Ausgabe 
25.6.1902 Erstes Blatt
 
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Auch ein Duell. Die Duellfrage behandelten zwei 14 Jahre alte Landwirtssöhne in dem Bergkreisdorf Zimmern bei Erfurt recht ernst. Einer nichtssagenden Ursache halber forderte einer den andern und es wurde Kugelwechsel mittels Teschin beschlossen. Beim ersten Gange fehlten die 9mm Kugeln das Ziel. Beim zweiten brach einer der Duellanten zusamen, das Projektil war ihm in die linke Brust­felle gefahren. Der aus Ermstedt herbeigerufene Arzt, der die Kugel nicht zu entfernen vermochte, ordnete den Trans­port des Verwundeten nach dem städtischen Krankenhause in Erfurt an.

Gerichtssaal.

M. Gießen, 24. Juni. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landaerichtsdircklor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Oberstaatsanwalt v. Hessert. Der Schuhmacher Karl S t u m p i von Lieh wird beschuldigt, daß er sich in den letzten drei Monaten dem Trunk und Müßigcmg derart hingegeben habe, daß er in einen Zustand geraten sei, in welchem er zu dem ihm gesetzlich obliegenden Unterhalt seiner Familie außer stände war, sodaß durch lierrmtb lung der Behörde fremde Hilse in Anspruch genommen werden mutzte. Ter Angeklagte war vom Schöffengericht Gießen frei­gesprochen worden, da er ohne sein Verschulden an der Erfüllung dieser Pflicht gehindert worden sei. Aus demselben Grund wurde die gegen das Urteil von der Staatsanwalt eingelegte Berufung verworfen. Der Gutsbesitzer Ludwig B i n g e l von Sicherts­hausen war vom Schöffengericht Gießen wegen Uebertretung des § 369° St.G.B. zu einer Geldstrafe von 2 Alk. verurteilt worden. Er soll unbefuglerweise über einen Kleeacker gefahren sein. Ter Angeklagte war heute in der Lage, durch Zeugenbeweis die Halt losigkeit der Beschuldigung darzuthun, weshalb er, demAntrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, von Strafe und Kosten fr ei- g e s p r o ch e n wurde. In der Privatklagesache der Ehefrau Philipp Bonarius gegen die Witwe Sophie Boller, beide in Mülizenberg, wegen Beleidigung war die Angeklagte und auf er­hobene Widerklage auch die Privatklägerin zu einer Geldstrafe von je 50 Mk. vom Schöffengericht Butzbach verurteilt worden. ^Lie Angeklagte hatte sich bei diesem Urteil beruhigt, während die Privatklägerin Berufung verfolgt. Dieselbe wird heute k o st en- fällig als unbegründet verworfen. Ter Spengler Heinrich Schmidt von Friedberg mar auf erhobene Prioatklage vom Schöffengericht daselbst wegen Beleidigung mit Rücksicht auf seine Vorstrafe wegen des gleichen Deliktes zu insgesamt 2 Wochen Ge­fängnis verurteilt worden. Das Berusuiigsgericht hieltdiesUr- t eil aufrecht.

Gießen, 23. Juni. (G e w er b e g eri ch t.) Den Vorsitz führt Stadtverordneter Haubach. Es stehen 4 Klagen zur Ver­handlung. Heinrich Luch hier als gesetzlicher Vertreter seines Sohnes Wilhelm, verlangt von dem Schlossermeisler Karl Kreiling hier die Herausgabe des Arbeitsbuches seines Sohnes, die^ Aus­stellung eines Zeugnisses und die Zahlung von 4 Alk, 35 Pfg. Restlohn. Der Beklagte wendet ein, daß er dem Kläger nichts vorenthalte, wenn der Sohn desselben die gesetzliche Küiidigungs- zeit aushalte. Derselbe habe aber währeiid der Kündigungszeit nur an 10 Arbeitstagen gearbeitet, während er die 2 ersten Tage nach erfolgter Kündigung nicht mr Arbeit erschienen sei. Er stehe aus dem Standpunkte, daß der Arbeiter verpflichtet sei, 12 Tage zu ar­beiten und daß er des Prinzips wegen verlangen muffe, daß Luch die versäumten 2 Tage nachhole. Dieser weigerte sich dem An-

