Ausgabe 
27.12.1902 Drittes Blatt
 
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Propaganda der Sozlaldemokratt e, welch« %wc Erreichung ihrer Ziele in der Wahl ihrer Mittel nicht wählerisch ist, doch allen staatserhaltenden Parteien eine gewisse Be- iorguis ein. Tas traurige Geschick des Geheimen Rat Krupp, das unmittelbare Folge eines sozialdemokratischen An­griffes war, der ganz gleichgiltig, ob das Material auf Wahrheit beruhte oder nicht, von selten niedriger Denkart zeugte, hat vor allem den: Kaiser aufs neue Gelegenheit geboten, die deutsche Arbeiterschaft fort von der Sozial­demokratie zu rufen, und die begeisterten Zustimmungen, die dem Kaiser aus Anlatz seiner Reden in Essen und Breslau von der Arbeiterschaft selbst zugingen, lassen uns Hie die kommenden Wahlen hoffen, daß dem Vordrängen der Sozialdemokratie enalich Halt geboren wird.

Unser wirtschaftliches Leben stand noch immer unter der Nachwirkung des vorjährigen Krachs. Handel und Wandel lagen, wenigstens in der ersten Hälfte des Jahres, noch völlig darnieder. Handelte es sich doch auch damals noch mehr um die Liquidierung der Rückstände im vorigen Jahr. Treberprozeß, Sanden-Prozeß und Leipziger Band-Prozeß wurden zu Ende geführt. Aber währens in Amerika unter der Aegide Morgans Ströme von Geld sich in alle Kanäle von Industrie, Handel und Verkehrsunter­nehmungen ergossen, wirkte dieser amerikanische Geldüber- sluß auf uns beängstigend und lähmend zurück. Man hatte bei uns allen Mut verloren. Bleiche Furcht vor Morgan machte sich überall bemerkbar. Aber auch diese Zeit ging vorbei, noch sind wir ja nicht vermorganisiert, vielmehr können wir mit Freude konstatieren, daß sich gegen Ende des Jahres wieder lebhafteres Vertrauen zeigt. Es geht ja nur sehr langsam, aber es geht doch vorwärts.

Wir schließen hieran noch eine Zusammenstellung für die Geschichte des Jahres bedeutsamer Daten, auf die des näheren einzugehen, der Raummangel verbietet:

16. Januar Landrat v.Bennigsen-Springe wird vom Domänen­pächter Falkenhagen im Duell erschossen.

20. Januar Brand des Stuttgarter Hoftheaters.

5. Februar. Dewet durchbricht den englischen Cordon mit Hilfe einer Ochsenherde bei Lindley.

15. bis 22. Februar. Straßenunruhen in den russischen Uni­versitätsstädten, ferner in Katalonien und Norditalien; überall blutige Zusammenstöße mit dem Militär.

6. März. Abschluß der Brüsseler Zuckerkonvention.

8. März. Lord Methueü von Delarey bei Tweebosch ge­fangen genommen und geschlagen.

22. März. Beginn der Friedensverhandlungen bei Pretoria. 31. März. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Lieber stirbt in Camberg.

20. April. Tod des Fürsten Heinrich XXII. Reuß ä. L.

30. April. Im Wiederaufnahmeverfahren des Krosigk-Pro- zesies werden Marten und Hickel freigesprochen.

8. Mai. Zerstörung der Stadt St. Pierre auf Martinique durch einen Ausbruch des Mont Pels.

31. Mai. Unterzeichnung des Friedensvertrags in Pretoria. 19. Juni. König Albert von Sachsen stirbt in Sibyllenort. 24. Juni. Torpedoboot 8 42 wird in der Elbemündung von dem englischen DampferFirsby" überrannt.

28. Juni. Verlängerung des Dreibundes.

7. Juli. Unfall Chamberlains bei einer Droschkenfahrt.

11. Juli. Rücktritt Salisburys, an dessen Stelle Balfour tritt. 14. Juli. Einsturz des Campanile in Venedig.

20. Juli. Der Hamburger DampferPttmuß" wird vor Blankenese von dem SchlepperHansa" überrannt, über 100 Personen kommen dabei ums Leben.

