Ausgabe 
23.10.1902 Drittes Blatt
 
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staatliche Mobiliar Feuerversicherung empfehlenswert war usw. Nachdem sich Redner noch über eine Reihe anderer Fragen ausgesprochen, unb in der Wahlrechtsfrage seine Uebcreinstimmung mit der Anschauung des Vorredners betont, schloß er seine beifällig aufgeuommenen Aus­führungen. Die Versammlung genehmigte darauf die 115 aufgestellten Wahlmänner und nach einem kräftigen Appell von Geh. Justizrat Osann, Justizrat Schmeel u. a. zu reger, freudiger Beteiligung an der Wahl, schloß die Versammlung.

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Politische Tagesschau.

Der Landesausschuß der nationalliberalru Partei nn Großherzogtum Hessen erläßt soeben einen Wahl­aufruf, dem wir folgendes entnehmen:

Wir sind allzeit bereit, den Interessen der Land­wirtschaft gerecht zu werden, insbesondere gewillt, zu erner Organisation des landwirtschaftlichen Berufsstandes nntzuwrrten, aber unter Vermeidung allzu großer Be­lastung der Landwirtschaft. Alle Bestrebungen, die auf die Förderung von Handel mid Industrie sowie auf eine Besserung der Lage des Mittelstandes, namentlich un Kleinhandel und Gewerbe abzielen, find unseres Wohlwollens und unserer Unterstützung von vornherein sicher. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Unterstützung ärmerer Landesteile beim Ausbau ihrer Verkehrswege zu richten. Andererrseits muß im Hinblick auf die enorme Höhe der Landesfteuern auf weise Sparsamkeit in der Staatsv erwaltung, insbesondere auch im Bau­wesen Bedacht genommen werden. Eine sachgemäße gesetz­liche Umgestaltung des Gemeindesteuerwesens ist geboten und unserer Mitarbeit sicher, und zwar unter Be­rücksichtigung der Lage der wirtschaftlich schwächeren Be- völkerungstellc. Wir sind bereit, zu einer Verbesse- r u n g d e s W a h l g e s e tz e s, welche das Staatsinteresse wre die berechtigten Interessen der Wähler in liberaler Weise wahrnimmt, mitzuwirken."

Der deutsche Zolltarif in der Berliner und der österreichischen Presse.

bezahlen. Wenn sie selbst sich auch mit ihrem Sieg zuftieden erklärten, .sei es doch wahrscheinlich, daß auch die überstimmten Parteien der Linken mit dem Sieg der Gegner zum mindesten nicht unzuftieden sein würden. Tas österr. ,^8a ter land" beantwortet die Frage, ob der deutsche Zolltarrf gefallen sei, mit: nein, denn gerade das Stimmverhältnis zäige den Niedergang der Hoch - zollbewegung. Die halbe Mark, um welche Regierung und Reichstag noch auseinander seien, könne eine unaus- füllbare Kluft nicht mehr bilden. Die WienerZeit" will die unscheinbaren Fünfzig Pfennige, die zu einer pvli- tftchen Rolle berufen seien, als ein Symbol aufgefaßt wissen, welches beweise, daß die Mittellinie zwischen den Ansprüchen des allen Grundadels und den Bedürfnissen des wlltschaftllch fortschreitenden Landes überhaupt nicht gefunden werden könne.

(Zuruf links: Biele gehen auch zu Grunde.) Jawohl, das liegt dann aber nicht an der Gerste, sondern an der Konkurrenz unter elnander. (Sehr richrig! im Centrum.) In Folge des niedrigeren Gcrilenpreyes im vorigen Jahre hatte das Löwenbräu allein eine Mehremnahme von 700 000 Mk., die hat sic ruhig eingesteckt, olme den Bierpreis zu ermäßigen. (Hört! hört!) Nun kommen s,c. 'ta) mTt dem kleinen Brauer und sagen, der arme Mann wird sich bei erhöhtem Gerstenzoll nicht halten können I Ja, wozu muß der Heine Mann nicht Alles herhalten?

