Ausgabe 
28.10.1902 Drittes Blatt
 
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der Fleischmangel so arg geworden sei, daß sich Arbeiterfamilien nur noch am Sonntag oen Luxus eines Fleischgerichts gestatten können. Das Verbot der Einfuhr des mit Borsäure behandelten Fleisches beruht allerdings auf einem Gutachten des Reichsgesund­heitsamts, es giebt aber auch gegentheilige Gutachten von berühm­ten Medizinern, insbesondere ein solches von dem Geh. Medizinal­rath Liebreich. Es ist durch die praktische Erfahrung jcocnfalls bisher nicht festgesrellt, daß mit Borsäure behandeltes Fleisch ge­sundheitsschädlich ist.

Graf Kanitz hat sich auf den Standpunkt gestellt: Hcmdels- verträge sind Nebensache, Zolltarif ist Hauptsache. Da unterschätzt Gras Kcmih doch gewaltig das Sicherheitsmoment, das in den Handelsverträgen ruht, und das für unsere Industrie und Land- wirthschaft in gleicher Weise von Nutzen ist. Was hat es jetzt noch für einen Zweck, den Zolltarif weiter zu berathenl

Wir auf der Linken haben uns über einen Antrag geeinigt, die Berathung abzubrechen und den Reichstag bis zum Beginn der Etatsberathung zu vertagen. Sollte dieser Antrag von Ihnen abgelehnt werden, dann haben wir wenigstens den guten Willen gezeigt, dem grausamen Spiel ein Ende zu machen. Herr Gamp sprach zu der Regierung etwa in gleicher Art, wie der Bischof Remigius zu dem König Chlodwig: Bete an, was Du verbrannt hast, und verbrenne, was Du angebetet hast. An einen Rückzug von Ihrer Seite kann ich also kaum mehr glauben, und datz cs auf Seiten der Regierung unmöglich ist, dürste doch wohl nun fest genug stehen. Was hat also die Wcitcrbcrathung für einen Zweck? Eine Fmanznoth ist aus dem Scheitern des Zolltarifs nicht befürchten. Das wirksame Mittel, die Neichsfinanzen zu heben, liegt auf ganz anderem Gebiete. Es ist die Rcichscrbschaftssteuer. Den Einzel- staatcn könnten ganz gut die Erträge, die ihnen aus ihren Erb­schaftssteuern zufliesien, wieder zugewendet werden, Ufifc das Reich |

trotzdem einen erheblichen veberfchuß erzielen, wenn das Erbscbafts- steuerwesen ordentlich ausgebaut würde. Bis heute ist diese Finanz- guelle erst zu einem ganz geringen Theil dem Staare dienstbar ge­macht worden. Die Agrarier thun so, als wölben sie den Bauern helfen, aber sie vergesien, daß die Geschichte des Bauernstandes bis in die letzten Jahre hinein, eigentlich eine vollständige Kette von Unterdrückungen seitens der Agrarier ist. Die falsche Handels­politik der Agrarier würde den Bauern großen Schaden zufügen, während unsere Politik ihnen zum Nutzen gereichen würde. «Bei­fall links.)

Abg. Dr. Becker (Centr.): Die Ausführungen des Kollegen Bebel waren inkonsequent und deplacirt. Meiner Partei ist ihr Eintreten für die Kommissionsbcschlüsie vorgeworfen. Ja, wir treiben nicht einseitige Jnteressenpolitik, wir sind von Anfang an den Mittelweg gegangen, wir treten in gleicher Weise für die Kon­sumenten wie für die Produzenten ein, wir sehen nur auf das Wohl des Ganzen. Durch unser Eintreten für höhere Agrarzölle haben wir anerkannt, daß die Regierungsvorlage nicht genügend für den Schutz der Landwrrthschaft ist, und diese Anerkennung ist um so werthvoller, als sie von unparteiischer Seite konunt. Auf ihrem Delegirtentag in Eisenach haben ja auch die National-Liberalen theilweise diesen Standpunkt eingenommen. Die Herren, die generell die Nothlage der Landwirthschaft bestreiten, kennen die Verhältnisse nicht. Kennen denn die Sozialdemokraten nicht die Statistik über den Rückgang der Domänenpreise? In der Hälfte der landwirthschaftlichen Betriebe ist eine Grundrente überhaupt nicht vorhanden. Wir bezwecken durch die Mindestzölle nicht, die Viehpreise zu steigern, fonbern nur sie auf einer normalen lohnen­den Höhe zu erhalten. (Lachen links.) Wenn der Tarif scheitert, so trifft die Schuld nur die Reichsregierung.

