von schiffbaren Wegen und die Verb esserung von Kanälen und Häfen mit 491 gegen 48 Stimmen an. Die Vorlage bezweckt hauptsächlich den Ausbau der Häfen von Dünkirchen, Boulogne, Dieppe, Havre, Saint 3Lazaire, Nantes, Bordeaux, Bayonne, (Sette und Marseille, sowie den Ban eines N o r d o st k a n a l s.
Wien, 28. Jan. Das offiziöse „Fremdenülatt" hebt hervor, in dem Besuch des Prinzen von Wales zeige sich die Herzlichkeit der persönlichen Beziehungen zwischen dem deutschen Kaiser und dem König von England, worin gleichzeitig die liebenswürdige Erwiderung des Erscheinens des deutschen Kaisers am Sterbelager der Königin Viktoria liege. Der politische Tages streit zwischen dem deutschen und britischen Volke gehe n i ch t s o t i e f, daß die Herrscher nicht persönlich über ihn erhaben sein und für seine Beseitigung wirken könnten. Der Besuch des Prinzen werde dazu helfen, auch die Völker auf den Weg der Freundschaft mit der Grundlage der' Gleichberechtigung zurückzuführen. Hoffentlich würden von nun an die Irrungen und Trübungen verschwinden, die sich stellenweise zwischen Deutschland und England ergaben.
Kalkutta, 28. Jan. Zu Ehren der Offiziere des deutschen Kriegsschiffes „Thetia" und des österreichischen Kriegsschiffes „Aspern", die zur Zeit hier liegen, fand heute bei dem Vicekönig von Indien im Regierungsgebäude ein Frühstück statt, in dessen Verlaufe der Vieekönig zunächst einen Trinkspruch aufdendeutschenKaiser ausbrachte, der einFr eund der Engländer sei, gerade jetzt den Prinzen von Wales in königlicher Gastwirtschaft bewirte und den indischen Hungersnotfonds reichlich beschenkte. Dann trank der Vice- öinig auf das Wohl des Kaisers Franz Josef und gedachte desselben als des ehrwürdigen, aufs höchste beliebten Inhabers eines europäischen Thrones.
Vom Burenkrieg.
Aus Pretoria kommt folgende Meldung des „Reuterschen Bureaus": General Bruce-Hamilton hat am 25. Januar einen neuen erfolgreichen Nachtmarsch gemacht und ein Lager zwischen Ermelo und Bethel überrascht. Die Buren flüchteten und wurden mehrere Meilen weit verfolgt. Ihre Verluste betragen 2 Tote, 4 Verwundete und 82 Gefangene, darunter Feldkornet Devilliers und der Kapitän Dejaeger von der Staatsartillerie, der auch Mitglied des Ersten Raads war. Sämtliche Vorräte des Lagers wurden erbeutet. Auf britischer Seite wurden ein Offizier schwer und 2 Mann leicht verwundet.
Aus London wird berichtet: Der Kapstädter Berichterstatter der „Daily Mail" bezeichnet die jüngste Meldung über die Lage in der Kapkolonie als unzutreffend. Seit Beginn des Krieges seien die dortigen Verhältnisse niemals besser gewesen als jetzt. Organisierte Burenstreitkräfte, seien nur noch im Westen vorhanden, die übrige Kolonie sei vom Feinde thatsächlich gesäubert. Der Handel lebe wieder auf.
Im englischen Parlament fragte Läbouchere, ob seit den VerAndlungen Kitcheners mit Botha irgendwelche Eröffnungen der Vorschläge unter dem Vorwande, daß sie von den Burenführern kämen, dem Premierminister von irgend einem Mitgliede des Geheimen Rats vorgelegt seien. Balfour erwidert, Mitteilungen, die nicht von autorisierten Personen kämen, seien nicht geeignet, im Hause Gegenstand einer Anfrage bezw. Antwort zu bilden. Staatssekretär Chamberlain erklärt, die im Felde stehenden Burenoffiziere würden durch nichts gehindert, Lord Kitchener Vorschläge zu machen. Letzterer sei angewiesen, derartige Vorschläge der Regierung zu übermitteln.
Die Brüsseler Burenmcldung, daß von Friedens-Vorschlägen seitens der Buren z. Z. keine Rede sein könne, genügt, um tb'cn Wert dieser Unterhaus-Debatte einzu- schätzen.