7. August. Tod Rudolfs v. Bennigsen.

28. August. Katholikentag in Mannheim.

4. September. Unfall des Präsidenten Roosevelt durch Zu­sammenstoß seines Gefährtes mit der elektrischen Straßen­bahn.

5. September. Rudolf Virchow stirbt.

19. September. Tod der Königin Henriette der Belgier.

24. September. Präsident Roosevelt muß infolge des Un­falles vom 4. September sich einer Operation unter­ziehen.

19. September. Tod Emile Zolas.

14. Oktober. Beendigung des amerikanischen Grubenarbeiter- Ausstandes durch em Schiedsgericht.

3. November. Tod Heinrich Rickerts.

5. November. Beschießung von Midi durch die Italiener.

15. November. Mißglücktes Attentat auf den König der Belgier.

22. November. Tod des Geh. Rats Krupp.

26. November. Rede des Kaisers in Essen gegen die Sozial­demokratie.

5. Dezember. Rede des Kaisers in Breslau an die Arbeiter­schaft.

7. Dezember. Deutschland stellt an Venezuela mit England zusammen ein Ultimatum.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Dezember 1902.

** Gedenktage. Als Sohn eines reichen Kaufherrn wurde am 29. Dezeniber 1809 der liberale englische Staats­mann William Ewart Gladstone in Liverpool ge­boren. Trotz der äußerlich neutralen Haltung im deutsch- französischen Kriege bewies er deutliche Sympathien für Frankreich. Gladstone erlitt verschiedene Niederlagen im Parlament, die ihn aber in seinem Amte nie abschrecken konnten. Die beschämende Niederlage englischer Truppen durch die Buren, die Beschießung Alexandrias nach Arabi Paschas Aufttand, die Preisgabe Gordons in Chartum er­regten große Mißstimlimng gegen Gladstone, sodaß er 1885 bei einer unbedeutenden Frage sein Amt niederlegen mußte.

♦♦ Aus Ar abungen. Nachdem einige Zeit die Aus­grabungen in der Lindener Mart geruht hatten, machten die Herren Lehrer B. und E. aus Klein Linden einen Fund, der geeignet ist, ein helles Streiflicht auf die Lebens- gewohnhciten der Bewohner unserer Gegend in der Hall- stcünzeit zu werfen. Tie Herren glaubten an einer bc- stimmten Stelle ein Skelettgrab vermuten zu dürfen, beim Einschlag sanden sich die Kncxhen eines Wiederkäuers, welche sich bei näherem Besehen als die eines Pferdes erwiesen. Dieselben zeigten an chrer Oberfläche feine Riefelungen, welche von einem um die Erforschung unserer prähistorischen Zeit hochverdienten Philologen als menschliche Zahnspuren, herrührend vom Nagen an jenen Knochen, gedeutet werden, während die Interpretation derselben als Derwitrer-Mgs-

