auch keinen Fleiß darauf verwenden. Seine Ansicht gehe mm dahin, daß die Errichtung der in Rede stehenden Kaste über die städtischen Aufgaben hinauSgehe. Es lägen noch viele andere, dringendere Sachen der Stadt ob; erst wenn diese nicht mehr vorhanden wären, könne man an die Errichtung der Kaste gehen. — Stv. Gutfleisch tritt für den Antrag des Oberbürgermeisters ein. Er sei der Meinung, daß die Errichtung einer solchen Kaste gerade zu den Aufgaben einer Stadt gehöre. In den letzten 30 Jahren hätten sich doch die Anschauungen darüber vollkommen geändert, die Gemeinde sei doch so recht dazu berufen, dem Wohl des Einzelnen Rechnung zu tragen. Die sozialpolitischen Aufgaben des Staats fänden in der Kommune ihre Fortsetzung, er erinnere z. B. an die Wohnungsfrage. Die Veranstaltung solcher Einrichtungen, die Ausgaben dafür, die nötige Kontrole könnten doch nur von der Gemeinde auSgehen. Er würde eine Ablehnung deS Antrages bedauern. Gewiß müste noch vieles vorgearbeitet und festgestellt werden, um eine solche Einrichtung zu schaffen, aber der Oberbürgermeister und die sozialpolitische Kommission sollten sich nicht abschrecken lasten. Er gäbe auch anheim, zu erwägen, ob es nicht angebracht sei, durch Verbindung mit einer großen Gesellschaft billigere Prämien zu erzielen. Auf anderen Gebieten sei man schon längst mit derartigen Einrichtungen vorgegangen, so z. B. auf dem Gebiete der Haftpflichtversicherungen. Auch der deutsche Anmaltsverein, die Anwaltskammern, hätten Verträge mit Gesellschaften; und die Kontrolle deS Gesamtoereins verhindere frivole Pro- zeffe. Er bitte, die gute Stimmung nicht zu verderben, den Antrag des Oberbürgermeisters mit Dank entgegenzunchmen und die sozial-politische Kommission mit dem Weiteren zu betrauen. In diesem Sinne stelle er seinen Antrag. — Stv. Haubach bemerkt, daß er kein prinzipieller Gegner deS Antrags sei; wenn zunächst nur eine Sterbekasse gegründet werde, sei keine Gefahr in finanzieller Beziehung. Man könne dann schrittweise weitergchen. — Stv. Heyligen- staedt bringt dem Anträge großes Jntereste entgegen. Er erkenne die Arbeit des Oberbürgermeisters und der sozialpolitischen Kommission im ganzen Umfange an. Er könne sich aber nicht entschließen, ohne Unterlagen zu dem Antrag definitiv Stellung zu nehmen. Man könne zunächst ja einen Anfang mit der Sterbekaste machen. Die Angelegenheit sei so wichtig, daß man sie im Auge behalten müste. — Stv. Schmoll betont, daß sich die Finanz-Deputation durchaus nicht ablehnend zu dem Anträge des Oberbürgermeisters verhalten habe. Sie habe nur darauf verwiesen, daß die Stadt jetzt dringendere Aufgaben habe. Er halte den gegenwärtigen Zeitpunkt für nicht geeignet. — Beigeordneter Georgi meint, daß die Errichtung der in Rede stehenden Kasse nicht zu den Aufgaben der Stadt gehöre. Wenn nichts weiter zu thun wäre, dann könne man daran denken. Er beantrage, den Antrag vorläufig zurückzustellen und der sozial-politischen Kommission keine Weisungen zu geben. — Zur Geschäftsordnung bemerkt Stv. Gaffky, daß er beantrage, über die beiden Teile des Antrages Georgi getrennt abzustimmen. — Stv. Gutfleisch formuliert seinen Antrag dahin, den Antrag des Oberbürgermeisters an die sozial-politische Kommission zur weiteren Bearbeitung zuriickzuverwcisen. — Rach einer weiteren kurzen Debatte erfolgt die Abstimmung, die die Annahme des ersten Teiles des Antrags Georgi, „den Antrag deS Oberbürgermeisters vorläufig zurückzustellen", ergibt.
