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Nr. 224
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Eiehener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Untverf.-Vuch- u.Slein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erpedttio« und Druckerei:
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Zweites Blatt. 152. Jahrgang
Mittwoch 24. September 19012
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Dle Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
Zuspitzung der Situation.
AuS Berlin, 23. September, wird uns geschrieben:
Die Erklärung des Grafen Posadowsky wird in den heutigen Berliner Abendblättern weiter erörtert. Ueber- wiegend ift die Auffassung, daß daL Zustandekommen des Zolltarifentwurfes kaum noch möglich erscheint. Die „Nat- Ztg." hält es für eine Selbsttäuschung der Tariffreunde, au glauben, daß durch die Bekehrung einiger Konservativer die Vorlage gerettet werden könnte. „Die konservative Fraktion hat nicht nur dem „Unannehmbar" der Regierung ihr „Nicht annehmbar" gegenübergestellt, sondern auch bte Beschllisse der ersten Lesung als im Interesse der Landwirtschaft „nicht genügend" bezeichnet." In der That wird die Hoffnung auf konservative Zersplitterung nicht einmal mehr in Regierungskreisen gehegt. Wir wissen dies von einer Seite, die wir für besonders unterrichtet hatten dürfen. Die Stimmung im konservativen Lager ist zurzeit derart, daß ein Mitglied der konservativen Fraktion, das nur den Versuch machen wollte, für ein Zurückgehen auf die Getreidezollsätze der Vorlage zu plaidieren, sich den schärfsten Unwillen zuziehen würde. Herrn v- Podbielski hat man das Eintreten für den Tarifentwurf nicht verübelt, weil ein Minister die Politik der Regierung zu der seinigen machen muß. Mer ein anderer Mittelsmann würde nicht geduldet werden. Die konservative „Kreuzztg." schiebt' die Schuld an der schlimmen Situation in erster Linie der Haltung des „Zentralverbandes deutscher Industrieller" zu. Immer mehr habe sich im Laufe der letzten Wochen die Ueberzeugung gefestigt, daß der Entwurf der verbündeten Regierungen vornehmlich auf die Wünsche zugeschnitten worden ist, die in jenem Verbände vertreten sind, und daß er in diesem Sinne nicht ohne Grund als ein Werk des Verbandes bezeichnet werden müsse. Der „Zentralverband" wird zweifellos gegen diese Behauptung Einspruch erheben. Noch mehr Veranlassung zum Protest hat aber die Regierung, denn es wird ihr mit dürren Worten zum Vorwurf gemacht, daß sie die Interessen einer Vereinigung, die sogar nur einen Teil der Industrie umfaßt, — der „Bund der Industriellen" befindet sich in mancher Frage in Widerspruch mit dem „Zentralverband" — einseitig berücksichtigt habe, ja gewissermaßen den Inhalt des Tarifentwurfs vom Zentralverband sich habe dittieren lassen. Ganz so wird es nicht gemeint sein, aber die Ausführungen der „Kreuzztg." sind ein Symptom der grimmigen Stimmung, welche die konservative Partei erfüllt. Das kann ja noch recht lebhaft werden in den bevorstehenden Reichstagsverhandlungen! Bei den Kanal- oeoatten hat man Proben davon bekommen, mit welcher Deutlichkeit und Kraft die Führer der konservativen Opposition sich gegen die Regierung aussprechen können. Das war nur ein „mildes Säuseln" gegen den Sturm, der im Reichstag anheben wird. Die „Voss. Ztg," hält das Scheitern des Zolltarifs für unvermeidlich; es sei zu wünschen, daß die Verhandlungen über neue Handelsverträge möglichst bald beginnen, denn viel Zeit sei nicht mehr zu verlieren. —
