Ausgabe 
24.6.1902 Zweites Blatt
 
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Ausland.

London, 23. Juni. Jin Unterhanse erklärte heute Unterstaatssekretär Crandorne, daß über die Bedingungen, unter denen die provisorische Regierung in Ti­entsin chr Gude erreichen solle, noch.keine endgiltige Vereinbarung getroffen sei. Im weiteren Verlaufe der Debatte stellte der Kolonialminister Chamberlain in Zürssicht, daß die jetzt inSüdafrika gehandhabte Zensur vom Tage der Krönung ab wesentlich g e mildert werden würde. DieTimes" meldet aus Peking vom 20. Juni: Der russische General Wogact hat am 14. Juni Tientsin verlassen, und kehrt nach Rußland zurück; sein Posten ist nutzt wieder besetzt worden.

Haag, 23. Juni. Zeitungsmeldungen zufolge sind Wessels und Staatssekretär Gro bl er gestern abend nach Loudon gereist, vermutlich um den Treueid ab- Iulegen.

Brüssel, 23. Juni. Ein hier eingetroffener Bru­der des Präsidenten Steijn erklärte, die Friedensdoku- mente sollen nach den Kronungsfeierlichkeiten veröffent­licht werden. Steijn jun. versichert, dieBuren hätten jeden Gedanken an einen Rachekrieg aufgegeben, und würden die loyalsten britischen Staatsbürger" wer­den. (??)

Paris, 23. Juni. Der Ausschuß der parlamentari­schen Gruppe des Zuckerindustrre -Departements wurde heute von Finanzminister Rouvier empfangen und trat bei demselben mit Entschiedenheit dafür em, daß die Beistmmung über die Brüsseler Zucker ko nvention von einer Vorlage betr. Steuerermäßigung begleitet werde, durch welche die Zuckersteuer bis zu der soeben von Deutschland und Belgien angenommenen Quote her­abgesetzt werde. Rouvier versprach, die Frage, deren Wich­tigkeit für die französische Zuckerindustrie er vollständig Uuerkeuue, mit größtem Wohlwollen zu prüfen.

Ju politischen Kreisen wird versichert, daß noch vor Ende der Tagung der Kammer derselben ein Antrag auf anderweitige Festsetzung der französi- i'chen Grenze zugehen wird. (?)

' Madrid, 23. Juni. Der Finanzminister beabsichtigt eine allgemeine Revision des Zolltarifs; er wird zunächst eine Umfrage an die Handelskunmern und land­wirtschaftlichen Vereine usw. richten.

Mailand, 23. Juni. Nach derPersevercmza" haben Vie Dreibundstaaten den Zeitpunkt zur Eröffnung der Verhandlungen über die Erneuerung der Han­delsverträge auf den nächsten Herbst festgesetzt. Bis dahin dürfte der Ausgleich zwischen Oesterreich uudUngarn vereinbart und derautonomedeutsche Tarif sertiggestellt sein. (??) Ta die Besprechungen jedenfalls geraume Zeit in Anspruch nehmen werden, sind die bestehenden Verträge bis Jahresschluß 1904 ver­längert worden. Während der Parlamentsferien be­absichtigt die italienische Regierung ihre Bevollmächtigten für die Zentralmächte und die Schweiz zu ernennen.

Laibach, 23. Juni. Im Landtage erklärte der liberale Slovene Ferjancic gegen Schusterschitz, er, Fer- jancic, sei außer der Tour zum Oberlandesgericht s- ra t avanciert. Seine Partei stehe rein da. während an der Spitze der flovenischen Klerikalen Schusterschitz stehe, von dem gerichtlich festgestellt wurde, daß er b e s ch mu tz t e Hände habe. In diesem Augenblicke stürzte Schusterschitz gegen die Bänke der Liberalen und stießmitgeballten Händen Schimpfworte wie Judasse, Gauner aus. Der Landeshauptmann verließ seinen Sitz und stellte sich zwischen Schusterschitz und Ferjancic, und suchte zu verhindern, daß die beiderseitigen Parteigänger handgreif­lich wurden. Da Schusterschitz fortlärmte, und dem Abg. Ferjancic unter fortwährenden beleidigenden Zurufen ein Aktenstück ins Gesicht warf, erklärte der Landes­hauptmann, daß er angesichts solcher Vorkommnisse nicht weiter präsidiere und die Sitzung schließe. (Andauernder Lärm.)

