Ausgabe 
23.1.1902 Zweites Blatt
 
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schlagen. DaS erheitert den Geist, ohne ihn anzustrengen, schmeichelt dem Ohre und erfreut das Auge. Sowohl in Bezug auf Technik rmd vollendeter Interpretation der Stücke, wie auch im vorzüglichen Accompagnieren hörten wir gestern brillante Leistungen. Die Piözen des Repertoirs wurden überhaupt sehr lobenswert gegeben und fanden vielseitigen lebhaften Beifall. Ernstes wechselte mit Heiterem, Duett mit Sologesang, jetzt ein frisches Kauplet und daun eine Ballade, daraus lustiger Dialog und ein niedliches Intermezzo. Man siebt, es ist ein buntes Theater und es erfüllt in vorzüglicher Weise seine Aufgabe, zu unterhalten."

x Klein-Linden, 21. Jan. Am Samstag Abend feierte der GesangvereinHarmonie" sein Winterfest in dem Saale der Wirtschaftzur Burg". Dlehrere Theaterstücke ge­langten zur Aufführung, von denen besondersIn der Sommerfrische" undDer Kompagnieball" mit reichem Bei­fall belohnt wurden. Ein hiesiger Bäckermeister wurde dieser Tage in seinem Laden von einem Handwerksburschen thätlich angegriffen. Er erhielt einen Stockschlag über das Gesicht, sodaß das Blut floß. Ein Gendarm, der zu­fällig vorüberkam, nahm den Uebelthäter in polizeilichen Ge­wahrsam.

-o Großen-Linden, 22. Jan. In der Nacht vom Sonn­tag zum Montag brannte hier eine Scheune nieder. Sie war glücklicherweise fast leer.

b. Steinbach, 22. Jan. In unserem Ort beginnt ein reges Treiben. Am Freitag ertönte die Ortsschelle. Es wurde bekannt gemacht, daß am Samstag, den 25., Bürger­meisterwahl stattfinde. Niemand hatte bis dahin eine Ahnung davon. Die Bürger mußten sich nun schnell ent­schließen. Bis jetzt sind drei neue Kandidaten aufgestellt: Heinrich Ludwig Horn I., Georg Schäfer und Heinrich Lud­wig Reuschling I. Mehrere Bürger sind für den bisherigen Bürgermeister. Die für die Feldbereinigung vorgenommene Ortsvermessung dürfte noch unangenehme gerichtliche Nach­spiele für einige unserer Bewohner haben. Hoffentlich gelingt es unserem tüchtigen Gemeinderat, diese Streitigkeiten zu schlichten, damit die seitherigen Zustände in unserem Ort wiederkehren.

[?] Dornholzhausen b. Lang-Göns, 22. Jan. Am Sonn­tag wurde hier eine Hochzeit ohne standcsamttiche und kirch­liche Trauung gefeiert. Sämtliche Hochzeitsgäste waren er­schienen, um den feierlichen Zug zur Kirche mitzumachen; aber leider konnte die standesamtliche Trauung nicht erfolgen, da die Braut einen unrichtigen Geburtsort angegeben hatte, und so mußte auch die kirchliche Trauung unterbleiben. Vergnügt wurde jedoch, da Speisen und Getränke in Fülle vorhanden waren, die Hochzeit zwei Tage hindurch gefeiert.

Gambach, 22. Jan. In unserem Orte macht sich infolge des zu erwartenden Baues der Bahnlinie Butzbach Lich große Baulust bemerkbar. Mehrere Leute haben bereits Bau­plätze am Ausgang des Ortes nach derSchönen Aussicht" zu erworben, andere stehen noch bezügl. des Kaufs in Unter­handlungen. Welches Interesse unsere Gemeinde an dem Bahnbau nimmt, geht daraus hervor, daß sie zu deren Bau die Summe von 100 000 Mk. gezeichnet hat.

du Lich, 22. Jan. Am Freitag den 24. d. M., abends, Ihält Herr Butz aus Pretoria im Saale des Herrn Helland hier einen Vortrag über seine Kriegserlebniffe in Transvaal.

w. Reichelsheim i. d. W., 21. Jan. In der etwa fünf Minuten von hier entfernt liegenden Bingenheimer Mühle wurde am Samstag Abend ein Einbruchsdiebstahl ver­übt. Der Dieb beschränkte seine Thätigkeit darauf, die Wurst­kammer gründlich auszuräumen. Man glaubt dem Thäter auf der Spur zu sein und annehmen zu dürfen, daß dieser auch den am gleichen Abend vorgekommenen Raub anfall in der Nähe von Blofeld verübt hat.

