Ausgabe 
26.3.1902 Zweites Blatt
 
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dieses Jahr den alljährlichem Besuch in Amsterdam aufzu­geben.

Paris, 25. März. Große Aufregung herrscht in nationalistischen Kreisen, weil der Erfinder des Unter­seebootes, Gaubex, sein System an England ver­kaufen will. Der Erfinder beklagt sich, daß, das französische Marineamt sich energisch weigert, mit ihm zu unterhandeln. Die Engländer wollen ihm 22 Unterseeboote in Auftrag geben und ihm eine Anzahlung von 100 000 Francs leisten und ein Jahresgehalt von 4500 Francs geben zur Beauf­sichtigung der Ausführung. Man glaubt, der Erfinder tnerbe diese Offerte annehmen.

In der Kammer bemerkte Minister Delcasse, daß die französisch-russische Erklärung die mehr oder weniger be­stimmte Zustimmung der Mächte und den vollkommenen Ausdruck des Vertrauens seitens aller Mächte erlangte.

Algier, 25. März. In Berriay fand zwischen Ge­fangenen und Eingeborenen ein blutiger Kampf statt. Die Gefangenen griffen die Araber an und töteten eine Frau und verwundeten acht Araber schwer.

Peking, 25. März. (Reuter.) Wie aus einem heute veröffentlichten Edikt hervorgeht, ist im Süden der Provinz Honan em Aufstand ausgebrochen. 14 eingeborene Christen wurd en ermordet. Der Gouverneur der Provinz erklärt, daß der Aufstand durch die Steuererheb- ungen für die Entschädigungssumme verursacht worden sei.

Heber d»e FrredenSausfichterr.

Im englischen Unterhause erklärte am Dienstag der erste Lord des Schatzes Balfour, die Regierung habe keine weiteren Nachrichten hinsichtlich der aus Süd­afrika gemeldeten Verhandlungen. Dagegen liegt eine Privatmeldung aus London vor, die folgendes besagt: Die Militärbehörde erklärt, daß keinerlei Waffenstill­stand mit den Buren geschlossen wurde. Man nimmt an, daß der Schritt der Transvaal-Regierung eine Folge der von Lord Landsdowne ihr durch Kitchener übermittelten Korrespondenz zwischen der britischen und der holländi­schen Regierung ist. Von Krvnstad wird die Transvaal- Exekutive unter sicherem Geleit zur Oranje-Freistaat-Exeku- tive gehen. Nach den letzten Nachrichten befindet sich diese in Hoopstad, etwa 80 englische Meilen südwestlich von Kron- stad. Die englischen Blätter drücken die Besorgnis aus, daß Steijn sich unversöhnlich zeigen werde, und erklären, daß jegliche Angebote der Buren die vorherige Aufgabe chrer Unabhängigkeit und die Anerkennung der Einver­leibung der Burenstaaten in das britische Reich zur cdtv= ditio sine qua non haben müßte.

Reuters Bureau meldet unter dem 23. März aus Wolvekoel: Mit Lord Kitcheners Erlaubnis haben Schalk Burger, Lukas Mayer, Reitz, Jacoby, Keogh und Vander- velde, welche die Regierung Transvaals bilden, mittels Sonderzuges von Balmoral aus die Reise nach der Oranje­kolonie angetreten. Sie verließen Balmoral am 22. März, brachten die Nacht in Viljoen-Drift zu und setzten in Be­gleitung von 6 britischen Staabsofsizieren am 23. März vormittags die Reise nach Kroonstad fort. Es geht das Gerücht, die B u r e n d e l e g i e r te n seien für all­gemeine Uebergabe, um dem Kriege ein Ende zu machen.

DasB. T." meldet aus London: Kommen die Ver­treter der Buren-Republiken zu einem bejahenden Ent­schluß, so werden die Vorschläge vermutlich aus Grund der von Louis Botha in Middelburg gemachten Vorschläge erfolgen. Weigern sich Dewet und Steijn, in Friedensver­handlungen einzutreten, so werden die Feindseligkeiten fort­gesetzt werden. Das Resultat der Konferenz wird kaum vor einigen Tagen bekannt werden.

