Nr. 70
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Erstes Blatt. 1 SÄ. Jahrgang Montag 24. März LOOK
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Amts- Md Anzelgeblatt für den Kreis Gießen
zeigenteil: Hans Beck.
SietzenerAnzeiger
** General-Anzeiger w
Nolitische Wochenschau.
3m Reiche ist es still geworden auf dem Gebiete der Politik, die Osterstimmung fordert ihre Rechte. Die hessischen Oandboten dagegen stehen im Begriff, unmittelbar vor dem Feste noch für ein paar Tage sich zu versammeln zu emsiger Arbeit, nachdem sie bereits für eine Reihe von schönen Tagen ^u ihren heimischen Penaten zurückgekehrt waren, wo Jte die häusliche Beschaulichkeit pflegen konnten. Sie werden morgen uni> übermorgen das an Redelust bisher vielleicht Versäumte nun schleunigst xva&y holen. Man wird außer über den Voranschlag der zweiten Kammer für 1902/03, der noch nachträglich auf die Tagesordnung der morgigen Jubiläums-, oer h u n d e r t st e n Sitzung, gesetzt worden ist, vor allem über die G e t r e i d e- zölle sunsere Regierung sich äußern hören. In der Presse bewegte man sich inzwischen immer noch in bunter Abwechselung zwischen Furcht und Hoffnung einher, die offiziösen Organe des Reiches aber schweigen und warten ab, wie der Hase, nachdem er so weit gekommen ist, ferner läuft. Ihr Herr und Meister, der Reichskanzler Graf Bülow, ist am Samstag bereits nach Venedig abgereist, wo er im vorigen Jahre mit dem italienischen Ministerpräsidenten Zanardelli zusammentraf. In den letzten Tagen hatte der Graf längere Besprechungen mit fremden Botschafterin Ministern und Staatssekretären, darunter auch mit dem aus Amerika zurückgekehrten Staatssekretär v. Tirpitz. Die „Nat.-Ztg." bezeichnet die Meldung, wonach der Reichskanzler sich nach Wien und Nom begeben sollte, um Verhandlungen wegen der Erneuerung des Dreibundes zu führen, als Phantasie.
Einzelne Blätter wollten wissen, die Reichsregierung habe, ohne das Ergebnis der Beratungen abzuwarten, die Han delsvertragsverhandlungen mit den benachbarten Staaten bereits begonnen, und es sei ein allseitiges Einverständnis dabei erzielt worden; es stellte sich aber bald heraus, daß diese Meldung den Thatsachcn weit vorauseilte. Die neuerlichen Feststellungen, daß die wirtschaftliche Konjunktur sich, wenn auch langsanr, wieder zu heben beginnt und allenthalben eine Ausgleichung der Nachfrage mit dem Angebot sich bemerkbar macht, snrd Beweis dafür, daß die Verträge auch heute noch ihre Wirkung nicht versagen, sofern nur halbwegs die Gewähr für stabile Pwduk- Lions- und Absatzverhältnisse gegeben ist.
Der Besuch des heimgekehrten Prinzen Heinrich in Amerika hat zur Festigung des Vertrauens wieder beigetragen Der deutsche Botschafter in Washington hat das rund heraus erklärt, und die Textilindustrie, die einen Hauptanteil an dem Export nach dem Westen trägt, vermag es zu bestätigen. Insofern hat die Amerikareise also doch einen praktischen Nutzen gestiftet. Der ideelle tritt vielleicht — wenigstens hoffen wir das — später auch noch in die Erscheinung. Die Weltlage ist ganz dazu angethan, den Wert der Freundschaft zwischen zwei Völkern zu erhöhen, selbst wenn diese Freundschaft nicht durch Brief und Siegel verbürgt ist. Hat doch eben erst wieder Rußland gemeinsam mit Frankreich gezeigt, daß es gerüstet zu sein gedenkt, toeim der Augenblick da ist, der die Auseinandersetzung über die Vorherrschaft im Osten unter den Atächten bringen muß. Dem englisch-japanischen Bunde ist ein russisch-französischer Bund mit Bezug auf China gegenübergetreten und man sollte eigentlich, da solchergestalt die Interessen von vier in Ostasien beteiligten Mächten sich o.sfenbart haben, meinen, daß die zwei noch allein stehenden Diächte, Deutschland und Amerika, sich ebenfalls zusammensinden müßten. Vielleicht fördert die Zeit diese Jdeengemeinschast noch und so den Weltfrieden, den aufrecht zu erhalten schließlich allenthalben das gletdhe Interesse besteht.
