fie mit trockenen Kleibern versehen nnd dann ebenfalls nach der „Nymphe" gebracht. Äußer denr Kommandanten, Kapitän-Leutnant Rosenstock v. Rhöneck sind nach amtlicher Meldung ertrunken: Die Maschinistenmaate März und Keilwagen und der Matrose Reimers nnd der vorerwähnte Stewaä), also fünf Personen. Aon den Geretteten sind drei verbrüht worden; sie sind sofort ins Lazarett gekommen. Die anderen befinden sich jetzt auf dem Kreuzer „Nymphe". Gin ertrunkener Maschinistenmaat ist vollkommen verbrüht, weil die Mannlochdeckel abgerissen wurden.
Der englische Dampfer Firslby ist 1150 Tonnen groß and gehört einer Reederei in Hüll. Der Dampfer war mit Ballast von Hamburg nach Newcastle unterwegs und ist nun auf der Hamburger Reede vor Änker gegangen, lieber die Ursachen des schrecklichen Unglücks ist man völlig im Unklaren. Die Nacht war klar, das Wasser ruhig, beide Schiffe hatten ihre Positionslaternen.
S 42 gehörte Zu den Schultorpedobooren wie S 15 und S 23. Der Kommandant Rosenstock v. Rhöneck sollte im Juli das Kommando über das große Torpedoboot S 95 erhalten, er war einer der jüngsten Kapitänleutnants, erst am 15. Avril d. I. war er z u diesem Grade aufgerückt.
Die deutsche Marine beklagt ihren 15. Schiffsverlust. 10 Kriegsschiffe und 5 Torpedoboote sind seit 1860 unter- gegangen. Die 5 Torpedofahrzeuge gehörten sämtlich zum kleinen Typ der S-Boote, deren Bau bekanntlich seit 1898 aufgegebeu ist. Ihre Wasserverdrängung schwankt zwischen 85 unb 150 Tonnen, ihre Besatzungsstärke zwischen 15 und 24 Mann. 8 Kriegsschiffe, Frauenlob, Amazone, Undine, Augusta, Adler, Eber, Iltis, Gneisenau, und 3 Torpedoboote, S 41, S 26, S 85, fielen Stürmen zum Opfer. 4 Schiffe und Fahrzeuge, der Große Kurfürst, die Wacht, S 48 und S 42, sind durch Zusammenstöße zum Sinken gebracht. In den drei ersten Fällen stießen die Schiffe bei der Vornahme taktischer Uebungeu zusammen. S 42 ist das erste Fahrzeug, dessen Untergang ein Handelsschiff verschuldet hat. Von den untergegangenen Schiffen i stnur eins, das Torpedoboot S 85, gehoben worden. Alle übrigen Bergungsversuche blieben ergebnislos. Die Hebung des S 85 wurde dadurch erleichtert, daß es nur aus 8 Meter Wassertiefe lag. Das in der jütischen Iammerbucht gesunkene Torpedoboot S 41 blieb verschwunden, S 26 versandete in der Elbmündung, S 48 brach auf dem Grunde der Jade auseinander, die Aus- sichten aus Hebung des S 42 sind somit gering. Das Sinken des S 85 und der Wacht waren die einzigen Schissskato- strophen, die keine Menschenleben forderten. Beim Kentern des S 41 ertranken 13, beim Sinken des S 26 6, beim Untergang des S 48 2 Mann.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 26. Juni 1902. f
** Geheimrat Schlippe. Man schreibt uns: Mit großem Bedauern sehen wir den Generalstaatsanwalt Geheimrat Schlippe au§ seinem Amte scheiden. Leider ist der arbeitsfrohe und thatkräftige Mann durch Krankheit genötigt, in verhältnismäßig früher Zeit zurückzutreten. Mit ihm verliert da§ Land einen hervorragenden Beamten, einen Mann, der in seltener Weise Pflichttreue, Wissen und wohlwollende Gesinnung vereinigte. Erfüllt von humanen Ideen, hat er nach allen Seiten hin einen segensreichen Einfluß ausgeübt. Er sah nicht in dem Angeklagten gleich den Verbrecher, wozu die Stellung des öffentlichen Anklägers einen eifrigen Staatsanwalt allzu leicht verführt, sondern er suchte stets auch den strafausschließenden und mildernden