Die Weiterberathung wird hierauf vertagt.

Persönlich bemerkt

Abg. Gamv (Rp): Herr Dr. Sentier hat mir den Vorwurf gemacht, daß ich rücksichtslos den Klassenstandpunkt vertrete. Ich glaube, es wird Herrn Dr. Sentier nicht gelingen, mir eine Rede oder eine Abstimmung nachzuweisen, die dieses Urlheil zu recht­fertigen vermag. Auch ich habe mtch stets ernstlich bemüht, namentlich auch in der Zolltarifkommisiion die Gegensätze zu mildern und auszugleichen. Herr Dr. Semler hat mir ferner vcrgcworfen, ich härte eine Attacke gegen Herrn Basiermann ge­richtet, ich hätte ihn seinen Freunden von der Industrie zu de- nunziren versucht. Ich muß auf das Entschiedenste gegen diese Auffasiung Verwahrung einlegen. In der Werthschätzung der Persönlichkeit des Herrn Basiermann siehe ich Herrn Dr. Semler gegenüber durchaus nicht zurück. Ich schätze Herrn Basiermann in jeder Beziehung sehr hoch und erkenne auch seine Verdienste, ver­söhnlich und mildernd zu wirken, durchaus an. Ich habe nur die eine Thatsache hervorgehoben, daß seine sozialpolitische Auffasiung von einem großen Theil der Industrie nicht gctheilt wird. ES gehört doch ein naiv kindlicher Glaube dazu, diese meine Mei­nung nicht zu theilen. Die National-Liberalen selbst sind doch viel zu verständige Leute, um nicht zu wissen, daß die Anschauungen des Herrn Basiermann über diese Dinge von einem großen, wohl von dem größten Theil der Industriellen nicht getheilt werden.

Nächste Sitzung: Dienstag 12 Uhr. (Fortsetzung der hcuiigen Berathung.)

Schluß 6 Uhr.

Zer dänische Kronprinz in Merlin.

Wildpark, 27. Okt.

Heute nachmittag traf der Kronprinz von Dänemark Hier ein. Auf dem geschmückten Bahnhöfe hatte die Leib­kompagnie des 1. Garderegiments mit Grenadiermützen, Fahnen und Musik, an der Spitze der direkten Vorgesetzten, Aufstellung genommen. Zum Empfange waren auf dem Bahnhofe anwesend der K a i s e r, die in Berlin und Pots­dam anwesenden Prinzen, das Hauptquartier, die Pots­damer Generalität, die dänische Gesandtschaft, Staatssekre­tär v. Richthofen und Polizeileutnant v. Bernstorfs. Als der Zug einlief, spielte die Musik die dänische Nattonal- hymne. Der Kaiser, in der Uniform des Leibgardehusaren- regiments mit dem Bande des Elephantenordens trat an den Wagen heran, dem der dänische Kronprinz in der Uniform -seines Husarenregiments, über der er das Band des Schwarzen Adlervrdens trug, entstieg. Den Kron­prinzen begleitete der Ehrendienst, zu dem u. a General­leutnant von Moltke und von Hagke, Kommandeur des Hu­isarenregiments Landgraf Friedrich II von Hessen-Homburg (zweites kur hessisches) Nr. 14, dessen Chef der Kronprinz von Dänemark ist, gehören. Tie Begrüßung war sehr herz­lich, Sie küßten sich gegenseittg auf beide Wangen. Nach der Vorstellung der anwesenden Prinzen schritt der Kaiser mit seinem Gaste die Front ab und nahm sodann den Vor­beimarsch der Truppen ab. Sodann bestiegen der Kaiser und der Kronprinz die kaiserlichen Wagen und fuhren- eskorttert von einer Schwadron des Leibgardehusaren-Re- giments, nach dem Neuen Palais.

