Ausgabe 
28.4.1902 Drittes Blatt
 
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Lenz'schen Felsenkeller gehörte, vom Bauunternehmer Winn für 35 000 Mark gekauft, und wird durch Neu-^ und Um­bauten aus seinen Erwerbungen, an dieser Stelle, ein zeitgemäßes Hotel schaffen.

l. Hausen b. Gießen, 26. April. Die gestrige Mitteilung unseres t-Aorrespondcnten über eine Typhus- Epidemie in Hausen ist arg übertrieben. Bis jetzt ist ein jüngerer Mann und in einem anderen Hause eine Frau und ihr sechsjähriges Töchterchen von der Krankheit be­fallen worden. Weitere Erkrankungen sind bis jetzt nicht vorgefallen.

h" G a r b c n t c i ch, 26. April. Aus Anlaß des am 6. Juli hier stattsindenden 25jährigen Jubiläums des GesangvereinsFrohsinn" stiften die Jungfrauen eine F a h n e n s ch l e i f e. Sic haben zu diesem Zwecke be­reits nahezu 100 Mark gesammelt. Für den Festplatz sind die schön gelegenen Wiesen rechts der Straße Garbenteich- Steinbach vorgesehen. Das Fest verspricht, da sich diesmal die drei hiesigen Gesangvereine daran beteiligen, recht schön zu werden.

Friedberg, 26. April. Am 19. d. M. fand im Fest- faale des Predigerseminars die feierliche Aufnahme der neuei n getretenen fünf Kandidaten Bender, Gaul, Hoffmann, Schulz und Waas statt. Direktor D. Weisfenbach sprach nach derOberh. Ztg." bei dieser Gelegenheit im Hinblick auf kirchliche Erscheinungen wie dieHeilsarmee" und manche Terle derGemeinschafts- bewegung" auf Grund von 1. Joh. 1, 89 (So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst usw.)von der rechten Art des Sündenbewußtseins bei dem Theologen" (Pfarrer). Er stellte dieselbe ins Licht, indem er an der Hand des Textes ausführte: 1) Ohne ein klares und kräftiges Dündenbewußtsein wird dem Wirken des Pfarrers die beste Kraft, ja die Seele fehlen. 2) Dieses Sündenbewußtsein muß aber sein starkes Gegengewicht haben an dem dauernden Trost der Sündenvergebung und der unvergleichlichen Seligkeit der Gotteskindschaft. Da vom vorigen Semester 7 Herren (Becker, Beyer, Gockel, Gold­mann, Horst, Marguth, Röder) geblieben sind, so stellt sich die dermalige Zahl der Kandidaten auf 12.

S. Biebesheim, 25. April. Der Landwirt Georg Rotherurel XL von hier wurde heute wegen schweren Jagdvergehens in Untersuchungshaft genommen und in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Er hat Wilddieberei in großem Umfange betrieben und das Wild an Frankfurter, Mainzer und Wormser Händler verkauft. Anscheinend hat er auch noch Genossen gehabt, denen man aus der Spur ist, und wird Ivie Angelegenheit weitere Kreise ziehen.

S. D a r m st a d t, 26. April. Wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes hatte sich der Bahn­arbeiter Philipp Schneider, geb. 10. Sept. 1878 in Haßloch, wohnhaft in Rüsselsheim, vor der Strafkammer zu verantworten. Er war durch den zuständigen Bahn­meister beauftragt worden, vom 12. November ab den Barrierendienst an den Pvsten 1, 3 und 5 der Bahnstrecke GustavsburgBischofsheim zu versehen. Am 16. Nov. war nun der Personenzug mittags 3.8 Uhr an dein Posten 5 passiert. An dem fraglichen Posten hielten zwei Fuhr­leute vor der Barriere und setzten ihre Fuhrwerke in Bewegung da dieselbe offen war, um den Uebergang zu passieren; Schneider, der schon den nachfolgenden D-Zug kommen sah, hielt die Leute an, sich zu beeilen; es war aber schon zu spät. Der eine mit Backstein beladene Wagen wurde von der Maschine erfaßt und zertrümmert, Fuhr­mann und Pferde konnten sich retten; der zweite Wagen konnte noch rechtzeitig halten. Sch. wurde in eine Geldstrafe von 40 Mark genommen.