puren abzulehnen fei. Der Sachverständige war so Mig, uns seine Meinung über den Fund auszusvrechen, nchin gehend, daß in jener Zeit offenbar Pferdefleisch verzehrt worden wäre, im Widerspruch mit der weitver­breiteten Meinung- daß das Pferd als heiliges Tier des Wotan unverletzlich gewesen fei. Die Möglichkeit läge vor, daß jene Hallstadtleute einmal im Falle großer Not Pferde­fleisch verzehrt Hütten, oder daß bei der eventuell schon damals bestehenden Fleischnot der Pferdefleischgenuß all­gemein verbreitet war. Für den letzteren Umstand spräche Die große Menge gefundener Knochen. Vielleicht wäre auch zu bedenken, daß das tiefe religiöse Gefühl unserer heid­nischen Vorfahren diese vom Pferdefleischgenuß zurückge­halten hätte, und daß es sich nicht um einen germanischen Stamm handelt, sondern daß es Kelten gewesen seien. Ta- gegen sprächen allerdings wieder Gesichtspunkte aus der lettischen Philologie. Daß thalsächlich lenes Fleisch verzehrt wurde, ist daraus wahrscheinlich, daß in derselben Sand­grube bereits vor längerer Zeit Herdstätten mit verbrannten Knochen und Geschirr Überresten gefunden wurden. Eine dieser Scherben zeigte feine linsenförmige Vertiefungen, die unser Gewährsmann als Eindrücke von Stoppeln her­rührend aussprach. Daraus folge, daß zu jener Zeit bereits der Gebrauch der Sichel bekannt war. Ob damals die Arbeitsteilung bereits soweit gediehen war, daß das Schlachten der Pferde besonders dazu ausgebildeten Per­sonen oblag, ließe sich allerdings nicht ermitteln. Wir übergehen die weiteren scharfsinnigen Folgerungen, welche boduhmr dem Wissenschaftler verständlich wären und welche nur mit größter Akribie und Eleganz mitgeteilt werden. Eine Mitteilung, die wir dem Herrn Sandgrubenpächter Bechthold in Lützellinden verdanken, dürfte allerdings ge­eignet sein, den Fund in einem anderen Lichte erscheinen zu lassen. Dieser sagte nämlich, daß sich, vor gar nicht weit zurückliegender historischer Zeit an jener Stelle ein Abdeckerplatz befunden habe und daß vielleicht die ge­fundenen Knochen von diesem herrühren dürften, während Die Herdstätten vielleicht daher kämen, daß er in der Sand­grube zeitweilig Kaffee zu kochen pflege.

"Aus dem Theaterbureau. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß heute der erste Charakterdarsteller des Frankfutter Schauspielhauses, Herr Max Bayr- hammer, alsFranz" in SchillersDie Räuber" gastiett. Der Künstler zählt diese Rolle zu seinen hervorragendsten Leistungen. Morgen (Dienstag) wird als 6. Volks - Vorstellung Adolph L'Arronges beliebtes Volksstück mit GesangMein Leopold" gegeben. Für den Neujahrs­tag sind zwei Vorstellungen vorgesehen. Als Nachmittags- Vorstellung zu ermäßigten Preisen geht zum letzten Male in dieser Saison das amüsante neue Lustspiel von Blumenthal und KadelburgDas Theaterdorf" in Szene, abends gelangt die große GesangSposseHöhere Töchter" zum ersten Male zur Aufführung.

I. GrÜningen, 27. Dez. Auch in diesem Jahre rourbe eine hiesige hochbetagte arme Witwe, deren Sohn einst im Gießener Braunsteinbergwerk ums Leben gekommen ist, von Herrn Fe rnie mit einem ansehnlichen Weihnachtsgeschenk hocherfreut.

§ Butzbach, 28. Dez. Der hiesige Turnverein veranstaltete gestern Abend im Saalbau desHessischen Hof" seine erste größere Vereinsfeier in diesem Winter. Dieselbe war sehr stark besucht und verlief zur vollsten Zufttedenheit der Teilnehmer. Auch die heutige Weihnachtsfeier des evangelischen Arbeitervereins Butzbach in demselben Lokale war eine Veranstallung, die zahlreich be­sucht gewesen und sehr schön verlaufen ist.

k. Friedberg, 28. Dez. Der Direktor i. P. Schäfer ist hier gestorben. Herr Schäfer war der erste Direktor an der hiesigen Großherzoglichen Blindenanstalt und trat erst vor einigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Er hat ein reichgesegnetes Leben hinter sich und stand bereits in den 80er Jahren. Dem hiesigen Stadtkirchenbauverein wurde dieser Tage das Vermächtnis von Fräulein Herpel in Höhe von 5000 Mk. ausbezahlt.

r. Nieder-Mockstadt, 26. Dez. Heute Morgen hat sich der 18jähttge Sohn des Kaufmanns Liebmann Halber­stadt, der seither als Schneider in der Fremde war, er­schossen. Motiv zu der That ist unbekannt.

p* Ober-Widdersheim, 24. Dez. Am vergangenen Montag ist im hiesigen Basaltwerk durch eine eingestürzte Wand ein junger Mann aus dem benachbatten Rodheim erschlagen worden. Derselbe blieb auf der Stelle tot.

