Ausgabe 
24.1.1902 Drittes Blatt
 
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Heber die Bestrafung des Duells in Eng lau

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TO Rammte, Velvets. B W Man verlange Muster. > Krefeld,

H.--G.-D. ausdrücklich einer solchen Gruppe von Timonäieir, das Recht zuspricht, ,311 verlangen, daß Gegenstände zur Beschlußfassung einer Generalversammlung angekündigt werden." Es besteht keinerlei Berechtigung dafür, daß am Wort­laut der von Aktionären gestellten Anträge eine Censur geübt wird, und zugleich wurden die Rechte auch der anderen Aktionäre beein­trächtigt. indem man ihnen die Gelegenheit voreirthiett, zu dem ge- steUten Anträge rechtzeitig Stellung zu nehmen. Demzufolge kann in der '.kächsten Generalversammlung eine Beschlußfassung nicht er­folgen ; die betr. Aktionäre beabsichtigen aber, ihren Antrag Jahr um Jahr einzubringen, bis er Annahme findet."

mtS einen ehrerbietigen Vorschlag erlauben dürsten, so wäre es der, daß die britische Majestät nun auch noch Sammet unten an den Hosenbeinen anlegt, dann würde bei uns noch manches durchgewetzte Paar, von dem man heute wehmütig singt:Vorüber die Tage der Hosen . . ." wieder mitgehen können.

* Treu bis in den Tod. Um seine Frau, die er irrtümlich für t 0 dt hielt, nicht zu überleben, er­schoß sich der 52 Jahre alte Maler Robert Gcrnhöfer aus Berlin. Seine kranke Frau hatte kurz vorher einen Ohn- niachtsansall gehabt. Gernhöfer aber glaubte, daß sie ge­storben sei, ging, während seine Tochter am Krankenbette blieb, in die Küche und schoß sich aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe. Hausgenossen, die die Tochter zu Hilfe rief, brachten den Schwcrverwundeten mit einer Droschke in ein Krankenhaus, wo er bald nach der Aufnahme verschied.

* König Eduards neueste Modenschöpfung. König Eduard VII. ist in einem schwarzen Ueberrock mit drei Zoll breiten Aermel-Sammetausichlägen erschienen, die von der Innenseite der Acrmel herauskommen. Hunderte, so schreibt ein londoner Morgen blatt, seiner getreuen Untertanen, Männer, die sich gut zu kleiden pflegen, haben Röcke der ge­dachten Art bestellt. Auch wir begrüßen diese Mode von ganzem Herzen, die uns die Möglichkeit giebt, unseren alten Ueberrock weiter zu tragen, da die durchgestoßenen Aermel nun der Sammet liebevoll wie neu umdhen wird. Wenn wir

macht Dr. Weist in seiner Schrift über den französischen Ent­wurf einer Militärstrafprozeßordnung folgende Mitteilung: Das englische Militärrecht stellt die Herausforderung 5uni Zweikampfe gleich dem Versuche eines Selbst­mordes, der als eine militärische Strasthat betrachtet und bestraft wird. Ein Offizier, der einen Selbstmordversuch macht oder zum Duell herausfordert oder sich zum Duell stellt, wird kassiert und wie ein gewöhnlicher Soldat ins Gefängnis gesetzt. Ein Kartellträger ist in gleicher Weise zu strafen. Wenn ein Zweikampf mit dem Todo eines Teiles endete, so werden der Ueb erleb ende und die Sekundanten beider Teile wegen des Verbrechens des (ge­meinen) Mordes verfolgt. (Array Act, part. I. S. 38 ft.)

* Ein Liebesdrama auf der Straße. In Sta­nislav (Galizien) hat sich auf offener Straße ein Liebesdrama abgespielt, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der Obertondukteur der Staatsbahnen, Jasinski, überfiel seine Frau mit einem Revolver und schoß sie nieder, lüorauf er­bte Waffe gegen sich selbst abfeuerte. Tie beiden Ehegatten waren auf der Stelle tobt. Jasinski verübte die Thal aus Eifersucht.

