der Planitz am 1. Mar das fünfzigjährige Dienst-lfür die Türkei, was England für Persien versuche. luLrlauin begehen. - - •
Aus Stadt und Zand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlicherrOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 23. Januar 1902.
** Tas hessische Regierungsblatt, Beilage Nr. 1, ausgegeben am 20. Januar d. I., enthält: 1. Bekanntmachung, die Arzneitaxe für die Apotheken des Großherzogtums betreffend. Vom 6. Januar 1902. — 2. Summarische lieber» icht der Rechnung der Großh. Landeswaisenkaffe zu Darm- tadt für 1900/1901.
** Das Amtsblatt des Ministeriums der Justiz Nr. 1 vom 8. Januar d. I. enthält ein Ausschreiben an die Justizbehörden, insbesondere die Großh. Notare, betreffend die tatistischen Uebersichten über die Geschäfte der Notare.
** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 3, enthält eine Be- änntmachung, den Vorstand der Genossenschaftskasse ür staatlich bestätigte Forstwarte bete.: Der Vorland der Genossenschaftskasse für staatlich bestätigte Forstwarte besteht aus folgenden Personen: den Bürgermeistern Höhn von, Heppenheim a. d. B., Alles von Nieder-Florstadt, B e st von Wendelsheim, (jeder von dem betreffenden Provin- ialtag der Provinz aus der Zahl der Ortsoorstandsmitglieder der mit Waldbesitz beteiligten Gemeinden gewählt), dem Gutsbesitzer Schwöbel II. zu Hüttenthal (vom Ministerium des Innern aus der Zahl der Privatwaldbesitzer zweiter Klasse« ernannt), dem Ministerialsektretär, Oberförster Ramspeck 1 vom Ministerium der Finanzen berufen). Stellvertreter find’ in der angegebenen Reihenfolge von denselben Stellen wie die Vorstandsmitglieder bestellt: Beigeordn. Baurat Jäger in Darmstadt, Bürgermeister Jochim von Laubach (Kreis Schotten), Bürgermeister Unkelhäuser in Budenheim, Rechner Glock in Schotten, Forstassessor Delp in Darm- ladt. Zum Vorsitzenden des Vorstandes ist von demselben aus seiner Mitte der Ministerialsekretär Oberförster Ra msp e ck, der seither schon Regierungskommissär gewesen ist und zu dessen Stellvertreter der Bürgermeister Höhn gewählt worden.
** Stiftung. Ein edeldenkender Bürger unserer Stadt hat der Stadtverwaltung einen größeren Geldbetrag zur Ver- ügung gestellt, der zur Anschaffung von Kohlen und Kar- offeln für bedürftige Gießener Familien oder alleinstehende Personen verwendet werden soll. Gesuche um Gewährung der Gabe sind bis zum 1. Februar mündlich oder schriftlich an den Beigeordneten Wolff zu richten.
Antiqnaria. Als Nr. 62 seines „Antiquarischen An- ■ eigerS" gibt das Antiquariat von Karl Krebs in Gießen einen Katalog heraus, der eine stattliche Anzahl von Werken der Pädagogik enthält.
Fritz llngerS Original-Ueberbrettl wird, wie wir bereits mitteilten, heute abend in Steins Garten eine Vorstellung geben, lieber seine Leitungen spricht sich ein Göttinger Blatt — das Ueberbrettl kommt direkt aus Göttingen zu uns — olgendermaßen aus:
„Das Unternehmen scheint mit am richtigsten ersaßt zu haben „was, es will" und ist auch in der Wahl seiner Mittel zum Zweck glücklich gewesen. Fritz Ungers Muse ist weder hölzern, iwd) pedantisch langweilig, auch nicht übermütig keck und frivol, aber doch lustig, heiter, charmant, voll sprühenden Witzes und toller Laune. Dabei musikalisch und in Rezitation und Deklamation brillant be-
Ifür die Türkei, was England für Persien versuche, nämlich eine möglichst schnelle Regeneration der eingeborenen Rassen. Norman giebt der Befürchtung Ausdruck, daß ein geheimes englisch-deutsches Abkommen bezüglich des Persischen Golfs abgeschlossen worden sei. Staatssekretär Cranborne erwidert: „Wenn ich anfangen würde, den Abschluß eines Abkommens über den einen oder anderen Gegenstand abzuleugnen, so würde das Geheimnis bald kein Geheimnis mehr sein." (Gelächter.) Allgemein gesprochen ist das Ziel Englands in Asien die Aufrechterhaltung des Status quo. Obgleich wir freundschaftliche Beziehungen zu Rußland und zu den anderen Mächten suchen, dürfen diese nicht auf Kosten von den Rechten, die wir durch den Vertrag besitzen, gesucht werden. (Beifall.) Unsere Politik ist auf die Integrität Persiens ge- richtet, aber es giebt Grenzen für die Politik, die nicht unabhängig von dem Vorgehen anderer Mächte aufrecht erhalten werden können. Die englische Regierung habe die Thatsache begrüßt, daß die Russen an der Entwicklung des Eisenbahnwesens in Persien teilnehmen, genau wie sie ein analoges Vorgehen Deutschlands begrüßt habe. Schließlich zieht Josef Walton feinen Antrag zurück.