p. Hainchen, 27. Dez. Gestern feierten die Eheleute Heinrich Reichard I. das Fest der goldenen Hochzeit. Von 18801898 war Reichard Bürgermeister unseres Ottes, welches Amt er dann mit Rücksicht auf sein hohes Alter niederlegte.

m. Grünberg, 17. Dez. Heute verschied der Rektor der höheren Bürgerschule, Herr Dr. Busch, infolge eines Herzschlags. Derselbe war zu seinem in Berlin wohnenden Bruder gereist, wo ihn dieser jähe Tod ereilte.

st. Groß-Felda, 27. Dez. Heute hielt der Real­gymnasiallehrer Kahl aus Darmstadt im hiesigen Otts- gewerbeoerein einen Vortrag über das Thema: Welche An­forderungen stellt die Gegenwatt an die Ausbildung der Handwerker? Herr Kahl verbreitete sich mit großer Sach­kenntnis, gewürzt mit einem frischen Humor, über die Aus­bildung der Lehrlinge in Werkstatt und Schule und machte die Versammlung mit den wichtigsten Bestimmungen der Ge­setze und Statuten über die Organisation des Handwerks, über Gesellen- und Meisterprüfungen bekannt.

g. Geiß-Nidda, 26. Dez. Am 24. Dezember wurde in hiesiger Kirche von Schülern der Oberklasie das Weihnachts­festspielGlaube, Liebe, Hoffnung" aufgeführt. Als Ein­leitung trug das Männerquattett einen Weihnachtsgruß vor. Die Einzeldarstellungen, wie das Zusammenspiel der Schüler gelangen vorzüglich. Die eingelegten Schülerchöre wurden recht präzise vorgetragen. Tas Festspiel machte auf alle An- wesenden einen erhebenden Eindruck; es war eine würdige Chttstfeier. Schon 1/2 Stunde vor Beginn der Feier war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Still und andächtig lauschte die Menge bis zum Schlüsse.

B. Grebenau, 27. Dez. Schon mehrmals wurden die an der Kreisstraße von hier nach Udenhausen angepflanzten Lindenbäumchen beschädigt oder abgeknickt. In vergangener Nacht ist wieder eins der schönsten, beinahe armdicken Bäumchen mit einem Mester abgeschnitten worden. Vom Thätcr hat man keine Spur.

Toteuliste für das Jahr 1902.

(Nachdruck verboten^ ES sind gestorben:

e. von sonstigen deutschen Beamten im Staat», dien st i aktiv und nicht mehr aktiv:

