der örtlich zusammenhängenden Gemeinden, 2. sofern die Ausdehnung nur für einzelne Geschäftszweige beantragt ift, die Inhaber aller offenen Verkaufsstellen, welche Waren der in Frage kommenden Art führen, auch wenn sie außer- -bem noch andere Waren feilhalten.
Man kann nicht sagen, daß sich diese Anweisung durch 'ggroße Klarheit oder Einfachheit auszeichnet.
Deutsch-französische Kolonialentente.
Anläßlich der Rede des französischen Deputierten Menne, welche die Gegensätze zwischen England -und Frankreich in fast allen Fragen der Kolonialpalitik rbarlegte, hat die Pariser Zeitung „Eclair" eine eingeweihte Persönlichkeit darüber befragt, ob jemals ein ernsthafter Schritt zur Herstellung einer kolonial politischen Entente zwischen Frankreich u n b Deutschland unternommen worden sei. Die Persönlichkeit hat be- ■ja hend geantwortet und ausgeführt, die ersten Vorbesprechungen hätten 1894 unter dem Ministerium Casimir-Perier begonnen, als die Festsetzung der Kamerun-Kongo-Grenze beendet war. Die Verhandlungen wurden unter dem Ministerium Meline von Hanotaux weitergeführt und wären beinahe durch einen Akkord sanktioniert worden.
Einige Tage vor dem Sturze des Kabinetts erhielt Hanotaux aus den Händen des Grafen Münster das Projekt .einer Entente zwischen Frankreich und Deutschland. Das Projekt bezog sich auf Portugal und die portugiesischen Kolonien in Ostafrika, war aber so wenig eng umgrenzt, daß es .Frankreich und Deutschland zu einer gemeinsamen Politik Hegen England in ganz Afrika verband. Der Rücktritt Hanotaux unterbrach die Verhandlungen, die Delcasse nicht ,fortsetzte. Erst ein Jahr nach dem Zwischenfalle von Faschoda wollte Delcasse die Idee einer deutsch-französischen Entente wieder aufnehmen, die deutsche Regierung verhielt sich jetzt ..aber reserviert.
Ein anderer Gewährsmann des Eclair glaubt, Deutschland habe inzwischen eine Entente mit England geschlossen. Auch Delcasse erstrebe gegenwärtig eine Annäherung an England.
Kaisers Geburtstag.
IV.
Das Telegramm des Kaisers an den Admiral ch. Köster, in dem er diesem mitteilt, er habe die Yacht .„Meteor" der Marine geschenkt, lautet:
Ich habe beschlossen, am heutigen Tage die Yacht „Meteor" der Marine zum Geschenk zu machen mit der Bestimmung, daß dieselbe dem Offizierkorps in Kiel zum Gebrauch überwiesen wird, während „Komet" den Offizieren in Wilhelmshaven dienen soll. Indem ich Sie ersuche, dieses dem Offizierkorps bekannt zu geben, spreche ich den Wunsch aus, daß die Yacht „Meteor", die fortan den Namen „Orion" führen soll, allen denen, welche im Interesse des Segelsports sich einschiffen, ein Kleinod sein möge, das sie hüten und pflegen, und daß die Yacht den Offizieren so viel Stolz und Freude einbringe, wie ich auf diesem noch heute kaum übertroffenen Fahrzeug in mancher siegreichen Wettfahrt erlebte.
Wilh elm.
Admiral v. Köster sandte darauf folgendes Telegramm:
Mit tiefstem* Dank für den abermaligen Beweis allerhöchster Gnade, welchen das Offizierkorps der Ostseestation durch die Schenkung der Yacht „Orion" empfangen hat, wird dasselbe bestrebt sein, dieses herrliche Fahrzeug in stolzer Erinnerung an den bisherigen Besitzer auch weiter siegreich zum Ziele zu führen. In dankbarster
Ergebenheit wagt das Offizierkorps Ew. Majestät tiefgefühltesten, ehrerbietigsten Glückwunsch zu Füßen zu legen, indem es begeistert in den Ruf emstimmt: Hoch lebe der Kaiser!