Er muß bei den Champignons herhalten (Heiterkeit), und er muß beim Champagner herhalten (erneute Heiterkeit), und jetzt muß er auch beim Bier herhalten. Wenn die kleinen Brauereien sich nidji HEeri km"en, so liegt das an den großen Brauereien; mit wahrer Nud)ichtslosigkeit werden sie von diesen tobt gemacht (sehr richtig I rechts und tm Centrum), die ältesten Kunden werden ihnen von diesen abspenstig gemacht. Mit dem Gerstenzoll aber hat das nichts zu thun, denn die Auslandsgerste wird von den kleinen Brauern gar nicht benutzt. Das ist eben das Sdilimrnste, daß die Brauer sich gar nicht mehr retten können vor dem großen Angebot an Gerste, daß die Gerste unverkäuflich ist ober unter ben Ge­stehungskosten verkauft werben muß. Wahrend der Zeit, da unsere Speicher voll waren mit Gerste, find 1 500 000 Doppel-Centner Aerreichischer Gerste über die Grenze zu uns eingcführt worden. L- o Holls rechts.) Herr Roesicke warnt vor dem Gerstenzoll, weil die Londwirthe ja selber die ausländische Gerste zu Futterzwecken brauchen. Nun, wir sind ja gern bereit, die Futtergerste von dem Mimmalzoll auszunehmen l (Hort, hört! Ruf: Aber wie? Herterkelts Vielleicht wird sich bis zur dritten Lesung noch eine Möglichkeit dazu finden. Vielleicht findet die Regierung bei der hochentwickelten Chemie und dergleichen (Heiterkeit) einen zoll- technisch gangbaren Weg, die Futtergerste von der Braugerste zu trennen (Lachen, hört, hört!) Wir werden niemals einem Zoll- tarif zusttmmen, der einen Gerstenzoll von 3 Mark enthält. Wir wurden ja sonst Verröther an unserer bairischen und süddeutschen Landwirthschaft werden! (Beifall rechts, Lachen links.)

Abg Gothein (fteis. Vgg., mit Unruhe und Murren begrüßt): ' 3$ mufc sagen, mit solcher Ungenirtheit ist noch nie die Interessen- 1 Politik von der Tribüne des Hauses herab vertreten worden, als lGiwßer Lärm, Lachen, Rufe: Oh! Ohl Oh! Ohl Redner ' versucht weiterzureden. Erneute Rufe: Oh! Oh! Ohl Ohl eine . Seit lang fortgesetzt. Glocke des Präsidenten. Redner spricht unbewrt weiter.) Sie sagen uns dagegen, daß wir die Interessen der Großbrauer bertreten. Ja, meine Herren, das ist ein großer Unterschied. (Lachen links.) Wens mit Jemand das Portemonnaie

** Auszeichnungen. Dem Untererheber staat- lrcher Gefälle und früheren Ren kamt sunt ererheb er Karl Brand zu Kürnbach ist aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Dienste das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,Zür treue Dienste" verliehen worden.

0 Darmstadt, 21. Ott. In einer größeren Ver­sammlung nationalliberaler Vertrauensmänner, die heute abend imKaisersaal" stallfand, wurden für den Stadtkreis Darulstadt Oberbürgermeister Morneweg und Landgerichtsrat Dr. Busch definitiv als Landtagskan­didaten ausgestellt. In der Versammlung gab zunächst Oberbürgermeister Morneweg in einem mehr als zwei- tündigem Vortrag ein umfassendes Bild über die Thätig- keit des verflossenen Landtages. Ein ausführliches Ka- pllel widmete der Redner auch der finanzpolitischen Lage unseres Landes. Die Ausgaben und infolgedessen auch die Steuern hätten eine außerordentliche Höhe, erreicht, es müsse unter allen Umständen größere Sparsamkeit Platz greifen. Deshalb dürfe man vor allem auch feine neuen kostspieligen Organisationen schaffen, die nicht absolut notwendig sind, wie z. B die Landwirt- sch a ftskam m er, die auch von vielen durchaus Sach­verständigen nicht für dringend erforderlich erachtet werde. Einem Gesetzentwurf über das direkte Wahlrecht werde er, da dasselbe nun einmal im Zuge der Zeit liege, unter den von der Regierung vorgesehenen Be­dingungen seine Zustimmung geben. Besonders müsse an der Vermehrung der städtischen Vertreter im Landtag festgehalten werden. Der zweite Kan- didat für Darmstadt, Landgerichtsrat Dr. Busch, drückte ein Erstaunen darüber ans, daß der Vorredner und er elber als dieagrarischen Ziandidaten" bezeichnet würden, dttchts sei verkehrter als das. Er sei in Industriestädten aufgewachsen unb er würde schon infolge seiner amllichen Tätigkeit der letzte fein, der einzelne Interessengruppen vertreten (bunte. Es gelle heute nicht einen Kampf, sondern einen Ausgleich zwischen Stadt und Land. Er wünsche auch vor allem eine Förderung und Besserung des Ge­werbestandes, eine bessere Heranbildung zum kaufmänni- chen Beruf. Es hätten im verflossenen Landtag manche Ausgaben unterbleiben können, wie bei den 14 neu be­willigten Oberförsterstellen und der sonstigen Vermehrung des Beamteiipersonals. Fraglich sei auch, ob die kost­spielige Hafenanlage so absolut notwendig war, ob die