Frankfurt o. M., 26. April. Während der letzten warmen Tage, die dem Tierversandt besonders günstig waren, trafen 50 neue Tieve aus allen Weltteilen ein. Aus den Polargegenden ein Renntier; aus Nordamerika ein Waschbär; aus Afrika eine Herde von 10 sogenannten Sphinx-Afjen", eine übermütige Gesellschaft, die jetzt im Gesellschaftskäfig des Affenhauses das große Wort sührt. Diesen verwandle Tiere, Makaken, kamen von den Sunda- Jnseln, und eine seltene Assenart hat Herr von Hayn in Biebrich dem Garten zum Geschenk gemacht. Auch das Haus für kleine Säugetiere erhielt Zuwachs durch ichneumonartige Tiere. Eine Wasserbock-Antilope, ein Aack, Zebus und diverse andere Wiederkäuer kamen im laufenden Monat im Garten zur Welt. Besonders reich ist der Zuwachs von Bogelarten; prachtvolle, scharlachrote oder buntgefleckte Papageien, Kakadus aus dem australischen Gebiet, Fasanen von Ehina, Japan und Ostindien, kleinere Vögel aus Brasilien, ein Psesferfresser aus Zentralamerika trafen ein. Eine Boa con- strictor aus Venezuela ging der Reptiliensammlung zu, für die jetzt wieder wöchentlich neue Bereicherungen erwartet werden.

Vermischtes.

* Berlin, 26. upril. Wie nunmehr festgestellt ist, hat sich der Magistratssekretär Werkmeister, der be­deutender Unterschlagungen bei der städtischen Spar­kasse beschuldigt wird, gestern in seiner Wohnung durch einen Schuß in die Brust getötet.

* Mannheim, 26. April. Auf dem Rangierbahnhof geriet gestern ein mit Salpetersäure beladener Eisen­bahnwagen durch Selbicentzündung in Brand. Der Brand zerstörte 44 große Korbflaschen. Ter Wagen selbst ging ebenfalls zu Grunde.

Gcrichtssaal.

M. G i e ße n, 25. April. (Strafkammer.) Den Vor­sitz führt Laiidgcrichtsdircktor Dr. Güngcrich, die Anklage­behörde vertritt Gerichlsasscssor Dr. Hitzel. Der Schreiner­geselle Conrad Reinhard aus Lauf bei Nürnberg hat sich unter falschen Vorspiegelungen bei einer Butzbacher Firma Gegenstände im Werte von 2 Mk. erschwindelt. Er verlangte dieselben aus Rechnung und in angeblichem Auf­trage seines Meisters, obwohl er bereits einige Tage ent­lassen war. Der Angeklagte will sich durch diese Manipu­lation für eine ihm angeblich noch zustehende Lohnsorder- ung für geleistete Ueberstunden haben entschädigen wollen. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte bei seinem Dienstaustritt völlig ausgelohilt worden toar und nichts mehr zu beanspruchen hatte. Mit Rücksicht auf die zahl­reichen Vorstrafen des Angeklagten darunter mehrere wegen Betrugs im strafrechtlichen Rückfall erkennt das Gericht wegen des vorliegenden B e t r u g s de li k t s auf eine sechsmonatige Gefängnisstrafe. Der Kaufmann Friedrich Max Börner aus Leipzig-Reudnitz ist des Be­trugs angetlagt. Der Angeklagte war von der Firma Plank u. Schneider in Meßen als Zigarrenrcisender gegen ein monatliches Gehalt von Mk. 100 und Mk. 12 täglicher Reiscsstesen engagiert worden. Er war vom 1. August dis in die ersten Tage des September 1901 thätig, und erhielt an Gehalt und Spesen in dieser Zeit

