Die ZolltarifLommissioo
beriet am Freitag die Positionen 452 bis 457, Gewebe, die nicht unter die früheren Positionen falten. Nach längerer Debatte wird Position 452 nach einem Antrag Müller- Fulda angenommen. Darnach zahlen rohe Gewebe, 80 Gr. oder mehr auf den Quadratcentimeter wiegend, bis 35 Fäden in Kette und Schutz auf fünf Quadratmillimeter enthaltend, 40 ML statt 50 ML, von 35 bis 44 Fäden enthaltend 60 statt.' 80 ML, über 44 Faden enthaltend 80 statt 110 Mk. Position 453 rohe Gewebe 40 bis 80 Gramm auf Quadratcentimeter wiegend, in gleichen Einzel- abteilungen wird nach Antrag Müller-Fulda von 100, 130, 160 ML auf 90, 100, 150 Mk. ermäßigt, desgleichen Position 454 rohe Gewebe unter 40 Gramm wiegend auf 120, 150, 170 Mk .ermäßigt. Position 455 zugerichtete, gebleichte Gewebe wurde nach der Vorlage genehmigt, wonach dieselben einem Zollzuschlag von 20 ML zu dem Zoll aus Rohgewebe unterliegen, Position 456 und 457 werden gemäß dem Anträge Müller-Fulda verschmolzen, indem gefärbte und bedruckte Gewebe ohne Rücksicht auf die Zahl der verwandten Farben 50 Mk. Zoll zahlen. Position 458 Wirkstoffe und Netzstoffe wurde mit einem Zollsatz von 100 Mk. nach der Vorlage genehmigt. Position 459 Handschuhe und Haarnetze werden gemäß dem Antrag Förster von 180 auf 160 Mk. ermäßigt, desgleichen Position 460 Strümpfe, geschnitten von 100 auf 80, regulär von 140 auf 120 ML herabgesetzt. Zu Position 461 Fis chernetze wird ein Antrag Müller-Meiningen angenommen, den Zollsatz, wie bisher bei 3 ML, statt 50 ML zu belassen. Position 463 geschnittene oder reguläre Wirk- und Netzwaren werden nach der Vorlage mit 100 ML angenommen.
Der Leipziger Bankprozetz.
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Leipzig, 27. Juni.
Die Verlesung der Protokolle wird fortgesetzt. In einem Protokoll vom 23. Juni 1892 werden die Reisen Exners nach Paris, Nantes und Rußland erwähnt, ebenso die Studienreisen Sachsenrvders, Völkers und Dr. Gentzsch nach Ungarn und Bosnien sowie die Erfahrungen in Bezug auf die Ergebnisse der Treber-Unternehmungen. (Spier sagt aus, er habe in Nantes, wo er mit Schmidt zur Besichtigung des Unternehmens zusammentraf, ein ausgedehntes Werk gesunden, von dem drei Viertel in Betrieb waren, und das ihm als günstig geschildert wurde. Exner wird vorgehalten, daß nach feinem Briefe vom 15. Dezember 1899 an Schmidt die französische Gesellschaft in Nantes Kassel um Maschinen drängte, sonst müsse Nantes im Jahre 1900 den Betrieb einstellen. Exner schildert dann die Gründung der russischen Gesellschaft, die ursprünglich deutsch war und dann russisch geworden ist, für die die Leipziger Bank die Finanzierung übernahm. Tann schilderte er die Idee der Gründung der englischen Gesellschaft, die die russischen Aktien übernehmen sollte. Die Gründung war ziemlich fertig, scheiterte aber im letzten Augenblicke infolge Ausbruchs des Krieges in Südafrika. Doüel erinnert sich genau, daß über die Transaktion mit der russischen und englischen Gesellschaft im Aussichtsrate der Leipziger Bank ausführlich verhandelt wurde, und auch über das Programm und die Gutachten der englischen Sachverständigen Bericht gegeben setz Es wird beschlossen, diese Gutachten herbeizuschafsen. Sachverständiger Schlieper