Ausgabe 
24.9.1902 Zweites Blatt
 
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London, 24. Sept. Die heutigen Morgcnblätter Le- richten aus Aldershot, daß man gestern sehr erstaunt war, zu vernehmen, daß das 4. provisorische Regiment den Be- fehl erhalten habe, Vorbereitungen zu treffen, um nach Süd. amerika eingeschifft zu werden.

London, 24. Sept. TieTime veröffentlicht einen Brief eines ungenannten Korrespondenten in Shantung^ demzufolge bedeutende Regengüsse in dem Kiau- tschau-Gebiete großen Schaden angerichtethaben sollen. Tie hervorgerufenen Ueberschwemmungen seien in der Hauptsache daraus zurückzuführen, daß die cmfge- sührten Bahndämme nicht genügend Abzugs-Oeffnungsni hatten. Tie chinesische Bevölkerung habe gegen den Damm­bau protestiert, unb als man daran, nicht achtete, die Damme wieder abgetragen. Hierauf habe die Deutsche Regie­rung eine Expedition entsandt, die eine Anzahl Ein­wohner tötete. (Ter Berl. Lokalan^ erfährt hierzu von unterrichteter Seite: Tie Proteste der chinesischen Bevölke­rung gegen die Bahnbauten und die Versuche zu ihrer De­molierung sind lediglich aus die damalige fremdenfeind­liche Stimmung zurückzuführen. Als Juanschikai seine Stellung zu Gunsten der Fremden geändert hatte, hörten die Zerstörungen aus. Das erwähnte Unwetter war eins der schwersten, das je in der Gegend vorgekommen ist. Gegen 60 Bewohner ertranken in den Fluten.)

Brüssel, 24. Sept. Expräsident Krüger erhielt für seine Memoiren, welche in drei Teilen erscheinen, ein Honorar von 600000 Franks, welches dem Buren- Hilfs bunde zufließen wird.

Brüssel, 24. Sept. König Leopold hat aus Ur­sachen, über welche die eigene Umgebung des Königs noch im Unklaren ist, seine Rückreise nach dem Pyrenäenbade Luchon abbestellt.

Paris, 24. Sept. Nr. 75 des in Paris erscheinenden Witzchl altesL'assiette au Beurre" ist wegen Be­leidigung des deutschen Kaisers soweit erreich, bar, von der Staatsanwaltschaft in Berlin beschlagnahmt worden.

Roveredo, 24. Sept. Wie verlautet, wird die in Ala erfolgte Verhaftung des Dr. Murri als ungesetz­lich erklärt werden.

Wien, 24. Sept. Die andauernd anormale kalte Witterung hat wegen der Herbstfrüchte große Besorgnis hervorgerufen. An vielen Orten Niederösterreichs, Böhmens und Mährens werden Temperaturen von 1 bis 2° unter Null gemeldet.

Belgrad, 24. Sept. Die Königin Draga feiert heute nach eigenen Angaben ihren 3 5. Geburtstag. Der russische Gesandte am serbischen Hofe begab sich nach Nisch, um die Glückwünsche seines Herrscherpaares zu überbringen.

New-Port, 24. Sept. Mail and Expreß wissen zu berichten, daß alle Einzelheiten über den Ozeantrust ver­einbart wurden und daß nur noch die höheren Beamten zu wählen sind.

New-Pork, 24. Sept. Die streiken den Kohlen» arbeiter nehmen eine immer drohendere Haltung an. Ein­zelne strategische Punkte im Streikgebiet sind mit Kanonen besetzt. Die Milizen sind verstärkt. Beide Parteien bleiben unversöhnlich. Die Arbeitgeber betrachten die Ausdehnung des Streiks nur als ein letztes Aufflackern der Bewegung und glauben die Beendigung desselben binnen Kurzem erwarten zu können.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 24. Sept. Der Großherzog kehrte gestern von den Manövern zurück. Er besuchte seine Schwester, die Prinzessin Ludwig von Battenberg auf Schloß Heiligenberg und kehrte heute wieder nach Schloß Wolfs­garten zurück. Für die Königin der Belgier ist eine oierzehntägige Hoftrauer angeordnet.

Birst ein, 24. Sept. Gestern fand in unserer Nähe unter Oberleitung des kommandierenden Generals des 18. Armeekorps vonLindequist eine Angriffs Übung mit schwerer Artillerie, verbunden mit Scharf­schießen, statt. Tus Scharfschießen wurde ausgesührt von einem Bataillon des Jns.-Regts. Nr. 87, einem aus der 21. und 25. Feld-Artillerie-Brigade zusammengestellten Feld- Artillerie-Regiment und einem aus den Fuß-Art.-Regt- Nr. 3 und 9 formierten Regiment schwerer Feldhaubitzen. Beschossen wurden die von Pronieren am Galgenberg ange­legten Befestigungen. Zu der interessanten Uebung waren viele Offiziere als Zuschauer geladen. Auch der Groß- herzog von Hessen wohnte der Uebung bei.

