Ausgabe 
26.9.1902 Zweites Blatt
 
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SaHk'jLptt irischer Händler vvn d er zur ffarolitten- gruppe gehörenden Insel Ruck rm Anschluß an deren durch richterliches ErkeimtniS erfolgte,Verurteilung wegen Zuwiderbaudlu n g geaen das E in fuhr verbot von Waffen und Munition -rfvlgte.

Zur Fleischteuerung hat Gutsbesitzer Dau- Hohenstein Kmu Hamburger Parteitag der Freis BolkSpartei folgenden Antrag gestellt:AngesichtS der Unklarbeit, die in weiten Kreisen herrscht Über die Ursachen der jetzigen Fleischteuerung, sowie, um die Ursachen etwaiger späterer Fleischieuerungen stets rechtzeitig und richtig er­kennen zu können, ist es im Interesse der Konsumenten wie Produzenten erforderlich, durch regelmäßige Zählungen in «kurzen Zeiträumen ^es^ustellen: 1. wie grrkß der Bestand an Zuchwieh ist: 2. wie groß die daraus erzielte Produktion und 3. wie viel Tiere in Abgang gekommen sind für die verschiedenen Verwendungszwecke." DieNationallib. Korr." deutet an, daß über einen Vorschlag, der ähnliches vorsieht, und auch aus Einführung rationeller Veröffent­lichungen über Futtermittelstatistik abzielt, eine Verständi­gung zwischen den verbündeten Regierungen in der An­bahnung begriffen sei.

T h o r n, 25. Sept. Den im Vorjahre wegen Geheim- büudelei verurteilten polnischen Gymnasiasten soll der Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Dienst belassen werden, sofern sie nicht Strafen von über eine Woche Gefängnis verbüßt haben. Den übrigen wird der Schein entzogen, falls nicht besondere Miu^rungs-- gründe vorhanden sind.

Stuttgart, 25. SepL Der Gemeinderat bat heute nach eingehender Beratung den sozialdemokratischen An­trag auf zeitweise Aufyebung der städtischen Fleischsteuer mit großer Mehrheit abgelehnt.

M ü n ch e u, 25. Sept. Wie dieMünch Ztg." aus guter Quelle erfahrt, wird trotz der diesbezüglichen Ankündi^ng deS Reichstagsabg. Dr. Schädler in Tuntenhausen das Zentrum im Reichstage eine Interpellation über die bekannte Kaiserdepesche, betreffend die Kun st ab striche nicht einbringen, da eine ein­heitliche Auffassung in dieser Sache innerhalb der Partei nicht vorhanden ist.

Heer und Flotte.

Militärische Befestigung von Borkum. Auf Anordnung des Kaisers soll im Lause des nächsten Som­mers der Süden und der Westen der Insel Borkum mit Strandbatterien ausgerüstet werden, wodurch die Ems- mündung und der Emdener Hafen, sowie die Insel selbst als Ausgangspunkt der deutschen Seekabel militärischen Schutz erhaltdp werden. Bei den letzten großen Landungs- manövern vor und auf DorlUm ist diese Frage eingehend erörtert worden, auch dort beretts eine Abteilung Marine- Infanterie und ein Detachement Fuß-Artillerie mit acht Geschützen zurückgeblieben. Da auf der Insel auch eine Station für drahtlose Telegraphie errichtet werden soll, so wird Borkum mit der Zett ein verhättnismäßig stark befestigter militärischer Puntt werden.

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Ausland.

Amsterdam, 25. Sept. Tie Generäle Botha und Delarey werden in den nächsten Tagen Groningen, Zwolle und Arnheim besuchen. Dewet wird sie nicht begleiten, da er das Bett hüten muß.

Utrecht, 25. Sept. Dio Generäle Botha und De- larey statteten gestern dem Präsidenten Krüger einen Besuch ab. Hierdurch werden die Gerüchte dementiert, wo­nach zwischen Krüger und den Generälen ein gespanntes Verhältnis bestehen soll.