* Ein Universitätsprofessor im Arre st. Man schreibt aus Warschau: Der Professor der Geschichte an der Warschauer Universität, Dr. Korzon, hat vor Jahren eine historische Studie über Coseiuszko veröffentlicht, welche in Rußland verboten wurde. Kürzlich wurde nun bei ihm eine Hausdurchsuchung vorgenommen und ein Eremplar dieser Studie vorgefunden. Vergeblich berief sich der gelehrte Pro­fessor darauf, daß es ihm als Autor doch gestattet sein müsse, ein Exemplar seines eigenen Werkes zu besitzen. Er wurde polizeilich zu 8 Tagen Arrest verurteilt.

Vermischtes.

* Paris, 22. Jan. Wir haben jetzt ein besonderes Beispiel von D it c 11 io u t. Der Seeleutnant Diraison zu Toulon wurde (wie wir bereits meldeten) verabschiedet, weil er in einem Romane,Les Maritimes, die im Seeheer vor­handenen Mißstände geschlldert hat. Doch greift er dabei auch auf das Landheer über, dem einige der fünf Offiziere, von denen er vor die Klinge gefordert wurde, angehören. Der fünfte Zweikampf fand am letzten Sonntag in einem Ort bei Paris statt und war besonders erbittert. Diraison schlug sich mit Jnsanterieofsizier Vidal, der ihm als Fechter überlegen ist. Bei Beginn des Kampfes wurden die Waffen beschädigt. Man mußte zwei Stunden warten, bis Ersatz herbeigeschafft war. Run gingen die Kämpfenden fünfzehnmal auf einander los, schlugen sich eine volle Stunde lang mit der größten Heftigkeit. Diraison erhielt zwei Wunden und hätte beinahe das lintc Auge eingebüßt. Ueberhaupt hat er bei jedem der fünf Duelle Wunden davon getragen und ist unterlegen. Sobald er wieder hergestellt ist, will Vidal den Kampf wieder beginnen. Hinter ihm wartet eine ganze An­zahl Land- und Seeoffiziere, um sich mit Diraison zu schlagen. Kurz, wenn es so fortgeht, wird Diraison sich schlagen müffen, bis er tot oder ein Krüppel ist. Eine solche Erbitterimg gegen einen Mann ist noch nicht dagewesen und zeugt jedenfalls von einer großen Gereiztheit im Heer. Natürlich sagt sich jeder­mann, Diraison müsse seine früheren Kameraden an einer sehr empfindlichen Stelle getroffen haben. Unter den Schattenseiten, die er in seinem Roman beleuchtet, ist der Brod- und Nang- neid die wichtigste. Die Offiziere suchen um jeden Preis auf­zurücken, wobei allerlei Mittel gebraucht werden. Sie sind froh, wenn einer von ihnen durch Tod oder sonstwie aus­scheidet. Mehr Platz für mich, denkt jeder sofort, wenn ein Kamerad fällt oder sonst verunglückt. Diese Duelle bewirken vor der Hand, daß der Roman Diraisons viel genannt und eifrig gekauft wird.

Landwirtschaft.