. aus der Tasche ziehen will, so ist eS nur natürlich, daß ich das nicS zulafie. Unb auf etwas anderes läuft es doch nicht hinaus Es banbett sich doch nur barum, baß bie Großbrm-cr, wie ber bairische oinanunini]ter so schön sagte, gehörig gezwickt werben sollen. (Unruhe rechts), cs handelt sich nur um eine Überleitung beS Portemonnaies aus den Taschen ber Großbrauer in die Taschen ber Großbauern. (Sehr gutl Rufe: Ohl Oh! Lachen und Unruhe.) ^-chr,chon war es ja, baß Herr Gerstenberger bie Futtergerste von der Braugerste trennen will. Herr Gerstenberger, Sie haben eine nawc Auffassung von ber Chemie und dergleichen (Heiterkeit), aber ich furchte, dazu wird diese nie zu gebrauchen sein. Die Klein- bmnrn lassen sich von dem Bund ber Lanbwirthe ins Schlepptau nehmen, weil dieser ihnen vorrebet, er vertrete ihre Interessen. Es i|t ja letber eine alte Wahrheit: selbst ber vernünftigste Mensch qt schließlich geneigt, eine Dummheit zu glauben, wenn sie ihm nur Tag für Tag oorgerebet wird. Unb ber Bund der Landwirche redet den Bauern eben Tag für Tag Dummheiten vor. (Sehr gut! und öcitcrfett links. Lachen rechts.) Aber es dämmert schon. Pasien Ste nur auf, meine Herren Bündler: bie Bauern sind bie längste 3eit bei Ihnen geblieben. (Lachen rechts.) Der Generalsekretär des Lanbwirthschaftsraths Dr. Dabe hat längst nachgewiesen, daß der Hafer- und Gerstenzoll ben Bauern nichts nützt. Unb allmählich toerben bicfc auch selber bahinter kommen. (Allmählich macht die bisherige Unruhe tm Hause einer ruhigen, indifferenten Stimmung 4latz. Jur dem Sopha im Hintergründe ruhen sanft zwei Abge­ordnete.) In Zeiten hoher ©ctreibepreifc sind wiederholt bie Vieh- ^''^pemlich nichtig gewesen, weil der ftonfument, der viel Geld für Brod ausgeben muß, nur wenig Geld für Fleisch übrig hat. ~amit ist dock) ben Viehprobuzenten, ben Bauern, sehr wenig at« dient. Aber es hat ja keinen Zweck, bie Herren von ber Rechten durch Reben überzeugen zu wollen, baß bie Zölle ber Laudwirth. P,nrUnil^^vnu^; i^ehr wahr! rechts.) Sie werben nur burch bu Macht ber Thatsachen überzeugt werben, durch die neuen Wahlen. (Lebhafter Beifall links.)

Bairischer Bunbesbevollmächtigter von Geiger wendet sich gegen einige Bemerkungen des Abg. Gerstenberger. Die Zollsätze für Gerste seien stets geringer gewesen, als bie für Roggen. E» gehe also nicht an, ihn jetzt so hoch zu bemessen.

Die We^iterberathung wird hierauf vertagt.

in r Präsident schlägt die nächste Sitzung für morgen 12 Ugr vor.

. Abg. Frhr. von HetiNng (Ctt.) bittet als Vorsitzender der Kinbersdiutzkommisfion, die morgen tage, die Sitzung um 1 Uhr be­ginnen zu lassen.

