Ausgabe 
28.10.1902 Drittes Blatt
 
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152, Jahrg

Nr. 253

unver.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Sietzen

ErfcheiM lSgNch mit Ausnahme des SomüagS.

DieSiebener KamilienblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Deranlwortlich für den allgemeinen Teü: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. BeL

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'fchen Universitätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen.

eilende auf induslriellenl ö ^nkgeschäsl M- IrerjolülchteitalLbch 4e Relaxen, E werden.

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Seuchen preisgeben wollen. Man sagt, die Seuchengefahr fei nur ein Vorwand. Nun, meine Herren, in Ostfriesland können Sie sich dann überzeugen, daß die Seuchengefahr thatsächlich lern Vor­wand ist; die Seuchen sind gewöhnlich auf Vieh zurückzuführcn, das über die Grenze geschmuggelt ist. Bei uns wird die Grenzsper^ sehr scharf geübt; ob das in Holland auch der Fall ist, weiß ich nicht, aber das weiß ich, daß der preußische Gendarm für den hollän­dischen Gulden unempfänglich ist. Ob das in Holland auch so rst, kann ich nicht sagen. Andere Länder führen auch drc Grenzsperren durch, und obwohl ich nicht Agrarier bin ich bin gegen den Bunb der Landwirthe gewählt worden, frage ich mich doch, ob es Nicht rathsam wäre, den internationalen Viehstapel zu zonrren, d. h. bestimmte Rayons im Interesse der Seuchenbekämpfung ernzu- richten. Daß die Grenzsperren eine Fleischvertheuerung zur ^>olge haben, konzedire ich, aber man hat keinen Grund, darüber zu schreien. Wenn in anderen Berufszweigen die Preise hoher werden, hat man doch auch nichts dagegen einzuwenden. Die PrerS- stcigerung in Schweinefleisch kann selbst der ärmste Industriearbeiter noch leichter ertragen, als erhöhte Brodpreise, denn cm Schwein kann sich der Arbeiter zur Noth noch selbst ziehen. Wenn ich meine Stellung zu irgend einer politischen Frage kontrolircn will, fo tt= kundige ich mich immer darnach, was Fürst Bismarck dazu gesagt hat. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das ist Ihnen viel­leicht unangenehm, aber es schadet nichts. Graf Bismarck sprach von der Agitationslüge der Fleischvertheuerung und er warnte davor, im Interesse billigen Fleisches die Grenzen zu offnen und die Seuchengefahr zu vermehren. Auf diesem Standpunkt stehe

Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag.

204. Sitzung vom 27. Oktober«

r Uhr. Das Haus ist s ch w ach besetzt.

Am Bundesrathstisch: Graf Posadowskh, b. Pod-

Die'zweite Berathung des Zolltarif-Gesetzes wird beim § 1, bei den Mindestzöllen für Vieh und Fleisch, fortgesetzt. Diese von der Kommission neu eingeführten Mindestzolle betragen für Rindvieh, Schafe und Schweine je 14,40 Mk. per Doppeleentner, für Fleisch 36 Mk. bezw. 48 und 96 Mk.

Abg. Frhr. v. Wangenheim beantragt, für Vieh 18 Mk. für den Doppeleentner, für Fleisch 45, 60 und 120 Mk.

