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27.1.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 22

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Erstes Blatt. 152. Jahrgang Montag 27. Jannar LSOL

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. jährlich Alk. 2.20; durch

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General-Anzeiger v «*"ä,

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Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW

zeigenteil: Hans Beck.

Zum Geburtstage des Kaisers.

Kaiser Wilhelm kann, wenn auch die Trauer um seine vor einem halben Jahre verstorbene Mutter noch auf ihm lastet, seinen heutigen Geburtstag m größerer Freude begehen als in den beiden letzten Jahren, in denen die Schatten des Todes unmittelbar über dem Festtage lagen. Vor zwei Jahren kämpfte die greise Mutter der kaiserlichen Gattin den letzten Todeskampf, und im vergangenen Jahre war wenige Tage zuvor Königin Viktoria von England, die Großmutter des Herrschers, dahingeschieden, und Kaiser Wilhelm brachte zum ersten Male seit seinem Regierungsantritt seinen Ge­burtstag außerhalb des deutschen Vaterlandes zu.

Sicherlich wurde es damals dem Monarchen schwer, an seinem Geburtstage fern von der deutschen Heimat zu weilen, aber das verwandtschaftliche Pflichtgefühl hielt chn in Eng- land fest, um seinen nahen Verwandten in trüben und schweren Tagen eine Stütze zu sein.

Dieses Pflichtgefühl ist mit nur wenigen Ausnahmen den Herrschern aus dem Hohenzollernhause stets eigen ge­wesen, und unter der Einwirkung eines ganz besonders starken Pflichtgefühls faßt Wilhelm IL seine Aufgaben als StaatS- und Reichsoberhaupt auf. Stets hat er sich als den ständigen Vertreter des Volkes betrachtet und sich gedrungen gefühlt, in der Wahrnehmung öffentlicher Interessen den Anderen voranzugehen. Jederzeit ist es ihm Bedürfnis gewesen, unter Einsetzung seiner eigenen Person für das ihm gut und recht Erscheinende den Staats- und ReichSangehörigen auch mensch­lich nahe zu treten und sie für die Ideale zu begeistern, die chn erfüllen und deren Verwirklichung ihm am Herzen liegt. Am letzten Samstag erst hat er die Gelegenheit, die stch ihm bei der Enthüllung zw eierGlaSfenster im königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin bot, ergriffen, um aufs neue seinen Idealen nach Möglichkeit allgemeine Geltung zu verschaffen. (Vergl. in der Parlamentsbeilage den be­sonderen Artikel.)

Nach der Ansprache bei der Vollendung der Denkmäler an der Berliner Siegesallee können die jüngsten Kaiserworte nicht weiter überraschen. Wir wissen, dass, so modern als Mensch und Monarch Wllhelm IL sonst fühlt und denkt, so sehr er sonst bemüht ist, gerade das antike Ideal in der Jugendbildung möglichst zurückzudrängen, er von den Idealen der griechischen Kunst schwärmt und die heutigen Nachzügler des Klassizismus um die Mitte des vorigen Jahrhunderts für die würdigen Nachfolger eines Praxiteles hält. Aber wie schön, wie beachtenswert und wie durchaus modern ist die »Hoffnung" des Kaisers auf eine Zeit,roo jeder Gegenstand des täglichen Lebens ein Kunstwerk sein wird!" So lauteten nach einer Privatmeldung die bezüglichen Worte des Kaisers, die im offiziösen Texte eine kleine Aenderung erfahren haben. Die Kunst im täglichen Leben, in unseren Wohnungs-Ein­richtungen mit allem Drum und Dran, das ist ja gerade das Ziel der ganzen Moderne, der v. d. Velde, Eckmann, Pankok 2C., und nicht zum wenigsten jener kleinen eifrigen Künstlerschar, die der erlauchte Vetter de§ Kaisers, der an den heutigen BerlinerFesllichkeiten tellnimmt, unser Großherzog .Ernst Ludwig, zu sich nach seiner Residenz zog. Es ist st't auch erfteulich, aus Kaisers Munde zu hören, daß Deutsch­land, oder, wie es schöner im offiziösen Texte heißt,unser Volk" jetzt in der Lage ist, mehr für seine Kunst zu thun als früher, und es ist ebenso hocherfteulich, daß, was unserem Kaiser leider noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist, ge­