Lemberg, 23. Juni. Der galizische Landtag versagte mit allen gegen drei Stimmen dem Anträge Stapinsli, der eine Protestkundgebung gegen die Haltung des deutschen Kaisers zu den preußi­schen Polen bilden sollte, seine Unterstützung. Ter Antrag gelangt daher nicht zur Verhandlung.

Belgrad, 23. Juni. Aus Ueskueb wird gemeldet: Ein Polizeibeamter erschien gestern im russischen Konsulate mit der Bitte um Schutz, dachn derChefderGeheim- polizei, Derwischbeg, verfolge. Als chm der Schutz verweigert wurde, erklärte er dem Beamten, das Konsulat lebendig nicht verlassen zu wollen. Man berief Terwischbeg, damit dieser den Beamten zum Verlassen des Konsulats bewege. Dieser erschien und blieb allein mit dem Beamten im Zimmer. Nach einem kurzen Wortwechsel zog dieser einen Revolver und gab mehrereSchüsse auf Terwisch­beg ab, der kurz darauf im Konsulate verschied.

Sofia, 23. Juni. Wie verlautet, wird der russische Botschafter in Konstantinopel bereits in allernächster Zmt geeignete Schritte unternehmen, damit der Sultan seine Einwilligung zur Erhebung Bulgariens zum König­reich erteilt. Von den anderen Signatarmächten wird erwartet, daß von denselben kein prinzipieller Einwand erhoben werden wird.

Peking, 22. Juni. T-er amerikanische Missionar Canright telegraphiert aus Tschengtu (Provinz Sztschwan), daß die Methodist en kapelle zerstört und zehn Christen getötet wurden. Tie Boxerbewegung breite sich dort aus.

Heer und Florte.

Zum General-Inspekteur der Fuß- Artillerie ist für den in den Ruhestand getretenen General iÄrler v. d. Planitz ein Offizier ernannt worden, der vorher noch niemals der Artrllerieangehört hat, Gen.-Lt. v. Perbandt, bisher Kommandeur der 25. (großh. Hess.) Division in Darmstadt. Georg v. Per­bandt, der am L September 1845 geboren ist, ist 1866 beim 4. Gd.-Regt. z. F. ein getreten und am 9. Februar 1867 zum Leutnant befördert worden. Schon 1868 wurde er als Bataillonsadjutant und im Kriege gegen Frankreich Regimentsadjutant. 1872 wurde er noch vor seiner Be­förderung zum Oberleutnant unter Versetzung zum 3. Gd.- Regt. Adjutant der 4. Gd.-Jnf.-Brigade. 1875 wurde er dem Generalstab aggregiert, und am 18. Mai 1876 nach zehnjähriger Dienstzeit als Hauptmann in den großen Generalstab versetzt. 1877 kam er zum Generalstab des XL Armeekorps und 1880 zu dem der 5. Division Nach­dem er ein Jahr Konrp.-Chef im 73. Jnf.-Regt. gewesen war, wurde er im Dezember 1883 in den großen General- stab zurückversetzt, in dem er im April 1884 zum Atajor aufrückte. Bald darauf kam er zum Generalstab des XIV. Korps, bei dem er vier Jahre blieb, um dann zum Stabe der 3. Armee-Inspektion zu kommen. Am 24. März 1890

