Willkür völlig bar.
dem Orte eine Schauspielerin lebte, die seit einigen Monaten ohne Engagement war. Sofort wurde zu der Dame hingeschickt und diese erklärte sich auch gern bereit, die Rolle der Königin zu übernehmen. Ihre Garderobe hatte sie zwar mottensicher verpackt, doch schnell waren die notwendigen Kleidungsstücke herausgesucht und eben noch rechtzeitig erschien die imposante Figur der Mutter Hamlets auf der Bühne. Ihr stolzes, siegesgewisse Auftreten machte auf das Publikum den besten Eindruck, übte aber auf die anderen Bühnenmitglieder eine höchst originelle Wirkung aus. Der König schien einige krampfhafte Versuche zu machen, seine Würde zu bewahren, brach aber plötzlich in so heftiges Niesen aus, daß die nicht allzu festen Bretter, auf denen er stand, bedenklich erzitterten. Sämtliche Höflinge, die Ehrendamen, alle folgten sie dem königlichen Beispiel. Nun erschien Hamlet mit einer tief tragischen Miene, doch nach einigen konvulsivischen Bewegungen, die seine prinzlichen Züge verzerrten, verhüllte er das Haupt mit seinem düsteren Gewände und Niesen auf Niesen war alles, was das verblüffte Publikum zu hören bekam. Dunkelrot vor Zorn trat zuguterletzt noch der Regisseur hinter den Koulissen hervor, um nach der Ursache der eigenartigen Epidemie zu forschen. Aber ehe der Gestrenge noch zu Worte kommen konnte, brach auch er in niarkerschütterndes Niesen aus. Zwischen den Lachsalven der stürmisch applaudierenden Zuschauer und deni immer noch nicht enden wollenden Niesen auf der Bühne senkte sich der Vorhang. Wie sich dann herausstellte, hatte die fremde Schauspielerin es in der großen Hast versäumt, ihre königliche Robe, die sie zum Schutz gegen die Motten sehr stark eingepfeffert hatte, genügend auszuschütteln.
Die wirkungsvollste „Hamlet"-Aufführung, die em Theater je erlebt, kam jüngst in einer kleinen englischen Provinzstadt zustande. Eine reisende Schauspielertruppe hatte für den Abend eine „Hamlet"-Vorstellung angesagt, und da die Leute wirklich gut spielten, war schon am Nachmittag das ganze Haus ausoerkauft. Nun erkrankte plötzlich die Darstellerin der Königin. Ratlos irrte der Direktor umher und brachte schließlich in Erfahrung, daß in
Hessischer Landtag.
Zweite hessische StändeLammer.
83. Sitzung.
Darmstadt, 25. Febr.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Minuten.
Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exz., Fi- nanzminister Gnauth Exz., Geheimer Staatsrat v. Krug, Ministerialräte Milbrand, v. Biegeleben, Breidert, Geh. Oberfinanzrat Dr. Becker.
Auf der Tagesordnung steht die Spezialberatung des Budgets.
Ter hierzu gestellte Antrag des Finanzausschusses lautet:
„Tie Kammer wolle beschließen:
1. daß die Kredite für laufende Unterhaltung von Gebäuden nur unter der Beschränkung bewilligt werden, daß Uebertragungen in das Rechnungswesen der nachfolgenden Finanzperiode nicht stattfinden dürfen;
2. daß den Bewilligungen für Neubauten und größere Herstellungen bei allen Bauwesen die Beschränkung bei- aefügt wird, daß Ersparnisse, welche bei der Vergebung von Arbeiten durch Abgebote an den Voranschlägen erzielt
geben.
Ter Antrag wird einstimmig angenommen.
Es folgt die „
II. Hauptabteilung: Domänen des Grotzh. Hauses: Kap. 2: Kameral- und Forstdomänen, Titel 1, Einnahme aus Kameral- und Forstdomänen unter Verwaltung der Oberförstereien und Titel 2, Kameraldomänen unter Verwaltung der Baubehörden.
Ter Ausschuß beantragt: Genehmigung der Einnahme unter Kap. 2 im Betrag von 5 696 640 Mark.
