Die KegierungsvorLuge bdr. Oie innere tzru- richtung des neuen Museums in Darmstadt.
Die Ministerien haben aus Grund einer. Denkschrift und Voranschlägen, belrefsend die innere Einrichtung des neuen Museuins, an die Landstände des Großherzogtums und zunächst an die Zweite Kammer das Ansinnen gerichtet, für die innere Einrichtung des neuen Museums, ine Ueberfüyr- ung und Neuausstellung der Sammlungen des Landes- museums den Betrag von 9 053 2 0 Mk. und hiervon für 1902/03 die erste Rare von 265 000 Mk. unter dem Anfügen zu bewilligen, daß öic zur Deckung dieser Summe erforderlichen Mittel int Wege des Staatslredits flüssig gemacht werden und daß bei Ausnahme und Tilgung der hierzu erforderlichen Anleche nach Mastgabe des Artikels 3 des Fi- nanzgesetzeS für das Etatsjahr 1902/03 verfahren wird. Zugleich wird um thunlichste Beschleunigung der Beratung und Beschlußfassung über diese Vorlage ersucht.
In der Denkschrift heistt es:
Nachdem der Bau des neuen Museums so weit vorgeschritten ist, dast mit der inneren Einrichtung noch im Rech- nungstahre 1902/03 begonnen werden kann, erscheint es geboten, den Plan dieser Einrichtung und der Ueberfuhrung der Sammlungen aus dem Residenzschlosse in das neue Museumsgebäude festzusetzen. Von den drei Abteilungen des Landesmuseums: der zoologischen, der mineralogischen, der Kunst- »altd historischen umfaßt die Letztere bte Gernälde- gallerie, das Kupfer ftichkabinelt, die kunstgewerblichen und mittelalterlichen Sammlungen, die Santutlung hessischer Altertümer, die archäologischen Sammlungen, die ethnographischen Sammlungen, bie Münzsammlung, die Gypssamm-- lung, die Wafsensammlung und das Miltckirmuseum. Um jede Gefährdung der Sammlungen durch die Laboratorien zu vermeiden, sollen diese in ein benachbartes Gebäude, das frühere ArtUleriedepot, verlegt, und letzteres zu diesem Zwecke hergerichtet werden. Bei der Aufstellung aller Sammlungen wird davon auszugehen sein, die gaitze Einrichtung so zu gestalten, dast der Zweck des Landesmuseums als einer Bild un gs anstalt für das ganze Land und für alle Teile der Bevölkerung in mögltchft vollkommener Weise erreicht wird. Es must deshalb das
Bekanntmachung.
Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauen- euche wird die Abhaltung des aus den 30. April ds. Js. in Wetzlar anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Wetzlar betreffende Bekanntmachung in 64 des Kreisblattes von 1902 veröffentlicht worden sind.
Der Auftrieb beginnt um 8 Uhr vormittags.
Aus der Provinz Oberheffen des Großhcrzogtums Hessen darf Rindvieh nicht aufgetrieben werden.
Wetzlar, den 18. April 1902.
Der Königliche Landrat.
Bekanntmachung.
Dem Vorstand des katholischen Männervereins Neudorf bei Straßburg i. E. ist die Erlaubnis erteilt, die Lose einer ümerhalb dreier Jahre nach der am 28. Januar d. Js. erteilten Genehmigung zu veranstaltenden Geldlotterie innerhalb des Großherzogtums zu vertreiben unter der Voraussetzung, daß die Ziehungen derselben nicht in der Zeit vom 15. April bis 15. Juni und 15. Oktober bis 15. Dezember statt finden. r
Zu jeder der drei Ziehungen dürfen 100 000 Lose z, i g)it. ausgegeben werden. Bei jeder Ziehung sind 41 000 Mark als Gewinne ausgesetzt.
Gießen, den 22. April 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen-
v- Bechtold.
Jahresversammlung des evangel. Ksarrvereins^
(Originalbericht des „Gieß. Anz")
ft Friedberg, 22. April.
Wiederum hat der Vorstand des ev. Pfarrvereins seine Einladung zur Jahresversammlung nach dem allen Pfarrern in angenehmster Erinnerung stehenden Friedberg ergehen lassen, und der Einladung wurde zahlretch entsprochen, llngefähr 70 Mitglieder sind erschienen. Nach einer kurzen von Pfarrer Zaubitz-Offenbach gehaltenen Andacht eröffnete der Vorsitzende Pfarrer Schrimpf-Butzbach gegen 4 Uhr nachmittags die Hauptversammlung. Er begrüßte die Erschienenen und gab einen kurzen Rückblick auf die Vereinsgeschichte des letzten Jahres, die wiederum einen
alte System der Massenanhäufung von Gegenständen verlassen und eine Art der Aufstellung gewählt werden, welche das Interesse des Beschauers, auch des Nichtgclehrten, tn Anspruch nimmt u>nb sei es auf naturgeschichtlichem oder geschichtlichem Gebiete, sei es auf dem Gebiete der Kunst anregend und belehreitd aus ihn einwirkt. Jede Sammlung des Landesmuseums soll deshalb in erster Linie eine wissenschaftliche Sammlung sein.
