zfrafgrngrvn, za. tddd. -arr öraarsTCTTran oes tto» rfneamtsl chat ein Telegramm von Lldmiral Cafty erhalten, welches meldet, eine Zusammenkunft zwischen Salazar und Herrera habe zur Unterzeichnung von Friedensbedinburrgen geführt, welche General Perdamo gebilligt Babe. Tic Revolution in Columbien sei beendet.
Rewyork, 23. Nov. Nach einem Telegramm aus Panama gewährt der zwischen der Regierung von Kolumbien und den Aufständischen geschlossene Vertrag allen politischen Gefangenen Freiheit mit Ausnahme derjenigen, welche ihn nicht anerkennen wollen. Ten Aufständigen wird Am- nestie erteilt und Sicherheit gewährleistet.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 24. November 1902.
♦* Bei dem herann atzenden Weitznachts- feste erlauben wir uns, die hiesigen Geschäftsleute nochmals ganz besonders auf die kürzlich bekannt gegebene große Verbreitung des „Gießener Anzeigers" in Stadt und Land (augenbl. Auflage 8300^ aufmerksam zu machen und bemerken, daß in dieser Zeit noch mehrere hundert Probeblätter zur Verteilung gelangen. Es ist also verhältnismäßig keine günstigere und billigere Geschäfts- Empfehlung als im „G. A." denkbar. Wir bitten deshalb, beabsichtigte Anzeigen baldigst und wenn möglich einige Tage vor der Veröffentlichung aufzugeben. Auf die Ausstattung der Anzeigen kann dann die größte Sorgfalt verwendet werden, was für die Inserenten von außerordentlicher Wichtigkeit ist.
— Hofnachrichten. Die „Darnist. Ztg." schreibt: S. K. H. der Großherzog gedenken am 10. Dezember eine Reise nach Indien anzutreten. In Begleitung werden sich Generaladjutant Generalmajor v. Wachter, Flügeladjutant Rittmeister Kraemer und der zur Dienstleistung bei Sr. Königl. Hoheit kommandierte Freiherr von Masienbach befinden.
* * Auszeichnungen. S. K. H. der Großherzog haben Allergnädigst geruht, zum 12. November dem Bürgermeister KaSpar Schaaf zu Erbenhausen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste* am Bande deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.
— Landwirtschaftliche Ausstellung Herbst 19 0 3 in Gießen. Am 29. d. MtS., nachmittags 3 Uhr findet im Saale deS Großherzog von Hessen die konstituierende Versammlung des Hauptkomitees für die landw. Ausstellung statt. Die Tagesordnung lautet: J. Zweck und Aufgabe der Ausstellung; 2. Wahl deS OrteS und Feststellung der Zeit der Ausstellung; 3. Bestimmung der Gebiete, über welche sich die Ausstellung erstrecken soll; 4. Wahl der Ausschüsse. Da auch die benachbarten preußischen Provinzen sich mit dem Vogelsberger Vieh an der Ausstellung beteiligen werden, so sind auch die Vertreter jener Kreise eingeladen.
• * Bennigsen-Denkmal. In der „Nat.-Ztg." finden wir einen Aufruf znr Errichtung eines Denkmals für Rudolf von Bennigsen in Hannover. DaS Ehrenpräsidium bilden Wirkl. Geh.-Rat Prof. Dr. Planck in Göttingen, Dr. Fr. Hammacher in Berlin und Generalintendant Dr. Bürklin in Kqrlsruhe. Ferner gehören dem Ausschuß unter vielen Anderen an: Kommerzienrat Louis EmmeliuS in Gießen, Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim in WormS, Justizrat Jöckel in Friedberg, Stadtv. Kirch in Gießen, Geh. Kommerzien- rat Michel in Mainz, Gras v. Oriola in Büdesheim, Geh. Justizrat Dr. Osann in Darmstadt, Abg. Reinbardt in Worms, Rechtsanwalt Schmeel I. in Darmstadt, Geh. Kommerzienrat Weintraut in Offenbach und Stadtv. Wolfskehl in Darmstadt.
* * Die niedrig st e Temperatur wurde, laut unserem meteorologischen Bericht, in der Nacht vom 22. zum 23. November mit —14,2 Grad Celsius verzeichnet. Gestern, Sonntag abend, ging bei einer Temperatur von —2,6 Grad Celsius ein leichter Regen hernieder. Heute morgen zeigte das Thermometer —0,5 Grab Celsius.
* * Der „Gießener Radfahrer-Verein 1885" feiert am 13. Dezember d. I. sein diesjähriges Winterfest. Tie Vorbereitungen hierzu werden seitens seiner Mitglieder eifrigst betrieben und lassen schon jetzt erkennen, daß das bevorstehende Fest, die früher von demselben gefeierten Feste übertreffen wird.