Ter Kaiser richtete an Admiral Th omsen in Wilhelmshaven folgendes Telegramm:
„Es lag mir schon lange am Herzen, für die Offiziere in Wilhelmshaven beizuiragen an den Freuden des Segelsportes und dem Leben auf dem Wasser. Nachdem ich heute meine Yacht „Meteor", welche fortan den Namen „Orion" führen wird, der Marme §um Geschenk gemacht und den Offizieren in Kiel zugewiesen habe, bestimme ich nunmehr, daß die Yacht „Komet" den Offizier e n- in Wilh elmshavenzur Verfügung gestellt werden soll. Indem ich Sie ersuche, dies denOfsiziereu bekannt zu machen, gebe ich dem Wunsche Ausdruck, daß der „Komet" den Offizieren manche freudige Stunde bereiten möge, wobei sie sich erinnern wollen, wie erfolg- und genußreich das gute starkü Seesahrzeug durch viele Jahre dem Kaiser gewesen ist."
Der Eisenbahn-Verein Gießen feierte gestern abend in Steins Saalbau das Geburtsfest des Kaisers in besonders festlicher Weise. Die Beteiligung war so zahlreich, daß der große Saal nicht ausreichte, um die Erschienenen sämtlich aufzunehmen, und auch die Neben- räutne benutzt werden mußten. Nach zwei Vorträgen des Musikkorps sprach Frl. Nordmann einen schönen Prolog, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Sodann hielt Verkehrs-Inspektor Nordmann die Festrede. In schwungvollen Worten hob er die vielseitige segensreiche Thätigkeit unseres Kaisers hervor. Insbesondere betonte er seinen hohen Sinn für Kunst und seine große Friedensliebe, die er auch im letzten Jahre wiederholt bethäticst habe, so auch in der chinesischen Angelegenheit. Freilich sei in China nicht viel zu holen gewesen, aber das deutsche Volk habe doch gezeigt, daß sein Schwert auch heute noch ebenso scharf sei wie vor 30 Jahren. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß diese Friedensbestrebungen Seiner Majestät auch für die Folge von Segen begleitet sein mögen, und brachte in diesem Sinne das Kafierhoch aus, in das die Anwesenden mit stürmischer Begeisterung einstimmten. Nunmehr sang Frau Hüttenberger aus Homburg v. d. H. zwei Lieder, auf die ein Violinsolo des Herrn Hüttenberger folgte. Wie sehr ihre Leistungen, die in der That hervorragend waren, gefielen, bewies der rauschende Beifall, den beide ernteten. Nach einem Piston-Solo wurde die Belly'sche Posse „Monsieur Herkules" aufgesührt. Stations-Assistent Fischer spielte den Direktor der Erziehungsanstalt Mahlmann mit solcher Natürlichkeit, daß man kaum einen Dilettanten in ihm vermutet hätte. Frl. Meisinger hatte die Rolle seiner Tochter Ernestine übernommem Auch sie zeigte, daß sie ihre Aufgabe völlig beherrschte. Ein Sohn des Stations- Assistenten L a a t s ch gab einen tadellosen Kandidaten Maus ab. Ebenso gewandt traten die Darsteller des Schreiers und des Auswärters August, die Brüder Dotzenrod, sowie des Zäsar, Kaufmann Möckel, und des Stubenmädchens Hanne, Fräulein Rinn, auf. Die urkomischen Verwechselungen, die den Inhalt des Stückes bilden, riefen förmliche Stürme der Heiterkeit hervor; und es braucht kaum erwähnt zu werden, daß die Darsteller den größten Beifall ernteten. Nach einer längeren Pause ergriff nochmals Verkehrs-Inspektor Nordmann das Wort. Er rief dem Eisenbahndirektor Schob erth, der in den nächsten Tagen Gießen verläßt, um seine neue Thätigkeit in Mainz anzutreten, herzliche Abschiedsworte zu, dankte ihm für seine vielen Bemühungen um den Verein und bat ihn, auch in Zukunft,
so oft es ihm möglich sei, den Verein mit seiner Gegenwart zu beehren und zu erfreuen. Eisenbahndirektor Schoberte dankte dem Vorredner für seine herzlichen Worte und sprach die Hoffnung aus, auch späterhin öfter inmitten des Eisen- bahnvereins Gießen weilen zu können. Er trank auf oaS fernere Wohlergehen des Vereins. — Nach einem wiederum mit dem größten Beifall aufgenommenen Lieder- und Violin- Vortrage von Frau und Herrn Hüttenberger wurde das Genrebild „Kaffeeklatsch" von Hübner aufgeführt. Naturgetreuer kann ein Kaffeeklatsch wohl kaum dargestellt werden, und die Darstellerinnen, die beiden Frl. Mar golf, Frl. Müller und Frl. H o e r ft e r, fanden denn auch den wohlverdienten Beifall. — Ein urfideles Tänzchen, au dem sich nicht nur das junge Volk, sondern auch mancher Alte beteiligte, und das sich bis zum Morgengrauen ausdehnte, bildete den Schluß des schönen Festes.