Die Sozialdemokraten beantragen überall Zoll-

zurückkehren, bei ihren Anhängern den schwersten Stand haben. Wir glauben unsere Haltung der Landwirthschaft gegenüber eher recht­fertigen zu können, als die Herren vom Bund die ihrige. Das sollen sich die Herren gesagt sein lassen. Ich hätte gar nicht ge­sprochen, wenn ich mich nicht von Herrn Gamp provozirt gefühlt hätte. Herr Gamp hat es aber ferner noch für gut befunden, eine schwere Attaque gegen meinen leider heute abwesenden politischen Freund Bassermann zu richten. Er hat den Versuch gemacht, den Kollegen Bastermann der Industrie gegenüber wegen zu großer sozialer Fürsorge zu denunziren. (Unruhe rechts.) Ich appellire an Ihrer aller Urtheil. Ich glaube nicht, daß Herr Gamp für diesen Vorwurf die Zustimmung seiner politischen Freunde vorher ein­geholt oder sich nachträglich die Genehmigung derselben verschafft hat. Ich kann also nur die beiden politischen Persönlichkeiten Gamp und Bassermann einander gegenüberstellen. Ich habe als junger Abgeordneter anfangs mit naivem Erstaunen gesehen, wie die Herren um Gamp geschlossen für den reinen Klassenstandpunkt ein­treten ; auf der anderen Seite steht mein Kollege Bassermann, der seinen Freunden sagt, sie müssen Opfer bringen bis zu den Grenzen des Möglichen. Welche Politik steht wohl höher, die des Herrn Gamp oder die des Herrn Bassermann? Sollte man auch vom Standpunkt des Herrn Gamp aus nicht mit einer gewissen Scheu und Ehrfurcht zu jener anderen Politik emporsehen, die den eigenen Freunden Opfer zumuthet? (Unruhe rechts.) Und statt dessen macht man den Versuch, diese Politik bei jenen Freunden zu denun­ziren I Soviel über Herrn Gamp.

Es war mir überaus interessant, wie zaghaft Herr Spahn den Versuch gemacht hat, ein Wort für die Minimalzölle einzulegen. Er meinte, es sei doch der Landwirthschaft nicht zu verdenken, wenn sie irgend einen Minimalzoll wünsche. Es war zu sehen, daß die Höhe desselben ihm nicht so wichtig schien. Aber darum gerade handelt es sich. Wenn ein Minimalzoll überhaupt nützen soll, dann kann es nur ein hoher Minimalzoll sein. Einem solchen aber können wir nicht beistimmen, weil dann der ganze Tarif scheitern würde.

Was die Frage der Fleischnoth betrifft, so habe ich oder viel­mehr: so haben wir, meine politischen Freunde und ich, die Ueber- zeugung, daß von einer Fleischnoth im eigentlichen Sinne des Wortes nicht die Rede sein kann. (Hört! hört!) Ob eine Fleisch- theuerung stattgefunden hat und in welchem Umfange, darüber kann erst die amtliche Enquete genauere Auskunft geben. Indessen: für vernünftige Maßnahmen sind wir zu haben. Wer eines steht fest: Eine Aufhebung der Grenzsperre halten wir für aus­geschlossen. (Hört! hört!) Die Grenzsperre ist eine sanitäre Maß­regel, die von der allergrößten Bedeutung für ba§ Wohl und Wehe unserer Viehproduktion ist. Folgen Sie mir in das Land der Viehzucht, nach Ostfriesland, Schleswig u. s. w.: wohin der Blick reicht, nichts als Weide, schöne fette Weide! Da liegen eminent produktive Kapitalien im Boden. Diese wollen aber auch mit der entsprechenden Sorgfalt behandelt werden. Und wir haben alle Ursache, diese Wertherzeugung aus dem heimischen Boden von einem zwecklosen Risiko fernzuhalten. Und das wesentlichste Risiko ist die Seuchengefahr, die durch die Aufhebung der Grenzsperre erzeugt wird. Herr Bebel hat recht: Wir wollen die Grenzsperre aus agrarischer" Rücksichtnahme; aber nicht, um Einzelne zu bereichern, sondern weil wir unsere deutsche Landwirthschaft nicht verheerenden

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Zl.on.er*.

