Ausgabe 
23.9.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

forderten Fürsorge für Wandercrrme seitens der Ortscrrmen- verbände, die zur Einrichtung der Arbeiterkolonien und Naturalverpslegungsstationen geführt Hobe. Es genüge, diese Tinge einmal wieder beleuchtet zu haben. Aber die Frage sei noch nicht spruchreif. Taher solle der Verein von einer Beschlußfassung absehen.

An der Diskussion beteiligten sich die Herren Geh. Oberregierungsrnt Massow (Potsdam), Gemeinderat Stähle (Stuttgart), Stadtrat Rosenstock (Königsberg), Tr. Bock (Karlsruhe), Pastor Mörchen (Bielefeld). Äe Vertreter der Städte lehnen dabei sämtlich die Vorschläge des Referenten ab, die nur dazu führen würden, daß die Wschiebung seitens der Ortsarmenverbände zu einer wahren Kunst ausgebildet werden würde. Pastor Mörchen weist besonders auf den unwürdigen Stand der Fürsorge für Wanderarme hin und fordert die Regelung der Fürsortze für diese durch den Erlaß eines besonderen Gesekes, da es überhaupt nicht angehe, sie unterschiedslos unter bte Armen­gesetzgebung zu stellen.

Endlich erstattet Herr Landesversicherungsrat Hansen (Kiel) seinen überaus interessanten Bericht überdie Er­weiterung des Handarbeitsunterrichts für nichtvollsinnige und verkrüppelte Person en". Er schildert darin vor allem die wahrhaft vorbildlichen und muft er giftig en Anstalten in Dänemark, Schweden und Finnlano. Tort werden große Erfolge erzielt mit Weberei, Spitzenklöppeln und Holzbearbeitung. Ganz wunderbar sei, was Idioten auf diesem Gebiete leisten, und wie sehr diese Beschäftigung auch zu deren geistiger Hebung diene. Seine Ausführungen unterstützt Redner durch eine Reibe von Arbeiten, die er im Bors aal ausgestellt hat, und Die be­weisen, wie weit auch solche Unglückliche durch hingebende Liebe zu fördern sind. Tie Leitung dieser Aicktalten und der Unterricht liege fast ausschließlich in den Händen von Frauen. In Schleswig-Holstein hat man den Anfang ge­macht, diese Bestrebungen auch auf deutschen Boden zu verpflanzen, und Redner empfiehlt, auch in weiterem Kreise damit zu beginnen. Tie Versammlung kam seinen An­regungen durch Annahme folgender Sätze entgegen:

1. Bei der Ausbildung taubstummer, blinder, schwach- finniger und verkrüppelter Personen empfiehlt sich ein aus­gedehnter Handarbeitsunterricht, sowohl im Interesse Der Erziehung und wirtschaftlichen Selbständigkeit der Zög­linge, als auch im wirtschaftlichen Interesse der Anstalten selbst.

2. Gute Muster geben die in den nordischen Anstalten geübten Arbeiten in Weberei, Klöppelei und Holzbearbeitung. Tie Beschäftigung hat sich im übrigen nach den örtlichen Verhältnissen zu richten.

Alsdann wurden die ausscheidenden Mitalieder des Zentralausschusses wiedergewählt und zum Ort Der nächsten Tagung Elberfeld, das im Jahre 1903 das fünfzigjährige Jubiläum seiner berühmten Armenordnung feiert, gewählt. Nachdem noch Pfarrer Schlosser (Gießen) dem Vor­sitzenden, Stadtrat Ludwig-Wolf (Leipzig), den Tank der Versammlung für seine umsichtige Leitung der Verhand­lungen ausgesprochen, wurde der 22. Kongreß geschlossen, der an Reichhaltigkeit der Anregungen hinter seinen Vor­gängern wohl nicht zurückstand. Tie übrigen Stunden des Zusammenseins sollen nun noch der Erholung gewidmet sein, wozu Colmars wundervolle Umgebung reiche Ge­legenheit bietet.Drei Aehren" und die Schlucht roerben heute und morgen besucht werden. Bei solchen gemeinsamen (Gängen wird ja mancher gute Gedanke weiter gesponnen und manches gute Wort im Vertrauen geredet.

olühenden Gewerbes.