Frankfurt a. M., 24. Sept. Heute morgen entstand auf dem Sportplätze in der Mainzer Landstraße Groß­feuer. Die Griesheimer Feuerwehr war bald zur Stelle. Die Tribünenbauten, sowie das große Holzwerk der Renn-

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Reservisten: 1 Bau- und Möbelschreiner und Glaser,

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Patrez HuberS Selbstmord. Der Kunstschriftsteller Arthur Iger schreibt: Anfangs voriger Woche bat mich Huber um meinen besuch, um mir seine neuen Arbeiten zu zeigen. Ich kam seinem Wunsche gerne nach und suchte ihn in seiner bescheidenen Garten- nolmung auf, der er ganz sein künstlerisches Gepräge zu geben oer- } stand. Ich erwartete, einem boffnungsfreudigen, durch seine Erfolge im Darmstadt verwohnten Künstler zu begegnen, und sand einen melancholischen, verträumen Menschen. Die Ueberstedelung nach Berlin bildete °ür ihn eine große Enttäuschung. Huber be­klagte sich bitter über die Gleichgiltigkeit, die hier gegenüber modernen Kunstbestrebungen in gewissen Kreisen herrsche. Zwar fehlte es ihm nicht an Bethätigung er hatte noch eine fürstliche Einrichtung und innenarchitektonische Arbeiten für die Erweiterungs- rdume des Warenhauses Wertheim in Auftrag aber er sah sich doch in seiner Hoffnung, nach seiner Trennung von Darmstadt in Berlin ein neues großes Wirkungsfeld zu finbeit, bitter getäuscht. Llnb das hat vielleicht nicht zum wenigsten dazu beigetragen, dem u-iiglücklichen Künstler die Waffe zum Selbstmord in die Hand zu fanden." So weit der Freund des Verstorbenen. DieseEnt- fauschung" Hubers ist, so schreibt dazu dasBerl. Tagebl.", nur j, £ rtldrlid), wenn der Geist des jungen begabten Künstlers durch den «rassirenden Größenwahn getrübt war. Ein junger Mensch, -54 Jahre alt, kommt nach Berlin und findet hier, feinem Verdienst . e iltsprechend, Aufträge, Aufträge von einem Künstler wie Messel, t>ie für ihn eine Ehrung bedeuten. Er müßte glücklich sein, sich fathätigen, seine Kraft zeigen zu können, er kann leben, schaffen, sich e lnporrmgen. Statt dessen fühlt er sichbitter enttäuscht". Was imuß er erwartet haben? Vielleichtwissen die maßlosenPreiser des jungen Mannes in denmodernen" Kunstzeitschristen etwas da­von, was für Größenideen sie in diesen Jünglingskopf gepflanzt faden? l ___

Nachfrage' der Arbeitgeber: 1 Maschinenschlofferl Bau- lÄloffer zur Aushilfe, 1 Wagenlackierer, 1 Bau- uiid Mobelschremer, l^Knechtz 2 Pferdeknechte, 1 Spenglerlehrling, 3 Schloss erlehrlinge, I. Hausmädchen per sofort,, l.desgl. per 1. November, 10 Dienst- mädchen per sofort, 7 Dienstmädchen per 1. oder 15. Oktober, 1. Herrschaftsköchin, 1 Hotelköchm, 1 Laufmadchen, 3 Laustrauen.

Für Reservisten: 1 Spengler, 1 Friseur, 3 Knechte.

Kandel und UerKehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse. Die Zulaffung der neuen 27 Mill. Anleihe der Bank für Handel und Industrie zur Notierung tm öffentlichen Börsenkursblatt wurde genehmigt.

Pfälzer Tabak. AuS Dossenheim wird uns geschrieben: Die Sandblatter und Grumpen sind schon aufoekaust. Noch nicht nach Hause gebracht, waren dieselben schon verkauft. Solch ein schneller und frühzeitiger Berkaus wie in diesem Jahre, ist selten zu ver­zeichnen und schon lange nicht dagewesen. Für Sandblätter wurden 24 Alk. und für Grumpen 12-14 Mk. pro Zentner geloch em Preis, der schon lange Jahre nicht da war. Wenn nach dem Preis der Sandblätter und der Grumpen auf den Verkauf des Tabaks geschlossen werden dürste, so müßte derselbe sür dieses Jahr einen schönen Preis erhalten. Der größte Teil des Tabaks ist noch gariiicht nach Hause gebracht.

Eschweiler Eisenwerke, Aktiengesellschaft. Nach dem dem Aufsichtsrat obiger Gesellschaft vorgelegten Abschluß für ba§ Ge- schästsjahr 1901/02 ergiebt sich unter Einrechnung der Aschreibungen in Höhe von 46 000 Mk. (im Vorjahre 49126 Alk.) ein Betriebs­verlust von 142 089 Mk. Zur Deckuiig des Verlustes sollen, nach Verrechnung des Vortrages aus dem Vorjahre von 20 479 Alk., die besondere Rücklage mit 100 000 Mk. gänzlich verwendet und restliche 21610 Mk. aus der gesetzlichen Rücklage entnommen werden. Damit vermindert sich bei einem Aktienkapital van 1 200 000 Alk. die gesetzliche Rücklage auf 108 423 Alk. Eine Divi­dende gelangte auch im Vorjahre nicht zur Verteilung. Am 31. Ok­tober er. wird die Generalversammlung der Gesellschaft auf dem Werk stattfuiden.