weist daraus hin, daß in dieser Sitzung des Aufsichtsrates zum ersten Male mitgeteilt worden ist, daß das Bergmann'sche Patent versage und fragt, ob dies nicht das Vertrauen des Aufsichtsrats erschüttert habe. Dodel führt aus, daß dies nur in einem einzigen Falle vorgekommen sei, der das Vertrauen nicht erschüttert habe. Auch Wölter empfing in Bosnien den denkbar besten Eindruck Sachverständiger Taltrow sagt aus, daß die Bank im April 1899 bereits von der Wertlosigkeit der bosnischen Gesellschaft gewußt habe, während Exner, obwohl er der Direknonsrat derselben war, davon keine Kenntnis gehabt haben wilL Der Vorsitzende greift dann aus die Gutschrift von Wechseln zurück Schmidt spricht Exner gegenüber in einem Briefe vom 30. März 1899 die Bitte um nochmalige Verlängerung von Wechseln der Aufsichtsratsmitglieder aus. (Schulze-Delwig 450 000, Schmidt 450000, Hermann Sumps 600 000, Arnold Sumpf 600000, Schlegel 175000, Otto 820 000 Mark.) Der Vorsitzende sagt hierzu, daraus gehe hervor, daß Kassel weiter Geld haben wollte. Es kommt die Zeit zur Sprache, als man sich um die Zulassung der jungen Treberaktien an der Berliner Börse bemühte. In einem vertraulichen Briese Schmidts an Gentzsch vom 31. August 1899 wird ein anderer Modus wegen der Wechseltrassierung auf die Aufsichtsratsmitglieder in Kassel vorgeschlagen. Die Bank ist damit einverstanden, daß nicht mehr Kassel, sondern die Leipziger Bank auf die Kasseler Aussichtsratsmitglieder unter ausdrücklicher Garantie von Kassel trassiere. Es sollte vermieden werden, den Zusammenhang von Kassel und seinem Aufsichtsrat darzulegen. Ans den Briesen geht hervor, daß Gentzsch in alle Transaktionen der Trebergesellschaft und Leipziger Bank eingewecht war. Unter dem 16. September 1899 spricht Schmidt in einem Briefe an Gentzsch von einer Annäherung an die Firma Heydt u. Co. in Berlin zur Einführung der jungen Treberaktien in Berlin. Gentzsch weist den Vorschlag, daß die Leipziger Bank gemeinsam mit der Firma Heydt den Prospekt unterzeichnen solle, zurück, Exner nehme denselben Standpunkt ein. In einem Briese Schmidts an die Leipziger Bank vom Oktober 1899 sagt Schmidt unter gleichzeitiger Einsendung des Kontolorrentauszuges vom 30. September 1899, daß die Kasseler Gesellschaft zur Vermeidung von Indiskretionen bas Saldo der Leipziger Bank unter dem 16. September von 7 828000 Mark von der laufenden Rechnung auf Se- paratlonto übertragen habe. Mau sei mißtrauisch geworden, weil Versuche gemacht wurden, Beamte der Gesellschaft zu bestechen. Im November 1899 teilt Schmidt mit, daß die Deutsche Bank gegen Exner Abneigung habe, obwohl Exner von chr sichere Hilfe erwartete. Exner sagte aus, bie Deutsche Bank sei nicht feindlich gegen ihn gewesen; vielleicht verstimmte es, daß die Leipziger Bank nicht alle Geschäfte mit chr machte. Tas Aussichtsratsprotokoll vom 10. November 1899 berührt die großen Engagements mit Kassel und weist aus das Gesamtverzeichnis aller Engagements bei der Trebergesellschaft hin. Mtt dem Äreditgeben solle ausgehört, das Konto verringert werden. Aussichtsrat und Direktion gelangten zu der Ansicht, daß man nicht mehr zurück könne. Fortsetzung morgen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 28. Juni 1902.