wurde er Oberstleutnant und Chef der 4. Abteilung im großen Generalstab, später auch Lehrer an der Kriegsakade­mie. Nachdem er im Januar 1893 Oberst geworden war, wurde er im Juni desselben Jahres Kommandeur des 110. Regts. in Mannheim, von wo er am 18. Juli 1896 als Gen.-Major und Kommandeur der 62. Jnf.-Brigade nach Hagenau kam. Seit 27. Januar 1900 war er Gen.-Lt. und Kommandeur der hessischen Tivision. Zu seinem Nach­folger in dieser Stellung ist der bisherige Inspekteur der Kriegsschulen, Gen.-Lt. Frhr. v. Gall, der Sohn eines hessischen Kammerherrn, ernannt worden. Karl Frhr. v. Gall, der am 5. November 1847 geboren, ist am 16. Juni 1866 Leutnant bei der großh. hessischen Infanterie geworden, und am 1. Januar 1872 mit den hessischen Trup­pen als Oberleutnant beim 118. Jnf.-Regt. in den Ver­band der preußischen Armee übernommen worhen. 1882 kam er als Komp.-Chef in das Gd.-Füs.-Regt. und 1887 wurde er Kommandeur der llnteroff.-Schule in Weilburg und bald darauf Major. Im Juli 1892 wurde er, nach­dem er drei Jahre Bataillonskommandeur beim 62. Jnf.- Regt. in Kosel gewesen war, Direktor der Kriegsschule in Metz und im Oktober 1895 Inspekteur der militärischen Strafanstalten. Am 17. Februar 1897 wurde er zum Kom­mandeur des 58. Jnf.-Regts. in Glogau, am 22. Mai 1899 zum Gen.-M.ajor und Kommandeur der 60. Jnf.-Brigade in Straßburg und am 16. Juni 1900 zum Inspekteur der Kriegs scyuleri ernannt Gen.-Lt. ist er seit 3. April 1902.

Aus dem Militärwochenblatt: Naumann, Major z. D, Kommandeur des Landw.-Bezirks Mainz, der Charakter als Oberrstlt. verliehen. Frhr. Treu sch von Buttlar-Brandenfels, Hauptmann im Generalstabe des 18. Armeekorps, mit dem 25. d. M. als Rittmeister und Eskadr.-Chef in das Trag.-Regt v. Arnim (2. Brandenburg.) Nr. 12, Dihle, Hauptmann im großen Generalstabe, mit dem 25. d. M. in den Generalstab des 18. Armeekorps versetzt. Jebens, Lt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, für die Zeit vom Schlüsse der Kriegs­akademie bis zum Zusammentritt der Uebungsflotte auf ein Schiss des 1. Geschwaders nach Anordnung des Chefs des 1. Geschwaders für die Zeit vom Zusammentritt der Uebungsflotte bis zum Schlüsse der Hebung zur 1. Matrosen­art-Abteil. kommandiert. Ugterofsizier v. Boeltzig im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Fähnrich befördert. Vicefeldwebel Braun (Marburg) zum Leutnant der Res. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 befördert

Budapest, 23. Juni. Tie Meldung, daß ein Prinz vonBattenberg von venezolanischen Truppen getötet worden sei, erweist sich als ein Irrtum. Der in Rede stehende Offizier ist nach einem an seinen .Vater gelangten Schreiben ein Sohn des früheren ungarischen Abg. Biasini, der 1894 nach Columbien auswanderte, in der dortigen Armee die Stelle eines Generalstabs-Oberst bekleidete und den Namen Batember Biasini annahm. Oberst Biasini ist nur leicht verwundet

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Juni 1902.

** Universitätsfestlichkeiteu. Am 1. Jüli wird ,wie wir schon meldeten, vorm. 111/4 Uhr das Jahres- sest der Universität in der großen Aula gefeiert Das Programm bringt uns: 1. Kriegsmarsch. der Priester aus Athalia" von Mendelssohn, 2. Psalm 23Gott ist mein Hirt" von F. Schubert, 3. Festrede des Rektors, 4.Tie Himmel erzählen die Ehre Gottes" ausdie Schöpfung von I. Haydn, und 5. Marsch ausHerakles" von Händel. Am 2. Juli findet dann das, von der Stadt Gießen ver­anstaltete Universitätsfest zur Feier der Jm,- matrikulation d.es tausendsten Studenten unserer Hochschule, und zwar als ein Waldfeft int Philo­sophenwalde statt. Tas genaue Programm ist in dem In­seratenteil der heutigen Nummer desGieß. Anz." zu finden.