Hierzu führt
Ministerialrat Milbrand folgendes aus: Die Regierung könne im allgemeinen ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Ausschusses erklären. Er wolle hier nur auf einen Punkt zurückkommen, der näheres Erläuterung bedürfe, nämlich die Düngung der Do- manialwiesen. Der Ausschuß sei der Ansicht, daß der Ertrag durch Meliorationen und verstärkte Düngung gesteigert werden könne. Hinsichtlich der Ergebnisse der Düngung sei er in der Lage, folgendes Material geben zu können. In dem Zeitraum von 1875—1886 sei der Ertrag der Miesen 103 Mark pro Hektar gewesen. In den Jahren 1886—1895 sei nicht gedüngt worden und der Ertrag auf 83 Mark herabgegangen. Trotzdem man nun in den folgenden Jahren intensive Düngung angewandt habe, sei ein finanzieller Mehrertrag trotz der erheblich gestiegenen Futtermenge ausgeblieben, im Gegenteil sei nur ein Turchschnittsertrag von 81 Mark pro Hektar zu verzeichnen gewesen. Ter Grund für diese Erscheinung sei zu suchen in dem Aufschwung der Landwirtschaft, die auf den Aeckern viel Futter baue und deshalb weniger Nachfrage habe. Werde nun eine stärkere Düngung verlangt, jo komme diese bedeutende Ausgabe in erster Linie Nicht der Landwirtschaft, sondern lediglich dem Militärs.skus und den Besitzern von Luxuspserden zugute. Ferner habe der Ausschuß vorgeschlagen, die Wiesen in eigener Regie zu ernten. Aber gerade zur Zeit der Heuer,nte bestehe- ein großer Arbeitermangel, auch fehle es an Räumen zur Aufspeicherung. Ein solches Verfahren sei mir angezeigt bei großen Wiesenkomplexen, wo geeignete Räume vorhanden seien.
Abg. Häusel (nl.) erklärt bezüglich der Position 6: „Lokalverwaltungskosten", Beiträge der waldbesitzenden Gemeinden zu den Kosten der Besoldungen des Forstpersonals folgendes: Er sei gegen eine Erhöhung dieser Beiträge der Gemeinden, da namentlich im Odenwald der Ertrag der Gemeindewaldungen an Eichenlohrinde bedeutend zurückgegangen und zudem noch die Lage der Gemeinden durch das Gesetz, die Gehaltsverhältnisse der staatlichen Forstwarte betreffend verschlechtert worden sei. Dadurch
und Einatmen beim Offenbaren seelischen Leidens hat etwas Gezwungenes, Gesuchtes; hier fehlt noch die Abrundung. Aber unzweifelhaft hat nach seinem überraschend guten Mephisto Herr L. mit seinem Hamlet gezeigt, daß er ein ernster Künstler ist, der Hochschätzung verdient und zu größeren künstlerischen Erfolgen berufen scheint.
Es ist oft die Rede gewesen vom „fetten" Hamlet. Viele Kommentatoren haben sich, mit mehr oder weniger Geistaufwand, bemüht, nachzuweisen, daß wir uns Hamlet als fett geradezu denken müssen." So Lüning, Rosner re. Herr Leßmann konnte kein fetter Hamlet sein, ebenso wenig wie es z. B. Kainz ist oder die Sarah Bernhardt. Mir scheint die Annahme des Dr. Frhrn. v. Westenholz, daß das „fat“ („fett") im Texte nur eine Abkürzung tm Manuskript für „fatigate" (gleich „müde") sei, ganz plausibel. Die Döring'sche Auffassung, daß Hamlet ein Jüngling sei, hatte sich auch Herr L., m. E. vollkommen mit recht, zu eigen gemacht.
Zwei Worte über Hamlet fielen mir gestern immer wieder ein, die ich nie recht verstanden habe und zu deren Verständnis ich auch gestern nicht gekommen bin. Börne erfand in dunkler Zeit aus seinem liebeglühenden Herzen heraus das Schmerzenswort „Hamlet ist Deutschland". Mir scheint das em Wort geistreicher Kritik über Deutschland, nicht über Hamlet zu sein. Und Bulthaupt versteigt sich zu der Behauptung, daß Hamlets Unglück „unser aller Unglück" ist; das klingt zwar sehr sublim, sehr hamletisch traurig, aber denken kann ich mir nichts Rechtes dabei. Denn das Leid Hamlets ist doch höchst individuell und „unS alle" berührt nicht das zaudernde Schwanken eines sensiblen Schwächlings.
Das leider in sehr geringer Zahl erschienene Publikum — das Fest des Akademischen Gesangvereins in „Steins Garten" that der Vorstellung den größten Abbruch — zeigte
ich dem Benefizianten sehr geneigt und applaudierte ihm wiederholt stürmisch, wie auch den Mitwirkenden. Unter diesen hatten wir wir in dem guten graubärtigen Schwätzer Polonius Herrn Hofschauspieler Link aus Meiningen als willkommenen Gast zu begrüßen. Er betonte in seiner schönen Darstellilng in erster Linie die humoristische Ader des alten Herrn, den er als liebenswürdigen Dümmling von guten Manieren hin- tellte und in der Rede vortrefflich pointierte. Dabei war jede Geberde wohl überlegt und doch von dem Eindruck der
Arbeitslöhne. ..
