schristen Verfahren, und diese Vorschriften haben keinen anderen Zweck, als die Sicherung deS heimischen Viehbestandes.
Sächsischer Finanzrath Dr. Rueger: Ich muß gegen die Vorwürfe, die Herr Bebel gegen die sächsische Regierung in Betreff ihrer Stellungnahme zum Zolltarif erhoben hat, nachdrücklich Verwahrung einlegcn. lleber die Stellung der säHsischcn Regierung zum Zolltarif hat der Minister von Metsch im sächsischen Landtage und hier im Reichstage genügende Auskunft gegeben, und ich habe mich lediglich hierauf zu beziehen.
Abg. Gamp (Rp.): Wir könnten über die KommissionSbe- schlüfse auch ohne Reden abstimmen und nach der dritten Lesung dem Reichskanzler unsere endgiltigen Beschlüsse mittheilen. Es ist auch auf den Rückgang der Zwangsversteigerungen hingcwicsen worden, aber der kommt doch nur daher, weil kein Gläubiger mehr den Muth hat, die Hypotheken zu kündigen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) In den letzten 30 Jahren soll eine Minderproduktion an Fleisch eingetreten sein, aber den Beweis dafür hat Herr Bebel nicht erbracht. Er vergißt, daß die Schweine jetzt schon zu 8 und 10 Monaten auf den Markt kommen. Entschieden Verwahrung muß ich dagegen einlegen, daß Herr Bebel uns vorwirft, wir hätten das Fleischbeschaugesctz aus anderen als beterinärpoli- zeilichen Gründen gemacht. Tas ist eine ganz ftivole und unberechtigte Verdächtigung.
Vicepräsident Büsing: ES ist nicht zulässig, einem Abgeordneten den Vorwurf der frivolen Verdächtigung zu machen. Ich rufe Sie zur Ordnung.
Abg. Gamp (fortfahrend): Leider fehlen mir die parlamentarischen Worte.
Vicepräsident Büsing: Das ist doch kein Grund, einen un- parlamcntarischen Ausdruck zu gebrauchen.
Abg. Garnp (forrfahrend): Ich gebe zu, daß die Fleisch- Produktion gegenüber dem Vorjahr zurückgcgangen ist, aber das geschah aus natürlichen Gründen. In Deutschland ist der Grund der, daß wir zwei futterarme Jahre hatten. Heute ist der Preis für Ferkel schon wieder um 25 bis 30 Prozent zurückgcgangen, und wenn es so weiter geht, haben wir im nächsten Jahre eine Schweine- noth, wie sie nie gewesen ist, d. h. eine Noth in dem Sinne, daß die Landwirthe ihre Schweine zu annehmbaren Preisen gar nicht mehr los werden können. Wenn ich für die Aufrechterhaltung der Schutzzollpolitik auch auf diesem Gebiete eintretc, so thue ich es im Interesse der Arbeiter. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ja, wenn Sie die inländische Produktion nicht schützen, so steigen die Preise für die Auslandsprodukte ganz gewaltig. Gegen die Oeffnung der Grenzen hätte ich ja an sich nichts einzuwcnden, aber der Glaube an die Stetigkeit unserer Verwaltung würde dadurch in den Augen der Landwirthe erschüttert werden, sie würden muthlos werden, wenn sie sehen, daß die zu ihrem Schutz getroffenen Maßnahmen wieder aufgehoben werden. Und außerdem würde die Oeffnung der Grenzen die Preise gar nicht niedriger gestalten. Die ganze Rechnung des Abg. Bebel ist unrichtig. Er thut so, als ob die paar Grundbesitzer tausend Millionen in die Tasche stecken. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wo bekommen Sie denn Ihre tausend Millionen her, Herr Bebel? Raus damit! (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Daß die Zölle nicht die Lebensmittel verthcuern, beweisen doch die Zuckerzölle. In dem Augenblick, wo die Viehzucht so steigt, daß wir unseren heimischen Bedarf decken können, haben die Zölle keinen Einfluß mehr aus die Preise. Die Regierung sagt, daß die Zölle, die sie vorgcschlagen hat, im Interesse des Schutzes der heimischen Landwirthschaft nothwendig seien. Sind die Zölle aber nothwendig, dann darf man sie nicht als Handelsobjckte benutzen, sondern sie als Mindestzölle festsetzen. Es ist nothwendig, einen Schutz zu treffen, durch den die Produktionskosten in den einzelnen Ländern einigermaßen ausgeglichen werden. Was geschieht, wenn das Ideal Bebels verwirklicht und alle Zollschranken nicdergerissen werden? Dann giebt cs einen Kladderadatsch, gegen den der von Herrn Bebel prophezeite Kladderadatsch ein Kinderspiel ist. ©ic Sozialdemokraten rechnen auf Zuwachs bei den Wahlen. Gewiß, ich glaube selbst, daß die Herren dabei Geschäfte machen