Es erscheint angezeigt, wieder einmal auf den Faktor hinzuweisen, der bei Betrachtung der Dinge in Südafrika stets beachtet werden muß und gegenwärtig vielleicht eine besondere Rolle spielt: auf die K r i e g s ko st e n r e ch n u n g der Engländer. Sie stellt sich einschließlich der für das Budgetjahr 1902/03 bewilligten Summen auf 3 7 6 0 Millionen Mark, wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß die Zinsen für die verschiedenen Kriegsanleihen insgesamt gegen 200 Millionen Mark hinzuzurechnen sind, und der Voranschlag des Kriegsministers nur neun Monate des laufenden Fiskaljahres umfaßt. Mr. Brod- rick ließ sich offenbar von der optimistischen Erwägung leiten, daß der Krieg bis dahin zu Ende sein würde. Der Burenführer Delarey hat ihn inzwischen eines Anderen belehrt, d. h. ihm durch seinen glänzenden Sieg über Me- t'huen vor Augen geführt, daß die Forderung von Nach- tragskrediteu auch in bicjcin Jahre sich kaum wird umgehen lassen. Die Notwendigkeit, eine neue Milliarde Mark die fünfte! für Südafrika flüssig zu machen, er­scheint also im bedrohliche Nähe gerückt. Vielleicht hat nicht zuletzt dieser Umstand König Eduard zu dem Versuch angeregt, den Abschluß der Feindseligkeiten auf gütlichem Wege herbeizuführen. Sein Vertrauensmann, Lord Wol- seley, trifft noch zeitig genug im Hauptquartier Kit­cheners ein, um eventuell auf die Verhandlungen mit den leitenden Buren im Sinne des Königs einzuwirken. Daß die Initiative zur neuesten Friedensaktion von eng­lischer Seite ausgegangen ist, unterliegt keinem Zweifel. Es wird wohl aus Pretoria gemeldet, oaß in den hollän­dischen Kirchen auf Ersuchen dec Burendelegierten der nächste Sonntag als Bettag für die Wiederherstellung des Friedens gehalten werden soll. Aber aus Brüsseler Buren- kreisen wird mitgeteilt, daß von ihnen aus keine Anstalten zur Einleitung von Friedensverhandlungen gemacht wor­den seien. DasEcho de Paris" meldet aus London, über die vom König Eduard gegenüber dem Kriege einge­nommene Haltung folgendes: Während eines Empfanges, der unlängst stattfand, erklärte der König im Verlauf einer Unterredung über den Krieg, man habe genug an einem Irland.

Doch es wird wohl wieder nichts aus allem Hinundher. Tie ganze Sache steht auf dem alten Fleck, der bisher jede Verständigung unmöglich machte. Tie Engländer wollen das Land der Buren haben, und die Buren wollen es nicht aufgeben. Und so wird denn das Ende vom langen Kriegs- liede immer wieder der neue Anfang sein, wie beim Lied vom Trulala:

Und wer das Lied nicht weiter kann. Der fängt es wieder von vorne an.

Aus MM imö Kauö.

Gießen, 25. März 1902.

** Militärdieastaachrichten. Der Vizefeldwebel Spreng el (Friedberg) wurde zum Leutnant der Res. des Jnf.-Regts Kaiser Wilhelm (2. Großy. Hess.) Nr. 116 befördert, den Abschied bewilligt dem Oberarzt der Landw. 2. Aufgebots Prof. Dr. Leutert (Gießen); vom 1. April ab auf ein ferneres Jahr zur D^yrrstleistung beim Großen Gsneralstab

kommandiert Oberleutnant Joachim im 6. Großh. Jnf.- Negt. Nr. 168; in das 2. Rhein. Feld-Art.-Reg. Nr. 23 versetzt der Hauptmann und Batteriechef im 1. Großh. Feld- Art.-Regt. Nr. 25 v. Selasinsky, als charakterisierter Fähnrich zugeteilt dem 5. Großh. Jnf.-Regt. Nr. 168 Kadett Fitz au, in das 5. Großh. Jnf.-Regt. Nr. 168 versetzt Leutnant Pyhrr im Füs.-Regt.General-Feldmarschall Graf Moltke (Schles.) Nr. 38.

