Der Grunbzug im Cha.rakter unseres Kaisers ist ein heiterer und lebhafter, er liebt es, wenn er sich gesellig giebt, vergnügte Gesichter um sich zu sehen, und er liebt es nicht minder, diesem und jenem unerwartet eine Freude zu bereiten. D-rs Tages Arbeit ist wahrlich groß genug — hatte doch nur das Zivil-Kabinett int letzten Jahre allein über 46 000 Sachen zu erledigen, und das bedeutet doch blos einen Teil in der Abwickelung des! Ganzen! — daß man versteht, wenn der Herrscher sich abends nach zwangloser Vereinigung und einer „nicht offiziellen" Aussprache sehnt; die Behaglichkeit, die dann sein ganzes Wesen durchströmt, teilt sich schnell den Anwesenden mit, und an offenen Worten, an lustigen Scherzen, an der Erzählung heiterer Erlebnisse fehlt es nie. Oft kommt es auch vor, daß plötzlich der Kaiser ein wichtiges Thema berührt, aus dem Aermelaufschlag seiner Uniform ein Schriftstück, einen Bericht, einen aus weißem Papierbogen geklebten Zeitungsausschnitt hervorziehend und den Inhalt mtttettend, um teils eigene Erörterungen daran zu knüpfen, teils die Meinungen seiner Umgebung zu vernehmen. Und die scheinbar entferntest liegenden Dinge gewinnen dann ein aktuelles Interesse, denn es ereignet sich nichts von einiger Bedeutung auf dem weiten Erdenrund, wovon dem Kaiser nicht durch das Zivil- Und Militärkabinett, durch Kriegsministerium und Generalstab, durch die einzelnen Ministerien, durch die auswärtigen deutschen Gesandtschaften und Militärattaches rc. 2c. Mitteilung gemacht wird. In politischen wie persönlichen Fragen liebt es der Kaiser, das Gegenteil seiner eigenen Ansichten zu — vernehmen refft. zu — lesen, nantentlich die Meinungen der fremden Presse, und häufig weisen derlei Ausschnitte interessante Randbemerkungen in der charakteristischen Schrift des Kaisers und seiner kurzen Ausdrucksweise auf.
Körperlrche wie geistige Regsamkeit des Kaisers spiegelt sich auch! in seinem Antlitz wieder. Man wird nur wenige Porträts von ihm sinden, die ausgesprochene Aehnlich- keit mit dem Vorbild haben, und die sich untereinander gleichen, ebenso geht's mit Büsten von ihm, mit Münzen und Medaillen, sogar mit Photographieen, selbst wenn sie nach der Natur ausgenommen worden sind- Das Gleiche war übrigens bei der Königin Luise der Fall; von ihr bewahrt das Hohenzollern-Museum eine größere Anzahl von Bildnissen, welche die besten Meister gemalt haben, und die bezüglich der äußeren Uebereinstimmung grundverschieden voneinander sind, auch wenn sie aus derselben Zeit stammen. Der Kaiser weiß, wie schwer er zu „treffen" ist, und in den letzten Jahren darf sich kaum ein Maler rühmen, daß der Herrscher ihm gesessen hat; dagegen wohnen einige bevorzugte Künstler den Hofsestlichkeiten bei, um aus diese Weise Gelegenheit zu haben, ihre Studien zu machen. Neuerdings erweist sich Hans Fechner als Kaisermaler ersten Ranges, ein Künstler, dem, wie wir jüngst meldeten, neulich auch unser Großherzog gesessen hat. Es giebt aber weit mehr künstlerisch wertlose, nur durch allerhand Effekte wirkende „Paradebilder" vom Kaiser, miserable Darstellungen, die man selbst für Ansichtspostkarten als zu schlecht einschätzen sollte. Aber gerade heut-: wurde uns eine Kaiser geb u r ts- tags- Ansichtspostkarte aus einem Münchener „Kunsts- Verlag aus den Redaktionstisch gelegt, die an Geschmacklosigkeit ihres Gleichen nicht so bald finden dürfte. Der Kaiser steht in abscheulicher Pose aus einer das deutsche Reich darstellenden Landkarte und zeigt aufs weite Meer hinaus. Die Ausführung erinnert stark au die Pinseleien des Herrn Knackfuß. Und der Münchener Verlag hat die Stirn von uns zu verlangen, weil er uns zwei solcher Karten gnädtgst überreicht, daß wir unseren Lesern mitteilen, diese Jammerdinger seien von „hoher künstlerischer Vollendung" und stellten ,chie geistvollste Allegorie Wilhelms II."-dar!!