Wo bleibt Graf Bülow? Angesichts der kritisch zugespitzten Situation nimmt sich die Meldung fast wie ein Idyll aus, daß der deutsche Gesandte in Peking, Herr von Mumm, zum Vortrag bei dem in Klein-Flottbek weilenden Kanzler eingetroffen ist. Es mag nicht unwichtig sein, von Herrn v. Mumm zu hören, wie die Dinge im Reich der Mitte stehen. Aber wenn Graf Posadowsky oder Schatzsekretär Frhr. v. Thielmann jetzt in Klein-Flottbek zum Vortrag wären, so würde das vielleicht mehr der politischen Konstellation entsprechen. Graf Bülow gedenkt „zur gegebenen Zeit" zu erscheinen und das Kunststück der Verständigung zu versuchen, das bisher so völlig mißlungen. Er muß seiner Sache ziemlich sicher sein, daß er bis zum letzten Moment wartet. Die Parteien setzen sich immer mehr fest auf ihre Beschlüsse, und es werd daher die Aufgabe von Tag zu Tag schwieriger, eine Umstimmung herbeizuführen. In der Hauptsache schlägt die Mehrheit der Zollkommis'wn, das haben auch die heutigen Verhandlungen dargethan, ganz dieselben Wege em, wie in der ersten Lesung. Aufrcchterhalten wurden auch die Kommissionsbeschlüsse über die Kartoffel-, Hopfen- und Obstzölle obwohl der Vertreter der württembergischen Regie- rung, Ministerialdirektor v. Schneider, gegen die Obstzölle geltend machte, daß der Mostgenüß den Dranntwem-Ber- brauch einschränke.
Are erste Reichstags-Interpellation.
Unser parlamentarischer Miturbeiter schreibt unterm
■ Am parlamentarischen Horizont steigt Bereits Gttoöll aus- Ter Südwind" Bringt'» ans dem Bayernland. Wenn Bisher noch Zweifel Bestehen konnten, ob die bekannte Swinemünder Depesche des Karsers an den Prinzregenten Luitpold zum Gegenstände einer Reichstags-Interpellation gemalt n,erben wurde, so sind diese Zweifel diirch die von den bahrrschen Zen- trumsillbrern ' »chädler und Dr. Pichler mLunten- hausen und Straubing jüngst gehaltenen Redm bejeitigt worden ^as , .ürum wird die Antwort nicht schuldig bleiben!" "twf L. Schüdler aus, und Dr Pichler sand Mrsere Worte der Kritik, als sie unter dem unmittel- baren Eindruck des Telegrammwechsels laut wurden. Die Interpellation wird also eingebracht werden, und zwar voraussichtlich bald nati) Wiederzusammerttrrtt des Reichstags denn Interpellationen haben, der parlamentarischen Gepflogenheit gemäß, dringlichenCharter.
Tie Frage, ob ReichÄagsprusident Graf Ballejkrem
gegen die Zulässigkeit der Interpellation Einspruch erheben werde, ist bereits verneint worden unter Hinweis darauf, daß hier nicht eine kaiserliche Rebe, sonbern ein Telegramm vorliege, dessen Authenttzität durch die Veröffentlichung seitens deS anerkanntermaßen offiziösen Telegraphenbureaus genügend bestätigt sei. Tie Notwendigkeit der Wiedergabe durch den „Reichsanzeiger" erübrige sich darnach. Praktisch kann also nur noch die Frage werden, wie Gras Bü l o w zu der Interpellation sich stettt. Lehnt er deren Beantwortung ab, so verhindert er damit nicht die parlamentarische Besprechung der Angelegenheit, wohl aber würde er dadurch das Zentrum „vor den Kopf stoßen", was für den Zolltarif alles andere als förderlich sein müßte. Wahrscheinlicher ist deshalb, daß Graf Bülow zur Beantwortung der Interpellation sich bereit erklärt, aus die Gefahr hin, unterschiedliche „Aufrichttgkeiten" von feiten des bayrischen Zentrums in Kauf zu nehmen. Für den Fall, daß letzteres aus diesem Anlaß die p a r t i k u l a r i st i - scheu Akkorde allzu kräftig erklingen läßt, würde es wohl in der Volksvertretung selbst nicht an Stimmen fehlen, die yir Mäßigung mahnen.