lieber die folgenden Punkte: „I. Vorschriften über die Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasterwerk der Stadt Gießen. II. Bestimmungen über die Zulastung von Installateuren für die Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasserwerk der Stadt Gießen. IIT. Beschwerde der Spengler und Installateure betr. die Ausführung von GaS- und Wasserleitungsanlagen — wird gleichzeitig beraten. Die letztere Beschwerde befaßt sich mit den Privatinstallationen der Gas- und Wasserleitungen und dem Detail-Verkauf der Beleuchtungskörper seitens der Stadt. Oberbgm. Mecum macht darauf aufmerksam, daß, wenn die Stadt diese Erwerbsquelle verlöre, eine Steuererhöhung eintreten müßte. Die Gas- und Wasserwerksdeputation habe folgenden Beschluß gefaßt: „Es wird empfohlen, die Beschwerde bezgl. der Leitungen durch die Beschlüsse zu 1 und 2 für erledigt zu erklären, den Verkauf von Heizeinrichtungen aller Art sowie von einfachen Wand- und
Deckenarmen und solchen Beleuchtungskörpern, die das
Gaswerk in der Hauptsache selbst herstellt, nebst Zubehör auch ferner beizubehalten, im Uebrigen den Verkauf von Beleuchtungskörpern einzustellen." — Stv.
Pirr ist der Meinung, daß die Stadt kein Ge
werbe treiben solle. Freie Konkurrenz solle herrschen. Vom Staate würde alles aufgeboten, um den Handwerker- 'land zu heben, das solle man berücksichtigen. Redner spricht über Steuern und Oktroi, bis der Vorsitzende ihn zur Sache ruft Redner fährt dann fort, wenn ein finanzieller Ausfall zu befürchten sei, hätte ja die Finanzdeputation eine dankbare Aufgabe für ihre Thätigkeit gefimden. — Oberbgm. Mecu m nennt eine große Reihe von Städten, die ihre Installationen selbst besorgten. — Stv. Schwall meist darauf hin, daß die Stadt den Petenten doch in weitester Weise entgegenkomme. — Stv. Löber gibt seiner lieber» zeugung Ausdruck, daß ein Gewerbszweig tatsächlich in Rot geraten kann, wenn die Stadt ihm Konkue-renz mache. Hinter der Stadt stehe doch ein sehr großes Kapital, das solle man nicht außer Acht lassen. — Stv. Gaffky glaubt, daß den berechtigten Beschwerden abgeholfen werde, wenn der Antrag des Gas- und Wasserwerkes angenommen werde. — Stv. Heutigen st aedt vertritt den Standpunkt der Kommission. Man sei den Petenten weit genug entgegengekommen. Um die Beamten und Arbeiter zu erhalten, müsse man das In- stallationSwesen beibehalten. — Stv. Pirr fragt, wer die städtischen Arbeiter kontrolliert (Zuruf: die Beamten!). Run, wer selbst mitarbeite, sei nicht so scharf .... (Oberbgm. Mecum unterbricht den Redner mit der Bemerkung, daß er die städtischen Beamten in Schutz nehmen müste gegen den Vorwurf der Parteilichkeit, den Stv. Pirr soeben gegen sie erhoben habe). Das städtische Gas- und Wasterwerk sei eine anständige Konkurrenz, die aber auch mit dem Gelde der Stadt arbeite. — Rach einer kurzen Debatte wird dann der Deputationsbcschlnß. die Beschwerde durch die §§ 1 und 2 der „Vorschriften über die ^l.i-^führung von An- lagen tm Anschluß an das Gas- und Wasser
werk der Stadt Gießen" für erledigt zu erklären, angenommen.
Bei der dann folgenden Beratung der „Bestimmungen über die Zulassung von Installateuren zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an das GaS- und Wasterwerk der Stadt Gießen", entwickelt sich bei dem PaffuS des § 3: „. . . . Der Installateur haftet für alle durch fehlerhafte oder vorschriftswidrige Arbeiten entstehenden Schäden sowohl dem Auftraggeber, als auch dem GaS- und Wasterwerk gegenüber," eine längere Debatte. — Stv. Schaffst ädt hält diese Bestiminung für zu weitgehend. Der Installateur müsse die Haftung für alle Zeit doch ablehnen. Es sei auch nicht Sache des Gas- und WasterwerkeS, sich in die Verzüge, die der Installateur mit seinen Auftraggebern abschließe, zu mischen. — Tie Stvv. Haubach und Heyligenstaedt pflichten den Ausführungen des Vorredners in gewissem Sinne bei. — Die Stvv. Jann und Gaffky wünschen ebenfalls eine Abänderung. — Stv. Kirch will mit Rücksicht auf den § 24 der Vorschriften über die Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasterwerk den ganzen Satz gestrichen wissen, worauf der Oberbürgermeister erwidert, daß § 24 gestrichen werden solle. Stv. Kirch zieht hierauf seinen Antrag zurück. — Der § 3 wird dann in folgender Fassung angenommen: „Der Installateur hat vor der Zulastung diese Bestimmungen und die Vorschriften über die Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasserwerk der Stadt Gießen als für ihn verbindlich anzuerkennen. Er ist für alle unter seinem Namen ausgeführten Anlagen und Arbeiten verantwortlich und wird durch die erfolgte Abnahme der Arbeiten durch das Werk von dieser Verantwortlichkeit nicht entlastet."