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Die Ausgabe der großen P a r o l e in> Berlin am heutigen Geburtstage'des Kaisers wird diesmal ein besonders festliches Gepräge haben. Der PrinzvonWales mit seinem ganzen Gefolge wird den Kaiser zu Fuß vom Schlosse aus nach der Ruhmeshalle begleiten und dort der großen Parole-Ausgabe und einer Ansprache des Kaisers an die Offiziere beüvohnen. Alsdann wird der Monarch dem Prinzen von Wales die HauptsehenÄ- würdigketten der Ruhmeshalle zeigen und dann in großer Begleitung wieder zu Fuß ins Schloß zurückkehren. — Wie in militärischen Kreisen verlautet, wird in den nächsten Tagen zu Ehren des englischen Prinzen auf dem Tempelhofer Felde eine militärische Hebung mit Parade stattfinden, zu der die einzelnen Truppenteile der Berliner Garnison stärkere Abordnungen stellen.
Der Prinz von Wales traf am Sonntag abend in Berlin ein. Zum Empfang waren erschienen der Kaiser in der Uniform der Royal Dragoons, die Prinzen Eitel Friedriche Heinrich, Friedrich Leopold, Albrecht mit den Söhnen, der Herzog von Coburg, Lascelles mit den Botschaftsmitgliedern, der Oberst der ersten Gardedragoner, die Generalität und Admiralität. Bei dem Einlaufen des Zuges präsentierte die Ehrenkompagnie des zweiten Garderegiments. Der Kaiser begrüßte den Prinzen, der die Uniform der ersten Gardedragoner trug, sehr herzlich und schritt mit ihm nach der Begrüßung der Prinzen und der Vorstellung des Gefolges die Front der Ehrenkompagnie ab, wöbet die englische Hymne gespielt wurde. Es folgte hierauf ein Parademarsch in Sektionen. Der Kaiser fuhr sodann mit dem Prinzen in geschlossenen tztalawagen, von einer Schwadron der ersten Gardedragoner eskortiert, nach dem Schlosse, wo der Prinz von Wales an der Familientafel teilnahm.
(Die Begrüßungsrede sindet sich in der ParlamentKBeilage.)
