Ausgabe 
23.12.1902 Zweites Blatt
 
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Wer sich einen wirklich dauerhaften Schirm wünscht, lasse sich denselben genau nach Wunsch und Auswahl des Materials bauen. Kein Schirm-System, welches bei mir nicht repariert werden könnte. Stets sofortige und billigste Bedienung.

8284 Schirmfabrik 31 Levi.

Dandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 22. Dez. Die Bank für Handel und In­dustrie teilt mit: In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates der Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bcnrk) berichtete die Direktion über die Unterschlagungen des flüchtigen Bankbeamten Neßler. Neßler bezog jährlich 5300 Mark Gehalt und hatte die Verwaltung eines Tresors ohne Prokura. Der Schaden ist durch die bisher angestellten Ermittelungen auf 700 000 Mark festgestellt. Die Unterschlagungen wurden ermöglicht durch Fälschungen einiger persönlicher Konten in den Depotbüchern und Depotauszügen, die Neßler sich zu verschaffen gewußt hat. Eine Entdeckung der Unterschlagungen wurde in erster Linie dadurch verhindert, daß Neßler eine hiesige Bankfirma fand, welche ihm Jahre hindurch die zur Verdeckung seiner Unterschlagungen erforderlichen An- und Verkäufe der gleichen Effektenkateyorien vermittelte. Diese Bank­firma lieferte überdies Jahre hindurch Zinscoripons und Tivi- dendenscheine und zwar Zinscoupons in der Regel am Eoupons- zahlungstermin, Dividenoenscheine nach erfolgter Dividenden­erklärung bezw. nach deren usancemäßigen Abtrennung. Neßler kaufte also bei dem betreffenden Bankhause lange Jahre hindurch Coupons zu einer Zeit, wo sie stets lediglich zur Einlösung prä­sentiert werden, und zwar in der Regel in Beträgen, welche ge­nau der Summe der von Neßler an das betreffende Bankhaus ver­kauften und bei der Bank fehlenden Effekten entsprachen. Gegen dieses Bankhaus schwebt ein gerichtliches Ermittelungsverfahren. Die Bank hatte es ihrerseits in keiner Weise an den nötigen Kontrollen sehlen lassen. Neuerdings infolge anderwärts ge­schehener Unterschlagungen getroffene, anderweite Maßregeln führten zur Entdeckung der Unterschlagimgen und Fälschungen. Aus Bern wird soeben die Verhaftung des Defrau­danten wie folgt gemeldet: Der aus Berlin flüchtige DepotverwalterderDarmstädterBankMaximi- lian Neßler wurde beute in einem Hotel in Brunnen (Kanton Schwyz) durch die Schweizer Staatsanwaltschaft verhaftet. Neßler ift ge­ständig.

Oesterreichische Kredit- 100 fl.-Lose von 1858. Die nächste Ziehung findet am 2. Januar 1903 statt.

Das SalzbergwerkNeu-Staßfurt verteilt für den Monat Dezember eine Ausbeute von 125 Mk. per Kux. Die Jahresaus­beute beträgt also diesmal nur 1500 Mk., gegen 1800 Mk. im Vorjahre.

Die nächste Ziehung der Braunschweigischen 4</, pEt. Eisenbahn-Pr.-Obl. von 1874 Em. I findet am 2. Januar 1903 statt.

Die am 1. Januar 1903 fälligen Zinskoupons und verlosten Stücke der 4 pEt. Ungarifchen Lokaleisenbahn-Obligationen Serie I und II, werden vom Fälligkeitstage ab eingelöst.

In der am 20. ds. Mts. stattgehabten Generalversamm­lung der Dortmunder Unions-Brauerei-Akticn-Gesellschast wurde die vom 2. Januar 1903 ab zahlbare Dividende auf 18 pEt.

Brauerei Germania, Berlin. Von heute ab gelangt die auf 5 pEt. 50 Mk. pro Aktie festgesetzte Dividende zur Auszahlung.

Märkte.