Bei der ganzen Angelegenheit dürften übrigens für das Zentrum auch taktische Gesichtspunkte in Betracht kommen. Man glaubt der Stimmung der bayrischen Zentrumswähler Rechnung tragen zu sollen, indem, man aus diesem speziellen politischen Anlaß dem leitenden Staats- manne im Reiche „bayrisch" kommt. Ist derart das Gefühl des Mißvergnügens durch das politische „Ventil" zum Entweichen gebracht, so läßt sich eher reden über eine Verständigung in wirtschaftspolitischen Dingen, d. h. über den Zolltarif, auch den Wählern gegenüber. Tas Zentrum setzt nie attes auf eine Karte, es ist in Sachen der parlamentarischen und der Wahl-Strategie viel zu bewandert. Auch dürfte es nicht geneigt fein, feine Stellung der Regierung gegenüber als „ausschlaggebende Partei" zu gefährden, es mtt dem Reichskanzler in den Grund zu verderben. Daher das System der „verteilten Rollen".
Trotz alledem: leicht ist die Aufgabe nicht, die des Grafen Bülow im Reichstag harrt. Es dürfte vielmehr für ihn die aufregendste Parlamentssession werben, und er halte es wohl .riecht nötig, seine Nerven durch längeren Kurgebrauch an der See zu stählen.
Politische Tagesschau.
Neber die hessisch-thüringische Staatslotterie
soll nach der „Franks. Ztg." ein thüringisches Blatt, die „Goth. Ztg.", eine Reihe hämischer und mißgünstiger Bemerkungen gemacht haben. Das Blatt soll von dem „sehr guten Geschäft" reden, das mit dieser Lotterie die hessische Regierung mache, und meinen, daß sich der größere Teil der Bewohner Thüringens „bedanken" werde, in ihr zu spielen, weil sie in erster Linie für Hessen sorge. Wir glauben nicht an die Richtigkeit dieser Meldung. Zum mindesten ist zweifellos die Quelle von dem Frankfurter Blatte falsch angegeben. Die „Goth. Ztg." ist uns als Organ der Gothaischen Regierung bekannt und in ihrer Tonatt stets maßvoll. Ausführungen, wie die von der „Franks. Ztg." zitierten, und Satze, wie:
„Die höhere Staatsweisheit war es nicht, sich an eine Lotterie anzuschließen, die den Interessen unseres Ländchens so durchaus ferne liegt, und daß das, was wir durch den in Aussicht gestellten höheren Gewinnanteil gewinnen werden, durch die Aufhebung der thüringischen Lotterie hier mehr als zehnfach ausgeglichen wird, steht für jeden, der rechnen kann, längst fest. Aber was ist denn bei einem System, das die wichtigsten Angelegenheiten hinter verschlossenen Thüren verhandelt, anders zil erwarten?"
sind in einem Blatte wie der „Goth. Ztg." schlechthin undenkbar. ih
Vater und f.5nig.