** Ein Fahrradmarder wurde gestern nachmittag dingfest gemacht Ein fremder Handlungsgehilfe entlieh sich in einer hiesigen Wirtschaft von einem Arbeiter ein Fahrrad, um damit einigemal Die Straße auf und ab zu fahren, verschwand jedoch mit dem Fahrrad und bot es in einer anderen Wirtschaft zum Berkaus an. Er wurde verhaftet. Tas Fahrrad könnte dem Eigentümer wieder zugestellt werden.

** Furch tlose Böget Man schreibt uns aus unserem Leserkreise: Als ich heute morgen meine Spazier­fahrt zwischen 5 und 6 Uhr um unsere schönen Anlagen machte, bemerkte ich plötzlich vor dem Justizgebäude in Der Dftanlage auf dem Wege eine Ams elf amilie sitzeri; ich stieg ab, nahm mein Frühstück heraus, zerkleinerte einen Teil und gab es den jungen Vöglein . Sie hüpften auf meine Hand und fraßen das Brot mit Begier. Obgleich sie schon fliegen konnten, fürchteten sie sich ober nicht und blieben ruhig sitzen. Wahrscheinlich ist der Hunger die Ver­anlassung zu dieser Furchtlosigkeit gewesen.

() Reiskirchen, 23. Juni. Tas heutige Fahnen- w e i h f e st unseres GesangvereinsHarmonie" nahm einen schönen Verlauf. Im Fe ft zu g e, eröffnet von Festteitern, Radfahrern und Festjungsrauen, schritten 26 Gesang-Ver­eine und einige Kriegervereine. Aus dem recht trocken und sehr schön gelegenen Festplatze an der Gießener Land­straße begrüßte Der Präsident Jünger Sänger und Fest­gäste. Danach hielt Pfarrer Gombel die Festrede, in toarmen Worten die Bedeutung des deutschen Liedes und Gesanges schildernd. Es folgten dann eine Reihe von Gesängen, und nach deren Beendigung begann der Tanz. Tie zwei großen Tanzböden vermochten kaum alle Tanz­lustigen zu fassen. Erst der hereinbrechende Abend, an dem viele Vereine wieder den Festplatz verließen, lichtete die Reihen.

0H 0 h e r 0 d s kop s, 22. Juni. Heute sand hier die Generalversammlung mit Gesamt-Ausflug aller Vereine des Vogelsberger Sängerbundes statt. Sämtliche zum Bund gehörige Vereine waren erschienen, mit Ausnahme des Vereins Bermuthshain, welcher keinen Dirigenten hat. Obwohl morgens die Witterung etwas trüb und kühl war, so llärte sich doch der Himmel gegen Mittag auf und zeigte ein freundlicheres Gesicht. Alle »Vereine kamen mittags 1 Uhr an der Oberwaldstraße in der Nähe des Taufsteins zusammen. Von dort bewegte sich der Fe stzu g mit Musik nach dem Klubhaus am Hvhcrodskopf. Tort hielt der Präsident des Bundes Schäddel von Altenschlirf eine kernige Ansprache, die Ziele und Zwecke des gemeinsamen Bundes erklärend, die mit einem drei- fachen Hoch aus d en Kaiser und den Großherzog schloß Das Fest selbst nahm einen ungestörten und heiteren Verlaus.