Ministerialrat Milbrand: Daß die Lohne günstiger geworden seien, könne schon aus dem Budget ersehen werden, und nur dadurch sei die Forstverwaltung in der Lage, sich ein tüchtiges und geschultes Arbeiterpersonal zu erhalten. Daß die Regierung ein Herz besitze für die Arbeiter, das gehe hervor aus den Mohlfahrtseinrichtungen in Hessen, die im Reich als die besten von allen deutschen Staaten bekannt seien. Die Regierung werde in dieser Beziehung alles thun, was in ihren Kräften steht.
Abg. Weidner (fr. w. V.): Er stimme vollständig überein mit den Ausführungen des Abg. Korell über Düngung und Meliorationen. Die Regierung dürfe in dieser Einsicht nicht nachlassen, aber dies treffe nur generell zu.
wurden, nur insoweit zur Verwendung kommen dürfen, als sie zur Deckung von Aufgeboten über die ^ranschlage oder zu Fundamentierungsärbeiten oder )on,t ttch ?ls notwendig erweisenden Verbesserungsarbciten bezüglich der baulichen Anordnung, des Rohbaues und des inneren Ausbaues innerhalb des Rahmens des genehmigten Projekts erforderlich sind; ~ w
3. ihr Einverständnis mit dem Inhalt der m dem Hauptvoranschlag beigefügten bezw. nach den Nachtragen und Berichtigungen in der Anlage zur Drucksache Nr. <41 beizufügenden Anmerkungen, nachgesuchten Befugni^e, Be- rrechtigungen und Vorbehalte der Großh. Regierung insoweit erklären, als nicht ein das Einverständnis ablehnender oder beschränkender Beschluß gefaßt wird.
Ter Ausschußantrag wird oebattelos und einstimmig angenommen. , rr _ c
Zur Beratung kommt sodann der erste Teil des Budgets: Für die Verwaltung.
Bei der I. H aup tabtilung: Reste aus früheren Jahren, beantragt der Ansfchnß bei Ka- pitel I Titel 1: Rest nach Abschluß der Staatsrechnungen 1900/01 den Betrag von 566 828,24 Mark emzustellen.
Ter Antrag wird ohne Debatte genehmigt. _
Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß von diesem Rest diejenigen Beträge in Abzug zu bringen sind, über d<e bereits verfügt ist bezw. die zur Ausführung fchon ver- willigter aber noch übertragbarer Ausgaben reserviert werden müssen. Diese belaufen sich auf 236 49o Mark und sind unter Hauptabteilung XIV. „Indisponible und reservierte Fonds" in Ausgabe vorgesehen. Hiernach stellt sich der für Zwecke des Budgets 1902/03 zu verwendende Betrag thatsächlich nur auf 330 332 Mark.
Bei Titel 2: Zur Deckung des bei Vergleichung der Verwaltungs-Einnahmen und -Ausgaben dieses Voranschlags erscheinenden Fehlbetrags bemerkt der Präsident, daß diese Summe heute noch nicht fixiert und erst am Schluffe der Budgetberatung festgestellt werden könne.
Ter Ausschuß beantragt deshalb:
Genehmigung der Einnahme vorbehältlich der Aender- ungen, die sich durch die beiderseitigen landständischen Beschlüsse über die folgenden Kapitel dieses Budgets er
würben die Gemeinden zum Verkaufihrer W^wungw Getrieben. Hier müsse eine entsprechende Unterstützung aus Staatsmitteln stattfinden. Die dafür
von 20 000 Mark bedürfe eurer beträchtlichen Erhöhung. Beispielsweise werde der Kreis Erbach um 12 000 Mark mC^jrtlW&rat Milbrand: Bezüglich der-ngesührterl Mehrbelastung des Kreises Erbach müsse er richtig stellen, daß diese nicht 12 000 Mark, sondern nur etwas über 1000 Mark betrage. Schwer belastet werde dadurch ur-emcm . Die Steigerung des Beitrags der Gemeinden bedeute gegen trüber keine allzu große Differenz.