Uefcev den Lebensgang des hohen englischen Gastes im Berliner Kaiserschloß, des englischen Thronfolgers^ ist folgendes mitzuteilen: Prinz Georg, geboren 1865, ist der zweite Sohn König Eduards. Prmz Georg und sein älterer, 1892 verstorbener Bruder, traten zusammen als Kadetten in die Marine ein. Zwei Jahre verbrachten sie an Bord des Schulschiffes „Britannia", dann machten sie eine dreijährige Reise um die Welt an Bord der „Bacchante". 1890 eröffnete Prinz Georg, der inzwischen Kommandeur des in Westindien stationierten Kanonenbootes „Trush" geworden war, die Industrieausstellung auf Jamaika 1891 besuchte er mit seinem älteren Bruder Irland, zog sich dort aber ein gefährliches Fieber zu. 1892 nahm er zum ersten Male seinen Sitz im Oberhause ein. Im Herbst desselben Jahres bezog er die Universität Heidelberg. 1893 wurde seine Verlobung mit der Prinzessin Victoria Mary von Teck, der früheren Verlobten seines verstorbenen Bruders, an- 'gekündigt, und am 6. Juli fand in der Kapelle des S,t. James-PalasteS in Gegenwart des dänischen Königspaares, des damaligen Zarewitsch (jetzigen Zaren Nikolai II.) und fett ganzen *»glHchen SSnigsfamilie die Hochzeit statt. In
Hlchre NrwSt Georg zum Kapitän zur Ser
befördert. Er war wiederholt mit internationalen Repräsen- tationsftflichten betraut, so bet der Einweihung der Schloßkirche in Wittenberg, bei der silbernen Hochzeit König Umbertos von Italien, bei der Vollendung des Nordostseekanals und zuletzt bet der Großjährigkeitsfeier des deutschen Kronprinzen. Prinz Georg steht a la suite des ersten Garde- Dragon erregiments; er ist Ritter des Schwarzen Adler- Ordens. Seiner Ehe mit der Prinzessin von Teck sind vier Kinder entsprossen. Die Prinzen Eduard Albert (geb. 1894), Albert Friedrich (geb. 1895), Prinzessin Viktoria Alexandra (geb. 1897), Prinz Henry (geb. 1900).
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Zum Geburtstage des Kaisers sind in Berlin ferner eingetroffen: der Kronprinz und die kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar. Ter König von Württemberg, der Großherzog von Hessen, der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, der Fürst von Schaumburg-Lippe, der Fürst von Waldeck, die Prinzen Georg und Johann Georg von Sachsen, Erbprinz von Reuß j. L., Erbprinz und Erbprinzessin von Anhalt, der Regent von Sachsen-Coburg-Gotha Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg, Herzog und Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg, Fürst von Hohenzollern und die Schwester und Schwager des Kaisers Erbprinzessin und Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Prinzessin und Prinz Fried- richKarlvonHessen und Prinzessin und Prinz Adolph zu Schaumburg-Lippe.
Politische Tagesschau.
Die Anti-Duell-Liga.
Das Aktions-Komitee der unter dem Vorsitz des Fürsten zu Löwenstein stehenden Anti-Duell-Liga erläßt unter dem frischen Eindrücke der letzten Zweikämpfe einen Aufruf. Darin wird das Programm der Liga wie folgt gekennzeichnet:
„Zunächst wollen wir danach streben, dem-mit aesellschaft- licher Verunglimpfung bedrohten, mutigen Bekenntnis der Duell- gegnerfchaft einen gesellschaftlichen Rückhalt zu gewähren, ferner durch Aenderung des Strafgesetzbuchs den zurzeit ungenügenden gesetzlichen Schntz der Ehre von Person und Familie zu einem wirksameren zu gestalleu, sowie die Einführung von staatlichen und korporarioen Ehrengerichten und die Aechtung von Ehrschändern zu erwirken. Machtlos aber sind wir als einzelne. Wenn wir uns jedoch aus allen Ständeu zusammenschließen mit dem festen Willen, gemeinsam und rastlos auf die Beseitigung der Duell-Geißel hinzuwirken, so wächst unsere Macht und das Gewicht unserer aus Religion, Vernunft und Moral geschöpften Gründe. Von diesen Erwägungen ausgehend, wurde am 11. Januar 1902 die deutsche Anti-Duell-Liga errichtet. In ihrem Namen wenden wir uns mit diesem Aufruf an alle, die das Leben im Dienste der Mitmenschen höher schätzen als die Befriedigung persönlicher Interessen und Empfindungen. Helft auch Ihr uns dabei, Ihr edlen deutschen Frauen, die Ihr berufen seid, Haus und Herz Eurer Gatten uno Brüder zur Pflanzstätte echt deutscher Religtosität und Gesittung zu machen und den Keim wahrer Gottesfurcht und Zucht in die Herzen Eurer Kinder uud Kindeskinder zu legem Und Ihr, deutsche Männer, zu welcher Religion oder Parteirichtung Ihr Euch auch bekennen mögt: laßt oiesen Weckruf nicht in Eurem Innern verklingen, jonoern stärkt unsere Bestrebungen durch Euren Beitritt zu unserem
Aus Stadt und Land.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, den 27. Januar 1902.