werden, aber doch nur auf Kosten der Linken. Und glauben denn erwa die National-Liberalen, daß die Industriellen ihnen blindlings folgen werden? Ich glaube, die Haltung des Abg. Basierman» hat vielen Industriellen Anlaß zu lebhaften Beschwerden gegeben, und viele National-Liberale werden sich hüten, Männer von der Richtung Basserrnann nochmals zu wählen. (Lachen links.) Man spricbr setzt viel von einem Kartell der Linken. Herr Barth hat förmlich um die Gunst der Sozialdemokraten gewimmert. (Heiterkeit reckls.) Noch hat Herr Singer Herrn Barth nicht den Bruder» kuh gegeben (Heiterkeit), aber es wird schon noch kommen. Ich be» nerdc Herrn Barth nicht darum. (Heiterkeit und Lachen links.) Aber bei der Wahlbewegung werden wir die Aeußerung des Herrn Barth, daß das Bündniß mit der Sozialdemokratie eine absolut nothwendige und gerechte Sache ist, schon niedriger hängen. Ich möchte Ihnen zu bedenken geben, Herr Barth, ob Sie sich nicht lieber einen anderen Wahlkreis aussuchen wollen, als den, wo die Bauern so stark vertreten sind, wie im Kolberger Kreis. (Abg. Dr. Barth: Nein!l Ich brauche den Bauern blos zu sagen, daß sich Herr Dr. Barth oen Sozialdemokraten fast an den Hals geworfen hat, und die Bauern werden ihm die Gefolgschaft versagen.
Der Reichskanzler hat die ReaierungSvorlage als Kompromiß bezeichnet. Daraus geht hervor, Daß einige Regierungen andere Forderungen ausgestellt haben. Dann kann es der Kanzler aber auch uns nickt übel nehmen, wenn wir Ansichten vertreten, die von anderen Regierungen getheilt worden sind. Daß das bezüglich der Gerste zutrifft, hat ja Herr Dr. Heim schon bewiesen. Der Kanzler selbst hat den 4 Mark-Zoll für Gerste vorgeschlagen, zum Mindesten entstammt der Vorschlag seinem Resiort; wie kann er dann diesen Zoll für unannehmbar erklären? Auch die Beschlüsse der Kommission bilden ein Konipromiß; viele Kollegen haben ihre weitergehenden Wünsche zurückgcdrängt. Es erscheint also nicht unangemessen, daß eine weitere Verhandlung zwischen Reichstag und Regierung stattfindet, aber der Reichstag kann eS sich nicht gefallen laffen, daß die verbündeten Regierungen von vornherein die Grenze festsetzen, welche nicht überschritten werden darf. Meine politischen Freunde wünschen — ich kann daS auf das Bestimmteste erklären — durchaus eine Verständigung mit den verbündeten Regierungen. (Ruf links: Zu spät!) Ob eS zu spät ist, kann ich nicht übersehen, ich kann nur nochniaks betonen, daß wir dringend eine Verständigung wünschen. Aber wir können unS natürlich nicht unterwerfen, wir müssen eine mittlere Linie finden, und die muß gefunden werden zwischen den verbündeten Regierungen und der großen Majorität des Reichstags. (Ruf links: 25 Pfennig!) Nein, auf die 25 Pfennig kommt es mir gar nicht an, sondern nur auf das Prinzip. (Gelächter links.) Die Negierung muß unS al- gleichberechtigter Faktor ansehen, und ich wundere mich nur, daß die Herren von der Linken diesen konstitutionellen Standpunkt nicht achten. Die Kompensationszölle dürfen wir nicht beseitigen, wir brauchen sie miS Rücksichten auf die Handelspolitik, die auch wir wünschen. Ich gehöre mich nicht zu denen, die der Ansicht sind, daß die Jndustriezölle ermäßigt werden muffen, denn ich will nicht die Position unserer Industrie gegenüber dem Ausland schwächen, nur damit die Landwirthschaft etwas weniger für ihre Maschinen bezahlt. Vergessen Sie aber niemals, daß die Grundlage der Pyramide unsere 20 Millionen starke landwirthschaftliche Bevölkerung bildet. Stürzt diese Grundlage ein, dann bekommen wir den Kladderadatsch, den Herr Bebel herbeiwünscht. (Beifall rechts.)