rade das Bestreben unserer modernen Kunst ist, echt deutsch zu sein. Die Ideale unssrer besten heutigen Künstler liegen nicht in Griechenland, sondern im deutschen Vater lande, und wenn Emer für unsere moderne Kunst ein Vorbild ist, so ist es der Deutsche Albrecht Dürer, der da vor 400 Jahren schon das schöne Wort aussprach:Die Natur giebt die Wahrheit; die Kunst steckt in ihr; wer sie heraus kann reißen, der hat sie!"

Doch wir erinnern uns eines guten Wortes des alten ftanzösischen Philosophen Montaigne, der unter Hinweis auf die ungeheuere Last der Pflichten, die auf den Schultern eines Fürsten ruhen, und auf die ungemessene Machtfülle, die in dessen Hand gegeben sei, erklärt:Die härteste und schwerste Aufgabe der Welt ist meines Erachtens die würdige Bekleidung deS königlichen Amtes und wenn jemand darauf rechnen darf, einen Irrtum milde beurteilt zu sehen, so sollte es ein regierender Herr sein".

Daß Kaiser Wilhelm II. ein ganzer Mann sei, hat sogar schon einer der Wortführer der Sozialdemokratie, also ein Vertreter derjenigen Partei zugestanden, die der Monarchie in grundsätzlicher Feindschaft gegenübersteht; daß er ein Herrscher ist, der seine hohe Aufgabe unter weiten Gesichtspunkten auf­faßt und kraftvoll und entschlossen durchzuführen sucht, räumen im In- und AuSlande auch diejenigen ein, die nicht müde werden, chm im einzelnen Irrungen und Fehlgriffe nachzuweisen. Erst dieser Tage hat der amerikanische Senator Depew den deutschen Kaiser den ^geschicktesten Staatsmann Europas" ge­nannt, gelegentlich eines Interviews über die Reise des Prinzen Heinrich, die der Amerikaner als politisch sehr bedeutend bezeichnete. Jedenfalls wird dem Bruder des deutschen Kaisers vom klugen Bruder Jonathan ein Empfang bereitet werden glänzender noch als der, den einst die Antwerpener dem jungen Karl V. zuteil werden ließen. Wenn auch die Amerikafahrt viel Dekoratives bringt, das darum nicht unbe­denklich ist, well eL leicht zu Uebertreibuugen, zu Ueberschätzungen des wahren Wertes führt, wenn auch der Arbeitstag, und nicht der Festtag die wahre Stimmung zeichnet, und wenn auch andererseits der Kaiser nut gerechtfertigtem selbstbewußtem Stolze auf Deutschlands unantastbare .Kraft und Machtstellung bei allen Gelegenheiten, wie ja die SamstagSrede wieder beweist, hin- zudeutsam pflegt, so dient doch diese Reise seines Bruders, die deS Monarchen eigenste Idee ist, zweifellos in hervorragendem Maße den Zielen des Friedens der Well. Dre Amerrkareise des Prinzen Heinrich wird ihr Teil dazubeitragen, das Verhältnis Deutschlands zu jenen riesigen vereinigten Staaten des fernen Westens fester zu gestalten, oder wie Graf Bülow im Reichs­tage sich neulich ausdrückte, die traditionellen Beziehungen zu Amerika auf der Basis voller Gegenseitigkell und gegenseitiger Achtung aufrecht zu erhallen. Jnmg, wie je, und nicht zum mindesten bedingt durch die starke Persönlichkeit Kaiser Wil­helms, ist das Verhältnis Deutschlands zu den Verbündeten Staaten; herzlicher denn lange sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland; Franzosen, die den deutschen Kaiser sahen und sprachen, sind von chm entzückt, und schließlich hat unser Kaiser auch in weiser Erkenntnis und Würdigung "der wirtschaftlichen Verhältnisse es für gut befunden, möglichstes Einvernehmen zwischen Deutschland und England herzustellen. Ein neuer Beweis für die Herzlichkeit der Beziehungen zwischen dem deutschen und dem englischen Monarchenhause ist der heutige Besuch des Prinzen von Wales, des britischen Thronerben, in Berlin, der unübrigen jedoch nur dekorative Bedeutung hat. Nie und nirgends wird unser Kaiser das