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Abg. Dr. Müller-Sagan (fteis. Vp.): Der Landwirthschasts- rninister warf dem Abg. Bebel vor, er habe die Thierärzte verdäch­tigt, indem er sie als Werkzeuge der Agrarier bezeichnete. Der Landwirthschaftsminister hat den Worten des Abg. Bebel einen ganz falschen Sinn untergelegt. Herr Bebel hat nur gesagt, daß die Thierärzte unter einem solchen agrarischen Drucke stehen, daß sie bisweilen entgegen chrer wissenschaftlichen Ueberzeugung gewisse Atteste ausstellen müssen. Auf das Wortmüssen" hat Herr Bebel den Nachdruck gelegt. Ein Kreisthierarzt selbst hat es rugestanden, daß die Thierärzte, wenn sie sttitte die Vorschriften Der Gesetze, Insbesondere die des Viehseuchengesehes, befolgen wollten, daß sie dann mit ihren Familien verhungern müßten. Dieser Kreisthicr- arzt hat von ca. 800 anderen Thierärzten Beläge für seine Be­hauptung eingezogen und mir das Material übersandt. Ich stelle es den Herren vertraulich zur Verfügung, öffentlich möchte ich keine Namen nennen, weil ich fürchte, daß es dann den betreffenden Thierärzten noch schlechter gehen würde, als bisher. Die Abhängig­keit von den Agrariern erklärt sich wesentlich dadurch, daß die Kreis- thierärzte in Preußen ein absolut nicht auskömmliches Gehalt haben. In Preußen beträgt es nur 600 Mk., während in Würtemberg 600 bis 1000 und in Baiern 1800 Mk. gezahlt werden. Im Interesse einer gründlichen Durchführung der Seuchengesetzgebung ist es zu fordern, daß Die beamteten Thierärzte finanziell unabhängig von den Bewohnern ihrer Disttitte gestellt werden. Ich erkenne durch­aus an, daß die meisten Thierärzte trotz ihrer bedrängten wirth- schaftlichen Lage ehrlich ihre Obliegenheiten erfüllen, ich meine aber, jeder Arbeiter ist seines Lohnes Werth, und es sollte daher endlich eine allgemeine Aufbesserung der Kreisthierärzte erfolgen. Was die Grenzsperre anlangt, so sind auch wir keineswegs dafür, daß sie in vollem Umfange aufgehoben wird, wir verlangen nur, daß die Sperre sich wirklich auf solche Gegenden beschränkt, wo Gefahr für die Gesundheit unserer Viehbestände vorliegt. Wenn man 75 000 Schweine einführen darf, dann wird man auch Hundert­tausend und mehr einführen können, ohne daß sie unseren Vieh­beständen schaden, wenn man nur die Zahl der Veterinärbauten entsprechend vermehrt. Die Jagdfchweine können doch ebenso ver­seucht sein, wie die zahmen Schweine, aber diese Jagdschweine läßt man unbeanstandet hinein. Das ist doch ein in sich widerspruchs­volles Verfahren. Die Grenzbevölkerung macht jetzt von der Ver­günstigung, 2 Kilogramm Fleisch zollftei herübcrholen zu dürfen, in ganz kolossalem Umfange Gebrauch; in den letzten 9 Monaten sind zu diesem Zwecke nicht weniger als 985 000 Menschen in Be­wegung gesetzt worden. Das beweist doch schlagend, wie noth- wendig eine möglichst weitgehende Oefsnung der Grenzen für unser Land ist, da es selbst nicht den erforderlichen Fleischbedarf zu decken vermag. Ueberall sind die Grenzen geschlossen; nur nach Stettin sollen bis in dieses Jahr hinein russische Schweine emgesuhrt wor­den sein. Ich frage den Minister, wie sich die Sache verhält. Wenn eS Ihnen wirklich so um die Gesundheit des Volkes zu thun ist und Sie wirklich deshalb die Grenze sperren, wie verhalt es sich dann mit den Hausschlachtungen? Was meint der Minister: Werden im Manöver die Quarttergeber unseren Soldaten im Hause geschlach­tetes Fleisch geben dürfen? Mit der sonstigen Fürsorge für unsere Volkesinteressen wäre das doch wenig zu vereinbaren. Die Schädi­gung Der Fleischnahrung der Bevölkerung ist gleichbedeutend nut einer Herabsetzung ihrer Arbeitskraft, wodurch unsere Jndusttie, das Gewerbe und die Landwirthschaft in gleicher Weise benachtheiligt werden Jrn Norden, Süden, Osten und Westen unseres Vater­landes, allenthalben sind die Fleischpreise erheblich in die Höhe ge­gangen; im Auslande dagegen sind die Preise sehr viel niedriger; ein Beweis dafür ist das rapide Anschwellen des Grenzverkehrs. Ich begreife es vollkommen, toeim Die Volksmassen sich Angesichts der jetzigen Fleischnoth gegen die Polittk der Regierung auslehnen und nicht nur gegen jede Bindung, sondern auch gegen jede Er­höhung Der Viehzölle sind. Meine Freunde werden in keinem Falle für eine Festlegung von Mindestsätzen und für eine Erhöhung der Vertragssätze zu haben sein. Außerdem verlangen wir, daß die Regierung nicht erst lange Erhebungen anstellt, sondern ungesäumt wenigstens ausländisches Vieh in diejenigen Schlachthäuser einlaßt, die unter amtlicher Kontrole stehen, natürlich unter Aufrechterhal­tung solcher Kautclen, Die zum Sckutze Der heimischen Viehbestände unbedingt nöthig sind. Die gesundheitliche Sicherung, tote sie jetzt angeblich durch Die Grenzsperre bezweckt toirD, ist nur em Vorwand für den Eigennutz solcher Leute, Die in allen Dingen eigennützige Politik treiben. Eine solche Politik, die auf das Unheilvollste m die Ernährungsverhältnisse der großen Volksmassen eingreift, machen wir nicht mit. (Beifall links.)