Heute abend sand in der Jaspisgallerie Tafel statt. Ter Kronprinz von Dänemark saß zwischen dem Kaiser und der Kaiserin. Rechts vom Kaiser saßen die Erbprrn- zessin von Hvheuzvllern, Prinz Friedrich Heinrich, Prin­zessin Karl von Hvhenzvllern, Prinz Friedrich Wilhelm^ Palastdame Gräfin Keller, Prinz Chlodwig von Hessen- Philippsthal-Barchfeld, der Prinz von Hvhenziollern; dem dänischen Kronprinzen gegenüber Reichskanzler Graf Bülow, rechts daneben der dänische Gesandte Freiherr Hegermann, -Oberkämmerer Graf Solms-Baruth, der rumänische Minister des Aeußern Graf Bratiano, Hausminister Graf Wedel, der dänische Legationssekretär Graf Mvltke, Staatssekretär Graf Posadowsky, General der Infanterie oon Plessen, Staats- sckretär v. Richthofen, links vom Reichskanzler der dänische Generalmajor v. Kratwld, Generaloberst v. Hahnke, dänischer Kammerherr Bull, Generalstabschef Graf Schliessen, däni­scher Rittmeister Bveck, Staatssekretär von Trrpitz, und andere.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Kronprinz vvn Dänemark trifft heute als oKtst des Kaiscrpaares in Potsdam ein. Tie ALachricht von diesem willkommenen Besuch wird als Zeichen vortrefflicher Beziehungen zwischen dem Kaiserhause und der dänischen Königssamilie umso­mehr allseitig mit Genugthuung begrüßt werden, als be­kannt ist, daß der Kaiser für den König Christian Gesinn­ungen aufrichtiger Verehrung hegt. Tas deutsche Reich, das dem innersten Wesen nach aus der Achtung der Rechte aller darin vereinigten Staaten beruht, ist auch für die an seine Grenzen reichenden ftemden Staaten ein sicherer getreuer Nachbar. Es ist der Wunsch des Kaisers und der Nation, der hohe Gast möge durch den Besuch auf deutschem Boden in der Ileberzeugung bestärkt werden, daß in Deutsch­land überall die Neigung und der feste Wille bestehen, die Fr eund schäft mit Dänemark im Interesse beider Mächte andauernd zu pflegen.

Au den Kandelsverträgeu.

Der Berliner Korrespondent derÄiorning Post" be­richtet nach Londoner Meldungen, die deutsche Regie­rung habe den interessierten Mächten in einer Note mit geteilt, daß sie die zum Ablauf der Handelsver­träge bis 31. Dezember 1903 notige zwölfmonatliche Kün­digung nicht aussprechcn werde. Die Note schlägt vor, die Handelsverträge von Jahr zu Jahr automatisch weiter laufen zu la))cn, bis sie gekündigt würden. Oesterreich und Rußland hätten hierauf bereit* erwidert. Rußland er­klärte, die Annahme des deutschen Vorschlages, die Ver­träge automatisch weiter laufen zu lassen, würde die schäd­lichsten Folgen haben, da bie bestehende kommerzielle Unsicherheit auf unbestimmte Zeit verlängert würde. Es schlage daher eine formelle Verlängerung des russisch-deut­schen Vertrages auf fünf Jahre vor. Die russische Note schließt mit der Mitteilung, falls Deutschland den russischen Vorschlag nicht annehinen würbe, die russische Regierung den Vertrag wahrscheinlich Ende dieses Jahres auf kün­digen müsse. Oesterreichs Antwort sei in ähn­licher Form gel-alten, weise auf die Gefahr der Ver- zögerimg hin und dränge auf die Erneuerung des Ver­trages auf eine Reihe von Jahren, enthalte sich jedoch der von Rußland in Aussicht gestellten Trohung der even­tuellen Kündigung der bestehenden Verträge.

Hierzu erfährt derLok.-Anz.", d d utsche Re­gierung keine Note des oben ang n nach Wien ober Peter Sb rg giftet hab

teiligten Regierungen an Deutschland mit Borschla t

I für die weitere Behandlung der wirtschaftlichen Fragen herangetreten ist.________________________________________

Parlamentarisches.

Berlin, 27. Okt. Zwischen den freisinnig en Patteien und der Sozialdemokratie ist eine Einigung dahin erzielt worden, daß nach der am Mittwoch zu erwartenden Abstimmung über die Viehzölle der Antrag auf Aus­setzung der Zolltarif-Beratungen gestellt werden wird, well dre Linke eine wettere Beratung für nutzlos hält, solange die Uneinigkett zwischen der Regierung und den Mehrheits-Parteien bestehe. Der Germania zufolge ist an alle Reichstags-Abgeordneten, welche Berlin wieder verlassen haben, die Aufforderung ergangen, von Dienstag ab wieder in Berlin anwesend zu sein.____________________________

Aus England

liegen heute mehrere interessante Nachrichten vor. Bei der Parade der Horse-Guards, die in Afrika ge­dient hatten, die in London am 27. b- M. statt fand, hielt der König eine Ansprache an die Mannschaften, in der er sie zu ihrer Haltung beglückwünschte, die sie während des langen, harten Feldzuges bewiesen hätten. Der König fügte seiner Befriedigung hinzu, es sei unmögllch, zu wünschen, eine tüchtigere Truppe zu sehen. Unter den Kriegsteilnehmern befanden sich auch einige hundert Mann in Zivilkleidung, die nach der Rückkehr nach England aus ihren Regimentern ausgcqchieden sind. Der Platz, auf dem diejenigen Gardisten, die nicht in Südafrika waren, Auf­stellung genommen hatten, sowie die anliegenden Regie­rungsgebäude waren mtt Flaggen festlich geschmückt. Tas Ganze bot einen glänzenden Mblick dar. Der Prinz von Wales, sowie der Herzog von Connaught geleiteten den König. Die Gesandtschaftsattachees der fremden Mächte be­fanden sich unmittelbar hinter Lord Roberts. Dann folgte die Königin.

