Ausgabe 
27.10.1902 Erstes Blatt
 
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frische trat den Abend über an dem Castro des Herrn o. Stahl angenehm hervor. P. W.

Weltgist betitelt sich ein neuer Roman von Peter Rosegger (2 5 */» Bogen 8° in bester Ausstattung, broschiert Mk. 4., Einbanddecke gezeichnet von M. Bernuth, Verlag von L. Strackmann in Leipzig). Nach längerer Pause bietet der Dichter seinen Lesern wieder einen Roman, ein groß an­gelegtes Werk, das unbedingt ganz besonderes Aufsehen er­regen wird. Trotz des tragischen Unterganges der Haupt- person läßt der Roman doch nicht den freudigen, aufbauen­den Optimismus vermissen, mit dem der Dichter noch immer das Wesen und Schaffen seines gesunden Volkes geschildert hat. Bei der Eigenart des Stoffes und dessen Verarbeitung wird cs sich nicht vermeiden lasten, daß dieser oder jener mit Einzelheiten nicht sympathisiert, keiner wird aber verkennen können, daß er es auch hier mit einem .echten Rosegger" zu thun hat. Jedenfalls gehört das Werk zu den interessantesten Büchern des Jahres, mit dem sich jeder Gebildete beschäftigt haben muß.

Als Neuheit brachte das Opernhaus in Frankfurt am 23. ds. Tschaikowskys lyrische Scenen aus .Eugen Oneain" in einer Aufführung, die vielleicht nicht alle fein­musikalischen Reize des eigentümlichen Werkes ausschöpste, aber doch solid und voller Fleiß war. Dr. Pröll nahm sich in der Titelrolle wieder besonders gut aus, auch Frau Kernic als Tatjana, Hensel als Lenski und der Dirigent Dr. Rotten­berg verdienen besondere Anerkennung. Ter Beifall zeugte von Wohlgefallen an der Darstellung und Achtung vor dem Werke, versprach aber diesem leider kein sehr langes Leben un Spielolan.

Aihuvgerr des kau-wirtschaftt. ^rovinzralvereius.

bcL Gießen, 26. Ott.

