Ausgabe 
24.9.1902 Zweites Blatt
 
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wendet und die Beratungen mit größtem Interesse verfolgt. Nach Erstattung des Jahresberichts traten Die Kommissionen zur Beratung zusammen.

Ausland.

London, 23. Sept. In offiziellen Kreisen erklärt man, nichts davon zu wissen, daß Transvaal und dem Oranje st aat eine Kriegs st euer von 100 Millionen Pfund auferlegt werden soll. Es scheint, daß dieTaily Mail" mit dieser Meldung nur eine Be­wegung zu Gunsten einer solchen Steuer Hervorrufen wollte.

Haaß, 23. Sept. Ein reicher Amerikaner Namens Henry Phipps übergab den Burengenerälen die runde Summe von 100000 Dollars.

Kurz nach drei Uhr würbe Steijn auf einer fahr­baren Tragbahre aus einen Extrazug der Scheveninger Tampftram überführt. Er trug wieder eine schwarze Brille. Botha und Dr. Leyds erschienen zwanzig Minuten vor der Abfahrt beim Präsidenten. Tie Reise nach Clärens machen außer der Familie nur zwei Adjutanten und ein Arzt mit.

General D e w e t erhielt gestern die Nachricht vom Tode seines dreizehnjährigen Sohnes in Südafrika. Er nahm trotzdem an der Besprechung mit den anderen Gene­rälen heute vormittag teil.

Paris, 23. Sept. Tie Verhandlungen betreffend den Besuch Loubets beim Papst sollen gescheitert sein.

Marseille, 23. Sept. Ter Marineminister Pelle- t a n wohnte heute einem Bankett bei. Er protestierte leb­haft gegen die Worte, die man ihm gegenüber einer benach­barten Macht zuschrieb und bezeichnete das Telegramm, das ihn als einen Mann darstelle, der die benachbarten Nationen anzugreisen beabsichtige, als eine häßliche Lüge. Er erinnerte daran, daß er von jeher mit Wort und Schrift gegen das Verlangen nach Eroberungen kämpfte, und erkenne in der gegen ihn verbreiteten Lüge die berühmte Devise:Ausstreut nur immer Verleumdungen, etwas wird stets hängen bleiben."

San Sebastian, 23. Sepü Ter Minister des Aeußern erklärte die Gerüchte über eine angeblich spa­nisch-französische Allianz für erfunden.

Petersburg, 23. Sept. Bei der Rückkehr des Zaren vom Manöver in Kursk soll ein Attentat gegen ihn geplant gewesen sein. Tie Verschwörer halten seine Rückreise entweder auf der Nikolai- oder auf der Warschauer Bahnlinie erwartet und auf beiden Strecken Schienen aus gerissen. Aus der ersten Linie sei die Sache jedoch rechtzeitig entdeckt worden, im zweiten Falle dagegen sei der Nord-Expreßzug entgleist. (Tie Meldung be­darf natürlich sehr der Bestätigung.)

Ueber die Fehlgeburt der Zarin wird aus ganz authentischer ärztlicher Quelle folgende Mitteilung gemacht. Nach einigen Monaten Schwangerschaft trat aus unbekannter Ursache eine Ab st erbring der Frucht ein, ohne daß die Zarin etwas davon merkte. Eine Unter­suchung ihres Zustandes verbat sie sich ausdrücklich. Durch den Tod der Frucht ging ein Bewachsen derselben mit Cysten im Mutterleibe vor sich, sodaß die Zarin in der Ueberzeugung des Wachstums des Embryos lebte. Bei der durch den schon erwähnten Vorfall in Alexandria ver­anlaßten Frühgeburt erschien der Embryo derart mit Blut­cysten bewachsen, daß ein Erkennen desGeschlechtes nicht möglich erschien. Der mit Blutcysten bewachsene Embryo glich einer großen Traube.