über Mk. 500. Er hat namentlich zu Beginn seinen Reisethätigkeit eine Reihe richtiger Bestellungen aus­gegeben, die auch von der Firma Plank u. Schneider esfektuiert worden waren, während er in 13 Fällen fingierte Aufträge überschrieben hat. Teilweise hat er mehr als bestellt aufgegeben, teilweise Aufträge gemeldet, die über­haupt nicht erteilt waren. Die Beweisaufnabme ergab, daß die Firma Plank u. Schneider auf Grund der falschen Vorspiegelungen der Aufgabe fingierter Bestellungen insofern geschädigt worden Ivar, als sie diese angeblichen Aufträge effektuiert hat. Es wird dem Angeklagten nun zur Last gesetzt, daß er die fingierten Bestellungen in der Absicht an seine Firma geschickt hat, um diese zu veran­lassen, ihm Gehalt und Spesen weiterhin anszuzahlen, mithin in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Ver­mögensvorteil zu verschaffen und die Anklagebehörde erachtet es als festgestellt, daß die Firma Plank u. Schneider in der That durch diese Vorspiegelungen zu den weiteren Zahlungen bewogen worden ist. Das Gericht hielt diesen Kausalzusammenhang nicht für erwiesen, da nach der Ans­age des Firmenmitinhabers anzunehmen sei, daß die Zahlungen auch bei Kenntnis dieses Sachverhalts erfolgt eien. Weiter erachtet das Gericht die Annahme, der An- ;eklagte habe sich einen rechtswidrigen Dermögensvorteil mrch die falschen Vorspiegelungen verschaffen wollen, für nicht begründet. Der Angeklagte wollte nach Ansicht des Gerichts nicht seine Firma schädigen, vielmehr lediglich ich, bezw. seine Qualitäten als Reisender in ein günstigeres Licht setzen. Bei dieser Sachlage mußte der Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen werden. Der Werkfübrer Heinrich Schmidt III. von Mücke war vom Schöffengericht Grünberg wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und öffentlicher Beamten-Beleidig- ung zu einer vierwöchigen Gefängnisstrafe verurteilt wor­den. Er hat am 16. Oktober v. I. einen Beamten, den Stationsdiätar in Grünberg, während der Ausübung und bezüglich seines Berufs öffentlich beleidigt und dem ge­nannten Beamten, wie auch einem zu dessen Unterstützung zugezogenen Rottenarbeiter, in der rechtsmäßigen Aus­übung ihres Amtes durch Gewalt Widerstand geleistet und ie dabei thätlich angegriffen. Die Strafkammer hält an­gesichts des höchst brutalen Verhaltens des Angeklagten und in Erwägung, daß gerade die Eisenbahnbeamten gegen derartige Brutalitäten energisch in Schutz genommen werden müssen, eine Erhöhung der vom Schöffengericht ver­hängten Strafe für am Platze und verurteilt den Ange­klagten entsprechend dem Anträge der Staatsanwalt­schaft zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Das Laufmädchen Katharina W i n h a u e r aus Gladenbach wird wegen zweier Urkundenfälschungen in Jdeal- konkürrenz mit Betrug bezw. Betrugsversuch, wegen eines vollendeten und eines versuchten Betrugs sowie wegen einer Unterschlagung unter Zubilligung mildernder Um­stände zu zehn Wochen Gefängnis verurteilt. Der Tag­löhner Heinrich Sandrock von Langenhain ist der ge­meinschaftlich begangenen Delikte der zudem mittels eines gefährlichen Werkzeugs verübten Körperverletzung und des H a us fr ie d ens b r u chs beschuldigt. Wegen der Körperverletzung erhält er eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten, auf welche drei Wochen der Untersuchungshaft als verbüßt aufgerechnet werden; einen selbständigen Hausfriedensbruch erachtet das Gericht nicht für vorliegend, da das Eindringen in die Bretterhütte, in welcher die Mißhandlung erfolgte, lediglich in der Absicht ftattgefunden habe, um die Körperverletzungen auszuführen. Gegen den Schlosserlehrling Friedrich Am end, den Schreiner­lehrling Alexander Kuhl, den Steinhauerlehrling Karl T ö d t, den Kaufmannslehrling Adolf Kahn, den Schlosser Karl Weber und den Metzger Wilhelm Krauskopf wird unter Ausschluß der Öffentlichkeit wegen Verbrechens aus § 176, 3 bezw. 182 St.-G.-B. verhandelt. Das Urteil wird am 29. d. M. verkündet werden. Ter Weber Hein­rich Konradi von Lautern war vom Schöffengericht Grün- berg zu drei Tagen Haft verurteilt worden, weil er mit Steinen wider ein fremdes Gebäude geworfen hatte. Ueber- tretung des § 366, 7 St.-G.-B. Die heutige Verhandlung ergab die völlige Unschuld des Angeklagten, weshalb der­selbe von Strafe und Kosten freigesprochen wurde. Der Zimmergeselle Karl Fröber und der Mechaniker Her­mann Walter sind des Einbruchdiebstahls ange­klagt. Die Angeklagten mußten in der vorjährigen Verhand­lung von der Anklage des Diebstahls freigesprochen werden, da drei Zeugen ihr Alibi unter Eid nach wiesen. Zwischen­zeitlich sind zwei dieser Zeugen wegen Meineids und die beiden Angeklagten wegen Anstiftung zum Meineid ver­urteilt worden, sodaß das Verfahren wegen Diebstahls zu Ungunsten der Angeklagten wieder ausgenommen werden konnte. In der heutigen Verhandlung gestanden die beiden Angeklagten den Einbruchsdiebstahl unumwunden zu. Die weitere Verhandlung wurde auf Dienstag, den 29. d. M. vertagt.

