Parlamentarisches.
Tie im Reichstage erfolgte Aeußerung des Abg. Tr. Beim von der aus den Kreisen des Bundes der andwirte an ihn gerichteten Aufforderung, die „elende Flott enpvlitik" zum Scheitern zu bringen, war in der Presse mehrfach mit der Bemerkung begleitet worden, es wäre doch sehr interessant gewesen, wenn Tr. Heim angegeben hätte, welche Personen bei ihm gegen die Flottenpolitik zu intriguieren versucht hätten. Taraus schreibt nun die „Germania": „Ter Abg. Dr. Heim wird mit der Namensnemrung aewiß nicht zurück- halten, wenn seine Mitteilung ernstlich bestritten werden sollte, besonders von selten des Bundes der Landwirte. Letzteres ist nicht geschehen, sodaß der Abg. Tr. Heim bislang noch keinen Anlaß zur Namensnennung ge- Llhabt hat."
Aus ZtM und Land.
** Hofnachrichten. Prinz Heinrich von Preußen ist gestern um 7 Uhr 16 Min. früh nach Blankenburg zur Teilnahme an der Jagd gereift. — Ter Großfürst und die Großfürstin Sergius von Rußland werden, wie die „Tarmst. Ztg." erfährt, schon am nächsten Montag in Tarmstadt eintreffen und im Grvß- herzoglichen Residenzschlosse Löhnung nehmen.
** Ordensverleihungen. Von dem Kaiser wurde zum 22. Oktober die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen u. a. dem praktischen Arzt Tr. med. Karl Ludwig Dörr, dem Tünchermeister Johann Imhof und dem Werkmeister Jacob Steinmetz, sämtlich in Mainz. — Dem Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Lberhessen Heinrich Nahrgang wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Tas Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Ober-Flors- heim Wilhelm Sch neider III. verliehen.
** Personalien. Ter von sämtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach auf die evangelische Pfarrstelle zu Nieder-Moos, Dekanat Lauterbad), präsentierte Pfarrver Walter Heinrich Linck zu Maar ist für diese Stelle bestätigt worden. — In den Ruhestand wurde versetzt am 18. Oktober der Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Oberhessen Heinrich 9t ahrgang auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste.
** Au b en Landt a gswah len wird uns aus Alsfeld geschrieben: Im Wahlkreis Alsfeld-Stadt hat fid) aus verschiedenen Berufskreisen und politischen Richtungen eine Vereinigung von Männern gebildet und hat der freisinnigen Kandidatur Reh in Lehrer Rudolph eine parteilose Kandidatur gegenübergestellt. — Zu der in 9tr. 249, 1. Bl., enthaltenen Notiz aus Schotten wird uns heute aus Nidda geschrieben: Tie in Her- ch en Hain seinerzeit vom Photographen Paar aus Md da gemachten photographischen Aufnahmen — vier an der Zahl — sind keine „zufälligen Momentaufnahmen", vielmehr sind sie mit ausdrücklicher Erlaubnis S. K. Hoheit des Großherzogs gemacht worden. Paar hat die Bilder durch das Großh. Hofmarschallaml S. K. Hoheit zugesandt, und von dort ist demselben mit dem Ausdruck des Allerhöchsten Tantes die Erlaubnis der Vervielfältigung und des Verkaufs der Bilder gegeben worden.
♦* Kunftv er ein. Tie Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand ist nunmehr von morgen Sonntag an wieder geöffnet und zwar an Sonntagen, mittags von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen, an Wochentagen, mit Ausnahme Samstags, von 11 bis 1 und Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags. Eintrittsgeld für Nichtmitglieder an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg., au Wochentagen 50 Pfg.
Vermischtes.
Berlin, 24. Okt- Tie Stadt Berlin beabsichtigt eine Anleihe von mehr als 200 Millionen Mart aufzunehmen.
* Essen a. d- R., 24. Okt. Einer Meldung aus Oberhausen zufolge, wurden dort durch Einsturz einer Mauer in einem Neubau der Besitzer des Hauses schwer, drei Handlanger leicht verletzt.
* Magdeburg, 23. Ott. Stationsassistent Sievert wurde gestern bei Ausübung seines Dienstes aus dem Duckauer Rangierbahnhof von einem heranrollenden Wagen überfahren. Es wurden ihm beide Beine vollständig zermalmt. Dar Verunglückte ist inzwischen im Krankenhause gestorben; er hinter läßt Frau und Kind.