• * Sei der Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes sind, wie man uns schreibt, zu Gunsten der Buren noch weiter eingegangen und an die Hauptleitung nach Berlin übersandt worden: März 02 Ungenannt 3 Mk., April 02 Unbekannt 1 Mk., Mai 02 vom ehemaligen Dozentenverein 21,50 Mk., Erlös aus Drucksachen 6 Mk., Restbestand von früher 31 Mk., zusammen 62,50 Mk. — Die Ortsgruppe richtet gleichzeitig die Bitte an die Bewvhuer Gießens und der Umgebung, noch weitere Gaben zu spenden. Es flicht noch viel Not zu lindern, die durch den schrecklichen Krieg verursacht wurde, nicht nur unter den Buren, sondern auch unter den deutschen Mitkämpfern, die infolge deS Krieges in alle Weltgcgenden verschlagen, Unterstützungsmittel benötigen zur Schaffung einer neuen LebenSgrundlage. Die Sammlung des Alldeutschen Verbandes hat jetzt die Höhe von rund 600 000 Mk. erreicht, von denen nur noch 75 000 Mark zur Verfügung stehen. Weitere Gaben sind deshalb dringend erwünscht. Für die hiesige Ortsgruppe nimmt solche Herr Hof- und Universitätsbuchhändler August Frees, Seltersweg, bereitwilligst entgegen.
* * Zoologie im Hessischen Landtag. Man schreibt in den Blättern: Die jüngsten hessischen Land- taaöwahlen haben eine erfreuliche Vermehrung des Dild- bestandes der Zweiten Kammer gezeigt. Insbesondere die oberhessischen Städte haben daran hervorragenden Anteil. Daß Gießen mit Vorliebe Gu tfleisch liefert, ist man- niglich bekannt; aber auch Friedberg war diesmal mit anerkennenswertem Eifer für die Bereicherung in Damm- Wild bestrebt, wie, wohl vom gleichen Gesichtspunkte ausgehend, Alsfeld ein kapitales Reh entsandte. Letzterem würdig zur Seite darf das aus Grünberg bezogene niedliche H i r s ch e l gestellt werden, bezüglich dessen nach Lage der Verhältnisse kaum zu befürchten sein dürfte, daß es jemals mit dem in der parlamentarischen Arena bereits vorhandenen Bär und Dolf in unliebsame Kollision geraten wird. Auch die beiden sich daselbst schon längere Zeit munter tummelnden Hasen dürfte diese Vermehrung des landständischen Wildbestandes um so weniger genieren, als kein einziger „Jäger", nicht einmal ein simpler Sonntagsjäger, sich im Gehege befindet. Daß das
anryepm ves nacy rote vor ais „sämig ver Here" jetn Szepter schwingenden L e u'n durch rationelles Anwachsen seines UnterthanenverbandeS nur eine wesentliche Kräf- tiguna erfahren kann, braucht als selbstverständlich nicht besonders betont zu werden. Mit dieser erfreulichen Ver- mehrung des Wildbestandes hat leider diejenige des Ge- lügelbestandes nicht ganz gleichen Schritt halten können, indessen darf mit Befriedigung konstatiert werden, daß in Ermangelung von Auer-, Dirk-, Welsch- usw. Hahnen immerhin ein prächtiger Molt-Hahn und ein nicht minder wohlgenährter Pitt-Hahn durch ihre prima Qualität die nach dieser Richtung mangelnde Quantität redlich zu ersetzen mit bestem Erfolge bestrebt sind. Vielleicht werden die nächsten Wahlen dazu beitragen, in letzterem Betreff noch vorhandene Lücken auszufüllen.
