Feuerwehrleute, die sich ihm anschlossen. Die Schlußver- handlung dürste in 10 Tagen stattfinoen.
Petersburg, 24. März. Die Affaire des Obersten Grimm wird in hiesigen militärischen .Meisen noch immer lebhaft besprochen. Der Verhaftete wohnte in der letzten Zeit als intimer Frennd des Generals Puryrewski ganz in dessen Hause. Die Stellung des Generals ist dadurch stark erschüttert, obwohl nach Ansicht maßgebender Personen auch nicht ein Schatten auf seine Ehrenhaftigkeit fällt. Puryrewsky galt als yrachsolger deö Generalgouverneurs von Warschau; er unterrichtete den jetzigen Zaren in der Fortifikationslehre. Unter den vom Obersten Grimm verkauften Plänen befinden sich beide Verteidigungslinien des Königreichs Polen.
Au den neuen Iriedensveryandlungen erhielten wir gestern abend bald nach 6 Uhr folgendes Telegramm, das wir alsbald durch Extrablatt bekannt gaben:
London, 24. März. Der Kriegsminister teilte im Unter- Hause mit, daß Schalk Burger vor 14 Tagen Kitchener um Gewährung freien Geleites gebeten habe, um mit dem Präsidenten Steijn die Möglichkeit der Friedensvorschläge 6c- sprechen zu köpueu. Kitcheuer habe mit Zustimmung der Regierung eingewilligt.
Es scheint sich also auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz eine Wendung vorzubereiten. Nach den Nackenschlägen, die bisher niemals ausblieben, wenn Anzeichen für ein nahes Ende des Krieges hervorzutreten schienen, kann allerdings die Neigung nicht groß sein, aus den neuesten Vorgängen in Südafrika voreilige Schlüsse zu ziehen und neue Friedenshofsnungen zu schöpfen. Man hat auch mit der Thatsache zu rechnen, daß schon früher Meinungsverschiedenheiten zwischen Schalk Burger und Reitz auf der einen, Steijn unt> Dewet auf der anderen Seite zu tage getreten sind. Es scheint, als handele es sich auch diesmal um ein Unternehmen speziell der Transvaaler, vielleicht sind diesen von Lord Kitchener unter der Hand gewisse Friedensdorf chläge unterbreitet worden, wie denn nie außer Acht zu lassen ist, daß die Engländer am ehesten zum Ziele kommen würden, wenn es ihnen gelänge, die Buren zu entzweien. Daß auch die Buren zum Teil kriegsmüde sind, ist bekannt, und mancherlei Anzeichen gestatten den Schluß, daß, tiiiefe Kriegsmüdigkeit mehr die Transvaaler als die Oranje-Freiftaatler erfüllt. Doch ein positiver Anhalt für die Vermutung, die Männer aus Transvaal würden sich den Friedensverhandlungen auf einer anderen Grundlage, als der vollkommener Unabhängigkeit, geneigt zeigen, liegt bisher nicht vor, und deshalb sind die Aus- ftchteu ans Beendigung der Feindseligkeiten leider wiederum gering.
Aus Pretoria meldet heute Reuter: „Die Mitglieder der Regierung von Transvaal, die hier durchreisten, gehen in besonderer Sendung nach der Orange» Kolonie." Also die Transvaaler Herren, die bisher aus eigene Faust mit Kitchener verhandelten, wollen nun die Oranjemänner für ihre Friedensideen zu erwärmen suchen. Es fragt sich nur, ob sie Autorität genug besitzen, auf diese, namentlich auf den Präsidenten Steijn, einzuwirken. Schalk Burger und Lukas Meyer — von Kr-ogh, dem burischen Kommissar von Swasiland, und Vandervelde hat man überhaupt fast nichts gehört — haben unter ihren Leuten trotz ihrer hohen Posten nie viel gegolten; Schalk Burger namentlich ist ein sehr zaghafter Herr und hat sich immer weit vom Schuß gehalten. Werden diese Männer die harten Köpfe eines Steijn und Dewet umzustimmen vermögen? Von Steijn hieß es in englischen Mewungen jüngst, auch er sei kriogsmüde und würde von Dewet gewaltsam feftgehalten; sehr glaubhaft ish das jedoch nicht. Dewet aber hat noch in feinen letzten Kriegsthaten eine solche Kampfeslust gezeigt, daß seine Widerstandskraft ganz die alte zu sein scheint. Er ist dreimal mit unerhörter Kühnheit durch das Netz der englischen Umschließung gebrochen und jetzt augenscheinlich bei Parijs am Vaal damit beschäftigt, neue Kräfte zu sammeln.