** Eisenbahndienstnachrichten. Bauinspektor Stieler in Darmstadt wurde mit Wirkung vom 1. April ab zum Vor­stand der Maschineninspektion Darmstadt und Eisenbahn­direktor O nein er, jetziger Vorstand der Maschineninspektion Darmstadt, zum Vorstand der Werkstätten-Jnspektion Darm­stadt ernannt.

h. Pferdemarkt und -Lotterie. Am 3. April wird auf oen hierfür vorgesehenen städtischen Marktanlagen an der Rodheimerstraße der FrühjahrspferdLmarkt statt­finden. Den Wünschen der Pferdemarkt-Kommisfion ent­sprechend, hat das Großh. Ministerium des Innern ge­nehmigt, daß alljährlich zwei Pferdemärkte (Frühjahr und Herbst), verbunden mit je einer Verlosung, avgehalten werden In diesem Jahre wird der Pferdemarkt und auch die Lotterie sich für die Teilnehmer und das Publikum in wesentlich anderer, verbesserter Form präsentieren. Tie Kommission hat zur weiteren Hebung der seitherigen Einrichtung beschlossen, außer den zum Markt gebrachten Pferden auch Pferde, die im Privatbe sitz befindlich sind, vorführen und durch Ehrenpreise, bestehend in Wert­gegenständen, prämiieren zu lassen. Die betreffenden Pferde bezw. Gespanne, sowohl Ärbeits- wie Luxuspserde, können vorgeritten, ein- oder zweispännig vorgefahren oder vor­geführt werden; dieselben müssen vor dem 1. April bei Oekonomierat Sch lenke hier angemeldet und am Tage der Prämiierung gegen 11 Uhr vormittags vorgeführt wer­den. Zur Verlosung kommen ein kompletter Viersitzer- Magen (vis-a-vis) nebst Pferd und silberplattiertem Ge­schirr, sowie 9 Pferde und Fohlen, landwirtschaftliche Ge­räte, landwirtschaftliche Maschinen, Haushaltungs- und Luxusgegenstände; die Gewinne, mit Ausnahme der leben­den, sind in hiesigen Geschäften bereits angekauft, und die Nachfrage nach Losen ist erfreulicherweise recht groß, sodaß weitaus der größte Teil bereits vergriffen sein dürfte. Eine weitere Neuerung dürfte den Beifall des Publikums finden, indem bereits um 12i/2 Uhr mittags sämtliche prämiierte und zur Verlosung angelauften Pferde auf dem Markt bezw. Prämiierungsplatz dem Publikum vorgeführt werden.

fl Londorf, 25. März. In dem dem Maurermeister Teib el-Lollar gehörigen Steinbruch bei Londorf ereignete sich heute ein scyrecklicher Unglücksfall. Ein Stein­schuß mit Dynamit hatte versagt, und man mußte eine Nachbohrung machen. Tas geschieht so, daß ein Arbeiter den Eisenstav dreht, während der andere daraufhaut. Dabei entzündete sich, *(ie im Stein schon liegende Masse, und der Steinhauer Karl Wißner aus Kesselbach wurde am Kopfe schwer verletzt. Das eine Auge flog geradezu aus dem Kopfe heraus, auch auf dem anderen soll er ge­blendet sein. Der Unglückliche wurde sofort in die Klinik nach Gießen gebracht. Der Fall ist umso bedauerlicher, da der Verletzte Vater von sieben Kindern ist und noch dazu in ärmlichen Verhältnissen lebt. Der andere Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen an den Händen davon. Ein Bäcker hat hier einen «Zwitter aufgezogen, der halb Hahn und halb Henne ist. Das Tier ist seiner eigent­lichen Gestalt nach eine Henne. Tocy ist sein Kops mit dem großen Fleischkamme eines Hahnes geziert, und seine Hals- sedern glanzen metallisch; das Tier kräht aber weder, noch legt es Eier. (Wie uns von sachverständiger Seite mit- geteilt wird, gehören solche Mißbildungen 6-ei Hühnern nicht gerade zu den Seltenheiten, doch pflegen die Sinnen int. Gegensätze zu der oben geschilderten Art sonst sich nicht weiter von ihren Stammesschwestern zu unterscheiden. Tie Red.)

