Ausgabe 
23.10.1902 Erstes Blatt
 
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nach eftter vertvaukuhen Biertekstmrde fernen ehemalige» Partei freunden, ober, wenn der Landwirtschaftsminister noch st> eifrig den dem Ruf Folge leistenden Agrariern ins Gewissen geredet haben mag, eine von ihm ausgehende Begründung vor dem Reickstag und vor dem Lande, daß das Maß der Getreidezölle allen berechtigten Forder­ungen der Landwirtschaft genüge, wäre unzweifelhaft wirk­ungsvoller gewesen. Graf Bülow gilt der Rechten nicht sachverMndig in landwirtschaftlichen Dingen. Herrn von Podbielski hätte man natürlich mit solchem Einwand nicht kommen Nnnen. Es ist doch wohl auf die Weisungen des Chefs", deS RerchskanKlers, zurüctzuführen, daß die drei genannten Herren nicht das Wort ergriffen. Weshalb dies geschah, weshalb die Regierung nicht ihre besten verfüg­baren Kräfte aufbot vor dieser wichtigsten Entscheidung über den Zolltarif, das ist schwer begreiflich. Dor der Oeffentlichkeit mußte die Position der Regierung als eine bei weitem schwächere, als die des Reichstags, erscheinen, und es ist manches seitens der Regierung unwidersprochen Sebüeben, das einer sofortigen Richtigstellung bedurfte.

Die Unterhandlungen werden fortgesetzt!

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 22. Oktober:

Es wird versichert, die Regierung sei von der gdeichstags-Ni^erlage nicht allzu hart betroffen. Tie Re­gierung, so erzählt man, habe im gegenwärtigem Augenblick kein anderes Ergebnis erwartet; dasselbe sei nicht von praktischer, sondern vondemonstrativer" Be­deutung. Demonstrativ insofern, als die landwirtschafts- freuudlichen Parteien ihren Wählern den guten Willen und den Eifer, höhere Getreidezolle zu erlangen, hätten zeigen wollen.Man spricht nicht so ausführlich, wenn man den Abschied gicbt", läßt sich hier ein Citat variieren. Würde der Standpunkt der agrarischen Opposition gegen den Zolltarif cüi unerschütterlicher sein, dann fänden doch nicht fortwährend intime Besprechungen der Führer mit der Regierung statt! Auf beiden Seiten ist der Wunsch vorhanden, zusammenzukommen. Graf Bülow, als erfahrener Tiplvmat, weiß, daß es am besten ist, mit jedem, dessen Einfluß ins Gewicht fällt, einzeln zu ver­handeln. Auf einen Streich fällt kein Baum. Zeit ist vor allem erforderlich. Es geschieht imEinverständnis mit dem Zerllrum und mit der Rechten, daß die zweite Lesung des Tarifentwurfs ohne längere Unterbrechung fortgeführt wird. Älluh das ist ein Zeichen, daß es diese Parteien nicht zum äußersten kommen lassen wollen. Sowie die Regierung mit den parlamentarischen Vertrauens­männern im Reinen ist, wird die Zollberatung im ReichK- tagsplenumdasTöfs-Tösfi^-Tempo der letzten Kvmmissions- beratungen annehmen. Eine Abänderung der Geschäfts­ordnung zur Mattsetzung der Obstruktion ist keineswegs ausgeschlossen. Im Zentrum wie auf der Rechten trachtet man nach einer Gelegenheit, der Linken die Obstruktion gegen die ,^Lex Heinze" heimzuzahlen.

Das kurz erwähnte Schreiben de8 Kaisers

an den Herrenmeister des Johannücr-Qrdens, Prinzen Albrecht von Preußen, anläßlich der am 15. Oktober vor 50 Jahren erfolgten Wiederaufrichtung der Ballei Brandenburg hat folgenden Wortlaut:

