Ausgabe 
27.10.1902 Erstes Blatt
 
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Montag A7. Oktober 1902

L5S. Jahrgang

Erstes Matt.

Er entisi. ohne

eindkingend.

genommen, nachdem freilich noch in den letzten Dagen und Nächten, in denen der Ausstand noch sehr einem Aufstande glich, viel Unfug verübt worden war. So ver-

noch bleiben, auch wenn er im übrigen das ganze Stück, gleichermaßen wie die Zeichnung Jagos, als Meisterwerk an­erkennen dürfte. Es ist und bleibt eine Dichtung strahlend von bewunderungswürdiger psychologischer Offenbarung, trotz man­cher einander verbietenden Voraussetzungen. Aber höchst ver­kehrt ist der alte und immer wieder aufs neue gehörte Em- wurf, daß Desdemonas Liebe schwer glaublich sei. Ganz ab­sehen kann man von der so oft bei Frauen sich dokumenüeren- den Neigung zum Exotischen, die oft schon die wundersamsten psychologischen Rätselfälle gezeitigt hat; der Dichter schlldert den Mohren als einen mannhaften echten Helden von gütiger Größe, Eigenschaften, die sehr wohl in reinem werb­lichem Herzen Liebe erwecken können.

Welches feinste, mildeste, zarteste und edelste Gefühl hätte nicht gerade in dieser Dichtung einen unnachahmlich schönen und entzückenden Ausdruck gefunden! Und doch, welchen Scheußlichkeiten begegnen wir andererseits hier! Grandioses und Groteskes, die schroffsten Gegensätze stnd es, die, wie es einmal die Weltenregel will, dicht beieinander

Bekanntmachung.

Betr.: Die eingeschriebene Hilfskaffe .Glück auf' in Kassel; hier: Errichtung einer örtlichen Verwaltungsstelle für die Provinz Oberheffen mit dem Sitz in Meßen.

Die eingeschriebene HilfLkaffeGlück auf', Hessische Hilfskaffe für ganz Deutschland', mit dem Sitz in Kaffel hat für den Bereich der Provinz Oberheffen eine örtliche Ver­waltungsstelle in Gießen errichtet und zum Verwalter der­selben den Fr. Kröll dahier, Grabenstraße Nr. 7, bestellt.

Es wird dies unter dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die genannte Kaffe den Anforderungen des § 75 des Krankenversicherungsgesetzes nicht entspricht.

Gießen, 22. Oktober 1902.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Breidert.

Nr. 252

Gr|d)etnt tSgllch außei Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschea Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scher» Üntvers^Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch (fcrben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st raße 7, Kdresse für Depeschen» Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr. 5L

üuedrich Mer ein n Cetonom Heinrich ilmann Gustav Stein i°r Jakob Weber ein -chiosser Wilhelm Oüe Filter ein Lohn, Kor!