Abg. von Kordorff (Rp.) wünscht, es bei 12 Uhr zu belassen, damit man nicht zu spät zur Abstimmung komme.

_,T Gegen die Stimmen der Rechten wird hierauf 1 Uhr be­schlossen.

Schluß 634 Uhr.

Vermischtes.

* Fulda, 22. Ott. In Geiselwind wurden im Streit aus der Kirmes drei Burschen erstochen.

* Ber 1 in, 22. Ott. Vcruntrcuungeu in Höhe von ca. einer halben Million Mark sind in dem Kaufhause N. Israel entdeckt worden. Dieselben find durch zwei Brüder B o s a s begangen worden. Der eine ber Brüder war Buchhalter in der Möiürole und verstand es, durch Fälschung der Verkaufszettel in seine Tasche zu wirtschaften, während der allere, der als Kassierer fungierte, seinem Bruder behilflich war, die Unterschlag­ungen zu verdecken. Als vor acht Tagen Verdacht rege wurde, verschärfte man die Kontrole, wobei die Veruntreu­ungen entdeckt, und die Schuldigen entlassen wurden. Eine Anzeige wurde bisher nicht erstattet. Die Unterschlagungen der beiden Brüder, die 54 urrd 62 Jahre alt sind, sollen öor mehr als 15 Jahren ihren Anfang genommen Haven.

* Kiel, 22. Okt. Heute erfolgte an Bord des üu Hafen liegenden russischen KreuzersTschigit" beim Ab- feuern des Saluts für die Kaiserin eine Explosion. Ein Mattose wurde getötet, sechs andere find schwer verletzt worden.

* Hamburg, 22. Ott Der Hamburg-Amerikalin« ging aus Eurayao ein Telegramm zu, nach dem der Un­glücks fall, bei welchem der Kapitän, der erste Ma­schinist und zwei Matrosen des deutschen DampfersSfr lefia" ertranken, sich beim Boating ereignete. Ob es sich um An-- oder Bonbordfahren oder ein anderes Boots­manöver handelt, ist «amd dem Telegramm nicht ersichtlich

* Paris, 22. Okt Ein Mann versuchte heute früh über das Gitter des Elyssepalaftes zu klet­tern. Er wurde als Geistesgestörter erkannt, der gerade aus dem Hospital entlassen worden ist, in das er infolge eines Selbstmordversuches Ausnahme gefunden hatte. Ge­rüchte von einem anarchistischen Attentat aus den Präsidenten Loubet sind vollständig unhaltbar.

Eine Reihe von Berliner Blättern besprach erst gestern abend die Abstimmung über die Mindestzollsätze für Roggen und Weizen int Reichstage. DieP o st" meint, die Abstimmung lasse keinen Zweifel darüber, daß in der zwetten Lesung die Zolltarif^Vorlage im wesentlichen nach den Beschlüssen der Tariflommission sich gestallen werde. Man müsse aber an der Hoffnung und an der festen Ab- ftcht, den Zolltarif zu stände zu bringen, trotzdem bis zu Ende festhallen. Tie ^treuzzt^" schreibt, daß der Gegensatz, der hinsichtlich des Zolltarifs zwischen den beiden Faktoren der Gesetzgebung besteht, bis jetzt in keiner Wcn.se gemildert sei. Ter Reichstag habe die Pflicht, die Beratungen fortzusetzen, bis über die Ofcfamtttorlage eine ent)gütige Mstimmung im Sinne ihrer Annahme oder W- lehnung entschieden sei. TieDeutsche Tagesztg." meint, das Mittel zu einer Verständigung sei die Herab-- setzung der Jndustriezölle, insbesondere der Eisen- und Mafchinenziölle. Diese Herabsetzung werde beantragt und wahrscheinlich auch angenommen werden. Die ^Ger­mania" schreibt: Die Reichstags Mehrhell habe gestern bewiesen, daß sie einer Verständigung nicht abgeneigt sei. Ste fei der Regierung sehr weit entgegengekommen, wäh­rend die Regierung bis jetzt auch nicht um Haaresbreite von ihrem Erschlage, der zugleich ein Ultimatum fein solle, abzuweichen sich geneigt gezeigt habe.