Brüssel, 22. Jan. Tie englischen Delegierten auf der Zuckerkonferenz erklärten, ihre Regierung sei ent- schlofsen, Schutzmaßregeln zu Gunsten der englischen Kolonien zu treffen, falls die Kontinentalmächte sich nicht zur Abschaffung der Prämien verstehen wollten. Infolge dieser Erklärung fand eine längere Beratung statt, welche die ganze Sitzung in Anspruch nahm. Die Delegierten der Kontinentalniächte stellten an die englischen Delegierten die Frage, ob ihre Regierung bereit sei, Garantien zu leisten, daß England nach eventueller Abschaffung der Prämien nicht seinerseits Ausfuhr-Prämien zu Gunsten seiner Kolonien einführen werde. Diese Frage erfolgte aus dem Grmide, weil die englischen Kolonien den Vertrag, der in Brüssel abgeschlossen werden soll, nicht unterzeichnen werden, da sie auf der Konferenz nicht vertreten sind. Die deutschen und österreichischen Delegierten hielten aus Anlaß der Erklärung der englischen Vertreter eine Sitzung ab, an der auch mehrere hervorragende deutsche Industrielle teilnahmen, um über die von ihnen einzunehmende Haltung zu beraten. Die französischen Delegierten haben sich über ihre Stellungnahme noch nicht verständigt.
Paris, 22. Jan. Der Ausschuß für Handel und Gewerbe ersucht die Regierung, Freihäfen zu gründen, die auf spezielles Dekret des Staatsrats eröffnet werden können. Sämtliche Handelskammern mit Ausnahme der von Marseille, deren Antwort noch aussteht, haben sich für diese Einrichtung ausgesprochen. Man nimmt an, daß die Regierung, dem Beschlüsse des Handelsausschusses zustimmen werde.
Aus oer Friedberger Handelskammer.
In der letzten Sitzung wurde *um ersten Vorsitzenden Fertsch, zuin zweiten Langsdorf wiedergewählt. Für eilige Sachen wurde aus den Mitgliedern, die in Friedberg wohnen, ein Geschäftsausfchu bestimmt. Der seitherige Rechner E. Oppenheimer soll gebeten werden, auch weiterhin die Ge- chäfte des Rechners zu führen. Auf Antrag Sprengels wird beschlossen, gelegentlich der Neugestaltung des Handelskammergesetzes, bei der Regierung anzuregen, daß für Bad - Nauheim noch ein werteres Handelskammermitglied zugelassen werde. Der Vorsitzende berichtete sodann über den Verlauf des Bezirkseifenbahnrats vom 17. November 1901. Von den Gegenständen, die daselbst behandelt wurden, interessieren die Beschlüsse, bez. der Ermäßigung der Lagerplatzmieten für Lagerung von Massen- )rodukten> und die Anträge auf Wiederauflegung der seit 1. Oktober 1901 eingezogenen Sonntagsfahrkarten nach Frankfurt a. M., sowie Antrag betr. Einlegung eines Vormittagsschnellzuges auf der Strecke Köln-Gießen und eines Abendschnellzuges in der Richtung nach Köln.
Im Anschluß daran beriet die Kammer über die Darlegung der Handelskammer Magdeburg betr. die Zusammensetzung undBefugnisseder Bezirkseifenbahnräte. Die Kammer spricht ihre Zustimmung zu den Beschlüssen des Verbandes mitteldeutscher Handelskammern ans, die in folgenden Leitsätzen gipfeln:
a) Es ist zu fordern, daß Handelskammern usw. auf ihren Antrag, wenn es ihre Bedeutung und die Bedeutung der von ihnen vertretenen Interessen rechtfertigt, auch in solche Eifenbahnräte, deren Direktions- bezirk nicht vom Handelskammerbezirk berührt wird, Vertreter entsenden dürfen.
b) Tie bestehende gesetzliche Zuständigkeit der Eisenbahnräte darf von den Behörden nicht außer Acht gelassen werden. ~
Ausland.