besonders eindringliche Kleinmalerei ein ebenso kraftvolles als abwechselungsreiches Bild des eifersüchtigen Mohren. Sehr viel Temperament, schöne, mitunter, wie z. B. in der Szene, da er Desdemona und Emilie mit den fürchterlichsten Vor­würfen überhäuft, etwas gesuchte Plastik in Formen und Bewegungen, dabei ein wahrhaft großer Charakter und viel Farbe. An Farbe giebt Herr K. im sprachlichen Ausdruck, un Wort sein Bestes. Sein Organ ist etwas schneidend, sein r stark rollend, aber seine Betonung bewegt sich zwischen weiten Grenzen, Für die großen Empfindungen, Haß, Liebe, Freude, Trauer findet er den treffendsten, bisweilen hinreißenden Ausdruck; ihnen ordnet er das einzelne Wort, die einzelne Gebärde mit großer Abwechselungskunst unter. So erhält das Groß­zügige seiner Darstellung Vielförmigkeit, das Heldenhafte eine gewiffe Kompliziertheit. Bei Shakespeare ist der Othello der mittleren Akte ein anderer als der des ersten, der des letzten ein anderer als der der mittleren. Ebenso Herr Kirch. Im ersten Akte ist sein Othello der welterfahrene lorbeergeschmückte Kriegsheld, der von seinen Erfolgen m seinem ganzen Auf­treten doch wohl etwas mehr Wesens macht, als es für den feierlichen Ort wir befinden uns im venetianischen Dogen­palaste in einer Sitzung des Großen Rates und seine Stellung sich ziemt; und auch das primitiv Heldenhafte, das Shakespeare dem Mohren gab, leidet ein wenig unter dem Prätenziösen dieses schwarzen Kriegsmannes. Im zwei­ten Akte ist er der umsichtige, Händeln abholde, über Recht und Gerechtigkeit mit wachsamem Auge waltende Gouverneur, den Herr K. mit maßvollem Takte darstellte. Und dann setzt die eigentliche Tragödie ein. Hier rmgt Herr K. seinem starken Organ ab, was er nur zu geben vermag. Erstickte Kehllaute und unterdrücktes Röcheln, ein beinahe raubster- artlgeS Keuchen und qualvolles Seufzen, wehmütiges Klagen

liegen.

Von dem lyrischen Dust und Zauber, der über bie Dichtung ausgebreitet ist, hatte unsere Regie leider so wenig gelaßen, daß mans kaum verspürte. Sie hatte, wohl um dem Theaterabend die gewöhnliche Länge zu lassen, ungemein viel gestrichen, sehr auf Kosten der dichterischen Stimmung. Und dazu kam noch eine solche Menge von störenden Stock­ungen im zwecken Telle der Aufführung, daß der Gelamt­eindruck erheblich Eintrag erhielt.

Den Othello spielte Herr Kirch vom frankfurter Stadt­theater. Er löste diese ungeheuer schwere Bühnenaufgabe mit * * ' '.'.isendfachen falten

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hauptsächlichste Band zu erhalten, welches Regierung und Volk zusammenknüpst, und das ist eben die Sorge für das wirtschaftliche Wohlergehen. Des Volkes Zunge ist des lieben Gottes Kesselpauke, sagt ein persisches Sprich­wort, und es hat nicht unrecht, denn der Wille des Volkes ist die alleinig rechtmäßige Quelle der Mucht.

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Votitische Wochenschau.

Tas große wirtschaftspolitische Kvmödieuspiel, dessen ©yme der Reichstag gegenwärtig wieder bildet, hat in der vergangenen Woche feinen Höhepunkt überschritten. Tie Spannung ist ausgelöst und das Interesse an dem Fortgang der Handlung beginnt zu erlahmen. Graf Bülow beharrt darauf, daß die Zollkomödie bis zum letzten Ende aufgeführt werde. Nach dem ersten Akt zwar, der trotz der rethorischen Leistung des Kanzlers mit einer totalen Ablehnung der von ihm vorgoschlagenen Zollsätze für Roggen und Weizen endete, zog er sich mit mehr Gleichgiltigkeit, als angesichts der Situation zu erwarten gewesen war, hinter die Kulissen zurück, und auch das verunglückte Zwisch,enspiel mit dem G e r st e n - und H a f e r- zoll scheint ihn nicht sonderlich tangiert zu haben, und die Erörterung der Vieh zolle führten chn auch nicht auf die Szene. Graf Bülow hat inzwischen Fühlung mit dem Träger der Krone des Reichs genommen; man darf dher gespannt darauf sein, ob er in dieser Woche,mit neuen Inspirationen kommt, oder sichauf die gleiche passsive Rolle beschränkt, die er im ersten Akt spielte, passiv inso­fern, als er es nicht über sich gewinnen konnte, über die Ablehnung seines Werkes eine entsprechende Quittung zu erteilen. Allem Anschein nach rechnet er noch immer damit, daß die, welche bei der Komödie die Komparserie abgeben, aus chrer in den Fraktionen sorgfältig einge- paukten Rolle fallen, und sich seiner Regie unbequemen Mit wieviel Recht oder Unrecht, mag dahingestellt bleiben. Die Ansichten und Neigungen, welche unter den Parteien jetzt Oberwasser zu gewinnen trachten, sind kaum jemals kaleidoskopartiger gewesen, und es hält außevordenllich. schwer, mit einiger Sicherheit auch nur vorauszubestimmen, welkes Gebilde sie schließlich ergeben werden. Daß bei einzelnen Parteien eine große Neigung zum Umfall be­steht, darüber können kaum Zweifel obwallen, ob dieser Umfall aber die Zollkomödie vor der Versenkung zu retten vermag? .