Die Februartagung der Deutschen Land- Wirtschafts-Gesellschaft wird vom 10. bis 14. Fe­bruar stattfinden. Die ersten beiden Tage, der 10. und 11. Februar, sind im Wesentlichen den Sitzungen der Aus- chüsse gewidmet. Am Mittwoch, den 12. Februar, werden dann neben den Sitzungen der Sonderausschüsse für Mol­kereiausstellung und für Absatz auch die Ausschüsse der Dünger-, Saatzucht- und Landeskultur-Abteilung Sitzungen abhalten, sowie die Versammlungen der Ackerbau- und Tier­zucht-Abteilung stattfinden. Am Donnerstag, den 13. Fe­bruar, tritft die Geräte- und Dünger-Abteilung zusammen. Ferner tagt an diesem Tage der Gesamtausschuß, während am Freitag, den 14. Februar, die Hauptversammlung abge­halten werden wird. In der Tierzucht-Abteilung wird .Herr Geheimer Regicrungs-- und Medizinalrat Dr. Dammann- Äannover über das Thema:Bieten die neuerlichen Be­hauptungen Kochs Anlaß zu einer Aenderung in dem Vor­gehen gegen die Rindertuberkulose?" und Generalsekretär Oekonomierat Oetken-Oldenbnrg über die französische Pferdezucht, zu deren Studium er vom Auswärtigen Amt nach Frankreich, geschickt war, sprechen. Die Dünger-Abteil­ung wird sich mit den Fragen der Verwertung des Stick- toffes aus der Luft, der Verwendung der 40proz. Kalisalze und mit der Deckung des Phosphorsäure-Bedarfs beschäf­tigen, die Geräte-Abteilung über die Hauptprüfungen des Jahres 1903 (Langstrohpressen, Hanfbearbeitungsmaschinen und Hederich-Spritzen und -Jätemaschinen) beraten und einen Vortrag über die Anwendung der Elektrizität in der Land­wirtschaft entgegennehmen.

Universitäts-Nachrichten.

Heidelberg, 22. Jan. Umsichtig beschäftigen sich unsere Uni- versitätskreise bereits mit dem Gedanken des I u b i l ä u m s, das der Heidelberger Hochschule im nächsten Jahre zu feiern vergönnt ist. 1903 werden es 100 Jahre, seitdem die älteste reichsdeutsche Universität erneuert wurde, die Stiftung Rupprechts zur Ruperto- Earola wurde und von da ab jenen glänzenden Aufschwung nahm, der um die Mitte des abgelaufenen Jahrhunderts kulminierte.

Aus Stadt Md Kmrd.

(Der Abdruckder unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestaltet^ Gießen, 24. Januar 1902.

** Der Tierschutz-Verein für daS Grohherzogtum Hessen hielt am 15. d. Ni. in Oppenheim seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Ministerialrat Dr. Eisen huth, eröffnete die Versammlung, indem er die in großer Anzahl erschienenen Anwesenden, Vertreter der Staatsbehörden, Geistliche und Lehrer aus der näheren und weiteren Umgebung willkommen hieß, worauf in die Tagesordnung eingetreten wurde. In diesem Jahre wurden durch den Verein aus eigenen Mitteln 6000 Tierschutz-Kalender, mit den durch Behörden und Pri­vate besonders bestellten, über 20000 an die Schuljugend verteilt. Sämtliche vom Vorstand vorgeschlagenen und vom Ausschuß gebilligten Auszeichnungen und Belohnungen an Gendarmen und Schutzleute wurden genehmigt; erwähnt sei, daß die Großh. Hofschauspielerin Frau Möbius-Kuhn als Zeichen der Dankbarkeit für ihre erfolgreichen Bemühungen um den Verein mit einem Diplom geehrt werden soll. Zuletzt hielt Lehrer Schäfer aus Gau-Bickelheim einen eingehenden Vortrag über die entsittlichenden Wirkungen der Tierquälerei unter der Jugend und die Mittel zu deren Bekämpfung. Darauf richtete Kreisrat v. Hah n im Anschluß an die Worte des Herrn Ministerialrats an die Lehrer die Bitte, auch auf den Vogelschutz im Besonderen unausgesetzte Aufmerksam­keit zu verwenden.

Geiß-Nidda. 22. Jan. Die Jagdverpachtung hatte ein für die Gemeinde überraschend günstiges Resultat. Während der bisherige Pachtpreis 301 Mk. pro Jahr betrug, wurde jetzt der jährliche Pachtertrag bis auf 705 Mk. getrieben.