Unserem vorgestrigen Bericht über die Kaiserfeier des Kriegervereins ist noch hinzuzufügen, daß auch Herr I. K. Spies ein Ehrendiplom für 25jähr. Mitgliedschaft erhielt. Der Prolog, den Herr Ehr. Lehr d. I. für die Feier dichtete, hat folgenden Wortlaut:
Des Kaisers Tag, ein Festtag aller Deutschen Ward uns von Neuem heut' geschenkt, Und dankerfüllt in allen deutschen Gauen Singt jeder Deutsche seines Kaisers Lied..
Wohl lange ist's, feit seines Großahns Mannen Im heil'gen Krieg die Einheit uns errangen, Doch jung wie je im Strahlenkranz der Kraft Steht heut das Werk gefügt aus Blut und Eifen. Ihr lebt ja noch, ihr alten festen Degen, Die damals treu für Ehre, Gott und Recht Geführt von ihm, dem Großen, Unvergeff'nen, .In Feindesland den Kaiser euch erwählt!
Ihr lebt ja noch, ihr Jüngern, die als Knaben Aus frohen Kehlen jeden neuen Sieg, Den eure Väter kampfesfroh erftritten, Hinaus ins junge Deutschland freudig schriet!
Habt ihr im Alltagssinn daran gedacht,
Daß Schöpfern großen Werks Erhalter müssen folgen? Gleich großen Sinns? In Wort und That Dem Schöpfer gleich und ähnlich unentwegt?
Schaut nur empor zu unserm jungen Kaiser Ihr Alt' und Jungen! — Hoch den Blick! Ein Kaiser ist's, ein wahrer, echter, Um den des Auslands Völker uns beneiden.
Kriegsherr der Deutschen, Friedensfürst und Mehrer Des Deutschen Reichs an Macht und Ehr und Ruhm! Dich grüßen Deine Völker heut begeistert Und schwör'n aufs Neue Dir den Eid der Treue.
„Hie Zollern"! tönts, wenn die Trompeten blasen, „Hie Kaiser"! Hie ein Volk, ein Gott, ein Recht!" Ob Neider Dich und uns auch nah und fern umgeben, Viel Feind, viel Ehr. Ein Hurra unferm Kaiser!
S. Lang-Göns, 28. Jan. Kaisers Geburtstag wurde hier von dem Kriegerverein im Gasthaus zum Schwan mit Konzert gefeiert ,
w. Nidda, 28. Jan. Kaisers Geburtstag wurde bei uns durch Schulfeier, Veranstaltungen des Eisenbahn- Vereins in der Brauerei Kraft und -einem Kommers iw
Sängers ursprünglicher Humor klingt aus dem Gaudeamus der Studenten heraus, sondern mehr die anempfundene, senti- mentalere Stimmung Rudolf Baumbachs, dessen Schüler auch der neueste Heidelberger Sänger Gernot Gunt-herr ist. Aber 'für eine Schaubühne hat doch fo eine Antrittskneipe der Heidelberger Korps etwas für sich. In einem großen, mit allem Koulissenzauber ausgestatteten Theater muß es wirken, wenn die Korps in ihren bunten Mützen singend aufziehen, wenn das Neckarthal mit den Brücken über dem Fluß, das alte Heidelberg und die waldige Höhe mit der imposanten Schloßruine sich dem Auge bietet, wenn die Höhen leuchten im Abendrot, der Illumination der Erinnerung, und sich der Abend mllde senkt auf die Gassen, in denen die Fenster auf- jleuchten; wenn dann endlich der liebe Mond auffteigt und langsam zieht durch die Maiennacht, den Strom versilbernd .mit seinem Nebelglanz. Der schroffste Gegensatz, dieses 'landschaftlich gehobene Biermilieu, zu dem Milieu des ersten .Aktes, in dem der steife, starre Etikettenzwang am Hofe zu Karlsburg mit flüchtig karrikierenden Strichen geschildert ist, ! wenngleich mit Verwertung mancher possenhafter Antiquitäten, !cms dem Schönthanschen „Cornelius Voß" re.