Abg Dr Spahn (Centr., fast unverständlich): Auch wir wollen eine Grenzsperre nur insoweit, als sie unbedingt im sanitären Interesse des Volkes und zum Schutze der heimischen Viehwirthschast nothwendig ist; und wir haben das Vertrauen zu der Regierung, daß nur diese Gesichtspunkte für sie bei Der Aufrechterhaltung der Sperre mahgebend sind. Daß die Preissteigerung des Fleischesin der letzten Zeit etwas Außergewöhnliches ist, bestreite ich. Wir haben alle 5 Jahre solche Steigerungen, in den siebziger Jahren z. B. gingen die Preise noch viel höher hinauf. Daß die Land­wirthschaft Mindestzölle für Vieh verlangt, ist begreiflich, Sie wollen aus Der Unsicherheit heraus und nicht die Kosten für die Industrie tragen. Die Sozialdemokraten wollen das Zustandekonunen des Gesetze? durch künstliche Mittel verhindern. Wenn der Abg. Beb^ besttitten hat, daß seine Partei Obstruktion treiben will, und sich über das Mundtodtmachen beschwert hat, so mußi ich ihm bemerken, daß nicht seine Partei, sondern das bairische Centrum viel eher eine Fortsetzung Der Debatte hätte verlangen können. Für Die SozialDemokraten lag kein Anlaß vor, sich benachtheiligt zu sichlen. Ich hoffe. Daß Die Verhandlungen ruhig fortgesetzt werden können und zu einem gedeihlichen Ende führenwerden. (Ruf bei den Soz.. Abwarten I) Die Nothlage der Landwirthschaft ist durch Die Sta­tistik vollkommen erwiesen. Da muß man ihr die Zolle gönnen, wo doch auch die Jndusttie allerhand derarttge Liebesgaben erhalt. Ich gebe zu, daß die Minimalzölle das Zustandekommen von Han­delsverträgen sehr erschweren. (Hört, hört! links.) Und an Handels- verttägen haben auch toir ein lebhaftes Interesse. Wir wurden