London, 22. Jan. In den Artikeln, welche die hiesige Presse dem heutigen Gedächtnistage desTodes der Königin Viktoria widmet, wird auch des damaligen Aufenthaltes des deutschen Kaisers gedacht. Der „Standard" schreibt: „Unter den Enkelkindern, welche die sterbende Königin umgaben, befand sich als Leidtragen-' der und Tröster Kaiser Wilhelm, der durch diese ergreifende Bekundung kindlicher Liebe und verwandtschaftlicher Zuneigung sich Anspruch auf Hochachtung des englischen Volkes erworben hat, dessen zu vergessen England sich durch keinerlei Schärfe der internationalen Streitigkeiten verleiten lassen darf." „Daily Telegraph" sagt: „Nichts, was geschehen ist, noch was geschehen kann, wird im stände .fein, die Empfindungen der Bewunderung und Zuneigung zu erschüttern, welche der ritterliche und huldvolle Aufenthalt des Kaisers in England und feine aufrichtige Teilnahme an dem nationalen Leide in dem Herzen des englischen Volkes eingepflanzt haben." — Ter deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich begab sich heute im Auftrage des Kaisers Wilhelm nach Frogmore, um dort im 92amen dies. «Kaisers einen Kranz niederzulegen. Der König hatte dem Botschafter eine Einladung zugehen lassen, der Trauerfeier der königlichen Familie beizuwohnen. — Das preußische 1. Garde-Dragoner-Regiment hat ebenfalls einen Kranz übersandt.
— Unterhaus. Joseph Walton bringt einen Zusatzantrag zur Adresse ein, m welchem erklärt wird, es sei wichtig, entsprechende Maßregeln zur Wahrung der politischen und kommerziellen Interessen Englands in Persien zu ergreifen. Earl Perey spricht die Hoffnung aus, daß die Regierung den deutsch en Unternehmungen im Löuphrat-iThale gegenüber stets eine freundliche srmrehmtzn werde, denn TnllManö versuche
c) Ablehnungen ihrer Beschlüsse sind den Eifenbahnräten von den Eifenbahnbehörden schriftlich und ausführlich zu begründen, die Entscheidungen find voll oder im Auszug zu veröffentlichen. — Der Vertreter der Kammer im Bezirkseifenbahnrat Frankfurt a. M.. wurde beauftragt, für die obigen Befchlüffe einzutreten, falls sich der Bezirkseifenbahnrat hiermit befassen sollte.
Tie Handelskammer zu Brandenburg hat beim Deutschen Handelstag angeregt, dahin zu wirken, daß bei Kaufabschlüssen mit russischen Lieferanten der Handel na^ deutscher Arbitrage eingebürgert werde. Die Kammer hat bei den Interessenten des Bezirks eine Umfrage angestellt, die sich widersprechende Gutachten ergeben hat. Tie Kammer ist deshalb der Meinung, daß ein erhebliches Bedürfnis für Einführung einer deutschen Arbitrage neben der bestehenden (Londoner) Arbitrage nicht erwiesen sei und spricht sich deshalb gegen den Antrag Brandenburg ans.
Die Handelskammer Heidenheim Hot beantragt, Art. 4 Ziffer 2 und Art. 96 Ziffer 2 der Wechselordnung dahin zu ändern, daß die Wechselsumme auf mindestens 100 Mark lauten müsse. — Die von der Kammer eingeholten Gutachten, sprechen füd), alle entschieden gegen diese Aen-- derung aus und sind im Gegenteil der Meinung, daß von dem Zahlungsmittel des Wechsels — auch mit Beträgen unter 100 Mark — eher zu wenig denn zu viel Gebrauch gemacht werde.
Das Bureau soll sich mit dem Deutschen Feuerversicher- ungs-Schutzverband wegen Beitritts der Kammer als solcher in Verbindung setzen.
Nach einem von dem Vorsitzenden auf Grund mehrerer? Gutachten erstatteten Referate über die Spiritus st euer- novelle beschließt die Kammer einstimmig, im Interesse der beteiligten Jndustrieen des Bezirks den Reichstag zu ersuchen, dem Art. II des Gesetzentwurfes über Abänderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887 die verfassungsmäßige Zustimmung zu versagen.
Zu Mitgliedern des Kuratoriums der Kaufmänni- ch en Fachschule pro 1902 in Friedberg wählt die Kammer sämtliche in Friedberg wohnenden Handelskammer-Mitglieder sowie die Herren F. Damm und W. Haller.