** Der Großh erzog wird, wie uns aus Dartn-- stadt telegraphisch gemeldet wird, erst Ende uAdifter Woche aus London zurücktehren. — Die
Zweite Kammer wird ihre Sitzungen deshalb erst am Donnerstag nächster Woche schließen; Ansang übernächster Woche wird dann die offizielle Verabscheidung der Kammer durch den Großherzog stattfinden.
■ fi. Für das studentische Fest im Philosophenwald hatten bis gestern Abend die (Korporationen 470 Teilnehmer angemeldet. Von den nicht corporierten Studenten waren 300 m die Liste eingetragen. Die Beteiligung an diesem Fest seitens der Bürgerschaft scheint nur sehr schwach zu werden. In 2 von uns eingesehenen Listen hatten zusammen 70 Zeichnungen stattgefunden, von denen s/4 Damen waren. Die Lieferung von 5—8000 belegten Brödchen für das Fest ist dem Hoflieferanten Schwab übertragen, während die Bierlieferung an unsere 4 Großbrauereicn übertragen worden ist. Heute mittag lagen, nach Erkundigungen an zuständiger Stelle, etwa 800 Anmeldungen insgesamt vor.
* ’• Das Promenaden-Konzert findet morgen in der Ostanlage statt. Gespielt werden: 1. „Spanisches Lustspiel", Ouoerture, Keler Bela; 2. Paraphrase über „Home sweet Home“, Voigt; 3. „Espana", Walzer, Waldteufel; 4. Fantasie über Koschats „Verlassen", Reindel.
* * Th e ate r-Ver ein. Auf die Bekanntmachung des Vorstandes im heutigen Anzeigenteil, betreffend Preisermäßigung für die Mitglieder, beim Besuche der Vorstellung des „Vogelhändler" sei hierdurch hingewiesen.
* * D er Wohlthatigkeits-Ve r ein Contentiä veranstaltet am Sonntag den 6. Juli auf der „Schönen Aussicht" ein großes öffentliches Sommerfe st. Die Ueberschüsse dieses Festes werden bekanntlich dazu verwendet, armen Kindern ein warmes Frühstück zu gewähren, weshalb auf einen lebhaften Besuch gerechnet werden kann.
** Ev angelischer Arbeiterverein. Wie wir bereits berichteten, findet hier am 2 7. Juli das Verbands- feft des Mittelrheinischen Verbandes evangell Arbeitervereine statt. Damit verbunden ist die Fahnenweihe des hiesigen eoangel. Arbeitervereins. Die Vorbereitungen zu dem Fest sind in vollem Gang, mancherlei Ausschüsse haben sich innerhalb des Vereins gebildet und sind ernst an der Arbeit, um einen glatten Verlauf des Festes zu ermöglichen rmd den vielen fremden Gästen, die z. T. mit Extrazug eintreffen, den Aufenthalt in unserer Stadt möglichst angenehm zu gestalten. Nach dem Empfang der auswärtigen Gäste findet um 10*/4 Uhr in der Stadtkirche ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer Loos aus Butzbach predigen wird. Während der Delegtertenoersammlung, die um IP/2 Uhr im „Cafo Ebel" tagt, werden die sonstigen auswärtigen Gäste unsere Stadt besichtigen, worauf um iy2 Uhr der Festzug sämtlicher Vereine und Vertreter von Oswaldsgarten nach Steins Garten sich bewegt. Nach der Fahnenweche, die der verdiente Ehrenvorsitzende, Professor Dr. Stamm vollzieht, findet ein Gartenfest statt, in dem neben den Vorträgen der gesamten Negimentskapelle auch die Ge- sangschöre der einzelnen Vereine ihr Können zeigen werden. Abends 8y2 Uhr wird sich — gleichfalls in Steins Garten — die Familienfeier des eoangel. Arbeitervereins Gießen anschließen, die neben den musikalischen Darbietungen mancherlei Ueberraschungen an lebenden Bildern u. dgl. bringen wird. — Wir hoffen, daß alles einen guten Verlauf nehmen wird, und dürfen vorausfetzen, daß die eoangel. Einwohner unserer Stadt an der Feier regen Anteil nehmen und dies durch Beflaggung ihrer Häuser bekunden werden.