* Mährisch-Ost rau, 24. Ott- Ter Kassierer Dekarek der Wtttkowitzer Eisenwerke, welcher beschuldigt war, rund 150000 Kronen defraudier t zu haben, ist heute an Zungenkrebs gestorben.
* Budapest, 24. Okt- Der Präsident des Szolnoker Gerichtshofes, Tr. Sarkany, stürzte sich krankheitshalber vorn vierten Stockwerk eines Hauses am Elisabethen- ring auf die Straße und war sofort tot.
* Washington, 24. Okt. Die Blättermeldung, Alice Roosevelt habe sich verlobt, wird zustündigersetts für unbegründet erklärt.
* Buenos Aires, 24. Okt- Durch einen orkanartigen Sturm wurden in der Stadt Diamante (Provinz Entrerios) etwa hundert Gebäude zerstört, wobei ungefähr fünfzehn Personen getötet und viele verletzt wurden. Mehrere Fahrzeuge auf dem Paranaflusse sind gesunken. Auch aus 'Rogoya und anderen Orten wird Sturmschaden gemeldet.
* Lord Kirchener hat 1870 gegen Deut sch - /and gekämpft. In Paris feiern die Franzosen zur Zeit Lord Kitchener, weil er 1870 als französischer Soldat gegen Deutschland gekämpft. Tas Journal" erzählt die Geschichte mit dem Hinzufügen, Kitchener sei heute noch stolz darauf, den deutsch-französischen Krieg seinen ersten Feldzug zu nennen. Der englische Oberst Stuart Wortley garantiert die Wahrheit der Geschichte. Danach trat Kitchener, 20 Jahre alt, als Freiwilliger in das 6. Ba> taillon der Mvbilgarde der „Eotesdu-Nord" gegen den Willen seiner Mutter, machte verschiedene Gefechte mit und biente dann als Ordonnanz in der Luftschisserabtei- gung. Nach der Niederlage der Loire-Armee ging er nach England Aurüd und trat im Dezember 1871 in die britische Armee. So feiern die Franzosen am Ende der Woche den Besieger der Buren, nachdem der Anfang derselben Woche von ihrem Jubel um die Burenhelden widerhallte.
* Der Zar inden russischen Sprichwörtern. Ter Name des Zaren spielt, wie man aus folgenden Beispielen sieht, in den russischen Sprichwörtern eine große iRolle. „Tic Kvone des Zaren bewahrt ihn nicht vor Kopf- schmerzen." „Selbst der Zar kann die Sonne nicht aus-
pusten." „Ter Zar wohnt nicht in enter Hütte, deshalb kennt er auch das Elend nicht, das darinnen lebt." „Ter Arm des Zaren reicht, so lang er auch ist, nicht bis zum Himmel." „Ein fetter Zar wiegt in den Armen des Todes nicht schwerer, als ein armer Verhungerter." „Tie Stimme des Zaren findet selbst dort ein Echo, wo keine Berge in der Nähe sind." „Eine Thräne im Auge des Zaren kostet das Land viel Taschentücher." „Wenn der Zar die Windpocken hat, behält das Land davon die Narben." „Selbst das Huhn der Zarin kann keine Schwaneneier legen." ,Menn der Zar spielt, sind die Minister einäugig und die Bauern bttnd."
* Tie bekannten ältesten Leute. Während das Teutsche Reich unter seinen 55 Millionen Einwohnern 778 hundert Jahre alle Personen zähtt, Frankreich 213, England 146, Schottland 46, Norwegen 23, Schweden 10, Belgien 5, Dänemark 2 und die Schweiz gar keinen Hundertjährigen aufweist, kann sich Spanien 401 und Serbien gar 575 Individuen rühmen, die das hundertste Lebensjahr überschritten haben. Ter in Rio be Janeiro lebende 150- jährige ehemalige Schiffsrheder Bruno Cotrim ist gegenwärtig der älteste Mann der Welt.