Nun aber wird Prinz Karl Heinrich Regent und Fürst. 'Er muß als Serenissimus von morgens ftüh bis abends spät heftig regieren und hat den lieben langen Tag nur immer Müh und Plag! Mit jedem neuen Morgen fängt wieder das Regieren an. Er bleibt, nichts als Lakaien mit großen und kleinen Titeln um sich, ein Einsamer auf dem Throne, der die kurzen Heidelberger Tage als kostbares Erinnerungsgut im Herzen bewahrt. Im 4. Akte ist es Meyer-Förster wohl .mehr als er's beabsichtigt hat, gelungen, dem Publckum die öde Langweile Sachsen-Karlsburg zum Bewußtsein zu bringen. In einem Monolog — es wimmelt überhaupt von langen Einzelgesprächen in dem Stücke — faßt er den Entschluß, noch einmal zurückzukehren nach Heidelberg, gemäß dem seinem verstorbenen Erzieher Dr. Jüttner abgelegten Gelöbnis, die ckurze Jugend nicht zu vergessen, und Herr Meyer-Förster meint, das Publikum wurde nicht merken, daß so ein Monolog ein ganz fauler Notbehelf ist. In Heidelberg findet Karl Heinrich alles anders als er sichs gedacht hat, die meisten der lieben Korpsbrüder sind längst als bemooste Burschen -ausgezogen, dem Korps selbst ist er entfremdet; es empfängt den Fürsten, auf dessen fördernde Gunst wohl einige ältere. Semester rechnen, mit devoter Förmlichkeit, die Burschenlust kommt nicht auf im Kreise der befrackten Zecher. Enttäuscht sieht der Fürst die Kehrseite des akademischen Lebens, mit deren Zeichnung sich Meyer-Förster wieder ein winziges Sa- tirchen auf studentisches Strebertum erlaubt hat. Nur Käthie, die liebe Käthie ist die alte geblieben, in stürmischer Freude fällt sie dem Wiedergekehrten um den Hals und nennt ihn 'wieder, wie vor zwei Jahren „Karl Heinrich". Sie ermutigt ben Verdrossenen zum Wege der Pflicht, den auch sie gehen
will, dort, wohin die Verhältnisse sie weisen. Thränenden Auges bleibt sie allein zurück, ihr schöner kurzer Jugendtraum ist aus — Ob sie ihrem Franzi, dem österreich-ungarischen Roßtäuscher, treu bleiben wird? Schließlich liegt ja die thüringische Residenz Karl Heinrichs nicht außer der Welt . . . Der trübselige Schluß ist ja undramatisch, aber zum tragischen Ausgang fehlen doch die Voraussetzungen.
Namentlich in den beiden letzten Akten „Alt-Heidelbergs" macht sich eine starke Dosis Gartenlaubenpoesie im Genre der saccharin-süßen E. Werner bemerkbar, deren Romane z. Z. in einer neuen Lieferungsausgabe schädlicherweise in das deutsche Volk geschleudert werden. Diese weiche Rührseligkeit nimmt dem Ganzen die Kraft innerer Ueberzeugung. Man erinnert sich stellenweise sogar der vergilbten Mimili- und Lisiii-Romcmtik des unseligen, moschus-duftigen Clauren. Es bleibt alles äußerlich, wenn auch gelegentlich das ganze Kommersbuch lebendig wird und die vollendetste Prositstim- mung auf kommt. Das Stück ist mit feinen 5 Akten von schwer erträglicher Länge — es spielt netto 3l/2 Stunden — trotzdem hat sich der Verfasser feine Zeit zu einer tieferen Motivierung der Seelenwandlungen genommen, ganz abgesehen von gänzlich unwahrscheinlichen Aeußerlichkeiten, wie der Quartiervorbereitung, dem blitzgeschwinden „Keilen" und Verlieben des weltscheuen Prinzleins rc. rc., und dann gar erst der Vorgänge bei Hofe! Aber wenn auch! Der Gesamteindruck des oberflächlich unterhaltsamen Stückleins ist doch ganz erquicklich, und Herr Direktor Kruse, der wohl noch nie ein so volles Haus gesehen hat, kann fröhlich fingen: „Alt- Heidelberg, du feine!"