Im weiteren werden die einzelnen Programme ent*> wickelt, und zwar zunächst das Programm der Aufstellung der naturwissenschaftlichen Sammlungen von Prof. Dr. v. Koch. Ta heistt es u. a: Durch eine Halle, zur dlufnahme ethnographischer Gegenstände bestimmt, gelangt der Beschauer in einen Vorraum, worin diejenige« Tiersormen zur Anschauung gebracht werden, welche _ int Großherzogtum einhetmisch sind. In zwei Schränken fum in systematischer Ordnung Vertreter derjenigen Wirbeltiere, welche immer oder während eines größeren Teils des JahreS im Hessenlande angetrofsen werden, aufgestellt, zuerst in der Richtung von Ost nach West, ca 50 Stück Saugetiere, bann ca. 300 Vögel, 20 Kriechtiere, 50 Lurche, oO Fische; Lögel und Säugetiere alle ausgeswpft, die Angehörige» der übrigen Klassen zum Teil ausgestopft, zum Teil in Alkohol aufbewahrt. Die ganze.naturwissenschaftlicheSamm^ lung soll 10 Räume umfassen.
Das Programm der Aufstellung der mine ralogr-, sch en und geologischen Sammlungen wird von Geh. Oberbergrat Professor Dr. Lepsius entwickelt. Dem Publikum soll eine systematische Belehrung in der Anschauung der wichtigsten Mineralien, Gesteine und Fossilien dargeboten werden. Auch sollen die Besucher aus techntsch und landwirtschaftlich verwertbare geologische Mate- rialien und die Entstehung der Bodenarten hingewiesen werden. Außerdem wird hierbei der Zweck verfolgt, durch die geologischen Karten, Profile, Reliefs und Bilder die Anschauung über den Bau der Erde, un besonderen des heimatlichen Bodens zu erleichtern und zu fördern. Fachgelehrte finden die Materialien für chre wissenschaftlichen Studien systematisch angeordnet in den sämtlichen Schränken unserer Abteilung.
Schluß folgt.
Nr. 94 Erstes Blatt. 15». Jahrgang Mittwoch »3. April
Erscheint täglich ..T1 .r - A monat?ich7b Pt., viertes
außer SonntagS. 9 W» . jährlich Mk.2L0; durchs
MElchenerAmeigerM
W General-Anzeiger
EG Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZZW
F<rnsprkchanschluß Nr. 51. HMMM
Gießen, 18. April 1902.
Betr.: Die Ablieferung der Vakanzüberschüffe erledigter Schulstellen an den Provinzialschulfonds.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Hinweis auf unser Ausschreiben vom 24. Januar 1878, Amtsblatt Nr. 1, und 30. Oktober 1893, Amtsblatt Nr. 9, empfehlen wir Ihnen, innerhalb 10 Tagen die von Ihnen mit den Schulvorständen gemeinschaftlich aufzustellenden Berechnungen der an dcn Provinzialschulfonds abzultefernden Vakanzüberschüsse aus dem Jahre 1901/02 m doppelter Ausfertiung an uns einzureichen, oder zu berichten, daß im genannten Jahre in Ihrer Gemeinde Schulvakanzen nicht eingetreten waren. Sobald die von uns geprüften Berechnungen an Sie zurückkommen, haben Sie den Gemeinde-Einnehmer anzuweisen, den festgesetzten Ueberschuß sofort an den Rechner des Provinzialschulfonds zu Darmstadt einzuzahlen.
v- Bechtold.
Gießen, 21. Aprll 1902. Betr.: Die Verwendung von Sprengstoffen.
Das Groscherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir beauftragen Sie, diejenigen Personen festzustellen, welche in Ihren Amtsbezirken Sprengstoffe trgend welcher Art lagern, verwenden oder zum Verkauf feilhalten.
Die Namen der Personen sind uns binnen 14 Tagen einzuberichten.
I. V.: Dr. Wagner.
Ariedrich, Kroßherzog von Jaden.
(Zu feinem fünfzigjährigen Regierungsjubiläum.)