* Rauchende Schulkinder. In der pädagogischen Zeitschrift „Schule und Leben" teilt Lehrer A. Boer seine Beobachtungen bezüglich des Rauchens unter Kindern seines Schulsprengels mit. Er schließt dabei völlig diejenigen Kinder aus, die nut hie und da eine Pfeife oder Zigarre in den Mund stecken, um zu probieren, wie es schmeckt. Bei seiner Untersuchung kamen nur solche Kinder in Betracht, welche eine Pfeife voll Tabor oder eine Zigarre zu Ende rauchen, ohne üble Folgen zu verspüren. Dabei teltte sich heraus, daß in den zwei untersten Slaffen, die von Knaben im Alter von 5 bis 7 Jahren besucht werden, 9 Zöglinge Pfeife und Zigarre rauchten; in den zwei folgenden Klassen — Knaben von 7 bis 10 Jahren — and er 11 Raucher, in den beiden höchsten Klassen — Knaben von 10 bis 13 Jahren — 9 Raucher; zusammen somit 29 Raucher oder 50 v. H. aller Zöglinge, deren Gesamtzahl 59 beträgt. Andere Lehrer machten ähnliche Beobachtungen; sie beraten über geeignete Maßregeln, um dem Uebel zu steuern.
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Aus der Sch u l e. Lehrer: „Sag' mir, Fritzchen, welchen Nutzen haben wir von der Kuh?" — Fritzchen: „Sie wird gegessen und getrunken."
Aus der Lebenspraxis. „Von dem krieg' ich auch noch Geld!" sagt man gewöhnlich von einem, von dem man feind mehr kriegt.
Ein Vielbeschäftigter. A (zu seinem vorbeieilenden Freund): „Ja, Mensch, Tu mutzt ja furchtbar beschäftigt sein!" — B.: „Im Vertrauen gesagt, es ist nicht so schlimm. Ich hab' nur immer so furchtbar viel zu thun, um so zu thun, als ob id) was zu thun hätte!"
Kathederblüte. Professor: Ruhm und Verdienst, meine Herren, gehen nickst immer Hand in Hand, wir haben Beweise, daß ost die berühmtesten Männer unbekannt geblieben sind.
In der Schute. Ter Präses kommt in die Klasse und sieht einige Schüler auf dem Fensterbrett sitzen. Mtt Empörung legt er los: „Nun habe ich schon immer strengstens verboten, sich auf das Fensterbrett zu setzen, und Sie thun es wieder. Wenn dann einmal einer hinunter- stürzt, will es niemand gethan haben."
Vergleich. Schulinspektor zum Lehrer: ,LVie, 100 Kinder zu unterrichten, das ist Ihnen zu viel, Sie wünschen eine kleinere Schule? Ta hört sich doch alles auf, was die Lehrer heutzutage verlangen! Niancher Univeösitätsprv- essor wäre stwh, wenn er so viel Hörer hätte!"
Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 24. Ott. Anläßlich der Internationalen Tuberkulös en t'onferenz lud Geheimrat Behring- Marburg die Teilnehmer der Konferenz zur Besichtigung seiner der Bekämpfung der Riudertuberkulose dienenden Anlagen nach Marburg ein. Tie Teilnehmer besichtigten heute die beiden Lungenheilstätten in Belzig und Beelitz.
Der deutsche Kaiser verlieh dem Generaladmini- trator der französischen Nationalbibliothek und Mttglied des Institutes Leopold Delisle in Paris die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.
VniverstMs-Uachrichteu.
Berlin, 24. Okt. Dem „Reichsanz." zufolge ist der bisherige außerordentliche Professor für Philologie und Archäologie an der Universität Basel, Tr agenborff, zum Direktor ber römisch-germanischen Kommission des kaiserl. archäologischen Instituts ernannt worden.
Gerichtssaal.
Berlin, 24. Okt. In dem Beleidligungs* Prozeß gegen Tr. Paalzow und den Lehrer Nickel wegen der Trakehner Zu stände wurde heute vormittag die Beweisaufnahme geschlossen und in die Plai- doyers eingetreten. Staatsamvalt Beeck beantragte gegen Tr. Paalzow 100 Mk., gegen Lehrer Nickel 600 Mk. Geldstrafe. Der Wahrheitsbeiveis fei nicht gelungen. Ter Schutz des § 193 könne nur Nickel zugebilligt werden. Rechtsanwalt Sennefeld plädierte in längerer Rede für Freisprechung. Das Urteil lautete gegen Paalzow auf 300 und Nickel auf 200 M k. oder für je 10 Mk. ein Tag Gefängnis.