Schotten, 21. Jan. Heute starb nach längerem Leiden im 70. Lebensjahre der langjährige Bürgermeister Fendt.

Darmstadt, 22. Jan. Heute am Jahrestage des Todes Ler Königin Viktoria von England fand um 10 Uhr in der Hofkirche ein Gedächtnisgottesdienst statt. Die Erb- prinzessin von Sachsen-Meiningen und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen trafen heute vormittag zum Besuch des Großherzogs hier ein und nahmen an der Frühstückstafel teil.

Offenbach, 22. Jan. Der Kreisausschuß hat in der heutigen Sitzung der Firma Karl Oehler, obgleich er nicht verkennt, daß die von den Reklamanten vorgebrachten Be­denken sehr schwerwiegender Natur sind, die Konzession zur Errichtung einer Schwefelsäure fabrik in der Gemarkung Bürgel erteilt.

Biebrich, 22. Jan. Ein sauberer Patron scheint der bis vor kurzem hier beschäftigt gewesene Arbeiter Sch. zu sein. Er hat mit einem aus Wiesbaden stammenden Mädchen ein intimes Verhältnis angeknüpft, und demselben die Hochzeit m Aussicht gestellt. Die glückliche Braut beschaffte um­gehend die Möbel und die sonstige Wohnungseinrichtung, und 'die Hochzeit sollte in kurzem stattftnden. Der Tag der Standesamtstrauung war festgesetzt, aber der Bräutigam er­schien nicht. Das Mädchen wandte sich hierauf hierhin, wo es erfuhr, daß der Mann inzwischen verduftet war. Es schrieb darauf an die Mutter des Treulosen. Dort wurde ihm jedoch der Bescheid, daß der Bräutigam bereits sell 14 Jahren verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Seitens des betrogenen Mädchens soll bereits der Staatsanwaltschaft An­zeige erstattet sein.

Frankfurt, 22. Jan. In einer Besprechung der Bürger- Meifter der Taunusbäder wurde beschlossen, durch Petitionen an alle maßgebenden Stellen, auch des Eisenbahnministers, auf eine direkte Vollbahnverbindung von Bad- Nauheim nach Wiesbaden hinzuwirken und dabei gleichzeitig auch die strategische Bedeutung dieser Vollbahn hervorzuheben. (Dann würden also auch wir Gießener bald eine Vollbahn nach Wiesbaden erhalten. D. Red.)

Frankfurt, 22. Jan. Die Stadt Frankfurt hat bekanntlich in den letzten Tagen verschiedentlich eine gewisse Rolle in den Reichstagsverhandlungen gespielt. Verschiedene Redner haben sich zu dem Thema der Arbeitslosen-Fürsorge in Frankfurt geäußert, und sonderbar keiner hat Bescheid ge­wußt. Unser Magistrat hat sich nun etwas spät ent­schlossen, dem Präsidium des Reichstages einen Brief zu schreiben, in dem er seinerseits die wirklichen Thatsachen zur Kenntnis giebt. Heute abend hat der Oberbürgermeister diesen Brief verlesen, und es geht aus ihm vor allem die erstaunliche Thatsache hervor, daß sich zu den von der Stadt für zusammen 950 Mann eingerichteten Notarbeiten überhaupt nur 490 Mann gemeldet uud eingefunden haben.

Vermischtes.