m-x. Hersseld a. d. Fulda, 23. Juni. Vom schönsten Wetter begünstigt hielt am Sonntag der hessische Ath­leten-Verband seinen vierten Verbandswettsttell hier ab. Nach vorausgegangeuem Kommers am Samstagabend

begann am Sonntagmorgen Der Wettkampf. Es waren 123 Konkurrenten aus allen Vereinen des Verbandes erschienen. Von den Mitgliedern des 1. Gießener Stemm- und Ring- Klubs erhielten Joseph Stein den 5. Preis und Wilh. Schwaner den 6. Preis, Emil Simon den 7., Aug. H ä g e l e den 14., Herrn. Lorenz Den 18. Preis. Im Ringen 1. Klasse erhielt Joseph Stein Den 4. Preis. Im Ringen 3. Klasse AD. SchmiD t Den 7. unD Herrn. Lorenz Den 8. Preis. Im Steinstoßen Der 1. Klasse erhielten Stein Den 5. unD Schwaner Den 8 .Preis. Im Steinstoßen der 3. Klasse erhielten AD .SchmiDt Den 1., Lorenz Den 7. unD Eckenfels Den 9. Preis. Im Meistersch astsstemmeu von Hessen erhielt Joseph Stein unter 14 Bewerber die 2. Meisterschaft von Hessen.

Vermischtes.

* M ü n st e r, 23. Juni. In Lienen tour De eine jugend­liche DoppelmörDerin feffcgenommen, welche ihr zur Beaufsichtigung anvertraute KinDer ertränkt hatte.

* P a r i s, 24. Juni. Dem Direktor Der Versicherungs­gesellschaftCaisse Generale Des Familles", Deren gesetz­mäßiger Reservefonds einen Fehlbettag von 24 Millionen Francs aufweisen soll, ist ein Dekret Des PräsiDertten Der Republik zugestellt worDen, wonach Die Der genannten Gesellschaft am 1. Oktober 1858 erteilte Ermächtigung zum Geschäftsbetriebe zurückgezogen toirD. Tie Blätter melden. Der Aufsichtsrat Der Gesellschaft habe Die Agenten in Der Provinz unD im AuslanDe angewiesen, Die Zahlungen und Einziehungen von Geldern einzustellen. Tie Direktion der Caisse erklärt in einem Rundschreiben an die Versicherten und ihre Vertreter, daß sie von heute an ihre Zahlungen suspendiere und Daß sie nicht in Der Lage sei, jetzt zu bestimmen, unter welchen Bedingunaen Die Polizen der Gesellschaft infolge der gerichtlichen Liquidierung geregelt werden würden.

* Fünfkirchen, 24. Juni. Infolge einer Acety­lenexplosion im Zirkus Enderß entstand eine Panik im Publikum. Vier Personen wurden verletzt.

* Kaiser Wilhelm II. hat beim letzten Armee- Rennen in heiterster Laune erzählt, er sei eines Tages von jemand mitExcellen z" angeredet worden und habe geantwortet:Excellenz war ich nie, ich bin vom General­major sofort König geworden." Tas erinnert an ein ähn­liches Vorkommnis, das vor Jahren bei der Hoftafel in Friedrichshafen vor sich ging. Ein höherer Beamter, der sich kurz vorher mit Excellenz v. Mittnacht unterhallen hatte, redete, von König Kar l an gesprochen, diesen mehr­fach mit ^cellenz an. Tarauf sagte Der König:Sie er­weisen mir eine ganz besondere Ehre, daß Sie mich immer als Excellenz ansprechen; das Prädikat Excellenz (leichte Verbeugung an den nebenstehenden Ministerpräsi­denten v. Mittnacht) wird nur durch eigenes be- sonderes Verdienst erworben."

* Gras Pückler-Klein-Tschirne hat auch Dem Vor­sitz en D en »Des Glogauer Gerichtshofes eine ForDerung auf Pistolen zugesandt. Sellens des Landratsamts ist übrigens bei der Landesregierung bereits am Samstag die Unterbringung des Grafen in einer Irrenanstalt zur Beobachtung seines Geisteszustandes beantragt worden.

* Ein komischer Kauz. Neber Freiherrn bot Münch erzählt DieWürtt. Volksztg." folgende sellsame Geschichte: Bekanntlich darf sich Frhr. v. Münch auf Ver­fügung des Ministeriums des Innern nur in Begleitung eines Jrrenwärters in Württemberg aufhalten. 'Nun hat bei Der Anwesenheit Des Freiherrn v. Münch auf seinem Schlosse Mühringen ein ihn begleitender Jrrenwärter ein zärtliches Verhältnis mit der Köchin des Schloßherrn an- gefangen. Freiherr v. Münch hat daraufhin beim Staats- minifterium gegen den Minister 0. Pischek An­zeige wegen Kuppelei erstattet!