Johannesburg, 23. Sept.Rand Mail" meldet, daß eine von der Kriegsschuld völlig unabhän­gige Anleihe in Höhe von 20 Millionen Pfund für öffentliche Arbeiten produktiver Natur ausgenommen werden und der Dienst dieser Anleihe unmittelbar den Einkünften der Kolonien zur Last fallen soll. Der Vor­anschlag für Transvaal für das Jahr von Juni 1902 bis 1903 schätze die Einnahmen auf 4 Millionen, die Ausgaben aus 3 700 000 Pfund.

New York, 23. Sept. Die Verletzungen, welche Präsident Roosevelt kürzlich bei dem Unfall in Pitts- sield erlitt, sind ernster als früher vermutet wurde. Eine Kontusion am linken Bein, nahe dem Kniegelenk, hat ein Geschwür verursacht, das heute eine übrigens geglückte Operation zur Folge hatte.

Irojeffor Ar. Karl Ales f,

Worms, 22. Sept-

Zum Tode des Professors Dr. Karl Nies, den wir telegraphisch gemeldet hatten, schreibt die Worms. Ztg.":Än tieferschütterndes Ereignis hat uns der gestrige Sonntag gebracht, das plötzliche Weben des Professors Tr. Nies. Er ist früh morgens 7 Uhr aus diesem Leben geschieden, und zwar, wie wir mit aufrichtigem Be­dauern konstatieren müssen, freiwillig geschieden. Sein Tod ist ein tiestrauriger Beweis dafür, zu welch furchtbaren Konsequenzen die fortgesetzte Verhetzung gewissenloser Preß­organe führen muß. Ein hiesiges Blatt hatte sich feit langer Zeit zur Aufgabe gemacht, den Mann, der in selost- loser Weise für die Interessen der nationalliberalen Sache eintrat, systematisch in den Augen der Bürgerschaft herab­zusetzen und ihn mit Hilfe der unlautersten Mittel auf seinem Posten als Handelskammersekretär unmöglich zu machen. Diese Schmähungen und Niederträchtigkeiten er­reichten ihren Höhepunkt in der vorigen Woche, indem dasselbe Blatt ein skandalöses Schmähgedicht und ein Bei­blatt eines anderen hier erscheinenden Blattes eine so­genannte Plauderei in Wormser Mundart veröffentlichte; in beiden wurde Professor Nies in denkbar ordinärster Weise durch unwahre Angaben in seiner Ehre aufs tiefste verletzt. Von diesem Moment an trug der Tahingeschiedene ein gan^ verändertes Wesen zur Schau. Er schloß sich lange Zett in ein dunkles Arbeitszimmer ein, war bleich, aufgeregt und tiefsinnig, sprach auch mit seiner Familie und seinen ihn besuchenden Freunden fast kein Wort mehr. Aus alle Vorhaltungen erwiderte er nur, daß er durch diese Angriffe ruiniert und ehrlos gemacht worden fei, die unwahren Schilderungen, gegen die er sich völlig macht­los fühlte, müßten ihn zu Grunde richten. Am Sams­tag hatte er sich noch besonders um seine Familie be­sorgt gezeigt, ober anscheinend beunruhigt sein Nachtlager ausgesucht. Früh um 7 Uhr verließ er dasselbe in aller Ltille, und begab sich in das im Hinterhause gelegene Bureau der Handelskammer, wo man ihn, als er zum Thee gerufen werden sollte, tot vorfand. Der sofort be­nachrichtigte Kreisassistenzarzt Dr. Fresenius konnte nur noch den Tod konstatieren. Mit Professor Dr. Nies ist ein ebenso geistvoller und humaner, wie rechtlich denkender Mann und treu besorgter Familienvater aus dem Leben geschieden Er war im Jahre 1850 zu Gießen geboren, frubicrte . .«daselbst und machte schon im 21. Jay re sein philologischem Staatsexamen. Er wo dann zuerst an der Realschule Friedberg und spaw^ in Bingen thärig

