Ausgabe 
25.6.1902 Erstes Blatt
 
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Der Leipziger Bankprozeß.

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Leipzig, 24. Juni.

Es kommt das Protokoll vom 5. Dezember 1898 zur Besprechung, in dem es sich darum handelt, den Kredit der Trebergesellschast von 8 aus 10 Millionen zu erhöhen und zwar, wie Exner im Lussichtsrat hervorhob, als ge­deckten Kredit. Nach Ansicht des Sachverständigen Plauth- Kassel hat es sich darum gehandelt, den früher mehrfach zuletzt aus 10 Millionen erhöhten Kredit einfach als Blanko- Kredit abzufassen. Es liegt noch eine Ausstellung von den Engagements bei der Trebergesellschast vor, von denen nur ein Teil des Aufsichtsrates Kenntnis bekommen haben soll, während der Kasseler Bericht zu aller Händen gekommen ist. Es herrschte nach Exners Aussage keine Einigkeit darüber, was davon als Treberwerte anzusehen seien Dies bestätigt

Die AolltarisLommisston

begann am Dienstag die Beratung der Pos. 438442, Garn, Pos. 433 verlangt für eindrähtiges Garn, roh, bis Nr. 17, englisch 9 Mk., bis Nr. 25 15 Mk., bis Nr. 45 18 Mk., bis Nr. 60 24 Mk., bis Nr. 79 30 Mk., bis Nr. 100 36 Mk., über 100 42 Mk. Zoll. Pos. 439 verlangt für gebleichtes und gefärbtes Garn zu den vorigen Sätzen einen Zuschlag von 10 Mk., Pos. 440 für zweidrähtige, einmal ge­zwirnt, roh, einen Zollzuschlag von 3 Mk., für gebleichte einen Zollzuschlag von 13 Mk., Pos. 441 für drei- oder mehr­drähtige, einmal gezwirnt, roh 40 Mk., gebleicht 50 Mk. Zoll, Pos. 442, zwei- und mehrdrähtige, wiederholt gezwirnt, roh, 50 Mk., gebleichte 60 Mk. Hierzu liegt eine große Anzahl Abändcrungsanträge vor, darunter ein Antrag Schlumberger auf Einführung der metrischen Garnnummerierung. Die Regierung steht dem Antrag sympathisch gegenüber, bittet aber, den internationen Verhandlungen über diesen Punkt nicht vorzugreifen. Für den Antrag treten die Sozialdemo­kraten und dre Konservativen ein, die übrigen Redner sind dagegen, weil er eine totale Umwälzung für unsere auf eng­lische Maße eingerichtete Industrie bedeute. Der Antrag Schlumberger wird sodann abgelehnt, desgleichen ein sozial­demokratischer Antrag auf Zollfreiheit bezw. Einführung des metrischen Systems. Die Kommission vertagte schließlich die Weiterberatung, ohne die Positionen erledigt zu haben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 25. Juni 1902.

Postalisches. Vom 1. Juli ab wird die zweite Landpost von Alten-Buseck nach Gießen statt 645 schon 6° nachm. von Alten-Buseck abfahren und bereits 7>° nachm. in Gießen eintreffen.