Landwirtschaft
AaS de« Kreise WormS, 20. Okt Im Lause dieser Woche beginnt in dem südlichen Teile von Rheinhessen die allgemeine Weinlese, welche zwar quanhtatro nicht befriedigend ausfaden wird, da die SDlaifröfte zu viel geschadet haben, aber doch einen halben Herbst und eine gute Qualität liefern dürfte. Wenn man von den Portugiesern, die schon vor 14 Tagen gelesen wurden, ans die weißen Trauben schließen darf, so wird das Mostgewicht in den besseren Lagen 100 Grad nach Oechsle häufig über- Iteigen; denn die roten Trauben, die doch weniger Zuckergehalt haben, als die weißen, wogen durchschnütlich mehr als 80 Grad, was ein nicht oft erreichtes Gewicht bei diesen ist. Es wird allerdings im Preise ein Unterschied sein zwischen den Trauben, die nicht erfroren find, und denen, die nach dem Frost erst ins Leben traten; denn naturgemäß sind erstere, die vier Wochen älter sind, größer und süßer, aber auch die Nachkömmlinge liefern noch einen brauchbaren Wem, das Viertel — 8 Liter wird zu L80 Mk. gern verkamt. Daß die Bergtrauben, die vom Frost nicht gelitten haben, höher im Preise stehen, läßt sich leicht begreifen und für bessere Lagen find schon 2JO 9)1 art geboten, aber nicht abgegeben worden, was bei dem geringen Ertrag und höherem Mostgewicht erklärlich ist Die Nachfrage ist sehr lebhaft und werden die Erträgnisse bald in festen Händen fern; cmen guten Stopfen wird es also allem Anschein nach geben.
Warnung vor Fälschung
in Pillen noch in Pulverform noch mit Kakao WvUvl gemischt, sondern
nnr in Flaschen mit eingeprlgtem Namen ist Pf- HommeIV UUL H&ematogen echt. ^10
Berlin, 24. Ctt. Oberlandstallmetster Graf LehnT borf f ist vom Kaiserzu einem Dorttag befohlen worden, in welchem der Leiter des preuß. Gestutswesens das Material zu unterbreiten haben wird, welches sich auf die u n • günstige Lage der preußischen Lanbespferpe. zücht und auf bas Sinken ber deutschen Vollblut zücht bezieht.
Sport
N e w y 0 r f, 24. Okt. Ter Newyork Jachtklub wählte den deutschen Kaiser und den Prinzen Heinrich zu Ehrenmitgliedern.
Arbeiterbewegung.
Triest, 24. Okt. Eine heute abgehaltene Versammlung von streikenden Heizern und Matrosen brachte keine Aenderung in der Lage. Jedoch ist der Schiffsverkehr regelmäßig, da die Kriegsmarine Heizer'zur Verfügung gestellt hat und solche in anderen Häsen an Bord genommen werden konnten.
Eisenbahn-Zeitung.
)( Ober-Ohmen, 24. Ott- Unsere Hattestelle wird in Kürze für den gesamten Ellgut-, Frachtgut- und Wagenladungsverkehr eröffnet.
AllSsvg BUS den Stilldrssmtsretzlülry der Statt Sieht». Aufgebote.
Am 21. Oktober. Karl Emil Zinßer, Eparkassendiener dahier mit Emilie Alker Hierselbst Am 22. Okt Heinrich Bachmann, Kutscher dahier mit Emma Keßler in Weilburg.
Eheschließungen.
Am 18. Oktober. Karl Ernst Nolting, Fabrikant in Herford mit Marie Antonie Julie Johanna Petri dahier. Georg Karl Hüttenberger, Kaufmann dahier mit Johanna Flavia Marte Nenze! hierselbst. Otto Adolf Beineri, Kutscher dahier mit Elise Märmche Hierselbst Arn 21. Okt Louis Euler, Metzger dahier mit Barbara Hobel in Gundersheim.
Geborene.
Am 18. Oktober. Dem Bäcker Heinrich Friedrich Muller ein Sohn, Karl Wilhelm. Am 16. Okt Dem Lekonom Heinrich Weder ein Sohn. Am 17. Okt Dem Kaufmann Gustav Stein ein Sohn, Hans Wilhelm. Dem Forstassefsor Jakob Weber em Sohn, Werner Jakob. Am 19. Okt Dem Schlosser Wilhelm Otto ein Sohn. Dem Bierbrauer Wühelm Rentmeister ein Sohn, Rad Wilhelm Friedrich Max.
Gestorbene.