§*Eisenbahndiebe! In Mannheim wurde am Donnerstag bei Ankunft des dort um 1.32 Uhr fälligen Mailand-Kölner D-Zuges ein Reisender als Eisenbahndieb verhaftet. Er hatte einem Mitreisenden die Brieftasche entwendet, die er bei feiner Verhaftung sofort zuruckaab. In Mainz wurde darauf im Eisenbahnabteil eine mit dem verhafteten Dieb in Verbindung stehende weibliche Person fest genommen. Der Dieb war fein gekleidet und gab sich den Anschein der deutschen Sprache nicht mächtig zu fein. Er behauptete, ein gewisser Mündel aus Rumänien zu fein, doch dürften diese Angaben falsch fein. Man bringt die Verhaftung in Zusammenhang mit den in letzter Zeit mehrfach gemeldeten Diebstählen in D-Zügen.
rg. Großenbuseck, 27. Juni. Der hiesige vor zwei Jahren gegründete Turnverein hat wiederum schöne Erfolge zu verzeichnen. In Lauterbach wurde der 3., 16. und 20. Preis von hiesigen Turnern errungen und auf dem Feldberg errang unter über 800 Mitbewerbern Balth. Dort den 19. Preis.
m. Sch w arzbei Alsfeld, 25. Juni. Seit einigen Tagen wird die Frau eines hiesigen Einwohners vermißt. Sie hat sich am vergangenen Samstag in der Frühe mit einem Korbe am Arm aus ihrem Hause entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt; auch haben in der Umgegend angestellte Nachforschungen nach zu keinem Resultat geführt. — Der Neubau unserer zweiten Schule wird in diesem Sommer noch aufgeführt werden, sodaß der Bau nächstes Frühjahr wird bezogen werden fönnen.
fc. Mainz, 28. Juni. (Orig.-Telegr. des Gieß. Anzeiger". Aufsehen erregte hier vor einiger Zeit, als der Bruder des bekannten Meisterschafts-Radfahrers Lehr, der hier beim 87. Jnf.-Regt. dient, wegen wiederholter Fahnenflucht bestraft und in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt wurde. Jetzt hat eine ärztliche Untersuchung ergeben, daß Lehr geist es krank und erblich belastet ist. Die Strafen gegen ihn sind für nichtig, er selber gänzlich rehabiliert und für dienstuntauglich erklärt worden. — Am 4. Juli tritt hier eine aus den besten Radfahrern des 18. Armeecorps gebildete Kolonne zusammen. Es sind 10 Offiziere, 30 Unteroffiziere und 60 Mann.
Frankfurt a. M., 28. Juni. Ein mysteriöser Vorfall ereignete sich gestern im städtischen Schwimmbad. Vormittags halb 10 Uhr erschien dort die 31 Jahre alte Kleidermacherin Kathinka Petry und bestellte em Einzelwannenbad. Als in später Abendstunde (!) eine Zelle immer noch die Bezeichnung „Besetzt" trug, klopften die Wärterinnen an die Thür. Man öffnete sie, da keine Antwort erfolgte, und fand die Petry in der Wanne tot vor. Sie war in fast sitzender Stellung, der Kopf raate aus dem Wasser, vor dem Munde stand Schaum. Die Angehörigen der Verstorbenen, die in der Schwimmanstalt bekannt war, wurden sofort benachrichtigt und ein Arzt geholt. Dieser konnte vorläufig wenigstens das Eine feststellen, daß der Tod nicht durch Ertrinken eingetreten war, was übrL- gens schon aus der ganzen Sachlage hervorging. In den Kleidern der Petry fand man ein Fläschchen, das der Polizei übergeben wurde. Leute, welche die Petri kennen, glauben nicht, daß sie freiwillig aus dem Leben geschieden ist.