In einer Besprechung der vorgestrigenMstimntungsergeb- Nisse über die Zolltarifvorlage im deutschen ReickMage stellt die WienerN e u e F r e i e P r e f s e" fest, daß Graf Bülow eine schwere Niederlage erlitten habe, die jedoch ntcht ihn allein, nicht Teutschland allein betreffe, sondern vielmehr den ersten Anstoß zur Auftotlung einer euro­päischen Frage bilden werde. Alle Höflichkeit diplo­matischer Noten tmd Freundschaft mächtiger Monarchen wurde nicht verhindern können, daß die Nachbarvölker Deutschlands mit Unmut nach jenem Reiche blicken, das ihren A d e r b a u schädige uitd den Verkehr lähme. Ter Reichstag eniidyicb jid) also gegen Bülow, gegen das Prinzip der Handelsverträge, die Entwickelung des Er- ports und Nationallvvhlstandes und somit gegen das Volk. Tas -Irtener ,,ty r e in l) c u b la 11" meint, daß der gefaßte Be.sd)luß |ur die Sieger ohne praktischen Wert sein werde weil der Reichskanzler vor der Abstimmung deutlich er^ klärte, daß der 'Jüurag des Zentrums und der Konserva­tiven für die Regierung in jedem Stadium, also auch fcn der dritten Lesung, unannehmbar sei > mache den ein- druck, als ob die Sieger durch , en Sieg sich selb st dazu verurteilt Istlllen, d. riegskosten

Abg. Okrftenbergcr (Centr.): Ich verstehe es nicht, wie man ed uns zum Vorwurf machen kann, baß wir die Jnteresien ber Bauern vertreten. Sie, auf ber Linken, vertreten ja auch nur bie Interessen eines Standes, der Arbeiter. Sv sucht eben jeher sein Schäflein ins Trockene zu bringen. (Allgemeine Heiterkeit.) Herr Sieber ist mit dem Haferzoll einverstanben; bas verstehe ich voll- lommen. In Würtemberg wirb vornehmlich Hafer gebaut, barum genügt ihm ein höherer Haferzoll. Das ist eine Polittk nach bem Sprichwort: Lieber Florian, verschone unser Haus, zünbe anbere an! (Heiterkeit.) Herr Dr. Müller-Meiningen ärgerte sich bar- über, baß ber Reichskanzler während feiner Rede nicht ba war, und er hat es dabei gar nicht gemerkt, daß sogar der Staatssekretär Graf Posadowskh während seiner Rede hinausgegangen ist (Große Heiterkeit); er hat bis jetzt ben Weg noch nicht toieber hierher gefunben, so groß war ber Einbruck von Dr. Müllers Rebe (Heiter­keit) ; Herr Müller hat auch als David den Goliath Dr. Heim an- greifen zu müssen geglaubt, er hat aber aus feiner Hirtentasche nur eine Hand voll Staub hervorgeholl. (Hetterkeit.) Gegenüber der Bemerkung, daß unsere Bauern bie Gerste nicht richtig behanbelten, weise ich nur auf die Thatsache hin, daß unsere fränkische Gerste hier in Berlin auf der Brauausstellung den ersten Preis dabon- getragen hat. Wir in Süddeutschland erwarten ja nicht viel von Preußen (Heiterkeit), aber daß man die süddeutschen Staaten in- bctreff der Gerstenfrage in der Vorlage so zurücksehen würde, hätten wir doch nicht vermuthet. Baiern baut im Verhältniß 116mal mehr Gerste als Preußen: in Preußen entfallen auf ben Kopf ber Bevölkerung 90, in Baiern 204 Pfunb Gerste. Dazu kommt, baß Sübbeutschland besonders stark dem Ansturm von Oesterreich ausgesetzt ist. (Graf Posadowskh betritt wieder den ©aal. Zuruf links: Der Staatssekretär ist wieder ba.) Ich habe ihn nicht gerufen. (Große Heiterkeit.) Wie Herr Müller beweisen will, daß sich die Bauern selbst schädigen, wenn sie für den Gersten-

Der Gerstenzoll ist noch fääWHfet als eine Verdoppelung der Brau- zoll eintreten, verstehe ich nicht. Denn er das beweisen kann steuer, gegen die sich der Reichstag nnmer^gefprvcheii hat. Ge- bann verdient er em Diplom als oberster LandwiNhschaftsrath