** Zur Linderung der Not. Die Anregung, die lange vor dem Weihnachtsfeste schon ein Leser des „Gieß. Anz." zur Linderung der Not Arbeitsloser gegeben hat, ist, wie unsere Leser wissen, von schönem Erfolg gewesen. Jener Spende ist eine zweite, erheblich größere, gefolgt, von der dieser Tage die Bürgermeisterei eine amtliche Bekanntmachung erließ, und jetzt sind durch den Bevollmächtigten des Herrn C. W. B. Fernie der. Bürgermeisterei 200 Mk. zur Verfügung gestellt worden als Beitrag zu den Kosten, die durch die Verabreichung warmen Frühstücks an arme Schulkinder in diesem Winter erwachsen. Wir fteuen uns, unseren Lesern hiervon Mitteilung machen zu können, und wollen wünschen, daß diesen Spenden noch weitere folgen mögen.
** Religioosgeschichtliche Vorträge. Am Freitag (24. Januar) sprach Prof. Holtzmann über „Die Erbaung der Welt durch die Kirche". Jesu Predigt, führte er aus, ist inhaltlich derart, daß sie keinen Wertunterschied unter den Völkern kennt; aber Jesus sendet seine Jünger nur zu den Israeliten, lebt ungern unter den Heiden, predigt ihnen nicht, hat nur ein tadelndes Wort für die jüdische Mission. Und feine Jünger kommen nach der Erscheinung des Auferstandenen von Galiläa nach Jerusalem, predigen aber nicht den fremden, heidnischen Völkern, wenn sie auch solche jüdisch lebenden Leute aufnehmen, die von dem herrschenden Judentum verworfen waren, wie die Samariter: die Gemeinde des gekreuzigten Messias kann das Gesetz nicht als bindende Norm bettachten. Eine solche Gemeinde bildete sich in Jerusalem, während die galiläischen Anhänger Jesu eine Richtung innerhalb' des Judentums Hieben. Erst in Antiochia in Syrien kamen nicht jüdisch-lebende Heiden in die Gemeinde, die auch hier erst ihren Christennamen erhielt. Von hier aus wird, durch Paulus zuerst, die Eroberung der römischen Welt begonnen. Der Zusammenstoß der alten jüdisch-lebenden Richtung, die unter andern PetruS vertritt, und der neuen durch Paulus geführten Richtung führt eine Niederlage des Paulus in Syrien und Cllicien herbei, die chn aus diesem Arbeitsfelde, auf dem er 14 Jahre wirksam war, nach Cypern, Kleinasien (außer Cilicien), Macedonien und Griechenland hinaustreibt, bis er bei einem Versuch, mit der Urgemeinde sich auszusöhnen, in Jerusalem durch die Römer verhaftet wird. Gefangen kann er noch zwei Jahre in Rom wicksam sein. Paulus gründet Gemeinden in den römischen Kolonien; er beginnt seine Predigt regelmäßig in der Synagoge, gewinnt aber namentlich die zum jüdischen Gottesdienst haltenden Heiden. Das Vorhandensein dieser dem Judentum zugewandten Heiden erklärt die rasche Ausbreitung des Christentums; die Mission des Judentums hört jetzt auf. Die Christengemeinde in Rom wird bei einer Vertreibung sämtticher Juden aus Rom rein heidenchristlich. Die Ausbreitung des Christentums in Kleinasien läßt sich schrittweise verfolgen; zur Zeit Trajans ist die nordwestliche Landschaft Bithynien dem Christentum wett erschlossen; im zwetten Jahrhundert ist Kleinasien das Herz der Christenheit. Aber Hadrian sindet auch in Alexandrien zahlreiche Christen. Im dritten Jahrhundert giebt es Christen in allen Provinzen des Reichs. Diesen Erfolg verdankte das Christentum der HeilSgewiß- heit und dein Ideale der Vollkommenheit, das e5, im Gegen
satz zu den ebenfalls weitverbreiteten