** Tas Iahresfest der Fünfziger begann am Samstag mit einem Festkommers in Steins Garten. Das hier absolvierte Programm war ebenso reichhaltig, wie das vortreffliche Souper, auf Grund dessen die späteren Stra­pazen mit Leichtigkeit ertragen werden konnten. Stadtv. Huhn begrüßte die Fünfziger mit einer humoristischen und schwungvollen Ansprache, Herr Pfeffer erinnerte an die Genossinnen des Lebens, die Freud und Leid redlich geteilt hsttten, und widmete ihnen und den jüngeren, die das Leben noch vor sich hätten, ein Hoch, Stadtv. Kirch toastete auf das Vaterland, die gemeinsame Mutter aller, und Metteur Keßler vomGießener Anzeiger" gedachte des Städtchens voll Gäßchen und Winkeln, mit seinem Venus­gürtel schmucker Anlagen, seiner schönen Umgebung, Gießens, und brachte ihm ein Hoch aus. Pfarrer Hellwig hielt ebenfalls eine, mit feinem Humor ge­würzte Ansprache, die der Feier die heiterste Signatur gab. Am Sonntag Vormittag vereinte ein Frühschoppen die Jubelgäste, wobei eine photographische Aufnahme der An­wesenden gemacht wurde, und am Nachmittag wurde ein Ausflug nach dem Windhof unternommen. Ten Schluß bildete ein Familienfest, das am Montag im Philosophenwald gefeiert wurde. Mit Kaffee und Kuchen begann es mittags und schloß mit Konzert und Tanz am nächsten Morgen. Zu Anfang wurde ein sehr hübscher, von Pfarrer Hellwig in Wiescck verfaßter Prolog ge.prochen, nach dem Stadtv. K ir ch mit einigen Begrüßungsmorten die Erschienenen will­kommen hieß. Konzert, Gesangsvorträge, Spiele der Kinder wechselten mit einander ab, bis um 7 Uhr das Abendessen eingenommen wurde. Tann begann der Tanz, der der Jugend Freude und Amüsement brachte, während die Wei­teren in gewissem Sinne den am Samstag begonu.nen Kom- mors fortsetzten, bis mit Tagesgrauen die Feier chr Ende

rich Wilhelm (2. Schief.) Nr. 11 in Breslau; tm September 1895 wurde er wieder in den Großen Generalstab versetzt und wenige Monate daraus zum Chef der Eisenbahnverwal­tung ernannt; in dieser Stellung ist er bis zu seinem Aus­scheiden aus dem Heeresdienst, anfangs Januar 1901, ver­blieben. Von dieser ganzen im Generalstab zugebrachten Zeit fallen nicht weniger als 14 Jahre auf den Dienst in der Eisenbahn« bteilung.

Ein Bruder des Ministers Budde ist der Marburger Theologieprofessor und Alttestamentler Dr. Karl Budde, geb. 1850 zu Bensberg.

Städtisches Wohnungsamt.

In der württembergischen Hauptstadt ist soeben eine be­merkenswerte Neueinrichtung ins Leben getreten, ein städti­sches Wohnungsamt, das angesichts des uns in Hessen be­vorstehenden Wohnungsgesetzes besonders interessiert. Die Aufgaben des Amtes sind zweierlei Art: alle auf dem Gebiet des Wohnungswesens auftretenden Erscheinungen sollen ge­sammelt, verarbeitet und für die öffentliche Wohlfahrt nutz­bar gemacht werden in hygienischer, statistischer und anderer Hinsicht; und ferner soll die vom württembergischen Ministe­rium des Innern allgemein angeordnete Wohnungsauf- sicht ausgeübt und dem Publikum dienstbar gemacht werden. Die Hausbesitzer haben von nun an die Pflicht, die in ihren Häusern frei werdenden Wohnungen, sofern sie überhaupt wieder vermietet werden sollen, bei Vermeidung von Strafen binnen acht Tagen nach eingetretener Vermietbarkeit aus einem bestimmten Formular dem Wohnungsamt anzu- z ei gen; dieses soll hindurch tagtäglich aus dem Lausenden bleiben über den Stand des Wohnungsmarktes in der schwäbischen Hauptstadt. Als vermietbar wird eine Woh­nung betrachtet, sobald der Hausbesitzer oder sein Stellver­treter durch Ausgabe von Inseraten, durch Aushängen von Tafeln, durch Mitteilungen an Agenten usw. seine Absicht, die Wohnung zu vermieten, kundgegeben hat. In dem vom Wohnungsamt veröffentlichten Anzeigeblatt wird die freige­wordene Wohnung kostenlos angekündigt. Innerhalb dreier Tage nach erfolgter Vermietung hat der Hausbesitzer auf be­sonderem Formular an das Wohnungsamt wieder eine bezügliche Mitteilung zu machen; er hat hierbei die Zahl der Familienangehörigen des neuen Mieters anzugeben, ferner wie viel Dienstboten er hält, ob in den vermieteten Räumen ein Gewerbe und welches betrieben wird, ob After- mieter ausgenommen werden. Durch die Beantwortung dieser Fragen, welche die Wohnu n gsinsp e ktio n auf ihre Rich­tigkeit hin kontrolieren kann, soll der gesundheitsschäd­lichen UeberfüHung der Wohn- und Arbeits­räume vorgebeugt werden. Alle Auskünste und Ver­mittelungen des Wohnungsamtes sind für Vermieter wie auch für Mieter kostenlos; da in dem Amt auch die Pläne der vermietbaren Wohnungen niedergelegt und durchgesehen wer­den können, so werden, abgesehen von den übrigen Vorteilen, beiden Parteien auch viele unnütze Wege und Belästigungen durch Nachfragen und Besuche erspart.