Sie woNte tn wenigen Wochen heiraten. Die Pewy Ittr an epileptischen Anfällen, zu deren Bekämpfung sie vielleicht immer ein Mittel, eben in jenem Fläschchen, bei sich trug. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie einem solchen Anfall erlegen ist. Höchst fahrlässig haben diejenigen Personen des Aufsichtspersonals gehandelt, denen jene Zelle unterstellt war. Möglicherweise hätte — vorausgesetzt, daß die Petry wirklich von Krämpfen heimgesucht wurde — bei rechtzeitiger Revision der ZeUe, um die sich von morgens" bis abends niemand bekümmert hat, das Leben der Urglück- lichen gerettet werden können.
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Im Kurhaussaal zu Bad Nauheim findet am Dienstag ein Konzert der Kammersängerin Erika Wedekind statt. Frau Wedekind wird Lieder von Mozart singen.
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Vermischtes.
* Koblenz, 27. Junü Die.Wichsefabrik Maier und Holinghausen in Neuendorf brannte heute nachmittag mit Vorräten an Waren und Rohmaterial nieder,.
* Posen, 27. Juni. Eine R e v 0 lv er af faire hat hier viel Aufregung hervor gerufen. Der zu einer Uebung eingezogene Leutnant der Reserve, Regierungsrefeiendar Freiherr von M a s s e n b a ch, schoß früh gegen fünfeinviertel Uhr, als er nach seiner Wohnung heimleyrte, mittels Revolvers auf einen an der dort stehenden Litfaßsäule mit Zettelan kleb en beschäftigten Arbeiter. Die Kugel drang dem Mann ins Handgelenk. Hierauf begab sich WL nach feiner Wohnung, und erschoß sich. Der Tod trat sofort ein. Das Motiv zur That ist anscheinend momentane Geistesgestörtheit. Der verletzte Arbeiter, welcher verheiratet ist, wurde nach dem Stadtlazarett geschafft. Tie Verletzung ist nicht lebensgefährliche
* München, 27. Juni. Der Regierungsdirektor der pfälzischen Kreisregierung, Hübsch, der zur Heilung eines Nervenleidens hierhergekommen war, sprang in einem Anfall seines Leidens in die Isar und ertrank.
* Lond on, 27. Juni. In der Kriegsschuld in Sandhurst brach gestern wiederum eine Feuersbrunst aus. Es ist dies seit kurzer Zeit der vierte von Schülern der Anstalt gelegte Brand. Man befürchtet noch weitere Racheakte seitens der Schüler. Dieselben Daren kürzlich wegen eines Aufruhrs bestraft worden.
* L 0 n d 0 n, 27. Juni. In Birkenhead verbrannten zwei mit dem Anzünden der Freudenfeuer beauftragte Männer durch in Brand geratenen Theer. Die Katastrophe war durch Unvorsichtigkeit eines der Arbeiter verursacht.
* Wien, 27. Junü Infolge eines auf der Conan herrschenden Sturmes wurden drei Boote, in welcher sich zusammen 25 Personen befanden, auf den Babakai-seljen geschleudert. Sämtliche Insassen ertranken.
* Budapest, 27. Juni. Wie aus Kecskemet genielbet wird, wurde der Oberleutnant des dort garnisonrerlnden Infanterie-Regiments Nr. 38 namens Adam, der mit einer brennenden Zigarre im Bett einschlief, am Morgen als verkohlte Leiche ausgefunden. Durch die Zigarre war das Bett in Brand geraten.