Gottesdiensten der Isis und des Mithras, an einer großen Persönlichkeit veranschaulichte. So mußte ihm trotz des heftigen Widerspruchs der Staatsgewalt doch schließlich die Herrschaft über die römische Welt zukommen. — Aber auch die Germanen wenden sich dem Christentum zu, nicht um. seiner Verfassung und seines Prunkes willen: sie werden im Gegensatz zu Rom Arianer, erst nach dem Untergang Westroms nehmen die Franken die Lehre des Athrenasius an. Jetzt kommen Missionare vom fernen Irland zu den Alemannen, und zwar Mönche, wie auch Papst Gregor L Mönche zu den Angelsachsen schickte, von wo später Bonifatius ausgeht, der die fränkische Kirche ausgebreitet und an Rom angeschlossen hat. Damals that Zusammenschluß not wegen der südlichen Völkerwanderung des Islam, der seinen großen Erfolg gerade auch seiner Gesetzlichkeit verdankt. In der Folgezeit breitet sich das Christentum nach Norden aus: die Sachsen werden bekehrt, später auch Brandenburg, Mecklenburg, Pommern; Cyrill und Methodius predigen den Bulgaren, später in Mähren, wo Rom die Schutzherrschaft erhält; für Rom wird auch Böhmen, Polen, Ungarn gewonnen, während Rußland sich Byzanz anschließt. Erst später wird Skandinavien christianisiert. Die Kreuzzüge gegen den Islam waren äußerlich erfolglos, aber erweiterten den Gesichtskreis und vertieften das Gefühlsleben. Zunächst wirken sie aufklärerisch. — Das 14. und 15. Jahrhundert bringt Niedergang des Christentums, und auch die Reformationszeit war der Ausbreitung des Glaubens nicht günstig trotz Entdeckung und Besiedelung neuer weiter Gebiete. Doch leistet die katholische Kirche anfangs mehr, wett sie sich mit einer äußerlichen Christianisierung wenigstens anfangs begnügt. Die protestantische Missionsarbeit beginnt mit A. H. Frauke, bald schließt sich die erfolgreiche Herrnhuter Mission an, von der wieder die methodistischen Missionen in England und Amerika beeinflußt sind. Jetzt wirken allein auf deutschem Boden 16 protestontische Missionsgesellschaften; evangelische, römische und russische Mission arbeiten neben einander, freilich die nichtchristlichen Kulturländer sind dem Christentum noch nicht recht erschlossen. Dem Buddhismus gegenüber muß es feinen Eigenwert verstehen. Erfreulich ist heute das allgemeine Interesse an der Mission; auch das Heiligtum Europas, sein Christusbild, muß den dunkeln Erdteilen gebracht werden.
** Fräulein Irene Triesch hat am Samstagabend, wie wtt schon gestern durch Aushang an unserer Expedition mitteilen konnten, telegraphischen Bescheid an den Vorstand des Theatervereins geschickt, daß sie Donnerstag, den 30. d. Mts. zum Gastspiel bereit fei. Als ein Zeichen der Wertschätzung, deren sich das hiesige Theater und der Theaterverein erfreut, ist es mit ganz besonderer Freude und Genugthuung zu begrüßen, daß die ausgezeichnete, jetzt zu den allerersten ihres Faches zählende Künstlerin, um deren Gastspiele ein Wettbewerb der größten Bühnen stattfindet, die in zwei aufeinander folgenden Nächten zurückzulegendc Reise von und nnch Berlin nicht scheut, um uns hier durch ihre Kunst zu erfreuen. Der Beifall eines übervollen Hauses wird Frl. Triesch belohnen. Als Gastrolle hat sie die Marttke in Sudermanns Schauspiel „ I ohannisfeuer" gewählt, als welche sic vor 3 Wochen auch in Frankfurt a. M. gaftirte.