smnen des Beklagten zu entsprechen. ES kam Einigung dahin zustande, daß Beklagter dem Klageantrage entspricht. Der Bierkutscher Jakob Keiner hier klagt gegen den Restaura­teur Johann EarlS hier auf Zahlung von 5.34 Mark Lohn. Der Beklagte, vertreten durch seine Ehefrau, wendet ein, der Kläger ' habe 11 Bierflaschen zerschlagen und dafür wurde Er­satz gefordert. Rach längerer Verhandlung kam em Vergleich zustande. Ter Beklagte zahlt dem Kläger 4 Mk. Tie zwei letz­ten Klagen lind gegen die Fuhrunternehmer Wilhelm und Otto Schneider hier gerichtet. Ter eine Kläger blieb aus und stellten die Beklagten keinen Antrag, während der andere Kläger, der Knecht Friede. Köhler hier, 35 Alk. Lohn fordert. Der Beklagte Otto Schneider entgegnet, daß der Lohn des Köhler nicht 35 Alk. vielinehr nur 29,57 Mk. betrage und daß demselben 22,57 Alk. ord­nungsmäßig ausbezahlt worden seien. 7 Alk. habe er als Scha­denersatz zurückbehalten, weil Kläger am 19. Juni unbefugt von der Arbeit weggeblieben sei und in Folge davon em Fuhrwerk 7 Stun­den nicht hätte benutzt werden können. Der Kläger habe auch an einem Tage anstatt 3 Fuhren davon nur 2 gethan, auch dieserhalb wurde Schadenersatz gefordert. Der Kläger entgegnet, daß er sich verpflichte, dem Beklagten einen Wagen Sand auf seine Kosten fahren lassen zu wollen. Richtig sei, daß er nur 29,57 Mk. Lohn zu erhalten habe und daß er 22,57 Mk. empfangen. Diesen Betrag habe er aber an dem Schalter der Geschäftsstube der Beklagten, an Herrn Birkenstock zurückgegeben. Den Schadenerfatzanspruch nn Betrage von 7 Alk. erkenne er nicht an, weil das von ihm bediente Fuhrwerk benutzt worden fei, auch die Höhe des Schadens muffe er bestreiten. Der Beklagte Otto Schneider bemerkt noch, daß sich Köhler fein Geld nur bei Birkenstock holen möge, wegen feines Schadenersatzanspruchs b-nannte derselbe Zeugen und Sachverstän- dige. Das Gericht erließ Beweisbeschluß und sollen Zeugen und Sachverständige zur Sache vernommen werden.

Giseiidahn-Zeitung.

Der letzte Erlaß Thieleu's. Von Versendern lebender Tiere wird darüber geklagt, daß ihnen oft Wagen überwiesen werden, die wegen ihres Radmaterials zur Beförderung in schnellsabrenden Zügen nicht geeignet sind, und daß hieraus viel- fach Unzuträglichkeiten erwachsen. Alit Rücksicht auf die Bedeutung Diefer Frage sind durch Erlaß des preußischen Ministers der öffent­lichen Arbeiten vom 12. Juni die beteiligten Dienststellen erneut und nachdrücklich darauf hingewiefen morden, daß die m den Fahrplanvorfchriften hinsichtlich der Lauffähigkeit von Guterwagen in fchnellfahrenden Zügen gegebenen Bestimmungen bei der An­forderung von Wagen für Zwecke der Viehoerladung genau be­achtet werden.

Kunst und Wissenschaft.

In Bonn ist Muslldirektor Joseph Brambach, Kom­ponist deutscher Männerchöre, gestorben.

Stuttgart. 23. Juni. Aus aller Herren Lander erhielt Prof. Dr. Gustav Jäger, der sogen.Wolljäger", $u feinem 70. Geburtstag Gratulationen und Geschenke. Der König verlieh ihm die große Medaille für Verdienste um Gewerbe und Handel.

Rom, 23. Juni. Bei den Ausgrabungen auf dem Forum IU manum wurde heute in der Nähe des Tempels der Faustina die erste der alten Nekropolis von Rom angehörige Grab­stätte einer nicht durch Feuer bestatteten Leiche auf gefunden. Im Grabe fand man Telle eines Skeletts, von dem man an­nimmt, daß es aus der Zeit der Gründung Roms stammt.

gpUlplan brr vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 25. Juni, abends halb 8 Uhr:Der Sigeunetbaron«. Donnerstag den 26. Jun.'): Bet ausgehobenem Abonnement. Zum Besten der Witwen- und Waisenkasse des Orchester-Personals:Tannhäuser und der Sängerkrieg aus Wartburg." Freitag den 27. Ium geschloffen. Samstag den 28. Juni: Der Wildschütz." Sonntag den 29. Juni, abends 6 Uhr:Die" Meistersinger von Nürnberg." Montag den 30. Ium geschlossen. . .

Schauspielhaus.