Harpener Bergbau. Im Monat August er. (26 Arbeitstage) betrug bei der Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft der Ueberschuß 1 105 000 Alk. gegen 1 Oll 000 Alk. im Juli er. (27 Arbeitstage). Der Ueberschuß stellt sich in den beiden ersten Monaten des Ge­schäftsjahres 1902/03 auf 2116 000 All. gegen 2 775 000 Mk. in der gleichen Periode des Vorjahres.

RcichSbank. Am 6. Oktober d. I. wird in Großenhain eine von der Reichsbankstelle in Dresden abhängige Reichsbank- Nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr er­öffnet worden.

Ans Buenos Aires wird telegraphisch über ein Projekt der Provinzialregierung von Bllenos Aires berichtet, die beasick- tigen soll, die ausstehenden Eedulas der Provinzial- Hypothekenbank einzuziehen und durch 25 MillionenDollars unverzinsliche Goldbonds zu ersetzen, die mit jährlich 4 Proz. ge­tilgt werden sollen. Es wird hinzugefügt, daß der Plan in Buenos Aires ungünstig beurteilt werde, weil man für zweifelhaft halte, ob die Erträge der Baiik ausreichen werden, nach diesem Plane für die Tilgung der projektierten Anleihe die erforderliche Annuität zu liefern.

Die ordentliche Generalversammlung der Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft ist auf den 25. Oktober einberufen. Ein Antrag auf Uebernaljme der Kokesofen-Nebenprodukten-Anlage der Firma Dr. G. Otto u. Go. bei Zeche Preußen I figuriert als Punkt 5 der Tagesordnung. Es ist bereits bekannt, daß eine Dividende von 10 Proz. in Vorschlag gebracht werden soll.

Nürnberg, 23. Äept. Hier wird bestätigt, daß die Vorschuß- Verhandlungen der Berliner Handelsgesellschaft mit der Schuckert- gesells ch'a f t resultatlos geblieben sind.

nm er. Ten Vorsitz führk ife AnllagebchoM oertrai Taglöhner Heinrich Post Nauheim bebienftet war, cgenlianben entrvenbei - öehällnisien sich noch teuerer UnterfchfaMM ei Begehung der itttn hxtmtiWs Md üMmleils v^ H Bmchl von Lerhanzw; nut Rücksicht auf beii.be- zuerkannte Hesangins' biüqhd) eines Monats btt mrerlehrlmg Konrad pe,n- ,nf>n Zungen, weil der,em XtdjefinWi» ** » m ihn Qt ihn mttdcschcheii iM Au^undwar'Mvch ä »gen £ Eanil verurteilt. Die

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»er groben Fahrlässigkeit deS Angeklagten Gockel hielt daS Gericht eine Freiheitsstrafe für am Platz, die auf 14 Tage Gefäng­nis festgesetzt wurde, während das minder schwere Vergehen der Angeklagten Gorvinus und Balser ersterer ist der Meister, der letzter der Geselle mit einer Geldstrafe von 100 bezw. 50 Mk. ^ahndet wurde.

-k- Mainz, 23. Sept. Wegen Milchpantfcheri wurden in htt letzten Sitzung der Strafkammer des hiesigen Landgerichts sieben Landwirtssrauen von Nieder-Saulheim zu Strafen von 100 bis L50 Mk. verurteilt.

fc. Frankfurt a. M., 23. Sept. Die Strafkammer verur- I alte heute den Kassirer der hiesigen Zahlstelle des deutschen T ab ak- j mrbelteroerbanbeS wegen schwerer Urkundensälschung und Unterschlagung von Verbandsgeldern in Höhe von 1774 Alk. unter Annahme mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis.

Berlin, 23. Sept. Wegen schwerer Beleidigung des 93er- itgers der ,Staatsb.-Ztg.', Wilhelm Bruhn, begangen in einem Artikel der Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Anti- i umitismus wurde heute vor dem Schöffengericht des Amts­gerichts I der Redakteur Kurt Bürger zu einem Monat Ge- ingniS verurteilt. In der Begründung des Urteils führte der i Lorsitzende, Amtsgerichtsrat Wagler, aus, daß bie ganze Tendenz ! tves Artikels zweifellos darauf hinauslaufe, den Privatkläger als sumpen hinzustellen. Dazu lag nicht der geringste Anlaß vor.

Der Erfinder Hermann Ganswindt, gegen den auch mach seiner Hafleiulassung das Versahren wegen Betrugs geschwebt fat, ist nunmehr auf Antrag der Staatsanwaltschaft durch Ge- r7chtsbeschluß außer gerichtlicher Verfolgung gesetzt worden.

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