Senatspräsident beim Reichsgericht Tr. Tähnhardt am 21. 1. ln Leipzig, Gouverneur Kohler von Togo am 19. 1. in Lome, früherer Senatspräsidenl beim Lderlandesgericht in Hamm Geh. Lber- justizrar Sck)wiele am 27. 1. in Hamm, Vorsitzender des deuischen Amvalloerems Geh. Jtlstizral Blecke am 29. 1. in Leipzig, ipeh. Regieruiigsrat Dr wed. Geißler, Direktor des Slanslischen Bureaus m Dresden am 5. 2. in Dresden, Senatspräsidenl a. T. Geheimrat Dr. v. Staudinger am 3. 2. in München, Präsident des Reichsaufsichtsamts für Privalversicheruna Wirtl. Geh. Ober- Regierungsral Dr. v. Woedrke am 22. 2. in Wiesbaden, Mummet- gerichlsrat a. D. v. Uechlritz-Stemkirch am 7. 3., deutscher Honjul in Bordeaux Walther Tietz am 15. 2. in Bordeaux, deutscher Konsul Steppuhll in Baku am 12. 3., früherer Staalsiekrelär von Elsaß-Lothringen Wirtl. Geheime Rat Kart Herzog am 24. 3. ui Berlin, Wirkt. Geh. Lberbaurat Slreckert am 13. 4. m Berlin, Präsident des Lber-Berwaltungsgenchts Wirkt. Geh. Rai Tr' Kügler am 24. 5. in Berlin, Geh. Oberiuslizral und früherer Landesgerichtspräsidenl Schultheis Mille Mai in Marburg, Ge­heime Baurat Adolf Heyden am 11. 6. in Berlin, Wirtl Geheime Obersinanzrat Lehmann am 11. 6. in Berlin, Laiidesgenchtsdireklor Kammerherr Frhr. von Hügel am 19. 6. in Tübingen, deutscher Konsul Wilhelm Heinssen am 4. 7. in Puerto Plata, Lande»- gerlchtspräsidenl Geh. Oberjustizrat Lützeler Anfang Juli in Köln, Oberbaurat Karl Prenmnger am 11. 7. ui Reichenhall, Landes- gerichtspräsident Geh. Oberjustizrat Richard am 12. 7. in Denn« brück, deulfcher Konsul Hermann von Bremen in Ankona am 28. 7., Ministerialrat a. D. Wilhelm von Behringer am 29. 8. in München, Regierungspräsident von Niederbayern Ludwig von Meixner am 1. 9. zu München, früherer Oberpräsidenl von Pom­mern von Behr-Negendank am 8. 9. auf Semlow, Geh. Re­gierungsrat Hofsmann früherer Oberbürgermeister von Königsberg am 5. 9., bayrischer Kämmerherr Gras Lothar v. Hegnenberg-Dux am 6. 9., Handelskammersekretär Prof. Dr. Nies-Worrns am 21. 9., früherer Präsident des Oberverwaltungsgerichts Wittl. Ge­heime Rat Persius am 20. 9. in Berlin, Oberpräsident von '13e|i- preußen v. Goßler am 29. 9. in Danzig, Generalslaatsanwalt Paul Schlippe am 10. 10. in Darmstadt, Geh. Baurat Wilhelm Bock­mann am 23. 10. in Berlin, Wirkl. Geb. Ober-Regierungsral a. D. Christoph Hucke am 25. 10., Wittl. Geh. Ober-Jiqiizrar Florschütz, Oberlandesgerichtspräsident, am 31. 10. in Kiel, König!. Ganen- baudirektor Karl Lackner am 10. 11. in Steglitz, Bayerischer Landeskonsulent für Fischerei Alfred Schillinger am 16. 11. in München, Ministettalrat Otto Ritter v. Schubert am 20. 1L in München.

tuen deutschen Beamten in städtischen Diensten und bekannten ausländischen Staatsbeamten. Stadtbaurat James Hobrecht am 9. 9. in Berlin, Stadtrat Mam- roth am 23. 9. in Berlin, früherer Polizeipräfekt müer Napo­leon III. Pietri am 5. 1. auf Koffika, Gouverneur von französisch Westafrika Ballay am 27. 1. in St. Louis (Senegambien), früherer Vizekönig von Indien, Lord Dufferin am 12. 2. in London, früherer Adjutant des Kaisers Maximilian von Mexiko, Graf Lud­wig von Sternberg-Rudelsdorf am 4. 2. in Innsbruck, Direktor des russischen Staatsarchivs Baron von Stuart Ende Aprü in Petersburg, belgischer Generalkonsul Georg Goldberger in Berlin am 12. 8., russischer Staatsrat v. Wied am 5. 9. in Zürich.

g. von aktiven Militärs.