DieWacht au der Ober/

Dr. Gentzsch. , _ ,, .. . .

Laut Protokoll wurde vom Aufsichtsrat befchlosten, die ; Direktion der Bank zu ermächtigen, mit auswärtigen Banken ; in Verbindung zu treten, um den auswärtigen Tochtergesell- chaften von Kassel Kredit zu verschaffen. Das geschah , zunächst mit der Pester Kommerzbank. Infolge eines Ver- ehens des technischen Direktors kam der Wechsel der Tochtergesellschaft in Pest zum Protest. Tie Leipziger Bank mußte intervenieren. Sie übernahm damit em neues Obligo gegen die zweifelhafte Garantie von Kassel. Der Beschluß, für die Tochtergesellschaften mit anderen Banken in Verbindung zu treten, wurde von Gentzsch dem bereits vor der Sitzung fertiggestellten Protokoll beigefügt. 9tach Aussage des Sachverständigen Kommerzienrat Sieskind ist die Kreditgewährung vom November 1897 an für beide Teile schon verhängnisvoll gewesen. Was die Sitzung vom Dezember 1898 betreffe, so hätte der Aufsichtsrat das En­gagement der Trebergesellschaft bei der Bank in Höhe von 27i/2 Millionen Mark prüfen, vor allem auch das Obligo addieren müssen. Tie Lage der Bank sei schon am 5. De­zember 1898 unbefriedigeno gewesen, doch würden bei einer Sanierung die Gläubiger damals keinen Pfennig verloren, die Aktionäre nur einen Teil ihres Besitzes eingebüßt haben. Von Kassel wären damals noch etwa 20 bis 30 Prozent herausgekommen, aber man hätte bei der Bank nicht den Mut, die Lage aufzudecken. Der Verteidiger Gordon hält Sieskind in seinem Urteil für besangen, weil er indigniert sei. Professor Lambert schließt sich der Auf­fassung Sieskinds an. Stach Lambert, Sieskind und Herr­mann hätte man es damals auf geb en müssen, Kredit zu geben. Angeklagter Dodel bemerkt, in dem Obligo von 24917 000 Mk.fjatien mindestens 8 bis 10 Millionen aus- geschieden werden müssen. Als Deckung waren 19 Millionen vorhanden, sodaß etwa 5 Millionen ungedeckt blieben, dem stand Kassel mit dem von 6 auf 12 Millionen erhöhten Aktienkapital und einer größeren Reserve gegenüber. Sach­verständiger Lankdirektor Herrmann sicht aus dem Stand­punkt, daß die Bank Ende 1898 die Grenzen des erlaubten Geschäftes überschritten habe. Die Bank, die in die Hande grüner Schwindler geraten war, hätte aber wohl noch den guten Namen retten können. Wie Exner ausgesagt habe, sei freilich der frühere Vorsitzende des Aussichtsrats Sachsen- röder dagegen gewesen, daß die Bank zum Zwecke der Sa­nierung ihres Obligos bei der Trebergesellschast mit der Firma Bleichröder in Berlin in Verbindung trete. Trotz des Bestehens der Obligo-Kommission und der Nevisions-Kom- mijfion sei nicht mit der nötigen Sorgfalt verfahren worden. Der Angeklagte Schröder bemerkt, daß es bei dem alle drei Monate erfolgenden Zusammeiitreten der Obligo-Kom­mission nicht mögliche gewesen wäre, sämtliche Details von dem Vorstände entgegenzunchmen, daß vielmehr die Prü­fung im großen vorgenommen werden mußte. Herrmann fügt hinzu, die beiden Direktionen hätten nicht einzeln, sondern zusammenwirken müssen. Ter Vorstand habe es an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen. Exner erwidert au die Frage des Vorsitzenden, ob er nicht Mißtrauen gegen Schmidt gehegt, da doch alles, was dieser gesagt, Wind ge­wesen sei, er sei noch heute überzeugt, daß er zu Schmidt . das feste Vertrauen für die Durchführung seiner Plane