Tie Novelle von 1891 brachte eine entscheidende Neue­rung nur für die weiblichen Arbeiter. Für diejungen Leute" von 14 bis 16 Jahren brachte sie überhaupt keine wesentliche Aenderung und für die Kinder erhöhte sie die Iris dahin gütige Altersgrenze von 12 auf 13 Jahren und machte den Zulaß zur Fabrik von der Erledigung der (Äementarschulpflicht abhängig. Schon die Gewerbe-Ord­nung von 1869 hatte die Arbeitsdauer für Kinder auf 6, für junge Leute auf 10 Stunden fixiert. u

Ter Kind er schütz ging davon aus, die gewerbliche Thätigkeit schulpflichtiger Kinder überhaupt zu beseitigen und die der Kinder unter 14 Jahren thunlichst einzu- chränken. Tas Gesetz erreichte aber seinen Zweck nur zum Teil. Tie anfänglich gesunkene Kinderzahl nahm besonders feit dem Ende der 90er Jahre rasch zu und 1899 wurden auch in solchen Bezirken wieder Kinder beschäftigt, in denen man vorher die Kinderarbeit ausgeschaltet hatte. Im ganzen wurden 1900 über 9000 unter 14jährige Kinder er­mittelt. Tie Statistik vermag aber ihre Zahl nicht ent­fernt zu erfassen, weil gerade hier Uebertretungen an der Tagesordnung sind. Scheinbare Abnahme der Kinder­arbeit stellte sich vielfach als ausgiebiges Umgehuwgs- system heraus. Tabei werden die Kinder meist länger als die gestattete Zeit von 6 Stunden, oft den ganzen Tag, in gesundheitsschädlichen Gewerben und an nicht ungefähr­lichen Maschinen beschäftigt. Tie beliebige Verteilung der 6 Stunden auf den Arbeitstag der Frauen, d. h. auf die Zeit zwischen 5y2 Uhr morgens und 8^2 Uhr abends, macht Verstöße leicht, die Kontrolle schwer. Tas Verbot der Be­schäftigung von Kindern unter 14 Jahren würde schon allein durch die Vereinheitlichung des Maximalarbeits­tages den Aufsichtsdienst erleichtern, die Industrie nicht schädigen und Den Jugendschutz fördern. Tas Kind gehört in Lehranstalten, die es für den Erwerb vorbereiten, nicht dafür ausnutzen. In der Fabrik, wo es ohne Rücksicht auf Ausbildung der Geschicklichkeit und Intelligenz einer gleichförmigen mechanischen Handleistung obliegt, in einem After, in dem tausend Kräfte nach Entfaltung streben, nach Licht und Luft, wo Aufenthalt und Art der Beschäftigung der körperlichen Unreife keine Rechnung trägt, wo leicht sein sittlicher Charakter Schaden leidet, wird allzuoft um einen Judaspreis seine Zukunft verhandelt. AuchArbeit­geber sprachen öfters das Verlangen nach dem 8. Schul­jahre aus, um d,em Drängen der Eltern um Aufnahme 13jähriger Kinder überhoben zu sein und kräftigere und besser vorgebildete Kinder zu erhalten." Ter erzieherische Wert der Arbeit, rief der Staatssekretär v. Posadowsky in der Reichstagssitzung vom 23. April 1900 aus, kann unter Umständen darin bestehen, daß ein Kind zum Krüppel oder Idioten wird. Diese und ähnliche Gefahren bestehen aber .auch noch, wenn junge Leute, wie dies in Deutsch­land der Fall ilst, mit 16 Jahren Vollarbeiter werden, also in einem Alter, in dem die körperliche Entwickelung nicht abgefchlossen ist, die geifrige und sittliche Entwickelung befandere Lbhut erheischt. Die hierzu notwendige Fort- und Fachbildung erreicht aber in der Hauptsache mit dem 16. Jahre ihr Ende oder wird zwecklose Ueberaustrengung, wenn die jungen Leute in diesem Jahre Vollarbeiter wer­den und allen Anforderungen der Arbeitsverlängerung, beliebiger Ueberzeit und Nachtarbeit nachkommen müssen. Körperliche Derttimmevung, geistige Erschlaffung, sittliche Verwilderung, vorzeitige Erwerbsunfähigkeit, Betastung der