Standard sagt, die geplante Reise Chamber­lains nach Südafrika beweise in gleicher Weise die Gründlichkeit, mit der Chamberlain das Werk der Kon­solidierung des britischen Reiches durchführe, wie auch fein Verständnis für die Verwirrtheit und die Schwierigkeit der in_ Südafrika zu lösenden Aufgaben. Tie ganze Zukunft Südafrikas hänge größtenteils von den Ergebnissen dieser bedeutungsvollen Reise ab. Es sei zum erftenmale in der modernen Kolonialgeschichte Englands, daß das Kabinett ein Mitglied ab ordn et, damit es selbst sich die Tinge an- schaue, anstatt sich auf Mitteilungen Untergebener zu ver­lassen. Die Reife werde einen Markstein bilden und eine neue Aera in der Verwaltung des brittschen Reiches bilden. Tally Telegraph" bemertt, jetzt, wo Chamberlain ein­mal einen Präzedenzfall geschaffen habe, Eöime man kaum noch bezweifeln, daß er den Besuch auf andere Kolonien ansdehne. Ter Besuch scheine geeignet, das Mutterland mit den Tochternationen noch enger zu verbinden und die Reichseinheit zu fördern.Daily News" schreibt, Chamberlain gehe nicht einen Augenblick zu ftüh. Tie Lage in Südafrika sei das wildeste nur tumtbare Chaos. Im ganzen Lande herrsche Verwirrung. Unzuftiedenheit und Illoyalität gewännen die Oberhand. Tas Blatt spricht die Hoffnung aus, daß Chamberlain als Demokrat, nicht als Jingo nach Südafrika gehe und an bie Verhältnisse heran- träte, ohne sich durch die Bnreaukratie und Kliquen beein­flussen zu lassen. Chamberlain unterziehe sich der be- oeutendsten Mission in seinem Leben. Von dem Erfolg hänge nicht allein fein eigener Ruf, sondern auch die Zu­kunft des Reiches ab.

Im Unter Hause erklärte am Montag Cham b er- la in, von derzurWiederansiedelungderBuren auf ihre Farmen bewilligten Summe von drei Mill Pfd. Sterling sei kein Teilbettag verwendet, kriegsgefangene Buren nach Südafrika zurückzubringen. Finanzsekretär des Kriegsamts Stculley teilte mtt, daß etwa 13 000 Buren nach Afrika zurückgebracht seien. Es seien Maßnahmen ge­troffen, um 7000 Gefangene von Indien und Ceylon vor Ablauf des Jahres in die Heimat zu befördern. Der Rest der Gefangenen werde bald darauf zurückgesandt werden, falls sie den Treueid leisten würden.

William O'Brien (ttischer Nattonalist) beantragt Ver­tagung des Hauses, um über die Durchführung der Zwangsakte in Irland und die Gefahren für die öffentliche Ruhe zu beraten, die sich aus der scharfen und parteiischen Anwendung dieses Gesetzes durch die Verwal­tung ergeben. Für den Antrag erhoben sich die Partei der irischen Nationalisten geschlossen, ferner eine Anzahl Liberaler, Varmuts, Campbell-Bassermann und Harcourt (ironische Bravorufe der Dttnisteriellen).

Tas Reutersche Bureau erfährt, T e 5e t werde nächsten Samstag die Rückreise nach Südafrika antreten. De Wet sagte, Botha und Telarey beabsichtigten, noch Amerika,zn besuchen

cUiü jjtuDt und Land.