Gießen, 23.Dez. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butterpr.Pfd. IM1,20 Mk^ Hühnereier 1 St. 810 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier OO00 Vsg., Enteneie 0OPsg., Käse vr. Stck. 58 Pf., Käsematte2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tariben pr.Paar 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 2,001,20 9JIL, Hahnen pr. Stück 0,801,40 Mk., Enten pr. Sttick 6,002,60 9JU«, Gänse pr. Pfd. 5870 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 1676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine- leifch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6872 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,000,00 Mk., Weißkraut per Stück 0060 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 3,504,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger.

Berlin, 23. Dez. Die Flucht der s ä ch sts ch e n Kr vn- prinzessin, die sich nach Genf begeben hat, erregt in ganz Sachsen ungemeines Aufsehen. Eine Dresdener Mel­dung will wissen, daß die Kronprinzessin einer Neigung gefolgt sei, die sie zu dem jungen französischen Sprach­lehrer ihrer Kinder gefaßt hatte. Dieser ist am 2. d. M. plötzlich! entlassen worben. Tie Kronprinzessin soll mit ihm in Genf zusammengetvoffen sein. Nach einer anderen Version soll die Kronprinzessin ihre Neigung einem amerikanischen Zahnarzt geschenkt haben. In Hofkreisen in Dresden war es längst bekannt, daß die junge, temperamentvolle Fürstin sich nur schwer in die strenge Ettquette des religiösen Dres­dener Hofes finden konnte und daß dieser Umstand auf das Verhältnis zu ihrem Gatten seinen Einfluß ausubte.

Berlin, 23. Dez. Ueber die Vorgänge in Venezuela meldet derLokalanz." aus Willemsstad: Die deutsche Blök ade vor Maracaibo begann am 22. ds. Hier ist der Zufluchtsort zahlreicher von Castro verbannter Auf­ständischer. Man ist der Ueberzeugung, dalß Castro klein beigiebt, obwohl ihm noch 12 000 Mann zu Gebote stehen sollen. Das einzige noch übrige venezolanische Kriegs­schiff Miranda liegt bei Maracaibo. Der beschlagnahmte Restaurador wird als deutsches Depeschenboot verwandt. Die Engländer imterhalten mit den Deutschen ein kamerad­schaftliches Einvernehmen. Sie zerstörten ein auf der Werft liegendes venezolanisches Kriegsfahrzeug durch Axt- hiebe. Der Panther war gezwungen, die gekaperten vene­zolanischen Schiffe zum Sinken zu bringen, um auf ein gegebenes Notsignal schnelle Hilfe bringen zu können Tie Krankheit Castros soll in einer Vergiftung bestehem Weiter wird noch gemeldet, daß die Rebellen die Ankunft yon Proviant in Caracas hindern. Zwei amerikanische

Dampfer wurden angehalten. Die Ursache hierfür ist noH unbekannt.

Madrid, 23. Dez. Zur Humbert-Affäre wird! gemeldet, daß Romain d'Aurignac einem Besucher gegen­über erflärte, die 108 Millionen seien thatsäch- lich vorhanden gewesen. Tie eigentliche Grawford- Affäre habe ungefähr 70 Millionen gebracht. Das übrige sei durch andere Operationen erlangt worden. Die fran­zösische Regierung habe den Aufenthaltsort der Familie Humbert wohl gekannt, sie aber unbehelligt gelassen. Obschon Frau Humbert behauptet, daß ihr ganzes Ver­mögen aus den 175 000 Frs. bestehe, die sie der Frau Mujica zusteckcn wollte, herrscht doch die Ueberzeuguna vor, daß Unsummen in und außerhalb Spaniens durch! die Familie sichergestellt sind. Das Madrider Telegraphen­amt wird derartig von Berichterstattern in Anspruch ge­nommen, daß keine Telegraphenmarken mehr erhältlich sind.