Untere Stellung zu den Viehzöllen ergiebt sich aus unserer allgemeinen Stellung zum Tarif. Nachdem uns mitgetheilt ist, daß auf Grund des Tarifs noch Handelsverträge zu Stande kommen können, sind wir für Den Tarif, aber nur in Der Fassung Der Re­gierung. Wir wollen Den Zolltarif nicht als ein Mittel zum An­griff, fonDern als eine Befestigung, hinter Die wir uns zurück­ziehen können. Wir wollen daher auch Die Viehzölle nur gemäß Der Regierungsvorlage. Das wünschen wir im Interesse Der kleinen Bauern. Auf Der anDem Seite wollen wir keine Minimalzölle, schon Deshalb nicht, weil nach Den Erklärungen des Kanzlers Daran Der ganze Tarif scheitern würde. Daß der Viehzoll auch nach der Regierungsvorlage eine zu große Belastung Der Konsumenten Dar- stellt, bestreite ich. Herr Bebel hat Dies m geschickt agitatorischer Weise Durch Gegenüberstellung Der heutigen unD Der kommenden Zölle zu erweisen versucht. Diese Gegenüberstellung genügt aber nicht. Da man Die gesteigerte Belastung eines Objekts immer in Beziehung setzen muß zur Werthsteigerung desselben. Und dann sieht die Sache ganz anders aus. Die Struktur Der Gesellschaft ist, wie Herr Kollege Bebel geistvoll und völlig zuttefsenD aus­geführt hat, in Den letzten Jahrzehnten eine völlig anDere geworDen. Daraus ergeben sich aber auch beränDcrte Gesichtspunkte für Die Beurtheilung Des Verhältnisses von Produktion zum Konsum. Man kann nicht überall in Die Töpfe gucken I Es giebt viele kleine Bürger in Deutschland, die weniger Fleisch genießen, als mancher bessergestellte Arbeiter. Herr Bebel sprach von dem wachsenden Strom von Konsumenten. Ist es da nicht Wünschenswerth, daß Der Ueberschutz an proDuzirten Menschen Durch Die Produkte Des eigenen Landes befriedigt werde? Und das ermöglichen zu Helsen, dazu sollen ja gerade die Zölle Dienen. (Widerspruch links.)

Nun zur Frage Der Minimalzölle I Ich glaube, daß die Mindestzölle für Vieh den Zollkrieg mit der ganzen Welt bedeuten würden. Und darunter würden wir nur leiden. Die Viehproduktion

es also für ungerecht halten, wenn die Landwirthschaft allein die Kosten zu fragen hätte. (Vereinzelter Beifall.)

Wg. Dr. Scmler (nat.-lib.): Wir hoffen und wünschen, Daß der Zolltarif ordnungsmäßig, d. h. rechtzeitig und prompt erledigt wird. Geht das nicht, bann soll das Volk entscheiden. Aber wir wollen nicht, daß durch künstliche Mittel das Zustandekommen ver­hindert wird. (Unruhe bei den Soz.) Wenn Sie einmal an der Macht fein sollten, Herr Singer, dann werden Sie auch anders über Obsttuttion denken. (Abg. Ledebour (Soz.): Das Volk soll ent-

lann nur bestehen, wenn eine konsumfähige Bevölkerung vorhanden ist. Und das setzt wiederum eine blühende Industrie voraus, die bei einem Zollkrieg nicht möglich ist. Unsere Landwirthe wollen zweifellos Viehzölle, aber nicht solcher Art, daß ein Zollkrieg un­

abwendbar ist.

Ich muß mich nun zu einigen Bemerkungen des Abg. Gamp wenden, die er speziell gegen meine Partei gerichtet hat. Herr Gamp hat die Behauptung aufgestellt, daß wir auf die Unterstützung der landtoirthschaftlichen Kreise verzichtet hätten. Ich bedauere es, daß Herr Gamp nicht anwesend ist. Wenn man in dieser Weise eine Partei an greift, dann muß man anwesend sein. (Sehr richtig! bei Den National-Liberalen.) Ich erkläre im Namen meiner politischen Freunde, daß wir ganz und gar nicht auf die Unterstützung der landwirthschaftlichen Kreise verzichten; im Gegentheil, gemäß un­serer der Landwirthschaft freundlichen Anschauung verlangen wir die Unterstützung in diesem Kreise. Freilich, wenn Herr Gamp unter diesem Kreise einzelne führende Herren vom Bunde der Land­wirthe versteht, dann können und wollen wir gern auf diesen Kreis verzichten. (Sehr gut! bei den National-Liberalen.) Wenn man überhaupt prophezeien will, so möchte ich prophezeien, daß diese Herren bei den nächsten Wahlen bei ihren eigenen Leuten viel zu viel zu thun haben werden, als daß sie sich noch um andere Parteien kümmern können. Diese Herren werden, da sie mit leeren Händen

Zahl der einzulaffenden Schweine.