Die DeutscheninRotherhambei Sheffield hielten eine Versammlung ab und faßten eine Resolution, daß diese Versammlung von Deutschen, die bis zu fast 40 Jahren in England leben, die gegenwärtige Haltung der deutschen Presse und die darin enthaltenen schweren Beschimpfungen derbritischenArmee und der königlichen- .Familie entschieden verurteilt und die Mernung ausdrückt, daß solche Aeußerungen nie geth-cm sein können von Leuten, welche erfahren haben, wie äe- recht das englische Volk die Ausländer jeglicher Nationalität, die unter ihm leben, behandelt." Es wurde beschlossen, eine Abschrift dieser Resolution dem deutschen Botschafter zu übersenden.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, den 29. Januar 1902.
* * Der König von Württemberg ist in der vergangenen Nacht auf der Rückreise von Berlin nach Stuttgart hier durchgefahren.
* * Auszeichnung. Zum 27. Januar wurde u. a. von dem Kaiser auch der prakt. Arzt, Privatdozent an der Universität, Oberarzt der Reserve, Dr. med. Hans Koeppe zu Gießen budÄ Verleihung der Roten Kreuz-Medaille 3. Klasse ausgezeichnet.
^Militärisches. Zu Leutnants der Reserve wurden befördert die Vizefeldwebel Wahl mann (Siegens des Inf. Negts. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 16, und Koch (Friedberg) des 4. Großherzogl. Hess. iJnf. Regts. (Prinz Carl) Nr. 118. Zu Assistenz-Aerzteu die Unterärzte der Reserve Dr. Löhrer (Gießen), und Dr. P o l y (Gießen).
* * Die erste diesjährige Schlnßprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie hat gestern vormittag in den Amtsräumen des Großh. Oberkonsistoriums ihren Anfang genommen. Es beteiligten sich daran 5 Examinanden, von denen 1 aus Starkenburg, 2 aus Oberhessen und 1 aus Rheinhessen ist.
* * Aus dem Thcaterbureau. Wegen Erkrankung des Herrn Gerlach wird statt der auf dem letzten Theaterzettel angekündigten Wiederholung des „Faust" das fünfaktige Hersch'sche Lustspiel „Die Anna-Lise", welches sich zu Beginn dieser Saison sehr beifälliger Aufnahme erfreute, als sechste Volksvorstellung aufgeführt. Eintrittspreise: Loge 1 Mk., Saal 40 Pfg., Gallerie 20 Pfg.
* * Bei Gelegenheit einer Burenspende wurde folgendes Berschen eingesandt:
„Wer eilt Denkmal bekommt, wird ausgehauen, Darum möchte ich gerne erbauen Chamberlain, dein frommen, ein Denkmal groß, Den auszuhauen, das wäre famos!"
• • Hessische Landeslotterie. Bei der heute stattgehabten Ziehung der 6. Klasse der Hess. Landeslotterie fiel ein Haupt- Gewinn von 50 000 Mk. auf Nr. 33087 (nach Worms), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 22505 (nach Darmstadt), Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 4121 (nach Als- eld und Fürfeld), 41710 (nach Mainz), 42128 (nach Mainz), Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 1027 8288 15199 17231 18248 18270 18443 18512 22351 22525 24626 37355 40669 40986 42088, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 6439 6898 12612 13387 13897 15280 15765 15972 17694 19200 20815 30376 34548 35982 37400 39185 40652, Gewinne von 1000 Mk. auf Nr. 304 2361 3646 3647 5321 5844 7087 10307 10529 11387 12419 12820 13386 13988 15070 16107 16118 16562 16999 19831
20343 22809 22849 23004 24274 25556 25802 27148
27900 28112 31241 32685 34064 35678 38161 39177
40716 42806 44493 44527. Gewinne von 500 Mk. auf
Nr. 2 635 1204 2817 3309 4835 5773 8252 9753 10213 10286 12131 12163 12239 12277 12840 13475 14755
14880 15244 15987 17547 19679 21013 21682 21951
24271 25096 27061 28020 28189 30134 30451 31302
31908 33157 33443 34016 34378 34520 35929 36138
36603 37724 39051 40854 41757 42724 43524 43967.
(Ohne Gewähr.)