Am heutigen Tage begeht die Ballei Brandenburg des Rit­terlichen Ordens St. Johannes vom Spital zu Jerusalem den süns- ägjährigen Gedenktag ihrer Wiederaufrichtung durch weiland Se. Maj. den hochseligen König Friedrich WUHelm IV. Das leb­hafte Interesse und die große Wertschätzung, welche Ich als Landes­herr und Protektor für den Johanniter-Orden empstnde, habe Ich bereits mehrfach bei Meinem Zusammensein mit der Ritterschaft in ihrem ehrwürdigen Sonnenburger Ordensschlosse wie erst vor weni- K' onden bet der Feier der Wiederherstellung des Marienburger lofses des Deutschritter in besonderer Weise bezeugt; auch habe Ich zum Zeichen Meiner Teilnahme an den Bestrebungen des Ordens die Insignien desselben Selbst angelegt. Es ist mir aber ein Bedürfnis des Herzens, heute Euerer Konigl. Hoheit als Herren- meister der Ballei und der gesamten Ritterschaft des Ordens er­neut Meinen Königlichen Tank und Meine Anerkennung für die segensreiche Thätigkeit auözusvrechen, welche die Baller in den verflossenen 50 Jahren eniialtet hat. Ten hochherzigen Intentionen folgend, welche den in Gott ruhenden König bei der Wiederauf- richtung der Ballei beseelten, und den Aufgaben und Pflichten ge­treu, welche der Ritterschaft durch Statuten und Gelübde auferlegt sind, hat der evangelische Zweig des Johanniter-Ordens unter der weisen Führung feiner beiden ersten Herrenmeister, weiland des Prinzen Karl von Preußen und Euerer Königl. Hoheit, sich wäh­rend der 50 Jahre durch Werke selbstloser Barmherzigkeit um die leidende Menschheit in hohem Maße verdient gemacht und ein glänzendes Zeugnis von echt evangelischer und ritterlicher Gesinnung abgelegt. Aus kleinsten Ansängcn heraus ist es der Ballei Der- gönnt gewesen, nicht nur im Anschluß an das frühere Wirken des Ordens im heiligen Lande daselbst sür die Kraiiken und bedürs- tigen Besucher der uns Christen so teuern Stätten durch Begrün­dung eines Hospizes und eines Krankenhauses Sorge zu tragen, sondern auch den jetzigen bedeutmigSvolleren '2lufgaben des Ordens getreu, in der deutschen Heimat durch zahlreiche Krankenhäuser und eine ausgedehnte Liebeslhätigkeit zur Linderung der menschlichen 9h>t beizutragen. Auch in den drei Kriegen, in welchen Deutschland seine Einigung wieder gefunden und seine jetzige Stellung im Rate Der Völker errungen hat, haben die Johanniter sich in anspruchs­loser, ehrenvoller Arbeit unverwelklichen Lorber erworben unb ihren Ruhm darin gesucht, Wiinden zu heilen, Thränen zit trocknen und Herzen aufzurichten. Daß dabei die Rittertreue selbst bis zum Tode geübt und mit edlem Blute besiegest ist, das thun die schwarzen Taseln im Rittersaale zu Sonnenberg uns und allen nachfolgenden Geschlechtern zur Nacheiferung kund. Und wie der ritterliche Geist dienender Liebe und der vorbildliche gottesfürchtige Wandel der Johanniter in der Vergangenheit reiche und schöne Früchte gezeitigt haben, so hoffe und vertraue Ich, daß die Ballei Branden­burg unter dem Zeichen des Kreuzes, das als Symbol des Erlö- sungöweckes unseres Herrn und Heilandes die Welt überwunden hat, suchen Zukunft reichen Seaen schaffen und sich allezeit als eine feste Stütze für Thron und Altar erweisen werde im Kampse nicht nur wider die Leiden der Menschheit, sondern and) wider den Unglauben und die Feinde der göttlichen und menschlichen Ord­nungen.

Sabinen, den 15. Oktober 1902. Wilhelm R/

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Oktober 1902.

** Gedenktage. Zu Frankfurt a. M. wurde am 24. Oktober 1811 der vortreffliche Komponist und Musik­schriftsteller Ferdinand v. Hiller geboren. Die Zahl seiner Kompositionen beträgt über 200; am berühmtesten ist daS Oratorium .Zerstörung Jerusalems*. Als Schriftsteller hat sich Hiller durch Erinnerungen an Beethoven und Mendelssohn und populäre musikalische Bücher bekannt ge­macht; große Verbreitung sanden seine .Uebungen zum Studium der Harmonie und des Kontrapunktes*.