** Hofnachrichten. Aus Darmstadt wird-uns gemeldet: Der Großfürst und bie Großfürstin Se r-

! gius von Rußland sind am 27. b- M. mittags hier eingetroffen und vom Groß Herzog, dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich sowie den anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten am Bahnhof begrüßt worden. Der G r o si­tz erzog empfing am 27. Oktober den Wirklichen Geheim­rat Krätke Exc., Staatssekretär des Reichspostamts, sowie den Major Freiherrn von Hehl.

k- Queckborn bei Grünberg, 27. Ott. Das in unserer Gemarkung liegende sogenannte Herrengut, Großherzogl. Familien-Eigentum, ca. 380 Normalmorgen, hat unsere Ge­meinde dieser Tage für 16 0 000 Mk. angekauft. Dieses Gut stammt von einer früher hier ansässigen adeligen Familie v. Strebekotz uod ging nach deren Aussterben in den Besitz der Großh. Familie über. Das Wappen der v. Sttebekoy in unserer Kirche, ihrer ehemaligen Kapelle, und der sogen. Herrenhof erinnern noch an die Famllie. Das Gut war seither an hiesige Landwitte immer auf 12 Jahre verpachtet, die einzelnen Aeckcr blieben fast immer bei denselben Familien.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaten. Die in der Gemarkung Kaichen auf- gedeckte große römische Ansiedelung ist etwa 260 Meter lang. Täglich werden noch interessante Funde, aus der Römerzett stammend, zu Tage gefördett. Es sind noch 810 Gebäude freizulegen.

Zundel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Nürnberg, 27. Okt. Die Elektrizitäts-Atnengesell- schäft vorm. Schucke r t veröffentlicht folgende Mitteilung. Tie in verschiedene Blätter übergegangene 2iotiz einer ^Nürn­berger Zeitung, nach welcher wegen Arbetterentlassimgen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand Meinungsverschieden­heiten entstanden seien, ist unrichtig. derartige Verhand­lungen haben überhaupt nicht stattgefunden; dagegen sahen vier Mitglieder des Vorstandes, Baurat a. D Bissiuger, Regierungsrat a D Stackmann, Röth und Haßler, in dem Beschlüsse der Generalversammlung vom 27. August, nach welchem künftig in Kollektivunterschrift zu zeichnen ist, eine Beeinträchtigung ihrer Rechte und legten infolgedessen ihre Thätigkett nieder. Sie sind somtt aus dem Vorstände ausgeschieden. Neu wurden in den Vorstand berufen die bisherigen stellvertretenden Direttoren Oberingenieur Herz unb Professor Friese. Tie Geschäftsführung erleidet keinerlei Störung.

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Zandwirtschaft.

k- Gieße», 28. Okt. Der letzte Ob st markt war wieder sehr gut befahren, sodaß das Angebot die Nachfrage weil übertraf und das meiste Obst wieder wcggebracht werden mußte. Tie Preise gingen herunter; feinste Taseläpsel kosteten 68 Pfg., Birnen 812 Pfg. und Zwetschen 89 Pfg. das Pfund. Ta- Obst, das von Setten der Kreisverlvaltung gepflückt war, ist vollends verkauft und zwar 1. Sorte zu 10 Alt., 2. Sorte zu b Mk. pro Zentner.

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Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger.

Berlin, 28. Ott. DieBoss. Ztg." meldet aus Thonu Bei Ottlotschin sand ein Kampf zwischen russischen Grenzsoldaten und einer aus sechs Personen bestehenden Schmugglerbande, die Cigarren und Seidenwaren über die Grenze schmuggeln wollten, statt. Bon beiden Seiten wurde scharf geschossen. Ein russischer Wachtmeister wurde durch einen Schuß in den Unterleib schwer ver­wundet. Die Schmuggler wurden schließlich von den Ruffen gefangen genommen und ihre Waren von diesen be­schlagnahmt.

Berlin, 27. Oktober. Der Kronprinz wird einet Korrespondenz zufolge nach Vollendung seiner Studien in Bonn längere Zeit aktiven Dienst bei der Kavallerie thun und zum Rittmeister und Chef der Leib-Eska­dron des Regiments der Garde du Corps ernannt werden. Hierauf wird der Kronprinz bei der Regierung in Potsdam durch den Oberpräsidenten von Bothmann-Hollweg in den Verwaltungsdienst emgeführt werden.

H ambnrg, 28. Okt. Ter englische Dampfer ..Seanh Leooy" ist in einem Taifun bei Swatow (Hasen in China, nördlich von Hongkong) n ntergegan gen. Die ganze Be- atznng und ein Transport von 800 Kulis sind er­trunken.

Washington, 27. Ott. Tie zur Entscheidung der Bergarbeiter-Forderungen cingesetzte Kom­mission ist heute unter dem Vorsitz des Richters Gray zu­sammengetreten. ©rat) erklärte, die Bergleute sollten als Klager angesehen werden und ihre Forderungen vorbringen. Die Gegenpartei solle binnen drei Tagen antworten. Beide Patteien haben sich in bie Kohlendislrikte begeben, um sich em Bild von der Lage zu machen.