* Der Kronprinz ist auf der Rückreise von Berlin nach Bonn einer Lebensgefahr entgangen- Die in Olde erscheinendeGlock" berichtet hierüber aus Jsselhorst: In der Nacht vom 19. zum 20. Januar fuhr der deutsche Kronprinz mit dem Schnellzug 10 nach Bonn- Nachdem der Zug von Brackwede gemeldet war, und alle Vor­bereitungen zur Durchfahrt seitens der Station Jsselhorst getroffen waren, meldete der Hilfsbahnwärter Wittenstein, Posten 108 an Station Jsselhorst, daß er in dem uon dem Schnellzuge zu befahrenden nördlichen Hauptgleise einen Schienenoruch entdeckt habe; es sei ein Stuck von ungesähr 30 Zentimetern Länge aus der Schiene vollständig herausgesprungen. Dem diensthabenden Stationsbeamten, den Deichenstellern 1- Kl. Heinrich Möller und Potthof gelang es noch im letzten Augenblick, den Zug zum Halten zu bringen, und anzuordnen, daß derselbe in dem Neben­gleise von hier nach Station Gütersloh weiter fuhr. Wäre der Hilfsbahnwärter Wittenstein nicht so außerordentlich diensteifrig gewesen, indem er die Strecke nach erfolgter vorschriftsmäßiger Revision noch kurz vor Ankunft des Zuges noch einmal nachgesehen, dann wäre der Zug (die Eisenbahn hat von Brackwede nach hier starkes Gefälle) zweifellos entgleist und ein schreckliches Unglück wahr­scheinlich gewesen. Auch die Beamten auf der Station haben in einem so kritischen Augenblick ihre besondere Tüchtigkeit erwiesen; da wenige Minuten vor Ankunft des Zuges der Schienenbruch gemeldet wurde, so mußte in diesen wenigen Augenblicken der Zug zum Halten und in ein anderes Gleis gebracht, und nach Gütersloh tele­graphiert werden, daß dieses Gleis schleunigst frei gemacht werde. Wie leicht hätte da in Uebereilung ein Mißgriff Vorkommen können. Auf der Station Gütersloh sorgten Bahnmeister Feuerhelm und die übrigeit Beamten gleich dafür, daß das betreffende Gleis frei wurde und so der Schnellzug ohne Unfall wieder ins richtige Gleis ge­bracht und weiter fahren konnte. Der Schienenbruch war nicht weit von der Stelle, wo der Großvater des Kron­prinzen, der nachmalige Kaiser Friedrich, welcher damals ebenfalls in Bonn studierte, im. Jahre 1851 bei einer Entgleisung wunderbarerweise unverletzt blieb, wie hier das Denkmal noch bekundet-

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Ludwigshafener Walzmühle. Die Berwaltung bringt die folgende Mitteilung in die Oeffentlichkeit: ^Um der ungeheuer­lichen Wirkung des speziell gegen die Walzmühle gerichteten Um­satzsteuergesetzes in Bayern zu entgehen, hat der A u s s i ch t s r a t die Verlegung des Hauptbetriebes auf badisches Gebiet bestimmt in Aussicht genommen. Ueber die Höhe der diesjährigen Dividende kann, trotzdem das Erträgnis über das vorjährige hinausgeht, noch keine bestimmte Angabe gemacht werden, jedenfalls dürfte dieselbe diejenige der letzten Jahre, 8 p(£t, nicht erreichen; es müssen mit Rücksicht auf bte Uebersiedeluirg größere Rücklagen gemacht werden.

Bayerische Staatsbahueu. Diese Bahnen erzielten 1900 eine Einnahme von 150 547 000 Alk., d. i. 6186155 Mk. weniger als im Vorjahr.

Insolvenz im Holzhandel. Die altrenommierte Firma Ernst Wagner u. Sohn in Siegen ist in Zahlungsschwierig­kellen geraten.

Bereinigte Schweizerbahnen. Die Aktionärversamm­lung genehmigte den Rückkaufsvertrag< mit der Eidgenossenschaft. Die letzte Generalversammlung zur Vornahme der Liquidatton wird im Laufe des Alonats Mai stattfinden.

Allgem. Deutsche Kleinbahugesellschaft. Gegenüber der bedeutenden Steigerung der Aktien und Obligationen dieser Gesellschaft muß immer wreder darauf hingewiesen werden, daß sich die VerhälMisse der Gesellschaft recht ungünstig gestalten und auch die Obligationäre auf einen Teil ihres Kapllalanspruchs ver- zichten müssen.

tzottesdienst m der Synagoge, Mdanlage. Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 25. Januar 1902.

Vorabend: 5 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Feier des Geburts­tages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Nachmittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 6 Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.

Sabbathfeier am 25. Januar 1902.

Freitag abend 440. Samstag vormittag 8°°. Feier des Ge­burtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Nachmittag 380. Sabbathausgang 5".

Wochengottesdienst: morgens 700 Uhr, abends 480 Uhr.

"Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Mehrere Bürger in St. Wir bitten Sie, bei weiteren Ein- [enbunaen Ihren Namen zu nennen. Andernfalls müßten wir auf deren Aufnahme verzichten.

Neueste Mewmlgrn.

Origiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 23.Jan. Der Verein der Berliner Kauf­leute uud Industriellen beging gestern sein 22. Stiftungsfest, zu dem u. a. Fiuanzmimister Frhr. v. Nheinbaben, Landwirt- schaftsminister v. Podbielski und ein Vertreter des Handels- Ministers erschienen waren. Bald nach Beginn des Mahles hielt der Finanzmiuister eine Rede, in der er auSsührte, daß im vergangenen Jahre nicht nur ein Stillstand, sondern ein Rückgang sich bemerkbar gemacht hat. Innerhalb der letzten drei Jahrzehnte aber könnte man sich eines nimmer geahnten Fortschrittes rühmen. Rur die Landwirtschaft habe an diesem Aufschwünge keinen Teil gehabt. Die Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus. Rach ihm erinnerte Kom­merzienrat Jacob an die um die Erringung der Handels­kammern geführten Kämpfe, stteifte die Frage des Zolltarifs und schloß mit einem Hoch auf die Minister. Minister v. P o d- bielski wies auf den Reid, deu Haß uud die Mißgunst hin, die heute emporwucheru Wir lebten in einer sehr ernsten Zeit. Er sei ein großer Auhäuger der Heimatspolitik. Wenn unsere Grundmauern seststehen, werden wir die Krifis doch schneller überwinden als im Jahre 1873. Schließlich wies der Minister auf Amerikas Wohlfahrt hin, die auf der Blüte seiner Landwirtschaft beruhe.

Haag, 23. Jan. Präsident Krüger läßt erklären, daß weder die in Europa befindlichen, noch die afrikanischen Baren- führer irgendwelche Friedeus-Juitiative ergreifen werden. England kenne die Bedingungen der Buren, welche auf voller Unabhängigkeit bestehen. Andere Bedingungen würden die Burenführer niemals annehmen.

Madrid, 23. Jan. Die Regierung beschloß die gericht­liche Verfolgung des Abg- Molinter, der als Professor der Universität Valencia die Studenten zum Streik auf* fordert, um gegen sie zu protestieren.

Loudon, 23. Jan. Der Bankzinsfuß ist von 4 auf 5^ Prozent he> abgesetzt worden.

Wien, 22. Jan Aus Hofk, eisen wird berichtet, Kaiser Wilhelm werde Anfang Mai nach Petersburg reisen. Sodann werde Kaiser Wilhelm dem Kaiser Franz Joses in Wien einen Besuch machen.

Tientsin, 23. Jan. Der dem Kommando der deutsch- ofiasiat scheu Besatznngsbrigade zugeteilte Leutnant v. MuccuS ist auf einem Patrouillenritt in der Rahe von Ehunliangchenz, 16 Meilen östlich von Tientsin, von Räubern durch einen Schuß in bic rechte Schulter schwer verletzt worden.

Frankfurts. M., 23. Jan. In der vergangenen Nacht: verletzte der Metzger und Zuhälter Eckert aus bem' ersten Polizeirevier zwei Schutzleute schwer mit einem Schlächtermesser. Ein dritter schlug ihn nieder.

London, 23. Jan.Daily Chroniele" erführt aus guter Quelle, in Indien seien Gerüchte verbreitet, daß mög­licherweise im Frühling in Afghanistan Wirren aus-, brechen werden. In Punjab glaube man allgemein, daß im Laufe des Winters sich russische Truppen an der Nord­grenze von Afghanistan ansammeln und möglicherweise in Afghanistan einfallen, sobald der Sck)nee schmilzt. Wie' Daily Chronicle" weiter erführt, sind an der brittschen Grenze Defensivmaßregeln ergriffen, um allen ein treten- den Ereignissen zu begegnen. In Punjab werden die mili­tärischen Manöver im Februar, also zu einer ganz unge­wöhnlichen Jahreszeit, stattfinden. Es wird alles dem­nächst auf dem Kr ie gsfuß sein. Einige 'gimenter sam­meln sich bereits im Hinblick auf ernstere Verwickelungen., Neue Hospitäler werden längs der Grenze errichtet, btt- Vorratshäuser und Arsenale gefüllt.