Es folgt die Beratung der „Vorschriften über die Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasserwerk der Stadt Gießen." Nach einer lebhaften Debatte, an der sich die Stadtv. Schaffstaedt, Kirch, Petri, Haubach, Heyligenstaedt und Hanau beteiligen, und die sich um Beschränkungen dreht, die nach Meinung deS Stv. Schass st aedt den Privatinstallateuren in diesen Vorschriften auferlegt sind, wird, nach inehrfachen Schlußrufen, der Antrag auf absolute Freigebung der Etagenleitungen abgelehnt, und der ganze Entwurf mit einigen unwesentlichen Aenderungen angenommen.
lieber die Kosten der Einrichtung des Elektrizitätswerkes referirt danach Oberbgm. Mecum. Wir werden auf das große Material, das zur Verlesung kam, noch zurückkommen. Für heute erwähnen wir, daß sich die Gesamtkosten des Werkes auf 884 300 Mk. belaufen haben.
Ans Stadt und Land.
Gießen, den 23. Dezember 1902.
** Gedenktage. Zu Bunzlau in Schlesien wurde der Dichter Martin Öpitz am 23. Dezember 1597 geboren. Seine Verdienste um die deutsche Litteratur sind hauptsächlich formale; sein dichterisches Talent war weder reich noch stark, In seinem Büchlein: „Van der deutschen Poeterey" vertrat er lehrhaft eine Reform des deutschen Verses, dessen strenge Silbengleichheit der einzelnen VerStakte er ersetzt wissen wollte durch die Wortbetonung. Opitz starb, vom Kaiser geadelt, am 20. August 1639 in Danzig an der Pest.
() Darmstadt, 21. Dez. Die diesjährige Generalversammlung des landwirtschaftlichen Provinzialvereins der Provinz Starkenburg war insofern von besonderem Interesse, als auch die Neuwahl des Vorsitzenden zur Tagesordnung stand und d-em bisherigen langjährigen Vorsitzenden Geheimrat Haas in letzter Zeit durch lebhafte Agitation besonders an der Bergstraße ein anscheinend starker Gegenkandidat in der Person des Kreisrates Göttel- mann in Heppenheim erwachsen war. Ter Verlauf der Wahlhandlung war ein sehr stürmischer, da von beiden Seiten alle verfügbaren Kräfte aufgeboten waren. Obwohl nun die Anhänger von Haas augenscheinlich die große Mehrheit besaßen, wurde doch von den Gegnern die in den Statuten vorgeschriebene Zettelwahl verlangt. Erst auf mehrfaches Zureden und infolge des wohlmeinenden Rats des anwesenden Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Behörde konnte die Akklamationswahl durchgeführt werden, bei welcher mit großer Mehrheit Reg. Rat Haas gewählt wurde. Ueber den Verlauf der Versammlung können wir wie folgt berichten: Im großen Saale der Turngemeinde, der in letzter Stunde gewählt worden war, da der Darmstädter Hof wohl kaum den vierten Teil der Besucher gefaßt hätte, waren ca. 16—1700 Personen anwesend. Von der Regierung war vertreten: Ministerialrat Braun, Vors. der landwirtschaft. Ministerialabteilung, Landesökonomierat MMer, Regierungsrat Hölzinger, Ministerialsekretär Valkenberg, Ernmerling, außerdem sämtliche Kreisräte der Provinz, eine große Anzahl Landtagsabgeordnete auch ans Oberhessen und Rheinhessen. — Vorsitzender Haas eröffnete die Sitzung um 10 Uhr 45 Min. und hieß die Anwesenden, insbesondere den Regierungsvertreter und seine Begleiter herzlich willkommen: er bemerkte, daß der im Verhältnis zu früheren Versammlungen sehr erfreulich starke Besuch jedenfalls -auf den am Schluß der Verhandlungen folgenden interessanten Vortrag des Herrn Prof. Lllbert-Gießen über ,/Sortenanbau-Versuche" zurückzuführen sei!? Ter schriftliche Jahresbericht sei noch nicht ganz fertiggestellt, werde aber den Mitgliedern in aller Kürze zugehen: Redner erklärt indes, schon heute mündlichen Bericht und Auskunft über die vom Staate dem Provinzialverein