Hierauf vertagt sich das HauS.
Persönlich bemerkt
Abg. Bebek, er habe sich geirrt. Die Aeußerung. an die er dachte, stamme nicht von dem Minister Crailsheim, sondern von dessen Bruder.
Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. (Fortsetzung der zweiten Lesung des Zolltarifgesetzes.)
Schluß 5% Uhr.
durch Zurückhaltung des fremden Fleisches, und da dir Herren sich darüber aussprachen, daß vielleicht schon durch die bloße An- Lmdigung Fleisch nach Posen gebracht werden könne, so habe ich versucht. Der ©tobt zu helfen. Uebrigens ist es eine Geringfügigkeit, um die es sich gehandelt hat, und die Konferenz und die Aussprache der betreffenden Herren, die hat nicht in meiner Gegenwart stattgefunden. Da Herr Bebel die Sache wieder vorgebracht hat, so habe ich mich veranlaßt gesehen, sie hier richtig zu stellen, wie sie verlaufen. (Während dieser komplizirten Darstellung hat sich Anfangs eine stille, dann immer lauter werdende Heiterkeit im Saale verbreitet, die zunimmt, je mehr sich der Redner in seine Sätze verwickelt. Man sieht es den Abgeordneten an, daß ihnen die Sache immer dunkler wird. Bei der Schlußversicherung des Redners, daß er die Sache richtig gestellt habe, bricht ein Thcil des HauseS in lautes, heiteres Lachen aus.)
Ich sollte meinen, der Schwerpunkt für alle Männer, die es mit unserem Vaterlande ernst und gut meinen (Lachen bei den Sozialdemokraten), kann nur darauf hinausgehen (Heiterkeit), die Gegensätze nicht zu vertiefen, sondern auszugleichen. Ich glaube, das ist doch wohl der Arbeit ernster Männer werth. Ich bin immer ein Gegner von Ihnen (zu Den Sozialdemokraten) gewesen und werde es bis zu meinem Lebensende bleiben. Ich bin aber immer ein ernster Gegner gewesen, der gerade heraus gesagt hat, was er thut. Sie können überzeugt sein, wenn Sie es auch noch so wünschen, daß diese Agitation doch schließlich scheitern wird an dem Bewußtsein aller der Männer, die treu zum Vaterlande stehen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich habe Ihnen (zu den Sozialdemokraten) weder Vaterlandslosigkeit vorgeworfen, noch, daß Sie nicht treu zum Vaierlande stehen. Ich habe nur einen Appell gerichtet an alle Männer hier im Hause, die sich zusammen- finoen wollen, um etwas Nützliches für das Vaterland zu schaffen, und es ist eine ernste große Aufgabe. Aber ich hoffe, wir lösen sie (Lachen bei den Sozialdemokraten), wenn auch Herr Bebel daran gezweifelt hat. Ich bin aber überzeugt, es muß und wird sich ein Weg finden. Die Regierungsvorlage ist bestrebt gewesen, zwischen den Wünschen, die weit nach der einen und weit nach der anderen Richtung gingen, die Mittellinie zu halten (Lachen links) und diejenige Grundlage zu schaffen, auf der es möglich ist, auch in Zukunft gute Handelsverträge zu schaffen.