Tie Sympathien für die Reichsregierung sind gegen­wärtig so gering, daß ob der Niederlage Bülows nirgends Bedauern laut wurde. Ein Symptom, das der Kanzler nicht unterschätzen sollte, und das sich immer mehr ver­stärken wird, je weiter wir in die parlamentarische Saison hineinkommen. Tie leitenden Kreise haben sich noch nicht zu der Erkenntnis aufzuschwingen vermocht, daß die Scheidewand, welche sie vom Volke trennt, bereits der­art wurde, daß es geraten erscheint, mll Sorgfalt das

letzten Nummer: i

TieRhein. Wests. Ztg." läßt sich aus Berlin eine : Erzählung aufbinden, in der folgendes zu lesen ist: Trotz allen offiziösen Schönfärbereien ist es sicher, daß Graf Bülow den Empfang (der Bur en g!en e r al e) nicht wün schte, und daß er ihm ein Bein ge­stellt hat, vermutlich so, daß er erst feststellte, der britische Botschafter werde die Generale nicht einführen, daß er dann dem Kaiser die entstehende Blamage vorgehalten, das Zögern der Burengenerale (welche aus politischer Besorgnis direkte Berufung erwarten mußten) als Nicht-Annahme der Einführungs-Bedingung auslegte und dann eiligst die Thür mit der Note der Norddeutschen Allgemeinen" zuschlug. Ter Kaiser durch­schaute heute die Sachlage und die Kaiserin habe In voriger Woche gelegentlich eines Tamenempfanges bemerkt, der Kaiser habe gesagt, daß er nicht mehr Herr in seinem Hause sei." Wir erinnern uns nicht, in einem Blatte, das auf politische Bedeutung und nationalen Takt Anspruch macht, einem alber­neren Schwindel begegnet zu sein: Es ist auch nicht ein wahres Wort an der ganzen Geschichte.

Tas ist kräfttg und deutlich, aber beseitigt doch im­mer nicht die Mißstimmung, die in weiten Kreisen wegen der in Berlin beliebten Behandlung der BurLngenerals Platz gegriffen hat. Dazu erfuhr man in den letzten Tagen von der seltsamen Behandlung der Lehreir in dem großen staatlichen Betriebe des kgl. preuß. Landesgestüts Trakehnen, und schließlich kam noch eine Meldung von der nicht minder seltsamen Behandlung eines Katto- witzer Redakteurs, der eines Preßvergehens halber mit einem Zuchthäusler zusammengekettet durch die Straßen geführt wurde. Tas sind so Steinchen zu dem Mosaikbilde des Nichtverstehens und Nichtachtens der Volks­seele, das sich jeden Augenblick enthüllen ließe. Auch das Volk hat Rechte, und es kann nicht ausbleiben, daß es sie denen gegenüber, die da nach dem Neronianischen Grundsatz:Was liegt am Volke, wenn Zäsar fröhlich ist", die Polttik des Reiches leiten und betreiben, betont.