Brüssel, 25. Sept. Ein feierlicher Trauergot- tesdienst zum Gedächtnis der Königin Henriette wurde heute vormittag in der St. Gudula-Kirche abge- halten. Tas Innere der Kirche war mit Trauerdekorationen auf das Eindrucksvollste ausgeschmückt. Den Ehrendienst versah eine Abteilung der Bürgergarde und Milttär in Gala. Im Hintergründe eines großen ChorS erhob sich der Baldachin, rechts von ihm der Thron. Ter Sarg war im Querschifs der »kirche aufgestellt und vom Künigsmantel und der Königskrone bedeckt. Um IlÜ/s Uhr betrat Geist­lichkeit die Kirche. Bald darauf trafen die geladenen Gäste, die Abordnungen des Senats, der Kammer und der Gerichtshöfe, das diplomatische Korps, die Minister und die Zivil- und Militärbehörden ein. Darauf erschien der Hof, und die Trauerseier begann. Um elf Uhr war dieselbe beendet. Der König verließ mtt der königlichen Familie die Kirche. Das Publikum zeigte eine würdige Haltung. Nach der Trauerferer reiste der König mit Sonderzug vom Bahnhof am Lackener Palais nach Vagnöres de Luchon ab.

Eine SympathiekundgebungfürdiePrin- zessinStephanie wurde heute in den Straßen Brüssels bemerkt. Zahlreiche Personen trugen an ihren Hüten das Bildnis der Prinzessin. Diese Bilder wurden von den Straßenhäudlern in großen Massen abgesetzt. TemPetit bleu" zufolge, hat die Königin Henriette keinerlei Bar- vermögen hinterlassen, da sie fett Jahren alles für die barmherzigen Schwestern verausgabt habe.

Rom, 25. Sept. Tergroße Orient" der italienischen Freimaurer tyat beschlossen, eine Subskription zu Gunsten der Buren zu eröffnen.

Washington, 25. Sept. Ein Telegramm aus Pa­nama berichtet: General Salazar sandte an den Kom­mandanten des amerikanischen KreuzersCincinnati" eine Mitteilung, in der es heißt, die Regierung besitze die erforderlichen Machtmittel, um das Leben und das Eigentum der Fremden zu schützen und die Rechte zu verbürgen. Sie halte bie Landung ameri­kanischer Truppen für ungerechtfertigt und sehe darin einen Versuch, die Herrschaft über Columbien sich anzueignen. Sie erhebe Einspruch und mache Mac Lean veranuoortlich für die Folgen, welche die Landung von Marinesoldaten nach sich ziehen würde.

Sidney, 25. Sept. Neu-Südwales hat das Stimmrecht der Frauen anerkannt, während in Viktoria, wie ein Korrespondent derMornmg Post" es beschreibt, die Sandesvertretungnoch zitternd am Ufer steht und den gefährlichen Sprung noch nicht recht zu machen tvagt". Süd- und Westaustralien waren Neu-Süd­wales schon früher mit gutem Beispiel vorangegangen, und nur in Tasmcmia und in Queensland scheint inan sich mit dem Gedanken, den Frauen politische Gleichberechtigung zu geben, nicht befreunden zu können.

Aus Stadl und Saicd.

Gießen, den 26. Sept. 1902.

Auszeichnungen. DemLazarett-Inspektor Stein- mann bei dem Garmsonlazarett Wittenberg, bisher bei dem Garnisonlazarctt Darmstadt, ist das Rttlertreuz 2. Klasse deö

Verdienstordens Philipp- des Großmütigen, das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren dem Mttgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Kostheim Friedrich Siebenhaar daselbst verliehen worden.

- Von der Universität. Wie unS zuoerlästig be- richtet wird, beabsichtigt der außerordentl. Prof. Dr. Preuße 3um 1. Oktober aus dem veterinär-medizinischen Kollegium und auS dem Hess. Staatsdienste überhaupt auSscheiden.

- Personalien. Der KreiSbauinspektor deS Kreises Heppenheim Otto Raupp ist unter Verlechung deS Titels .Bauinspektor" zum Ministerialsekretär bei dem Ministerium der Finanzen ernannt worden. In den Ruhestand wurden versetzt der Stationsassistent Wilhelm Kern in Bingen, der Weichensteller Wilhelm Knierim zu WormS, der Weichen­steller Gustav Alexander Streck zu Raunheim, der Bremser Jakob Diehl zu Bischofsheim, sämtlich in der Hessisch» Preußischen Eisenbahngemeinschaft.

** Der Akademische Gesangverein, der, wie wir hören, nächster Tage sein großes und bedeutendes Winter­programm der Oeffentlichkett vorlegen wird, nimmt seine Proben am 6. Oktober wieder auf. Es stehen uns, wie wir heute schon verraten können, wieder ganz exquisite musikalische Genüsse in Aussicht.