Vilbel, 22. Jan. Tie Bohrtiefe des Vilbel er Spru­dels bleibt bekanntlich bis zur Erteilung des Quellenschutzes Geheimnis des Besitzers. Man nimmt aber an, daß der Sprudel einer ganz anderen Erdgegend und Erdtiefe entspringt, als die Quellen, aus denen daö bekannte kohlensäurehaltige Vilbeler Wasser" entströmt. Man glaubt daher, daß aller Voraussicht nach die Erbohrung des Sprudels keineswegs die von mancher Seite befürchtete Abnahme der Kohlensäure der Vilbeler Tafelwässer verursachen werde. Diese Ansicht wurde auch von Oberbergrat Dr. Chelius vertreten, der vor kurzem im hiesigen Ortsgewerbeverein überMineral- unb Soolquellen, sowie Bäderkunde" sprach. Der Vortragende schilderte in äußerst anschaulicher Weise den Kreislauf des Wassers, dessen Bewegung im Innern der Erde, die Quellen und insonderheit die Heilquellen. Jede derselben habe ihre eigene Heilwirkung. Diese festzusiellen, sei Sache der Aerzte gewesen und werde es sein. Der Redner wünschte Vilbel eine gntc Zukunft als Badeort und sprach sich für den Quellenschutz des Sprudels aus. Wie verlautet, ist, sobald der Quellenschutz erteilt sein wird, die Ausbeutung des Sprudels durch eine Aktiengesellschaft vorgesehen. (D. Ztg.)

Hauan, 21. Jan. In der Gemarkung Bruchköbel wurde beim Ausheben von Erde in einer Tiefe von 56 Mtr. die noch wohlerl)altene Kinnlade eines Riesenmammuths ge­funden. Die Länge dieses Knochens beträgt 80 Ctm., der Umfang der in der Kinnlade befindlichen Zähne 12x6 Ctm.

Kunst und Wissenschaft.

Mcyer-Förster'S SchauspielAlt-Heidelberg" errang bei der Erstaufführung im Münchener Hostheatcr lebhaften Erfolg.

Irene Triesch vomDeutschen Theater" in Berlin be- giebt sich am 3. Februar auf eine längere Gastspielreise, die sie durch Deutschland und Oesterreich bis in die Schwei; führen soll. Die Künstlerin wird u. a. in Köln, Hannover, Frankfurt a. M., Stuttgart, Prag, Graz und Zürich gastieren und dabei wohl auch zu uns nach Gießen kommen. Jntereffant ist die Zusammen- stellung der Rollen, in denen Frl. Triesch während dieses Gast- piels austrcten wird. Sie spielt Hedda Gabler, Nora, die Christine inLiebelei", Clara in HebelsMarie und Magdalena", die Ma­dame Sans Gsne, die Janetta in derRoten Robe" und die Magda in derHeimat".

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

^Bom Kasseler Trebertrach. Der Konkursverwalter Justiz­rat Fries, sowie der gesamte Gläubigerausschuß der Trebergesell- chaft haben ihre Aenrter nieder gelegt.

Attieubranerei Rcttcumcyer, Stuttgart. In Gcncral- versammllmgen verschiedener Aktienbrauereien sind wiederholt miß­billigende Aeußerungen darüber gefallen, daß für die Beschaffung von Rohmaterialien Mitglieder des Aufsichtsrats herangezogen oder Übst bevorzugt roiirben, obwohl doch ihnen gegenüber der Bor­land, der Braumeister und das obere Personal in einem gewissen Abhangigkeitsoerhältnis stehen. Solche Diskussionen blieben jedoch ohne greifbares Resultat, iveil nicht rechtzeitig ein Antrag ein- gebrachl luurbe. Deshalb hatten für die auf den 25. d. Mts. ein- gerufcne Generalversan,mlung obiger Gesellschaft drei Aktionäre ur sich und andere unter Hinterlegung von 85 Aktien, also des 20. Teiles vom Aktienkapital, folgenden Antrag rechtzeitig bei dem Vorstand zur Ankündigung eingereicht:

«Dem Vorstand der Gesellschaft wird in Gemäßheit des § 235 Abs. 1 des V.-G.-B. untersagt, Gerste, Malz oder Hopfen bei einem Aufsichtsratsmitglied direkt oder indirekt 51t kaufen."