Butzbach, 24. März. Wegen hohen Alters legte Apo­theker H. Vogt sein Amt als Direltor des Mathildenstifts Butzbach nieder. An seine Stelle wurde G. Muller und als dessen Stellvertreter G. Vogt gewählt.

Ulrichstein, 25. März. Zu unserer Notiz in Nr. 67, wonach das Justizministerium gegen einen Amtsrichter ein Verfahren wegen unfreiwilliger Versetzung in den Ruhestand eingeleitet hat, wird weiter mitgeteilt, daß es sich um den Amtsrichter Eckstein handelt, der aus seinem Prozeß gegen den Fiskus siegreich hervorging. Das Ver­fahren wurde in Gemäßheit des Art. 64 des Richtergesetzes und der dort angezogenen Bestimmungen dec Gesetze vom 30. April 1875 und 27. November 1874 eingelcitet. Nur wegen dauernder Dienstunfähigkeit infolge geistiger oder kör­perlicher Gebrechen kann durch einen Plenarbeschluß des Oberlandesgerichts, wenn zwei Drittel der anwesenden Räte sich für die Versetzung in den Ruhestand ausgesprochen haben, diese durch das Ministerium herbeigeführt werden.

§ Vom höheren Vogelsberg, 25. März. Wenn auch schon manches für den höheren Vogelsberg geschehen ist, so bleibt doch noch vieles zu wünschen übrig man denke nur an die Plazierung der Aerzte. Während in einem Bezirke mehr als genug wohnen, fehlen sie an anderen Orten wieder. In Schotten sind z. B. 3, in Ulrichstein 2 und in dem nur eine Wegstunde von dort entfernten Bobenhausen 1; dagegen gibt es in Gedern z. Zt. nur 1 Arzt, der außerdem noch die Stelle eines Kreis-Assistenz-Arztes bekleidet. Bis zum Juni v. Js. waren dort zwei praktische Aerzte. Der Bezirk Gedern ist ziemlich groß und erstreckt sich auf drei Stunden Umkreis. Man nehme an, ein Geburtsfall in Wenings erfordere ärzt­liche Hilfe undderArzt befindet sich indem abgelegensten Dorfe Sichenhausen ober Volkartshain. Wie lange würde es dauern, ehe ec Wenings erreichen würde! Ueberdies fehlt den meisten Dörfern telephonische Verbindung. Dazu kommt noch die Unwegsamkeit der Straßen bei hohem Schnee! Es wäre sehr angebracht, wenn hier Wandel zum Besseren geschaffen würde. Seit heute Nacht ist das Gebirge wieder mit einer leichten Schneedecke überzogen.

Darmstadt, 24. März. Der Großherzog unterzeichnete am 22. d. die Konzessionsurkunde für die Bahn B u tz- b a ch Lich.