** Zu den Landtagswahlen schreibt man au5 Schotten: Es ist nicht wahr, daß der Großherzog

sich r91 rat ht 9Irnr* nrit Weidner photographieren ließ, eS handelte sich vielmehr um eine zufällige Moment- Aufnahme. WeidnerS Wiederwahl ist sehr zweifelhaft, da er mehrere Konkurrenten hat, Oberförster Dr. Weber in Konradsdorf, zu besten Gunsten ein Wahlaufruf erschienen ist, in dem auf Webers Schrift über die Bodenwirtschaft im Vo- gelSberg hingewiesen wird, sowie auf seine Kenntnis der Landwirtschaft und der gewerblichen und wirtschaftlichen 93er» hältniste des Landes, seine Thätigkeit auf dem Gebiete deS Sparkastenwesens und der Gründung der hestischen Hypo­thekenbank und anderer gemeinnütziger Anstalten.

** Gastspiel Richard Kirch. Herr Richard Kirch, bekannt durch seine hervorragenden Engagements als erfter Helden liebhab er (Hamburger Stadttheater, Hof­theater Dresden, Deutsches Volkstheater in Wien, jetzt Frank­furter Schauspielhaus), wird, wie wir bereits mitteilten, am kommenden Sonntag im hiesigen Stadttheater als Othello" gastieren. Herr Kirch hat in letzter Zeit durch seine Gastspiele in London von sich reden machen, wo er, Shakespeares Othello" und .Hamlet" so erfolgreich ver­körperte, daß die Londoner Blätter ihm ausführliche Be­sprechungen widmeten. So schreibt u. a. derStandard" in London:

In seiner Personifizierung des Othello kommt Herrn Kirch ein hoher Grad vorteilhafter physischer Veran­lagung zu statten. In seinen leidenschaftlichsten Szenen zeigte er sich fast ebenso einem Mörder ähnlich als Ta- magno in Verdis Oper. Der Othello des Herrn Kirch war in ein solches Stadium von Raserei gelleidet, daß der größte Teil des Auditoriums in den Glauben versetzt worden sein mag, es sei der Leidenschaften zu viel ge­wesen. Ter deutsche Künstler hat das Publikum zu fesseln verstanden.

Bingen, 22. Okt- Wie immer, so auch in diesem Jahre macht die Firma Stück u. Fischer den Armen der Stadt Bingen ein Geschenk von 400 Zentnern Kohlen. Bei der Stadt ist jetzt die Klageschrift der bei der Pulver­explosion im Frühjahre zu Schaden gekommenen An­wohner der Mainzer Straße eingegangen. Die Klageschrift richtet sich außer gegen die Stadt noch gegen den hessischen Staat und die Firma B-retz und Huff, welcher das in die Luft geflogene Pulverhaus gehörte und lautete insgesamt auf ungefähr 20 000 Mark Schadenersatzsorderung. Die Kläger werden von fünf Rechtsanwälten aus Mainz ver­treten. Auf den Ausgang der Klage kann man ge­spannt sein.

Kom deutschen Keterinärrat.

lieber die 9. Plenarsitzung des deutschen Veterinärrates zu München sei noch folgendes nach derAugsb. Abend- ztg." berichtet.

