Montag »8. April 1903
ISS. Jahrgang
Erstes Blatt
Nr. 98
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt bte Siebener Zamilien- blüller oicrmat in der
Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Umvers.-Biich- n.Stein- druckerei lPretsch Erbend Redaktion, Eroeditton uiid Druckerei:
Schul st ratze 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
ftcrnfprrdjankhhifi Ar. 51.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen
Vez«g4prei»r . monatlich 7b Pf., vtertel» jährlich Wit. 2.20; durch Abhole- u. HroetgfteQen1 monatlich 65 Pf.; durch! diePost Wlf.2.— viertel» sährl. ausschl. Bestellg.! Annahme von Anzeigen für die Tagesnunnneo biS vorrntttagS 10 Uhr,^ ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg.
Verantwortlich: für den ooln. u. afigem»1 xeil: P. Witiko: füc Stadt und L'anb' und ,Gerichtssaal*:R.Ditt- mann; für den An» zeigenteil: Hans Beck.
politische Wochenschau.
Der Flutstrom der „Saison" beginnt abzuebben, es weht so etioas wie Sommerlust in den politischen Rc- aionen. Der zu Muße und Erholung lockende Hauch übt seine Wirkung auch auf die Gesetzgeber im Reichshause. Sie haben in der verflossenen Woche die vor der Vertagung noch zu erledigenden Vorlagen betr. den Gerichtsstand der Presse, die Schaumwe in st euer und die Seemannsordnung ein gut Stück gefördert. Tie große Mehrzahl der Erwählten des Volks zog es freilich vor, von dem Fortschrciten der parlamentarischen Arbeiten daheim, aus den Berichten der Presse, Notiz zu nehmen. Doch ihr „Stillleben" hat am längsten gewährt; der gestrige Sonntag sah auf dem Frühstücks tisch aller Säumigen die gemessene Aufforderung des Frakttonsvorfitzenden, unverzüglich den Hoffer zu packen und Leib und Leben dem Berliner D-Zuge anzuvertrauen. Welch' Schauspiel, diese „Jagd nach Diäten", über die am heutigen Montag im Reichstag entschieden werden soll!
Tie es zunächst angeht, die Mitglieder der Zollkommission feilten mittlerweile unverdrossen weiter am Marmorblock des Entwurfs. Hatte in der vorletzten Woche Abg. Dr. Heim, der streitbare Zentrumsmann, die Diskussion durch originelle Redewendungen gewürzt, so that dies in der letzlvergangenen Woche Abg. Stadthagen, das redseligste Mitglied der äußersten Linken. Er wusch den Landbundlern mit der „Seife des armen Mannes" gehörig den Hopf und setzte später den aufhorchcnden Hollcgen auseinander, was es mit dem „ethischen" Zweck des Ricinusüls für Bewandtnis habe. Nach der Seite der Erheiterung hin hatte der Herr Exadvokat durchschlagenden Erfolg. Als sachverständiger auf dem Gebiet der Imkerei präsentierte sich der Hom Mission Abg. Dr. Müller-Sagan, der seine Tvktor-Dissertatipn vor Jahrzehnten über die Bienen geschrieben hat. Schade, daß Wilhelm Busch nicht dem Reichstag und der Tarifkommission angehört. Als praktischer Imker hätte er Dr. Müllers Vortrag in zweifellos wirksamer Wetse ergänzen können — falls nicht etwa die Landbündler auf den Einsiedler von Mechtshausen als einen „Honigagrarier" Beschlag gelegt hätten. Im übrigen drang die Regierung in der verflossenen Woche bei einer ganzen Reihe von Positionen mit den Sätzen des Entwurfs durch.
Alles nimmt schließlich ein Ende, und wär's selbst die Etatsberatung im preußischen Abgeordnetenhaus. Auch diese beruhigende Gewißheit verdanken wir der hinter uns liegenden Woche. Es ist vielleicht nicht zu viel gesagt, daß selbst die ältesten Mitglieder des preußischen Parlaments einer so ledernen Etatsdebatte sich nicht entsinnen dürften. Es ist das Verdienst der edlen Polen, wenn zuweilen etwas Leben in die Diskussion kommt. Von allgemeinem, über die Grenzen Preußens hinausgehenden Juteresse war lediglich die erneute Erörterung der Frage der Gleichberechtigung der Real- und der Gymnasial-An st alten, die sich in der Hauptsache um die Fortbildung d e r I u r i st e n drehte. Der redegewandte Ministerialdirektor Atthoff legte dar, daß die Realabiturienten die erforderlichen Henntnijfe im Griechischen und Lateinischen sich unschwer aneignen können, sofern sie nicht ihre ganze Aufgabe darin erblicken, dem obligatorischen Frühschoppen zu huldigen.