Sta dtth eater. Es sei wiederholt darauf auf» merksam gemacht, daß die Vorstellungen im hiesigen, gänzlich renovierten und umgebauten Stadttheater am Sonntag, dem 28. d. Mts., mit Gustav v. Mosers fünfaftigem Lust­spielDer Hypochonder" beginnen. Eintrittskatten sind im Vorverkauf bereits von Samstag früh ab in der Musikalienhandlung von Ernst Challier zu haben. Am Sonntag finbet der Billetvoroerkauf von 11 bis 3 Uhr bei Herrn Challier, von 4 bis 6 Uhr im Theater­bureau statt.

g. Der Gießener Radfahrer-Verein 1885, e. V., hielt gestern abend seine diesjährige Jahres-Haupt­versammlung bei recht zahlreichem Besuche ab. Der 1. Vorsitzende, Herr L. Seuling, erstattete den üblichen Jahresbericht, woraus wir besonders heroorheben wollen, daß sich der Verein auch in verflossener Saison wiederholt an radsportlichen Wettbewerben mit Erfolg beteiligte, so bei der Vereinsdauersahtt und Reigenfahren in Butzbach, beim Preis­korso am Bundestage in Kassel, der FernfahrtRund im Nordbezirk" u. s. w. Der Mitgliederstand ist ein andauernd günstiger (rund 100 Mitglieder). Ebenso konnte Herr Zahl­meister Serwas zur Freude aller Anwesenden einen recht ansehnlichen Bestand seiner Kasse konstatieren. Zwecks zahl­reichen Besuches des nächstjährigen Bundestages in Ham­burg hat der Verein eine Reisekasse errichtet, an welcher bis jetzt sich schon einige zwanzig Herren angeschlossen haben. Die Vorstands- und Verwaltungsausschußwahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorstand: L. Seuling, Vorsitzender, H. Becker, Schriftführer, C. Weidig, Zahlmeister; dem Verwaltungsausschuß gehören an: I. Serwas, G. Rein­hardt, C. Schneider, C. Bucher und A. Kretzschmar. Nachdem noch verschiedene kleinere geschäftliche Angelegen- hetten ihre Erledigung gefunden hatten, schloß der 1. Vor­sitzende die Versammlung mtt einem dreifachenAll Hell" auf den schönen Radlerspott.

* Zu den Landtagswahlen. Aus Mainz wird gemeldet: Als Kandidaten der vereinigten Nationalliberalen und Freisinnigen für die demnüchstige Landtagswahl werden Oberbürgermeister Dr. Gaßner und Stadtv. Rechtsanwall Börkel genannt

* * Hessischer Handelskammertag. Für Sonntag den 12. Oktober ist in Mainz ein hessischer Handels­kammertag einberufen, dem auch ein Mitglied des hessi­schen MinistettumS beiwohnen wird. Von der Gießener Handelskammer ist bisher noch kein Vertreter bestellt worden

** Besitzwechsel. Dachdeckermeister Carle vettaufte sein Liebigstraße 87 belegeneS neuerbautes HauS an fföein- händler Zadock Kann für den Preis von 62 000 Mk.

" Die Bierlieferung an die Großherzogl. Hof­haltung während deS Aufenthalts deS Großherzogs in Friedberg war durch das Hofmarschallamt in Darmstadt der Aktien-Brauerei zu Gießen bireft übertragen worben.

** Auszeichnung. Der hiesigen Weinhanblung unb Beerenweinkelterei C. Herber (Fr. Leo Nachf.), Seltersweg, würbe auf ber soeben beenbeten Ausstellung für volks» verstänbliche Hygiene in Hannover bie höchste Aus­zeichnung, die goldene Medaille, zuerkannt.