Umständen das nötige Gewicht zu verschaffen. In diesem Sinne hat er auch auf seine Untergebenen eingewirkt und manchmal hat er das allzu scharfe Vorgehen eines jüngeren Herrn etwas gemildert. So ist es ihm zum großen Teil zu verdanken, wenn die Staatsanwaltschaft in Hessen sich nicht einer solchen Unbeliebtheit erfreut, wie es in anderen Staaten der Fall sein soll. Auch in dem Gefängniswesen, das seiner Aufsicht unterstand, hat Geheimrat Schlippe viel Gutes gewirkt und sich das Vertrauen und den Dank der Gefangenen erworben. Er hat weiterhin sein Interesse für diese bethätigt, indem er als Mitglied des Vereins zur Unterstützung und Besserung der aus Strafanstalten Entlassenen für das Wohlergehen der Sträflinge nach verbüßter Strafe und ihre Wiederaufnahme in die bürgerliche Gesellschaft Sorge trug. So wird denn Geheinirat Schlippe überall ein gutes Andenken gesichert sein und er kann mit Zufriedenheit auf sein an Arbeit und Erfolgen so reiches Leben zurückschauen.
ti. Vom städtischen Elektrizitätswerk. In der großen Maschinenhalle des Elektrizitätswerkes wird augenblicklich die projektiert gewesene 300pferdige Gaskraftmaschine nebst einer vierten Dynamomaschine aufgestellt. Das Werk verfügt dann nut der Wasserkraft im Ganzen über 750 Maschinen-Pferdekräfte, ivomit auf Jahrzehnte hinaus dem Bedürfnis in unserer Stadt nach elektrischem Licht und Kraft genügt werden kann. Ueberaus vorteilhaft für den Betrieb ist der Umstand, daß thatsächlich seit dem Februar d. I. bisher der Wasserstand m der Lahn so günstig war, daß ohne Zuhilfenahme der vorhandenen Gaskraftmaschinen allein mittels der Turbinen der Bedarf an Strom hergestellt werden konnte. An Kohlen sind wahrend dieser Zeit nur ganz unbedeutende Mengen verbraucht worden. Wie wir hören, fft geplant, das Elektrizitätswerk an die städtische Gasanstalt anzuschließen, um die Gasbereitung selbst bei günstigen Wasserverhältniffen im ersteren Werke ganz ruhen zu lassen. Die Anschlüsse an das elektrische Stromnetz nehmen stetig zu, bisher sind 200 Häuser angeschlossen, doch ist die Zahl der Abnehmer von Licht erheblich höher. Von elektrischen Kraftmaschinen sind bereits 31 Stück in Thätigkeit, und 5 weitere zur Aufstellung bestellt. Man beabsichtigt an maßgebender Stelle, den Preis für die Kilowattstunde für Privatbeleuchtungszwecke, die bisher 6 5 Pfg. kostete, auf event. 50 Pfg. herunterzusetzen, wenn die Stadtverordnetenversammlung die Genehmigung dazu erteilt. Es wäre recht sehr zu wünschen, wenn diese Preisreduktion bereits im kommenden Winter in Kraft treten könnte und dadurch ein stärkerer Verbrauch besonders an elektrischem Lichte erreicht würde, da bei dem jetzigen höheren Preis von den Konsumenten die größte Sparsamkeit geübt wird.
** Die Landsmannschaft Darmstadtia begeht in den Tagen von heute bis 30. Juni die Feier ihres 20jährigen Stiftungsfestes. Aus dem Programm heben wir hervor: Freitagabend Gartenfest in „Stein's Garten; Samstagmorgen Frühschoppen mit Musik auf der .Pulvermühle", am nachmittag Alter Herrentag und am
abend großer Kommers in „Steins ©arten'; Sonntagmittag Ausflug nach dem Gleiberg; Montag Festfahrt nach Kloster Arnsburg.
** Haftentlassung. Am 24. d. M. wurde der Stadtrechner Schreiner aus Laubach auf seinen Protest gegen die Verfügung der Großh. Staatsanwaltschaft von dem hiesigen Landgericht gegen Stellung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlasten.