** Zur Besprechung derOrganisten-Besol- dungsfrage versammelten sich am letzten Sonntag nachmittag in Frankfurt a. M. etwa 200 evangelische Lehrer aus allen Teilen Hessens. Als ein besonderer Mißstand wurde gerügt, daß nach § 50 des hessischen Volksfchul- gesetzes mit vielen Schulstellen der Organistendienst streng verbunden ist, wodurch oft minderbefühigte Organisten auf .solche Stellen kämen, was doch sicherlich nicht im Interesse der Kirche, aber ebenso wenig auch im Interesse der Schule liege. Darum müsse vor allem jener § 50 fallen. Es wurde als Forderung gestellt, für Funktionen an allen Sonn- und Feiertagen des Jahres die Minimalsumme von 400 Mark, für Funktionen an Sonn- und auch Werktagen mindestens 500 Mark. Nach eingehender Diskussion einigte sich die Versammlung einstimmig zu dem Beschluß: „Die hessischen Lehrer-Organisten erkennen die Forderungen, welche der Vorstand im Auftrage der Vertreter- Versammlung zu Oppenheim in seiner Eingabe vom August 1898 an Großh. Ministerium gerichtet hat, heute noch voll und. ganz als ihre Meinung an, und sprechen die Bitte aus, der Vorstand des Landes-Lehrer-Vereins möge die Angelegenheit als eine dringliche zu fördern suchen. Der Vorstand des Landes-Lehrer-Vereins wird ersucht, auf der nächsten Delegierten - Versammlung von dem Ergebnis seiner Bemühung Bericht zu erstatten." — Die Verhandlungen verliefen in durchaus schöner und würdiger Weise. Vorsitzender der Versammlung war Lehrer Cronenberg von Stadecken.
* * Postalisches. Briefe und Postkarten verschieben sich während der Postbeförderung oftmals in Drucksachensendungen, wenn zu deren Verpackung unzweckmäßige Streifbänder oder ungeeignete große Briefumschläge mit nach innen eingesteckter Verschlußkappe verwendet werden; die Briefe usw. gelangen dann innerhalb der Drucksachen an eine falsche Adresse und gehen so nicht selten verloren. Es empfiehlt sich daher, zur Verpackung von Drucksachen stets Kreuzbänder zu verwenden oder bei Benutzung eines einfachen Streifbandes dieses kreuzweise fest um die Drucksachen zu schnüren. Briefumschläge benutze man zur Verpackung von Drucksachen nur dann, wenn sie mit sc itlichen Verschlußklappen versehen sind, die einen zungenartigen, zum Einschieben in einen äußeren Schlitz des Umschlages bestimmten Ansatz haben.
* * Der evang. Arbeiterverein veranstaltete gestern im Lenz'schen Jelsenkeller einen Vortragsabend, der gut besucht und recht anregend war. Missionar Flad aus Frankfurt a. M. sprach über „China", wo er längere Jahre als Missionar thätig war. Er unterstützte seine Ausführungen durch Vorführung zahlreicher und wohlgelungener Lichtbilder, die wohl jedem auch sachlich manches Neue gebracht haben. Besonders waren sie geeignet, über Land und Leute eine lebendige Vorstellung zu geben bezw. falsche Vorstellungen zu zerstören. Prächtige Städte- und Landschaftsbilder wurden vorgeführt — die Berge freilich sind kahl und ohne Wald- schmuck, und deshalb kennt man in China auch keine eigentliche Forstwirtschaft. Besonderes Interesse erweckten die vorgeführten Bilder und Szenen aus dem täglichen Leben, von der Stvaße und aus dem Hause, Bilder, die von fürstlicher Pracht und von dem größten Elend Zeugnis ablegten. Freilich überwiegt das letztere den Glanz bedeutend. Wie kann aber auch ein Volk gedeihen, in dem die sanitären Verhältnisse noch so im argen liegen, wo der Aberglaube eine solche Macht über die Gemüter ausübt, daß man es nicht wagt, die Schätze der Erde zu heben oder Eisenbahnen zu bauen — dadurch würde ja der große Drache gestört —, wo der Totenkult ungeheure Summen verschlingt, während bei vielen Lebenden der Hunger kein seltener Gast ist, besonders im Hungermonat vor der Ernte. Welche Quellen sozialen Elends sind ferner das Opiumrauchen und die Kinderheirat! — es ist ergötzlich und doch auch tief traurig, wenn man hört, daß ein Junge, der ein kleines Mädchen auf dem Rücken trägt, auf die Frage: Wen trägst Du denn da? antivortet; Meine alte Frau. Welches Interesse die Zuhörer dem behandelten Stoffe entgegenbrachten, geht daraus hervor, daß sie den Ausführungen des Redners bis zum Schluß mit der größten Aufmerksamkeit folgten.