Am 19. Okt Kunigunde Veronika Christ, 1 Jahr 8 Monate alt, Tochter des Taglöhners Kaspar Christ dahier. Am 20. Okt Theodor Junger, 19 Jahre alt, Haus bursche dahier. Am 22. Okt. Karl Döring, 2 Jahre 5 Monate alt, Sohn des TaglöhnerS Konrad Döring dahier. Marie Machilde Elisabeth Grebe, 1 Jahr alt, Tochter be§ Zigarrenmachers Heinrich Grebe dahier. Am 23. Okt. Kaspar Kuhl, 44 Jahre alt, Metzger dahier. Adam Fegbestel, 37 Jahre alt, Fuhrmann dahier Am 24. Oktober. Karl Vogt IL, 54 Jahre alt, Gewerbebank-Kontrolleur dahier.
Erngesantt.
(Für Form unb Jnbatt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redattion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Wer kennt nicht die Singdrossel, hier Zippe genannt, einer der schönsten einheimischen Vögel, durch Vertilgen schädlicher Kerbtiere, Raupen, Würmer rc. für die Landwirtschaft unentbehrlich. — Welcher Naturfreund kennt nicht der Zippe herrlichen Gesang, so wechselooll und reich an schonen Melodien, besonders schön und anhaltend abends vom Wipfel eines Baumes herab weftschallend. — Sollte man es für möglich haften, daß es in unserer UmoierfttätS- ftabt Gießen Jeinschm«1er giebt, die, um dem Lecker des Gaumen au fröhnen und sich einen fluchtigen Genuß zu beteilen, die grausam hingemordeten Singdrosseln verspeisen? Es scheint so, denn feit Kurzem sind in den Schaufenstern unserer Telikateßgeschäfte ganze Reihen erwürgter Singdrosseln zum Verkauf ausgestellt — Die lieblichsten unserer Sänger und die nützlichsten aller unserer Waldbewohner werden in Schlingen, den sog. Dohnen, gefangen, wo die armen Tierchen im besten Falle erdrosselt werden, sich aber auch häufig in der qualvollsten Weise zu Tode zappeln müssen, wenn sie statt mit dem Kopf mit einem Fuß oder Flügel in die Schlinge geraten. Wenn man bedenkt, daß mit diesen Drosseln noch eine Unmenge anderer sehr nützlicher Vögel, wie Staate, Meisen und Rotkehlchen, die alle zum größten Teile von schädlichen Insekten leben, „mitgefangen und mitgehangen" werden, fo wird man leicht ermessen können, welcher Schaden durch diesen Fang unserer Landwirtschaft zugesügt wird. Mit Entsetzen erfahren wir, welche Mengen unserer nützlichsten Vögel in Italien, Egypten rc. eingefangen und getötet werben. Jnternatwnale Vereinbarungen werden oorbereitet, um unseren Zugvögeln in genannten Ländern künftig Schutz zu sichern. — Was aber geschieht bei uns?
Neueste Meldungen,
vriginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger.
Berlin, 24. Okt- In Reichstagstteisen wurde heute beftimmt versichert, baß sich in der Haltung ber Regierung in den Zolls ragen auch nach dem gestrigen Vorträge des Reichskanzlers beim Kaiser nichts geändert hat.
Berlin, 26. Ott. Auf den Schnellzug Berlin- Köln wurden bei Alteneschen mehrere Revolver- schüsse abgegeben. Einzelne Wagenfenster wurden zertrümmert. Verletzt wurde niemand- — Dem Schriftsteller Tr. EduardEngel wurde wegen seiner Verdienste um die französische Litteratur vom französischen Unter- richtsminister das Gr oßkr euz der Akad emie über- reicht (Eduard Engel ist Verfasser einer „Französischen Litteraturgeschichte" und einer „Psychologie der Französö- sch en Litteratur". T- Red.)
Posen, 24. Okt- Tie Kriminalpolizei beschlagnahmte eine anonym erschienene Broschüre über die Kaiserrebe im Provinzial - Stänbehause wegen verschiedener Majestäts-Beleidigungen.
Havre, 25. Ott Eine Versammlung von 1500, verschiedenen Korporationen angehörenden Arbeitern, die vorn Nationalverband der Tockarbetter einberufen war, beschloß eine Tagcsorditung, in ber die Arbeiter sich verpflichten, mit ihren Kameraden in Dünkirchen und mit den Grubenarbeitern hinsichtlich der Forderungen sich solidarisch zu erklären. Tie Teilnehmer trennten sich mit Hochrufen auf den allgemeinen Ausstand.
Newyork, 24. Ott Tie allgemeine Aufnahme der Arbeit in den Anthracitgruben ist nicht vor Montag zu erwarten. Ter Schiedsspruch ber Kommission im Weißen Hause soll heute verkünbet werden.