. Der Vorstand unterließ aber, diesen Antrag rechtzeitig zu publizieren. Der Vorsitzende des Aussichtsrats wollte nur folgende Fassung ankündigen:

Antrag auf Beschränkung des Umfangs der Befugnis des Vorstandes, die Gesellschaft zu vertreten."

Daniil konnten aber die Antragsteller sich nicht einverstanden erklären, iveil dies daS Ansehen des Vorstandes hätte erschüttern müssen, wahrend (ie mit dessen Geschäftsführung im großen Ganzen jederzeit zufrieden waren. Auf diese Weise ist die rechtzeitige Be­kanntgabe des Antrags unterblieben, obwohl $ 254 Abs. 2. des

Ueaestc Melouiigen.

Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 24. Jan. DaS gegenwärtige Befinden Virchows ist im ganzen zufriedenstellend. Der Patient nimmt leidlich gilt Nahrung zu sich und darf auch schon ihm nahe stehende Personen zum Besuch empfangen. Er verbringt aber die Nächte noch unruhig.

Berlin, 23. Jan. Tie Beratungen in der Zoll­tarif-Kommission des Reichstags wurden heute bei Absatz 11 des § 5 fortgesetzt, welcher sich mit der zoll­freien Einfuhr von K n n ft g c g c n ft ä n b c n für be­stimmte Zwecke befaßt. Dazu liegen zweiAuträgx vor, von sozialistischer Seite und vom Abg. Gothein, welche die Zoll­freiheit für Knnstgegenstände verallgemeinern wollen. Nach längerer Diskussion wurde unter Ablehnung der Re­gie r n n g s - Fa ssung und in Ablehnung des sozialisti­schen Antrages folgender Absatz beschlossen: Die Kunstsächen, die für Kunstausstellungen oder für öffentliche Zwecke oder als Lehrmittel und für den Auschauuu^- unterricht bestimmt sind, sollen zollfrei eingehen. Absatz 12 des § 5 wurde in der Regierun-gsfassung angenom­men. -r- Die Budget-Kommission des Reichstages setzte heute die Beratungen des Marin e-Etats fort. Bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats, Titel 100, betreffend die Beschaffung von Handwaffen in Höhe von 500 000 Mk. wurden 300 000 Mk. gestrichen. Bei dem Titel: Bedürfnisse der Garnisonverwaltungen in Höhe von 1 106300 Mk. entspann sich eine längere Debatte. Man wollte eine Million, die für die Einrichtung von Gerichts­räumen und Arrestzellen in Wilhelmshaven angesetzt Waren, streichen. Nach einer Erklärung des Staatssekretärs v. Tir- pitz, der die Forderung als unbedingt notwendig bezeich­nete, wurde die Summe mit 12 gegen 11 Stimmen be­willigt. Ebenso wurde die Zulage für den Kommandanten von Helgoland und die Gewährung von Beihilfe an die Gemeinden Kiel und Ellerbek in Höhe von 1:50 500 Mk. be­willigt. Gleichzeitig wurde eine Resolution Stockmann an­genommen, auch der Gemeinde Enschenhagen eine ähnliche Beihilfe zu gewähren. Auch wurde einer Resolution Müller- Fulda zugestimmt, wonach die Verhältnisse der Gemeinden Bond, fteeten und Neurode einer Prüfung unterzogen Wer­den sollen, ob auch diesen eine-Beihilfe zu gewähren sei. Wie nachträglich gemeldet Wird, hat der Kaiser dem Vater des im Duell erschossenen Landrats v. Bennigsen, dem ehemaligen Oberpräfidenten der Provinz Hannover, ein in den herzlichsten Worten abgefaßtes Beileid-Tele- granrnt gesandt.