Im übrigen gaben die Ehrentage zweier deutscher Fürsten der vergangenen Woche ein besonderes Gepräge: der Geburtstag des Königs von Sachsen und das Regierungsjubiläum des Groß Herzogs von Baden. Der Kaiser ließ es sich nicht nehmen, beiden ehrwürdigen Herrschern persönlich seine Glückwünsche darzubringen, und in Verehrung und Dankbarkeit ist, soweit die deutsche Zunge hingt, der beiden Heldengestalten aus Deutschlands großer Zeit gedacht worden.
In Belgien ist die Ruhe wieder eingekehrt. Einen praktischen Erfolg hat weder die Revolte noch der Generalstreik gehabt. Die deutsche Sozialdemokratie überwies den belgischen „Leidensgenossen" eine Spende von 10 000 Mk. Man muß sich seine eigenen Gedanken darüber machen, wenn man liest, daß der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dietz in einer Versammlung zu Hamburg den belgischen Generalstreik mit dürren Worten eine „D untmljei t" nannte. Zur Unterstützung von Dummheiten sind die Groschen der deutschen Arbeiter doch wahrlich nicht da. Oder glauben die Parteihäuptlinge in Berlin, sich solche „Extratouren" leisten zu können?
In Südafrika ist noch alles beim Alten. Zur Stunde weiß niemand, was noch werden mag. Die drei» wöchige Frist, nach deren Ablauf über Krieg und Frieden entschieden fein soll, neigt sich allgemach dem Ende zu. Zu optimistischer Beurteilung der Sachlage ist jedenfalls kein Anlaß. Ein Teil der Buren, als deren Repräsentant Steijn gelten darf, scheint an der Forderung der Unabhängigkeit unbeirrt festhalten zu wollen. Tauchte doch bereits das Gerücht auf, daß diese Unversöhnlichen in dem Grenzgebiet zwischen Deutsch- und Portugiesifch- Südwestafrika sich eine neue Heimat suchen werden. Vielleicht erfährt man bald, was der Spezialgefandte König Eduards, Lord Wolseley, auf dem Kriegsschauplatz ausgerichtet hat.
Der W a h l k a m p s in F r a n k r e i ch ist zu Ende. Aus dem verhältnismäßig ruhigen Verlauf darf wohl schon entnommen werden, daß die Zusammensetzung der Kammer im großen und ganzen die alte sein wird. Tie Wahl- refuttatc dürften erst in einigen Tagen vollzählig vor- liegcn. Das Kabinett Waldeck-Rousseau bleibt aller Wahrscheinlichkeit noch am Ruder, und der Zar kann Weiter seine Freude an der „Madame Siepublik" haben.
Parlamentarisches ans Hessen.