* Tie verhängnisvolle Erbsensuppe. Wie. aus Agram gemeldet wird, haben Dort vier Personen, Die im Schillinge^ chen Gasthause von einer mit Arsenik ver­gifteten Erbsensuppe gegessen hatten, Den ToD gefunDem Tie Gattin des Gastwirts Schillinger wurde verhaftet.

Univerfitüls-Aachrichtrn.

Marburg, 23. Juni. Die hiesige theologische Fa­kultät hat den Generalsuperincendent Lohr in Kassel und den Liz. theol. Sardemann, Den verdienten Leiter des' hessischen Diakonissenhauses, zu Ehrendoktoren der Theo­logie ernannt. Am gestrigen Tage hatten sich zwei Mit­glieder der Fakullät, Der derzeitige Tekon Pros. D Budde und Konsistorialrat Prof. D. Achelis nach Kassel begeben^ um die Dottordiplome zu überreichen.

Kunst und Kiijjrnschast.

Das Defizit Der Darmstädter Ausstellung. Prof. C h r i st 1 a n s e n soll in Der letzten Versammlung Der Garantiezeichner, in Der Den Künstlern nach Feststellung Der Zahlungsquote von 96 Proz. Der Garantie vorgehallen wurDe, daß nicht Den Geschäftsführer Deiters allein die Schuld an Dem Defizit treffe, erklärt haben:Rian muß zugeben. Daß manchmal unüberlegt gehandelt wurDe, Doch b i 11 e n wir Deshalb um E n t s ch u l D i g u n g!"

Gerichtssaal.

a.Marburg,23. Juni. Der Kaufmann Karl Breid en- stein aus BieDenkops, Der unter Der Anklage eines Sittlich« keitsverbrechens heute vor Den Geschworenen erschien, tour De freigesprochen. .

Berlin, 23. Juni. ProzeßSanden. In Der heutigen Sitzung stellte Staatsanwalt B e e ck u. a. Durch Beilagen Der An­geklagten Sanden und Warsinski fest, Daß Diese einmal ge­meinschaftlich ein Grnndstücksaeschäft in Berlin unD RrxDorf ge­macht unD aus Diesem Geschäft einen Gewinn von je 230000 Mk. aus Der G r u n D s ch u l D b a n k heraus­genommen haben. Bücherrevisor Huschte hat aus Den Prwat- büchern Des EDuarD SanDen Die Privateinnahmen Desselben fest- gestellt. Danach betrugen Diese im Jahre 1895 186 000 Mk., int Jahre 1896 203000 Mk. Der Angeklagte ED. SchmiDt teilt auf die Frage Des Präsidenten, wie hoch sich Das Vermögen seiner Frair beziffert habe, mit, es habe sich auf 45 Mill. Mk. beziffett. Sein Gebalt habe 36 000 Mk., feine Repräsentations­gel D e r 40000 Mk. betragen. Aus verschieDenen Aussichtsrats­stellen habe er ein Einkommen von etwa 50 000 Mk. gehabt. EnDe 1900 fei Die Firma Anhalt u. Wagner nicht mehr im stände ge­wesen, ihre Verbindlichkeiten zu erfüllen und seitdem besinde sie sich in ^iauidation. ____

Landwirtschaft.

Hagel sch lag in Hessen. Nach, Den Mitteilungen für Landesstcllistll' tourben im Großherzogtum Hessen im Jahre 1901 52 Gemarkungen von Hagelschlag betroffen und zwar insgesamt eine Fläche von 5921 Hektar. Geschädigt wurde Dabei eine Fläche von 3591 Hell ar. Der Schaben wurDe auf 162 439 Mk. veranschlagt. Versichert waren vou