w. Kohden b. Nidda, 28. Jan. Gestern wurde der seit fast 18 Jahren hier pensioniert lebende Gymnasialdirektor Dr. Ludwig Kra em er zum Grabe geleitet. Geboren in Nack in Rheinhessen, wo sein Vater Lehrer war, hatte er von Großenlinden aus, wohin sein Vater versetzt wurde, das Gymnasium in Gießen durchgemacht, jeden Tag hin- und zurückgehend. Auch seine Studien vollendete er in Gießen, und sein Examen siel so glänzend aus, daß ihm die goldene Medaille und der Doktortitel mit Erlaß der damit verbundenen Kosten verliehen wurde. Den Acceß machte er ebenfalls in Gießen. 1853 wurde er in Alzey angestellt, 1861 Direktor der Realschule zu Michelstadt, 1865 Direktor des Gymnasiums zu Büdingen. 1876 wurde er vom Großherzog dekoriert und 1879 mußte er wegen eines Halsleidens seinen Abschied nehmen. An feinem Grabe hob Pfarrer Werner aus Nidda auf Grund der Worte: Der Meister ist da und ruft dich" sein reiches Wissen, die väterliche Liebe zu seinen Schülern und seine Einfachheit und Leutseligkeit hervor. Das Gymnasium Büdingen ließ einen Kranz durch Herrn Prof.
Dr. Dingeldein niederlegen. Namens der früheren Schuld sprach Präzeptor Lucius vom Forsthaus bei Echzell.
Mainz, 28. Jan. Dieser Tage fand man den Fahnenträger des 3. Bataillons vorn 2. Nass. Jnf.-Regirnent Nr. 88, den Sergeanten Bur au, tot im Wallgraben des Cavaliers Hardenberg auf. Nunmehr ist vom Militärgericht eine Untersuchung eingeleitet worden, da der begründete Verdacht besteht, daß der Tod des unglücklichen Soldaten nicht durch einen Zufall herbeigeführt worden ist, sondern auf ein Verbrechen zurückzuführen ist. — Die hiesige Handelskammer hat folgendes Telegramm an den Vorsitzenden der Zolltarif- kommission, Rcichstagsabg. v. Kar dorff, gerichtet: „Gegen: Anträge in der Zolltarifkommission auf allgemeine Einführung von Ursprungszeugnissen, Beseitigung aller dreimonatlichen Zollkredite und Beschränkung der gemischten Transitlager müssen wir entschieden Protest erheben. Die erstere Maßregel würde den Handel empfindlich erschweren und ausländische Gegenmaßregeln Hervorrufen. Die Beseitigung der Zollkredite widerstreitet den Grundsätzen des allgemeinen Handelsverkehrs und belastet das Inland zu Gunsten des auswärtigen Handels, während Beschränkungen der Tranfitläger auf bestimmte Plätze eine Verletzung wohl erworbener Ansprüche anderer Orte und eine ungerechte Verkümmerung der künftigen Entwicklung des Handels an solchen _ bedeutet. Wir bitten dringend die Kommission, alle drei Anträge abzulehnen. Bei Annahme des letzteren aber Mainz jedenfalls unter die Plätze mit gemischten Transitlägern aufzunehmen."
Franksurt a. M., 28. Jan. Wegen Geigendiebstahls wurde am Samstag der langjährige Hausmeister im Opernhaus, Heinrich Romeiser, verhaftet. Im August v. I. wurde zwei Musikern je eine wertvolle Geige gestohlen, und der Verdacht lenkte sich auf eine Reche von Personen, denen aber nichts nachgewiesen werden konnte. Durch einen Zufall wurde Romeiser als der Dieb entlarvt- Die eine Geige hatte er verkauft, und die andere am Hauptbahnhof zur Aufbewahrung gegeben. Die Verhaftung erfolgte aus Veranlassung der Intendanz.
Fulda, 26. Jan. Der Schuß auf den Schnellzug 15 wurde zwischen den Stationen Kerzell und Bronzell abgegeben.
Vermischtes.
• Paris, 28. Jan. Der Feldzug gegen die Milchverfälscher hat gestern ein Opfer gefordert. Ein Milchverkäufer, dessen Kühe von der Polizei wegen angeblicher Krankheit beschlagnahmt worden ivaren, verübte Selbstmord, indem er sich die Gurgel durchschnitt.
* Mailand. 28.Jan. Gegen den Notar Umberto Borelli aus Turin, der nach Unterschlagung von 200000 Lire flüchtig wurde, ist ein Steckbrief erlassen worden. Am meisten geschädigt sind mehrere höhere Geistliche.