Wie die „Exchange Telegraph-Company" erfährt, hat die englische Regierung schon vor einigen Tagen gewußt, daß Burger, Rech und andere Mitglieder der Transvaalregierung in die britischen Linien zu kommen wünschten. Zwischen Kitchener und der englischen Negierung seien darüber Depeschen gewechselt und es heiße, das Kabinett habe sich.in seiner Sitzung am letzten Freitag damit beschäftigt. Zwar habe der Besuch der Vertreter von Transvaal mit Friedensunterhandlungen zu thun, doch seien dieselben gegenwärtig noch keineswegs weit vorgeschritten. Kitchener hatte eine Unterredung mit der Transvaaldeputation, doch glaubt man nicht, daß ein bedeutender Schritt zur Herbeiführung des Friedens gethan ist. Man hält es jedoch für wahrscheinlich, daß Burger seinen Verbündeten im Freistaate gewisse Vorschläge zu machen hat, und wenn Steijn und Dewet dieselben annehmen, so wird damit zweifellos eine Grundlage für Unterhandlungen mit Kitchener geschaffen sein. — Die englische Regierung lehnt es im übrigen ab, irgend eine Auskunft zu geben.
Im Haag überraschte die Nachricht von der Reise der Mitglieder der Transvaalregierung die Burenkreise.
In Londoner Börsenkreisen scheinen die Berichte aus Südafrika einen ganz ausgezeichneten Eindruck gemacht zu haben, denn die Kurse sind durchweg, teils bedeutend gestiegen. Infolgedessen erfuhren die Kurse auch lan den deutschen Börsen eine nicht unwesentliche Besserung.
In der englischen Gesellschaft ist man jedenfalls dem Frieden keineswegs abgeneigt. So hat erst neuerdings wieder eine Friedenskundgebung in England durch 5270 Geistliche der englischen Freikirche stattgefunden. Unter» schrieben haben 1100 Kongregationalisten, 1000 Baptisten, 950 Presbyterianer, 1900 Methodisten re. Der Sohn und Nachfolger C. H. Spurgeons in Londoner Tabernakel (Predigtsaal) er Kürte sich dabei rücksichtslos gegen eine Einverleibung der Burenstaaten. Die Geistlichen der Staatskirche waren aus begreiflichen Gründen nicht erst zur Unterschrift aufgefordert worden.
Es verdient schließlich auefy vermerkt zu werden, daß ein Deutscher, mit Namen Malter Hoffmann, der sich als Kriegsgefangener im Burenlager in Bellary (in der indischen Provinz Madras) befand, in der Nacht bei einem Fluchtversuche von einem englischen Posten erschossen wurde.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 25. März 1902.
** Preußisch-Hessische Eisenbahn-Einnahmen. Im Februar waren die Bettiebsergebüisse einigermaßen befriedigender wie im vorausgegangenen Januar, indem sich die Einnahmen diesmal auf Mk. 92 706 000 oder um Mk. 1590000
niedriger wie im vorjährigen Parallelmonat stellen, während pro Januar der Ausfall noch Mk. 3 401 000 betrug. Aus dem Personenverkehr ergab sich im Februar sogar ein Mehr von 828 000; dagegen hatten die Extraordinarien eine Einbuße von Mk. 302 000 und der Gütertransport eine solche von Mk. 2116 000. In den elf Monatendes laufenden Betriebsjahres sind bis jetzt Mk. 34 708 000 weniger wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres vereinnahmt worden.
** Die Platzkarten für D-Züge müssen von jetzt an vor der Reise am Fahrkarten-Schalter gelöst werden. Es ist nach den neuen hierüber vereinbarten Bestimmungen ausdrückliche Vorschrift, daß diese Platzkarten sogleich bei Lösung von Fahrkarten am Schalter mit verlangt werden müssen. Die Preise bleiben dieselben wie bisher: für Strecken bis zu 150 Kilometer 1 Mk. und über 150 Kilometer 2 Mk.
** Zum Weinhandel. Sowohl Weinhändler wie Meinproduzenten haben schon wiederholt Beschwerde darüber geführt, daß Geistliche, Lehrer oder deren Frauen als Nebenbeschäftigung Weinhaudel betreiben, wobei die Reklame mit ihrem Stande keine kleine Nolle spiele. Das Oberkonsistorium in Darmstadt hat nun bezüglich des Wein- bandels der protestantischen Geistlichen die Verfügung erlassen, daß ein geschäftsmäßiger Weinhandel mit Reklame usw., unter eigenem Namen ober dem der Angehörigen betrieben, mit der Würde des geistlichen Standes unvereinbar sei. Andererseits sei aber auch gegen den Verkauf der Kreszenzen aus eigenen oder zum Nießgebrauch gesetzlich überwiesenen Besoldungsweinbergen, sowie gegen den Ankauf kleinerer, zum richtigen Ausbau der eigenen Kreszenz notwendigen Trauben- und Weinvorräte nichts einzuwenden. Auch an Weinhandel treibende Lehrer ist seitens des Schulministeriums ein ähnlicher Erlaß ergangen.