Bairischer Ministerialdirektor von Geiger: Herr Bcbcl hat in seiner Rede u. A. gesagt, daß der bairische Ministerpräsident Graf Crailsheim am 2. Oktober im bairischen Landivirthschaftsrath (Abg. Bebel: Das habe ich nicht behauptet.) eine Ausführung über die Grenzsperre gemacht habe, die dahin ging, sie sei erfolgt, weil Oesterreich billiger Vieh produzire. Ich glaube, Herr Bebel wird sich im Namen des Herrn geirrt haben. Die Sache gehört doch gar nicht zum Ressort des Ministeriums des Aeußeren, das dem Grafen Crailsheim untersteht, sondern zum Ressort des Ministeriums des Innern, an dessen Spitze Herr von Feilitzsch steht. Ob die erwähnte Aeußerung überhaupt irgendwo gefallen ist, ist mir nicht bekannt. Herr Bebel stützt sich wahrscheinlich auf Zeitungsnachrichten, und diese sind bekanntlich nicht immer zutreffend. So lange nicht in anderer Weise der Nachweis der Richtigkeit der von Herrn Bebel angeführten Aeußerung erbracht ist, muß ich sie mit aller Entschiedenheit bestreiten. Die Aeußerung kann aber auch nicht von unserem Minister des Innern Herrn von Feilitzsch herrühren, denn dieser hat in der Sitzung des Landwirthschaftsraths vom 29. September d. I. eine Rede gehalten über die Seuchcn- polizei und die Fleischnoth, in welcher er ausdrücklich betonte, daß die Regierung die Pflicht habe, alle Interessen, sowohl diejenigen der Landwirthschaft, wie diejenigen der Konsumenten, insbesondere der minderbemittelten, zu schützen. Der Herr Minister hat weiter fiesagt, daß eine strenge Handhabung der Seuchenpolizei nothwendig ei, um einer Verseuchung dc§ einheimischen Viehbestandes vorzubeugen. Im Sinne des Herrn Bebel ist sicher keine Aeußerung gefallen. Ich muß daher auch die Schlußfolgerungen, die Herr Bebel aus dieser Aeußerung gezogen hat, zurückweisen. Es wird in • ‘een bezüglich der Grenzsperre genau nach den bestehenden Vor-
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Aus Hmdt uui) Land.
**Personalnachrichten. Ter Großherzig hat -en Bürgermeistern Phi tipp H o f m e y e r ITT. zu Schwan- Heim, Peter Conrad II. zu Beedenkirchen, Marn Bersch ,zu Balkhausen und Johannes Essinger III. zu Reichenbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Tienste" am Bande des Philippsordens, dem Schullehrer Jakob Schuhmacher zu Viernheim aus .Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Äreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen vergehen. Ten Charakter als ,Fiegierungsrat" erhielten 'die Sterterkommissäre Jaüob Steinhäuser zu Alsfeld, Adam Hübner zu Ober-Ingelheim, Karl Schneider zu l Seligenstadt, der Kassier bei der Staatsschulden lasse Adolf -Schläger zu Darmstadt und die Obersteuerinspektoren /Tr. Adolf Heil, z. Zt. in Offenbach und Adolf W einen - chruch in Gießen.
* Darmstad t, 26. Okt. Ter Großherzvg empfing am 25. Oktober vu. a. die Professoren Tr. H e i m - .bürger uni> Dr. Wünsch von der Landes-Universitäit Meßen, den Präsidenten Wolfskehl und den Vizepräsiden- 'ten Geh. Baurat Becker vom Mufikverein Darmstadt, den ^andwirtschaftslehrer Lintz von Büdingen, den König!. Großbrit. Geschäftsträger Mr. Johnstone.
Vermischtes.
* Berlin, 25. Okt- Ter sächsische Staatsminister Dr. Müger verunglückte durch Sturz und erlitt einen Arm- dru ch.