* St. Gallen, 28. Jan. Der Justizdirektor übermittelte der Staatsanwaltschaft wegen Aufführung eines gegen die Jesuiten gerichteten Schauspiels im Stadttheater (das bekanntlich unter der Direktion des Herrn Helm steht. D. R.) eine Klage wegen Störung des konfessionellen Friedens.
* Innsbruck, 28. Jan. Der Mediziner Dornauer, der unterhalb der Spitze des Haneburgers durch eine Lawine verunglückte, wurde tot aufgefunden; wahrscheinlich ist er sofort erstickt. Dornauer ist der Sohn eines hiesigen Cafetiers.
* Ein kaiserliches Geschenk. Der deutsche Kaiser hat dem russischen Kaiser zur Erinnerung an die Zusammenkunft in Danzig einen Marineoffizierdolch gewidmet. Der Griff, aus Elfenbein geschnitten, trägt den Namenszug des russischen Herrschers mit Krone und als Abschluß die deutsche Kaiserkrone in reicher Ziselierung; die Parierstange zeigt auf der Vorderseite den Namenszug des deutschen Kaisers, während auf der Innenseite ein Anker in erhabener Arbeit ruht. Die Klinge, aus echtem Damasistahl geschmiedet, schmückt auf der einen Seite in vergoldeter Aetzung die Widmung: Wilhelm II., deutscher Kaiser, König von Preußen, seinem lieben Freund und Vetter Nikolaus II. zur Erinnerung an die Zusammenkunft in Danzig, Rhede von Hela, 11. bis 13. September 1901. Außerdem trägt die Klinge die Initialen beider Fürsten. Die stark vergoldete Scheide ist mit dem deutschen nnd russischen Reichsadler und mit reichen Verzierungen ausgestattet. Das Prachtstück ruhte mit Koppel und Portepee in einem Behälter, dessen Deckel den Namenszug unseres Kaisers schmückt.
* Das unterbliebene Duell. Ein Freund der „M. N. N." sendet dem Blatt folgendes heitere Duellhistörchen: Auf einem Landgut in der Nähe der württembergischen Stadt N. waren zur Mannöverzeit mehrere norddeutsche Offiziere einquartiert. Der überaus höfliche und zuvorkommende Gutsbesitzer hatte die bei ihm einlogierten Herren zu einem Diner eingeladen, in dessen Verlauf einem der Gäste das Malheur passierte, ein gefülltes Weinglas umzustoßen. Während nun der Gastgeber den dadurch entstandenen Flecken mit Salz bestreute, gab er auf die Entschuldigungen des Offiziers hin die Antwort: „O, desch macht gar nix, 's isch Wein"! Auf diesen Ausspruch hin standen alle Offiziere auf und verließen das Haus; der arme Gutsbesitzer aber, der sich inzwischen den Kopf zerbrochen hatte, wodurch er wohl feine Gäste beleidigt haben könnte, erhielt bereits am nächsten Morgen durch den „Schwerbeleidigten" selbst die Forderung zum Duell. Natürlich ersuchte er seinen Gegner sofort um nähere Aufklärung der für ihn gänzlich dunklen Angelegenheit, erhielt aber kurzweg die Antivort, daß es hier keiner weiteren Erläuterungen bedürfe, denn alle die gestern mit zu Tisch Geladenen könnten bezeugen, daß er, der Gastgeber, ihm auf feine Entschuldigungen hin, „ Das macht nichts, SieSchwein" erwidert habe. — Als unser Schwabe diese, seine eigenen Worte in reinstem Hochdeutsch zu hören bekam, ging ihm ein Licht auf und, seiner Sprache vor Lachen kaum mächtig, erklärte er dem Offizier die durch den Dialekt verursachte un- liebsame Beleidigung.____________
Universitäls-Uachrichtelü
— Professor Ernst v. Bergmann, dem der Charakter eines Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz verliehen worden ist, hat damit die gleiche Auszeichnung erhalten, die auch sein Vorgänger im Amte, der unvergeßliche Beruh, v. Langenbeck, inne hatte. Unter seinen Kollegen an der Berliner Universität hat Herr v. Bergmann drei Genossen in Bezug auf den Exzellenz-Titel: den ord. Honorarprofessor Dr. jur. et phil. Adolf Stolzel, Präst denteu der Justiz-Prüfungskommission, den ordentl. Honorar-Professor Generalstabsarzt v. Leuthold und den Nestor der Universität Dr, thol., jur., med. et phil. Eduard Zeller, den Altmeister