** Deutschland, vergiß deine Helden nicht! Mit diesem Rufe wendet sich der Deutsche Patriotenbund, der sich die Errichtung des Völkerschlachtdenkmals zu Leipzig, des Ruhmes- males der deutschen Befreiung, zur einzigen Aufgabe gestellt hat, mit der Bitte an uns, Gemeinden, Vereine u. s. w. zu Beiträgen aufzufordern. Seiner Thätigkeit ist es gelungen, bis jetzt 435 000 Mk. zu sammeln. Alle Namen Derjenigen, welche 100 Mk. sammeln oder spenden, sollen als Stifter im Innern des Denkmals unvergänglich auf Metall eingeschnitten veröffentlicht werden. Dieses Recht der Namensnennung haben sich bereits 421 Korporationen und Vereine erworben. Es sind 78 Städte, 11 Gemeinden, 117 Vereine, 48 Schulen und 167 Personen. Mit einem jährlichen Beitrag von 10 Mk. während einer zehnjährigen Bauzeit kann sich ein jeder das Stifterrecht erwerben. Beiträge nimmt entgegen : Deutscher Patriotenbund, Vorsitzender Clemens Thieme, Leipzig, Rathausring.
* * Ein böser Lapsus ist bei der Herstellung der Zeichnungsscheine auf die neue Zprozentige deutsche Reichs anleih e passiert. In der letzten Rubrik heißt es nämlich Betrug statt Betrag!
* * Der Gesangverein „Frohsinn" in Lang-Göns begeht am 2. Februar im Gasthaus „zum Gambrinus" fein 47jähriges Stiftungsfest.
- i- Von der Rabenau, 26. Jan. Die vom Pfarroer,oalter Scriba in Londorf und den Lehrern der Gemeinden veranstaltete Sammlung von freiwilligen Gaben für die Buren ergab in Gettshausen 27 Mk., Odenhausen 16 Mk., Rüdingshausen 48 Mk. und Weitershain 26 Mk., zusammen die schöne Summe von 117 Mark, die an den Sekretär der Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes, Hof- Buchhändler Frees, abgeliefert wurde.
Schotten, 25. Jan. Am 17. Februar werden im Gast- Hause „Zum Posthäuschen" elf fiskalische Jagdbezirke, sowie 9 Fischereien (meist Forellenwasser) der Oberförstereien Eichelsdorf, Feldkrücken, Konradsdorf, Schotten und Ulrichstein verpachtet. Da der Wildreichtum dieser Jagden, besonders seit einigen Jahren auch an Rehwild, ziemlich bedeutend ist und die Reviere gut zu erreichen sind, steht eine zahlreiche Beteiligung von Interessenten in Aussicht.
-o- Alsfeld, 25. Jan. Die üblen Folgen der Arbeitslosigkeit sind bis in unsere etwas abgelegene Gegend spürbar. Mehr denn je durchziehen die sogen, reisenden Hand- werksburschen die Landsttaßen und machen die ganze Gegend unsicher. Nachdem vor einiger Zeit ein Mann aus Ober- Breidenbach im Walde zwischen hier und Romrod angepackt worden war, wurde heute nachmittag ein Mensch in das hiesige Hastlokal eingeliefert, der heute morgen eine Frau von Strebendorf im Walde zwischen Ober-Breidenbach und Windhausen angefallen hatte. Die Frau hatte einen größeren Geldbetrag bei sich. Die in der Nähe beschäftigten Holzarbeiter kamen auf das Geschrei herbei und konnten schnell des enteilenden Angreifers habhaft werden.
Büdingen, 25. Jan. Mit dem in diesem Jahre hier stattsindenden Gauturnfest des Kinziggaues soll ein größeres Fest verbunden werden. Als Festplatz ist der Platz bei der Saline in Aussicht genommen.