Frankfurt a. M., 26. April. Vor der Strafkammer hatte sich heute der Heizer und stellucrtretende Lokomotivführer Christ und der Hilfsheizer Peters wegen fahrlässiger (Gefährdung eines Eifenbahnzuges zu verantworten. Es handelt sich um das Eisenbahnunglück im hiesigen H a u p t b a h n h o f vom 6. Dezember v. I., wobei in aller Frühe der Kurierzug 54, von Mainz kommend, bnrd) die Perronhalle bis in den Wartesaal 1. Klasse fuhr. Der Zug hatte 16 Achsen und wurde von Christ als Lokomotivführer in Bmgerbrück übernommen. Er giebt an, in Mainz sei noch alles in Ordnung gewesen, aber vor Franksurt müßten die Absperrhähne die Funktion versagt haben. Er habe 1500 Mir. vor der Kopsstation gebremst und auch der Heizer Peters habe die Hebelbreusie gezogen, allein alles sei ver­geblich gewesen, der Zug sei erst im Wartesaal nun Halten gc- tommen. Es sind eine Menge Zeugen imb 6 Sachverständige geladen. Tie Verhandlung dauerte von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags. Lokomotivführer Christ wurde nur zu 100 Mk. Geld- slrase verurteilt, weil er nicht nnterwegs für genügenden Lustdruck gesorgt hatte, sodaß das Bremsen bet der Einfahrt in ben Haupt' bahnhos nicht mehr wirkte. Ter Heizer Peters wurde frei- gesprochen.

Kunst und Wisscuschajl.

Berlin, 26. April. In Charlotten bürg wurde heute mittag die S e z e s s i o n s a u s st e l l u n g eröffnet. Nach einer Aiisprache Liebermanns begrüßte Oberbürgermeister Schustehrus die Sezession zum 5. Male in Charlottenburg und beendete seine Rede mit einem Hoch aus Se. Maj. ben Kaiser.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Fabrik feuerfester und säurefester Produkte. Dr. Pauli in Berlm soivie 82 andere Aktionäre, die eipen erheblichen Besitz an Aktien der V. und VI. Million der obigen Gesellschaft haben, haben durch Justizrat Dr. Julius Stadthagen und Rechtsanwalt Dr. Alfred Eijenslaedt den Aiitrag auf Löschung dieser beiden Millionen m 3 dem Handelsregister gestellt. Der Aiitrag stützt sieh daraus, daß von dein früheren Vorstände wissentlich falsche E r k l l ä r n n g e n wegen der Einzahlimgen resp. Vollzahlungen abgegeben sind. Hierzu komnrt noch, baß bei ber V. Million die

abgegebene Erklärung auch formell mit ben Vorschriften des H. G. B. in Widerspruch stehe. Die fragliche Beurkundung bei der V. Million lautet, daß die Aktien begeben feien, während Artikel 210 H. G. B. Bedangt, daß der eingeforderte Betrag baar eingezahlt und im Besitz des Vorstandes sei.

Kpirlplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 29. April*):Die lustigep Weiber von Windsor/ Mittwoch den 30. April geschlossen. Donnerstag den 1. Mai: Neu einstudiert:Die weiße Dame." Freitag den 2. Mai, abends halb 8 Uhr:Das süße Mädel." Samstag ben 3. Mai: Erstes Gastspiel bes f. k. Kammersängers Herrn Franz Naval vom Hof­operntheater in Wien:Martha" oberDer Markt zu Richmonb." Sonntag ben 4. Mai:Die weiße Dame." Montag ben 5. Mait Zweites unb vorletztes Gastspiel bes k. k. Kammersängers Herrn Franz Naval vom Hosoperntheater in Wien:Carmen."

Schauspielhaus.

Dienstag den 29. April*):Tügendbof." Mittwoch ben 80. April: ,)Die Zeche." Hierauf:Fritzchen." Zum Schluß: Abu Seid." Donnerstag ben 1. Mai, abends halb 8 Uhr: Alt-Frankfurt." Freitag ben 2. Mai:Die rote Robe". Samstag den 3. Mai:Der Meineidbauer." Sonntag ben 4. Mai: Gast­spiel des Herrrt Direktors Konr. Dreher:Jägerblut." Montag ben 5. Mai: Zweites und letztes Gastspiel des Herre Direktors Konr. Dreher:Die beiden Reichenmüller."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Eisenach, 27. April- Der Kaiser ist heute früh acht Uhr hier eingetroffen und vom Großherzog, dem preu­ßischen Gesandten in Weimar Prinzen von Ratrbor, und den Spitzen der Militär-»und Zivilbehörden empfangen wor­den. Nach herzlicher Begrüßung begab sich der Kaiser, welcher Jagduniform trug, mit dem Großherzog zur Wart­burg. Ein zahlreiches Publikum brachte den hohen Herr­schaften lebhafte Ovationen dar. Der Kaiser nahm vor­mittags am Gottesdienst in der Wartburgkapelle teil. Ober- hofprcdiger Spinner-Weimar hielt die Predigt. Zur Früh­stückstafel waren geladen die Gefolge und Maler Oetken aus Berlin.