Zentrum ist es- das m diesem solle die Jnteresien des .Heiterkeit.) Es ist zugegeben worben, baß nicht bie Stoufumen^ Mittelstcnides am menten schädigt. Die mittleren und kleinen Braue- icn, sondern die Brauereien den erhöhten Gerstenzoll tragen n-ür- wun M>en^eute schon schwer unter der Konkurrenz der großen, oen! (Zuruf des Abg. Roesicke-Desiau: Ja, in der Uebcrqangs- zu lewen; sie kommen einfach nicht mit, weil sie nicht in der Mage, jtit, um nachher desto mehr herauszuschlagen Großer £arm Jtnb, die vervollkommneten maschinellen Einrichtungen zu treffen. . rechts!) Was schabet es benn ben großen Brauereien, wenn sie Wenn der Gerstenzoll hinzuttitt, so können sie gar nicht mehr gegen den Zoll tragen! Sie geben ja 20 und mehr Prozent Dividende die Großbrauer aufkommen, und das Zentrum hat dazu beige- ~ ,:-13 ' ..... - °

tragen, einem Theile des Mittelstandes den Garaus zu machen.

Wenn die Regierung die Jnteressenpolitik, die jetzt den Reichs­tag beherrscht, Wetter fortsetzen will, so können toir sie nicht daran hindern. Aber und das sage ich auch im Namen meiner Freunde von der freisinnigen Vereinigung wir fühlen die Verpflichtung in uns, dieser unheilvollen Politik energisch entgegenzutteten. Wir stchcn auf dem Boden der Handelsverttäge und glauben eine wahr­haft konservative Polittk zu befolgen, wenn wir an ihnen festhalten. Wir werden dies mit allen unseren Kräften thun und nur, wenn wir gezwungen werden, schrittweise der ilebcrmadjt weichen. (Leb­hafter Beifall links. Unruhe rechts.)

Aus Stadt unb Kaub.

* Hofnachrichten. Prinz Heinrich von Preußen wird, einer Einlabung des Kaisers folgenb, zur Teilnahme an der Jagd am Freitag nach Blankenburg reisen und am Sonntag nach Darmstadt zurücttehren. Tem Besuch des Großfürsten und der Großfürstin Sergius von Rußland am Darmstädter Hofe wird zu Mitte nächster Woche entgegengesehen.

** Personalien. Ter von dem Grafen zu Erbach- Erbach auf die zweite evangelische Pfarrstelle zu Erbach, Dekanat Erbach, präsentierte Pfarrverwalter 5iarl Sell daselbst ist für diese Stelle bestätigt worden. Ter Ober­lehrer an der mit dem Realgymnasium in Mainz verbun­denen Handelsschule Friedrich Leitner ist auf sein Nach­suchen mit Wirkung vom 1. April 1903 aus dem Staats­dienst entlassen worden.

Neueste Welbuugen.

Originaldrahtmclduugcn des Gießener Anzeiger.

Berlin, 23. Okt- TicVoss. Ztg." meldet aus Ma­drid: Der n i g v on S p a n i c n verlieh dem StaatS- ekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz das Groß­kreuz desMarineordens. TieBoss. Ztg." meldet weiterhin aus Köln: In Lüdenscheid schleuderte ein Arbeiter seinem 21jährigen Lohne eine brennende Petroleumlampe ins Gesicht. Der junge Mann starb unter den entsetzlichsten Schmerzen, währeTid der herbeieilende Bruder, die Mutter und der wütende Vater, die von den Flammen ergriffen worden waren, schwer verletzt nach deni Hospttal gebracht wurden.

Amsterdam, 22. Okt. Tewet beabsichtigt am L. November nach Süd-Afrika zurückzukehren, lieber )ie Gründe dieses Entschlusses verlautet, daß chn Familien- Imstände sowie sein eigener Gesundheitszustand dazu be- tim men.

Dünkirchen, 23. Okt. Gestern nachmittag brachen hier Unruhen aus, bei denen vier Polizisten und ein Polizeikommissar verletzt wurden. Mehrere Läden wurden geplündert. Die meifteu Darenmagazine wurden daraus geschlossen. Abends versuchten die Aus- tändigen im Hafen bie Taue der Kohlenschiffe zu zerschnei­den un. eie L. inen ballen in Brand zu stecken Tem Militär - ständigen zurückzudrängen.

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