Als Vertreter des Reichsamtes des Innern war er­schienen Geheimrat Dr. Kelch als Vertreter des Reichs- gesmrdheitsamtes Geheimrat Dr. Röckl. Auch die tier­ärztlichen Hochschulen hatten Vertreter entsandt, die Vete­rinärabteilung der Universität Gießen den Prof. Olt. Im ganzen sind ca. 200 Teilnehmer aus allen Gauen Deutsch­lands anwesend. Ter Präsident des deutschen Beterinär- rates, Geh. Medizinalrat Dr. Esser-Göttingen erstattete Bericht über die Ereignisse innerhalb der Korporation seit deren letzter Generalversammlung im Jahre 1897. Auf die beim Reichskanzler und anderen beteiligten Stellen über­reichte Eingabe bett, die Militarveterinäre, seien bereits Verbesserungen eingetreten und weitere stehen in sicherer Aussicht. Aus die 1899 dem Reichskanzler über­reichte Eingabe betr. die gesetzliche Regelung des tierärzt­lichen Tispensierrechts für das Reich, haben die Apotheker, wenigstens in Norddeuischland, mit Gegenmaßregeln und einer Gcgenagitation geantwortet, die jedoch z. Zt. zum Stillstand gekommen ist; dem Vernehmen nach schjweben Verhandlungen zwischen den beteiligten Ministerien, die wohl erst beenbet sein müssen, ehe an eine Regelung dieser Angelegenheit von Reichswegen gedacht werden kann. Die vom Veterinär rat erbetene Gleichstellung der tierärztlichen Gebühren und Forderungen mit den ärztlichen in der Kvnkursvrdnung ist erreicht worden. Tie Beschlüsse des Veterinärrates betr. die Fleischbeschau sind durch das Fleisch­beschaugesetz in der Hauptsache erfüllt worden. Das feit 1885 immer wiederholte Verlangen des Veterinärrates, für das Studium der Tierheilkunde das Abitu­rientenexamen vorzuschreiben, ist erfüllt.

Geh. Oberregierungsrat Dr. Kelch-Berlin führte aus: Schon bald nach dem Inkrafttreten der Novelle zum Reichsviehseuchengesetz habe sich die Ueberzeugung geltend gemacht, daß in kurzer Zeit eine weitere durchgreifende Revision dieses Gesetzes werde erfolgen müssen; es gelte nicht nur die Vorschriften über die Seuchenbekämpfung im allgemeinen noch sachgemäßer zu geftalten, sondern haupt­sächlich gewissen Seuchen gegenüber, die bisher noch nicht die ihnen gebührende Behandlung gefunden haben, beson­dere ihrer Eigenart entsprechende Vorschriften zu erlassen; er erinnere nur an die so verheerend auftretenben Schweine- und Geflügelkrankheiten unb vor allem an bie Rindertuberkulose, welche der Land­wirtschaft und dem Fleischergewerbe jahraus jahrein die schwersten Sckstiden Aufügt, ohne daß es bisher möglich war, einheitlich und durchgreifend dagegen vorzugehen. Bereits vor Jahren sei das t Gesundheitsamt beauftragt, bie Vorarbeiten für bie Revision bes Gesetzes in die Wege zu leiten; biefe haben naturgemäß geraume Zeit in An­spruch genommen, nun aber fei ein, wenn auch nur vor­läufiger unb zunächst noch vertraulich behanbelter Gesetz­entwurf aufgeftellt worden, der im nächsten Monat im k. Gesundheitsamt von einem weiteren Kreis von Sach­verständigen durchberaten werden sott. Es sei zu erwarten, daß ein Gesetz, welches dergestalt unter Mitwirkung der berufensten Vertreter der deutschen veterinärmedizinischen Wissenschaft zu {taube kommt, auch das Richtige treffen wird zu Nuß unb Frommen unserer Viehzucht unb Vieh­haltung und zum Segen ber habet beteiligten Berufs­stände, insbesondere der deutschen Landwirtschaft.

Der Vorsitzende Dr. Esser gab einen lleberblick über bie Wirkung der jetzigen Viehseuchengesetzgebung. Tie wesentlichste Grundlage sei die Anzeigepflicht. Im allgemeinen könne man die Frage, ob das Retchsviehseuchen- gesetz in den zwei Tezennien seines Bestehens die darauf gesetzten Hoffnungen erfüllt habe, bejahen. Bei einigen Seuchen ist der statistische Nachweis zu erbringen, baß die Wirkung des Reichsviehscuchengesetzes sich in einer Abnahme derselben wiederspiegelt, bei arideren haben die getroffenen Maßnahmen scheinbar versagt. Redner giebt bezüglich einiger Seuchen eine vergleichende Zusammenstellung des Standes in den Jahren 1686, 1895 und 1900. An Milz­brand erkrankten in diesen Jahren in Deutschland 213 bezw. 3949 bezw. 4050 Tiere; das bedeutet aber that- sachlich keine 93ermctvung der Krankheitsfälle, ist vielmehr