Tann wirtte er elf Jahre am Darmstädter Gymnasium und zuletzt am hiesigen Gymnasium, bis er sich seines leidenden Zustandes wegen pensionieren ließ. Während feiner Darmstädter Thätigkett war er auch Vorsitzender des dortigen Hassiabezirls der Kriegervereine, und wurde von dem Großherzog mit dem Ritterkreuz 2. Klasse des Phi­lip psordens ausgezeichnet. Am 1. Januar 1899 übernahm er als Gymnasiallehrer i. P. den Posten als Sekretär der Wormser Handelskammer, welches Amt er, wie wiederholt von berufener Seite anerkannt wurde, mit außerordent­licher Umsicht, Sachkenntnis und größtem Fleiß zur vollsten Zufriedenheit der Mitglieder der Kammer führte. Als Schriftführer des engeren nationalliberalen Parteivorstan- des trat er naturgemäß vielfach in die Oeffentlichkeit; er war ein warmherziger, begeisterter Patriot, dessen vor­treffliche Rednergabe und echt vaterländische Gesinnung die Herzen der Zuhörer für sich gewann. Nun ist der stets treue Mitarbeiter für die nationale Sache von uns gegangen. Alle, auch die politischen Gegner des Verschie­denen, werden Mit uns das tragische Geschick beklagen, das ibn in so rüstigem Alter seiner Familie und seinen Freunden entrissen hat. An seiner Bahre wird jeder mit uns empfinden müssen: Nehmt alles nur in allem, er war ein Mann!"

Auch dasWorms. Tgbl." bezeichnet als Ursache zu dem bedauerlichen Schritt des Professors Tr. Nies die gegen ihn in den genannten Blättern betriebene Hetze und schreibt u. a.: Tie erschütternde Kunde von hem Tode des Herrn Professors Nies wird wohl kein Mitfühlen­der vernehmen, ohne sich zu sagen, daß die gegen die Person des Verlebten gerichteten, über alle Maßen ge­meinen, unflätigen Verhöhnungen in zwei hiesigen Blättern den Mann in den Tod getrieben haben. Ter Ver­storbene ist fortgesetzt in einer kaum wiederzugebenden Art und Weise angegriffen worden, und zwar nicht sachlich, sondern stets persönlich.... Ter Fall wirkt um so erschütternder, wenn man des alten noch lebenden, 82 jähr. Vaters in Gi e ß en, sowie der zahlreichen Familie gedenkt, die sich einer allseitigen Achtung und Beliebtheit erfreut. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag statt.

Der Tod des Pros. Dr. Nies bringt ein Ereignis in Erinnerung, das sich im Sommer des Jahres 1884 in Darmstadt gelegentlich eines Festes der Kriegerkamerad­schaftHassia" abspielte, und als ein Beweis für die gerade, charakterfeste Gesinnung des Tahingeschiedenen gelten darf. Es war tur* nach der Vermählung des verstorbenen Groß- herzogs Ludwig IV. mit Frau v. Kolemine. Bekanntlich war das Hessenvolk von dieser Heirat nicht sonderlich er­baut. Es herrschte vielmehr eine recht starke Erregung darüber in allen Volksschichten. Daher kam es denn auch, daß mancher Mann zögerte, das Hoch auf Kaiser und Großherzog zur Eröffnung des Kriegerfestes auszubringen, wenigstens soweit es den Großherzog betraf, fürchtete man doch, unliebsame Demonstrationen hervor­zurufen. Ta meldete sich Professor Nies dazu. In einer zündenden Ansprache gab er deutlich seiner Meinung Aus­druck. Nicht nur in guten Tagen, so führte er aus, müsse man zum angestammten Herrscherhause stehen, sondern erst recht in schlimmen. Jetzt gelte es, zu zeigen, ob man in Wirklichkeit ein Patriot sei. ,Die Rede riß die Menge zu ungeheurer Begeisterung hin, und das Hoch auf Kaiser und Großherzog, das Nies ausbrachte, erweckte stürmischen Widerhall. Staatsminister Finger aber trat auf Nies zu und sagte:Sie sind ein ganzer Mann!" Exzellenz, ich habe aus dem Herzen gesprochen!" erwiderte dieser.Tas nehme ich nur an", meinte der Minister.

Aus Stadl und Sand.

Gießen, den 24. Sept. 1902.