er Mutter. Und die Gefahr beginnt lanae vor der Mutter- chaft. Schon in den Entwickelungsjahren, die für das Mädchen eine weit größere Rolle spielen wie für den maben, machen sich die Folgen von Verarbeitung un­eilvoll geltend.Treten", heißt es in dem Berichte der adischen Fabrikinspekrion für 1899,die chlorotischen Mäd- hen in den Ehestand und werden schwanger, so ist es bei ortgesetzter Fabrikarbeit und dem Mangel zeitweiser und nllkürlicher Erholung sowie entsprechender Nahrungszube- eitung Leicht erklärlich, daß solche Frauen häufig char­teren oder die von ihnen geborenen Kinder nicht unter die ebensfrischen und kräftigen gezählt werden können, jene elbst aber zumal nach häufigeren Geburten ständig kränkeln mb frühzeitig altern". Schon im Jahre 1894 warb bei Gelegenheit einer Erhebung oer Fabrikinspektoren über bie Birtung ber Gesetzgebung von 1891 ernstlich erwogen, ob ächt an eine weitere Kürzung heranzutreten sei. Tie 1899 ngestellten Erhebungen über bie Beschäftigung verheirateter trauen in Fabriken veranlaßten Inspektoren in fast allen landesteilen Herabsetzung ber Arbeit auf 10 unb 9 Stunben, gelegentlich, unb zwar besonbers für junge Mäbchen unter 8 Jahren auf 8 Stunben zu befürworten. Ihre Unter- uchung zeigt den Kreislauf verderblicher Umstände, ben ie Jndustriearbeiterin noch immer durchmißt: Das Mäd- üßt früh bie Gesundheit ein. Tie Frau wirb zwischen äuslichen unb gewerblichen Pflichten hin- unb hergehetzt, -ie bringt sich herunter, ofyne baß sie eine gedeihliche Ge- taftung ihres Familienlebens ermöglichen kann.

Wird ber 10 Stunbentag hinlänglichen Wandel schaffen? -ewiß nicht. Aber er führt uns dem Wandel weiter ent­gegen. Unb er wirb einen Fortschritt bebeuten, ber ben Znteressen ber Industrie nicht einmal für eine Uebergangs- eit widerspricht. Dem ersten entscheidenden Eingriff des Zahres 1899 gegenüber, verhält er sich wie ein bescheidener lusbau, ber sich wahrscheinlich unmerklich vollziehen wirb. i)ie Opposition, bie sich seit ber Umfrage ber Regierung, wer bie Durchführbarkeit unb Zweckmäßigkeit ber Herab- etzung ber täglichen Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunben, Verlängerung ber Mittagspause von 1 Stunbe auf iy< stunben uno bie Verkürzung ber Samstagsarbeit geftenb nacht, wirb erfahrungsmäßig balb verstummen. Aehnliche rin wände wie heute wurden auch vor und nach 1891 vor­gebracht, unb doch hat bie Schutzgesetzgebung zu keiner Zeit bie Entwickelung ber Probuttion aufgehalten, vielfach ich als Sporn zur Verbesserung ber Technik erwiesen unb nfolge ber bewirkten größeren Frische unb Thatkraft ber geschützten Arbeiter bie Industrie gefördert. Bei der starken Zunahme ber Frauenarbeit gewinnt ferner bie Erweiterung ies Wöchnerinnenschutzes und entsprechende Verbesserung ier Wöchnerinnenunterstützung steigende Bedeutung. Heute chreibt die Gewerbeordnung vierwöchentliche Pause vor unb wei weitere Wochen, wenn bie Wieberausnahme ber Arbeit licht durch ein ärztliches Attest gestattet wird.