Es scheint allgemein genommen so eine Arft Bazillus zu (ein, diese Verkennung des Mifbesttmmungs- rechtes des Volkes, denn die daraus resultierende Um Zufriedenheit macht sich nicht nur bei uns im Deutschen Reiche geltend. Tie ywoße Arbeiterbewegung in den Ver­einigten Staaten, die infolge des Eingreifens des Präsidenten Roosevelt jetzt glücklich ihrer ganz augenschein­lichen Gefahr entlleidet worden ist, die Bemühungen der französischen Grubenarbeiter, einen allgemeinen Ausstand herbeizuführen, sie liefern, wenn ihre Ursachen auch aus­schließlich auf wirtschaftlichem Gebiete zu suchen sind. Beweise dafür, daß das Bewußtsein, einen nicht zu unter* schätzenden Faktor im Staate zu bilden, sich immer leb­hafter im Volke regt und dementsprechend lassen es sich die staatlichen Repräsentanten ja auch angelegen fein,, überall vermittelnd einzugreifen. So scheint auch Fr an k- reich diesmal hart an der Klippe eines allgemeinen Ausstandes vorbeikommen zu sollen, wenn auch weitere , Gefahren dort noch keineswegs beseitigt sind. Tenn in dem Grubenarbeiterausstande ist die Lage unverändert. . Tagegen wurde in den Häsen von Marseille, und selbst von Dünkirchen und Havre die Arbeit bereits wieder auf-

ve»ng«pret», monatlich 7bPU viertes jährlich Mk. ÜLO; durch Abhole- u. Zweigstelle» monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2, viertele fährt, ausscht Bestellg, Annahme von Anzeige« für die rn^eSnurnmer bis vormittags 10 Uhr, Zetlenpreis. lokal 12Pf^ auSwärtS 80 Pfg.

Verantwortlich» für den volit. u. atigern, teil: P. Wittko:, .Stadt und Lcmd' und .Gerichlssaal': Eurt Plato; für den An- jetgenteil: HanS Beck.

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uchten in Dünkirchen die Ausständigen das GefängneS zu stürmen um die verhafteten Kameraden zu befreien, wurden jedoch von Polizei und Gendarmerie vertrieben. Alsdann machten sie den Versuch, in das Arsenal ein­zudringen, um sich in den Besitz der Waffen zu setzen wurden aber auch hier von den Truppen zerstreut

Man kann aus solchen Vorkommnissen die Lehre ziehen, daß mit dem Volke zu regieren, höchste Staatskunst ist, denn mächtig und beständig ist nur die Regierung, die vom Bolle geliebt wird, und sie allein ist in der Sage, aus dem verwirrenden Dunkel der Parteileidenschaften heraus zu jener befreienden Höhe zu führen, die der Allgemeinhert zum Wohle gereicht und nach der wir alle streben. Dieses Ansehen aber ist schon wegen des Ansehens nach außen hm nätiger, denn je, schon deshalb, well Femde und Neider unausgesetzt am Werke sind, Schwierigketten zu bereiten,, wo immer es nur angeht.

Tie Deutschen sind überall im Wege, und überall ver­sucht man, sie zu verdränaen. So bemüht sich Rußland neuerdings mit Eifer, den deutschen Einfluß in der T ü r t e r unb besonders in Kleinasien, der niemals größer war, denn jetzt, zu schwächen; England und Frankreich sehen gleichermaßen scheel auf die Zunahme der deutschen Interessen in Siam, das beide gar zu gern in die Tasche stecken möchten, und soeben fühlt sich nicht nur England, sondern gleichzeitig auch Amerika gekränkt, weil der zum Schiedsrichter an gerufene König von Schweden im Sa­in o a st r e i t nach dreijähriger Prüfung der Verhältnisse zu Gunsten Deutschlands entschieden hat. Diese Entscheidung ist ihnen so unangenehm, daß sie sich mit einemmale desi Schiedsgerichtshofes im Haag erinnern, das besonders Eng­land zur Zett des südafrikanischen Krieges anzuerkennen sich hartnäckig weigerte.