Am vergangenen Samstag, den 25. Oktober, fand die Hauptversammlung des laudw. ProvinzialvereinS statt, der eine Ausschußsitzuna voranging. Es war in dieser ein neuer Rechner in Vorschlag zu bringen. Das Präsidium wurde, da eine Neuwahl noch nicht stattfinden konnte, er­mächtigt, sich einstweilen ohne einen angestellten Rechner zu behelfen. Weiter wurde beschlossen, die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Hannover im kom- meriden Sommer mit Vogelsberger Vieh zu beschicken. Tie Auswahl dieser Tiere soll durch eine Kommission, bestehend aus dem Lekonomierat Leithiger, Gutspächter Klein und Oberverwalter Bellstein, zeitig geschehen. Voraussichtlich wird die Ausstellung auch mit Pferden, Schweinen rc. be­schickt werden. Jedenfalls wird die Beschickung nicht sehr umfangreich werden, da in Gießen im September 1903 eine landwirtschaftliche Provinzialausstellung stattfinden wird. Tie Beschlüsse der Kommission, die kürzlich in Gießen tagte, um unter Leituna der landwirtschaftlichen Versuchs­station Darmstadt die systematische Durchführung von Düng­ungsversuchen anzubahncn, wurden genehmigt. Tie Wahl des Hauptkomilees für die im Herbst 1903 abzuhaltende Provinzialausstellung wird vollzoaen und den Abteilungen das Recht eingeräumt, sich durcb Zuwahl zu ergänzen. Ter Vorstand des Komitees setzt sich aus den Mllgliedern des Präsidiums des Vereins zusammen. Damit wurde die Ausschußsitzung geschlossen und die Hauptversammlung sofort eröffnet. Tiefe wie die Ausschußsitzung waren gut besucht. Ter Vorsitzende begrüßte die Hauptversammlung, insbesondere die Vertreter der Regierung, die Herren Mini­sterialrat Braun und Landesökonomierat Müller, den Ver­treter des Hessischen Landwirtschaftsrates, Herrn General­sekretär Dr. Müller, den zum äfften male im laudw. Pro- vinziawerein erschienenen Provinzialdirektor, Herrn Dr. Breidert, und Baron Albrecht v. Riedesel. Ter Vorsitzende gedachte dann aller der Mitglieder, die der Tod im ver­flossenen Jahre a-bgerufen hat, und bat die Versammlung, das Andenken derselben durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Tann nahm der Vorsitzende das Wort zur Er­stattung des Jahresberichtes. Derselbe ist so umfangreich, daß sich im Einverständnis mit der Versammlung der Refe­rierende darauf beschränken mußte, den Bericht im Auszug zu erstatten. In der Zellschrift wird der unverkürzte Be­richt demnächst erscheinen. Ter Vorsitzende referiert: Tas Geschäftsjahr schloß mll dem 1. April 1902. Der Verein konnte sich darauf beschränken, sich mehr technischen Fragen im Landwirtschaftsbetriebe in der Provinz zuzuwenden und bei der Behandlung volkswirtschaftlicher Fragen durch seine Vertreter im Hessischen Landwirtschaftsrat zu wirken. Die Klagen über ungenügende Rentabllität der Landwirtschaft verstummten auch im Berichtsjahre nicht. Die Zucker- und Spirituspreise gingen immer mehr zurück infolge der Ueber- produltion. Die Getreidepreise besonders die der Brotfrüchte blieben niedrig. Fleischpreise begannen erst am Schlüsse des Berichtsjahres sich allmählich zu heben. Tie Löhne blieben hoch. Ter Arbeitermangel erreichte den Höhe­punkt. Unter diesen Umständen waren die Einnahmen und Ausgaben selbst bei strengster Wirtschafllichkeit nicht immer in Einklang zu bringen. Aller Augen richten sich in diesen Tagen nach der Reichshauptstadt. Werden die Beschlüsse unserer Reichsboten der bedrängten Landwirtschaft Hülfe bringen? Unser Vereinswesen, das sich mehr auf die Wintermonate beschränken muß, blüht. Tem Provinzial­verein sind angeschlossen sechs Bezrrksvereine, sieben Bezrrks- zuchtvereine, resp. Lokalzuchtvereine, zwei Kreisziegenzucht­vereine, sechs Ortsziegenzuchtvereine, neun Geflügelzucht- Vereine, sechs Schweinezuchtvereine. 'Die Zahl der Mll- alieder des Provinzialvereins betrug am L April 2522, das sind 128 mehr, als im Jahre vorher. Am 30. November 1901 fand die letzte Hauptversammlung statt, im Laufe des Jahres fünf Ausschußsitzungen. In den Bezirksvereincn sind, wie in früheren Jahren, zwei Hauptversammlungen und eine größere Anzahl gelegentlicher Versammlungen in den Vereinsgebieten abgehalten worden. Bei diesen Ge­legenheiten hielten unsere Landwirtschaftslehrer zusammen 106 Vorträge, lieber Geflügelzucht hat Herr Lehrer Knaup in Kleinkarben Vorträge gehalten, während die Herren Dr v. Peter und Prof. Reichell nebst den drei Obstbautechnikern des Oberh. Obstbauvereins in dieser Beziehung thätig waren. Das Rechnungswesen regelte sich gut, man richtete sich mll den eigenen Mitteln und mll den Staatszuschüssen ein, was asber nur dadurch möglich war, daß man auf die Beschickung der Ausstellung der Deutschen Landwirtschasts- gesellschast verzichtete, d. h. hierfür keine Mittel zurück­stellte.

llnterrichtswesen. Die Ackerbauschulen in Als­feld, Büdingen, Friedberg waren gut besucht, aber noch nicht überfüllt. So war es mit der Haushaltungsschule in Lindheim und der Mvlkcreischule in Lauterbach, die

von jungen MDcheu besucht werden. Der Otzerh. OHstbau- vereiu veranstaltete Kurse über Obstverwartung rc., die von rusammen 126 Personen besucht wurden. Die Landwirt- schaftslehrer waren dem Provinzialverein treue Arbeits- oenossen auf allen Tbätigkeitsgebieten. Auf diese Weise bleiben dieselben mit der landwirtschaftlichen Bevölkerung in enger Beziehung, lernen chre Bedürfnisse genauer kennen und können chre Vorträge diesen besser unpassen.