e. Bad Nau heim, 23. Nov. Die hiesige Groß- herzogliche Kurverwaltung hat eine vergleichende Uebersicht über die Pers onen- und Bäderfrequenz- ziffern der letzten fünf Jahre (1898—1902) aufstellen lassen. Es weilten hier Kurgäste: 1898: 19 534, 1899: 22411, 1900: 21 662, 1901: 19883 und 1902: 22567. DaS Jahr 1902 brachte mithin einen ganz erheblichen Aufschwung des BadeS, z. T. hervorgerufen durch die lebhafte Thätigkeit des neuen „Verkehrs-BureauS*. Während 1898 14 890 deutsche Kurgäste gezählt wurden und 4 644 Ausländer, zeigte das Jahr 1902 : 15 980 Deutsche und 6 587 Ausländer, in Prozenten: 71 Prozent Deutsche und 29 Proz. Ausländer. In früheren Jahren hatten wir nur 24 bis 28 Prozent Ausländer. In der letzten Saison weilten hier z. B. 962 Amerikaner (1901 nur 711), 1086 Engländer (1901: 1055), 2540 Russen (1901: 2267), 647 Oesterrcichcr 1901: 579). Die höchste Zahl Kurgäste war in diesem Jahre am 24. Juli anwesend, nämlich: 5956. Bäder wurden gegeben: 1898: 260119, 1899: 304472, 1900: 302 506, 1901: 296 583 und 1902: 304 616. Dazu sind in jedem Jahre noch 10—11000 Bäder für die Kjnderheil- ’tätte „Elisabethhaus" zu rechnen. — Tie in der Mühlstraße gelegene Simonsche Villa wurde gestern für 225 000 Mk. an den Fürsten von Isenburg verkauft. — Im nächsten Jahre feiert der hiesige älteste Verein „Frohsinn" ein großes Sängerfest, als Festplatz wurde von der Stadt ein großes Grundstück in der Nähe des Badehauses IV an der Usastraße erworben. Dieser Platz liegt näher und bequemer für alle Teilnehmer und für die Kurgäste wie der Festplatz am Walde, wo in diesem Sommer das Feuerwehrest abgehalten wurde. — Die neue Apotheke kommt provisorisch in das alte Schulhaus, das durch einen Neubau rei geworden ist; später sollen in das alte SchulhauS auch die städtischen Verwaltungsräume gelegt werden. — Der große Teich ist vollständig zugefroren und morgen beginnt dort die EiSernte. — An Stelle des verstorbenen Bürgermeister Wörner wurde Herr Ferd. Sprengel zum Mitglied des KreisausschuffeS gewählt.
O. Darmstadt, 23. Nov. Am SamStag fand bei Sr. Exzellenz dem Herrn Staatsminister Dr. Rothe ein Esten mit nachfolgendem zwanglosen Zusammensein statt, das durch die Gegenwart S. K. H. des Groß Herzogs besonders geehrt wurde. Den Anlaß bot die im Sommer dieses Jahres erfolgte Promotion des Herrn Staatsministers zum Dr. juris honoris causa. Anwesend waren S. Exz. der Justizminister Dr. Dittmar, S. Exz. der Finanzminister Dr. Gnauth, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geh. Kabinettsrat Römheld, der Generaladjutant Generalmajor von Wachter, Ministerialrat Weber und von der Universität der Rektor, der Exrektor, die Dekane der Fakultäten und die Mitglieder der juristischen Fakultät.
Offenbach, 23. Nov. Gegen die Wahl der Wahlmänner im Wahlbezirk Offenbach-Stadt ist Protest erhoben worden.
Frankfurt, 23. Nov. In dem dichtbevölkerten Haus Schäfergasse 15, in dem sich die Restauration zu den Kaiserhallen befindet, entstand heute nachmittag kurz nach 3 Uhr im Dachstuhl ein Brand. Durch die Meldung „Großfeuer" wurden die Feuerwehren der Burgstraße, der Münzgasse und des Westends an die Brandstätte gerufen. Tie beiden ersteren traten in Aktion und brauchten etwa anderthalb Stunden, bis die Gefahr beseitigt war. Ebenso lange Zeit dauerten die Dufräumungsarbeiten. Ter ganze Tachstuhl ist ausgebrannt. Der Schaden ist ziemlich erheblich.
Hanau, 23. Nov. Der Stadtverordnetenversammlung lag der Entwurf einer Eingabe an den Bundesrat vor um Gestattung der vermehrten Einfuhr von Schlachtschweinen au5 dem AuSlande. In der Eingabe wird kon- datiert, daß hier die Zahl der Schweineschlachtungen in den ersten neun Monaten deS JahreS 1902 im Vergleich zu der Zahl der Schlachtungen in denselben Monaten des JahreS 1900 um 1028 zurückgegangen ist; auch sei eine Erhöhung des Preises für Schweincsteisch innerhalb dieser neun Monate um 7,5 Pfg. pro Pflind nachgewiesen neben Verringerung der Qualität. Sowohl dieser Magistratsoorlage, als auch derjenigen auf Gewährung eines Tagelohnes für die Notstandsarbeiter von 2,15 Mk. und für Arbeitslose von 2,50 Mk. wurde zugestimmt. Als Notstandsarbeiter gelten die Arbeiter, welche infolge Unfalls nicht mehr voll arbeitsfähig sind und infolgedeffen Rente beziehen, auch alte und gebrechliche Arbeiter, die jedoch noch durch erwerbsfähige Familienangehörige Unterstützung erhalten können, während als arbeitslose vollkräftiqe Arbeiter bezeichnet werden, die etwa durch ungünstige Geschäftßkonjunktur außer Arbeit geraten. — Während seit 1890 der städtische Etat stets mit einem Ueberschuß abgeschloffen hat, der sich im Durchschnitt pro Jahr auf rund 60000 Mk. bezifferte, ist im Rechnungsjahre 1901 '02 ein Fehlbetrag von 14818 Mk. entstanden. Es wurde beschloffen, diesen für das Rechnungsjahr 1903 in Ausgabe vorzutragen und ihn nötigenfalls durch Steucrerhöhungen zu decken.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Büdingen wurde deS TageS, an dem vor 25 Jahren Oberamtsrichter Rabenau dort seinen Einzug hielt, dadurch gedacht, daß ihm der Ehren- bürgerbrief überreicht wurde._________________________
- Vermischtes.