München, 27. April- Graf Wald er se e war heute nachmittag beim Prinzregenten zur Tafel geladen. Ferner waren anwesend der preußische Gesandte Graf Monis, die übrigen Mitglieder der preußischen Gesandtschaft, Minister Graf Crailsheim, Frhr. v. Asch, sowie eine Anzahl höherer Offiziere. Heute abend giebt der Prinz Arnulf zu Ehren des Grafen Waldersee ein Souper. Morgen abend reist der Feldmarschall nach Dresden ab.

Kopenhagen, 27. April- Eine heute nacht ab­gehaltene Generalversammlung der zusammenwirkenden sozialdemokratischen Fachvereine beschloß die bereits früher angekündigte, aber wieder verschobene Aus­dehnung des Aus st and es der Hafenarbeiter und See­leute auf alle dänische Häfen. Zugleich wurde be­schlossen, Maßnahmen zu treffen und den Ausstand aller Kutsche r, welche mit dem Transport von Gütern in den Häfen beschäftigt sind, in die Wege zu leiten.

L on d o n, 27. April. Wie die Blätter melden, giebt die Sage in Irland Anlaß zu ernsten B e f ü r dP u n g e n. Ein Aufstand bereitet sich vor. Im £ > wurden mehrere Waffendepots entdeckt. 20000 schar. ttronen wurden in den letzten Tagen nach Irland gefant <

Brüssel, 27. April. Zwei Grenadiere si. (Ge­fängnis abgesührt worden, wahrend den übrigen such einer Wirtschaft in der Nähe der Kaserne verböte de. Tie beiden Verhaftungen und das Verbot des Bes .er Wirtschaft sollen mit einem Komplott zusammen . t, welches mehrere Grenadiere gegen den Prinze b er t organisiert hatten. Der Prinz soll in großer t ' geschwebt haben, falls er sich während der Unruhe, die Spitze der Grenadiere gestellt hätte, um gegen die rührer zu marschieren.Petit Bleu" kündigt für mow - die Veröffentlichung einer großen Reihe sensationelle i Berichte über Lord Roberts an. Diese Daten, \ sagt das Blatt, befinden sich bereits seit längerer Zeit ü. unferm Besitz. Wir haben aber bisher gezögert, sie zu veröffentlichen.

Schloß Loo, 27. April- Nach einer ruhigen Nacht ist der Zustand der Königin als b e f r i e d i g e n d anzu­sehen. Das nachmittags ausgegebene Bulletin lautet: Das Befinden der Königin ist bis zur Stunde andauernd befriedige nd.

Paris, 27. April. Anläßlich des Ablebens des Vize­admirals Menard drückte der deutsche Militärattache Siegel im Auftrage des Kaisers dem Marineminister und der Familie Menard Beileid aus und legte am Sarge einen Kranz mit dem Monogramm des Kaisers nieder.

Madrid, 27. April. Ministerpräsident S a g a st a er­klärte in der Kammer, die Verhandlungen, welche in Rom mit dem Vatikan geführt wurden, hatten zum einzigen Gegenstand einen Artikel des Konkordats, in dem die Kon­gregationen aufgezählt sind, welche in Spanien be­stehen dürfen.

Lissabon, 27. April. Die Deputiertenkammer nahm den Gesetzentwurf betreffend die Konversion der äußern Schuld an.

Rom, 27. April. DieTribuna" meldet: Kriegs­minister Graf Ponza di San Martino trete wegen der Opposition, die seine militärischen Projekte in ber Kom­mission der Deputiertenkammer finden, von seinem Posten zurück. Gerüchtweise verlaute, daß der kommandierende General des 2. Armeekorps (Rom), Generalleutnant Be- s o z z i, an seine Stelle trete.

H Todes-Anzeige. B

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine I

H treue Gattin

I Margarethe Deßler, |

geb. Finzel,

©B nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden zu sich I M zu rufen.

Gießen, den 26. April 1902. 3347 I

Der trauernde Gatte:

Fcrd. Heßler.

W Die Bcerdigllng findet statt: Montag den 28. April, I nachmittags 3 Uhr, von den neuen Kliniken.