Der Sekretär berichtet über den Einspruch der Firmen „Gebr. Kaiser in Düsseldorf, Filiale in Friedberg und der Firma Gebrüder Siesmayer in Frankfurt a. M., Filiale in Vilbel" gegen die Eintragung in das Handelsregister und empfiehlt, bet den betr. Amtsgerichten zu beantragen, von einer Eintragung Abstand zu nehmen. Die Kammer be- chließt demgemäß. — Gleichzeitig wird jedoch beschlossen, das Kammermitglied Joutz, das Mitglied der Zweiten Kammer der Landftände ist, zu ersuchen, dahin zu wirken, daß derartige Handelsniederlassungen, die mangels gesetzlicher Voraussetzung ins Firmenregister nicht eingetragen werden dürfen, zu Beitragsleistungen zur Handelskammer im Verhältnisse threr Gewerbesteuerkapitalien gesetzliche zu v erp flich ten.
Ter Vorsitzende erstattet sodann Bericht über die Neugestaltung der Kaufmännischen Fachschulen und der Verteilung der Geldmittel, die seitens der Landstände hierzu bewilligt find. Demselben W zu entnehmen, daß auf die Friedberger Schule etwa der Betrag von 800 Mark ent- allen wird.
— Dem Handelsminister M öller ist der Rote Adlerorden zweiter Klasse verliehen worden-
— Pfarrer Naumann, der infolge Ueberarbeitung schon feit einigen Wochen sich von seiner politischen und schriftstellerischen Thätigkeit zurückziehen mußte und zur Zeit in Algier Erholung sucht, soll dort neuerdings so bedenklich erkrankt sein, daß auf eine baldige Wiederherstellung kaum zu hoffen ist.
— Die Budgetkommission be§ Reichstages beriet den Marine-Etat und strich bei den Ausgaben für artilleristische Armierungen bei Titel 38 (zwei Millionen für Munition) die Hälfte, bewilligte bei Titel 39 und 40 (je 1200 000 Mark zur artilleristischen Armierung der Linienschiffe L. und K. nur je 700 000 Mark und anstatt der geforderten 1300 000 zur Armierung des großen Kreuzers Ersatz „Kaiser" nur eine Million. Bei Titel 42 bis 44, Armierung der kleinen Kreuzer K^ L. und Ersatz „Zieten" wurden anstatt der geforderten 4Ö0 000 Mark nur 300 000 Mark bewilligt. Bei den Ausgaben für Torpedoarmierungen für die Linienschiffe „Wittelsbach", „Wettin" und „Zähringen" werden 150OUO Mark und für die „Medusa" 40 000 Mark gestrichen.
— Dem Reichstage ging eine Resolution Rö- sicke-Dessau und P ach nicke zu, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen betr. Errichtung von Arbeitsnachweisen, wonach die Gemeinden zur Errichtung und Unterhaltung von Arbeitsnachweisen angehalten werden tonnen, und an denen Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl unter, dem Vorsitz eines Unparteiischen zu beteiligen sind.
— Dem Reichstag gingen zur brüten Beratung der Brenn st euernovelle Abänderungsanträge des Abg. Arenberg und Genossen zu. U. a. bestimmen diese bezüglich der Brennsteuer: Die Steuer soll beginnen bet 100 Hektoliter Jahreserzeugung und betragen vom Hektolüer reinen Alkohols gleichmäßig bei landwirtschaft- llchen und gewerblichen Brennereien für die Erzeugung von 100 bis 200 Hektolüer 2 Mark, sodann bis 1500 Hektolüer um 50 Pfennig pro je 200 Hektolüer und danach bis ,2000 Hektolüer um 50 Pfennig pro je 100 Hektoliter (bis 8 Mark) steigen. In den 9Jtelaffebrennereien, die das .Kontingent um mehr als Vs übersteigen, erhöht sich die iBrennsteuer um je 10 Mark für jeden weiteren Hektoliter reinen Alkohols. Neue Melasfebrennereien müssen von federn Hektoliter erzeugten reinen Alkohols 10 Mark entrichten. Die Exportprämie, sowie die Vergütung für vollständig denaturierten Branntwein soll 6 Mark betragen und jährlich neu festgesetzt werden. Die Brennsteuer und die Brennsteuervergütung sollen am 1. Februar 1902 in Kraft treten.