Bismarck'fche Wort außer acht lassen:Wir laufen nie­mandem nach", ein Wort, das sich mit unauslöschlichen Zügen in daß Herz des deutschen Volkes eingegraben hat, und das trotz aller praktischen Einwendimgen ganz besonders jenem Volke gegenüber Geltung behalten muß, dessen offizielle Vertreter in hochfahrender Weise es sich herausnchmen, ein verwandtes Volk an einer seiner empfindlichsten Stellen zu verletzen.

Während sich Heuer um die Zeit des kaiserlichen Ge­burtstages unsere Blicke nach den: fernen Westen richten, wandten sie sich im Vorjahre nach dem fernen Osten, wo damals ein Kampf tobte zur Wahrung der frevelhaft ge­schändeten deutschen Ehre. Jetzt ist dieser Kampf seit Rlonaten beendet, und nicht in einer Zeit der äußeren, sondern der Entscheidungen stehen wir heute. Wichtige wirtschaftliche stehen unsere Volksvertreter zu treffen im Begriff, wobei die Geister und Gegensätze heftig auseinander platzen. Solche Kämpfe sind unvermeidlich, und sie werden leider auch un* erfteulich, wenn sie mit Gehässigkeit geführt werden. Wir möchten dem Kaiser zu seinem diesjährigen Geburtstage von Herzen wünschen, daß er in diesen Kämpfen die rechte Stellung finden und behaupten möge. Wir wissen, daß dem Kaiser der heutige Tag die meiste Freude dadurch bereitet, daß er Anderen Freude machen kann, denn gern sorgt er für freudige Ueberraschungen in weiteren Kreisen. Erst dieser Tage be­richteten wir, welche Tellnahme er der A r beitSlosen- frage entgegenbringt. Wir erwarten von unserm Kaiser, daß er in dieser Zell der wirtschaftlichen Nöte sich nicht auf eine bestimmte Selle schlage, sondern daß er, über den wirt­schaftlichen Kämpfen stehend, Licht und Schatten gleich ver­teile und im Sinne des alten preußischeneuum ouiqus" ausgleichend und versöhnend wirke. Daß gewisse ErwerbS- gruppen besonderer Berücksichtigung bedürfen, hat der Träger der deutschen Kaiserkrone mehr als einmal anerkannt.

Wie aber auch die Zukunft sich gestalten möge, wie die Kämpfe sich entwickeln und enden mögen, die deutschen Stämme bleiben mit ihrem Kaiser durch das Band der Treue unlöslich verbunden, jener Treue, die auch in schlimmen Tagen nicht wankt und nicht weicht, die aber immer freimütig und auftecht den Mut der Wahrheit hat. Denn die deutsche Kaisertreue ist nicht identisch mit byzantinischer Unterwürfig­keit. Jeder Staatsbürger hat die Pflicht, rückhaltlos dazu beizutragen, daß die Voraussetzungen für eine volkstümliche Politik des Kaisers geschaffen werden, daß dem Monarchen die Wahrheit stets unverhüllt vor das Auge tritt. Diese Pflicht ist um so größer, als Byzantinismus das Volks- empfinden zu verschleiern und zu bemänteln, eine Mauer zwischen Herrscher und Volk zu ziehen sucht, eine Mauer, die in unsere Zeit nicht hineinpaßt. Nur im Verein mit dem Volke können unsere Fürsten zum Wohle für das Ganze regieren, dort liegen die Wurzeln ihrer Kraft. Das hat der Kaiser bei dem vorjährigen Krönungsjubiläum ausdrücklich anerkannt, und wir wollen hoffen, daß diese Anerkennung immer größere Wirkungen hervorbringen wird.