• Koblenz, 23. Nov. Heute nachmittag explodierte daS HauptgaSrohr am Gasthaus „ Zum Schwanen". DaS HauS wurde teilweise zertrümmert, Wände und Decken sind emgestürzt. Menschen sind nicht verunglückt.
• Po rsva m, zz. t?dd. oroges neuen erregt tjwt daS feit gestern vormittag gemeldete Verschwinden einer in den 50er Jahren stehenden Dame der höheren Gesellschaftskreise, welche seil einiger Zeit schwermütig war. Sie trug zuletzt Trauerkleidung und ist vermutlich nach Berlin gefahren, um von hier aus die Reise nach Schlesien anzutreten. Tie Polizei hat bereits eingehende Nach, forschungen in die Dege geleitet.
* Duisburg, 22. Nov. Als RechtsanwaltKüne- mann in der verflogenen Nacht heimkehrte, fand er einen scharfen Gasgeruch wahr. Beim Betreten des Badezimmer- gewahrte er am Boden liegend seine Frau als Leiche. Sintern ann stürzte gleichfalls zu Boden: zugleich erfolgte eine Explosion, die ihn schwer verletzte. Nur durch die Tazwischenkunft anderer wurde Künemann gerettet; da- Zimmer ist völlig zerstört.
♦ Heidelberg, 23. Nov. Verduftet ist der der» heiratete Student und „Privatgelehrte" Ernst Höf- ner. ES schwebte gegen ihn beim hiesigen Afiitsgericht ein Strafverfahren wegen Unterschlagung.
* Paris, 23. Nov. Heute früh fand auf der Eisenbahn strecke Ticpve-Saint Valery bei Luneray ein Zusammenstoß zwischen einem Personenzug und einem Güterzug statt. Beide Lokomotivführer und ein Heizer wurden getötet, drei andere Angestellte und zwei Reisende verletzt.
* Tours, 23. Nov. Als Samstag abend in der Singspielhalle ein Sänger ein Lied sang, dessen Refrain das Militär verspottet, pfiffen ihn mehrere in Zivil anwesende Offiziere aus. Tie übrigen Anwesenden pro- testierten; es entstand eine Prügelei. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her.
'Bareelona, 23. Nov. Die Polizei entdeckte hin eine Art Handels-Agentur, deren Hauptzweck ist, Ausländer zu prellogt. Sie schickte Zirkulare au§, in denen versteckte Schätze, nur in der Einbildung bestehende Goldminen und andere schwindelhafte Dinge angeboten wurden. Tie an der Spitze stehenden Unternehmer, ein Oesterreicher, ein Deutscher und ein Spanier, wurden verhaftet.
* Petersburg, 23. Nov. Bei der Station Kassi- nowka im Gouvernement Iekaterinoslaw fand ein Zusammenstoß zweier Güterzüge statt. Elf Wagen wurden zertrümmert, vier Angestellte verletzt.
* Newyork, 23. Nov. Während der Friedensfeierlichkeiten in Panama e r p l o d i e r t e eine Kanone. Drei Soldaten wurden getötet, zwei verletzt.
* Mädchenhandel. Der „Frkf. Ztg." wird aus Newyork gemeldet: Die in Philadelphia vorgenommenen Verhaftungen von Mädchenhändlern sind anscheinend auf eine Anregung der Polizei in Halle a. S. erfolgt.
Ein Dampferunglück. Nach einer Meldung bet „Frkf. Ztg." aus Bukarest ist der Dampfer „Bosnia" der italienischen Gesellschaft Florio Rubattino in der Nähe der Sulina-Mündung gesunken. Von 237 türkischen, griechischen und italienischen Passagieren wurden n_u r 82 gerttet. Der Kapitän Del Debio, die Mannschaft und 150 Passagiere sind ertrun ken, 25000 Zentner Getreide gesunken. — Tie Nachricht bedarf noch der Bestätigung.