Nun zu Den Ausführungen des Vertreters Der National- Liberalen. Der Herr Kollege Sattler meinte neulich, wir haben ja von Den berbünDeten Regierung Die Gewißheit erhalten. Daß zwar auf GrunD Des Tarifentwurfs, nicht aber auf Grund der Kom­missionsbeschlüsse Handelsverträge möglich sind. Ja, woher hat er Denn Diese Gewißheit? Aus Dem MunDe Des Reichskanzlers haben wir Doch nur gehört, daß bei der Mehrheit der verbündeten Re­gierungen die Hoffnung besteht, man werde auf Grund der Sätze des Regierungsentwurfs zu Handelsverträgen gelangen, aber Hoff­nungen sind doch noch feine Wirklichkeit. Eine solche Sicherheit haben wir keineswegs, und tzerade deshalb bekämpfen wir ja den Regierungsentwurf, weil wir nicht glauben, auf Grund dieses Ent­wurfs zu guten Handelsverträgen zu kommen. Vergessen wir auch nicht, daß, wenn toir unsere raube Seite herauskehren, auch das Ausland feine rauhe Seite herauskehren wird. Die Stimmen aus dem Ausland, namentlich aus Oesterreich-Ungarn, lassen darüber keinen Zweifel. Die Agrarier verlangen, daß die Staatsgewall in ihren Dienst gestellt wird, die Großgrundbesitzer wollen an den Zöllen Hunderttausende verdienen.

Der Zolltarif ist kein taugliches Mittel, um unsere Viehzucht zu heben. Die dänische und englische Viehzucht ist auch ohne hohe Zölle groß geworden. In Dänemark haben Tausende von Vieh­züchtern sich ablehnend gegen höhere Vichzöllc ausgesprochen. Auch bei uns ist die Viehproduktton unter den bisherigen Zöllen hin­reichend gesttegen. Die Viehzählung ergab im Jahre 1890 einen Bestand von 50 Millionen Stück. Die Erhebungen in Betreff der Fleischnoth sind ja nun angeordnet. Ich bebaute nur, daß man sie so weit hinausgeschoben hat, und bitte, sie wenigstens jetzt thun- lichst zu beschleunigen. Aus allen Gegenden kommen Berichte, daß

kannten, der Liebe

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Aohue jeji kratze 46, j Jüan Schmidt Lchnhoracher. U-Mtaasüsij ch (70 Ps) UjjeEßilti l an die Ex?.' i. tzl Hchlige iW Utto ies täusHrivoibv!! ils eine kchweise to zut geheü ptschafl pann anderiM ch Seroerber, Die üttri ution ewigen, wi. jiunietY. v. M Wein & t»' irden.__

)en gesucht to' - it gegen lU eines wenvck? mdhoheZm!».^' »lieben ihre AdasM / a.d, iftp. eini-G .II Em in to'-r M er, welcher eMgul- -eianavercke«I , der M hetzens) c Lieb- < la® stme A -i ^Ser Exped.°>' Mniederlegen iianie hiermit ji Mein Sohne P borgen noch 8 w c nichts Halle- . cb Amend, ®11-' Lleinslrave 46.

Räbcheunmml'7 an m u.