Gespielt wurde bei uns die Novität im ganzen recht gut. Herr Schneider gab dem impressioniblen „Helden" in jeder Stimmimgslage die rechte Farbe. Den unerfahrenen, wie in einem Gefängnis aufgewachsenen Prinzen, den schüchternen Keilfuchs von guter äußerer Haltung, den lebenslustigen Studenten, den mit Mißmut wegen der schnell entschwundenen Jugend erfüllten Fürsten, den durch die einstigen Korps- brüder Enttäuschten und in Käthies Armen mit alter Seligkeit neu Beglückten brachte Herr Schn, mit gleichem Gelingen zur Darstellung. Herr Ramsey er als Dr. Jüttner bot, allerdings in unmöglicher Tournüre — man denke, er lebte 8 Jahre an jenem steifen Hofe — die humorvoll angelegte Gestalt eines gemütvollen, von der Erinnerung ans akademische Leben zehrenden, kurzatmigen, herzverfetteten, schlemmerisch dahinschwindenden Mentors, der mehr Freund ist als Lehrer. Ein liebliches, frisches Mädchenporträt von tiefem ehrlichstem Empfinden malte Frl. Hohenfels als Käthie, weniger das naive, lebenslustige süddeutsche Blut, als das fernige Mädel, das ohne Berechnung nur aus Liebe liebt und bei aller Heiterkeit immer verständig bleibt Von ben Hofchargen ist der korrekte, im Dienst verknöcherte Staats- .minister des Herrn Le-ßmann als durchweg gelungene
Leistung anzuerkennen. Eine in Maske und Haltung ge* lungene Charge war der Korpsdiener Kellermann des Herrn W o i s ch. Mit dem übergeschnappten Kammerdiener fand sich Herr Hertzog so gut er's konnte ab. Herr Zoder war wieder einmal in zwei Rollen vortrefflich am Platze, als Hofmarschall wie als Wirt. Unter den Studenten trat Herr Gerlach hervor, dessen starke Heiserkeit fast den Eindruck der beabsichtigten Nuance machte. Die Lieder und der Suff reiben die Kehle uff. Herr G. hatte auch das Stück nach besten Kräften für unsere Verhältnisse ganz ansprechend inszeniert. Die Ruine des Heidelberger Schlosses, die Farbensymphonie der bunten Studentenmützen re. rc., das war alles ganz hübsch. Manche von den Korpsstudenten machten zwar recht fragwürdige Figuren, und den Salamander konnten die braven Jungen auch nicht reiben. Und dann machte auch die Diaiekt- szene wieder einige Schwierigkeiten. Aber das Publikum, das nach einem frischen litterarischen Trünke dürstete, war mit allem zufrieden, auch mit dem unlitterarischen Stücke. Der reiche Beifall galt viel weniger der Dichtung als der Darstellung. p, W.
* Studenten auf der Bühne sind ja, feit Bruder Studio allerlei Stücke aufführt und jetzt sogar nach Paris gehen wird, um sich den Franzosen als klassischer „Räuber" zu zeigen, nichts neues mehr. Aber angesichts der von uns gemeldeten Thatsache, daß bei der Wiener Erstaufführung von „Alt-Heidelberg" W iener Stud enten die Heidelberger Studenten auf der Bühne dar gestellt haben, sei hier an einen früheren Theaterbrauch erinnert. In Königsberg und wohl auch in anderen Universitätsstädten war es Sitte, daß bei der Aufführung des Schauspiels „Das bemooste Haupt" von Benedix die Studenten der Universität ihre Komilitonen ans der Bühne darstellten, natürlich nicht in den sprechenden Studentenrollen, sondern als Statisten. Es war das Privilegium der Studenten, den Chorus der luftigen Musensöhne zu machen, so oft das Stück gegeben wurde. Auch der verewigte Ernst Wichert hat als Student bei einer solchen Vorstellung mitgeioirtt. Wie luftig es dabei hinter den Kou- liffen herging, welche tollen Extempores von den Musensöhnen Thalias auf der Bühne gemacht wurden und welches lebhafte Echo die tun)tierischen Leistungen der Studenten bei ihren Kommilitonen im Parterre fanden, kann man sich denkend Diese Mitwirkung von Nichtschauspielern bei den auf der Bühne des Königsberger Theaters aufgeführten Stücken beschränkte fich übrigens nicht nur auf das „Bemooste Haupt" und bie Studenten. In Aubers Oper „Der Maskenball" wurdeni früher die nicht singenden Masken des Maskenballes, auf dem Gustav III. von Schweden ermordet wird, vom Publikum gestellt. Da diese Oper meist zur Karneoalszeit gegeben wurde, so war dieser Maskenball im „Maskenball" ein .Haupt--' faschingsvergnügen der Königsberger.