So sieht denn das ernsthaft vaterländisch gesinnte deutsche Bürgertum mit erneuter Zuversicht der ferneren Regierung Wilhelms IL entgegen und bringt ihm als Glückwunsch diesem Tage das Gelübde dar, offen und freimütig mit aller Kraft und Pflichttreue dem Vater- lande zu dienen, damit es ihm, dem Kaiser, möglich wird, das reiche Erbe einer großen Zeit im Sinne der Reichsbegründer zu wahren und zu stärken.

Historischer Uerm für das Grsßhenogtm Hesse«.

Am 13. Januar hielt der Verein seine Hauptversamm­lung in Darmstadt ab, die vom Präsidenten, Haus- und Staatsarchivdirettor Dr. Frhrn. Schenk zu Schweins­berg eröffnet wurde. Nachdem er über die Ereignisse innerhalb des Vereins, dessen Mitaliederzahl 464 beträgt, berichtet hatte, und nach der Rechnunasaolage gab Lic. Dr. Diehl, der Vorsitzende der Vereinigung für hessische Kirchengeschichte, einen kurzen Bericht über die günstige Entwickelung des jetzt 197 Mitglieder zählenden Vereins, dessen Wirksamkeit sich in immer wachsendem Maß der Sympathie aller der Kreise erfreuen wird, die sich für das Arbeitsgebiet interessieren. Der Vereinssekretär, Herr Prof. Dr. Änthes, konnte berichten, daß für das neue Archivheft bereits wertvolles Material vorliegt, so daß hoffentlich bald mit dem Druck begonnen werden kann. Von den Quartalblättern ist im letzten Jahre der zweite Band abgeschlossen worden; vom dritten liegt Heft 1 bereits vor, Heft 2 wird in den nächsten Tagen zur Aus­gabe gelangen, dem Heft 3 in nicht zu langem Zwischnl- raum Nachfolgen soll. Nun ergriff Haus- und Staats­archivar Dt. Dieterich das Wort zu dem angekündigten Vortrag über die kirchliche Reformation Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz in Oppenheim 15651579. An allgemeinen Darstellungen der Reforma- tionsaeschichte fehll es nicht, während die Lokalgeschichts- ichreibung auf diesem Gebiet noch vielfach zuruck ist- dieser allgemeine Grundsatz gill auch von den hessischen Städten, wo vielfach die Archive dezimiert oder ganz zerstört sind, so auch in Oppenheim, wo aus der Refor- mationszeit nichts übrig ist. Denn was nicht schon im dreißigjährigen Krieg verbrannte, das wurde von Melae vernichtet. Wichttge Nachrichteü fand der Vortragende in