Tie Gemeindevorstände zu Eberstadt (Kr. Gießen) und Torf. Gill haben in einer an die Zweite Kammer gerichteten Eingabe den Wunsch ausgesprochen, bei der end- giltigeu Festlegung der Bahnlinie Butzbach — Lich möchte eine gemeinsame Haltestelle für die Gemeinden Eber- ladt, Torf-Gill und Hof-Gill in der Nähe von Hof-Gill in Erwägung gezogen werden. Tie Regierung hat auf diese Eingabe ein Schreiben an den Vorsitzenden des 1. Anschusses gerichtet, in dem mitgeteilt wird, daß die Wünsche der Gemeinden Eberstadt (Kreis Gießen) und Tors-Gill im gegenwärtige« Stand der Angelegenheit am zweckmäßigsten an die mit den ausführlichen Vorarbeiten beschädigte ^ernia Lenz und Cornp. in Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 11 gu richten sind. Der Ausschuß beantragt demnach, die Vorstellung für erledigt zu erklären. — In derselben Weise erledigte der Erste Ausschuß die Vorstellung der Gemeindevertretung und Einwohner von Birklar, daß die Bahn an ihrem Orte vorbeigeführt und ihm eine Haltestelle gegeben werde.— Ferner erklärt der Erste Ausschuß die Vorstellung des Vereins Großl). Geometer 2. Kl. b.tröstend Einführung des Instituts der Kreisgeometer, unter V.zug- nahme aus die Verhandlung über die Regierungsvorlage, die Anstellung von Kreisgeometern betreffend, in der Zweiten Kammer uni) den dort gefaßten Beschluß, die Regierung zu ersuchen, demnächst ben Ständen eine Vorlage wegen desinitiver Anstellung einer Anzahl der int Krets- geometerdieiist verwenoeten älteren Geometer 2. Kl. zugehen zu lassen, für erledigt. — Tes weiteren hat der Erste erusschuß über den Antrag der Abgeordneten Schonberg.r und Gelt. betr. den Bau einer Nebenbahn von Reichelsheim nach Fürth beraten. Die Regierung hatte zu diesem Antrag in einem Schreiben vom Id. November v. I. Stellung genommen und dargelegt, daß es durchaus im hessischen Jntereste liege, zunäa)sl die Linie Lindenfels— Bensheim zur Ausführung zu bringen, ehe der Frage btr Erbauung einer Linie Reichelsheim—oünh näher getreten werde, wobei zudem nicht übersehen werden dürfe, daß der vorliegende Antrag anscheinend die Erbauung der letztgenannten zu rund 1460 000 Mk. veranschlagten Linie auf Staatskosten voraus setze, während für die unstreitig wichtigere Linie Lindenfels—Bensheim nur ein Staatszuschuß bewilligt worden fei. Dem weiteren Wunsch der Antragsteller, daß die zur Geländestellung für die Linie Reichelsheim—Fürth erforderliche Geldsumme den interessierten Gemeinden vom Staate vorgeschossen werde, würde voraussichtlich nach Erlaß des neuen Gesetzes über die Landes- Kreditkasse seitens dieser Kaste entsprochen werden können; in anderer Weise einen Vorschuß zu gewähren, würde eine Abweichung von der ganzen bisherigen Hebung darstellen. Ter Ausschuß ist der Ansicht, daß der schon so o,t geforderte Ausbau der Strecke Reichelsheim—Fürth durchaus wünschenswert und geboten ist, schließt sich im übrigen aber der Regierungsäußerung an und beantragt, den Antrag Schönberger und Genossen für erledigt zu erklären.
Te. ^ußgendarmen i. P. Steinbach zu Friedberg hat an die 2. Kammer eine Bitte um Erhöhung seiner Pension nach dem Wenige Monate nach seiner Pensionierung in ftraft getretenen Gesetz betreffend: die Tienstverhältnisse, Nuhegehalte re. der Staatsbeamten gerichtet, welches den Pensionären zu dem Ruhegehalt 10 Proz. von den ersten 10 Tienstjahren mehr zusichert. — Der Universitätsdiener Ruhl in Gießen bittet in einer Vorstellung die Zweite Kammer, ihm die bis zum Höchstgehalte von 1700 Mk. noch fehlende Dienstzeit mit drei Jahren und acht Monaten von seiner als Fußgendarm zurückgelegten Dienstzeit als Besoldungsoordienstzeit in Anrechnung zu brinaen.
Tie Regierung ersucht in einer Vorlage die Zweite Kammer um die Ermächtigung, die für den Aufbau eines dritten Stockwerks auf dem ehemals Greine rschen Haus zur Beschaffung einer Dienstwohnung für den Gärtner der psychiatrischen Klinik in Gießen bewilligten 9300 Mk. zur Erbauung eines kleinen, dem gleichen Zweck dienenden Hausesverwendenzu dürfen. In der Begründung wird ausgeführt, daß bei nochmaliger Prüfung des Entwurfs für den Aufbau sich ergeben habe, daß das verhältnismäßig schmale Gebäude in seiner äußeren Erscheinung durch den Aufbau erheblich verlieren würde und daß es außerdem im Interesse des Anstaltsbetriebes gelegen ist, feine zu hohen Gebäude, von welchen aus man die unruhigen Kranken beobachten kann, in nächster Nähe der Klinik aufzuführen; ferner erschiene es im Interesse des Dienstes und häuslichen Friedens erwünscht, nicht zu viele verheiratete Bedienstete in einem und demselben Hause, in dem jetzt schon der Verwalter, Mechaniker und zwei Heiner wohnen, unterzubringen.