Schwerer als bie Durchsetzung ber genannten Forde- mngen wirb bie Beschränkung von Ausnahmebewilligungen luf burch Unglücksfälle ober Naturereignisse bewirkte Be- riebsstörungen zu erringen sein. Unb doch ist bie barüber sinausgehende Ueberzeiterlaubnis ber schlimmste Feinb ber Durchführung ber Schutzgesetze, ber beste Deckmantel ber lebertretungen, bas auserlesenste Mittel burch Umgehungen )te Wohlthaten bes Gesetzes zu vernichten. Tie englische Lextilindustrie kommt seit langem ohne alle unb jede leberzeit zurecht. Unb wenn ihr Arbeiterstamm sich heute mrch Geschicklichkeit unb Intelligenz auszeichnet, so ist bies las Werk ber energischen staatlichen Regelung Dieses

Der Kongreß deutscher Yatursorscher und Aerzte.

Karlsbad, 22. September.

Tie deutschen Naturforscher und Aerzte tratet* heute zur 7 4. Tagung zusammen, an welcher Vertreter Oesterreichs, Deutschlands, der Schweiz, Rußlands und Japans teilnahmen. Die österreichische Regierung ist durch den Unter- richtsminister Dr. o. Härtel, die preußische Unterrichts- Verwaltung durch den Minister Studt vertreten. Ferner ist der Statthalter von Böhmen, Graf Coudenhooe, anwesend. Der Geschäftsführer Dr. Hermann-Karlsbad begrüßte den Kongreß, insbesondere den österreichischen und preußischen Kultusminister, und schloß seine Ansprache mit Hochrufen auf Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm. An beide Herrscher wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Tie Depesche an den deutschen Kaiser hat folgenden Wottlaut:

Geruhen Euer Majestät die ehrfurchtsvollste Huldigung an* zunehmen, welche die Teilnehmer an der 74. Generalversammlung deutscher Naturforscher und Aerzte für den mächtigen, den Wissen­schaften zugedachteu Schutz dankerfüllten Herzens zum Ausdrua bringen." .

Minister Dr. v. Härtel ergriff sodann das Wort und dankte für die Einladung. Der Minister hieß die Anwesenden willkommen und bezeichnete die Bereinigung der Kräfte und Mittel zur Erreichung großer gemeinsamer Ziele als das Kenn­zeichen des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen ^Lebens unserer Zeit. Der Minister gedachte der wertvollen Früchte, welche die gegenseitige Unterstützung von Theorie und Praxis, das Zusammenwirken von Wissenschaft und Benvaltung nicht bloS ui dem über reiche Mittel verfügenden verbündeten Deutsch'

Die Kerabsehung der Arbeitszeit für Araucn und die Erhöhung des Schuhatters für jugend­liche Arbeiter in AubriLeu.*)

Von Helene Simon.

(Nachdruck verboten.)

Auch grundsätzliche Anhänger des allgemeinen Maximal­arbeitstages, wie ihn bie Gesetzgebung Oesterreichs unb ber Schweiz vorschreibt, verschließen sich Der Einsicht nicht, baß bie gewerbliche Arbeiterin eines Sonberschutzes bebarf unb unterstützen bie Forberung einer fortschreitenden staatlichen Beschränkung ber weiblichen Arbeitszeit.

Die' gewerblich thätige Gattin unb Mutter untersteht a eiten Ansprüchen, bie ihre Widerstandsfähigkeit unter­en. Unb überall ist mit ber Trägerin des tommenben Geschlechtes auch biefe gefährdet. In ber peinigenben Er­kenntnis, baß mit ber Schädigung ber Frau bie Zukunft bes größeren Teiles ber Bevölkerung eng verknüpft sei, hat England schon vor mehr als einem Kalben Jahrhundert, Frankreich seit 20 Jahren die Arbett der Frauen gesetzlich geregelt. Deutschland folgte erst im Jahre 1891. Und zwar ist es mit der Einführung des 11 Stundentages noch immer hinter ben genannten Ländern zurückgeblieben. Erst mit der Herabsetzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden würde es dieselben, wenigstens in der Hauptfrage, eingeholt haben. Tie Verkürzung der Wochenarbeit durch Reduttion der an Samstagen gestatteten Arbeit von 10 auf 8 Stunden und Arbeitsschluß um 4 anstatt wie jetzt um öy2 Uhr, die Ver­längerung der Pausen von einer Stunde auf 2 Stunden, sind die notwendige Ergänzuna des 10 Stundentages, wenn eine wirkliche Besserung in ber Lage ber Arbeiterinnen bewirft werben soll.