** Zum Tod Patriz Huber's. Einige Blätter haben gemeldet, daß die ftühere Verlobte des Künstlers eine Mainzerin gewesen sei. Das ist nicht richtig. Die Dame ist die Witwe eines bekannten Verlagsbuchhändlers, eine Frau B. aus Darmstadt, wo Huber sie während seines Aufenthaltes in der Künstlerkolonie kennen gelernt halte. Der zweite Selbstmörd er, der ehemalige Freund Hubers, ist der Schriftsteller und Architekt Felix Commichau, der im Eisenbahnzug in der Nähe von Neu-Sttelitz seinem Leben ein Ende gemacht hat. Huber wurde, wie mitgeteilt, vor einigen Tagen in seiner Wohnung Charlottenburg tot auf- gefunben. Eine Revolverkugel hatte seinem Leben ein Enbe gemacht. Kurz zuvor hatte H. Besuch empfangen, mit bem es zu einem heftigen Wortwechsel kam. Es mar ber 28jährige Commichau, der zuletzt in Berlin gewohnt hatte. Commichau hatte am Mittwoch auf dem Stettiner Bahnhof m Berlin einen Zug bestiegen, der nach Neustrelitz fuhr. Kurz vor ber Endstation jagte er sich eine Revolverkugel in bie Schläfe. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte nur noch ben inzwischen eingetretenen Tod des Bedauernswetten feststellen. In der Kleidung des Lebensmüden fand man eine Fahrkarte Berlin Saßnitz, ferner einen Barbetrag von etwa 30 Mk. sowie eine Anzahl Briefe mit dem Poststempel Magdeburg und Darm­stadt. C. hatte den kurzen Aufenthalt auf der Durchgangs- station Fürstenau dazu benutzt, um sich von dem Schaffner des Abteils einen Bleistift zu leihen und einen Zettel zu be­schreiben, in dem er den Wunsch ausdrückte, m Neultrelitz beerdigt zu werden und seine in Dresden wohnende Schwester von seinem Tod zu unterrichten. Ter Schuß ging in die rechte Schläfe durch den Kopf. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Ueberführung der Leiche nach Strelitz an. Der m Neustrelitz am 15. Februar 1886 verstorbene Vater des Selbstmörders, früherer Fabrikbesitzer Commichau, war aus Rußland ein» ewanden. Wie sich aus den aümälig bekannt werdenden I Details immer mehr crgiebt, ist übrigens die Verzweiflung

über ben Verlust der Geliebten nur ber letzte, «msschlag- gebenbe Beweggrunb zu der That Patttz HuberS gewesen. Die nervöse Ueberreizung, die in Huber baS unberechtigte Ge­fühl ber Zurücksetzung und beS VerkanntseinS auslöste, hatte ben traurigen Ausgang biefeS Künstlerlebens innerlich offen­bar schon seit Langem vorberetttt.

W. Wies eck, 25. Sept. DaS BezirkSkriegerfest für den KttegervereinSbezirk Gießen sinbtt im nächsten Jahre, unb zwar voraussichtlich im Juni, hier statt. Unser Krieger­verein verbinbet mtt der Feier sein 30. Stiftungsfest unb 25. Fahnenjublläum.

W. SßhSmar, 25. Sept. Sell vorigem Frühjahr hat unser Dorf deine Post-Agentur erhallen und wiederum steht eine neue Begünstigung für unS in sicherer Aussicht, nämlich die Erttchtung einer Güterverladestelle, wozu unsere Gemeinde einen erheblichen Beitrag spenden wird. Auch plant man hierorts eine Wasserleitung und eine elektrische Beleuchtungsanlage. Der Fabrckneubau der Firma Rum u. Kloos ist bis auf die letzten Weißbinder-, Glaser- und Schreinerarbeiten fertig und wird voraussichtlich noch im Herbst in ^Betrieb genommen.

§ Butzbach, 25. Sept. Der Erweiterungsbau am hie­sigen Stationsgebäude macht erfreuliche Fortschritte, die zu der Ermattung berechtigen, daß er noch im November bezogen werden kann.

m. Friedberg, 25. Sept. In Oberwöllstadt brach heute Vormittag auf noch unaufgeklärte Weise Feuer aus. Mehrere gefüllte Scheuern mit Nebengebäuden standen in Flammen, welche an den Heu- und Sttohvorräten reich­lich Nahrung fanden. Die hiesige Feuerwehr wurde alar­miert und ging sofort ab. Bei der heutigen Ob st Ver­steigerung stellte sich der Zentner Aepfel am Baume auf durchschnittlich 8 Mk.

Nidda, 23. Sept. Die Spar- und Leihkasse Nidda hielt gestern ihre Generalvers ammlung ab. Von ber Behörbe war KreiSarntmann Dr. Neibhatt an« wesenb. Der Direktor, LanbtagSabg. Erk, begrüßte die Ver­sammlung unb erstattete ben Rechenschaftsbericht. DaS Er­gebnis war für 1901: Einnahme 765 752.23 Mark, Ausgabe 730583.32 Mark, mithin Gesamtumschlg 1 496837.55Matt, ber Reingewinn 12 509.22 Mark. Einschließlich ber Prämie für Dienstboten würben für gemeinnützige unb wohllhätige Zwecke oerroenbet 4862.50 Matt; der Rest fließt in den Re­servefonds. Es wurde noch beschlosien, vom 1. Januar 1903 an den Zinsfuß für Einlagen auf 81/, Prozent, für Darlehen unb Kaufschillinge auf 4 Prozent festzusetzen. Das sich anschließenbe gemeinsame Mahl fanb im ,Gam- brinus" statt. Die Temperatur ging letzte Woche so herab, baß bie Mäher in den Wiesen GiS an ben Sensen hatten unb an tiefgelegenen Otten Frostschaben entstand.