Jenseits des Kanals sitzt man übrigens wieder recht pt Schwulitäten. Die Nachrichten, die aus dem Somali­lande an der Oftküste von Südafrika kommen, haben die Gewißheit gebracht, daß auch die zweite englische Expedi­tion durch die Scharen des Mullah, die den Handelsverkehr nach Abeflynien fast gänzlich unterbinden, schwere Verluste erlitten hat. Nach Reuters neuester Meldung wurde die in Somalilaud stehende britische Strettmacht am 6. Oktober in dichtem Gestrüpp von dem Feinde angegriffen. Sie leistete entschlossenen Widerstand. Infolge einer Verwirrung in dem Fuhrpark wurde jedoch die englische Gefechts- linie durchbrochen. Ein Maximgeschütz fiel in die Hände des Feindes und auch die Geschützte span-- nung geriet in Unordnung. Endlich wurde der Feind durch den Obersten Soayne zurückgetrieben und eine Zariba er­richtet. Durch einen darauffolgenden Ausfall wurde der Feind dann verjagt. Derselbe ließ 62 Tote auf dem Kampf­platz zurück. Die En glänber verloren 70 Tote und 100 Verwundete. Dieser nicht unbeträchtliche Verlust will schon etwas besagen und erscheint in einem um so ernsteren Lichte, als das englische Prestige infolge des Trans­vaalkrieges ohnehin bei den unter Englands Oberhoheit ' stehenden Völkerschaften nicht unwesentlich gelitten hat. DaS sieht man auch in London ein und beeilt sich deshalb, durch ' die Entsendung indischer Truppen schwereren Gefahren vor- ' zubeugen. Zudem bietet sich von moslemitischer Sette den Engländern Hllfe in diesem Kampfe. Wahrscheinlich wird : es sich auch ermöglichen lassen, aus China Truppen zu- : rückzuziehen und nach Ostafrlla überzuführen. Man scheint ' allerseits ernstlich die Räumung Shanghais zu beabsichtigen.

Gießener StadUheoler.

Othello.

Genau vor 300 Jahren, im Jahre 1602, fand die erste Aufführung des .Othello' statt. Die von den Poeten jener Zeit hochgepriesene Lady Derby hatte die 70jährige Königin Elisabeth, deren Stern sich dem Untergänge neigte, nach ihrem Schlosse Harefield bei London geladen, und diesem Besuche zu Ehren ging .Othello" unter der Leitung des Dichters selber zum ersten male in Szene. Welchen Eindruck mußte die Vor­stellung auf die Königin machen! Der furchtbare Jrttum des Mohren mußte ihr eigenes Spiegelbild ihr zeigen. Wie er den Einstüsterungen des Jago und seinem eigenen Argwohn, so hatte auch sie dem .Ungeheuer mit den grünen Augen , der Verleumdung ihr Ohr geliehen. Getrieben non dcr Eiser. sucht, hatte sie Essex verfolgt, war sie auf Raleigh, auf-ord Hunsdon, auf Leicester eifersüchtig gewesen und hatte -Shake­speares Freund, den Lord Southampton, tn den Tower ge­schickt, weil er ohne ihre Genehmigung sich vermählt hatte. Ihr Vater, Heinrich VIII., hatte auf einen bloßen Verdacht hin ihre Mutter, Anna Boleyn, dem Schaffst überliefert, von ihm her lag ihr die mörderische Eifersucht un Blute. Noch düsterer, als sie gekommen, verließ die Königin das Schloß der Gräfin Derby, Shakespeare's große Tragödie der Eifersucht hatte sie in die innerste Seele getroffen, immer tiefer versank sie in Trübsinn, und im Jahre darauf erlosch ihr Lebens­licht. Hatte Shakesspeare'sOthello" ihr den Todesstoß ge­geben? Vom Baume der Weltgeschichte sind die Blätter längst darüber gefallen und haben, wie so vieles, auch dieses mit

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

^^^Mirchtett'ich^ unb^ qualvoll' wird jedem nicht ganz starker Geistesthätigkeit, tief m die Gefühllosen die Tragödie des Mohren von Venedig auch heute Shakespearlscher Wortku. einbrtngen