§ Aus dem hessischen Finanz-Subalterndienst. Zufolge ministerieller Anordnung mußten m der verflossenen Woche zirka 30 Finanzaspiranten, welche bei Steuerkommissariaten des Großherzogtums beschäftigt waren, ihre Stellen verlassen. Diese einschneidende Maßnahme soll mit der bevorstehenden Einführung des Kreisgeometer-Jnstituts Zusammenhängen, da letzteren Beamten ein Teil der Katasterarbeiten unserer Steuerkommissariate übertragen werden wird.
Lich, 25. Juni. Der seit einigen Jahren in Darmstadt in Pension lebende frühere DislriktseinnehmerStückert von hier erlitt gestern Abend in der Rheinstraße einen Gehirnschlag, dem er alsbald erlegen ist.
Hungen, 25. Juni. Auf Grube „Friedrich" werden jetzt durch den Brand ganz wenig oder noch gar nicht beschädigte Briketts, der Zentner zu 40 Pfg., abgegeben. Die Bewohner und besonders die Brennereien der Umgegend versorgen sich mit diesem Brennmaterial, da voraussichtlich im nächsten Winter keine Abgabe stattftndct. Auch werden, soweit der jetzige Vorrat reicht, wieder Waggonlieferungen ausgeführt.
Bingen, 25. Juni. Das Weingut des verstorbenen Weingutsbesitzers Fr. Loth. Geromont, hier, der alljährlich in Bingen große Weinversteigerungen abhielt, ist zum größten Telle und zwar in den besten Lagen der Gemarkung, Scharlachberg, Eisel, Rochusberg, Kemptcrberg, Steinkautweg usw. in den Besitz der Groß h. hessischen Domäne übergegangen. Unterhandlungen waren schon längere Zeit im Gange, lieber den Preis für das Gut ist noch nichts Bestimmtes bekannt.
* * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Briefträger Aug. Lutz in Butzbach verkaufte seine in der Guldengasse gelegene Hofraithe an den Installateur W. Schaum zum Preise von 5500 Mk.
Vermischtes.
* Berlin, 25. Juni. Ein Liebespaar, der 43jährige Buchdrucker Georg Wilhelm und die 23jä()rige Verkäuferin Emma Gesch, wurden heute Mittag in der Wohnung des ersteren tot aufgefunden. Anscheinend ist der Tod schon gestern durch Gift erfolgt. Wilhelm lebte von seiner Frau getrennt.
* Unter dem Titel „Schweine, Schießeisen und Leitartikel" schreibt der „Arizona-Mcker": Es ist uns sehr unangenehm, irgend welche Gebräuche und Gewohnheiten unserer Stadt tadeln zu müssen, aber wir bestehen darauf, daß unsere Mitbürger ihre Schweine vom Zeitungsgebäude fernhalten. Während wir gestern gerade beschäftigt waren, einen Leitartikel über die Stabilität unserer staatlichen Einrichtungen zu schreiben, hatte eins der Schweine des Senators McBride den Weg unter unser Bureau gefunden und kratzte und scheuerte den Rücken an den Balken unter dem Fußboden. Das ganze Gebäude zitterte so, daß wir gezwungen waren, mit einem Besenstil bewaffnet, der Kreatur auf den Pelz zu rücken und sie hinweg zu bläuen. Kaum zurück, wurden wir wieder unterbrochen durch den Eintritt eines langen Lümmels von Cowboy. Er hatte seinen Revolver in der Hand und richtete an uns die Frage, ob wir der Editor des „Kicker" und Schreiber des Artikels über den Ball am Babcock-Kommers seien. Wir hätten nämlich unser Mißfallen über die Behandlung des Wirtes bei Gelegenheit dieses Balles aus- gedrückt, den man einfach über den Haufen geschossen, weil er einem Cowboy, der ihm 80 Dollar schuldete, weiteren Trinkkredit verweigerte. Auf unsere Bejahung fing dieses gemeine Individuum ebenfalls auf uns zu feuern an; allein wir hatten uns vorgesehen. Wir bückten uns, und da wir unser Schießeisen leider nicht zur Hand hatten, ergriffen wir unseren Wasserkrug, in dem wir für gewöhnlich das für unsere Zeitungsschreiberei nötige Lagerbier holen, unb warfen ihn unserem Widersacher so kräftig und glücklich an seinen Verstandskasten, daß er wie weiland Goliath zu Boden stürzte. Die in der Tasche des Gerichteten befindlichen 7 Dollars 80 Cents behielten wir zur Anschaffung eines neuen Kruges und Reparatur der zerschossenen Wand. Durch alle diese Störungen mären wir so zerstreut, daß es uns nicht möglich erschien, den Leitartikel zu vollenden. Der „Kicker" erscheint also heute ohne denselben. Wir geben zu gleicher Zeit allen unseren Feinden Nachricht, daß wir von jetzt an unsere Schießeisen beständig bei uns tragen werden und uns durchaus feine Gewissensbisse machen, dasselbe sofort, wenn nötig, zu gebrauchen. Wir laden bei biejer Gelegenheit zur Avomiementserneuerung des „Kicker" ein, bemerken aber, daß wir bis auf weiteres keine Perlhühnereier an Zahlungsstatt annehmen, da diese im Preise sehr gesunken sind, und wir noch einen großen Vorrat davon haben.