Niederweisel, 24. März. Am Freitag Abend fand im Gasthaus „Zum Adler" die Generalversammlung der hiesigen Spar- und Darlehenskasse statt. Der Verein hatte einen Umsatz von Mk. 464 667,96. Die Einlagen in 1901 betrugen Mk. 96 070, erhoben wurden Mk. 73 339. 13 Mitglieder waren neu aufgenommen worden. Die Zahl der Genossen betrug am Schluß des Jahres 215, die zusammen ein Geschäftsguthaben von Mk. 43 210 besitzen. Die Prüfung der Bilanz hatte einen Reinertrag von Mk. 5015,93 ergeben. Die Versammlung beschloß auf Antrag des Vorstandes und Verwaltungsrates, den Mitgliedern 9 Prozent Dividende zu gewähren, dem Reservefonds und der Betriebsrücklage je Alk. 500 zu überweisen, die dadurch die Höhe von Mk. 8952 resp. Mk. 3936 erreichen; den notleidenden Buren bewilligte man Mk. 50.— und der Rest wurde auf neue Rechnung vorgetragen. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitglieds Joh. Hildebrand X wurde Bürgermeister Krausgrill einstimmig gewählt. Die übrigen Herren bes Vorstandes und Verwaltungsrates, deren Mandat abgelaufen war, wurden bestätigt. Neugewählt wurde zum Mitglieds des Verwaltungsrats Ph. Hildebrand I.
□ Bad-Nauheim, 24. März. Dieser Tage fand die 34. Generalversammlung bes Kur- und Verschönerungsvereins im Sprudel-Hotel statt. Nach einem Vortrage des Vorsitzenden Lehrers Wagner über die historische Entwicklung des Badelebens wurde der Rechenschaftsbericht erstattet. Die Zahl der Kurgäste betrug 19 883, an Bädern wurden abgegeben 307 205. Die Zahl der Vereinsmitglieder betragt ungefähr 400. Die Zahl der Militärkurgäste betrug 90, also 20 mehr als im Vorjahre. Der Korpsgeneral konnte bei einer Besichtigung sich über den Kurerfolg und die Quartiere der Patienten höchst befriedigt aussprechen. Die vom Stadtkämmerer Grünewald vorgetragene Rechnung ergab eine Einnahme von 748.53 Mk., eine Ausgabe von 684.41 Mk., so daß ein Kasfenbestand von 64.12 Mk. bleibt. Das Kapitalvermögen beträgt inkl. des Kassenbestandes 1116.72 Mark. Für die acht ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Abrie, Otto, Hausbesitzer; Blensdorf, Hoftapezier; Körfgen, Villabesitzer; Schwab Bernhard, Häuserbesitzer; Wagner, Lehrer; Will, Schuhmachermeister; Wörner, Bürgermeister; Wörner R., Kaufmann.
Laubach, 24. März. Die Arbeiten an der neuen Bahnstrecke Laubach-Mücke wurden in den letzten Monaten sehr wesentlich gefördert, was vornehmlich auf Rechnung des überaus günstigen Winters zu setzen ist. In dieser Woche wurde nun auch der „Darmst. Ztg." zufolge mit dem Bau des Viaduktes (Straßenüberführung) an der Staatsstraße Laubach-Ruppertsburg begonnen, zwischen dem Friedhöfe und der städtischen Turnhalle am Hällenberge. Der Durchbruch des sog. Roten Berges (Terra Sigillata- Berges) an der Kreisfttaße Laubach-Gonterskirchen, gegenüber der Albers'schen Villa „Friedensruhe", ist nunmehr auch nahezu volleirdet. In dieser Woche erreichte man das Niveau jener Kreisstraße, über welche die Eisenbahn hinübergeführt werden wird. Das durch diesen Durchbruch gewonnene Material wird zur Errichtung eines gewaltigen Dammes durch das Wetterthal, der die Babu vom linken Ufer des Flüßchens auf das rechte Ufer führt, verwendet. Die Bahn durchkreuzt die sogenannte Steinbach, weiter die Staatsstraße Laubach-Schotten und zieht alsdann am Süd- abhange des Ringelsberges durch den Walddistrikt Gaulskopf. In der Steinbach wird eine Brücke mit zwei Bogen von je fünf Meter Spannweite gebaut. Die Wetter wird hier verlegt, ebenso der Steinbacher Weg. Das Flüßchen wird durch den südlichen, der Weg durch den nördlichen Bogen der Brücke geführt Das südliche Widerlager, sowie der Mittelstseiler find nahezu vollendet. Ebenso hat man nun auch in der verflossenen Woche mit dem Ausmauern des Tunnels durch d.as sog. Kaff bei Freienseen (an der Tränkbach) begonnen. Durch die eifrige Arbeit der Bauunternehmer ist der Bahn bau derart gefördert worden, daß man die Eröffnung der Bahnstrecke Laubach-Mücke vielleicht schon am 1. Juni, sicher aber am 1. Oktober des nächsten Jahres erwarten kann.