— Den Mitgliedern des Reichstages ist eine Eingabe Angegangen, die Inhaber von vier elsässischen T e i g- warenfabriken an die Regierung der Reichslande gerichtet haben. Die Unterzeichner der Eingabe fühlen sich beschwert, einmal weil der Zolltarif entwarf ihr Rohmaterial, den Hartweizengries, höher als Mehl treffen will, dann aber, well ihr Fabrikat, die Teigwaren, zu niedrig verzollt werden sollen. Jetzt sind die Sätze für Mehl und Gries, sowohl im allgemeinen Tarife (10 Mk.) ,als auch im Vertragstarif (7,30 Mk.), einander gleich. In Zukunft soll Mehl (außer Hafermehl) mit 13,50, Gries dagegen mit 16 Mark belegt werden.
— Im preuß. Abgeordnetenhaus stand heute zur Beratung der Gesetzentwurf betr. die Provinzialdotationen; es sollen danach den Provinzialverbänden toeüere 10 Millionen Mark über wiesen werden, und zwar 2 Mill, vorweg an die sechs östlichen Provinzen für Chausseebauten, die übrigen 8 Millionen an alle Verbände gemeinsam für Erleichterung der Armenpflege, Wege- und Brückenbau. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben führt aus, die allgemeine Finanzlage des Staates fei so, daß sie sehr wohl die Belastung mü den 10 Mill, vertragen könne. Nach längerer Debatte wird die Vorlage einstimmig an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.
Stuttgart, 22. Jan. Die Finanzkommission hat mit großer Mehrheit gegen das Zentrum dem demokr. Antrag zugestimmt, unter Wahrung des Anspruchs der Stände auf Einholung der Zustimmung zum Einheitsmarkenvertrag, die durch den Vertrag veranlaßten Abweichungen vom Finanzetat nicht zu beanstanden. Ministerpräsident Breitling hatte zuvor erklärt, die Regierung halte an ihrem Standpunkt fest und werde auch einen Nachtragsetat nicht einbringen. Wenn die Stände aber in eine etatsvechtliche Prüfung der durch den Vertrag veranlaßten Abweichungen sofort eintreten wollen, so sei die Regierung hiermit vollkommen einverstanden. — Damit istdieFrageohnejedenKonfliktgelöst.
Wien, 22. Jan. Heute mittag fand in der Hofburg 'ne feierliche Renunziation der Erzherzogin Elisabeth anläßlich ihrer demnächstigen Vermählung mit dem Prinzen Otto Windischgrätz statt.
— Wie verlautet, wurde gegen die zwei Offiziere, >ie auf dem Hofball „Hoch Lueger" gerufen und mit Letzterem angestoßen hatten, wegen Verletz ungderHof- etiquette Strafen verhängt. Der eine wurde^nach Dalmatien versetzt, während der andere um ein Jahr im Avancement zurückgesetzt wurde.
Hongkong, 22. Jan. Aus einem Passagier- boorc, weiches am 19. Januar von einem englischen Schleppdampfer auf dem Westflusse zwischen Dosing und Sainam geschleppt wurde, hatten sich zwölf Räuber eingeschmuggelt, die während der Fahrt die Passagiere auszu- Ilündern begannen. Das Wachtboot, welches zur Hilfe eilte, nahm sechs Räuber gefangen, die anderen sechs gelangten an Bord des Schleppdampfers, überwältigten dessen Mann- chaft und verließen dann den Schleppdampfer wieder, nahmen aber zwei Leute der Besatzung desselben als Geißeln mit sich. Dem zurückbleibenden Teile der Besatzung agten die Räuber, die Behandlung der von ihnen fortgeführten Geiseln werde von der Behandlung abhängen, welche den gefangenen Räubern zu teti werde.____________
Vom Burenkrieg.
Aus Pretoria meldet Reuter: Die Truppen Lord Me- thuen's nahmen auf dem Marsche zwischen Vryburg und Lichtenburg am 12. d. M. ein kleines Lager, machten einige Gefangene und nahmen die Vorräte weg. Am 15. d. M. and Diefelbe Abteilung ein Lager der Freistaatburen, die iach Transvaal gewandert waren, und nahmen am daranf- olgenden Tage die Vorräte weg. Im ganzen wurden 23 Buren gefangen genommen. Ein Telegramm Lord Kit-^ cheners bestätigt diese Einnahme, die acht Meilen von Boschpoort erfolgte. General Bruca Hamilton machte in >er Nacht zum 18. d. M. einen Marsch auf Witbcmk gegen Botha, der inzwischen abgezogen war, doch gelang es 27 Gefangene zu machen. — Also alle Bemühungen der Engländer, Bothas habhaft zu werden, bleiben erfolg los.