ah/Lleich^'^-

Dienstag, 28. Oktober 1902

Gießener Anzeiger

auch ich.3,

Abg. v. Oldenburg (konsü: Selbst ein Getrcidezoll von 6 Mk. ist nicht ausreichend, um den Getreidebau lohnend zu machen. Des­halb muß man jede andere Maßregel ergreifen, die der Landwirth­schaft hilft. Zur Zeit des Fürsten Bismarck sagte man sich immer, er wird es schon machen (Lachen links.), aber durch die Aera Caprivi ist Mißtrauen entstanden. Wir sind einstimmig für Bindung der Zölle und in unserer Mehrheit für Die Kommissionsbeschlusse. Vor allzu großer Nachgiebigkeit muß sich Der Reichstag nach Den Er­fahrungen, Die er mit Der Regierung in Der Frage Des Zuckers ge­macht hat, hüten. Wenn Die jetzigen Negierungsvertreter bei Den Handelsverträgen ebenso Verfahren, wie bei der Zuckerftage, so wären sie wahre Organisatoren von Niederlagen. Der Kanzler sagte neulich, die Viehzölle seien nur Kompensationsobjekte. Wenn wir aufs Land hinauskommen und sagen, auf Dem Papier haben wir höhere Viehzölle, aber in der Praxis nicht, so kommen tote schön an. Diejenigen Landtoirthe, die mit der Erklärung des Herrn Semler zuftieden sind, glaube ich, gehören zu den Schafen. (Heiterkeit.) Wer das Land nur vom Hasenschießeu kennt, der wird erstaunt sein über die Resultate der vom Reichskanzler veranstal­teten Viehzählung, namentlich sotoeit Schweine in Betracht kommen. Ich will den kleinen Mann schützen, aber auch Den großen Mann will ich schützen. (Lachen links.) Die Fleischnoth kann nicht so er­heblich sein, Denn Die Fleischpreise in großen Städten stehen in gar keinem Verhältniß zu denen in kleinen Städten. Ich zahle auf dem Lande jetzt 60 Pf. statt 50 Pf für Rindfleisch. Aber das ist ganz berechtigt, denn wir sind gezwungen, unsere Viehbestände xu rcduziren, ich habe das am eigenen Leibe empfunden. (Schallende Heiterkeit links.) Warum kämpfen Sie denn nicht gegen die Schlacht­steuer an, die Die Städte erheben? (Lachen links.) An den hohen Fleischpreisen fragen allerhand Manipulationen Die Schuld. Wir auf Dem Land spüren nichts von dem kolossalen Anziehen der «reife. Ich gebe zu, daß in diesem Jahre die Schweinepreise hoch sind; Das kommt Daher, weil das amerikanische Schmalz so theuer ist, und dies ist theuer in Folge Der mißrathenen Maisernte in Amerika. Die Behauptung, daß die deutsche Viehproduktion nicht Schritt gehalten hat mit Dem Anwachsen Der Bevölkerung, ist nicht richtig. Das trifft nur für die Schafe zu, aber Schafe und Schweine kompensiren sich nicht ohne Weiteres. (Heiterkeit.) Würde heute der Schutz an der Grenze fortfallen, so würden unsere Viehstände ver­seucht werden und das Fleisch in den Großstädten würde doch nicht billiger werden. Die Händler sind viel zu gute Geschäftsleute. Im klebrigen kann man sich auch in großen Städten vor der Fleisch­steigerung schützen. Mir sagte mein Hotelier, wenn er 10 Pfg. mehr für das Fleisch zahlen soll, geht er einfach zum anderen Schlächter. (Lachen linksü Die ganze Fleischnoth wird in wenigen Wochen zu Ende fein. Gegenüber Den Angriffen des Abg. Bebel auf die Thierärzte halte ich es für meine Pflicht, von derselben Tribüne herab diese Angriffe zurückzuweisen. Ich bitte Sie zum Schluß, der Landwirthschaft durch einen ausreichenden Viehzoll zu helfen. Nehmen Sie die Anträge Wangenheim an oder zum Mindesten die Vorschläge der Kommission. (Beifall rechts.)

Abg. Pachnicke (fteis. Vergg.): Ich weiß nicht, ob der Vor­redner sich vorgestellt hat als Probekandidat für den Posten des ersten Vorsitzenden des Bundes der Landwirthe. (Heiterkeit.) Jeden­falls waren seine Worte die konzentrirte Säure des BündlerthumS. (Erneute Heiterkeit.) Er fft freilich noch ein parlamentarischer Neuling, und deshalb wird man ihm für einzelne seiner Aeuße- rungen mildernde Umstände zubilligen müssen. (Sehr gut! links.) Er sprach von der kommunalen Schlachtsteuer, aber er hat völlig ver­gessen, daß die Linke in der Kommission den Antrag auf Aufhebung dieser Steuer gestellt hat, während ein Theil Der Konservativen gegen ihn sprach. Eine allgemeine Aufhebung der Grenzsperre haben wir niemals verlangt, sondern lediglich eine Erhöhung der