Kunst und Mistenschast
Der frühere Oberregisseur der Vereinigten Frankfurter Stadttheater, Friedrich S ch w e m m e r, ist nach schwerem Leiden im Alter von 85 Jahren gestorben.
Klingers Beethoven ist von der Stadt Leipzig für den Kaufpreis von 250000 Mk. erworben worden. Die Stadt Leipzig wird den größeren Teil dieser Summe aus Süstungsmitteln nehmen. der Rest soll durch Zeichnung freiwilliger Beiträge gedeckt werden. Das Werk ist in Düsseldorf am 24. ds. eingetropen.
Hannover, 25. Juni. Tas gestrige Abschiedskonzert Einoedshofers im Tivoli nahm einen glänzenden Verlauf. Der große Garten war bis auf den letzten Platz gefüllt, Einoeds- hofer sowie seinem Orchester, das ganz hervorragend spielle, wurden stürmische Ovationen dargebrachl. Am Schluß des Konzerts erhielt Einoedshöfer mehrere Kränze.
Aus Worms wird uns geschrieben: Im Sinne der Erziehung des Volkes zur Kunst findet vom 26. August bis Ende September hier in den Räumen des Kasinos eine Gemälde-Ausstellung statt.
Der eigenartige Reiz dieser Ausstellung, im Vergleich zu viel größeren, allgemeinen Ausstellungen, wird darin bestehen, daß aus den reichen Sammlungen hiesiger und auswärtiger kunstsinniger Famllien eine ganz seltene Auswahl hervorragender Werke zur Ausstellung gelangt. Es sind darunter Bilder unserer bedeutendsten Meister, Werke, die bis jetzt überhaupt noch nicht ausgestellt gewesen sind, und die auf diese Weise der Besichtigung des größeren
Publikums zugänglich gemacht werden. So z. B. eine Kollektion Böcklins und Lenbachs. Ferner sind dem Komitee Werke von Vautier, Menzel, Uhde, Knaus zur Verfügung gestellt worden, und schließlich sind die alten, großen Schulen in hervorragenden Werten vertreten, eo wird eine Anzahl alter italienischer Gemälde vorhanden fein, und von alten deutschen und niederländischen Meistern seien hier nur Namen wie Holbein, Rubens, Hals, Molenaer, Ter- borch, van der Neer und Ruysdael genannt. Aber auch unsere zeitgenössischen Künstler sollen vertreten sein.
Worms ist während der Sommermonate von Fremden stark besucht, welche durch die Sehenswürdigkeiten der altehrwürdigen Nibelungenstadt hierhergeführt werden. Ter; herrliche Dom, das Lutherdenfinal, die seltenen Schätze aus grauer Vorzeit, welche das Paulusmuseum birgt, und manches andere lohnen wohl der Mühe, einen Abstecher nach Worms zu machen, und zwar umsomehr, wenn der kunstsinnige Reisende dort gleichzeitig eine Ausstellung besuchen kann, welche weniger durch ihre Ausdehnung, als durch ihre Eigenart, reiche Belehrung und großen Kunstgenuß bieten dürfte.