* Wie man in Frankreich die großen Diebe laufen läßt, lieber die Entweichung des Bankiers B o u l a i n e aus der milden Obhut der Pariser Poli- 'zeiinspektoren Feger und Bonfils wird folgende heitere ^Geschichte bcrid)tet Tas Verhör bei dem Untersuchungs- ,Achter war schon gegen i/2l Uhr beendet. Tann ging Bou° ,laine etwa eine Stunde lang mit seiner Gattin unb niedreren Bekannten in den Gängen des JustiHpalastes auf und ab. •Um Vs5 Uhr setzte er sich mit Feger und Bonfils in einen ö'aker und rief dem Kntscher zu: Rue Lamartine, das »HauS werde ich Ihnen dort bezeichnen. Seine Begleiter ävarerr etwas erstaunt, denn die Rue Lamartine liegt weit »ab von dem Gefängnis, wohin er Hütte zurückgebracht werden .'sollen. Hier machte er einen kurzen Besuch und dann lud ,er die Polizisten zum Dine r ein. Man speiste ohr vergnügt, das Menu war fein und die Unterhaltung so herzlich, daß der Wirt nimmermehr geglaubt hatte, er habe einen Gefangenen und seine Hüter bei sich. Diese betben tranken noch feine Schnäpse nach dem Kaffee Boulaine enthielt fich. Während des Essens wurde er zum -Telephon gerufen. Seine „Freunde" ließen ihn allein gehen, mnd er hatte schon jetzt entwischen können. Rach dem Tiner «fuhr man in ein Hans nahe der Börse, wo Boulaine etwas zu erfragen hatte, und dann teilte er seinen Gefährten mit er möchte noch gern einen Besuch im Maüelameviertel Wachen. Tas wurde ihm auch noch erlaubt. LlS er sich aber nach Verlauf einer Stunde nicht blicken ließ, stieg in den Polizisten ein Verdacht auf, und siche da: das feau* hatte zwei. Thüren. Feger und Bonfils waren so naiv, ihren Lunden bei seiner Loch re r und bei einem Freunde fimicn, aber sie fanden ihn selbstverständlich nMu. Jetzt si.n w verhaftet. Sie versichern, sie hätten kein Geld bekommen, I
sondern sich nur von der Liebenswürdigkeit des Herrn Boulaine, der ihnen seine baldige Freilassung angekündigt hatte, beftricEen lassen. — Ter „Gaulois" kommentiert die Nachricht bezüglich der angeblichen Begünstigung der Flucht der Familie Humbert und erklärt, daß es sich um den Chef der Sicherheitspolizei, C o ch e - fert, handle. In maßgebenden Kreisen wird versichert, daß Coa)efert einen sechsmonatlichen Urlaub erhalten wird. Ter Polizeipräfelt stellt aber das Gerücht von der bevorstehenden Verabschiedung Cocheferts in Abrede und hat diesen ermächtigt, gegen den „Gaulois" die Berleum- dungsklage anzustrengen.
Uiüversitäts Nachrichten.
Die jüngste deutsche Universität. Die Erhebung der Akademie M ün ster i. W- zur Universität wurde am Samstag in feierlicher Weise begangen. Die Stadt war prächtig geschmückt. Tie zahlreichen Festlichkeiten leitete am Freitag Hin Fackelzug der gesamten Studentenschaft ein. Vor dem Schloß hielt Student der Mathematik Kremer eine Ansprache an den Kultusminister Tr. Studt, dem zu Ehren der Zug stattfand. Ter Minister dankte und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, das begeistert ausgenommen wurde. Am Samstag vormittag wurden in der Tomkirche und in der evangelischen Crlöserkirche Fcftgottesdienste ab» gehalten, an welchen sämtliche geladenen Gäste teilnahmen. Vertreter von allen preußischen Universiläten waren in Münster eingetroffen. Nach dem Gottesdienst fand in der Aula der Universität um llhs Uhr vormittags ein Festakt statt. Außer den Ministern Schönstedt und Möller waren am Samstag noch die Spitzen der staatlichen und städtischen sowie militärischen Behörden erschienen. Tie erste Rede hielt Minister L-tudt, welcher der neuen rechts- und staatswissenschastlichen Fakultät Glück wünschte und eine Reihe Auszeichnungen verkündete. Der Justizminister überbrachte die Glücüvünsrche der preußischen Justizverwaltung. Der Rektor der Universität, Schröder, hielt die Festrede. Tie Tekane der Fakultäten verkündeten die Er- nemutngen der Ehrendoktoren. Im Namen der Rektoren sämtlicher preußischen Universitäten überbrachte der Rektor der Universität von Berlin Glückwünsche. Frhr. v. Landsberg teilte mit, daß die Provinz Westfalen 50000 Mk. für wisienschaftliche Arbeiten Angehöriger der Universität stifte. Der Oberbürgermeister gab bekannt, die Universität Münster habe 50 000 Mk. für sechs Stipendien jährlich für Juristen gespendet. Tie Feier schloß mit einem Gesang.
der «rrinigten Frankfurter StadUhrater. Opernhaus.
Dienstag den 28. Oktober'): „DaS Rheingold." Mütwoch den 29. Oktober: „Die Fledermaus". Donnerstag den 30. Oktober: r6antfon und Delila." Freitag den 31. Oktober geschlossen. Samstag den 1. November geschlossen. Sonntag Den 2. November, nachmittags halb 4 Uhr: „Ton Pasquale." Abends 7 Uhr: „Lohengrin."
Schärft piely«uv.