Daß Italien neuerdings Gelüste zeigt, die lange schon vorbereitete Annexion von Tripolis endlich auszuführen und dem Verlauten nach bereits Vorbereitungen dazu trifft, wird von keinerlei Einfluß aus die Konstellation sein, weil 'diese Annektierung mit Vorwissen der zunächst beteiligten Mächte, Englands und Frankreichs, geschieht.
Der südafrikanischeKrieg aber wird jetzt bereits leider so sehr als Privatsache Englands betrachtet, daß keine Regierung Neigung verspürt, sich Skrupeln zu machen, was aus den Buren wird. Diese batten denn auch nur noch aus sich selbst und haben bisher den Mut noch nicht verloren, viel weniger die Hoffnung, den Krieg doch noch zu einem für sie und chr Land günstigen Ende zu führen. Die Reise des englischen Feldmarschalls Wolseley nach Südafrika deutet, trotz aller Redensarten von dessen „rein privaten" Absichten, fast daraus hin, daß die Hoffnung nicht unberechtigt ist. Bemerkenswert ist, zur Beurteilung englischer Siegesdepeschen, daß, wie aus Burenquellen mitgeteilt wird, die Verluste der Buren bei der Einnahme der Veste Jtala im ganzen 20 Tote und 37 Verwundete betrugen, während Kitchener seinerzeit meldete, die Buren hätten 200 Tote und 300 Verwundete gehabt. Ebenso hätten die Buren bei der Zerstörung der Kolonne Benson nur 13 Tote und 40 Verwundete gehabt, während Kitchener von 54 Loten und 100 Vcrwurcdeten berichtet hatte!
In China gährt es allerdings auch wieder bedenklich und der Telegraph weiß von blutigen Schlachten zu berichten, die zwischen Aufständischen und kaiserlichen Truppen geschlagen und zu Ungunsten der letzteren ausgefallen sind und die Stadt Kantschou in Kwantsung in die Hände der Rebellierenden gebracht haben. Aber zunächst liegt für die Mächte noch keine Veranlassung vor, sich da hineinzumischen, wie wir überhaupt auf dem Standpunkt stehen, daß der amerikanische Vorschlag, der chinesischen Regierung internationale Truppen zur Niederwerfung des Aufstandes zur Verfügung zu stellen, durchaus voreilig, nicht nur, sondern gänzlich uvdiskutabÄ war. Ohne zwingende Not sollte man
sich nicht in die inneren Verhältnisse des Riesenreiches mischen, vielmehr darnach streben, die Lasten, die durch die vorjährigen Ereignisse auferlegt worden sind, möglichst bald abzuschütteln. Das wäre für die an der verflossenen ostasiatischen Expedition beteiligt gewesenen Länder auch eine Art Auferstehung, eine Erlösung von Sorgen und allerlei sonstigem Ungemach, für die Völker ein politisches Ostern, wie's besser raum zu wünschen.
Nolitische Tagesschau.
Hessisch-Thüringische Staatslotterie.