** Hofnachrichten. Mit der Abreise der Prinzessin Elisabeth, welche am Samstag nachmittag erfolgte, wurde die großh. Hofhaltung wieder nach Schloß Wolfsgarten ver­legt. Aus Friedberg wird gemeldet: Der Großherzog fuhr schon am frühen Morgen nach dem Manövergelände und von da zu dem Fürsten Jsenburg-Birstein, bei welchem er einige Tage als Gast verweilen wird. Bei seiner Abreise hat der Großherzog in sehr anerkennenden Worten seiner Freude Ausdruck verliehen über die herzliche Ausnahme, welche ihm von der hiesigen Einwohnerschaft während seines Aufenthaltes bereitet wurde, und man giebt sich hier der Hoffnung hin, daß der Großherzog an maßgebender Stelle den Wunsch der Stadt Friedberg befürworten wird, damit bei den Veränderungen im 168. Infanterie-Regiment auch Friedberg wieder mit einem Bataillon Soldaten bedacht werden wird, wozu der Neubau einer Kaserne aber erforder­lich wäre. Dem Stationsvorsteher 1. Klasse Kieser wurde in Anerkennung seiner Verdienste das Ritterkreuz zweiter Klasse des Philippsordens verliehen und bi. ch den General- Adjutanten Oberst von Wachter im Auftrage des Groß­herzogs überreicht. Aus Bad-Nauheim wird gemeldet: Wie zuverlässig verlautet, wird die Zar en-Familie im nächsten Sommer zu längerem Kur-Aufenthalt hierher kommen und dabei einige Zeit im Großh. Schlosse zu Friedberg Wohnung nehmen. Wie dasB. T." aus Kiel meldet, wird die Familie des Prinzen Heinrich dem Groß­herzog einen vierwöchentlichen Besuch abstatten.

* Nationalliberaler Verein. Behufs Stellung­nahme zu den bevorstehenden Landtagswahlen sowie dem in der ersten Hälfte des Oktober in Eisenach ftattfinbenben Partei­tag findet heute Abend 8*/, Uhr im kleinen Saale des Hotel Großherzog von Hessen Generalversammlung des national­liberalen Vereins statt.

* Die gestrige Generalversammlung des OrtsgewerbevereinS im Restaurant Feidel hatte eine Tagesordnung mit sechs Punkten zu erledigen. Aus dem vorn Vorsitzenden, Kommerzienrat Heyligenslaedt, zum Vottrag gebrachten Jahresberichte konnte man ersehen, welche umfangreiche Thätigkeit dem Vorilande im verfloßenen Jahre zugefallen ist. Die zu erledigenden Aufgaben waren nicht nur vielseitiger, sondern auch umfangreicher Att. Durch Tod verlor der Vorstand zwei Mitglieder, Stohr und Schäfer, die Versammlung erhebt sich zum Zeichen der Teilnahme von ihren Plätzen. Die Rechnungsablage, welche der Ver­einsrechner Haas üortrug, ergab ein recht erfreuliches Bild vom Stande der Finanzen. Die niinmehr folgende Vor­standswahl ergab die Wiederwahl der satzungsgemäß aus- zuscheidenden Mitglieder: der Herren Peln ll, Faber, Steinhäuser und Otto Schmidt. Für die durch Tod und Wegzug freigewordenen Stellen mürben die Herren Dörr, Haggenmüller, Rahn und H. Müller gewählt. Hin­sichtlich der Wahlen zum Gewerbegericht ist man der

Ansicht, diese Angelegenheit lediglich dem Vorstande zur Aus­führung zu überlaßen, nachdem verschiedene Herren als Ge­werbegerichtsbeisitzer in Vorschlag gebracht worden waren. Der weitere Punkt: das Genossenschaftswesen, fand sehr geteilte Ansichten und man glaubte, daß es besser sei, zunächst die Erläuterungen des Herrn Paech auf der Ge­neralversammlung in Darmstadt am 5. Oktober d. I. abzu- roarten, bevor irgendwelche Stellung zu nehmen sei. Be­züglich der Wintervorträge sind wiederum mit dem Kaufmännischen Verein, genau wie im Vorjahre, eine Anzahl Vorträge bestimmt worden, die Mitglieder werden demnächst die bez. Kotten erhalten. Zum Schluß wurde noch der von der Handwerkskammer herausgegebene Leitfaden für die Meisterprüfungen der Mitglieder zur Anschaffung em­pfohlen.