Meliorationen. Hier sind in erster Linie die Feld- bereinigungen zu erwähnen, bei denen Parzellen zusammen- gelegt, «regelmäßige Grundstücke geschaffen werden, auf die Maschinen aller Art verwendbar sind, da jeder Besitzer in der Folge durch ein entsprechend angelegtes Wegenetz unabhängig vom Nachbar sein Grundstück erreichen kann. Bei diesen Anordnungen werden gleichzeitig Ent- und Be­wässerungen vorgenommen. Große Erfolge werden erreicht durch die Meliorationen vieler Hutweiden im hohen Vogels­berg. Es werden dadurch Gemeindehutweiden in erster Linie für das Jungvieh geschaffen, die eine rationelle Aufzucht desselben gewährleisten.

Futter- und Wiesenbau. Mll der Hebung der Viehpreise muß die Hebung des Futter- und Wiesenbaues Hand in Hand gehen. Durch Ent- und Bewässerung, durch Anwendung der mineralischen Hülfsdünger, durch die wir den Futter- und Wiesenpf tanzen reichliche Mengen Phos­phorsäure und Kali zuführen, erreichen wir Ernten, die sich nach Güte und Maß auszeichnen und die gute, reiche Ernährung unserer Nutztiere sichern. Ter Verein ist ganz besonders bemüht, in dieser Richtung fortgesetzt anregend zu wirken.

Rindviehzucht. Wir streben seit Jahren an die Reinzucht des Vogelsberger und Simmenthaler Rindes. Die als rein gezüchtet anerkannten Tiere werden durch Ohr­nummern gekennzeichnet und ins Herdbuch eingetragen. Am 1. April 1902 standen im Herdbuch 3413 Simmenthaler Tiere, 1425 Tiere der Vogelsberger Rasse. Die Zahl war auch wirklich vorhanden, stand nicht nur auf dem Papier. Die Zahl der Zuchtvereinigungen wurde schon oben genannt und beläuft sich insgesamt auf 119. Neben 15 Bullen­stationen für Simmenthaler Vieh bestehen vier Zuchthöfe für Vogelsberger Rinder. Von diesen Zuchthöfen wurden un Berichtsjahr 12 Bullen an Gemeinden geliefert.

Tierschauen. Es wurden fünf Ortsschauen, neun Stallschauen und eine Bullenschau, besonders im Interesse rer kleineren Landwirte, die größere Ausstellungen ungern beschicken, abgehalten und für Prämiierungen 3735 Aiark verausgabt. Bezirksschauen wurden nicht gehalten und die Ausstellung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Halle mit nur zehn Vogelsberger Tieren und zwei Simmenthalern beschickt, dabei sechs Preise, zwölf Anerkennungen und an Geldprämien 1645 Mk. errungen. Die Zuchtviehhöfe für Vogelsberger Vieh befanden sich in Eschenrod, auf der Bing­mühle bei Lauter, in Homberg a. O. und in Zwiefalten.

Zuchtvieheinfuhr. Zur Hebung der Zucht wurden 13 Bullen, 25 Rinder, 17 Saanen-Ziegen und Böcke aus i)em Berner Oberland ein geführt.

