilder von Ed. Manet und Victor Müller gehören Verstorbeiien an. Fntz v. Uhde hat einen liebevoll gemalten „Ausgang" (em Mairn, ber eben ben Rock anzieht, um sortzugehen), Gras Leopold v. Kalck- reutl), ber Direktor ber ©hütgarter Slunftafabemic, hat einige Silber aus ber Hamburger Kunsthalle beigesteuert. Von Lubwig v. Hofmann sieht man u. a. eme Wieberholung semcS Verlorenen Paradieses, nur m anderer Auffassung. Isaac JSraLls ist mit 7 Bildern vertreten. Walter Leistikow, Paul Baurn, George Breitner (Amsterdam), Philipp Franck, Kurt Herrmann haben zum Teil ansprechende LandschastSbilder. Hans Thoma hat außer einem merkwürdigen mythologischen Bilde (Eharon) mehrere stirnmungsreiche Landschaften unb Wilhelm Trüb,ter ist durch sieben Stücke vertreten, unter denen namentlich zwei Reiterportraits hervorstechen. Alar Slevogt interessiert wieder durch fein Kolorit. Xtonis Corinth ist mit dem zwar skizzenhaften, aber ungeheuer packenden Ganzporträt des Berliner Tichlcrs Peter Hille vertreten. Ten Biedermelerton trifft Hans Balufchek im Sinne bürgerlicher Bilderjournale ganz ausgezeichnet. SDlandicd, wie Martin Brandenburgs „EadmuS", Joses Oppenheimer- japanischer JongleuH, Theodor Heines „TickNerling" und Vestalin" läßt groteske Wirkungen auifommen. Endlich sind noch die Plastiken von August Kraus (canbalenbinbcrm), Fritz Klimi ch (Tr. Thoma, der „Peter Schlemihl" des „Limplicissimus"), Nik. Friedrich (Ningkämpser), Adols Hildebrandt und LouiS Tua «Hon rühmend zu nennen.
Paris, 26. April. Tie Akademie der moralischen und politischen Wiffenschaften ernannte den Universitattz - Professor Brunner in Berlin zum korrespondierenden Diitglied.