zur Verfügung gestellten Mittel geben zu wollen. — Zunächst sei daraus hinzuweisen, daß alle Ausgaben auf ®runb der vom Vorstand genehmigten und kalkulatorisch geprüften Voranschläge gemacht und sowohl dem Provinzialausschuß wie der Zweiten Kammer vorgelegt würden: die Thätigkeit des Vereins sei allerdings durch die geänberten Verhältnisse eine beschränktere geworden, da jetzt die Regierung die früher von dem Vereine geleiteten Aufgaben betr. das Unterrichtswesen, die Bodcnmelioration, das Pferdezucht- Wesen 2C. selbst in der Hand habe; zunächst müsse er die in den anonymen Flugblättern gegen seine Person gemachten Angriffe zurückweisen. — Bezüglich der bemängelten Organisation Jei darauf hin- zuweisen, daß die Generalversammlung ihren Vorstand selbst wählt, und daß dieser aus sieben Mitgliedern bestehende Vorstand die Geschäfte führe und verantwortlich sei, während im Gegensatz hierzu in Ob er Hessen und Rheinhessen die Geschäftslcitung nur in den Händen des Präsidenten liege. Ter Provinzialverein habe jetzt nur
noch zwei Aufgaben rcsp. Arbeitsgebiete, die ftorbeni™ der Vreh zücht er kl. der Pferdezucht und die fsörbeninabe! Ackerbaues inff. Obst- und Gartenbau: die eigentlich« Wick- schaftspolitik werde von den drei Provinzickvcrcinen in Hessen gemeinsam bethätigt. Ti? Rindrich- -:. • geschehe nach dem von der Regierung und den Laudfiänd dcnchmiqten Plane, von dem man nicht abwcicn.-n dürfe, allerdings könne man Abänderungsvorschläge machen. In Starkenbura bilden die örtlichen Zuchtvereine die Basis, und habe man damit die besten Resultate erzielt, im Gegensatz zu anderen Provinzen, in welchen die Kreisverbände maßgebend seien Tas langsame Vorwärtsfchrcitcn des Odenwälder Schlages sei darauf zurückzuführen, daß lange Zeit das männliche Zuchtmaterial gefehlt hübe. Ein Hauptziel sei die ZüchUma eines guten Landschlages. Redner geht nun auf die einzelnen Ausgabeposten naher ein lind berührt dabei die Kosten für Körungen, Bullen st ationcn, Orts- und Bezirksschauen, Zuchthöfe, Zuchtimporter Zuchtvieh, weiden, Tummelplätze, die Ausgaben für Schweine- und Geflügelzucht, für Obst- und Gemüsebau, Sbstbautechniker Banmwärter-Auöbildung, Landw. Zeitschrift, B-zirksvereine u. s. w. Er weist darauf hin, daß mit Rücksicht auf die Finanzlage die Regierung demnächst den Zuschuß reduzieren werde: die von der zweiten Kammer genehmigte Bildung einer Landwirtschaftskammer habe durch das Expoft deS Herrn Ministerialrat Brann, das wohl die vorgeschlagenen Grundsätze in sich ausgenommen habe, eine starke Erweiterung erfahren, da nun alle Schickten der landwirtschaft!. Bevölkerung .".inbegriffen seien, er sei wohl damit einver- standen, mässe aber darauf Hinweisen, daß durch diese Art der berufsmäßigen Organisation alle 93er ein Sorga ni- sation au 5 der Welt geschaffen sei; soweit habe er, Redner, nicht zu gehen gewagt. Er hoffe aber von der neuen Organisation besten Erfolg, zudem die Regierung kürzlich in Mainz erklärt habe, daß sie höchstens noch die Hälfte des seitherigen Zuschusses leisten werde. — Tie in den Flugblättern enthaltene, seine Person betreffende Kritik berühre ihn wenig, obwohl nur noch fehle, daß man ihm vorwerfe, er habe einen silbernen Lössel gestohlen, doch habe er in den 36 Jahren seiner öffentlichen Thätig- feit meist an leitender Stelle soviel erlebt, daß man mit der Zeit ein dickes Fell bekomme; eines der drei Flugblätter sei mit der Unterschrift „Ein Landwirt" versehen, er kenne diesen Landwirt, dem gehe es wie ihm (dem Rednerh der besitze auch keinen Ar und keinen Halm, auch kein Haar und keine Alm. (Großer Beifall.)