Berlin, 23. Jan. Wie eine Korrespondenz berichtet, soll der Kaiser dieser Tage auf einem Spazierritt, auf welchem ihm ein Trupp Arbeitsloser begegnete, zu Herren seiner Umgebung sich in teilnahmsvoller Weise über die gegenwärtige Arbeitslosigkeit geäußert und dabei bemerkt haben, daß die baldige Vornahme städti­scher Arbeiten, deren Erledigung für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen sei, geeignet sei, der herrschenden Not wenigstens etwas zu steuern. Die Bittgesuche an den Kaiser, in denen sich die Arbeitslosigkeit und der Mangel an Verdienst Wiederspiegeln, gehen beim kaiserl. Hofbrief­amt täglich in großer Zahl ein, und der Kaiser hat bereits in vielen Fällen namhafte Unterstützungen gewährt. Der Kaiser soll den Wunsch ausgesprochen haben, daß die aus Anlaß seines Geburtstages geplante Illumination der öffentlichen Gebäude möglichst ein- geschränkt und die hierfür bestimmten Gelder zu wöhlthätigen Zwecken verwendet werden möchten. Infolgedessen haben zahlreiche Verwaltungen beschlossen, von einer Illumination abzusehen, und einen entsprechen­den Betrag an die Armen-Verwaltung zu überweisen.

Berlin, 23. Jan. lieber das Ergebnis der gestrigen S u b s e r i p t i 0 n auf die neue Reichs-Anleihe meldet dieNordd. Allg. Ztg.": Auf die 115 Mill. Mark3«o Reichs- Anleihe Wurden ca. 7 Milliarden gezeichnet, auf die 185 Mill. Mk. 30/0 preußische Staats-Anleihe rund 8 Milliarden. Bei der Reichs-Anleihe bedeutet dieses Resultat eine fast 61 fache Ueberzeichnuug, bei der preußi­schen Staats-Anleihe eine mehr als 73 fache Ueberzeichnuug. Bei der im vergangenen Jahre aufgelegten Reichs-Anleihe wurde eine 151/2 fache Ueberzeichnuug konstatiert. Wie uns mitgeteilt wird, befindet sich zur Zeit ein Agent des britischen Kriegs-Ministeriums in Deutschland, der sich einem Gewährsmann gegenüber dahin ausgesprochen hat, daß die b r i t i s ch e R e g i e r u u g beinahe keine Soldaten an werben kann und von hundert Pferden, welche verschickt Werden, 80 auf der Fahrt nach Afrika krepieren. Die S ch i f f e, welche zum Transport für die Pferde benutzt Würden, seien au- cheineud verseucht-

Hamburg, 24. Jan. Aus der Hamburger Irrenanstalt Friedrichsberg sind gestern abend 2 schwere Ver­brecher entsprungen. Es sind der Schlosser Loo und der Uhrmacher Schmidt. Auf ihre Ergreifung sind je 200 Mk." Belohnung ausgesetzt.

Leipzig, 24. Jan. Zu der am 3. Februar in Kassel stattsindenden Strafverhandlung gegen die Aufsichts­ratsmitglieder der Trebertro cknung erscheinen sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrats der Leipziger Bank als Zeugen vor Gericht. Die verhafteten Direktoren der Leip­ziger Bank werden für die Dauer der Verhandlung unter gerichtlicher Begleitung nach Kassel übergeführt.

Haag, 23. Jan. Tie KorrespondenzNeederland" meldet, Oberst Carrin g ton habe sich mit seinem Kommando Weihnachten in den Malagies-Bergen den unter Delareh stehenden Buren-Streitkräften ergeben müssen.

Washington, 24. Jan. Im Senat besprach Senator Zeller die Hinrichtung Scheepers und erklärte, sie be­deute eine Verletzung der Genfer Konvention seitens Englands.