Dienstag den 28. Oktober'): „Lorbeerbaum und Bettelstab." Mittwoch den 29. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Ter Nachtwächter." Hierauf: „Ter alte Bürgerkapüän." Abends 7 Uhr: 3’im Bestell des Denkmals für Goethes Statt et: „Die Laune des Verliebten. Hierauf: ,Elavigo.' Donnerstag den 30. Oktober: Zum Abschied vom allen Schaujpielhause: „Jphtgenie auf DauriS."
Hieraus: Epilog von Emil Elaar, gesprochen von Fräulein Boch. Freitag den 31. Oktober geschlossen.
Neues S chauspi elb aus.
SamStag den L November, abends halb 8 ttfatt Fest- vorftellnng zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses. Ouvertüre. Vorspiel zur Einweihung des neuen Schauspielhauses von Ludwig Fulda: tjtcrauf: „Faust" von Goethe (Prolog „Im Himmel^ und 1. Akt. Zum Beschluß: „Wallensteins Lager' von Schüler. Sonntag den 2. November, abends 7 Uhr: Wiederholimg der Fest- vorstcllung zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses: Borfpiel von Ludw. Fulda. „Jauste (Prolog .Im Himmel' und 1. Akt). Zum Beschluß: „Wallensteins Lager.' Montag den 3. November: Leyte Wiederholung der Fesworstellung zur Eröffnuna des neuen Schan- spiechauses: Vorspiel von Ludwig Fulda. „Faust' (Prolog ^Jm Hinunel" und L Akt). Zum Beschluß: „Wallensteins Lager.'
') Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
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Klteralur.
— „Die da hungern nach Glück und Liebe k" Roman aus dem Hochgebirge von Alfred Hennig. Illustriert von M. Kammer, H. Kreyßig und H. Volkert. FS Ackermanns Verlag in Weinherm. Preis 1.60 Mart. In dresem Roman offenbart sich wieder voll und ganz die Et gen art Henntgs, eines Bekenners der allen Schule, welcher den Leser sich nicht durch langatmige Thesen hiitdurchqtmlen laßt, sondern ihn in gefühlvoller, lebendiger Sprache von Kapitel zu Kapitel führt unb ihm die Trager der Handlung so nahe zu Gemüt und Herzen führt, daß er mit ihm fühlt tmb denkt und das Werkchen nicht eher ander Hand legt, als bis er zum Schluffe gelangt ist.
Ururste Meldungeil.
Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeiger.
Paris, 26. SD Et Heute wurde in Nantes das Den k- m a l des im Transvaal kriege gefallenen französische» Oberst deBillebois-Mareuil eitthüllt. Alls Vertreter der Burengenerale wohnten der Feier der ehemalige Generalkonsul der südafrikanischen Republik, Pierson, und ein Neffe Krügers, Namens Grvbler, bei. Mehrere Redner, darunter der Deputierte und ehemalige LriegSminister Krantz, verherrlichten das Andenken Blllevots. Tre Buren* generale Botha, Dewet und Delarey hatten dem Maire von Nantes telegraphisch mitgeteilt, öS sei ihnen zu chrem Bedauern nicht möglich, an der Feier teilzunehmen.
Catania, 26. Okt. Infolge wolkenbruchartiger Regen ist der Fluß S i m e t o ans den Ufern getreten. Tie Äsenbahnverbindung nach Siracusa ist unterbrochen. 2luf den Feldern hat die Ueberschwemmung großen Schaden angenchtet, besonders bei der Ortschaft öicocca. Man befürchtet, daß auch Menschen verunglückt find. Ein Hilfszug und Truppen sind in das llederschwemmungsgichiet abgegangen. Nach weiteren Meldungen ist die Eisenbahn- Linte Catania^Siraeusa auf einen Kilometer in der Nähe von Dicocca zerstört. Tie Behörden und das Militär, die sich an die Unglücksstätte begaben, mußten in Kähnen heranfahren. Tas Wasser erreichte eine Höhe von fünf Metern und überschwemmte das Land in einer Ausdehnung von acht Kilometern. Tie Landleute der umliegenden Ortschaften sind auf die Indier ihrer Hauser gestieaen und bitten um Hilfe, indem sie Flintenschüsse in die Lust feuern. In anderen Teilen u<-r Provinz sind die Flüsse gleichfalls ausgetreten und »"""trsachten mr rfachen Schaden, namentlich in den Weü .en.