* Budapest, 27. Juni. Im Bozovicser Walde wurde der Kaufmann Maier von Räubern überfallen, ausgeraubt und tätlich verwundeL
* Lemberg, 27. Junü Der Direktor des hiesigen städtischen Schlachthauses erschoß nachts einen Wächter, weil dieser, wie der Direktor behauptet, ein Attentat auf ihn habe aus üb en wollen.
* Eines reichen Kindersegens erfreut sich ein Ehepaar in Heusenstamm, dem der Klapperstorch neuerdings zum dritten Male Zwlllinge bescherte. Der glückliche Vater steht im Alter von 66 Jahren. Bedeutend überholt wurde indessen dieses Ehepaar von einem Elternpaar in einem Städtchen an der Bergstraße. Dort brachte Adebar in einem Zeitraum von vier Jahren den Ellern insgesamt neun Kinder: dreimal Zwillinge und einmal Drillinge.
♦ Eine äußerst rohe That ließ sich in Karlsruhe ein Zimmermann zu schulden kommen, indem er einem Mauerpolier nach einem kurzen Wortwechsel auf dem Dache eines Neubaues einen Fußtritt versetzte, infolge dessen der Polier aus einer Höhe von 14 Metern auf die Straße stürzte und tot liegen blieb. Der Thäter wurde sofort verhafteL
* Ei n en Stu dentenulk im großem Stil leisteten sich neulich nachts Angehörige der Heidelberger Korps. Nach einem gemütlichen Bierbock der Studenten-Korps, an dem auch Prinz Georg von Cumberland und Graf Rhena teilgenommen, zogen sie gegen 12 Uhr mit Pauken und Trompeten durch die im Schlummer liegende Stadt Heidelberg. Auf dem Marktplätze machten sie vor der Polizeistation Halt und brachten dem gerade allein anwesenden Wachtmeister ein regelrechtes Ständchen. Von dort bewegte sich der Zug nach dem Bezirksamt, wo man unter Assistenz der Musikkapelle ein donnerndes Hoch auf die wohllöbliche Polizei in die Nacht hinausschmetterte und wecker musizierte, bis eine starke Abordnung der helligen Herrnandad auf der Bildfläche auftauchte und die Uebermütigen auseinander- ttieb.
* Von dem mysteriösen Abenteuer eines Prinzen in London wird heute ausführlicher folgendes gemeldet: Mehrere Individuen aus dem verkommensten Osten Londons waren angeklagt, Erpressungsversuche an einem Mitgliede eines europäischen regierenden Fürstenhauses unternommen zu haben. Die Namen des Anklägers und des Verhafteten waren nicht, wie üblich, auf den Aktenstücken, in welche die Presse Einsicht nehmen darf, angegeben, und jedes Ansuchen, sie zu nennen, wurde abgelehnt. Der Prinz soll am Dienstag abends seine ihm vorn Hofe angewiesene Wohnung verlassen und in einem fashionablen Hotel binirt haben; bann aber — so heißt es — hat er sich mit mehreren Frembeu in eine Matrosenkneipe in Southwark begeben unb ist bort unter unnennbaren Umftärtben mit seiner Umgebung verhaftet worben. Bis bahin hatte niemanb geahnt, baß bie Hauptperson bes Dramas cm Prinz sei. Die Polizei war wie zerschmettert, als sich bies herausstellte. Von einer einfachen Entlassung konnte nicht bie Re8e sein, ba bie Polizei selbst ihre Detektives entfenbet hatte, um bas übelberüchtigte Lokal auszuheben. Man telephonierte an ben Polizei- präsibenten unb nun würbe bie Sache s0 bargestellt, als ob ber Prinz nach Southwark zum Zwecke bec Erpressung verschl eppt worben wäre. Die Flamen ber Erpresser werben geheim gehalten. Die Hauptperson ist ent- weber ein Prinz aus bemSübwesten Europas ober aus einem östlichen Reiche.