Einer der populärsten deutschen Bundesfürsten, Groß- Herzog Friedrich von Baden, begeht am 24. d M. fein "süliiäigMriges Regierungsjubiläum; außer dem Großherzog Friedrich befindet sich unter den jetzigen deutschen regier renden Fürsten kein Einziger mehr, der schon als Monarch an den Ereignissen teilgenommen hatte, die mit der Begründung des neuen Deutschen Reiches endeten. Schon aus dieser Ursache wird das Jubiläum in Karlsruhe in ganz Deutschland das größte Interesse erregen . .
Professor Ottokar Lorenz veröffentlicht tn einer Monatsschrift aus diesem Anlatz einen Aufsatz. Wir wollen der Arbeit zwei Abschnitte entnehmen, denen, allerdings aus verschiedenen Gründen, ein ganz besonderes Interesse innewohnt, und zwar einen, der sich auf Oesterreich und dessen Haltung im Jahre 1863 bezieht, und einen zweiten, welcher eine Art Berichtigung von Bismarcks ,Mdauken und Erinnerungen" enthält.
In dem erstgenannten Abschnitt ist von dem Fürsten- kongrest die Rede, welcher im Jahre 1863 zusammengerufen wurde,n nd auf welchem der Kaiser von Oesterreich mit dem bekannten Reformprojekt des Deutschen Bundes bervvrtrat. Und an dieser Stelle sagt Professor Lorenz: Oftmals hat man den Großherzog gerühmt, daß er ber dieser feierlichen Gelegenhett unerschütterlich jede Reform des Bundes äb- lehnte an welcher nicht Preußens Anteil und führende Stellung gewahrt utid anerkannt wäre; aber viel größer, wenn auch weniger bekannt, war der Erfolg, den er durch fein mildes und kluges Auftreten bei dem Käiser von Oesterreich selbst erzielte, indem er schließlich den hohen Herrn zu dem Eingeständnis bestimmte es könne und werde aus dem von seiner Regierung eingeschlagenen Wege tn der TM eine Reform des Bundes nicht dnrchzufuhren fein. Indem er nun sich verpflichtet fühlte, dasselbe zu begründen, legte er dem Kaiser eine Denkschrift über sein gesamtes Verhalten aur dem Fürstenkongresse vor . Nach dem Schluffe des Kongresses fuhr der Kaiser an dem Bcchnhosshotel vor, in welchem der Großherzog Wohnung genommen i/Otte Nach mancherlei Einleitungsgesprächen äußerte der Kaffer, es wäre nicht nötig gewesen, datz sich der Großherzog die Muhe der Abfassung des übersendeten Schriftstückes gemacht hatte, weil der Kaiser selbst der Meinung wäre, haß der vor- "eschlagene Bundesreformentwurf, ein mißlungener Versuch, in Deutschland nicht auszufühven sei. Er sehe, sagte der Kaiser, die Lage übrigens nicht so schwer an, weil er über
zeugt wäre, daß die deutschen Staaten, wenn sie nicht einst Republiken werden sollen, doch immer an Oesterreich ihren Rückhalt suchen würden. Es seien ihm daher die Resormvor-- schläge gar nicht so wesentlich erschienen, und er hatte von Anfang an der Ansicht gehuldigt, daß jeder der Fürsten ohne weiteres nach feiner Ueberzeuguug frei darüber abstimmen werde. Der Großherzog gab gleich damals, nachdem er die Anschauung des Kaisers so genau kennen gelernt hatte, von diesem Stande der Dinge einigen anderen Fur,ten, die sich zur Reformfrage günstiger gestellt hatten, Kenntnis."
Ter zweite Abschnitt, den wir dem Aufsatz entnehmen wollen, betrifft die Haltung, die der Großherzog in Versailles anläßlich der Kaiserproklamation beobachtet hat. Und hierüber lesen wir, wie folgt: In den Aufzeichnungen, die der Großherzog von Baden mit einer seltenen, wahrhaft historivgrophischen Ruhe und Genauigkeit von allen großen Ereignissen jener Zeit täglich, und man möchte sagen, stündlich verfaßt hat, ist die kummervolle Lage dieses Augenblicks treu und fast ergreifend zum Ausdruck gekommen, und ich bin glücklich, dem Leser eine Vorstellung geben zu können, wie ungenügend doch in den „Gedanken und Erinnerungen" die Vermittelung des Großherzogs zur Anerkennung gekommen ist. (Vergl- B. II, S. 121.)