Lou d on, 23. Jan. Ein Telegramm aus New-Wat- come berichtet, daß der dortige Universitäts-Rek^ tor nach Süd-Afrika abgereiftt ist mit dem Auf­trage, die letzten Einzelheiten zu erledigen, um die eng­lische Kolonisation daselbst in großem Maßstabe vorzu­bereiten. Die englische Regierung beabsichtigt zahlreiche Engländer zur Ansiedelung in Süd-Afrika zu bewegen^ um auf diese Weife den Rassenhaß zum Verschwinden zch bringen-

Marburg, (Steiermark), 23. Jan. Heute nacht ton es auf der Drau-Brücke zu einem großen militäri­schen Exzeß. Zwischen der einschreitenden Wache undi den Exzedenten fand ein förmliches Gefecht statt, wobei zahlreiche Dragoner, die sich gegen die Wache auflehnten, zum Teil schwer verletzt wurden. Viele Exzedenten' wurden von dem einschreitenden Militär verhaftet.

Konstantinopel, 23. Jan. Infolge der von der Polizei beschlagnahmten jungtürkischen Prokla­mationen fanden neuerdings Verhaftungen von ver­dächtigen Personen statt.

New-2)ork, 23. Jan. Der Gouverneur von Indiana und der Bürgermeister von Indianapolis, veranlaßt durchs eine Petition von Bürgern von Indianapolis, sandten eine Einladung an den Prinzen H einrich, in der sie um seinen Besuch bitten. In Milwauke herrscht freudige Erregung, weil dort der Besuch des Prinzen alÄ wahrscheinlich angekündigt ist. Die deutschen Vereine Irian en eine große Fr enden kundg ebung. Hier inszeniert die Polizei einen umfangreichen Ueberwachungsdiensi über die Anarchisten und duldet keine öffentlichen Demonstrationen- Der Legislatur von Albany liegt ein Antrag vor, 250000 Dollar jährlich für die Ueberwachung/ der Anarchisten im Staate New-York auszuwerfen.

Washington, 23. Jan. Im Senat beantragte dev Senator Teller, den Präsidenten Roosevelt aufzufordern, von England die Abänderung des Urteils gegen, Scheepers zu verlangen und zwar im Interesse der, Menschlichkeit und zwecks Anerkennung der Genfer Kon­vention. Die Verurteilung, .Scheepers müsse die Inter­vention der amerikanischen oder einer anderen Regier­ung Hervorrufen. Der Krieg, wie er auch geführt werde, müsse mit Menschlichkeit geführt werden. Man glaubt, daß, die Meldung, Scheepers fei bereits hin g er ich tet, aus einem Irrtum beruhe. Scheepers solle erst am nächstem Samstag hin gerichtet werden.

Telephonischer Kursbericht«

Frankfurt a. M.. 23. Januar.

878% Reicheanleihe . . 101.90 3% do. ... 90.90 3V,% Konsole .... 101.55 3% do .... 90.95 372% Hessen .... 100.00 3% Hessen ..... 4% Oesterr. Goldrente . 102.60 476% Oesterr. Silberrente 100.90 4% Ungar. Goldrente . . 100.05 40/ Italien. Rente . . . 100.10 47,96 Portugiesen . . . 42.20 30/ Portugiesen .... 27.10 1% C. Türken .... 27.60 Tilrkenlose 106.80 4% Grieoh. Monopo 1-Anl 42.80 47'2% äussere Argentiner.

Tendenz:

8% Mexikaner .... 26.85 47r /o Chinesen .... 88.40 Electric. Scbuckert . . . 123.70 Nordd. Lloyd ..... Kreditaktien 205.70 Diskonto-Kommandit . . 185.90 Darmstädter Bank . . . 132.00 Dresd- ner Bank .... 136.60 Beniner Handelsges. . . 144.70' Oesterr. Staatobahn , . . 143.30 Lombarden .... 20.10) Gottharibahn .... 170.00 Laura hütte ..... 196.50, Bochum ...... 185.00t Harpener 162.60

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Von einem hiesigen Bürger ist dem Unterzeichneten ein größerer Geldbetrag, welcher zur Anschaffung von Kohlen und Kartoffeln für dahier wohnende, bedürftige Fa­milien oder alleinstehende Personen Verwendung finden soll, zur Verfügung gestellt worden. Die einzelne Gabe wird voraussichtlich aus einigen Gentnern Kohlen und einem Cent- ner Kartoffeln, welche in die Wohnung der Bedachten ge­liefert werden, bestehen.

Gesuche um Gewährung der Gabe sind bis zum L Fe­bruar 1902 entweder mündlich in dem Bürgermeisterei- gebäude Zimmer Nr. 4 vorzubringen oder schriftlich bei dem Unterzeichneten einzureichen.

Gießen, den 23. Januar 1902.

Wolff, Beigeordnstsc. 769'