Die Verhandlungen zwischen Hessen und den zehn Staaten, die zusammen Unternehmer der Thüringisch - Anhaltischen Staatslotterie sind, sind, wie uns die „Dresd. Nachr." mitteilen, zum Abschlüsse gelangt und haben zur Errichtung einer gemeinschaftlichen Lotterie unter dem Nainen Hessisch- Thüringische Staatslotterie und unter dem Direktorat des Organisators der hessischen Landeslotterie, Geh. Finanzrat Dr. Götz, mit Beibehaltung des Sitzes der letzteren, Darmstadt, geführt. Diese Vereinigung bedeutet für das Lotteriewesen in Deutschland einen Fortschritt, darf sie doch, wie erst kürzlich (1. März) im preußischen Abgeordnetenhause ausgeführt worden ist, nach bereits vorher erlangtem Anschluß von Oldenburg als ein weiterer wichtiger Schritt zur Beseitigung der übergroßen Lotteriekonkurrenz und sonstiger Lotteriemißstände angesehen werden. Denn es wird nunmehr eher gelingen, wenigstens die drei größten mit großen eigenen Absatzgebieten versehenen Lotteriestaaten Preußen, Sachsen und Hessen-Thüringen zu der angestrebten gegenseitigen Loszulassung unter der Bedingung gleicher liberaler Betriebsbedingungen zu gewinnen, als es bisher möglich gewesen wäre. Eine solche sogenannte Lotteriesreizügigkeit verbunden mit dem Ausschlüsse weiterer Losvermehrungen und gesetzlichen Vertriebs- und Spielverboten allen anderen Lotterien gegenüber würde Absatzschwierigkeiten erleidigen. Wie dem genannten sächs. Blatte mitgeteilt worden ist, ist die Erreichung einer solchen Lotteriefreizügigkeit durch eine gemeinsame Lotteriegesetzgebung der drei genannten Staaten das nächste Ziel des Direktors der nenen Gemeinschaftslotterie. Derselbe scheint eine glückliche Hand zu haben. Die im Jahre 1900 von ihm errichtete hessische Landeslotterie hat sich nach nur viermaliger Ausspielung von 33 000 Losen zur demnächst beginnenden 5. Lotterie schon auf 55 000 Lose erweitert und damit den Beweis für die Vortrefflichkeit ihrer Einrichtung erbracht. Kommt es zur Lotteriesreizügigkeit m Bezug auf die obengenannten drei Staatslotterien, so würden die Spicllustigen in dem alsdann in Frage kommenden Absatzgebiet die Wahl zwischen drei sehr verschiedenartig eingerichteten Lotterien haben. Die preußische spielt vier Klassen, die sächsische fünf Klassen, die hessische Lotterie sechs Klassen aus. Die ersteren beiden spielen unter dem Stichwort: Jedes zweite Los gewinnt, die hessische hat den Grundsatz zum Motto gewählt: Wer spielt, will mehr als den Einsatz gewinnen, darum bietet sie mehr wirkliche und weniger Ginsatz- gewinne. Bei einer solchen Lotteriesreizügigkeit der genannten drei Staaten würden die verschiedenartigen Wünsche und Bedürfnisse in vielseitiger Weise besriedigt, was bei der von manchen Theoretikern gewünschten Einrichtung einer Reichslotterie nicht'möglich sein würde.
Eine Badegeschichte.