Mittwoch den 25. Juni"):Alt-Heidelberg. Donnerstag den 26. Juni:Robert und Bertram.' Freitag den 27.^unu Dramen-Eyklus zum Abschiede vom alten Schauspielhaufe. Vierter Abend. Joh. Wolfg. Goethe, (geb. 1749 gelt. 1832).Gotz von Berlichingen." Samstag den 28. Ium: Dramen-Eyklus zum Ab­schiede vom alten Schauspielhause. Fünfter Abend. August v. Kotzebue (geb. 1761, geft. 1819.) Zum ersten Male:Die deutschen Kleinstädter."' Sonntag den 29. Juni, nachmittags 3 Ubr: Volks- Vorstellung:Die Jäger." Abends 7 Uhr:Tie deutschen Klem» städter." Sonntag den 30. Juni:Alt-Frankfurt.

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen. _____________o

Höchste Temperatur am 23. bis 24. Juni 21,0° C.

Niedrigste 23. 24. 10,6° C.

Juni

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luit

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

24.

2

752,8

20,4

9,7

54

N.

2

Bew. Himmel

24.

926

752,5

16,4

10,9

76

NNE.

1

KlarerHimmel

25.

753,8

13,7

9,6

82

NE.

4

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Bekanntmachung.

Bei der in der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 12. d. Mts. vorgenommenen planmäßigen Verlosung der am 1. Oktober d. Js. zur Rückzahlung kommenden Schuldverschreib­ungen der Anlehen der Stadt Gießen aus den Jahren 1890 und 1892 sind folgende Stücke gezogen worden:

a) vom 1890 er Aulehen:

Lll. A Nr. 32, 37, 112 und 113 ä 2000 Mk.

B ,, 29, 73, 88, 129, 138 und 146 ä 1000 Mk.

0 , 8, 43, 46, 54, 137, 150, 202, 293 und 447 k 500 Mk.

D 26, 115 und 143 A 300 Mk.

E 56, 57 und 93 ä 200 Mk.

b) vom 1892 er Aulehen:

F 41, 112 und 150 & 2000 Mk.

G 64 und 65 ä lOoO Mk.

H 7, 47 und 48 ä 500 Mk.

,, J ,, 44 ä 300 Alk.

K 1 ä 200 Alk.

Es wird dies mit dem Bemerken zur Kenntnis der Besitzer der vorbemerkten Schuldverschreibungen gebracht, daß die Einlösung derselben und zwar:

h) von dem 1890 er Auleheu: bei der Stadtkasse Gießen,

Deutschen Genoffenschaftsbank von Soergel «. ParrisiuS u. Eie., Kommandite Frankfurt a. M.

b) von dem 1892er Anleheu: bei der Stadtkasse Gießen,

dem Bankhaufe A. Heichelheim in Gießen,

Ephraim Meyer & Sohn in Hannover,

Mauer & Plaut in Cassel, Gebrüder Neustadt in Frankfurt a. M.

erfolgen kann, sowie daß die Verzinsung mit dem 1. Oktober 1902 aufhort.

Gießen, den 24. Juni 1902. 4668

Grotzherzogltche Bürgermeisterei Gießen.

__Mecum._______________

Bekanntmachung.

Die nachstehende Bekanntmachung des Großh. Feldbe­reinigungskommissärs zu Friedberg bringen wir hiermit zur Kenntnis der betr. Grundbesitzer.

Gießen, den 24. Juni 1902. 4676

.Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

Kckanntmachung,

Betr.r Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn; hier: den allgemeinen Meliorationsplan.

In der Zell vom 25. Juni l. Js. bis einschließlich 8. Juli l. Js. liegt aus dem Büreau Großh. Bürgermeisterei Gießen, Zimmer Nr. 2,

der allgemeine Meliorationsplan nebst Erläuterungs­bericht und Prüfungsprotokoll zu demselben

iur Einsicht der Beteiligten offen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier­gegen stndet statt:

Mittwoch den 9. Julr l. I., vormittags von 10% Uhr bis 11 % Uhr, im Büreau Großh. Bürgermeisterei Gießen, Zimmer Nr. 2, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens % Bogen) ein­zureichen. .

Friedberg, den 18. Ium 1902.

Der Großh. Bereinigungskommissar:

S p a m e r, Kreisamtmann.

In meiner

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Schwalm, Zahnarzt.

Giessen, Bahnhofstrasse 63. 3545

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Heneral-Iersammlung

auf der Burg Gleiberg am Montag dem 30. Juni, nachmittags 5 Uhr.

Tages-Ordnung: Etat für das Jahr 1902/03.

Rechnungsablage für das Jahr 1901/02.

Geschäftsbericht für das Jahr 1901/02. Bericht über bauliche Herstellungen.

4479 Der Vorsitzende: von Bechtold.

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