Abg. H e i d e n r e i ch (nl.) betont, bei der ungünstigen. Lage des Odenwalds und im Hinblick aus die Gehaltserhöhung der Forstwarte sei eine erhöhte Unterstützung der Gemeinden aus Staatsmitteln unbedingt notwendig. Kn dem Gesetz, die Forstwartbesoldung betreffend, sei vor- aesehen, daß die Gemeinde bei zu großer Belastung ein Einspruchsrecht . besitzen solle. Einige Gemeinden hatten auch^ davon Gebrauch gemacht. Eine Entscheidung ^durch. den Provinzialausschuß sei noch nicht ergangen, sollte er für die Gemeinden ungünstig entscheiden, dann sei die vaae dieser Gemeinden drückend und eine angemessene ErtÄuna der betr. Position von 20 000 Mark erforderlich. sTn/nn nun Ministerialrat Milbrand erklärt habe, daß die Erträanisse der Miesen trotz bedeutender Aufwendung für Tünaerzwecke im Rückgänge begriffen seien, hinsichtlich des Gelderlöses, so müsse er sagen, daß: er bie ©rttorung dieses Umstandes in der Prosperität der Landwirtschaft nick t für zutreffend erachten könne. Es möge ja fern, daß der Landwirt bessere Erträge aus seinen Wie,en erziele, aber es sei unbedingt notwendig, ^mal Erhebungen in dieser Beziehung anstellen zu lassen, er auf das Resultat die er Erhebungen über Meliorationen bei den Domänen sehr gespannt. Bis heute fti davon noch nichts in die Öffentlichkeit gedrungen, er glaube, daß von der Regierung alles in den Akten begraben sei. Ferner bitte er um Aufschluß über die letzte Verteilung bCr Sftaiablrata®iibranb erklärt, es s^en damals Kommissionen gebildet worden, um Erhebungen über Meliorationen anzustellen. Die Ergebnisse, seren von den Oberförstern verwertet worden, nachdem festgestellt worden fei, welche Arbeiten nützlich sind. Dre Verteilung der Gemeindebeiträge sei bei der letzten Feststellung der Oberförstergehälter geregelt worden.
Aba. Korell (fr. v. V.): Der erste Ausschuß habe bezüglich der Domänen beachtenswerte Anregungen gegeben. Er empfehle der Regierung, mit der Düngung Nicht aufzuhören, um den Landwirten die Wiesenkultur des Staates als Muster vorzuführen. Ein Erfolg der Dungung ohne Melioration sei sehr zweifelhaft, daher bitte er die Regierung, auf dem eingeschlagenen Wege fortzufahren. Tagegen sei er unbedingt gegen das Heupressen im ">neteresse der kleinen Leute seiner Gegend, denen man die Gelegenheit, für ihren Bedarf zu sorgen, nicht dadurch nehmen solle. Bezüglich der Forstdomanen habe der Finanzminister einen großen Ausfall angekündigt. Seiner Ansicht nach treffe dies in dem Maße nicht zu An den geringen Erträgen sei die Regierung zum Teil selbst mit schuld Durch das ausgedehnte Submissionswesen werde ein großes Angebot auf den Markt geworfen und dadurch ein Preisdruck hervorgerufen, während stets ein Mangel an Brennholz herrsche und die Leute gezwungen werden, um jeden Preis zu kaufen. Es fei infolgedessen für ine Landwirte vorteilhafter, Submifsionsholz zu taufen und es nachher zu Brennholz zu zerschneiden.
Ministerialrat Milbrand hebt hervor, daß rm letzten Jahre 66 000 Festmeter Holz mehr gefallt worden seien. Die Regierung sei somit bemüht gewesen, das Aeußerste zu thun, um dem Bedürfnis entgegenzukommen. Nutzholz zu Brennholz zu zerschneiden, sei vom finanziellen Gesichtspunkt aus betrachtet, durchaus unrentabel.