Darmstadt, 24. März. Die Reichsbank hat von dem Garten des Hauses der Frau Anna Dr. Merck, Ecke der Rhein- und Kasinostraße, einen Bauplatz für 100000 Mark erworben und wird daselbst ein neues Bankgebäude bauen.
Darmstadt, 24. März. Am Samstag empfing der verkauft, die übrigen 30 000 Mark sind von der Gesellschaft sellschaft, Regierungsrat Oberschutzenmeifter Frhrn. v. Di em ar und den Architekten Friedrich Ollerich in Audienz. Der Letztgenannte legte Sr. König!. Hoheit die Pläne zu den baulichen Neuanlagen der Schützen- gesellfchast vor. Der Gvoßherzog bekundete das lebhafteste Interesse für die Sache und sprach höchsten Beifall aus. Tas „Darmst. Tgbl." ist in der Lage, über dieselben folgendes mitzuteilen. Das neue Schiehhaus wird in der Tanne
auf Griesheimer Terrain an der Kreuzung des Alten Darmstädter Wegs mit der Unterfallthor-Schneise erbaut DaS Schießhaus soll in einer allen neuzeitlichen Anforderungen entsprechenden Weise eingerichtet werden. Maßgebend ist dabei die Absicht, das neue Haus nicht nur für eigene Zwecke der Gesellschaft zu benutzen, sondern zur Hebung des Sports beizutragen und demselben einen volkstümlichen Charakter zu geoen, wie in anderen Städten Süddeutschlands, z. B. Stuttgart und München. Tie architektonisch schön gedachte Schießhalle ist 22 Meter lang und 6,50 Meter tief. Daneben befinden sich zwei Jagd-- stände mit einem Schieß-Pavillon. Bemerkt sei, daß die größten Vorsichtsmaßregeln getroffen werden und ein Abirren der Kugeln ganz ausgeschlossen sein wird. Die Kosten für die Anlagen betragen etwa 90 000 Mark. Die Schützen- gesellschaft hat ihr früheres Grundstück für 60000 Wiark verkauft, die übrgien 30000 Mark find von der Gesellschaft durch Anteilscheine aufgebracht worden. Die Ausführung der Bauten liegt in den Händen des Herrn Architekten Friedrich Ollerich hier, der die sämtlichen Pläne entworfen hat. —
Darmstadt, 24. März. Die Aufregung in -der Stadt über das Bahnhofumbauprojekt der Mainzer Eisenbahndirektion wächst. Die industriellen, gewerblichen und kommerziellen Kreise sind sich darüber einig, daß es unbegreiflich ist, wie man in einem aufstrebenden Gemeinwesen eines augenblicklichen Vorteils halber Einrichtungen zustimmen kann, die die wirtschaftliche Zukunft der Stadt in Frage stellen. Dies wird zum Ausdruck kommen in einer für nächsten Donnerstag einberufenen Versammlung der wirtschaftlichen Korporation, zu der zugleich alle staatlichen und städtischen Behörden, die Kabinettsdirektion und das Kollegium der Hochschule eingeladen sind.
b Mainz, 23. März. Vom hiesigen Gouvernement ist vor einiger Zeit bei dem Großh. Ministerium der Finanzen Beschwerde wegen Heranziehung preußischer Offiziere zur Einkommensteuer für ihre Dienstwohnungen erhoben worden. Aus diese Beschwerde hat jetzt das Ministerium einen ablehnenden Bescheid erteilt, wobei anheimgestellt wird, es den Offizieren, die mit dem Mehrwert ihrer Dienstwohnungen zur Einkommensteuer veranlagt sind, zu überlassen, gegen diese Veranlagung bei der Großh. Landeskommission hier Berufung einzulegen. — Sämtliche D-Zugwagen der deutschen Staatsbahnen werden nach dem verbesserten System umgebaut, das jüngst durch zwei aus der Waggonfabrik der Gebrüder Gastell bei Mombach hervorgegangene Wagen vor der hiesigen Eifenbahndirektion auf dem Centtalbahnhof vorgeführt wurde. Der Umbau der Wagen ist fünf deutschen Waggonfabriken übertragen worben. Die Aenderung ist ziemlich kostspielig. Sie beziffert sich auf 8 000—10000 Mark für den Wagen.