In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 15. d. M. trug der polnische Abg. v. Czarlinski eine Badegeschichte vor, die geeignet ist, das größte Aufsehen zu erregen. Rach dem stenographischen Bericht äußerte der genannte Herr:
„Bei Pleschen hat die Mühlenbesitzerin Frau Jonas eine Badeeinrichtung eröffnet mit der Anordnung, daß bis Mittag Frauen und nachnüttags Männer baden sollen. Eines Sonntags des verflossenen Jahres begaben sich drei junge Damen mit höherer Biidung und aus den besseren Ständen der dortigen Stadt nach der Muhle, um zu baden. Ein paar Minuten nach 12 Uhr kam nun der Kreisschulinspektor Neuendorf mit seinem Sohn, der vor kurzem das Abiturientenexamen gemacht haben soll, und unwillig darüber, daß die Badebude noch verschlossen war, brach er sie mit Gewalt aus, nahm dieKleidungs stücke der jungenDamen undb rächte sie auf eine unweit gelegene Wiese, so daß diese armen Wesen genötigt waren, in dem K o st ü m der Stammmutter des menschlichen Geschlechts bei den Herren v o r ü b e r z u g c h e n u n d u n t e r f r e i e m H i m m e l sich a n z u k l e i d e n. So viel mir bekannt ist aus dem Brief meines Gewährsmannes, hat zum mindesten ein Vater dieser jungen Damen eine Beschwerde bei der Negierung eingereicht. Aber die Regierung war äußerst human; sie schickte einen Kommissar, um die Z u r ü ckz i e h u n g der Sache zu bewirken, und der Kreisschulinspektor soll heute noch an Ort und Stelle sein. Wenn cs daraus ankommt, kann ich die Namen nennen; ich thue es nur nicht mit Rücksicht auf die Damen, denen es gewiß heute noch unangenehm ist, daß so etwas in die Welt gelangt ist."
Die preuß. Regierung wird nun wohl die Sache nochmals untersuchen müssen.
Juden als Landwirte.
In diesen Tagen hielt in Berlin Dr. Ernst Tuch, der Generalsekretär des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unterdenJuden Deutschlands einen Vortrcrg über die Bestrebungen und Ziele des Vereins. Der Redner betonte hauptsächlich, daß die moderne Judenfrage vornehmlich als eine mirtschaftliche Frage zu betrachten, und daß mithin auch ihre Lösung
mit wirtschaftlichen Mitteln zu erstreben sei. Der kaufmännische Mittelstand dem die Juden auch heute noch in überwiegender Majorität angehören, werde durch “ die moderne Entwickelung, so zum Beispiel durch die erhebliche Erleichterung des Verkehrs, die täglich wachsende Zahl der Konsumvereine, das Emporsprießen gewaltiger Waren- bäuser und Riesenbazare, außerordentlich bedrängt. Alle diese Faktoren hätten das gemeinsame Ziel, Produzenten und Konsumenten in unmittelbaren Konnex mit einander zu bringen und den Zwischenhändler auszuschalten. Daher müsse der Kaufmannsstand entlastet werden. Für die Juden aber fönte noch die besondere Zwangslage, in welche sie durch die antisemitische Bewegung versetzt werden, hinzu. Es müßten daher neue Erwerbszweige gesucht werden. Nach eingehender Darlegung d:r verschiedenes Berufe kam der Redner zu dem Schluß, daß aus-- schließlich die Landwirtschaft in der Lage sei, größere Massen der Juden auf zu nehmen. Alle Einwände, welche hiergegen erhoben werden, und die sich entweder aus die vielfach als prekär angesehene Lage der deutschen Landwirtschaft oder auf die mangelnde Befähigung und Neigung der Juden für diesen Beruf stützen, wurden als nicht stichhaltig nachgewiesen. Als die Folge der Schaffung eines starken jüdischen Bauern- st a m m e s in Deutschland wurde außer der Unschädlichmachung des Antisemitismus die physische Kräftigung, die Stärkung des Selbstbewußtseins und vor allem die Hebung der sozialen Lage der Gesamtjudenheit Deutschlands hervorgehoben. Nach diesen theoretischen Darlegungen ging der Redner aus die Thätigkeit des BodenkulturvereinZ über. Dieser zähle bereits über 1200 Mitglieder. Auf dem von der Bodenllrlturgesellschast erworbenen Gute Neuhof bei Posen werde der Verein jüdische Eleven praktisch in der Landwirtschaft ausbilden, um sie dann als selbstständige Bauern anzusiedeln.