Aas Aegurungs-Iubiläum des KroMrzogs von Ataden.
Hl.
K a rlsruh e, 27. April.
Wie wir im Depeschenteil unserer vorigen Nummer bereits mitteilten, traf der Kaiser am Samstag 9l/? Uhr vormittags in Karlsruhe ein. Nach herzlichster Begrüßung fuhren die hohen Herrschaften nach dem Schlosse, wo der Kaiser von der Großherzogin von Baden empfangen wurde. Um IO1/, Uhr marschirten die vereinigten Männer- Gesangvereine mit Militärmusik und Fahnen vor das Schloß, um mehrere Lieder vorzutragen.
Ter Kaiser nahm nach seiner Ankunft im Schloß den Vortrag dcS Reichskanzlers Grafen Bulow entgegen. Im Verlaufe des Vormittags empfing der Großherzog den Prinzen Friedrich von Sachsen-Meiningen und die Offi
ziere der Deputation des 14. Armeekorps, mit dem fomnian» direndcn General v. Bock und P o l l a ch an der Spitze, die Deputationen des 7. Rhein. Ulanen-Rcgiments, dessen Chef der Großherzog ist, des 1. Scebataillons und die des Offizier- korpS des Panzerschiffes „Baden."
Der Kaiser gratulirte dem Großherzog an der Spitze der Deputationen der badischen Regimenter und überreichte ihm Proben der durch die neuliche Kabinetsordre verfügten Abänderungen auf den Achselklappen, Epauletten und Achselstücken des 11. Regiments. Um llst/z Uhr fand große Gratulationscour statt. Vorher waren Statthalter Fürst von Hohenlohe-Langenburg und Prinz Albrecht von Preußen eingetroffen. Um 12 Uhr hatten vor dem Schlöffe die Truppen der Garnison Karlsruhe Parade-Ausstellung genommen, auch die Kavallerie und Artillerie zu Fuß. Der Großherzog und die Generalität befanden sich auf dem rechten Flügel. Aus dem Balkon des Schlaffes erschienen die Großherzogin und die anwesenden fürstlichen Damen. Ter Kaiser, in der Hand den Marschallstab, ritt, begleitet von den anwesenden Fürstlichkeiten und Prinzen, von der badischen Nalionalnymne empfangen, vom Schloß nach dem Paradeplatz hinüber und begrüßte den Großherzog. General v. Bock und Pollack; brachte ein Hoch auf den Großherzog aus, woraus die Musik wiederum die badische Hymne spielte. Der Kaiser und der Großherzog ritten sodann die Front der Truppenaufstellung unter den Klängen des PräsentirmarscheS ab und nahmen den Vorbeimarsch der Truppen in Zügen ab. Der Kaiser reichte hierauf dem Großherzog die Hand und kehrte, vom Jubel einer ungeheuren Volksmenge, die sich von beiden Seiten über den Rasen drängte, begrüßt, in das Schloß zurück. Im Schloß nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Hierauf fand Familienfrühstück beim großherzoglichcn Paare statt.
Nachmittags empfing der Großherzog den General- adjutanten General der Kavallerie z. D. Bülow.
Kurz nach 3 Uhr nachmittags traf der König von Württemberg zum Besuche des Großherzogs in Karlsruhe ein und wurde aus dem Bahnhofe vom Großherzog und vom Erbgroßherzog empfangen. Unter dem Jubel einer vieltausendköpfigen Menschenmenge fuhren die Herrschaften zum Schloß.