Darmstadt, 24. März. Der Großherzog empfing gestern den Grafen von Stolberg-Wernigerode, der auch zur Frühstückstafel zugezogen wurde. Um 3 Uhr unter­nahm der Großherzog eine Spazierfahrt nach Wolfsgarten und folgte abends einer Einladung des preußischen Gesandten Prinzen zu Hohenlohe-Oebringen zum Souper. Die Prirrzesfin Ludwig vom B attcn bi?rg wird dem Ver­

nehmen nach gegen Ende des Aprils mit ihren Kindern au§ Malta in Schloß Heiligenberg eintreffem Mit dem Wieder- aufbau des vom Marienplatz nach dem nördlichen Teile des Herrngartens zu versetzenden Veteranen-Denkmals ist an diesem Orte begonnen worden. In sehr einfachem Akte, dem Obersthofmarschall v. Westerweller und der funk­tionierende Generaladjutant v. Wachter beiwohnten, wurde gestern Vormittag die Urkunde neu verlötet und in den Grundstein eingefügt.

8. Darmstadt, 25. März. Ein acht Jahre hier ansässig gewesener früherer Zigarrenhändler, welcher sich hauptsächlich durch Lose und Geldgeschäfte verschiedener Art in dieser Zeck ein Vermögen von über 200000 Mark erworben hat und jetzt in Wiesbaden ansässig ist, ist wegen Uebervorteilung, Wuchers rc. angeklagt, da er kleinen Handwerkern eine ge­wisse Summe lieh, sich aber einen viel höheren Betrag unterschreiben ließ. Er wurde in Wiesbaden verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert.

Bingen, 25. März. In der heutigen Siadt-Ver- o r d n e ten s i tz u n g kam die gestrige P u l v c r*-Ex p l o - sion äur Sprache, und führte infolge der schon an die Stadt gestellten Schadenersatzansprüche zu sehr erregten Debatten. Bürgermeister Neff leihe mit, daß die thatchchlich ganz bedeutend geschädigten Hausbesitzer an der Mainzerstraße, Beck und Seligmann Simon, die Stadt für den Schaden verantwortlich machren. Das massive aus Bruchsteinen erbaute Haus des Beck besonders ist in seinen Grundfesten erschüttert, keine Thür schließt mehr, soweit überhaupt noch Thüren vorhanden sind. Herr Seligmann Simon bat um Ernennung eines Experten, welcher den Schaden feststellen solle, ebenso bat er um eine Nachtwache zur Bewachung seines Hauses. Die Nachtwache wurde für den ganzen geschädigten Bezirk gestern schon gestellt. Der j u r i st i s ch e Beirat der Stadt erklärte, daß die Stadt für Den Schaden nicht verantwort­lich gemacht werden könne und demgemäß wurden die Ansprüche abgelehnt. Den beiden Sperren dürften sich die andern Geschädigten anschließen, so daß für Die Stadt Bingen ein R i e s e n p r o ze ß in Aussicht steht. Durch be- hördliche Besichtigung wurde festgestellt, daß eine Selbst­entzündung vollständig ausgeschlossen ist. Von den Ur­hebern Der Explosion hat man bis jetzt noch, keine Spur. Seit dem 13. März ist die Bretz u. Huff'sche Pulverniederlage nicht mehr betreten worden. Es ist des­halb unmöglich, daß das Unglück durch Unvorsichtigkeit ent­standen ist. Da es ferner Thatsache ist, daß bei Pulver eine Selbstentzündung nicht eintreten, seine Explosion viel­mehr nur durch unmittelbar damit in Berührung kommendes Feuer geschehen kann, besteht kein Zweifel, daß hier ein Akt tierischer Bosheit vor liegt. Wo der oder diq Urheber zu suchen sind, ist ziemlich klar, wenn man bedenkt, daß unsere Gegend augenblicklich von Gesindel wimmelt, das mit dem Anlegen einer Zündschnur gerade so gut unv- zugehen weiß, wie mit Dolch und Revolver. Ein Bewohner der Mainzer Straße, der gleich nach der Explosion aus Dem Fenster sah, hat einen Vorübergehenden gefragt, was denn geschehen sei, woraus er in fremdländischem Tonfall ine Antwort erhielt:Da oben in die Wingert hat es gebumst." Ter Inhaber einer nicht weit von der Unglücksstelle ge­legenen Weinkellerei hörte kurz vor Eintritt des Ereignisses, daß sein Hofhund außergewöhnlich laut bellte und unruhig war, sodaß er aufstehen und den Hund zur btuhe bringen mußte. Tas sind die einzigen Anhaltspuiikte, die man hat. Mas das zweite Pulveryäuschen anbetrifft, in dem &. Z. ca. 25 Zentner Spreng- und Jagdpulver Lagern, so hat sich bei genauer Untersuchung herausgestellt, daß keine Ver­letzung nachzuweisen ist; nur die mit Eisenblech be­schlagene äußere Thür eine zweite eiserne Thür liegt dahinter im Abstande von ca. 40 Ctm. war am Boden schadhaft, ob infolge von Gewalt, Witterung oder Länge der Zeit, ist nicht ganz klar.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten« Die Schnell'sche Buntpapierfabrik in Kassel wurde durch ein schnell um sich greifendes Feuer größtenteils zerstört.