Der Tabakkrieg in England
spitzt sich zwischen den beiden kriegführenden Gruppen, den englischen, zur Imperial Tobacco Company zusammengetretenen Groß-Fabrikanten und den Amerikanern, die einen Trust zur „Eroberung Englands" gebildet hatten, immer schärfer zu. Auf beiden Seiten wird mit nach Millionen zählendem Kapital gearbeitet und auf beiden Seiten buhlt man um die Gunst des Publikums und der Detaillisten, die natürlich nicht umsonst zu haben ist. Die Imperial Compagny spekuliert auch auf die eingerissene imperialistische Strömung und den Patriotismus des rauchenden Teiles des britischen Volks und rief um „Unterstützung der britischen Industrie". Beim Publikum und bei den Tabakverschleißern versing aber dieser Zuruf um so weniger, als die Amerikaner darauft hinwiesen, daß sie in ihren auf englischem Boden errichteten Fabriken, die von englischen Arbeitern und mit englischem Baumaterial gebaut wurden, in England verzollten Tabak von englischen Arbeitern verarbeiten lassen. Tie Raucher blieben dabei, zu rauchen, was ihrer Tasche und ihrem Geschmack am besten behagte. Es begann nun die Preisschneiderei. Man sing an, sich gegenseitig zu unterbieten. Die Amerikaner setzten ihre Preise gleich um 25 bis 40 Prozent herab, und die Engländer mußten Schritt halten. Das rauchende Publikum hatte natürlich nichts dagegen einzuwendcn, die Verschleißer aber sanden, da der Umsatz nahezu derselbe blieb, daß sich ihre Brutto-Einnahme und damit ihr Gewinn verminderte. Sie wurden unzufrieden und jetzt begann die Konkurrenz zwischen den beiden feindlichen Lagern auf dem Gebiete der Einräumung besserer Bezugs- und Verkaufs-Bedingungen. Die Amerikaner waren auch da der „Imperial Company" überlegen und die letztere entschloß sich nun, die Detailiften für sich zu gewinnen und für die Erzeugnisse der englischen Fabrikanten ein Monopol zu schassen. Den Verschleißern wurde ein Anteil am Reingewinn von 50 000 Pfund Sterling in Baar in Aussicht gestellt, falls sie sich verpflichten sollten, nur Tabake, Zigarren und Zigaretten der zum Verbände der Imperial Compagny gehörenden Fabrikanten zu verkaufen und die amerikanischen Firmen, kurz gesagt, zu boykottieren. Es gelang, die große Firma Salmon u. Glückstein, die in London 150 der größten Läden besitzt, durch Ueberlassung von Aktien der Imperial Company und einen großen Bonus nach Maßgabe des Jahresumsatzes, dafür zu gewinnen. Den Ainerikanern wurde etwas bange und chre leitende Firma, Ogden u. Co. in Liverpool, deren Fabrik die größte in England ist, beautwortet nun den Antrag der Engländer an die Verschleißer damit, daß sie ihnen bezüglich der Bezugsquellen keine Vorschriften macht, ihnen ganz freie Hand läßt, den Verkäufern dec Ogden'schen Tabake und Zigaretten (der beliebtesten Marke unter dem Gros der Raucher) aber die Verteilung eines Bonus von 200 000 Pfund Sterling jährlich nebst dem ganzen Reingewinn der nächsten 4 Jahre, der über 41 000 Pfund Sterling pro Jahr beträgt, in Aussicht stellt! Den 50 000 Pfund Sterling der Imperial Compagny, die an Zwangsbedingungen gebunden sind, stehen somit schon vor einer einzigen, allerdings der größten der drei amerikanischen Firmen über 963 000 Psund Sterling oder annähernd 20 Millionen Mark gegenüber. Publikum und Händler fahren darum bei diesem Tabakkriege nicht schlecht; die Presse auch nicht, da die Konkurrenten ihre Schlachten auch täglich in ganze Seiten füllenden Inseraten schlagen. Alles fragt sich aber, welche Gewinne muß die Tabakindustrie abgeworfen haben, wenn die Fabrikanten jetzt solche Opfer bringen können und dabei noch immer auf einen Gewinn rechnen!