Um 5 Uhr begann in der oberen Gallerie und den anstoßenden Räumen des Schlosses ein Paradediner. Im Verlaufe des Mahles erhob sich der Groß Herzog zu folgendem Trinkspruch:
Gestatten Eure Majestät, in Gegenwart meiner lieben Gäste meinen innigsten, wärmsten Tank dafür auszusprechen, daß Sie mir die Ehre erzeigt haben und die Freude, am heutigen Tage hier zu erscheinen und durch Ihr Erscheinen dem Feste, das gefeiert wird, eine noch viel höhere Bedeutnng zu geben. Eure Majestät wissen, ivas ich damit sagen will, und kennen mich genügend, um zu glauben, daß es keine Worte sind, sondern tiefe Empfindungen, Empfindungen des Dankes, die von alter Zeit für das Haus Eurer Majestät mich bewegt, dein ich doch auch einen kurzen Ausdruck geben darf; denn an dieser Stelle hier war es mir vergönnt, ebenso Allerhöchstihren Herrn Großvater vielfach begrüßen, als auch Ihren erlauchten Vater bei verschiedenen Gelegenheiten mit der Gesinnung zu begrüßen, wie sie sich nur durch langes Leben befestigen läßt. Tiefe Erinnerungen sind mir fo wert und teuer, daß sie die Anivesenheit Eurer Maiestar noch bedeutend erhöhen. Ein Rückblick auf die Vergangenheit erfüllt mich ja überhaupt in diesen Tagen ganz besonders, und es wäre eitle Mühe, ivcnn ich sagen wollte, was mich alles dabei bewegt, denn es ist Geschichte geworden und allgemeines Eigentum. Aber das Eine bewegt mich am tiessten, daß ich lange Zeit habe thatig sein dürfen unter Gottes Schutz und Segen. Ihm danke ich dafür. Meine Wünsche gehen aber noch viel weiter: Sie zielen dahm, daß die Regierung Eurer Majestät in jeder Beziehung eine gesegnete bleiben möge, daß Ihnen Freude, Friede, Zufriedenheit entgegenkomme für alle Ihre Unternehmungen, für alles, was Sie zuin Wohle des Reiches und ich darf hinzufügen, zum Wohle der Armee, im Auge haben und durchführen wollen. Dieser Armee anzugehören, in ihr thätig sein können, gehört zu meiner größten Befriedigung, erweckt in mir die Hoffnung, noch weiter in ihr wirken zu dürfen. Daß für die Zukunft diese Möglichkeit beoorstehe, ist es auch, woraus wir alle hoffen, wonach wir alle streben mit der ganzen Kraft unserer Ueberzeugung. Möge es mir gestattet fein, diese Gesinnungen, die mit ganz besonderer Stärke in uns lebendig geworden sind, zum Ausdruck zii bringen. Möge Eure Majestät uod) lange gesegnet regieren. Wir geben den Ausdruck unserer Empfindungen laut mit dem Rufe: „Seine Majestät der Kaiser und König, er lebe hochl"
Begeistert stimmten die Anwesenden ein, während die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" spiette.
In Beantwortung des Trinkspruches de§ Großherzogs hielt der Kaiser folgende Rede:
Ew. Königl. Hoheit haben die Gnade gehabt, hier am heutigen Festtage auch meiner zu gedenken, und mit tiefbewegtem Herzen ergreife ich das Wort, um den Tank auszusprechen für diese außerordentlich freundlichen Worte, diese zu Herzen gehenden Worte, die Ew. Köntgl. Hoheit soeben gesprochen haben. Wie diese Halle und wie dieser Fleck, an dem auch ich mich entsinne, die erhabene, Ehrfurcht gebietende Gestalt meines hochseligen Herrn Großvaters und neben ihm die Lichtgestalt meines Vaters gesehen zu haben, so birgt das Karlsruher Schloß in allen seinen Teilen für mich Erinnerungen von höchstem Herzenswert, und eS war natürlich, oaß ich den Wunsch hegte, bet diesem so seltenen und einzig schönen Feste, welche- GotteS Huld und Gnade Ew. königl. Hoheit mit Ihrem Hanse descheert hat, auch meinen bescheidenen Anteil nehmen xu können, ©in Vorbild selbst loser, hingebender Pflichterfüllung in der Re gierung, wie in militärischen Verhältnissen, ein lreuerWaffengenosse undFörderer derGedanke- meines hochseltgen Großvaters, ein emsiger n n d eifriger Hüter der erworbenen Schätze und Güter unteres deutschen D o lkes, in allen diesen fcjmr Bordi' c unsere ungern Generation so stehe»