im Wesentlichen zurückzuführen auf Einführung der Chü> schädigung bet Milzbrandfällen, wodurch Verheimlichungen seltener wurden. In den eigentlichen Milzbranddistrillen sind notorisch die Milzbrandfälle nach Etnführung der veterinärpolizettichen Maßregeln seltener geworden. Aehn- lich ist es beim Rauschbrand. Bezüglich der 9But- kran kheit läßt sich, wenn dieselbe auch sehr unglich über Deutschland verbreitet war, die günstige Wirkung der Seuchengesetzgebung doch leicht feststellen. Die Gesamtzahl ber Erkrankungen betrug in den genannten Jahren 577, 489 und 987, wöbet aber zu berücksichtigen ist, daß die Zunahme sich nur auf die russisch-polnische und österreichische Grenze erstreckt, während das Binnenland fast frei ist. Eine Grenz­sperre ist unmöglich, deshalb werden wir in den Grenz­gebieten voraussichtlich immer von überlaufenden tolle« Hunden, Wölfen, Füchsen usw. eine Einschleppung zu be­furchten haben. Ta die Uebertragung der Wut saft aus­nahmslos durch den Biß kranker Tiere, insbesondere der Hunde, erfolgt, ist die Einsperrung der Hunde eines ver­seuchten Bezirkes eine sehr wirksame Manregel durch Ver­hütung der Weiterverbreitung. Hierdurch und durch An­ordnung der Tötung kranker, verdächtiger und aller von tollen Hunden gebissenen Hunde und Katzen sind die im Binnenlande auftretenben Seuchenherbe sicher unb in ver­hältnismäßig kurzer Zeit getilgt worben. Die Rotzkrank­heit ist unter der Einwirkung der veterinärpolizeilichen Maßregeln mehr und mehr eingedämmt worden. In den genannten drei Jahren wurden als rotzkrank gemeldet 1220, 590 unb 784 Pferbe. Die größten Schwankungen weift in den letzten beiden Dezennien der Stand der M aul- unb Klauenseuche auf, deren enorme Ansteckungsfähigkeit bewirkt, daß sie sich sehr rasch über den ganzen Vieh­bestand eines Landes verbreitet. Ta sich das Seuchengeietz von 1880 gegen diese Seuche als wirkungslos erwiesen hatte, wurden durch eine Novelle von 1894 schärfere Maß­regeln vorgesehen, allein auch diese haben die Erwartungen des Gesetzgebers nicht erfülll, vielmehr sind diese in das wirtschaftliche unb Derkehrsleben tief einschneidenden Strafbestimmungen sehr unpopulär geworden, jn Kreisen der Fachleute ist man darüber einig, daß der Schwer­punkt des Vorgehens gegen die Maul- und Klauenseuche auf die Erfindung eines praktisch bewährbaren Jmmu- nisierungsverfahrens zu richten sei. Die Zahl der Er­krankungen an Maul- und Klauenseuche betrug in den drei Jahren 13 603, 464 636 und 1046149. (Gegenwärtig ist bekanntlich ganz Teutschland fast frei von der Maul- unb Klauenseuche. D R.) Die Lun g en seuche, welche früher ben Rinbviehbestanb in Deutschland sehr stark bezimierte und mit Recht nach ber Rinberpest als die gefährlichste Rinderkrankheit angesehen wurde, ist unter ber Wirkung des Seuchengesetzes allmählich immer mehr zurückge- aangen; sie ist zur Zeit nur noch im mittleren Deutsch­land vorhanden. Die Tötung kranker, verdächtiger und ansteckungsverdächtiger Rinder unb die Gewährung von Entschädigungen haben augenscheinlich diesen Rückgang er­zielt. Die Immunisierung einzelner Viehbestände durch Impfung hat ebenfalls den Kampf gegen diese Seuche in einigen Gegenden wesentlich erleichtert. Es erkrankten da­ran in den drei Jahren 1778, 940 und 468 Rinder. An den Schafpocken waren in Deutschland im Jahre 1886 noch 7462 Schafe ertranft, dann aber trat diese Seuche bis 1899 überhaupt nicht mehr auf. Die veterinärpolizei­lichen Bestimmungen des Seuchengesetzes haben sich also bei dieser Seuche vorzüglich bewährt. Während die Be­schälseuche ber Pferde von 18861900 in Deutsch­land überhaupt nicht vor kam, h<tt sich der Bla sch en au s- schlag ber Pferde und besonders ber Rinder un­unterbrochen, allerdings mit sehr großen Schwankunaeu, gezeigt. Es erkrankten daran in den genannten Drei Jahren 248 Pferde und 3944 Rinder, bezw. 329 Pferde und 6232 Rinder, bezw. 167 Pferde unb 6132 Rinder. An­scheinend genügen die veterinärpolizeilichen Maßregeln nicht, diese Seuche wirksam zu bekämpfen. Während sich bezüglich der Räude bie gesetzlichen Maßnahmen bei den Pferb en gut bewährt haben, haben biefelben die Er­wartungen nicht erfüllt, bie man bezüglich ber Bekämpfung ber Räube bei ben Schafen hegte. Tie wichtigste Maß­regel ist hier bie Behanblung unter veterinärpoli^eilicher Kontrole. Ter von Anfang an beftanbene passive Moerstand ber Besitzer unb besonders der Schäfer gegen das Bade- verfahren wurde durch vielerlei Mißerfolge bestärkt und die Seuche hartnäckig verheimlicht. Es muß zuaegeden wer­den, daß daS Baden einer größeren Schafherde eine sehr anftrengenbe Arbeit ist, unb daß bei ben heutigen sozialen Verhältnissen eine genügende Anzahl tüchtiger Arbcller für diesen Zweck in vielen Gegenden Deutschlands schwer zu beschaffen ist; Thatfack)e ist ferner, daß sich nur selten mehr Tierärzte finden, welche Neigung haben, ganze Tage hindurch das Babeverfahren zu überwachen. Es erkrankten an Räude 616 bezw. 500 bezw- 461 Pferbe unb 312 428 bezw. 78820 bezw. 98132 Schafe- lieber bie günstige Wirkung des Seuchengesetzes auf die Pferberäude sind die Sachver­ständigen einig, während gerade die Praktiker, die sich^ mit der Behandlung räudiger Schafberden vielfach be­schäftigt haben, über die Wirksamkeit der gesetzlichen Maß­regeln verschiedener Meinung sind. Ein Schluß über die Wirkung der seit 1898 eingeführten Anzeigepflicht ber Schweinefeuchen ist zur Zeit noch nicht möglich.