Schluß folgt.
Kunst und Wissenschaft.
Darmstadt, 20. Dez. Im H o s t h e n t e r wurde gestern Abend in dem Rahmen einer Weihnachts-Kindervorstellung ein neues Märchenspiel von Lisa Ramspeck hier, betitelt ,DaS wundersame Bilderbn ch", zum eckten Male ausqeflihrt. Demselben liegt der Gedanke zu Grunde, DänschenS Märchenbuch lebendig werden zu lassen und dem träumenden Kinde die Gestalten desselben vorzufähren. Dies geschieht in fünf Bildern, in denen der glückliche Gedanke in poetischer Form und geschickt entwockenen und lebendig dnrchgeiührten ©eenen zur Verwirklichung gelangt. Die Musik von August Ackermann hier und die wirkungsvolle Jn- scenierung der Ballet- und Kinderscenen trugen das ihrige dazu bei, dem durch poetischen Gehalt, formgewandte Sprache und abwechslungsreiche Behandlung des Stoffes sich anszeichnenden Märchen- spiel einen vollen Erfolg zu üchern.
Gcrichtssiml.
Berlin, 21. Dez. Einen Zaubertrank hat die Witwe Friederike Graas zu Spandau zusammengebraut. Sie nannte da- Gemisch, welches nach dem Gutachten des Sachvecktändigen aus einem schwachen Kantharidenauszug, Leinöl und Menthol bestehl, „Männeranziehung?- und Erfrischungstrank". ßbre Kunden bestanden größtenteils aus verheirateten Frauen, bmen sie das „unfehlbare Mittel" für teueres Geld aufhängte. Die Behörde erblickte in dem Verfahren der Frau Graaf die Thatbestands- merkmale des Betruges und ebenso das Schöffengericht, welches Frau Graaf zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilte. Die Angeklagte legte Berufung ein, worauf die Sache gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II zur Verhandlung gelangte. Es war ein Entlastungsbewei? eigenthümlicher Ack, der ins Werk gesetzt wurde. Es trat eine ganze Anzahl Frauen, lauter Kundinnen derAngeklagten, auf. Eine nach der anderen versicherte, datz sie sich nicht betrogen suhle, denn die angepriesme Wirkung sei nicht nusgeblieben. Unter dielen Umständen mutzte der Geckchtshof anerkennen, datz eine Verurteilung wegen Betruges nicht erfolgen könne, weil eine Vermögensschädigung nicht nachzuweisen sei. Der Vorsitzende gab seiner Verwunderung da- rüber Ausdruck, datz ein so toller Hokuspokus noch in der Nähe von Berlin florieren könne.
Landwirtschaft.
b. Freiensteinau, 22. Dez. Mit dem Dreschen des Ronv' ist man hier und in der Umgegend so ziemlich fertig. Das Ergebnis der Getreideernte in hiesiger Gegend kann als lehr günstig bezeichnet werden. Besonders bei der Sommcckrucht m dies der Fall. Einen sehr beträchtlichen Teil des HaferS bat die Stadt Frankfurt durch einen hiesigen Geschäftsmann cnt'fmuen lassen. Dadurch wurden ganz zufriedenstellende Preise erzielt. Es wurden 13,50 bis 14,00 Mark für den Doppelzentner bezahlt. Es dürfte sich jedoch für die Zukunft empfehlen, wenn mich auswärtige Händler mehr den hiesigen Markt besuchten. Dadurch wurden die einheimischen Fruchthändler genötigt, ebenfalls höhere Preisezu zahlen. — In den bennrfjborten Fleschenbach hm die bedenkllme Wassersnot infolge des eingetretenen Tauwetters endlich ans- gehört. Jedermann ist froh, daß er da? Wasser nicht mehr yer- beizufahren braucht.
Anszilg WS 6tu Kirchrnbüchan btt Stabt fiirStn.
Evangelische Gemeinde.
Getaufte. Sufn§geineinbe. Den 14. Dezember- Dem Bergmann Heinrich Müller eine Tochter, Karoline, geb. oe 8. November. ,
Beerdigte. Johannesgemeinde. Den 15 Dezember. Johann Peter Sahlfeld, Grotzh. Hochbauaufseher, 67 Jahre ai, starb den 13. Dezeniber. Ten 16. Dcz. Karl Bieler, Sohn ver Kaufmanns Karl Bieler, 13 Jahre alt, starb den 14. Dezember.
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