„Schon früh morgens bekam ich einige Sendungen vom König und vom Kronprinzen, die sich auf die gestrige sehr peinliche Unterredung bezogen. Der König hatte gestern abends die Theegesellschaft absagen lassen, und da also die gewöhnliche abendliche Gelegenheit für Mttteilunaen fehlte, so setzte mich der König in Kenntnis, daß, obgleich Graf Bismarck den Titel Kaiser von Deutschland nicht wolle, ich doch diese Bezeichnung gebrauchen solle, wenn ich nach dem Akt der Proklamierung das Hoch ausbringe. Das Gleiche schrieb mir der Kronprinz, nachdem er zum Vortrag beim König war, freilich mit der Bemerkung, der Bundeskanzler sei dagegen. Ich war also zwischen den König unb ben Bundeskanzler gestellt, und soltte doch auf den Kaiser em Hoch ausbringen! Zu einer Auseinandersetzung war ferne Zeit mehr, ich mußte also suchen, die betreffenden Personen unmittelbar vor der Feier zu sprechen.
^ann heißt es weiter: ,,Da man durch den vierten Saas'gehen mußte, um in die anderen Räume zu gelangen, so ergab sich dort die Gelegenhett, den Grafen Bismarck zu sprechen, der mir mit der Frage entgegenkam, die ich an ihn richten wollte. Er sagte mir, da er vernommen, daß ich nach der Proklamierung das Hoch ausbrmge, so erachte er sich für verpflichtet, mich in Kenntnis zu setzen, daß der König den Titel Deutscher Kaiser fanfttomert habe, und er mich daher bitte, diese Bezeichnung bei meinem
Ausspruch berücksichtigen zu wollen . Ich erwiderte dem Bundeskanzler, daß der König mir vielmehr den Wunsch ausgesprochen habe, Kaiser von Deutschland zu sagen; ich sei daher in einer sehr unangenehmen Lage, da ich nur das» thun wolle, was beschlossen worden fei, und doch aufgeq fordert werde, das Gegenteil auszusprechen .Der Bundes^ kanzler war ganz außer sich vor Aerger und klagte üben den König und die Unmöglichkeit, auf solche Art Geschäfte zu machen, besonders wenn es sich um große Staatsaktionen! handle, wie heute. Er schloß damtt, zu sagen: Wenn den König befohlen hat, so habe ich nichts mehr zu sagen, unti ich muß es Ihrem Ermessen Überlassen, das zu thun, was dieser schwierigen Lage entspricht. Ich erwiderte, es könne für mich nur einen Weg geben, das heißt, noch in letzter Stunde zu versuchen, die Gegensätze zu vermttteln.
wollte den König von der Lage unterrichten und üjm bie Bedenken des Bundeskanzlers mitteilen. So schieden wir, und die Züge des Grafen Bismarck verrieten mir eine feiner tiefen Erregungen, in denen er sogar dem unzwei^ beutigften und aufrichtigsten Ausspruch mißttaut. — Wenige Minuten nachher hörte man Kommandoworte, die Wache» präsentierten, es öffneten sich die dichten Reihen, und bet König trat ein . Er war gekleidet in die Uniform seines.erste» Garderegiments zu Fuß, wie er es stets bei großen Anlassen zu thun pflegte; er trug alle militärischen Orden und Ehrens zeichen Europas. Noch selten sah ich den König^ so ergriffen, daß er den Eindruck machte, tief gebeugt zu sein. Er wat rasch die große Marmortreppe hinangesttegen und trat so atemlos in den Saal der Fürsten, daß er, mit der inneren Bewegung vereint, Mühe hatte, eine kurze Ansprache an un« olle zu richten, in welcher er kurz die Bedeutung des bevorstehenden Aktes schilderte. Ich benützte einen freien Augenblick, dem König die vorher bezeichnete Lage zu schildern und hob hervor, daß, da er meine Ansicht in der Titelfrage kenne, er mir vielleicht gestatten werde, zu sagen, daß nach etwa erfolgter Sanktion es mir ratsam schiene, bei diesem feierlichen Akt nur die Ausdrücke zu gebrauchen, welche den gegebenen Bestimmungen entsprechen . Der KÜnig war sehr ungehalten darüber... Ich suchte ihn dadurch zu beruhigen, daß ick ihm vorschlug, ich wolle das Hock so ausdrücken, daß weder die eine noch die andere Bezeichnung genannt werden, worauf der König etwas unwlllig erwiderte: Du kannst das machen, wie Du willst . . . Nun war ick wiederum auf mich selbst angewiesen, da der König sich abwendete und uns aufforderte, ihm in den großen 3aal zu folgen . Da ich dem König mit dem Kronprinzen folgte, so machte ich letzterem den Vorschlag, mir Kaffer Wilhelm zu sagen, womit er einverstanden war."