Seligenstadt, 24. Sept. Dem auf einem Dienst- gange begriffenen Fußgendarmen Weitz dahier begegnete heute Vormittag unweit Zellhausen ein Infanterist deS 168. RegtS. in Gesellschaft eines Zivilisten. AIS der Soldat des Polizisten ansichtig wurde, nahm er sofort ReißauS unb erweckte gerade dadurch den Verdacht der Desertion. Nach längerer Ver­folgung gelang bem Gendarmen in der Nähe deS hiesigen BahnhofeS die Festnahme bei Flüchtlings unb besten Internierung im StabtgefängniS. Der Häftling giedt an, Auguft Pahl zu heißen, aus WormS zu stammen unb schon vor mehreren Tagen auS seiner Garnison Offenbach desettiett zu sein. Welche Gründe den Mann, der vor feiner Entlastung zur Reserve stand, zur Desertion veranlaßten, ent­zieht sich unserer Kenntnis. Unter militärischer Eskorte wurde der Ausreißer bereits wieder feinem Truppenteile zu- gefühtt.

-k- Mainz, 25. Sept. Die nüchtlichen Ein­brüche mehren sich hier in wahrhaft erschreckender Weise. So fanden in verflossener Nacht wieder an vier Stellen Ein­brüche statt und zwar sämtlich in ziemlich belebten Straßen der Stadt. In zwei Fällen ist den Einbrechern eine ziemlich reiche Beute in die Hände gefallen. Offenbar werden die Einbrüche von einer organisierten Bande auSgefühtt, und es muß Wunder nehmen, daß eS der Polizei, ttotz der feit Monaten fortgesetzt vorkommenden Einbrüche, bis jetzt noch in keinem Falle gelungen ist, nur die geringste Spur von den Einbrechern zu ermitteln. Die in der letzten Zell in den Nachbarstädten Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt unb Worms in gleicher Weise verübten Einbrüche lasten vermuten, daß man es mit einer wellverzweigten Diebesbande zu thun hat, die auf einem großen Arbeitsfelde operiert Von einem weiteren Einbruch wird gemeldet: In der ver- flostenen Nacht wurde in einer Wirtschaft der Kapuzmergasse ein Einb ruch verübt Wie die Einbrecher in das WittS- zimmer gelangten, ist noch nicht aufgeklärt, aber mit unge­meiner Frechheit haben sie sich daselbst betragen. Sie zechten von dem Dorgefunbenen Wein unb tranken acht Flaschen auS, außerbem verspeisten sie bie vorhanbenen Eßwaren, besonberS Würste. Als sie sich satt getrunken unb gegeben hatten, zer­schlugen sie noch bie Flaschen unb ließen die Scherben liegen. Ein breijähriges Mäbchen wurde vorgestezn obenb im Gattenfeld auf gegriffen und nach dem 5. Polizei­bezirk verbracht. Das Kind konnte nicht angeben, wo ferne Eltern wohnen. Nachdem wiederholt in der Nacht nach allen Bezirken telephoniett worden, ob nicht daS vermißte Äinb angemeldet fei und dies jedesmal verneint wurde, mußte die Polizei das Kleine die Nacht über in Verwahrung behalten. Erst gestern mittag meldeten sich die Eltern, die in Weisenau wohnen. DaS Kind hatte den Weg von dott nach hierher allein eingeschlagen. Riesig ange* schwollen ist seit heute vormittag der Rhein, in den die verlassenen Liebsten der 63. Attillettsten ihre AbschiedSthränen meinten. Es ist jedoch sichere Aussicht vorhanden, daß keine Ueberschwemmung eintritt und das Wasser wieder auf seinen allen Stand zurückgeht, wenn die schmucken Bockenheimer Husaren emrücfen.

W. Frankfurt a. M., 26. Sept. (Eig. Draht­bericht.) Heute vormittag zwischen 10 und 11 Uhr fanb der Einzug der 1. Abteilung deL Artillerie-Regi­ments Nr. 63, das hier gamifoniren wird, statt. Der koninlandirende General des 18. Armeekorps, v. Lindequist, rüt den Ankömmlingen bis zu den Riederhöfen entgegen, desgleichen die Reserveoffiziere des Regiments und die Offi­ziere des 81. Infanterieregiments. Am Allerheiligenthor fanb die offizielle Begrüßung durch die Bettreter des Nlagistrat?

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