den Bodmann-Habelschen Materialien, nämlich eine aus­gedehnte Korrespondenz des Kurfürsten Friedrich III. mit seinen Beamten in Oppenheim. An Berührungspunkten mit der neuen Lehre hat es schon ftüh auch in Oppenheim nicht gefehlt: Luther war auf feiner Reise nach Worms dort ein gekehrt, wenn er auch nicht, wie die Sage be­richtet, in OppenheimEin feste Burg" gedichtet hat. Bei dem regen Verkehr mit den rheinischen Städten wie Worms, Speyer, Straßburg und Basel, sowie mit Holland und der Schweiz ist es anzunehmen, daß die ersten Keime der neuen Lehre bereits bald nach Luthers Auftreten zum Vorschein gekommen sind. Auch studierten viele Oppen­heimer in Heidelberg und Erfurt. Eine furchtbare Warn­ung freilich war das Schicksal von Pfeddersheim, in dessen Nahe der Bauernaufstand, der neben sozialen auch re­ligiöse Beweggründe hatte, niedergeworfen mürbe. Hem­mend für eine rasche Ausbreitung der reformatorischen Lehren war das stark aristokratische Stadtregiment in Oppenheim, nicht minder die anfängliche Neutralität des Pfandherrn, des Pfalzgrafen Ludwig V. Auch Otto Heinrich, der zwar eine neue Kirchenordnung nach Oppenheim sandte, war ohne wesentlichen Einfluß, bis bann der Rat beschloß, selbständig vorzugehen. Bis 1565 hatten sich in der Stadt nur die letzten zwei Kanoniften des St. Katharinenstifts gehalten, doch war sie sicherlich nicht mehr katholisch, sondern die Einführung der Reformation ist um 15571561 anzusetzen; denn damals wurde u. a. eine lutherische Volksschule in den Räumen des Franzis­kanerklosters eingerichtet. Rur ein Kloster, von dem katholischen Adel gehalten, war noch in Oppenheim, bas Cisterzienferinnen-Nonnenklofter Mariakron; Kirche und Schulen waren lutherisch- Anders wurde dies, als auf Otto Heinrich Friedrich HL von Simmern folgte, ein Mann, der bei vielen Vorzügen doch in religiösen Dingen ent Fanatiker war. Theologisch vollständig ausgebildet im

staube, bei Disputationen selbst mitzuwirken und Geistliche wie Schulmeister selbst zu prüfen, entschied er sich für Calvins Lehre; er reformierte in diesem Sinne nicht nur rasch die Pfalz, sondern griff auch über seine Grenzen hinaus, indem er die Rechte der Bischöfe von Speyer und Worms dadurch verletzte, daß er auch in den Pfand- schaften und in den Orten, die er von Worms zu Lehen trug, sowie in den Klostern Neuhausen bei Worms und Sinsheim im Bistum Speyer die neue Lehre mit Gewalt durchsetzte, so auch in Oppenheim. Ter stur für ft griff persönlich ein; die beiden Geistlichen wurden suspendiert und trotz der anfänglichen Einsprache des Rats die Kirchen aufgeräumt, der Bilder und Kruzifixe beraubt. Ganz besonders mußte das einzige noch katholische Kloster Ma­riakron die schwere Hand des Fürsten suhlen, denn un­geachtet allen Widerstrebens setzte er es durch, daß auch hier alles, was an die alten Zeiten erinnerte, abgeschafft wurde. In Oppenheim selbst wird eine höhere Schule gegründet, die pfälzische Llirchenordnung eingeführt und bestimmt, daß sie bei Strafe befolgt werbe. Wahrscheinlich fiel bas niebere Volk alsbald dem Kurfürsten zu; der Rat verwahrt sich zwar am Reichstag in Augsburg 1566, über der verzögernde Entscheid ließ es ratsam erscheinen, sich zu fügen. Alle Einreden schiebt der Kurfürst unbeachtet bei Seite, und seinem thatkräftigen Vorgeyen können schließlich auch die Nonnen nicht mehr widerstehen; sie fügen sich zum größten Teil in die neuen Verhältnisse. Damit war zwar die Reformation in Oppenheim durch­geführt, aber keineswegs der Stadt der Friede wieder- gegeben. Nicht weniger als zehnmal wechselte in Oppen­heim der BekenntniSstand, und erst die französische Re­volution brachte Religionsfreiheit; es ist nicht zu ver­wundern, wenn sie gerade in Oppenheim mir Begeisterung aufgenommen wurde.Darmst. Ztg."