Schon 810, geschweige benn llftünbige Arbeitszeit leistet nach vielen Berichterstattern ber Bleichsucht unb bamit ber Präbisposition zu jeder Art von Frauenleiden Vorschub; die kurzen Pausen, die häufig noch der Bereitung der Mahl­zeiten dienen, veranlassen Magen- unb Verbauungs­störungen, besonbers in den Jahren der Entwickelung unb physischen Mutterschaft. Auch ber Samstagschluß um 5y2 Uhr genügt nicht, ber Frau bie Feiertagserholung zu sichern, die der Mann genießt. Mit Putzen, Waschen unb Nähen wirb häufig auch noch der Sonntag zugebracht.Es unter­liegt keinem Zweifel, daß bei ber jetzigen Arbeitszeit für bie Gesundheit von Mädchen und Frauen und für die ganze Familie schwere Gefahren und Nachteile entstehen."Es mag bemerkt werden, daß in Bezirken mit vorherrschender Textilindustrie seitens aufmerksamer Beobachter auf die relativ große Zahl von Stinbergräbern hingewiesen würbe." Fürchterlicher als ber frühe Tob der Kinder erscheint ihre körperliche und seelische Verkrüppelung durch die Arbeit

*) Wie der Staatsminister v. Berlepsch bei der Er­öffnung der Generalversammlung der Gesellschaft für soziale Reform mitteilte, wurde dieses Referat vom Kölner Polizeipräsidenten verboten, weil es unzu­lässig sei, das; Damen in politischen Ver­sammlungen s p r cd) e n. kluges ich ts ber Bedeutung ber behandelten Frage haben wir uns einen Auszug des von der Polizeibehörde verbotenen Referates aus der Feder Von Frl. Helene Simon selbst versch- - An anderer Stelle berichten wir über den Verlauf der ersten Sitzung.

(Red. desGieß. Amz")

Armen- und Krankenkassen sind bie Folgen früher Aus­nutzung ber Jugenb. Auch die Kriminalstarisrik ist in )ie)er Richtung ein warnendes Mene Tekel. Sie weist eine starke Zunahme ber Verbrecher zwischen 12 unb 20 Jahren auf, bie n zum großen Teil aus ben gewerblich thätigen Kinden. mit mangelhafter Schulbildung rekru­tiert.Jeder Thaler, der für bie obligatorische Fortbil- bungsschule aufgiroenbet wirb, bebeutet eine entsprechende Entlastung ber Gefängnisse und Zuchthäuser". Aber der egensreicye erzieherische Änfluß des Unterrichtes kann sich nur geltend machen, wenn die jungen Leute vor gewerb­licher Ausnutzung geschützt sind.

Und mehr noch als in der Erweiterung des Schutzes liegt das Schwergewicht ber befürworteten Maßregeln in )er großen Vereinfachung ber Vorschriften und der damit gewährleisteten Verbesserung ber Kontrolle. Die Herab- etzung des Arbeitsmaximums für Frauen von 11 auf 10 Stunden, Verlängerung ber Pausen, Verminderung der Ueberzeit, setzt sie ben jungen Leuten gleich. Ter viel­bemängelte Sechsstundenlag ber Kinder verschwindet mit )em Verbot der Beschäftigung vor dem 14. Jahre. Wir hätten alsdann einen Einheitstag für alle weib­lichen und jugendlichen Arbeiter. Und es han- )elt sich nur noch darum, seine Wohlthaten auch dem jungen Manne bis zum 18. Lebensjahre zu sichern. Er­leichterte Durchführung der Schutzverschriften, ihre gleich­mäßige Verwirllia)ung, lebendige Erfüllung des taten Buch- taben würde die Folge fein.

Mehr und mehr bricht sich auch ber Gedanke internatio­naler Vereinbarungen zum Ausbau bes Arbeiterschutzes Bahn. Wie bas Ausland uns beeinflußt, so werden auch wir in bie Ferne wirken.Unb selbst die heutigen Völker, welche ben Forberungen ber Humanität in ihrer Gesetz­gebung Rechnung zu tragen nicht geneigt sinb, werden durch die Erfahrung belehrt werden, daß die zeitweiligen Vor­teile, ivelche ihrer Industrie aus ber uneingeschränkten reien Bewegung erwachsen, boch nur ein Zehren von dem Kapital ber Zukunft sind, und daß sie zur Ausbildung einer dem Stande ihrer Industrie entsprechenden Gesetz­gebung schließlich durch die Gebote der Selb ft er Haftung gezwungen werden".