* Pferdemarkt. Die auf dem diesjährigen hiesigen Herbstpserdemarkte von dem Pferdehändler Löwenthal-Fried- berg ausgestellten und von der Prämiirungs-Commlßion mit dem ersten Preis ausgezeichneten em Paar Wagenpferde (Rappen) wurden gestern für den Marslall des türkischen Sultans angekauft.

Frankfurt a. M., 23. Sept. Tie An kunft der Surengcncräle Botha, Dewet und Delarey kann für ch st e W o ch e in Aussicht gestellt werben. Ter Besuch der größten Städte Teurschlauos war früher in der Weise geplant, daß nach der Reihe Berlin, Leipzig, München, Stuttgart und Frankfurt a. M. berührt werden sollten.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der Nähe von Vilbel fand man in der Nacht zum 20. Sept, auf dem Bahnkörper die Le iche eines älteren Mannes. Er war jedenfalls während der Fahrt auf die Plattform des Wagens gegangen, von da heruntergestürzt und von den Rädern «erfaßt worden, die ihm über den Leib weggingen. In Butzbach hat sich am 21. Sept, der Rechner des dortigen Mathildenslists, Küchel, erschossen. Das Motiv der That ist unbekannt. Gräfin Maittred von Collatto und San-Salvatore, geb. Prinzessin zu Isenburg und Büdingen, wurde von einer gesunden Tochter glücklich entbunden.

Vermischtes.

* Schlangenbad, 23. Sept. Die Annahme, es handle sich bei dem Selbstmordversuch in Algier um enien russischen Großfürsten, entspringt wohl einer Notiz desRappel", wonach der Großfürst Paul Alexandrowitsch unter Mitnahme der Gattin eines Ingenieurs aus Petersburg verschwunden sei. Diese Angabe ist aber insofern unrichtig, als von einem Verschwinden keine Rede sein kann. Besagter Großfürst befindet sich seit mehreren Wochen zur Kur hier, wo er unter vollem Namen imHotel Victoria" Absteigequartier genommen hat.