Junaviehweiden und Tummelplätze. Im Berichtsjahre waren erst zwei Jungviehweiden im Betriebe: in Wern ings, Kreis Büdingen (aufgetrieben 74 Rinder), Tiergarten bei Hungen (aufgetrieben 41 Rinder und 26 Fohlen), außerdem die Fohlenweide in Merlau (Auftrieb Öl Fohlen). Eingerichtet wurden die Jungviehweiden bei Lauterbach und Zell-Romrod. In Crainfeld und Hörgenau wurden Gemeindejungviehweiden in Betrieb genommen, in 20 anderen Gemeinden des hohen Vogelsberges sind die Meliorationen vorgenommen, die Jungviehweiden werden remnächst eingerichtet.

Schweinezucht: Es sind ' sechs Schweinezüchiereien entstanden, die es sich zur Aufgabe machen, das deutsche Edelschwein rein zu züchten, um Zuchtmaterial an Gemein- >en und Private auch über unsere Grenzen hinaus abgeben zu können. Zur Beschaffung von reinrassigen Ebern wurden an 31 Gemeinden Beihilfen gewährt und zwar 33 ein Drlltel Prozent der Ankaufssuumre.

Ziegenzuchtvereine bestehen in Gießen, Wieseck, Büdingen, Langsdorf und Lich, Kreisziegenzuchtvereine in Alsfeld und Lauterbachs Es wird vorherrschend die horn­lose weiße Saanenziege gezüchtet und die vorhandenen einheimischen Ziegen mit reinen Böcken gekreuzt. Tie resten Ziegen liefern 56 Liter ausgezeichnete Milch, die im Haushatt des geringen Mannes verwendet, zur richti­gen Ernährung der Kinder sehr wescnllich beiträgt.

Tem Verband der Geflügel zu chtvereine in der Provinz gehören an: der Wetterauer Geflügelzucht- Verein in Friedberg, die Geflügelzuchtvereine Gießen, Al- lendorf a. Lda., Grünberg, Lick), Hungen, Lauterbach und die Sektionen der Geflügelzucht der landwirtschaftlichen Bezirksvereine Lllsfeld, Büdingen und Schotten. 109 Zucht- tämme für Hühner (Italiener und schwarze Minorkas), 16 Zuchtstämme für Enten und 6 für Emdener Gänse sind

vorhanden. Gießen unterhielt mit besonderem Erfolg Geflügeluzchtstation an der Hardt.

Obst und Gemüseb au. Ter Oberhess. Obstbau-Ver­ein in Friedberg zählt 4500 Mitglieder, beschäftigt drei Techniker, hielt 200 Versammlungen in der Provinz ab. Tie Herren Direktor v. Peter und Professor Reichell be­teiligten sich in erster Linie bei Abhaltung der Vorträge, es fand in Schotten eine Lbstaussiellung statt, die darthat, daß auch im Vogelsberge, tüchtiges in der Kultur von Edelobst geleistet werden kann. Baumwärterkurse werden durch den Oberhess. Lbstbauverein regelmäßig abgehalten, Kurse im Obstbau für Geistliche und Lehrer, für Kandi­daten des Predigeramts, Lbstverwertungskurse für Frauen und Mädchen, welche von 64 Schülern und Hörern besucht wurden, ferner wurde in Lich ein Kursus abgehalten, an dem 62 Frauen und Mädchen teilnahmen.

Ter Vorsitzende schloß mit Dorten des Tankes für alle, welche den Bestrebungen des Vereins helfend zur Seite standen, auch den Bezirksvereinsdirektoren, der Re­gierung und den Ständen und forderte die Versammlung auf, in ein Hoch auf den Landesherrn einzustimmen, der als Schutz- und Schirmherr auch über uns wacht, und dem wir immerdar in Treue und Ergebenhell zu dienen be­reit seien.