Vermischtes.

Theaterbrände, lieber dem Stadttheater zu Barmen scheint ein tragisches Geschick zu schweben. Im November 1875 wurde das Theatergebäude durch eine große Feuersbrunst, bei der drei Personen ihr Leben einbüßten, völlig zerstört. Nun ist, wie wir bereits gestern kurz meldeten, das damals neu aufgebaute Gebäude durch einen Brand in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Offenbar hatte das Feuer schon längere Zeit im Innern des Theaters ge­wütet, ehe es bemerkt wurde, denn als gegen 1 Uhr eine heftige Detonation gehört wurde und ein Teil des Daches in die Luft flog, flieg auch gleich eine mächtige Feuersäule zum Himmel auf. Die Feuerwehr war pünktlich zur Stelle, mußte sich aber in der Hauptsache auf den Schutz der Nachbar- gebäube beschränken, da die Flammen im Innern des Ge­bäudes, vermutlich durch den starken Südwestwind angefacht, immer gewaltiger um sich griffen. Aus dem brennenden Gebäude konnten nur die wertvolle Bibliothek und der Geld­schrank gerettet werden. Das dem Theater gegenüberliegende RestaurantGermania" fing ebenfalls Feuer, ja, die Flammen setzten das Dach eines Hauses in der Viktorstraße, die zehn Minuten von der Brandstelle entfernt ist, in Brand. In dem Theater stürzte inzwischen ein Rang nach dem andern ein. Von dem Gebäude stehen jetzt nur noch die Umfassungs­mauern, die Frontseite mit dem Foyer und zwei Läden ist zwar vom Feuer verschont geblieben, aber so durch das Wasser zerstört, daß sie jeden Augenblick zusammenbrechen muß. Leider ist bei den Löscharbeiten ein Unfall vorge­kommen. Ein niederstürzender Schornstein zerriß den Draht der elektrischen Straßenbahn und brachte mehreren Personen Verletzungen bei. Das Theater war mit 430 200 Mk. ver­sichert, da aber verschiedene Neuanschaffungen noch rächt nach­versichert waren, trifft den Thecüeroerein ein empfindlicher Schaden. Auch ist mehreren Künstlern die ganze Garderobe verbrannt. Aus Sidney wird einem Londoner Blatte vom 23. März gemeldet: Her Majestys Theatre wurde am Sonntag durch Feuer zerstört. Die englische Gesellschaft von Mr. Williamson, die in diesem TheaterBen Hur" aufführte, ist ständig vom Unglück verfolgt worden. Das Theater mußte schon zweimal auf einige Zeit wegen der Pest ge­schlossen worden, und jetzt, wo das Stück auf der Höhe der Beliebtheit steht, kam das Feuer dazwischen. Man glaubt, daß das Verbrennen von Desinfektionsmitteln nach dem Weggehen des Publikums die Ursache des Feuers ist.Ben Hur" war die theuerste Aufführung, die man je in Austra-