Gerichtssaat

M. Gieße«, 23. Sept. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngettch, die Anklagebehörde verlral Oberuaatsamvalt Theobald. Ter Taglöhner Heinrich P o ft von Äroß-Karben Hal, mährend er in Rauheim bedienstet ivar, seiner Dienstherrschaft eine Reihe von Gegenständen entwendet darunter einige mittelst Erbrechens von Behältnissen, sich noch in dieser Zeit zweier Betrugssälle und mehrerer Unterschlagungen schuldig geinacht. Da der Angeklagte bei Begehung der Stras- lhaten das 18. Lebensjahr kaum überschritten Hane, dre entwedelen Gegenstände auch von geringem Werl und größtenteils an die Eigentümer zurückgelangt sind, so sah das Gericht von Verhängung einer Zuchlhausstrase ao, bemaß jedoch mit Rücksicht aus den be­wiesenen schweren Verlrauensbruch die zlierkannte Gefängnis- strafe aus 1 Jahr 3 Monate, abzüglich eines Monats der erlittenen Untersuchungshaft. Der Maurerlehrling Konrad H e i n- b u ch von Büdingen hat einen 10jährigen Jungen, weil derselbe einen Vetter von ihm geschlagen hatte, in rohester Weise mißhandelt. Er hob ihn an beiden Beinen in die Höhe, schlug ihn mit dem Kopf mehrmals aus den Boden auf, trat ihn mit beschuhten Füßen, schlug ihn mit der Faust aufs rechte Auge und warf schließlich noch Steine nach ihm. Tas Schöffengericht Büdingen hatte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Tie von demselben gegen dies Urteil eingelegte Berufung wird als un­begründet kostensällig verwotten. Gegen den Schmied Fritz Herber von Gießen hatte das hiesige Schöffengericht ivcgen fahr­lässiger Körperverletzung auf eine Geldstrafe von ö0 Alt. erkannt. Ter Angeklagte hat, als er mit seinem Rad von der Heyligenjiädt- schen Fabrik den Rtegelpsad herunter fuhr, ein Kind uberiahren und dabei erheblich verletzt. Tein Angeklagten war ein Rollfuhr- werk entgegengesahren, hinter welcheni der Zusammenstoß geschah. Tas Gericht erblickte die Fahrlässigkeit deS Angeklagten dann, daß er, obgleich ihm durch den entgegenkommenden Wagen die Aus­sicht auf die Straße genommen war und obwohl er wußte, daß der Riegelpsad, auf dem er fuhr, ein enger, abschüssiger und ver­kehrsreicher Weg ist, in nicht genügend langsamem Tempo gefahren ist, um die Herrschaft über das Rad zu behalten. Tas verurteilende Erkenntnis wurde bestätigt. Ter Handelsmann Hermann Ziegelstein von Treis a. d. Lda. hat einen anderen Handels­mann, der ihm, wie er wußte, Betrügereien bei einem Vievhandel vor- geworien halte, in rohester Weise» mißhandelt, indem er ihm mit einem Prügel über den Kopf schlug, sodaß der Verletzte bewußtlos zu Boden fiel, und indem er dem zu Boden Gestürzten noch mehrere Stockhiebe versetzte. Tas Schöffengericht Büdingen hatte den An­geklagten wegen Körperverletzung und Bedrohung er hat den Verletzten mit Totstechen bedroht zu 3'/, Atonalen Gefängnis verurteilt. Tas Berufungsgericht setzte die Strafe auf 6 Wochen 3 Tage Gefängnis herab, die ttnbeslrastheit des Angeklagten und seine Erregung über den Vorwutt des Betrugs als straf­mildernd in Betracht ziehend. Ter Taglöhner Peter Reuter von Eschborn, wegen Eigentumsvergehen vielsach, darunter mit Zuchthaus, vorbestraft, hat unter allerlei falschen Vorspiegelungen einen Landwirt veranlaßt, ihm einen Hund zum Schafhirten zu leihen und den ihm übergebenen Hund für 2 Alk. verkauft. Wegen Betrugs im Rückfall erhält er eine einjährige Zuchthaus- slrai e. Tie Installateure Karl Koch, Balthasar Bals e r und Philipp Corvinus von Friedberg sind beschuldigt, fahrlässiger­weise eine Gasexplosion, durch die ein Materialschaden in Hohe von 670 Alk. entstanden ist, verursacht zu haben Vergehen im Sinn des § 311 des Strafgesetzbuchs. Tie beiden letztgenannten Angeklagten haben zwei Tage vor Anschliiß einer doa ihnen ge­legten Gasleitung an das Friedberger Gaswett die Schlußichraube entfernt, ohne sie alsbald wieder einzusetzen; der in Tiensten des Gaswerks stehende Angeklagte Gockel hat dann, ohne daß die An­geklagten Corvinus lind Koch davon wußten, den Gasmesser ge­setzt und den Aiischluß bewettsteUigl, ohne sich von der Dichtigkeit zu überzeugen und ohne das Vorhandensein der Schliißschraube zu kontrolieren. Diese grobe Fahrlässigkeit überbot er noch, indem er nach einem zwischenzeitlichen Wlttshausbesuch den mit aus- geströmtem Gas angefüllten Raum trotz des starken Gasgeruchs ohne irgend welche Vorsichtsmaßregeln mit einem brennenden Licht betrat. Durch dte sofort eintretende Explosion wurden zwei große Schaufenster zertrümmert und einige Thürfüllungen eingedrückt. Außer der Handlungsweise war nach Ansicht des Gerichts auch das Verhalten der beiden anderen Angeklagten für den Erfolg eausal, da sie die Schliißschraube entfernt und nicht alsbald wieder angefetzt hatten, obwohl sie erwarten mußten, daß jede Stunde der Anschluß an die städtische Gasanstalt bewettftelligt und damitder Eintritt von Gas in die Leitung ermöglicht werde. Zur Sühne

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