Temnächst bat der Vorsitzende den Herrn Professor' Tr. Albert-Gießen zu seinem Vortrage das Wort zu nehmen. Ter Vortragende sprach in sehr anregender Weise über das Thema: Welche Gesichtspunkte sind bei Auswahl des Saatgutes im Gebiete der Provinz Lber- hessen zu befolgen. Aus dem Bortrage lassen sich an dieser Stelle nur die Hauptpunkte hervorheben. Tor Vor­tragende leitete seinen Vortrag mit den Worten ein, das Bibelwort: was der Mensch säet, das wird er ernten, sei in unserem Falle nicht zu wörtlich zu nehmen. Auch die Vorbereitungen zur Saat seien es, die die Entwickelung des ausgestreuten Saatgutes sehr beeinflußten. Vor­bedingungen seien ordnungsmäßige Bodenbearbeitung, ra­tionelle Tüngung, die Auswahl des Saatgutes, richtige Bestellung, Pflege der Saaten und schließlich die Ernte. Bei der Auswahl des Saatgutes haben wir wohl auf die äußere Gestalt, noch mehr auf die Eigenschaften der Leist­ungsfähigkeit Rücksicht zu nehmen. Tie inneren Eigen­schaften sind den ursprünglichen Pflanzen den 9iatui> pflanzen durch bic fortgesetzte Kultur anerzogen, die Pflanze erweist sich dankbar, sie bringt größere Erträge und wird brauchbarer für den Genuß von Mensch und Tier. Tie höhere Leistungsfähigkell wird angezüchtet, Boden und Klima beeinflussen dieselbe im hohen Maße. Erträge gehen weit auseinander, die eine Züchtung liefert unter bestimmten Verhältnissen 16 Zentner pro Morgen, die andere 23 Zentner. Tabei kann die Brauchbarkeit für bestimmte Zwecke recht verschieden Jein. Ter eine Hafer liefert wohl erhebliche Erträge, steht aber an Nährwert einer anderen Sorte, die nicht so viel Masse liefert, außer­ordentlich nach, so daß die größere Ernte nicht feiten die minderwertige fein kann. Es sei Aufgabe der Wissen­schaft durch mehrjährige Anbauversuche, die für bestimmte Böden und klimatische Verhältnisse geeigneten Saatfrüchte als brauchbar zu erkennen und dann erst den Landwirt zu veranlassen, diese durch äußere und innere vorzügliche Eigenschaften u.nter besten Vorbedingungen anzubauen. Ausführliche Mittellungen folgten dann über Ergebnisse von Anbauversuchen. Ter Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen und führte zu einer lebhaften Aussprache.

Nach Schluß derselben brachte der Vorsitzende die Fleischnotfrage zu einer ausführlichen Besprechung, in der besonders Herr Schade-Altenburg in sehr sachlicher und ruhiger Weise sich äußerte. Er betonte besonders, daß wir in der Lage seien, genügende Mengen von Schlacht­tieren zu produzieren, man sollte uns nur etwas Zell und vor allen Tingen die Seuchen durch dauernde Sperrung der Grenzen von unseren Viehbeständen fernhalten. 'Weiter wurde ausgesprochen, daß vorübergehend hohe Preise, be- önders Schweinefleischpreise nicht dazu führen dürften, ofort die Grenzen zu öffnen und durch die Seuchengefahr >ie Viehzüchter zu entmutigen. Als die Jndustrieerzeug- niffe in den letzten Jahren ungewöhnlich hoch im Preise Ianben, haben die Landwirte bei auffallend niedrigen, Preisen für ihre Produkte ruhig zahlen müssen. Tas müßten sich in derselben Weise die jtonf umenten von Fleisch auch, einmal gefallen lassen. Aufs bestimmteste wurde die Behauptung, es bestehe eine Fleischnot, zurückgewiesen. Jeder Metzger habe seinen Bedarf an Schlachttieren, wenn auch zu hohen Preisen, jederzeit decken können unö da könne man doch wohl von einer Ileischnot ernstlich nicht teden. Es wurde festgeftellt, daß heute den Landwirten 64 Psg. pro Pfund für gute Schlachtschweine gezahlt wür­den, dem Händler dagegen 6768 Pfg. An Oktroi und Schlachtgebühren inkl. Untersuchung des Fleisches werden ür ein Schlachtschwein von der Stadt Gießen 3.54 Mk erhoben. Wiegt das Tier 150 Pfg., so kommen auf 1 Pfd.