Tas offiziöse „Journal de Bruxelles" bringt einen Leitartikel unter der Ueberschrift „Vater und König", darin heißt es: Tie überstürzte Abreise der Prinzessin Stephanie hat in Spa und mit schnellstem Widerhall in der Hauptstadt eine Erregung hervorgerufen, die zu leugnen kindisch wäre. Tie Menge, die sich der sorglosen, strahlenden, hübschen, populären, jungen Prinzessin erinnert, ist von einem Gefühl tiefen Mitleids ergriffen für diese in Thronen gebadete Tochter, welche der Wille des Vaters vom Leichenbegängnis der Mutter fernhält. Tas Volk sieht in dieser Verbannung eine Härte und Strenge, die Erbarmen weckt und Unwillen erregt. Tie öffentliche Meinung übersehe, daß in dem Vater gleichzeitig der König wach bleiben müsse, daß in der Familie auch die Dynastie lebe und daß in dieser Tochter, die ihre Mutter beweint, eine königliche Prinzessin lebt, die ihres Ranges und ihrer Titel verloren gegangen ist. In der väterlichen Strenge erkenne das Volk nicht die königliche Unerbittlichkeit. Gerade in den peinvollsten schwersten Augenblicken habe das Königtum die Pflicht, sich am festesten zu zeigen. Der Artikel schließt wörtlich: „Es ist das traurige Los der Könige, nicht als Menschen handeln zu dürfen. Als Wächter erhabenster Traditionen unterstehen sie höheren und strengeren Gesetzen als die unseren sind, auch wenn das Herz dabei tödlich leidet." Ein bürgerliches Blatt glaubt, die belgische Bevölkerung rühmen zu müssen, die der Prinzessin ihre herzlichste Teilnahme zeigte, ohne nach einer anderen Seite feindlich zu manifestieren.
Nachträglich wird bekannt, daß der stellvertretende Bürgermeister Tepotter der Gräfin Lonyay persönlich die Teilnahme der Brüsseler Bevölkerung auSgedrückt f)ai. Ebenso wie am Brüsseler Sübbahnhos wurden der Gräfin auch auf dem Bahnhof zu Toumai von der Menge die herzlichsten Ovationen bereitet; sie dankte bewegt.
Ter sozialistische „Peuple", welcher die augenblickliche Unpopularität des Königs mtt aller Kraft auszubeuten acht, beginnt einen Artikel mit den Worten, daß die republikanische Propaganda noch niemals in Belgien so tief ins Volk gedrungen fei, wie in den letzten Tagen unter Beihilfe des Königs selbst.
Wie groß die allgemeine Mißstimmung geworden ist, wird aus der Thatsache deutlich, daß die höchste Stelle sich gelungen sieht, in offiziöser Sperrschrift im „Journal de Bruxelles" sich gewissermaßen zu rechtferttgen. Es wird in dieser Note erklärt, die Prinzessin Stephanie hätte Spa verlassen, als sie erfahren hätte, daß sie an den offiziellen Zeremonien nicht teilnehmen könnte. iVor ihrer Wiederverheiratung, die gegen den formellen Protest ihrer Eltern erfolgte, fei ihr kund gegeben worden, daß sie künftig weder in Belgien noch in Oesterreich an königlichen Zeremonien teilnehmen könne! Der König hätte es nicht mißbilligt, daß die Prinzessin am Totenbelte ihrer Mutter habe beten wollen; aber ihm war es unmöglich, einer ehemaligen belgischen Prinzessin Vorrechte zuzugestehen, deren sie sich selbst entkleidet hätte. Auch wegen der Einfachheit der Leichenceremonien glaubt der König sich rechtfertigen zu müssen, indem er sich auf eine Abmachung zwischen ihm und feiner verstorbenen Gemahlin beruft.
Tie GräfinLonyay läßt durch ihren Privatsekretär folgende Erklärung über den Zwischenfall mit König Leopold veröffentlichen: „Ich befand mich mit meinem Gemahl in Zromer, als ich die Nachricht von dem Tode meiner Mutter erhielt. Ich ging sofort als liebende Tochter und als Patriotin, um der Königin die letzte Ehre zu erweisen. Seine Majestät ließ mir mitteilen, daß meine Anwesenheit nicht erwünscht sei. Eine Szene hat nicht ftattgefunben."
Tie Tochter der Gräfin Lonyay, Erzherzogin Elisabeth, die sich mit ihrem Gatten, Fürsten Windisch- grätz auf dem.Wege zur Beisetzung der Königin befand, erhielt in Köln ein Telegramm von ihrer Mutter, das sie veranlaßte, sofort nach Graz zurückzukehren.
Tie Damen der Aristokratie von Antwerpen haben aus Anlaß des Todes der Königin beschlossen, freiwillig eine sechsmonatliche Trauer anzulegen.