Gerichlssaal.
Berlin, 25. Juni. Prozeß Sanden. Der frühere Prokurist der Firma Anhalt u. Wagner, Mat Gaedc, bekundet: Der Jahresumsatz 1899 betrug etwa 300 Millionen M a r k. Er habe die llcberzeugung gehabt, daß das Geschäft auf sehr lukra- rwer Basis beruhle und nach jeder Richtung hin lebensfähig war, daß aber die Betriebsmittel vermehrt werden mußten. Nach semer Ansicht befand sich Generalkonsul Schmidt nicht ganz auf der Höhe, um ein so großes Geschäft zu leiten. Kommerzienrat Lucas sagt aus: Der Verlust der Eigentümer der Dortniundcr Unionaktien im Laufe der Jabre könne ans 5 0 Millionen 2)1 a r £ angenommen werden. Zur Besprechung gelangt dann die Regulierung des Nachlasses des 1893 verstorbenen Direktors der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr Heinrich Sanden. L ie Anklage behauptet, daß, als der Nachlaß Heinrich Sandens an die Erben verteilt werben zollte, sich m den Büchern der Aktiengesellschaft ein Konto ,,H. Sanden Nachlaß" befunden unb einen ^chuldialdo von 464568 Ni art ausgewiesen habe. Um diesen Schuldsaldo aus der Welt zu schasfeii, und den Erben noch Ver- mögen zuzuwenden, habe eine Transaktion zu Ungunslen der Aktiengeiellschast stattgefunden. Erich Schmidt, der Soyil des An- geklagten Eduard Schmidt, bestätigt, daß die Spannkraft seines Vaters schon 1896 nachgelassen und die geistige Ausfassungssähigkelt desselben infolge schwerer Krankheit abgenommen habe. Rechtsanwalt Dr. Rosenslock und der Arzt Dr. Jansen äußern sich in demselben Sinne, wie der Zeuge Erich Schmidt.
Kiel, 25. Ium. Tas Kriegsgericht des 1. Geschwaders sprach heute den Kommandanten des Kreuzers „A m a z o n e"/ Fregatten- Kapltän Bruch, von der Arülage frei, durch Fahrlässigkeit den Z u s a mm en st o 8 seines Schiffes mit dem Linienschiff „K a i j e r W i l h e l m 11. im Kanal verschuldet zu haben. Ter Wachtosfizier Oberleutnant Hauers dagegen ivurde schuldig be- funderi und zu 14 Tagen K a nr m e r a r r e st verurteilt.
Breslau, 25. Ium. Vor der zweiten Strafkammer des Lanö gerichls begann heilte der Prozeß gegen den Rhede reldirek- t o r P a u l Breslauer und Genossen wegen Betruges, Urkundenfälschung, Vergehens gegen das Aktiengesetz und Banterotts bezw. Beihilfe zum Betrug. Ueber 60 Zeugen und Sachverständige sind geladen. Breslauer bekennt sich nur der Beihilfe zilm Betrüge in Verbindung mit der Verletzung des Aktlengesetzes für schuldig. Die Mitangeklagten bestreiten jede Mitschuld. Breslauer bezeichnet sich als Opfer Schostags. Er habe dessen Betrügereien schon 1893 entdeckt, aber die An- zeige beim Aufsichtsrat unterlassen, iveil Schostag mit Selbstmord drohte.
Leipzig, 25. Juni. Der Zugführer Kleinhans, der im Prozeß wegen des Altenbekener Eisenbahn-Unglücks verurteilt worden war, hat die eingelegte Revision vor der für morgen angesetzten Revisioiis-Verhandlung bei dem Reichsgericht zurückgezogen.
Landwirtschaft.