Generalleutnant Eugen v. Keyler, langjähttger Kommandant von Königsberg 16. 1. Berlin, Hauptmann vom Lustschifferbataillon Aeronaut Bartsch von Sigsfeld verunglückt 1. 2. Zwyndrechl bei Antwerpen, Major Christ, Kommandeur des 3. Seebataillons 14 2. Tsingtau, Oberleutnant Schulte von der Schutztruppe Ansang März Kamerun, Generalmajor Freiherr v. Feilitzsch 18. 6. Ger­mersheim, Generalmajor o. Nirnheim 27. 6. Wetzlar, Cberfi v. Ziegler, Kommandeur der Kttegsschule in Potsdam 22. ö., Generalleutnant Fritz Gras Waldersee Anfang Oktober Schwerin i. Meckl., Oberft Eduard von Pannewitz, Ches des Generalstads des 3. Armeekorps 15. 11., General Hennequin vom belgischen Generalstab 24. 3. Brüssel, Feldzeugmeister Graf Grünne 2. i Dobersberg, General Graf Andreas Palffy 15. 4. Wien, Bize- Admiral 3Ji6narb 20. 4. Paris, Amerikanischer Admiral Sampson 7. 5. Washington, Italienischer Admiral Magnaghi 21. 6. Spezia, Generalaojutant Oberst Forestier Walker verunglückt 31.7. Heluan (Egypten), Burengeneral Lukas Meyer 8. 8. Brüssel, Feldzeug­meister Baron Thoemmel 4. 8. Peuma bei Görz, französischer General Temassieux 16. 8. Martigny-les-bains, französischer üon- tre-Admiral Merleaux-Ponty 80. 8. Paris, französischer Brigade- General de la Noö 1. 9. Paris, englischer Admiral Watson 24. 9. Malta, russischer General Guttschm, Kommandant von Wilna, 28. 9. Wilna, General Chttstian Botha 28. 10. Koksstadt (Oft* gttqualand). (Forts, folgt.)

Ist ein Tyeaterunteruehmer berechtigt, Iersouen vom tz-eateröesuch auszuschtreßen §

Von Tr. jur. Richard Treitel.

Man sollte meinen, das Bild eines sich vor Entzücken über den Zustrom des Publikums die Hände reibenden Theaterkassierers seiden Unternehmern sv sympathisch, daß es ihnen nie entfalten kann, in die Lage zu kommen, darüber nachHudenken, ob sie berechtigt seien, eine bestimmte Person vom Theaterbesuch auszuschließen. Und mit dieser Meinung hat man wohl auch Recht. Aber es ilsh eben nicht alles Publikum", was ins Theater geht. Es giebt and) Rezen- sent en. Es fragt sich^ ob diese oder überhaupt irgend welche Personen nach dem besteheitden Recht von öffenÜtchM ,Veranstaltungen ausgeschlossen werden können.

Ueber eine Reihe von Theaterunternehmungen, bei denen dies Recht nach der übereinstimmenden Meinung der Theaterrechtsschriftsteller unbedingt ausgeschlossen fll, kann rasch hinweggegangen werden. TaS sind solche, dte der Staat oder eine andere öffentlich-rechtliche Kvrporatton betreiben. Es würde sich in diesem Falle um publizistische Anstalten handeln, die ihrem Wesen ita.l)| der Benutzung jedermanns offen stehen, der das seinerseits Erforderliche gethan hat, um der Benutzung teilhaftig zu werden. In diesem Falle ist also ein Ausschluß mißliebiger Personen rechtlich unzulässig.

Weit wichtiger für unsere Theaterrechtsverhältnisse ist es, ob für ein von Privatpersonen betriebenes Theate^ unterttehmen ein Kontrahierungszwang besteht, xa» Theaterbillet ist rechtlich ein Inhaberpapier. Tas heißt: Jeder Inhaber ist berechtigt, die Leistung entgegenzüney- men, dte der Aussteller des Inhaberpapiers durch die uus* gäbe dem Inhaber als solchem verspricht. Auf diesem sehr leicht zu begehenden Umwege kann also auch der ver­haßteste Ktttiker ins Theater kommen. Schon daraus geht die Unhaltüarkeit des Satzes hervor, daß es überhaupt ein Recht auf Theaterausschlüß geben kann. _

Nicht so ganz einfach ist die Begründung die,es -satzes. Man hat eine Theorie des rechtlichen Rlonopols D?» Theaterunternehmers aufgestellt. Tiefe Theorie würde Je­doch nur bann richtig sein, wenn wir wirklich ein Theater­monopol Hütten. ..

Andere sprachen von der Theorie des thatjachltchen Monopols aus das Auvschlußrecht dem Vieaterdireno ab. An recht vielen Orten befände sich nur ein Theater, und es sei faktisch kaum möglich, daß sich ein -w"! daneben austhun würde. So bestünde rein faktisch em uco- nopol des Theare»-'in^''nebm^rL das rur Folue haben um»