voller Ergriffenhell und wildes Schreien der Wut und des Ingrimms: alles das gleitet wellenspielend neben einander hin und in einander über. Hier, in der großen Scene mll Jago und in seinem Monolog, ist Herrn K.'s Othello am be- deutendsten. Dann aber, je näher wir der Katastrophe kommen, von der Scene mll den Frauen, wo vieles Pose ist, bis nahe an den Schluß, hat die Darstellung des Herrn St Riffe und Schlacken. In der schönen Elegie aber, mit der et vom Leben Abschied nimmt, wächst er wieder gewaltig und als Riese bricht er zusammen.

In Frl. Feige schienen bisher innerliche Empfindung und eine nur äußerliche Manier ein wenig durcheinander zu laufen. Ihrer DeLdemona war indes davon kaum etwas an» zumerken. Sie zeigte vielmehr ein auffallend vervollkomm­netes Bühnengeschick. Schade, daß die letzte Scene des vier- ten Aktes ganz gesllichen worden war, die schöne Scene mit dem Weidenliede, das einst in England ebenso bekannt ge­wesen sein mag, wie bei uns heute Heines »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", sodaß Shakespeare nur wenige Verse 3U zitieren brauchte, um es dem Publllum seiner Zeit voll ms Gedächtnis zu rufen. Wilhelm Jordan hat in seiner Othello-Uebersetzung einige der ansprechendsten Züge ausge­hoben unb zu drei Strophen verwoben, die zu den glänzend­sten Perlen der Uebersetzungskunst gehören.

Den Bösewicht Jago, der für gewöhnliche Nerven sonst bie Grenze der tragischen Rührung zu überschreiten pflegt, hat Herr Steinert oerjleuiert". Anzuerkennen ist der Mut dieses Darstellers, der jede Spur von Ueberlieferung, dem Theaterpathos und dem Augenrollen des Jntriguanten, aus­wich, ohne aber leider überhaupt zu emer bestmimten Lharatterütil

zu gelangen. Wll wollen annehmen, daß er im Sinne der verislischen Spielweise die größte Vereinfachung erstrebte, und die ist ihm ja auch im gewissen Sinne gelungen. Daß da­bei der Untergrund von Verbissenheit, von Hypochondrie und Eifersucht diese letztere, die eine so überaus in­teressante Kontroverse zwischen den gleichen Leidenschaften eines edelmütigen Naturmenschen und denen eines über­mässig schuftigen Mitgliedes von Londons jeuneese doree darbietet, macht allein sein Thun halbwegs psychologisch möglich verloren gehen mußte, war unver­meidlich. Aber die Maske des Biedermannes und treuen KriegSmannes war wohl gelungen, und selbst in seinen Mono­logen, in denen er wenigstens einen Teil seiner grundlos schwarzen Seele enthüllt, blieb er sich so konsequent, blieb er so diskret und maßvoll, daß wir uns den ganzen Abend über einem gänzlich neuen Jago gegenübersahen.

Der Darsteller des Rodrigo, Herr B a tt ig e, führte nicht ohne Absicht den beliebten Possendümmling vor. Man kann gewiß in Rodrigo mit einigem Geist und gutem Willen allerhand komisch-humoristische Elemente entdecken, aber er müßte denn doch von ganz anderem Schlage sein als der des Herrn B. und sicher feinere Lustspielatmosphäre atmen. Frl. Brücher zeigte in ihrer ersten kleinen Szene mit ihrem Scheusal von Gatten die Anmut eines echt weibliche Em­pfindens und machte dadurch chrersciis die Handlungsweise Jagos plausibler als dieser selber. Gar wohl kann maßlose Rache um dieses niedlichen Weibes willen der Herr Fähnrich üben. Aber vielleicht weil diese Emilie diesen Jago gar so matt und farblos sah, ward sie es im Laufe des Abends selber und versagte in der über alle Gebühr zusammen- sestrichenen Schlußszene ganz. £emperameniwlte DarÜLllungS-