Kaum einem Beratungsabschnitt des Reichstages hat man feit dessen Bestehen mit so großer Spannung entgegen- gesehen, wie der Nickte Oktober beginnenden Fottsetzung der gegenwärtigen Session. Soll doch über das Schicksal deS neuen Zolltarifs bie Entscheidung fallen. Schweren parlamentarischen Kämpfen sehen wir entgegen, in denen die Partei- und wittschaftlichen Gegensätze in einer Weise auf- einander platzen werden, welche die höchsten Anforderungen an die taktischen und politischen Fähigkeiten der Patteiführer und an bie Geschicklichkeit des Reichstagspräsidenten stellen wird. Auch im Hessischen Landtage sind in der nächsten Session eine Reihe sehr lebhafter Sitzungen zu erwatten. Namentlich werden einige Vorgänge, die seit Schluß der vorigen Tagung die Gemüter erregt haben, em sehr kräftiges Echo irn Landtage finden, so die zu ermattende neue Wahl­rechtsvorlage und ber Antrag auf Errichtung einer hessischen Landwirtschaftskammer.

Unter diesen Umständen liegt im dringendsten Interesse von jedermann in Stadt und Land, sich in den Besitz einer Zeckung zu setzen, aus der man ein zu­treffendes Bild ber parlamentarischen Vorgänge zu gewinnen vermag.

Im Hinblick hierauf lenken wir die allgemeine Auf­merksamkeit auf bie von uns herausgegebene selbständige Parlaments-Beilage und laben zum Abonnement auf unser Blatt ein. Der große, sehr ausführliche Reichstagsbericht, hergestellt von geübten Stenographen, ist durchaus unpatteiisch gehalten und entspricht nach Umfang und Inhalt allen For­derungen, die an eine erste Provinzial-Zeitnng gestellt werden dürfen.

Die Herstellung deS Reichstagsberichts wird berart be- schleunigt, baß er schon am frühen Vormittag deS nächsten Tages in bie Hänbe unserer Stadtabonnenten gelangt; unsere auswärtigen Leser erhalten ihn am Nachmittag mit der ganze» Tagesnummer.

Neben dem großen Reichstagsbericht taffen wir in unserer Parlamentsbeilage einen umfänglichen unb voll er» schöpfenben, gänzlich parteilosen Landtagsbericht erscheinen. Tiefer Bericht, auf besten unbebingte Korrektheit und Tadel­losigkeit selbstverständlich ebenfalls die peinlichste Sorgfalt ver­wendet wirb, ist bie Originalarbeit unserer als Steno­graphen besonbers tüchtigen eigenen Darmstäbker Korresponbenten.

Hochachtungsvoll

Der Gießener Anzeiger.

da- sondern W sich Mabe. «rbeMb sirrung gk der tW<ln Acknrenb daß diesem flor^bad g hondlungen Dssenschasi

Aach 1

Universität. Kongresses, Jahre veri hardt un begannen

Ser 1 Lhren M elfen, an v deckend

flnenitö unb ineW

Ä

M btr

. Strout Bütt au ihä unb SJeilug mssen ihre anu einrei

tat b। sl-rrstuse> in die m gleich eins weil nach bu fogentuntf < können, bie i obtt diesen Mneden ®tmtmbtn Uhren unb emrdumt u tMingllos Ichliegung slehenden' meinbe in Zürmen rc aus Erslall seyt eine g derselben I ganz einja mt ben N conbetaui bie ersorb deshalb e Ausgabe, ist im Lei bie zum i allen tiem Hebung bi tmpioljltn

kiefeni Eeckretser wollen ihr« unserem Bl

. bt oaß bie ft G.

t

I.

a) Q d) K c) H«

111 ») D( b)3li

a) H

«)5i

SDlüm Meinbe,?

Mi