Am Dienstag fand in Der Kirche in Laeken ein privater Gottesdienst zum Gedächtnis der Königin statt, Den der Erzbischof von Mecheln abhielt. Tem Gottesdienst wohnten der König, Prinzessin ZIementine, der Gras und die Gräfin von Flandern, Prinz und Prinzessin Albert, Hoswürden- t rüg er1 und die Generalität bei. w
Deutsches Wich.
Berlin, 23. Sept. Man meldet aus Rominten: Der Kaiser und die Kaiserin sind heute vormittag 9 Uhr 30 Min. hier eingetroffen und vom Landrat Juchmann empfangen worden. Der Bahnhof ist prächtig geschmückt, ebenso die Ortschaften Szittkehmen und Rominten. Die Ortsbewohner und Schulkinder bildeten Spalier.
— Der Vorstand des deutschen Fl eis ch e r v e r b an - des beabsichtigt in den nächsten Tagen in vielen Millionen Exemplaren ein Flugblatt verbreiten zu lassen, in dem die Behauptungen des Bundes der Landwirte über die Viehnot widerlegt und die Angriffe auf das Fleischer- gewerbe zurückgewiesen werden.
— Die hiesige portugiesische Gesandtschaft bezeichnet das Gerücht von der Abtretung der Delagoa- bay oder irgend eines anderen Hafens in Afrika an England als unbegründet. Die portugiesische Regierung würde Dem niemals zustimmen. Es sänden auch keine Verhandlungen zwischen Portugal und England über diese Angelegenheit statt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt, kein wahres Wort sei an der Erzählung Der „Birmingham Post", daß Kaiser Wilhelm Lord Roberts und Den amerikanischen General Zorbin ersucht hätte, ihm in schriftlichen Berichten ihre Ansicht über Den Verlauf Der deutschen Herbstma- növer auszudrücken. Das gleiche gilt von der aus Simla verbreiteten Meldung, der Kronprinz würde den Herzog von Zonnaught auf dessen Reise nach Indien begleiten.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Ein Londoner Bankhaus, das zu den zweifelhaften Geschäften gehört, die nicht der Kontrolle des Börsenvorstandes unterliegen, fordert in letzter Zeit in deutschen Blättern und durch Prosepkte zur Spekulation in Wertpapieren auf, wobei unter Anpreisung eines sicheren Gewinnes von 20 Prozent eine Einzahlung als Deckung verlangt wird. That- sächlich bleibt fast immer der versprochene Gewinn aus. Steigt wider Erwarten einmal der Kurs, so wird der Verlauf so lange hingezogen, bis ein Rückschlag eingetreten ist. Das Publikum kann nur dringend gewarnt werden, mit derartigen Bankhäusern in Geldgeschäfte sich einzulassen, ohne über deren Vertrauenswürdigkeit genau unterrichtet zu sein.
Köln, 23. Sept. Tie hier tagende Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz begann ihre Beratungen. Vertreter entsandten Deutschland, Preußen, Frankreich, Großbritannien, Oesterreich-Ungarn, Italien, Schweden, Norwegen, Belgien, Schweiz, Holland, Rumänien, Luxemburg, und der Heilige Stuhl. Ten Vorsitz führte der ständige Präsident, Regierungsrat Scherer-St. Gallen. Ministerialdirektor Easvar begrüßte die Versammlung im Auftrage der deutschen Reichsregierung, Geh. Regierungsrat Frick im Auftrage Der preußischen Staatsregierung, Oberbürgermeister Becker Namens der städtischen Behörden, Kommerzienrat Neven im Auftrage der Kölner Handelskammer, Graf Soderivi im Auftrage des Papstes. Es wurde ein Schreiben des Kardinals Rampolla verlesen, in dem zum Ausdruck gebracht wird, Daß der Heilige Stuhl den Bestrebungen der Internationalen Vereinigung seine volle Sympathie zu-