* Aus Sandringham, wohin zwar, atlem englischen Brauch zuwider, keine Journalisten entboten waren, weiß „Modern Society" Interessantes zu berichten. Eine der interessantesten Episoden dieses Privatbesuches sei die Partie Billard gewesen, welche Kaiser Wilhelm und König Eduard zusammen gespielt hätten. Ter Kaiser ist nur ein gelegentlicher Dillardspieler, eher stürmisch und mit einem Geschick für gewagte, ehrgeizige Stöße. König Eduard, der jetzt etwas zu bequem zum Billardspielen i st, war früher sehr dafür eingenommen, und lehrte seine Kinder das Queue handhaben, so bald sie mit der Nase über den Billardtisch reichen konnten Er stand nur zeitweilig davon ab, als Prinz Georg und die Prinzessin Maud die Sache zu übertreiben begannen. Kön igin Alexandra versah das Amt eines Mar- fl ueurs und that dies, sehr zum Amüsement der königlichen Spieler in einem so professionellen Ton und mit solcher Sicherheit, daß kein Zweifel oder Streit zwischen den hohen Partnern aufkommen konnte. Auch die Königin versteht sich auf das Carambolagespiel. Ten besten Billardsaal habe König Leopold II. in Brüssel, erklärt das Blatt, der nach dem Muster desjenigen in Sandringham möbliert und dekoriert fei. Wie viel der Kaiser diesmal für die Dienerschaft in Sandringham „gelassen" habe, will das Blatt nicht wissen, erklärt aber, bei dem Trauerbesuch anläßlich der Erkrankung und des TodeS ^r Queen, hätte die Dienerschaft in Windsor und OSborne 5000 Psd. Sterl. „Beneftt" gehabt, beim Besuch des Zaren in Dal- moral wenige Jahre zuvor, nur 3000 Psd. Sterl. Ten unerreichten Rekord hat der in solchen Sachen verschwenderische Nikolaus L von Rußland „creiert", der.in einer Woche in Windsor 20 000 Psd. Sterl. unter die Dienerschaft gebracht hat, sich dafür aber auch den Jur machte, in der Zerstreuung einem Kammer Herrn eine Fünfpfundnote in die Hand zu drücken, und entern Kammer- b i en er den St. Annenorden um den Hals zu hängen. Tie Hotelrechnung für den Kaiser Nikolaus I. und Gefolge in London soll an einem Tage 3000 Psd. Sterl. betragen haben. Da die Annahme ausländischer Orden den englischen Bürgern in Friedensreiten verboten ist, so können sich Souveräne bei ihren Besuchen nicht mit freigebiger Verteilung der beliebten Dekorationen aus der Affatre ziehen, sondern müssen tiefer in die Tasche greifen für Geschenke an daS hohe und niedere Hofgesinde, daS in England herkömmlicherweise die größten Prätentionen an den Tag legt.
* Tie Presse und daS Gehirn. Ein Kaleidoskop — oder, um einen Vergleich neuerer Art zu wählen, «n Kinematograph, der in wenigen Augenblicken die verschiedenen Zuckungen der Menschheit in den letzten 24 ©tuüben vorführt — dies ist, <o schreibt de Vogue in der Wr. Zeitscvr „Die Waage, ivr TypuS, den eine Zeitung zu realisieren sucht. Tie Fülle aufgespeicherter Nervenkraft, die burm dies Reizmittel ausgelöst wird, zerstreut sich über den großen Schauplatz der Weltereignisse. Ter Wirbelwind bunter Tagesneuigkeiten und Leidenschaften, die das Dußenlcben erregen, ist plötzlich mit rasender Geschwindigkeit über un- gestrichen und hat zur Folge, daß einen Augenblick spater unser Gehirn seiner Tagrsbeschaftigung nur noch zerstreute Aufmerksamkeit entgegenbringt, da diese durch die voran- gegangenen Bilder bereits abgelenkt worden ist. Dieser beunruhigende Einfluß wirkt jeden Tag von neuem, und war mit der Macht der Gewohnheit aus unser Gemüt ein. Bestimmt läßt sich behaupten, daß daS menschliche Gehirn durch diesen Beherrscher eine ganz spezifische Umgestaltung erleidet: diele jedoch rührt weniger von der Intensität der Empfindungen als von der Mannigfaltigkeit und insbesondere dem häufigen Kontraste, sowie von der Zersplitterung