wundet, zwei verhaftet. . . * * Q

* Zum Untergang des Torpedobootes ö 42. Der Führer des Lloydschleppdampfers Nr. 21 berichtet: Wir ainqen ab Hamburg im Schlepptau des DampfersMertur* und mußten abends 10 Uhr wegen dichten Nebels unterhalb Cuxhaven ankern. Zwischen 12 und 1 Uhr hörten wir den ana andauernden Sirenenton eines Torpedobootes, der wie em Notsignal klang. Um 1 Uhr ertönten in der Nähe Hilfe­rufe und das kleine schwarze Rettungsboot eines Torpedo­bootes trieb bei un§ längsseits. Der Bootsmann unseres Kahnes erfaßte das halb mit Wasser gefüllte Rettungs­boot mit dem Haken. In demselben saßen b r et Per­sonen, weitere sechs hingen an ihm im Wasser; sie wurden sämtlich so schnell als möglich an Bord gezogen. Es waren drei englische Lords mit einem Diener, drei Heizer und zwei Matrosen, sämtlich durchnäßt und vor Auf­regung stark erschöpft. Einer der Lords, ein älterer, er­grauter Mann, erhielt von dem Bootsmann trockene Kleider. Der Schlepper /Merkur" hatte auf das Sirenensignal schon begonnen, die Anker zu lichten. Da der Nebel sich letzt verzog, suchte der Merkur" die Unfallstätte ab. Dasselbe that auch schon der beteiligte englische Dampfer, welcher 15 Personen gerettet haben soll. Der .Merkur" nahm die 9 Personen auf und brachte sie mitsamt dem Boote nach Curhafen. Weiter wird gemeldet: Von der geretteten Be­satzung sind 4 Mann schwer verwundet. Die Untergegangenen sind sämtlich von der Wilhelmshavener 2. Torpedo-Abteilung. Während des Unfalles befanden sich an Bord 24 Mann Be­satzung, 4 englische Herren mit einem Diener und Gehemirat Busley, Professor an der Berliner Technischen Hochschule, die von der Dooer-Helgoland-Regatta kamen. Der Kaiser hat wegen des Unglückfalles die Teilnahme an dem Festessen des Regattavereins abgesagt und suhr auf der Hohenzollern nach Kiel. Tas Torpedoboot b 42 ist auf 10 Meter Wassertiefe gesunken. Eine Hebung hält man nicht für aus­führbar. Der englische DampferFlirsby" wird wegen des Zusammenstoßes vorläufig in Cuxhafen festgehalten. Das Torpedoboot 8 106 ist v«t Wilhelmshaven zur Hilfeleistung abgegangen.

erreichte. ~

Weisenau, 22. Juni. Vor einigen Tagen ging bei hiesige Schreiner H., der in Mainz beschäftigt war, über die og. Esplanade, auf der gerade Arbeiter Gras mähten. Als H. vorüberkam, stieg ein Schwarm Feldhühner aus; er eilte darauf zu, um, wie es schien, eines der Tiere zu fangen, und trat dabei in eine im Gras liegende Sense. Die scharfe Sense durchschnitt den Stiefel und drang in den Fuß ein. Es entstand eine Blutv er gistung, welcher der Un­glückliche nunmehr erlegen ist.

* Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Der Delegirtentag des Verbandes der katholischen Männer- und Arbeiter-Vereine Hessens wurde am Sonntag in Lampertheim abgehalten. Der Delegirtentag beschloß die meckere Ausbreitung der christlichen Gewerkschaften und die Errichtung neuer Zahlstellen. Landtagsabg. Dr. Frenay sprach über das den Landständen vorliegende Gesetz, die Wohnungsfrage betreffend. Der Mangel an gesunden Woh­nungen sei ein großer sozialer Notstand und es müßten auch auf diesem Gebiete die katholischen Männervereine, wo immer es die bestehenden Verhältnisse gestatten, durch Gründung von Baugenossenschaften die Initiative^ ergreifen. In Wies­baden soll als sozialdemokratischer Kandidat für die nächsten Reichstagswahlen der bekannte freireligiöse Prediger Welcker in Aussicht genommen fein. Bisher kandidierte Dr. Quarck- Frankfurt, der vor Kurzem zurücktrat. Von Frankfurter Behörden wird ein angeblicher Assessor Schmidt von Dortmund alias Steuerbeamter Walther, ahas Regierungsaffeffor Walther von Berlin gesucht, über den die Untersuchungshaft wegen Betrugs verhängt -ist. _____

Vermischtes.

Luckenwalde, 24. Juni. In einem hiesigen Restau» rant vergiftete sich geftern die aus Berlin gebürtige Schncktwaarenhändlerin Frau Bertha Hennicke. Die Selbst- mörberin, die mit ihrem Manne in Ehescheidung lebt, ist über Nacht gestorben.

* Balu, 24. Juni. Den hiesigen Behörden ist es ge­lungen, eine R ä u b e r b a n d e, die aus entlaufenen Sträf­lingen bestand, unschädlich zu machen. Der Anführer der Bande und ein Räuber fielen, ein Räuber wurde ver-

haben durfte. .