Washington, 23. Dez. Die Regierung erwartet die formelle A n t w o r t d e r M ä ch t e auf den Vorschlag Rwose» velts, den Venezuela-Konflikt dem Schiedsgericht im Haag zu unterbreiten. Tie allgemeine Ansicht ist hier, daß die Mächte darauf bestehen werden, daß Roosevelt das Schieds­richteramt übernimmt und daß dieser den Auftrag schließ- lich annehmen werde.

Telephonischer Kursbericht«

Frankfurt a. IN., 23. Dezember 1902.

3*/2o/o Reicheanleihe . . 102.25 30/,, do. 91.40

3'/,°/v Konsole .... 101.90 30/n do.....91.40

B*/eö/n Hessen .... 100.70 3 % Oberheeeen . . . 99 60 4% Oeaterr. Oodrente . . 103.00 4*/2 % Oeaterr. Silberrente 101.55 4% Ungar. Goldrente, . . 101.25 40/ Italien. Rente . . . 103.40 41% Portugiesen . . . 49.70 so/ Portugiesen.....31.40

1% C. Türken . ... 28 60

Türkenlose......121.80

4% Grieoh. Monopol-Anl. 44.70 4'/ % Susaere Artmntiner.

3% Mexikaner ... 24.50 4,/en/n Chinesen . . . 90.70 Electric. Seh ackert ... 77.70 Nordd Lloyd . . . . 95.80

Kreditaktion . ... 212.20

Diakonto-Kommandit. * . 189.50 Darmstädter Bank . . . 134.70 Dresdener Bank .... 143.30 Berliner Handelagea. . . 150.80 Oeaterr. Staatabahn . . , 146.20 Lombarden ..... 16.70 Gotthardbahn.....179.20

Lanrahütte ...... 207.20 Bochum . ...... 174.50 Harpener......166.50

Tendenz: fest.

Bekanntmachung.

Die städtische Lastwaage am Neustädterthor wird wegen vor- amehmender Arbeiten an derselben von morgen ab bis Ende dieses Monats außer Betrieb gesetzt. Wir bringen dies mit bem Bemerken zur allgemeinen Kenntnis, daß Verwiegungen wahrend dieser Zeit aus den städtischen Waagen auf dem Seltersberg und bei der Margaretenhütte vorgenommen werden können.

Gießen, den 23. Dezember 1902. 8860

Großherzogliche Bürgermeisterei Greßen.

Mecum. _________

Bekanntmachung.

In das Handelsregister, Abt. A, wurde heute eingetragen, daß die FirmaCarl v. Hunolstein, Generalagentur" zu Gießen, erloschen ist.

Gießen, am 22. Dezember 1902. 8859

Großherzogliches Amtsgericht.

GrHeWl. GemrWlle Wen.

SRciiterprüfnnßEn in LbMcn bktrchnd.

Wir beabsichtigen, einem bei der ersten Meisterprüfung aufgetretenen Bedürfnisse entsprechend, während der Zeit vom 13. Januar bis 13. Februar 1903 an unserer Gewerbeschule einen Spezial - Ausbildungskursus für Vorbereitung zur Meisterprüfung bei genügender Beteiligung abzu­halten. Diejenigen Gesellen und bereits selbständigen Hand­werker in der Provinz Oberhessen, welche sich demnächst der Meisterprüfung unterziehen wollen, werden zum Besuche dieses Kursus eingeladen.

Die Gebühren für diesen Kursus betragen 10 Mk. An­meldungen sind schriftlich mit genauer Adresse des Teil­nehmers an die unterzeichnete Schulleitung bis spätestens den 5. Januar 1903 zu richten.

Gießen, am 22. Dezember 1902. 8868

Der Aufsichtsrat: Die Schulleitung:

Hepligenstädt. Traber,

Grobherzoglicher Hauptlehrer.

Aekannlmachnng!

Tie verehrten Hausfrauen von Gießen und Umgebung werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Firma 8719 Christian Wallenfels

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Wegen notwendiger Ausbesserungen ist die Schwimm­halle am Samstag dem 27. Dezember, Sonntag dem 28. Dezember, Montag dem 29. Dezember geschlossen.

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Der Vorstand.

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