*

Ter Veterinärrat beendete am 22. b M. seine Plenar­versammlung, nachdem er eingehend über bie Gestaltung bes neuen Viehseuchengefetzes beraten batte. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Breslau gewählt.

^om Konservieren menschlicher AayrnngsmitteL durch Trocknung bis zum Krocknen lundwirtschajt- kicher AroduKte für die gleichmäßige Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere.

se. Gießen, 20. Okt.

Schon vor etwa zwei Jahrzehnten versuchte man, um dem Mangel an Gemüsen in den Haushaltungen zur Früh- jahrSzeit vorzubeugen und den Uebersluß an Gemüsen im Herbst, der zum erheblichen Teil bei der Aufbewahrung zu Grunde ging, zu retten, Gemüse und Suppenkräuter durch sorgsältige Trocknung zu konservieren. Die Bestrebungen hatten Ersolg, man trocknete Wirsing, Weißkraut, Luppen­kräuter aller Art, Kartoffeln rc. Tiefe getrocknete Ware wurde in unseren besseren Läden verkauft, Segelfchisfe und Tampfer, die große Seereisen zu machen hatten, verpro­viantierten sich damit, doch sanden diese getrockneten Pro­dukte keinen dauernden Beifall, um fo weniger, als die siifchen Gemüse, welche sich bei guter Aufbewahrung mindestens bis Anfangs März leidlich halten, abgelöst wur­den durch die aus dcm südlichen Frankreich, aus Algier und besonders aus Italien massenhaft eingeführten frischen. Geinüse. Seit dieser Zeit und seitdem all die modernen

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