T-r. Emil Josef A u s p i tz e r, kaiserlicher Rat aus Wien, war tm Jahre 1888 Sekretär des niederösterreichischen Ge­werbevereins und wurde Generalsekretär der bosnischen Holzverwertungs-Gesellschaft. Er lam im November 1898 mit Schmidt zusammen und wurde nach Kassel berufen, um zu organisieren. Er fungierte vom November 1900 bis Februar 1901 als Syndikus, um die Vorschläge zu der ge­planten Fusion sämtlicher Tochtergesellschaften der Treber- trocknungsgesellschaft auszuarbeiten. Diese Verschmelzung, sagt der Zeuge, sei eine kommerzielle und administrative Notwendigkeit gewesen, und es wäre mit ihrer Hilfe ohne den Zusammenbruch der Leipziger Bank vieles zu erhalten gewesen. Schmidt habe viel verschleiert, aber felsenfest ver­traut, daß ihm die Sanierung gelingen werde, xer Zeuge, der der außerordentlichen Generalversammlung vom 7. Nov. 1899 in Kassel beiwohnte, erklärt, es sei ein großer Fehler gewesen, hier anderweitig immer zu sagen, daß man das Bergmannsche Patent noch nicht verwandt habe, während es thatsächlichüberall versagt habe. Schmidt habe alsd Kaufmann und Mensch einen besonders vertrauenerweckenden Eindruck gemacht, sei aber technisch der Ausgabe nicht entfernt gewachsen gewesen. Tie Ursache, daß die lan sich gesunde Idee der Trebertrocknung so un­geheure Summen verschlungen h<ä>e, wäre die kostspielige Verwaltung und umfangreiche technische Umgestaltung rc. gewesen. Angeklagter Todel konstatiert, daß Anspitzer von Wien aus sämtliche österreichische Unternehmungen kon­trollierte und von Schmidt hierzu keine Unterlagen em­pfangen habe. In einem Briefe vom 17. Dezember 1898 spricht Schmidt zu der Leipziger Bank von der Abstoßung der Obligos von dem Projekt der Errichtung einer Bank in Belgien und der Geldbeschaffung durch Aufnahme euter Hypothek in Galizien. Unter dem 24. Dezember 1898 be­richtet Einer an Schmidt, daß es schön wäre, wenn die Trebergesellschaft durch die in Aussicht genommene An­näherung an Siemens & Halske eine bessere Stellung­nahme zu der Deutschen Bank erführe. Ani 3L Dezember 1898 spricht Exner in einem Briefe an die Filiale der Deut­schen Bank in Frankfurt a. M. von Verstimmungen zwischen der D. Bank und der Treb erzen träte und berührt die Mög­lichkeit von Beziehungen beiderseits durch die Heranziehung von Siemens & Halske zum Graphitprojekt, ^n einem Briefe vom 3. Januar 1899 von Schmidt an Exner ist auch Schmidt der Meinung, daß ein günstigeres Verhältnis zwischen der Deutschen Bank und der Leipziger Bank her- aestelL werden müsse. Er berührt das Projekt der Grün­dung einer belgischen Bank mit 10 Mill. Fres. und damit die Schaffung einer besseren Position, zu der auch die Ver­bindung mit Siemens L Halske beitragen würde. Die Weiierverhaudlung wird sodann auf morgen vertagt.

Man schreibt uns: , _

Ter Oberpräsident von Schlesien, Fürst Hatz selbst, bemerkte bei Beratung der Polenvorlage im preußi­schen Herrenhause, er hätte gewünscht, daß die Verstärkung des Ansiedluugsfonds und die Schaffung ches Domänenfvnds nicht nur die Provinzen Posen und Westpreußen, sondern auch dem deutschen Element in Schlesien zu gute käme. Tiepolnische Gefahr"' wird im allgemeinen als nur für Oberschlesien bestehend angesehen, infolge der Vermehrung des polnischen Elements unter der dortigen Jndustriebevöl- kemng. Die Verdrängung deutscher Landarbeiter oder Gutsbesitzer durch Polen fand in Schlesien bisher allerdings in geringerem Umfange statt. Das Blatt beginnt sich aber zu wenden. Aus dem niederschlesisch-posenschen Grenzbezirk wird von einer zunehmenden Po^- lonifierung der landwirtschaftlichen und gewerbetreiben­den Bevölkerung berichtet. In Gutsbezirken und Land­städten, die noch vor einem Jahrzehnt als reindeutsch be­zeichnet werden konnten, überwiegt jetzt die polnische Sprache. Von Kennern der Verhältnisse wird diese Er­scheinung zurückaeführt auf die höchst mangelhaften Eisen­bahnverbindungen in jenem Grenzbezirk. Seit Jahr und Tag ist an die Eisenbahnverwaltung petitioniert wor­den, in der letzten Landtagssession wurden die beim Parla­ment eingegangenen Gesuche der Regierung samt und sonders als Material überwiesen. Da die Mittel ans dem Ansiedlungs- und Domänenfonds für Schlesien nichl in Frage kommen, hängt die nationale Erhaltung des nieder- schlesisch-posenichen Grenzbezirks ausschließlich vom Ausbau des Eisenbahnnetzes ab. Der neue preußische Eifen­bahnmini st er, Generalmajor a. D Budde, könnte seine Amtsthätigkeit nicht besser ein!eiten, als wenn er die ersten Raten hierfür in den nächsten Etat einstellte. Die preußische Regierung aber wird in Zukunft dieWacht an der Oder" nicht minder wahrzunehmen haben als die an der Warthe und Weichsel.