Bingen, 24. Mrz. Aus Anlaß der Explosion' des Pulvermagazins war bereits gestern nachmittag die Staatsanwaltschaft aus Mainz hier anwesend, um die Untersuchung einzuleiten. Man vermutet allgemein böswillige Brandstiftung, doch fehlt vom Thäter noch jede Spur. Ein zweites, unweit des durch die Explosion zerstörten gelegenes Pulvermagazin wurde in letzter Nacht scharf bewacht. Der durch die Explosion angerichtete Schaden dürfte sich nach ungefährer Schätzung auf ca. 60 — 70000 Mk. belaufen; in der evangelischen Kirche allein beziffert sich derselbe auf 6000 Mk. Abgesehen von den massenhaft zertrümmerten Fensterscheiben haben die Wohnhäuser von SeUgmann, Simon und Beck auch sonst erheblich gelitten. Es wird hier nur die Frage aufgeworfen, wer für den durch die Explosion verursachten Verlust aufzukommen hat. Allgemein neigt man zu der Ansicht, daß die Landesbrcmdversicherungskasse dafür in Anspruch zu nehmen ist. — Wie das D. B. „Herold" meldet, wurden außer einem Dienstmädchen, das schwer verletzt ins- Hospital geschasst wurde, zwei weitere auf einem thal- wärts fahrenden Schiffe befindliche Personen schwer verwundet. Die Weinberge zeigen bis über Rüdesheim hinaus ein Bild schrecklicher Verwüstung. Insgesamt wurden 60(?) Zentner Pulver in die Luft geschleudert.
Neuwied, 24. März. Fürstin Marie von Wied, eine geborene Prinzessin von Nassau, die Mutter der Königin Elisabeth von Rumänien, ist (wie wir bereits gestern meldeten) gestorben. Mit ihr ist eine der edelsten Fürstinnen Deutschlands dahingegangen. Sie war eine hervorragende Schätzerin der Künste und Wissenschaften und hat sich große Verdienste um die Bestrebungen erworben, die zur Einigung Deutschlands führten. 1825 geboren, vermahlte sie sich 1842 mit dem 1814 geborenen Fürsten Hermann zu Wied, der am 5. Januar 1864 starb. In zweiter Ehe war die Fürstin dann morganatisch vermählt mit dem badischen Minister Frhrn. Franz v. Roggenbach, der im vergangenen Jahre gestorben ist.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Abraham Fäßlerschen Ehepaar in Neu-Isenburg, das am Freitag seine goldene Hochzeit beging, wurde vom Großherzog sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift geschenkt. — In Fra nkfurt a. M. ist am Samstag ein in der gr. Nittergasse wohnender 13jähriger Knabe, der in großer Eile seinen Morgenkaffee trank, erstickt. Es blieb ihm ein Bissen im Halse stecken, und ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war, war der bedauernswerte Knabe seiner Hast zum Opfer gefallen. — Den „Franks. N. N." zufolge soll sich in der Sonntag Nacht in Frankfurt a. M. ein Offizier mit seiner Braut erschossen haben. — Montag Nachmittag erschoß sich in Frankfurt a. M. der in guten Verhältnissen lebende, 20 Jahre alte Kaufmann Josef Berk aus Schwanfeld. Das Motiv zu der That ist unbekannt. — In Garbe nteich sind im vorigen Jahre nicht, wie uns unser ck-Korrespondent gestern schrieb, 6 neue Wohnhäuser gebaut worden, sondern nur 3.
Vermischtes.
* Berlin, 22. März. Zu den Veruntreuungen bei der deutschen Kreditanstalt wird noch mitgeteilt, daß Dürfeldt durch verfehlte Unternehmungen an der Börse, besonders aber durch Bau-Spekulationen und Hypothekengeschäfte zu Grunde gegangen ist.
* Berlin, 24. März. Von der Vorderfront eines Neubaues im Norden Berlins stürzte ein Frontspiegel auf das Baugerüst herab. Ein Arbeiter wurde getötet, drei wurden verletzt.
* Gera, 24. März. Wie jetzt bekannt wird, hat das in Berlin verhaftete Blumenmedium Anna Rothe seine