Berlin, 25. Juni. Der „Reichsanz." veröffentlicht Nachrichter, über den S a a t e n st a n d im Deutschen Reich von Mitte Juni. Danach war der Stand der Saaten folgender: Winterweizen 2,2, Sommerweizen 3,4, Winterspelz 2,0, Winterroggen 2,4, Sommerroggen 2,4, Sommergerste 2,4, Hafer 2,4, Kartoffeln 2,7, Klee 2,4, Luzerne 2,6, Wiesen 2,5. Die entsprechenden Zahlen des Vorjahrs sind: 3,5, 2,8, 2,8, 2,9, 2,7, 2,7, 2,6, 2,4, 3,3, 3,0 und 2,8. Hinzu- gefügt wird: Die Ende Akai eingetretene eine Woche andauernde ungewöhnlich warme Witterung beeinflußte im Allgemeinen das Wachstum sämtlicher Feldfrüchte außerordentlich günstig. Die Besserung der Saaten ist vielfach über Erwarten gnrß.
Karlsruhe, 25. Juni. Nach der betannten Stufenfolge be» rechtigt der Stand der Saaten Mitte Juni bei Winterweizen 2,2, Sommerwetten 2,6, Winterspelz 2,2, Winterroggen 2,2, Sommerroggen 2,7, Winterweizen und Winlerroggeii im Gemenge 2,0, Winterspelz und Winterroggen 2,2, Gerste 2,3, Hafer 2,3, Kartoffeln 2,6, Klee 2,6, Luzerne 2,8, Wiesen 2,5, Hopfen 2,8, Reben 3,5. Ter erste Satz des Tabaks, welcher infolge der reichlichen Bodenfeuchtigkeit einen raschen Verlauf nahm, wird in einigen Berichtsbezirken von Schnecken bedroht. Ter Hopfen ist in der Entwicklung verhältnismäßig noch weit zurück, hat meist kaum eine Länge von 2—3 Nieter und nur in einem Berichtsbezirk Stangenhöhe erreicht. Fast allenthalben, und zwar vorzugsweise in den niederen, teilweise auch in den mittleren Lagen, hat sich der Stand der Reben verschlechtert. Auch wird aus zwei Bezirken über das Auftreten des gefürchteten O'i'diums berichtet. Anhaltend warme Witterung dürfte indes auch bei der Rebe eine Besserung der Herbstaussichten erhoffen lassen.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
— Allgemeine ElettrizilätSgesellfchaft. Tie Gesellschaft hat, wie wir bereits mitteilten, mit der Nernst Electric Light Co. Ld. einen Vertrag abgeschlossen, wonach letztere für eine Reihe von Jahren auf die Fabrikation von Nernst-Lampen verzichtet und für die vorbehaltenen überseeischen Länder ihren gefaulten Bedarf an Nernst-Lampen von der Allgem. Elektrizitätsgesellschaft bezieht. Tie englische Gesellschaft hat mit ihren Nernst-Lampen wenig Erfolg gehabt, demnach müssen also die von der Allgem. Elektrizitäts- Gesellschaft hergestellten Nernst-Lampen unanfechtbar aut sein. Hierüber noch näheres zu erfahren, dürfte im Wunsch aller Aktionäre der letztgenannten Gesellschaft liegen.
— Zur Lage der Fahrradiudustrie. In der deutschen Handelsstatistik werden erst seit 1897 Nachweisungen über die Ein- und Ausfuhr von Fahrrädern und Fahrradteilen mitgeteiU, die amerikanische hat mit Aufzeichnungen gleicher Art ein Jahr früher begonnen. Tas in den amtlichen Veröffentlichungen vorliegende Material benutzt die „Deutsche Jndustrieztg.", das Organ des Zentralverbarides deutscher Industrieller, zu einer Darstellung des deutschen und des amerikanischen Außenhandels mit Fahrrädern und Fahrradteilen, in der sie mit Genugthuung konstatiert, daß sich der deutsche Außenhandel mit Fahrrädern in den Jahren 1897 bis 1901 sehr günstig gestaltet und die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie sich auch auf diesem Gebiet glänzend bewährt habe. Die Handelswerte der deutschen Ein» und Ausfuhr von Fahrrädern und Fahrradteilen gestalteten sich nach den amtlichen Ermittlungen:
Einfuhr
Ausfuhr in Tausend Mark
Ueberschuß der Ausfuhr
1897
6968
9905
2937
1898
6297
12637
6340
1899
4249
11710
7461
1900
3272
10396
7124
1901 (Dort Werte)
2050
11770
9720