Abg. Gramer (Soz.) wünscht Auskunft seitens der Forsiverwaltung über die Lohnhöhe der Holzhauer und Waldarbeiter und eine gelegentliche Zusammenstellung der
Wolle, der andere auf dem dürren Ast, obwohl bei beiden : dieselbe Vorbildung und der gleiche Eifer vorhanden sind. ■ Mit Rücksicht auf die Ungleichheit im Einkommen sind Preußen, Bayern, Sachsen und Hamburg, also gerade die drei großen Staaten im Reiche, mit der Verstaatlichung des Gerichtsvollzieherinstituts vorgegangen. Das Gleiche beabsichtigt die hessische Regierung, und schlägt eine Gehalts- skala von 1800 bis 2800 Mk., in 15 Jahren erreichbar, vor, zuzüglich 25 Proz. der Gebühren aus Prioataufträgen. Bei einer so einschneidenden Veränderung, wie die hier in Aussicht genommene, sind die Erfahrungen anderer Länder zu beachten. Nun steht fest, daß die Verstaattichung des Gerichtsvollzieherinstituts in Preußen in Interessentenkreisen sehr heftig getadelt und die größte Unzufriedenheit darüber laut geworden ist. Ist auch dieser Umstand kein Zeichen für den Vorteil ober Nachteil der neuen Einrichtung, so ist doch zu bemerken, daß die gesammelten Erfahrungen ein abschließendes Urteil in dieser Sache noch nickst zulassen. Es dürfte daher doch wohl besser sein, noch einige Jahre zu warten. Aber andere größere Bedenken stehen der Umwandlung entgegen, denen sich ein Einsichtiger nicht verschließen kann und die unseres Erachtens so durchschlagend find, daß wir das Gebührensystem dem System des fixen Einkommens vorziehen. Die Regierung sagt: Bei der Gewährung fester Gehalte wird das Bestreben der Gerichtsvollzieher durch Eifer und Tüchtigkeii im Dienste sich auszuzeichnen, nicht so gefördert, wie bei dem Gebührensystem, denn dieses schaffe einen freien Wettbewerb unter den zuständigen Gerichtsvollziehern. Die Gefahr, daß durch unveranlaßte, übergroße Milde gegen die Schuldner die Interessen der Gläubiger gefährdet werden, ist nicht zu unterschätzen. Auch ist das Wahlrecht der Parteien mit dem Gehaltssystem unoereinbarlich, und fällt die Möglichkeit des Publirums, unter verschiedenen Gerichtsvollziehern zu wählen, fort. Wir halten eine Verstaatlichung der Gerichtsvollzieher im Interesse der Bewohner sowohl, wie der Beamten selber, für ebenso unthunlich, wie die Ver- staattichung der Notare und Rechtsanwälte.
Wir heben außerdem hervor, daß die vorgeschlagene- Gehaltsskala zu niedrig gegriffen ist Die Gerichtsvollzieher stehen auf gleicher Stufe mit den Gerichtsschreibern, haben aber einen noch viel schwierigeren Tienst, als o auch das Recht der Gleichstellung im Gehakt mit diesen. Dadurch würde aber der Etat dauernd belastet. Und doch müssen mit dem Gerichtsvollzieherinstttut Veränderungen vorgenommen werden, denn die Ungleichheit in der Einnahme ist zu groß, als daß hier länger stillschweigend könnte zugesehen werden. Der Ausschuß schlägt eine staatliche Garantie eines Mindesteinkommens von 2000—2500 Mark vor, wie es zur Zeit in Baden der Fall ist. Das istein Weg, der gangbar erscheint, jedoch glauben wir, daß durch die Art der Be- und Versetzung die Unebenheiten in den Gehaltsbezügen noch mehr könnten ausgeglichen werden, so nämlich, daß man weniger einträgliche Stellen Anfängern im Amte überträgt, die dann mit vorgerückterem Alter in bessere Stellen aufrücken. Dienstalter und Einkommen müßten Tüchtigkeit im Amt bei Versetzung maßgebend sein. Wenn auch jetzt schon manches durch Versetzung geschreht, es ist aber lange noch nicht genug. Dazu ist nötig, daß freigewordene Stellen bekannt gemacht und möglicherweise zu einer Konkrurenz ausgeschrieben werden. Beides ist bis jetzt nicht der Fall zum Nachteil des bewährten Jnstttuts der Gerichtsvollzieher. Hervorzuheben ist noch, daß der Finanzausschuß der ersten Kammer die fragliche Umgestaltung befürwortet.
Frl. Feige sah als Ophelia sehr gut aus. Die anderen Darsteller traten alle sehr in den Hintergrund.
Es gab gewiß jeder von ihnen das beste, nur die Herren Sandor und Zoder nicht so viel als sie besitzen; sie standen für die höflschen Freunde Rosenkranz und Gülden- ftern gar zu nichtssagend, zu verständnislos, zu steif da. Die beiden Herren vom dänischen Hofe sind durchaus nicht ganz so ansichtslos. Mit dem ehrlichen „Geist", den einstens Shakespeare selber darzustellen pflegte, gab sich Herr H e r tz o g redliche Mühe, ohne schaurig und ergreifend zu wirken, wie es die Dichtung verlangt, eine Aufgabe, die freilich unserem heutigen Publikum gegenüber sehr schwer zu lösen sein dürfte. Den Horatio sprach Herr Gerlach verständig. P. W.


